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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Donnerstag, 8. Februar 1923

Nummer 32

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

13. Jahrgang.

Wachsende Verwirrung im Westen.

FrantteichSRaubzug.

Des Einbruch in Baden.

Die Gewalttai, die die Franzosen durch ihren Einsall auch in Baden und durch die Besetzung von Offenburg und Appenweier verübt haben, kommt absolut nicht aus einer politischen Ent- schließung. Es handelt sich um eine wohlorgani­sierte und wohlvrbereitete Aktion mit ganz bestimmten militärischen und politischen Zielen. Der rohe Ueberfall, der jetzt gegen die friedliche, arbeitsame Bevölkerung mit kriegs- mäßig ausgerüstetem Heerhausen vollzogen wurde, der einen weiteren Teil unserer Volks­genossen in den Kreis von Leiden moralischer, seelischer und körperlicher Natur hineinzwingt, entspricht raffinierter Berechnung, der Berech­nung nämlich, Deutschland an den wirtschaft­lichen Schlagadern das Blut abzuzapfen. Man mutz wissen, was Offenburg und Appen­weier für Baden, ja für das gesamte deutsche Reich bedeuten. Uebcr diese beiden Plätze lau­fen die großen internationalen Strecken von Hol­land nach der Schweiz und nach Italien. Appen­weier ist ferner noch die Ausmündung der über Kehl nach Straßburg und Paris führenden Linie. Ueber beide Platze werden die Züge nach Basel, Berlin, Hamburg und Köln geleitet. Von Offenburg geht schließlich die noch sehr wichttge Schwarzwaldbahn aus, die Mer Donaueschingen geht und in Konstanz mündet. Der französische Üeberfall auf dieses Gebiet bedeutet also nichts anderes, als daß die Franzosen mit dieser Be­setzung eine der wichtigsten Kontroll­stellen für den gesamten deutschen nnd inter­nationalen Eisenbahnverkehr in ihren Händen haben.

Das soll dieSanktion" dafür sein, daß Deutschland wegen Ke'nen mangels, der ja ge­rade durch den Einfall der Franzosen in das Ruhrgebiet herbeigeführt worden ist, einige in­ternationale Züge hat ausfallen lassen, weil die ausländischen Herrschaften keine direkten Wagen haben, im Mrigen aber genau noch so reisen kön­nen, wie bisher, nur daß sie auf einer Station den Wagen wechseln müssen. Darum wird also ein friedliches Land und eine brave Bevölkerung weiter mit Krieg überzogen. Frankreich reiht mit diesem Vorgehen eine neue Gewalttat an die vorangegangenen Rechtsbrüche. Wie wenig wir vom Ausland zu erwarten haben, ergibt die Tat­sache, daß dir internationale Rheinlandkommis­sion, in der also auch England sitzt, den franzö­sischen Üeberfall in Baden gebilligt hat. Sie be­achtet nicht einmal, daßdiefranzösischeRe- g i e r u n g sich in ihrer Begründung wider­spricht und die Besetzung mit völlig verschiede­nen angeblichen Verfehlungen Deutschlands zu rechtfertigen sucht. Einmal ist es die Einstellung der internattonalen Züge, dann die Einstellung der Lieferungen für England und Frankreich, und schließlich gar die Einstellung derjenigen Leistungen, die für die Vernichtung der Flotte vor Scapa Flow gefordert waren. Die Dinge liegen nun ,o, daß Frankreich mit Rechtsgrün­den sich überhaupt nicht mehr abgibt, daß es ge­genüber dem Waffen- vn wehrlosen Deutschlano sich alleRechte" herausnimmt.

Die brutalen Rechtsübertretungen haben end­lich auch das Internat io nale Friedens­bureau in Bern wachgerüttelt. Es wendet sich mit einem vom belgischen Senator La Fontaine als Vorsitzenden gezeichneten Aufruf an die Regierungen und den Rat des Völkerbundes. Rach einem Hinweis auf das Sinnlose und Gefährliche des gewalttätigen Vorgehens Frankreichs stellt der Aufruf, ohne die Rechts­frage entscheiden zu wollen, fest, daß der franzö­sische Vertreter schon in der letzten Sitzung des Völkerbundes erklärt hat, seine Regierung werde die Verweisung an den Völkerbund nicht grund­sätzlich ablehnen.Die Stunde scheint gekom- ntt-n, da eine solche Verweisung sich gebieterisch aufdrängt," heißt es in dem Aufruf.Offen bleibt, ob dem Rat, dem permanenten Schieds­gerichtshof oder dem Weltgcrichtshof die Ausgabe des Ausgleichs zukommt." Jeder dieser Körper­schaften bekundet der Ausruf das Vertrmren, daß sie unter Zuziehung berufener Fachmänner die verwickelten Fragen einer unparteiischen Lösung zufübren werden. Er richtet die Mahnung an alle Völker, sich der Solidarität ihrer Interessen, an die Regierungen, sich der furchtbaren Verantwortung, die auf ihnen lastet, be­wußt zu werden. Vor allem aber werden Jene angerufen, die das Recht haben, im Namen des Völkerbundes zu sprechen.Wenn sie schon zwei­feln, ob ihnen das Recht zustebt. zu entscheiden, so haben sie jedenfalls die Pflicht, zu vermitteln. Sie sind dafür vor dem Weltgewissen verant­wortlich. Mögen sie diese Pflicht in diesem ein­zigartigen Augenblick der Menschheitsgeschichte begreifen." Das sind schöne Worte, die leider viel zu fträt geschrieben werden. Hat dasFrie­densbureau" erst jetzt entdeckt, daß die franzö­sische Tobsucht alle Friedensbemühungen verhin­dert und eine dauernde Gefahr für ganz Europa ist? Immerhin soll anerkannt werden, daß diese Organisation sich doch noch aus ihren Zweck be­

sinnt und eine Mahnung ausspricht, obwohl es wahrscheinlich ist, daß sie bei den alliierten Re­gierungen und auch beimVölkerbund" keine Be­achtung finden wird. Erst wenn alle Welt er­fährt, wie sich Deutschland gegen die Ver­sklavung wehrt, wird sich die Sympathie im Auslände für Deutschland vermehren, bis schließ­lich die französische Negierung allein ist.

DßeVetteUslage am NHeM.

Ausgedehnter Stillstand der Züge.

(Eigene Drshtmeldung.)

Köln, 7. Februar.

Die Reichsbahndirelion hat angeordnet, daß bei Eingriffen der Franzosen und Bel­gier in den Bahnbetrieb die Arbeit nieder­gelegt werden soll. Danach ergab sich gestern folgende Lage: Es wurden folgende Bahn­höfe ftillgelegt (Die Züge fahren vor­läufig nur bis Buer) Greven-Dirnbroich, (die Züge vermehren nur bis Oekhoven) Jünke­rath (die Züge vcrk hrrn nnr bis Kall). In Euskirchen hat der Bahnhofskommandant auf ein llltimatum des Personals die Entscheidung über die Zurückziehung der Truppen zugesagt. Neuß liegt seit 1 Uhr nachts still. Die Züge verkehren nur bis Norf. Der Krefelder Hauptbahnhof liegt seit gestern still. TaS Perso­nal wurde von der Besatzungsbehörde ausgewie­sen. Jülich, München-Gladbach und Aachen sind außer Betrieb. Im Eiscnbahn- direktionsbezirk Trier ist der Eisenbahnverkehr vollständig ftillgelegt. Die Eisenbahn-Unterkom- mission hat dem Personal der Eisenbahndircktjvn Trier wegen der Wiederaufnahme des Betriebes aus der Nahe-Bahn erklärt, daß sie sich auf keine Verhandlungen einlaffen, sondern Sanktionsvor. schlage machen werde. Die Stillegung auf den übrigen Strecken des Eisenbahndirektionsbezirks ist auf dieselben Ursachen zurückzufiihren, wie in dem Eisenbahndircktionsbezirk Köln. Im Eisenbahndircktionsbezirk Mainz haben die Eisenbahner erllärt, daß sie ihre Mitwirkung bei der Acberwachung der Zollkontrolle verweigern.

Aus den besetzten GebZeSen.

Weiters Auswerfung und Bestrafung.

(Eigener Drahtbericht.)

Koblenz, 7. Februar.

Mehrere Privatleute wurden am Dienstag ausgewiesen, weil sie das Deutschland- Lied gesungen hatten. Die Rheinland-Kom­mission hat ferner sofort ausgewiesen: den Zolldirektor Bockhold und den Zollamt- m a n n Fischer aus Koblenz, den R e i ch s kom­mt s s a r Hcuserer aus Mainz, den Wachtmei­ster Ulrich, den Unterwachtmeister Kinkel aus Mainz, den Lehrer Schühmhacher aus Ermswcile (Kreis Zweibrücken), und den Oberförster Schulz ans Adenau. Die Fa- milien müssen innerhalb vier Tagen das be­setzte Gebiet verlassen. Der Direktor des Mainzer Anzeiger" Will und der verantwort­liche Redakteur Rohascheck wurden wegen eines Artikels, der angeblich die Ruhe und Ord­nung im besetzten Gebiet zu stören geeignet war, zu acht Tagen Gefängnis beziehungsweise fünf­hunderttausend Mark Geldsttafe vom französi­schen Mainzer Polizeigericht verurtcllt.

Die Bedrohung der Beamten.

Essen, 7. Februar. (Privattelegramm.) In Recklinghausen wurde ein Eisenbahningenieur von den Franzosen aufgefordert, Werkzeuge herauszug^en. Trotz Drohungen mit der Waffe weigerte er sich. Der französische Offizier zog eine Pistole und drohte für den Fall der weiteren Weigerung mit Erschießung. Der Deutsche wei­gerte sich abermals. Der französische Offizier hielt ihm die Pistole vor den Kopf, zählte bis drei und schoß bei drei in die Lust. Der In­genieur erlitt einen Rervenchok.

*

Keine Ware für Franzosen.

Recklinghausen, 7. Februar. (Privat- ielegramm.) Am Sonntag nachmittag wurde von den Kaufleuten in RecklinAausen in Ver­bindung mit den Gewerkschaften beschlos­sen, an Franzosen nichts mehr zu «Er­laufen. Ter Beschluß ist zurzeit schon teil­weise durchgefühtt. Die Firma Hettlage hat so­gar ihre Fenster verhängt und verkauft nicht mehr an Franzosen. Die Franzosen haben von den deutschen Kaufleuten eine BescheiniWng ver­langt, daß ihnen die Ware verweigert wurde.

Die Italiener find ob gereift.

Essen, 7. Februar. (Privattelegramm.) Die von der italienischen Regierung dem französischen Jngenieurstab zugeteiltcn drei italienischen

staatlichen Ingenieure haben Essen ver- lassen, trotzdem Herr Cofte sie auf jede Weise durch besondere Bevorzugung zu l-alten versuchte. Wohin sie sich entfernt haben, ist unbekannt.

Die StöMW in Baden.

Teilweise Stillegung des Datznverkehrs.

(Eigene Drahkmeldung.)

Karlsruhe, 7. Februar.

Die Besatzungsbchördc hat in den neubesetz- tcn Bahnhöfen Militärposten ausgestellt. Sie hatte verlangt, daß alle Güterzüge in Appen­weier anhaltcn. Als der Forderung nicht ent­sprochen wurde, ließ sie zunächst die Durchfahrt gewähren. Es verkehrten demnach den ganzen Montag über die Züge wie gewöhnlich. Eine Kontrolle wurde nicht vorgenommen; dagegen ließ die Besatzungsbehörde ab Montag abend zehn Uhr nur noch internationale Schnellzüge durch. Damit wurde der gesamte Güter- und Personenverkehr und der restliche Teil des Schnellzugverkehrs unterbunden. Der ganz der einheimischen Bevölkerung dienende Güter- und Personenverkehr wurde damit grund­sätzlich erdrosselt. Dagegen wird dem Eisenbahn­personal zugemutet, die militärischen Nachschub­züge für die Franzosen z« fahren. Bei dieser Sachlage ist es zur 'Weigerung des Eisenbahn- pcrsonals und zur vollständigen Stillegung der Strecke Offenburg-Appenweier gekommen. Seit heute nacht zwölf Uhr ruht der Verkehr. Grcnz- punkte des Verkehrs sind Niederschopfheim und Achern. Eisenbahnbaurat Sänger ist von den Franzosen verhaftet worden. Uebcr die Gründe ist noch nichts zu erfahren. Die Eisen­bahner protestierten gegen die Verhaftung.

Krlegsloger in der totaöt.

Offenburg, 7. Februar. (Privat - Tele­gramm.) Der Marktplatz ist der Hauptsammel­platz der französischen Bcsatzungstruppen gewor­den. Zahlreiche Bagagewagen und Mu­nitionswagen srehen herum. In einer Ecke liegt ein großer Heuhaufenfiirdie ungefähr tausend Pferoe der Bcsatzungstruppen. Das Union-Hotel" ist H a u P t q u a r t i e r der Fran­zosen geworden. Die Besatzung besteht aus­schließlich aus weißen Truppen. Farbige sind hier noch nicht gesehen worden. Seit Dienstag früh herrscht auf dem Hauptbahnhof und auf dem Güterbahnhof Offenburg Totenstille.

Neue Eingriffe in der Malz.

Ludwigshafen, 7. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Die französische Besatzungs-Be­hörde hat den Versuch, das pfälzische Eisenbahn­netz unter den Befehl der Obcrkommandiercn- den derfrauzösischen Bcsatzungstruppen zu stellen, erneuert. Die Organisationen der Psälzi- fchen Eisenbahner lehnen es entschieden a b, unter französischem Befehl zu arbeiten. Un­ter diesen Umständen ist mit einer Störung des Eisenbahnbetriebs in der Pfalz zu rechnen.

Iranzöstfche Iolterkammer. Wie friedliche Deutsche gemartert werde».

(Privat-Telegramm.)

Frankfurt a. M., 7. Febrr'ar.

Bon einer angesehenen Persönlichkeit in Mainz wird derFrankfurter Zeitung" mitgc- teilt, daß neuerdings unter irgend einem Vor­wande Passanten der Paß abgenom­men und ihnen befohlen wird, sich am nächsten Tage im Hause Leibnizstraße 8 zu rnelden. Tort angckvmmen, werden sie von vier Marokka­nern mit aufgcpflanztem Seitengewehr empfan­gen, in ein zweites und dann in ein drittes Zim­mer geführt, wo sie von einem riesenhaften Fran­zosen in Zivil aufgcfordert werden, alle Ta- schen zu leeren und sich mit dem Gesicht der Wand zuzuwenden. Tann werden sie in Gegen­wart zweier Soldaten mit Tritten und Schlägen halb zu To de gemartert unp dann, nachdem sie kaum noch in der Lage sind, sich fortzubewcgen, mit Stößen und Fußtritten in daS Freie befördert. Bon anderer Seite wird der Frankfurter Zeitung mitgeteilt, daß ein Herr in angesehener Stellung auf der Schil­lerstraße in Mainz versehentlich einen französischen Soldaten anstietz und durch einen zufällig vorübergehenden französischen Offizier mit Hilfe von Soldaten festgenom­men und in ein Hintergebäude des Ofsiziers- kasino gebracht wurde. Er erfuhr dort die gleiche

Behandlung wie oben geschildert.

Bei den Franzosen.

Einladung der ausländischen Presse.

Siu neutraler Pressevertreter, Oer einer De- spreüjnrig bei »em französische!» General ©egoutte in Düsseldorf beitoohnte, wobei di« Franzosen ihr rechtswidriges Vorgehe: $u recht ertigen suchten, «hreibt folgendes r Schon zeitig am Morgen brachen wir von Essen im Auto auf, da General Degoutte die ausländischen Pressevertreter in Düsseldorf emp­fangen wollte, um ihnen den Standpunkt der französischen Regierung zu verkünden. Deine Weichbild Essens entronnen, zogen wir an Dörfern und Höfen vorbei durch grünende Me­sen, kahle Wülocr, rauchende Orychasten. Ueberall füllt einem die riesige Truppenzahl auf, das kleinste Dörfchen hat fünf- bis sechsmal so viel Militär, als seine wehrfähige Bevölkerung. Uno ttcd) immer kommen neue Truppeumasscn, Mo­torbatterien, Tanks, Kavallerie, Sanitätskolon- nen, Trainvarts lösen einander ab. Von Zeit zu Zeit sieht man steckengebliebene Lastautos. Von der Ferne winkt unsVilla Hügel", das Privathaus Krupps, entgegen, in dem ein fran­zösischer General mit seinem Stabe untergebracht ist. Die Ortschaften scheinen wie auSgestorben zu sein, nicht einmal spielende Kinde: trifft man an. Die Bahngeleise liegen verödet da, jede Wei- chenstellung, jede Blockstation ist von französi- sebem Militär besetzt. An den Brücken sind rechts und links Maschinengewehre postiert.

Rach anderthaLöstündiger Fahrt treffen wir in Düsseldorf, das einem großen militäri­schen Heerlager gleicht, ein. Radsahr-Pa- trouillen und Kavallerie duichstreifcn unaufhör­lich die Stadt. Durch die Ludendorff- und Ra- ihenau-Straße nähern wir uns rasch dem Hotel Stahlhof. Eine Kompanie Infanterie in regu­lärer Ausrüstung hält vor dem Eingang Wao^. Schilüerhävöchen in den Farben der Trikolore zu beiden Selten. Ein geschäftiges Kommen und Gehen. Ordonnanzen springen in Autos, um Befehle zu übermitteln. Im Hotel selbst sind zirka dreihundert Journalisten aus aller Herren Welt mit Ausnahme der Deutschen ver­sammelt.

Ueber teppichbelegte Tretzpcn gehts in den ersten Stock. In einem geräumigen Saal sieht General Degoutte, schüttelt jedem von uns die Hand, um daun sofort zu sprechen zu begin­nen. General Degoutte, ein mittelgroßer, leicht ergrauter Mann Mitte der Vierzig, macht auf den ersten Mick einen unscheinbaren Eindruck. Gar nichts Militärisches, wie wir es von deut- schen oder österreichischen Generalen gewohnt sind. Mit holler Stimme Lieft er von einem Konzept seine Rede herunter. In ähnlicher Werse sprachen unsere Generale und Diploma- ten Anno 1914 bis 1918. Selbstredend ist es, nach den französischen Darlegungen, nur die Schuld der deutschen Regierung, daß das Ruhr­gebiet besetzt wurde, da Deutschland gegen jedes internationale Recht und gegen den Versailler Vertrag gehandelt habe. Die Truppen seien bloß zum Schutze der In g e n i c!irkommission da, zur Sicherheit der französischen, belgischen und ita­lienischen Ingenieure, von welch letzteren, neben­bei bemerkt, bisher noch kein einziger ein­getroffen ist.

Um nur vierzig Ingenieure zu schützen, wirft man über zweihunderttausend Mann mit schwerer Artillerie, Minenwer- sern, Tanks und Flugzeugen in das Ruhrgebiet.Wir machen nicht die Polittk Bis­marcks, die Politik mit Feuer und Schwert," sagte Degoutte. Rur die Scksiußworte seiner Rede klangen ehrlich, als er sprach, daß die Langmut der Alliierten (!) zu Ende sei und nun neue Maßnahmen ergriffen würden, um Deutsch­land gefügig zu macken." Das Schicksal Deutsch­lands ruht in seinen eigenen Händen. Folgt es Ms nicht, bann werden wir es zwingen.

Auch der Riese Simsvn zerschmetterte außer sich eine ganze Stadt, möge Frankreich auf der Hut sein! Wie fdHedrt stimmen doch feine Worte mit dem überein,- was tätlich, stündlich geschieht. Man verhaftet die Betriebsräte des Düsseldorfer Postamtes, bedroht sie mit Revolver und Peitsche, verhängt verschärften Belagerungszustand, ver­haftet Zeebenvertreter und Eisenbahnbeamtrn, setzt einen französischen Oberkommissär für das Postgebiot Ruhr ein, unterdrückt die Presse und tränt rwck von Freibeit zu sprechen.

In Düsseldorf sah ich auch zum erstenmal schwarze Truppen, die ja nicht verwendet werden sollten. Alle Schulen und öffentiidyen Gebäude sind von Truppen besetzt, auf den Plät­zen ererbteren französische Soldaten. Ist in Essen die Besatzung verhältnismäßig ruhig, so beneh­men sie sich in Düsseldorf und westwärts immer toller. Harmlose Passanten werden angehalien, junge Mädchen belästigt, Spazierstöcke übgenom­men, vermutlich alsouvenir des bockes". An den Straßenkreuzungen weisen große Tafeln in französischer Sprache den Weg. Auf der Rückfahrt nach Essen das gleiche Bild wie früher. Truppen, Truppen, nichts als Truppen. Unfcr Auto muß -jle Augenblicke halten, da der Truppenverkctzr