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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nrrmrrrsr 41. Fernsprecher 951 und 952 Sonntag, 18. Februar 1923. Fernsprecher 951 und 952 13. Jahrgang.

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Sein Kahlenkransport durch die englische Zone.

Der Kursumschwung.

' Vie steigende Mark.

Das charakteristische Merkmal in der Politik und Wirtschaft im Laufe dieser Woche war die Besserungder Mark. Börsenkundige Leute hatten ja einen Rückgang der Devisenkurse, die in einem Dollarstand von über 50000 Mark ihren Ausdruck fanden, erwartet, weil die katastrophale Entwicklung innerhalb der letzten vier Wochen trotz des Eindringens der Feinde übertrieben war. Aber an einen derartigen Umschwung bin­nen einer Woche bis unter 20 000 Mark für den Dollar dachte man nicht, weil die politische Lage tatsächlich durch die immer schärfer werdenden Maßnahmen der Franzosen außerordentlich ver­schlechtert worden ist und das Wirtschaftsleben im höchsten Grade gefährdet wurde. Die auffallende Markbefferung steht also im eigentlichen Wider­spruch zu den wirklichen Verhältnissen. Man hatte zwar auch vermutet, daß hinter den Kulis­sen etwas zugunsten Deutschlands vorgehe, aber nachdem die Reden im britischen Parlament er­kennen ließen, daß England nicht daran denkt, in die Ruhrbesetzung einzugreisen und Frank­reich jede Einmischung rücksichtslos ablehnt, muß man auch diesen Gedanken wieder fallen lasten, ©o ist die Kursbewegung nur unter dem Ge­sichtspunkte zu betrachten, daß die dauernde Mb gäbe von Devisen durch die Reichsbank und die Einschränkung der Spekulation durch die Ban­ken, im Zusammenwirken mit den Plänen der Regierung, das Steigen des Marlkutfes betrie­ben haben.

Der Erfolg war überraschend. Man sicht, daß das Mittel der Reichsregierung wirksam war und zwar so stark, daß, während bi? Mark stieg, der französische Franken weiter f i c t. Man muß dabei allerdings vorsichtig urteilen und darf die beiden Entwicklungskurven jetzt nicht miteinander in Beziehung stellen. Zweifel­los deutet das Fallen des Franken den Mißerfolg in der Ruhraktion an, aber das Steigen der Mark deutel noch nicht dm deutschen Sieg an. Soweit sind wir leider noch nicht. Betrachten wir also den Sachverhalt, daß die Markbesserung künstlich herbeigeführt worden ist allein durch die deutschen Börsen ohne Mitwirkung des Auslan­des, so erbebt sich die Frage, wie lange die deutsch« Reichsbank ihre Stützung der Mark durchführen kann. Da kommen wir leider zu der Erkenntnis, daß ihre Mittel, selbst wenn sie keine Reparationen mehr zahlt, begrenzt sind, denn der Goldbestand, die Reserve für alle Fälle, muß in einer actvifseu Höhe schalten werden. Unsere im Vergleich zu den Weltbörsen schwache Finanz- krast reicht nicht aus. nm etwaigen ausländischen Aktionen gewachsen zu sein. Wenn es zum Bei- spiel England oder Rmerika als in ihrem In- tcresse liegend erachten, Markbestände zu verkau­fen, wird sich der MaEurs wieder rückgängig bewegen.

Eine andere Frage ist nun, wie würde eine weiter andauernd« Markbesserung oder etwa eine Stabilisierung auf dem tetzigew Stand auf da§ deutsche Wirtschaftsleben wir­ken? Da eröffnet sich ein trüber Ausblick. Zwar sieht es auf den ersten Mick aus, als habe die gesamte Mdbraucherschaft einen Vorteil durch die bessere Mark. Das wäre natürlich der Fall, wmn alle Preise zurückgehen würden. Das ist aber noch nickst möglich, weil die Waren, die sich jetzt im Handel befinden, und Erzeugnisse, die aus bisher eingekauftem Rohmaterial ver­arbeitet werden, zu hoben Devisenkursen berech­net ünd bezahlt sind. Alle diese Waren bebalten ihre hohen Preise bei; denn würde der Fall ein­treten, daß sie billiger verkauft werden müßten, dann entständen der ganzen Geschäftswelt so enorme Verluste, daß in ungeheuerem Umfange Zcchlunasunsähiakeit eintreten würde. Die Folge davon wären Betriehsstörungen in Industrie, Gewerbe und Handel, und als weitere Folge Ar­beitslosigkeit. Damit wäre der anfängliche Vor­teil der Verbraucherschaft bald illusorisch. Tas könnte man keine Gesundung der Verhältnisse nen­nen. Der einzig gangbare Weg ist und bleibt eine lanqsame Stabilisierung und zwar im Programmsfügen Zusammenwirken von Regie­rung und Wirtschastsvertretern aller Zweige.

Rack dem gegenwärtigen unnatürlichen Ans und Ab ist vielmehr zu befürchten, daß sich solche Schwanrungen wiederholen ind eine Unsicherheit ins GeschäftÄeben hinein­tragen werden. Eine dauernde Markbesserung wird aus naheliegenden Gründen leider noch nicht eintreten. Man muß vor allem bestrebt fciu, das Wirtschaftsleben, von dem ja die Ge­samtheit ab hängt, in Gang zu halten. Da die bisherige Teuerung vorläufig noch Lohn- und Gehaltserhöhungen erfordert, und wie die Ge- ^bästswett, so auch die Reichsämter, Post und tisenbahn, die Tarife erhöhen, so gebt die all- emeine Preisbewegung weiter nach oben. lui Mr Auslandswaren, zum Beispiel Feste, üt ein teilweises Sinken der Preise festzustellen. Grundlegend fiir alle Preisentivicklung bleibt nach wie vor das Verhältnis von Erzeugung und verbrauch. Und die Nachfrage ist immer noch

größer als das Angebot. Kohlen, Holz, Papier/ Leder, Textilwaren, Chemikalien, Metallwaren und dergleichen mehr steigen vorläufig weiter im Preis. Das ist schon durch die feindliche Beset­zung bedingt, die unser Wichtigstes Wirtschafts­gebiet lahnüegt. Deshalb ist es das dringendste Erfordernis, gegen die Feinde im Lande anzukämpfen. Mit welchen Mitteln dies ge­schehen kann, ist ja bekannt. Helfen wir also dazu, daß die Ruhrbevölkerung in ihrem Wider­stände stark bleibt, bis der franzöfif<M>elgifche Raubzug zuschanden wtrdl K. F. D.

EMianö und FraMrerch.

Die Kohlendurchfuhr nach Frankreich.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 17. Februar.

Die britische Ablehnung der ftanzöfi- scheu Forderung auf Ueüerlaffung der Eisen- Sahnen in der englisch besetzten Zone bringt eine neue Spannung in die Entente und rückt die etwaige Zurücknahme der britischen Truppen wieder näher. Gleichzeitig mit der Ablehnung bezeigt- die englische Regierung aber den Willen, den Frieden zwischen Eng- land und Frankreich biS zum Reußersten zu bewahren. Weiter wird mitgeteilt, daß die französische Forderung auf Ueberlaffung der Hauptlinien im Kölner Gebiet abgelehnt wor­den sei. England habe nnr eine Sechs-Meilen- Linie abgeben können ,die eine Ecke der Zone schneidet. Der britische Minister erklärte, bnfr eine Gewährung der französischen Forderung eine direkte UnterMtzung der Besetzungsaktion wäre und deshalb ab gelehnt werden müsse. Dian nimmt an, daß PoinearS die Forderung in einer Form wiederholen werde, daß eine Z u- rücknahme der britischen Truppen aus dem besetzten Gebiet erzwungen würde.

Anter dem Franzosensäbe?.

Weitere Verhaftungen im Ruhrgebiet.

(Eigene Drahttneldungü

Dortmund, 17. Februar.

Der gestern mittag verhaftete Oberbür­germeister der Stadt Dortmund, sowie die Her- ren Regierungsassessor Bitter, Reichsbankdirektvr Müller, Inspektor Berhäuser, Oberbaurat Wiß wurden von den Franzosen nach Dortmund-Dor- selden transportiert, wo fie einen Auswei­sungsbefehl erhielten. Sic wurden nach Olfen gebracht, wo fie gestern nachmittag fteige- lassen wurden. Bei der Erstürmung des Esse- ner Polizeipräsidiums wurden RegierungLrat Niedrrmcyrr, Polizeirat Eckner und der Kom­mandeur Riehoft verhaftet und 'nach Brede- ney gebracht. Die im Polizeipräsidium befind­lichen Schupo-Bramten wurden verhaftet. Das Polizeipräsidium ist noch umstellt.Bürgermei­ster Iellinghaus in Osterfeld wurde in seinem Amtszimmer verhaftet. Ein Auto entführte ihn in der Richtung nach Stcrkrade. Sämtliche Beamten traten in den Proteststreik ein.

Mißhandelt und ohne Nahrung!

Düsseldorf, 17. Febr. (Privattelegramm.) Die unmenschliche Behandlung der von den Franzosen festgenommencn Schupo-Bramten aus dme Ruhrgebiet spottet jeder Beschreibung. Sic wurden mit Ketten zusammengebun- den und mit Kolbenstößen mißhandelt. Sogar mit Bajonetten drangen die Solda­ten auf fie ein. Die Beamten waren bei ihrer Einlieferung in da« Zweibrückener Gefängnis vier Tage unterwegs, ohne irgendwelche Nahrungsmittel erhalten zu haben. (!) Die bei ihrer Ankunft in Zweibrücken angesam- mette Menschenmenge wurde von den Soldaten mit KÄbenstößen auSeimmdergetrieben.

«

Wieder franzSfifthe Schüsse.

Essen, 17. Februar. (Privattelegramm.) In Essen ist eS gestern abend zu einem Zwischen­fall gekommen. Wegen der Kriegsgerichtsurteile sammelte sich eine große Menschenmenge au die von den französischen Soldaten aufgefor­dert wurde, auseinander zu gehen. Als dies nicht sofort geschah, wurden Schüsse twgegeben. Ob hierbei Personen verletzt wurden, konnte noch nicht mtt Bestimmtheit ftstgeftellt werden.

Die Orientfrife dauert an.

Verhandlungen fn Konstantinopel.

(Eigene Drahtm-ldung.)

London. 17. Februar.

Einer französischen Meldung ans Konstan­tinopel zufolge, werden die Alliierten nach der Ankunft JSmed Paschas am Bosporus mit

ihm feine gemeinsame Zusammenkunft haben, sondern einzeln mit ihm zu verhandeln versuchen» soweit die kurze Zett seiner Anwesen­heit cS erlauben wird. Bon englischer Seite ärd dem türkischen General eine Botschaft Lord lrzons überreicht werden, in der es heißt, daß England die Lausanner Konfereiz nicht als abgebrochen ansieht und daß es hofft, bald zu einem end-gülttgen Friedensschluß zu kmnmen. General Harrington plant eine län­gere Unterredung mit Jsmed Pascha, von der mau ein fjir den Frieden günstiges Ergebnis er­wartet. In gewissen Kreisen glaubt man sogar, daß der Friede jetzt in Konstantinopel unterzeich­net werden wird und deShalb Sir Horace Rumbold, einer der er sche« Vertreter in Lau­sanne, sich beeilt, «ach Konstantinopel zurückzu- kehre«, um wieder sein Amt anzutreten.

Die Haltung der AKiierten.

«uglisch-sranzöftsche Berattruge«.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 17. Februar.

Ueber die Beratungen zwischen Bonar Law und Lord Derby mit der ftanzöstschen Delega­tion verlautet: Bonar Law hatte gestern abend noch einen Ministerrat einberufen und danach verlautete, daß sich die Besprechungen mit le Troquer noch aus ganz andere Fragen als die Kohleudurchsuhr durch die englische Zone erstreckt hätten. Daher würde der ganze KrciS der zu erörternden Gegenstände nschmals durch- -wftroch^n werden müssen und zwar zwischen

utr Snto und Poi.icarS selbst, btt schon in den näckHeil Tagen in London erwartet würde. Das Auswärtige Amt erßärie, eS könne dieses Gqchcht weder SestStigen noch dementiere«.

* *

5)er einmalige DSUerDunö.

London, 17. Februar. (Eigene Drahtmel­dung.) Im englischen Unterhaus haben die beiden liberale« Gruppen, diejenige Lloyd Ge­orges und diejenige Lord GreyS einen an>!e Regierung zu stellenden A«trag bcMosi.lt, wonach darauf hingewiesen wird, dad ber Friede Europas durch die Ruhrpolitik der französischen und belgischen Regierung g c - fähroet werde und daß es dringend notwen­dig sei, unter der Führung des Völkerbundes Wirksame Schutzmaßnahmen gegen jede Angriffe zu ergreifen. Der Völkerbundsrat müßte aufgefordert werden, unverzüglich eine Sachver­ständigenkommission zur Feststellung der Lei- stungsfähigkeit Deutschlands unp der besten ZahlungSmSglichkett rin-,»setzen. Wei- terhin müßte der englische Delegierte beim Völ- kerbund die Einladimg der Bereinigten Staaten zu einer Konftrenz beantragen. Evening Standard" zufolge ist die Forderung der libera- len Parteien auf Einsetzung einer BölkerbundS- kommisfion zur Festsitzung der ReparationS leistimgen Deutschlands unmöglich.

Das ftywonkenve Amerika.

Washington, 17. Februar. (Eigene Draht- Meldung.) Im amerikanischen Repräsentanten- haus Hst der republikanische Abgeordnete Foigt eine Attschließuna eingebracht, die gegen die Be­setzung deS RuhrgebieteS protestiert und de« Präsidenten Harding auffordert, eine Welkten- ferm zur Beilegung der Differenzen einzuber«. fcn. Gleichzeitig so« Frankreich ausgefordert werden, seine Schulden an Amerika zu bezahlen. Im Senat hielt im Gegensatz zu dieser Auffas­sung der Senator Fletcher eine Rebe, in der er das Borgehen Frankreichs unterstützt und fordert, daß Amerika sich jeder Jntervetttion auch in der Aeparationsfrsge enthalte.

Lobesovsir im Westen.

Gewaltige Beteilig»«« cm der Beerdigung.

(Privat-Telegtamm.)

Gelsenkirchen, IfZ. Februar.

Unter einer beispiellosen Beteiligung der ge- samten Gelsenkirchener Bürgerschaft sand gestern die feierliche Nebersührung der Leiche des durch ftanzöfische Gendarmerieoffiziere e r - schossenen OberwachtmeisterS Hutmscher statt. Alle Organisationen der Beamten, Ange- stellte« und Arbeiter, die Hundertschaften der Schupo, Vertreter der Kommunalverwaltung- und OrtSbehSrden, deS Oberprüsidenten und des RegierungSpräfldenen von Arnsberg waren er­schiene«. Mehr als hunderttausend Menschen waren auf der etwa fünf Kilometer langen Straße, durch die fich der gewaltige Zug 6e- wegte, mit mehr als hundert Fahnen und Hnnderte von Kranzspenden aus allen Kreisen.

Die Auögewlefenen.

Eine amtliche Fürforgeftelle.

SS ist fel6flt>erfiänblt<t, haft fiir die ver riereneir Beamten nnb Privatpersonen, die van den Fein­den a«S dem vefetztr» Gebiet anSgeivirfen Wer. den, ge ergt warben csu§. Arber die Fürsorge, stelle Frankfurt wird «NS Folgendes geschrieben«

Sogleich nachdem an der Ruhr die Auswei­sungen begonnen hatten, wurde in Frankfurt fine F ü r s o r g e st e l l e für Aüsgewiescne auS dem Rhein- und Ruhrgebiet im Einverständnis mit dem Polizeipräsidium, der Handelskammer und anderen Behörden geschaffen und vom Ro­ten Kreuz unter Mitwirkung des städttschep Wohlfahrtsamtes, des Verkehrsvereins (ber die erste Anregung dazu gab), der Zentrale für pri­vate Fürsorge, Lanitätskolonne und Studenten. Hilfe geleitet. Und zwar handelt es sich bei dieser Stelle vor allem darum, den Ausgewiejene» oder Flüchtlingen für den ersten Tag mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, ihnen Unter­kunft und Verpflegung zu verschaffen »ich für ihre Weiterbeförderung Sorge zu tragen. Sein Hauptaugenmerk richtet bekanntlich Frankreich und Belgien auf die durch ihre Stanp- hafttgkeit ihnen

am gefährlichsten erscheinenden Beamten, die in später Nachtstunde oder im frühesten Mor­gengrauen (so es sich nm aus der ersten Zone Ausgewiesene handelt) im Auto oder per Bahn bis Goldstein transportiert und hier .ausge­setzt" werden. (Die erste Zone reicht bis Bahn­hof Frankfurt a. M.-Goftsstein.) Diese Beamte werden dann von ber Fürsorgestelle an ihre zu­ständig. Behörden überwiesen, denn die hier befindLaW Statef -. uni- Kornmu. .ilüehörde» J- haben ihre eigenen Wrsorgestellen geschaffen, die sich wieder ihrer ausgewiesenen Beamten an­nehmen. Die Fürsorge für Private, die meistens völlig mittellos die FÄrforgestelle erreichen, ge­stattet sich schwieriger. Die Sorge für den ersten Tag Wernimmt hi« Fürsorgeftelle, sie gewährt Gutscheine für Mahlzeiten in Mittelstands­küchen oder Hotels, sorgt für Unterkunft in städtischen Jugendherbergen oder Hotels, forscht nach etwaigen Verwandten, wohin sich ber Flüchtling wenden kann und stellt ihm einen Freifahrschein auS, der ihn ans gewünsch­te Ziel bringt. Wie erinnerlich, hat die Reichs- bahn den Aus gewiesenen und Flüchtlingen auS dem Rhein» und Ruhrgebiet, wenn sie sich als solche legitimieren können, freie Fahrt be­willigt. Dazu stellen sich auch ab und zu .Ruhr- Flüchtlinge" ein, die weder ausgewiesen noch ge­flüchtet sind, Abenteurer, die sich die Vorteile ber wirklich Vertriebenen zunutze machen wollen. Und so ist es vorgekommen, daß biefeFlüchikiw ge" am nächsten Morgen aus den Jugeitbherber- gen unter Mitnahme ber Bettwäsche vcrschwan« den ober von bett Gästen des HoielS. wo sie für eine Nacht untergebracht würben, größere Gelb­beträge erschwindelten. Die Geschäftstüchtigste,t ließen sich einen Ausweisschein sür Frfisohrt ge­ben, verkauften die Fahrkarte an Interessenten und ließen bei dem nachfolgenden Freudentrunk die freigebige FÄrforgestelle hochleben. Durch solche Erfahrungen gewitzigt, werden tünftiobin die Flüchtlinge, die ob ihrer romanfischen Aus­sagen Zweffel eregen. in ber Schupokaserne mt- lergebracht. Die teilweise

Millegung deS Zugverlehrs

aus und nach dem besetzten Gebiet bat der Aben­teuerlust einen Riegel vorgeschoben und auf bet in den ersten Tagen stark in Anspruch genomme­nen Fürsorgestelle ist es ruhiger geworden. Die wirkttch Bedürftigen finden sich trotzdem hin. 2» meldete sich kürzlich ein Fugen blich er, ter in Bochum, wo er bei Verwandten weifte, von ber französischen Patrouille nach 10 Uhr abends aus ber Straße festgenommen würbe. Er touibe unter militärischer Debecknng nach Rübesheim, später nach Mainz gebracht. Hier gelang es ihm, zu entfliehen unp sich nach Frankfurt bttnb« Zuschlägen. Seine einzige Bitte War, man mochte seinen Eltern nach Elberielb scht.üben. bie gewiß ob seines rätselhaften Verschwindens in schwerer Sorge seien. Nattirlich hatte er seit sei­ner Verhaftung nichts mehr genossen, er erhielt also einen Gutschein kür Essen. Als er aber hör- te, baß er einen Freifahrschein nach Hause bekam' men könnte, wollte er nicht essen noch tttuken, nut beim zu ben Eltern! Unb es mußte erst ein Macbtwyrt gesprochen werben, damit er nur eine Mahlzeit einnahm. Mit bem nächsten Zuge fuhr er glückstttchlenb nach Efberselb. Der VerkehrS-- vereftt hat

eine ständige Auto-Verbindung Frankfurt-Wiesbaden und FranffurtMain« errichtet, die infolge deS fehlenden Zugverkehrs anßerordenfiich stark benutzt wird. Dreimal am Tage bringen die großen gelben Personenwagen (Postautos) die Passagiere in etwa- mehr als einer Stunde nach Wiesbaden: nach Mainz fah­ren vormittags und nachmittags Personenautos. Allerdings kostet die einfache Fahrt 12000 bis