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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzettung Hessische Abendzeitung

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Nummer 30.

Dienstag, 6. Februar 1923.

Fernsprecher 951 und 952

13. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Welkerer Einbruch -er fein-lichen Truppen

Vormarsch auch in Baden

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Die Raffelet Äleueslen Nachrichten erscheinenwochenllich sechsmal und zwar ad enb*. Der LvonnementSprets beträgt monatlich 1300Mark bei freier Aufteilung Ins Haus in her Geschäftsstelle abgeholi 1270. Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 13)0 Mark monatlich einschl. Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Truckerei Berlag und Redattionc Schlachthosstratze 28,'3O. Für unverlangt etngefandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung »der Bewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Sieferimg ausgeschlossen.

ausgesprochen wird, daß das Volk sich geschlossen hinter seine Regierung stellt und daß all: Kreise Würde, Ernst und Besonnenheit bewah­ren, die das höchste Gebot der Stunde sind.

Jnferttonspreife:»)BinheimifcheAufiräge: Dieeinfpaftige AnzeigenzetleM.60., Fami- liennachrtchten,die Zeile M. SO., die einspaltige Reklamezeile M. 3!».. b) Auswärtige Aus. träge: Die einspaltige Anzeigenzeils M. SO.-, die einspaltige Reklamezelle M. 300., alles ein. schließlich Teuerungs,uschlag und «nzeigenstener. Für Anzeigen mit besonders schwierigem 5ä8 hundert Prozent Aufschlag. Für die Richllgkeit aller durch Fernsprecher auf gegeben en An - zeigen, sowie für Rufuahmebaten und Plätze kann eine iSewähr nicht übernommen werden Druckerei: Schlachthofstraße 21/30. GeschäsisSelle: Kölnische Straße ». Telephon Nr. 951 und 962

Die Franzosen fühlen das Bedürfnis, immer neueHeldentaten" zu vollbringen im Kampfe «regen friedliche, wehrlose deutsche Bevölkerung. (Sie sehen wieder eine deutscheVerfehlung" darin, daß die Reichsregierung, um Kohlen im Bahnbetrieb zu sparen. 6*i der allgemeinen Ver­minderung der Züge auch einige internatio­nale Züge hat ausfallen lassen. Diese Maß­nahme ist ke ine Verletzung des Friedens­vertrags, weil die internationale Verbindung noch durch genügend Züge aufrechterhalten wird.

Alury ausländische Studenten.

Marburg. 5. Februar. (Privattelegrmnm.) In der Oberhesfisiben Zeitung veröffentlichen die ausländischen Studenten folgende Entschließung: Wir in Marburg studierende Ausländer er­heben aufs schärfste Widerspruch gegen die gewalttätige Besetzung des Rnhrae- bietcs, weil nur eine Verschärfung der Rot in weiten Scktchtcn des deutschen Volkes, eine weitere Schwächung des europäischen Wrrt- schnstSlcbrns und eine Vermehrung des Bällcr- ln-sses die Folge ist. Wir stnd überzeugt, daß die Studierenden unterer eigenen Länder, wenn sie wie wir die deutschen Verhältnisse kenne» wür­den, geschloffen hinter uns stehen würden.

Dadis-he Reglerunr? und Bevölkerung.

Karlsruhe. 5. Februar. lPrivattelegramm.) Die badische Regierung hielt am Sonntag nachmittag einen bis in die Abendstunden wäh­renden Kabinettsrat ab, der sich eingehend mit der durch die Besetzung in Offenburg ge­schaffenen Lage beschäftigte Unter anderem wur- ae betchloffen, einen Aufruf an das badi« fche Volk zu richten, in dem die Erwartung

Srcn»ofea-®inbri5c8 in Baden.

Berlin, 5. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Die französische Regierung überreichte dem deutscknm Geschäftsträger in Paris eine Note, in der es unter anderem heißt: Die deutsche Regie­rung hat die internationalen Züge Paris-Bukarest und Paris-Münchrn-Prag vom Zss. Januar an eingestellt und nicht die not­wendigen Anordnungen getroffen, um den Durchgangsverlehr der an diesen Zügen ange- hängten alliierten Wagen durch daS deutsche Ge­biet zu sichern. Diese Tatsache ist eine Verletzung des Artikels 367 des Versailler Vertrages. Die französische Regierung stellt jeden Tag eine neue Verfehlung Deutschlands und eine neue Verlet­zung des Friedensvertrages fest. Ter Präsident der interalliierten Schiffahrtskommission ist durch den Reichsrommiffär in Kenntnis gesetzt wor­den, duß alle Lieferungen für Frank­reich und Belgien einschließlich derer ein­gestellt sind, die zur Ausführung des Proto­kolls von Scapa Flow gehören. (Tie französische Regierung Übersicht, daß die deutschen Maßnah­men erst eine Folge der rechtswidrigen franzö­sischen Ruhrbesctzung find. D. Red.) Die fran- zöfische Regierung protestiert gegen die Verlet­zung und Versäumnis und hat beschlossen, die Grenze de8 Brückenkopfes von Kehl als Sank­tion bis nach Appenweier und Offen­burg in Bade« auszudehnen.

Deutscher Vrvtest.

Offenburg, 5. Februar. (Privat-Tele- tramm.) Die badische Regierung hat die Reichs- rrqiernng telegraphisch ersucht, gegen das uner­hörte «nd völkerrechtswidrige französische Vor­gehen schärfsten Protest zu erheben. Zugleich ivurdc her Oberamtmann von Offenburg beauf­tragt, dem Kommandanten der französischen Truppen mitzutcilen, daß die badischen Be­amten sich lediglich an die Befehle der Landesregierung und der deutschen Reichsregierung halten werden.

QIn der Ruhr uuö Wupprr.

Die Ausdehnung der Besetzung.

tEigenr Drahtmeldung.)

Dortmund, 5. Februar.

Die Lage im Ruhrgebiet ist gestern verschärft worden durch weiteren Vormarsch der Franzosen. Auf dem Bahnhof B o h w in - kel ist eine französische Wache einquartiert wor­den. In Westhofen wurden die BahnhofS- anlagen von einem französischen Offizier besich­tigt. Die auf dem Bahnhof in Schwerte cin- gctroffenen Franzosen sind nach Vermessung der Laderampe wieder abgcrückt. Wie aus Herne mitgeteilt wird, wird der Grutzbefehl des französischen Generals der Besatzungstruppen für die deutschen Polizcibeamten von heute ab im ncnbesetzten Gebiet in Kraft gesetzt. Die Be­setzung Vohwinkels ist nur der Anfang der Wuppertalbcsetznna, die von einem anrollenden neuen elsqssischen Armeekorps vorgenommen wer­den soll. Es verlautet, daß auch die Besetzung Elberfelds vorgesehen ist. Anschließend sol­len dann noch die Städte Barmen, Hagen, Unna bis Hamm besetzt werden.

Verhandlung nur nach Sem Rückzug.

Berlin, 5. Februar. (Privattelegramm t Der Reichskanzler erklärte unter anderem, daß die dcutsibs Regierung zu Verhandlungen nur bereit fei, wenn die widerrechtliche Besetzung des Rnhrgebietes rückgängig r-f macht werde, nickst aber unter der sranz-'fis-be ^ehingum?. wonach das Ruhrgebiet auf fünf Jahre als Pfand von belgischen und französi­schen Truppen besetzt werden sollte.

Die ©Wütig des Verkehrs,

Eisenbahn, Post und Telegraph.

Offenburg (Baden), 5. Februar. (Pri- vattelegramm.) Tft Hauptmacht der Franzo­sen, die gestern Offenburg besetzt hat, war in Schlettstadt zusammengczogen rind wurde mit der Bahn bis Straßburg gebracht. Französische Eisenbahnbeamte waren bereits am Sonnabend nachmittag in Kehl eingetroffcn. Ilm Sonntag vormittag von 7 Uhr ab begann die Besetzung von Willstett, Appenweier, Orten­berg und Offenburg durch stärkere franzö- fifrfie Truppenabteilungen, zunächst durch Kaval­lerie in Begleitung von Panzerwagen, dann durch Infanterie und Artillerie. Eisenbahn und Postverkehr blieben zunächst ungestört. Um 2 Uhr nachmittags wurde dann der Post- und Telegraphenverkehr nach auswärts völlig unterbunden. Um 12 Uhr gab der ftanzöstsche Komandant in Offenburg den Ver­tretern der Stadt und Gemeindebehörden, die vom Oberbürgermeister zusammengerufen wor­den waren, einen Befehl bekannt, in dem un­ter anderem mitgetellt wird, die Operation der französischen Truppen verfolge keine militäri­schen Zwecke. (?) Von Montag ob 7 Uhr vormit­tags wird feder Bahnverkehr zwischen Of­fenburg und Appenweier eingestellt. Tnrch- gelaffen werden nur die internationalen Züge von Holland nach der Schweix.

Wettere deutsche Proteste.

Ausstand am Rhein.

Koblenz, 5. Fetz'.'ar. (Eigene Drahtmel­dung.) Zum Zeichen mr Anteilnahme an dem Geschick des Oberpräsideuten Fucks und zum Zeichen des Einspruchs der Bevölkerung wurden gestern vormittag um elf Uhr die Glocken geläutet. Von elf bis zwölf Uhr am Sonnabend ruhte die Arbeit bei sämtlichen Behörden. Ban­sen und Geschäften. Etwa sechzig Vertreter der G-ewerkfchasten, der Barteten «sw. Seaaben sich zur Rheinland-Kommission, nm bei dem Vor­sitzenden Tirard Einspruch gegen die Aus­weisung deS Oberpräsidenten zu erheben. Es wurde fedoch niemand vorgelaffen. Den Vertre­ter« wurde erklärt, daß sie ihren Protest schrift­lich einreichen sollten. Da sich inzwischen eine große Menschenmenge in der Nähe des GebäudeS anoesamm-lt haft-, wurde d»r Platz von einer Abteilung französischer Solda­ten mit aufgepftanztem Bajonett geräumt.

Hinter Sen Kulissen. Atempause für Poinearö.

Poincar6 hat sich von der französischen fiinner wieder eine Atempause geben lassen. Ais die Kammer das letztemal ihn wegen seiner Reparattonspolitik zur Rechenschaft ziehen woll­te, bat er, noch zwei bis drei Wochen zu warten. Er werde beweisen, daß er das Vertrauen der Kammer verdiene. Und sofort hat er seine Pläne mit dem Ruhrgebiet eingeleitet und ent­schieden verfolgt. Er glaubte sich dadurch gegen die vielen Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wur­den, gerechtfertigt zu haben. Nun aber ging es mit der Ruhraktion nicht nMh Wunsch. Wenn der Mißerfolg auch von der Pariser Presse verschwiegen und von der Regierung abgesftit- teh wird, so kann man aus den verzweifelten Maßnahmen, zu denen Frankreich sich entschlie­ßen mußte, ersehen, und aus den Zeilen der Pariser Presse deutlich genug lesen, daß Poin- carö nicht stolz fein darf. Am deutlichsten aber beweist seine Bitte vor der Kammer, ihm wieder eine Atempause von unbestimm­ter Zeit zu gewähren, daß er noch in der Arbeit ist, fein muß, sonst hätte er dieser Pause nicht bedurft und kraftvoll auf den Tisch geschlagen uni> erklärt: das habe ich erreicht. Er hat also noch nichts erreicht. Und das ist das we­sentliche in der augenblicklichen Situation. Po- inears straft sich und die gesamte französische Presse Lügen. Ihre Behauptungen, alles sei nach Wunsch gegangen, werden durch diese erbe­tene Atempause am besten widerlegt. Aber einen Erfolg glaubt Poinear^ dennoch einbringen zu können. Er.mußchhn haben und « muß ihn ar- kurzer Frist haben, denn einmal läuft die ihm bewilligte Atempause ab und dann muß er vor die Kammer treten und Bericht geben, was er bezweckt, was er erreicht habe.

Um nun den notwendigen Erfolg zu erzwin- gen, werden im Ruhrgebiet nicht nur wei­tere Völkerrechtsverletzungen begangen, werden Schritte unternommen, die durchaus nicht mehr wie ein friedliches Eindringen einer Jngenieur- kommifsion aussehen, sondern die vielmehr Kriegshandlungen gleichen und die da­hin führen sollen, die Ruhrarbeiter und Beam­ten mürbe zu machen. Schließlich aber wird inzwischen auch hinterden Kulissen gear­beitet. 'Die ftanzöstsche Regierung weiß, daß sie nur ihr Ziel erreichen kann, wenn der Wider­stand des ganzen deutschen Volkes, die innere Geschlossenheit in Deutschland gebrochen wird. Gegen die deutsche Regierung richtet sich das französische Kulissenspiel. Unsere Regierung hat es verstanden, das deutsche Volk zusämmen-

zuscharen in der Abwehrftont, sie wird vom deuts-hen Volke gestützt: so lange die Abwehr- sttmmung, die Geschlossenheit der deutschen Front vorhanden ist, das weiß Frankreich, wird es nicht zum Ziele komme« Die Front zu un­terminieren, die Regierung zu Mrzen, arbeitet die französische Regierung. Sie hat die englische Polittk einspannen wollen, verlauten lassen, sie würde gerne mit Deutschland verhandeln, wenn eine andere Regierung am Ruder wäre. Eng­land soll helfen, die deutsche Front zu brechen. Aber wir wissen: Frankreich will nicht eine'an­dere Regierung, um dieser Konzessionen machen zu können, «ein es will innere Zwie­tracht, eine verwirrte Lage, will das deutsche (Volk durch sich selbst schlagen, sucht nach dem Mittel, den Dolch zum Stoße in den Rücken der deutschen Abwehrftont zu finden. Englund hat den französischen Versprechungen keinen Glau­ben beigemesien. denn auch England weiß, was es von derartigen Verheißungen französischer Polittk zu batten hat. Es will sich in innerdeut­sche Angelegenheiten nicht einmischen. Mer. Frankreich wird nicht Nachlassen, auf irgend eine Weile Zwietracht in Deutschland zu bringen, die Parteien wieder gegeneinander auszuspielen, die innere Krise zu fefarfen. E3 muß siegen an der Ruhr, sonst fällt Poinear<f und es muß bald siegen, sonst verstreicht die Frist der Kammer für ihn.

Es a-»sst Frankreich nicht nur um den Besitz von Dohle, nicht rar um die Verwirklichung des gewiß oigantischen Planes der Vereinigung von französischem Erz mit deutscher Kohle, um im Herzen Europas einen Montantrust auf­zubauen, der Franfteich eine ungeheure Macht verleiben würde, es geht um weitreichende poli- ttsche Ziele, es geht um die deutsche Ein­beit. Gelinot den Franzofen die Verwirkli­chung dieser Pläne, dann wird es später noch Bayern. Württemberger, Badener, Hessen, Preu­ßen und Sachsen usw. geben, aber wir werden keine Deuttche mehr fein, weil uns die Reichs- eiicheit zerschlagen worden ist. Mit dem Besitz des Ruhrreviers ist Frankreich in der Lage, wirt­schaftlich stch «sie Kraftreserven zu schaf­fen, sodaß es bei einer.späteren Wohl unvermeid- licken Auseinandersetzung zwischen England und Franfteich. die nicht rat normalen Mitteln erfolgen kann, in stärkster Rüstung dasteht. Nnd politisch ergibt sich die Tendenz, das Rhein­

land durch die militärische Umfassung von Osten her in französische Gewalt zu bringen. Achten wir auf dieses letzte Ätttiel der französi­schen Politik, lassen wir uns nicht betören durch Versprechungen. Stützen wir die Regierung, denn wir haben schließlich aus der Vergangen­heit gelernt. Man hat uns viel versprochen, nichts gebalten. Welche Regierung auch die Re­gierung Cuno ablösen wurde, sie sähe stch nur betrogen von der französischen Po­litik, fust so wie Deutschland damals durch Wilsons sagenhafte vierzehn Punkte betrogen würde. Poinear«; darf nicht sein Ziel erreichen, das muß das Versprechen Aller sein.

! Die WirischaftsMe.

Deo kranke Volkskörper.

Die «tfaHSeit bce toirtfd)aftH^en SB. «* r<?,bie liurfeit bcrS<il»v:ii erleb »i» leg Syübt nsFr.tzock><Wori>a-Darui«n) in riacyftrh-n tu Ausführungen bar.

Ans dem ruhigen Entwickelungsgang durch : den Kriegszustand herausgerissen, schien es i Deutschland trotz aller äußeren Einflüsse und - inneren Wühlerei nach der RevolUtionserklärung t doch wohl möglich, seinen neuen wirtschaftliche» : Aufbau zu beginnen, nnd somit Hossnnng auf : sein Fortkommen zu geben. Trotz aller v.mwül- t zungen war ein Zustand geschaffen, der nicht nur - erträglich sein konnte, sondern der sogar dis i Möglichkeit offen ließ, die Fähigkeiten eines Vol- kes, vor allem den größeren Faktor des Wiri- , schastslebens die Arbeitskraft auf das Ra­tionellste und Intensivste auszunutzen und da­durch den Gegensatz zwischen,. Abgaben (Repa­rationen) und Arbeitsleistung mit möglichst viel inländischer Arheitskrast auszngleichen. Daß sich das Fundament einer Volkseinheit innen- und - außenpolitisch in so grundlegender Weise ändern - konnte, war erst in der konfliftarügen Lage als * möglich, nicht aber bei dem systematischen Aus- - bau für notwendig anzimehmen. Zerrüttend für I undser Wirtschaftsleben sind die Forderungen der Entente, die sich in Industrie und Handel so ein­schneidend bemerkbar machen und sogar auf Ge­biete politischer Nattir übergreifen.

Der Maßstab für die deutsche Wiedergut-' machung sollte die deutsche Leistungsfähigkeit ' sein. Was aber unter diesem Begriff zu ver­stehen fei, hat weder die Reparationskommifston, noch irgend ein Sachvevständi gen-Kremium sest- zustelleit unternommen. Wie aber kann man eine ' Leistung massen, wenn man dafür keinerlei objek- ; litten Maßstab schafft? Das Pariser Diktat sah i einen Maßstab in rohester Form vor in der Be- fiimmung, daß dos deutsche Steuersystem , verhältnismäßig nicht leicht sein dürfe als daS bet meistbelasteten Feindnation. Das ließ den Forderungen nach oben jeden Spielraum. Eine durchgreifende Unterstützung dieses ©teuer« svftems nach Höhe und Art hat gleichfalls nicht - stattgefunden, obschon es sowohl durch seine An­legung wie auch durch die Höhe seiner Sätze zu übertriebenei^Sreifen und Lohnforderungen und ' Spesen zum großen Teil an der Inflaiionskrank- heit Schuld trägt. Bedenft man, daß Steuern, wie zum Beispiel die Kohlensteuer in Höhe von vierzig Prozent des jeweiligen Kohlenpreises, 1 daß Steuern, die die deutschen Erzeugnisse für den inneren Verbrauch wechselnd von sechs bis zwanzig Prozent und mehr belasten, einer Per­sonal- und Vermögenssteuer voranaehen, die we- scntkich ins VoKsvermögen einfchneiden, daß dazu eine Erbschaftssteuer kommt, die in späte­stens zwei Generationen alle größeren Vermögen zertrümmert, so wird man zugeben müssen, daß man über diese Zustande bisher zu leicht hinweg­gegangen ist. Sie stnd die Ursache einer Geldentwertung, die mit Zinssätzen bis z» dreißig Prozent nnd mehr die deuttche Pro­duktton weiter belasten, die die Ansammlung von Beftiebskapital, ohne das keine Wirtschaft leben kann, verhindern, und die, indem ste die staatliche Pflicht mit dem Selbsterhaltungstrieb der In­dustrie und Personen in unlösbaren Konflikt bringt, Unwahr^rfttgkeit und Steuerflucht zwangsläufig herbei führen.

Die natürliche Folae all dieser Ereignisse mußte stch im Auslande unbedingt bemerkbar machen und das Barometer.der Valuta, den Dol­lar. in seiner stettg steigenden Kurvenbewegung . nervös, sprungartig »n die Höhe treiben, außer­dem aber brachte er dem Jnlande den durch die vorerwähnte Inflatton bedingten nnd vorausge- sthenen Warenhunger, das eitlem wechselnde Bild zwischen Waren-Einlauf und -Verkauf. Man spricht viel von der guten Entwicklung der deutschen Industrie und weist auf die hohen Ak­tienkurse und die großen Dividenden hin. woraus der Anschein erweckt wird, Deutschland sei leistungsfähig und es könne durch die Ab- ftetung eines Kapitalanteils an deutschen In­dustrien ein wesentlicher Teil der Revaratt^s- Schulden abgetragen werden. Am Golde gemes­sen, stnd unsere Kurse aber nicht hoch, sondern zeigen einen erschreckenden Schwund. Es gibt hierfür Beweise genug. Unsere Industrie ist zweifellos nichtmehr so rentabel und es

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Drohungen mit Kanonen.

Bochum, 5. Februar. (Privattelegrmnm.) In Stiepel haben die Franzofen schwere Ar­tillerie eingebaut. Das Verhalten der Be­völkerung ist nach wie vor mustergültig. Der Be­triebsrat der Schächte 6 nnd 7 der Zeck«Kon- stanttn" kündigte für den Fall der Berhaftnng von Mitgliedern ans dem Betrieb und der Ber- vmltung sofortigen passiven Widerstand an.

Zerstörung^- und Sprengungobrfehl.

Essen, 5. Februar. (Privattelegrmnm.) Auf dem Eisenbahngelände wurde eine Mappe eines französischen Militärs gefunden, welche einen Befehlsentwurf, betreffend das Verhalten der Franzosen bei einem erzwun­genen Rückzug nnd bei Aufständen enthielt. Zu den geplantenMafinahmen gehören unter an­derem die Buf»eisiung der Eisenbahnschienen und die Sprengung von Brücken. (!)