[feier Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
13. Jahrgang.
Nummer 29
Sonntag, 4. Februar 1923.
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Scharfe Zugkontwlle im Ruhrgebiet.
DerWirtschastskrieg.
Was wird noch folgen t
Mit der Koölensperre haben die Franzosen zweifellos einen schweren Schlag gegen Deutschland ausgeführt, dessen Wirkung sich erst später allgemein fühlbar machen wird. Sie sind damit in den zweiten Abschnitt ihrer Gewalttaten eingetreten. Mit der militärischen Besetzung und den EinschüchterungLV ersuchen auf den Zechen und in der Beamtenschaft hatten sie den Boden vorbereitet für den nun cinsetzenden Wirtschaftskrieg. Um den Abtransport von Kohle aus dem Ruhrgebiet nach dem unbesetzten Deutschland zu verhindern, haben sie die wichtigsten Bahnstrecken besetzt und die Geleise gesperrt, so daß sie die Züge beliebig anhaltcn können. Bisher ist es dem treuen Bahnpersonal noch gelungen, Kohlenzüge auf Umwegen doch ans der Besatzungszone herauszufahren. Aber es muß damit gerechnet werden, daß die Durch- schlupflöcher immer weniger werden. Gleichwohl sind Eisenbahn-Fachleute der Meinung, daß eine völlige Absperrung unmöglich ist, namentlich dann, wenn sich die Franzosen auch noch, wenn sie eine Zollgrenze einrichten, mit der Kontrolle sämtlicher Züge belasten müssen. Ohne deutsche Beamte ist der Versehr nicht fortzuführen, wie sich an den gescheiterten französischen Versuchen erwiesen hat. Unsere Beamten sind aber so vaterlandsliebend, daß sie ab und zu noch Wege finden werden, die an den Kontrollposten vorbei führen. Die Menge der Kohlenzüge wird allerdings bedeutend Nachlassen. Kommt dann noch hinzu, daß der feindliche Druck schärfere Formen annimmt, wenn die Franzosen etwa verlangen, daß die Kohlen nach Frankreich befördert werden sollen, dann werden, wie die Eisenbahner. a-zK die Bergarbeiter passiven 5''dersiand le ?-n ~ den nach Westen gerichteten Verkehr, sowie - j-?7ergwerke ruhen lassen. Wird dadurch auch 1. d gesamte Verkehrsstockung noch größer, so Haven wir doch das Bewußtsein, damit, die seiud- liche Gewalt zu unterbinden.
Das deutsche Wirtschaftsleben wird in diesem Kanips in sehr starkem Maße in Mitleidenschaft gezogen werden, da nun dieRnhrkohleaus- bleibt. Zwar wird in industriellen Kreisen bei sichert, daß reichliche Vorräte vorhanden seien, aber auch diese nehmen bei ungenügender Ergänzung Nb. Jetzt werden die mitteldeutschen und ebersMesischen Gruben auf vermehrte Förderung eingerichtet, mehr Bergleute werden eingestellt, aber schließlich hat auch dies eine Grenze in dem Mangel an Dehnungen für die neu Eingestellten. So bleibt noch die Einfuhr av5PiTtt> Kohle. Diese wird, je mehr wir davon brauchen, desto teurer, selbst wenn sie im Tauschhandel erworben wird. Fnd"»rielle Einschränkungen werdm die Folge sein, bis der Kohlen- vcrbrauch sich an die Kohlenbeschaffung angeglichen hat, das heißt geringer geworden ist. Ein aünstiger Umstand ist dabei, daß die Hausbrand- Versorgung wenig ins Gewicht fällt, oa der Winter fast überstanden ist. Einfchränkungen werden aber auf allen Gebieten kommen, weil infolge des Kohlenmangels die Produktion verringert wird und dann eine Warenknappheit entsteht. Eine betrübliche Nebenerscheinung ist dann noch, daß wir auch für die Auslandsmärkte nicht mehr genügend Ware liefern können. England und Amerika warten schou darauf, daß der deutsche Konkurrent auf dem Weltmärkte das Feld räumt, damit jene sich an feine Stelle drängen können. Man weiß ja längst, daß für die Anaeksachsen der Krieg ein Geschäft war und noch iss
Dor geschäftliche' Hintergr'md des Krieges, wie ihn die Alliierten wrfsasscn, tritt auch bei Frankreich immer mehr zutage. Hatte es zuerst die politischen Ziele hn Auge so verfolgt es. nachdem diese nahezu erreicht sind, jetzt mit ebenso großem Eifer die wirtschaftlichen Pläne. Poincar^ ist natürlich der politische Treiber, aber hinter ibm steht doch die französische Großindustrie, die ihre Macht auch über Deutschland ausbreiten will. Sie strebt danach ihre Erzgruben mit v<— Kohlengruben des Ruhrgebiets in Verbindung zu bringen. Die Bodenschätze in Lothringen und im Saargebiet hat sic durch dix militärische Eroberung bereits in ihrem Besitz, mm fehlen ihr nur noch die guten Ruhrkohlen. Um diese an Dich zu bringen, machten sie vor Mopaten schon sogenannte Ver- Mndiguuqsversucke mit der deutschen Industrie, aber es stellte sich heraus, daß die Franzosen auch die Mehrheit der Vftien haben wollten, um die deutschen Werke allmäblich ganz in ibre Hand »» bekommen. Wären aber erst einmal unsere Kohlenbergwerke französisch geworden, dann wäre die militärische Besetzung doch nachaefolgt. Da die französischen Industriellen ihr Ziel nicht auf Schleichwegen erreichen konnten, haben sie jetzt die Ruhrbesetzung mit Gewalt betrieben. Das bst auch der französische Generalsekretär der Gewerkschaften, Jonbaur, festgestellt..
Dieser Wirtschaftskrieg ist nun ein Kampf zwischen ungleichen Gegnern. Auf der einen Seite brutale Gewalt, auf der anderen
der moralische Widerstand. Was jetzt die Bevölkerung und Beamtenschaft des neu besetzten Gebietes auszuhalten hat, ist aus den täglichen Berichten über die Untaten der feindlichen Truppen erkennbar. Die dortigen Bewohner wissen, daß von ihrer Ausdauer alles abhängt. Würden sie nachgeben, wäre vieles, wenn nicht alles verloren. Mit ihnen sind wir, die im unbesetzten Deurschland leben, aufs engste verknüpft, denn das Ruhrgebiet ist Deutschlands industrieller Kernpunkt. An uns liegt es also, die still und zäh kämpfenden Brüder mit allen Kräften und Mitteln zu unterstützen, damit wir ihnen zum Erfolg verhelfen Neben dem ideellen Gesichtspunkt handelt es sich letzten Eudes auch um den materiellen, denn von dem Besitz unserer Bodenschätze im Ruhrgebiet und von der Selbständigkeit unserer Industrie hängt unser Aller Wohlergehen ab. Es gilt Deutschlands Zukunft zu retten. Geschloffen h e i t und Standhaftigkeit muß uns schließlich zum Siege sichren. K. F. D.
VerkeUmtt öemMuhmeNe- Scharfe Kontrolle der Züge.
(Privat-Telegramm.)
Essen, 3. Februar.
General Degontte hat über den Bahnver- kehr nach dem unbesetzten Deutschland einen vom 1. Februar geltenden Erlaß herauSgrgeben, nach dem Personen - und Güterzüge, die weder Kohlen noch Koks enthalten, wie früher verkehren dürfen. Züge, die auch nur einen einzigen Wagen mit Kohle oder Koks, oder einen leeren Selbstentlader enthalten, werden beim UcScrflC'- Ä '-i VsLi.iNchrk. cfte obfH-HkSrtt' und in das besetzte Gebiet zurüftgefüqrt. Die Züge werden am Eingang der mit Kohlenvosten versehenen Bahnhöfe zur Kontrolle auf ein Nebengleis geleitet. Jeder Zug, der das Signal nicht befolgt, hat mit einem Unfall zu rechnen. Ein zweiter Befehl besagt, daß die im ersten aufgeführten Züge und die ausrangierten Wagen zur Verfügung z« halten sind.
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Die Sperre vollstündis?
Essen, 3. Februar. (Privatielegramm.) Die Sperre um das Ruhrgebiet scheint jetzt völlig durchgeführt zu fein. Auch das Loch im Norden, durch das gestern noch einige Züge gebracht werden konnten, ist g e s ch l o s f en. Die rheinische Schiffahrt liegt vollkommen stjll.
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NsH keine Kohlennot.
Hamburg, 3. Februar. (Priivattelegramm.) Das Rheinisch-westfälische Kohlensyndikat hat wegen Telcphonstörungen feine genaueren Mitteilungen über die Abschnürung der KohlenauS- suhr aus dem Ruhrgebiet nach dem unbesetzten Dentsftssand erhalten. Es scheint aber, daß dock einige Kohlenzüge durchgckommen sind. Bei ben- Eisenbahnern scheint die Absicht zu bestehen, auch weiter derartige Versuche zu unternehmen. Bon einer unmittelbar bevorstehenden Kohlennot im unbesetzten Deutschland kann keine Rede fein. Die Reichseisenbahn hat sich schon sei: vorigem Sommer mit englischer Kohle eingedesst.
Am öen Berkaus an Femöe.
Vor dem franzSfischen Kriegsgericht. lDrivaEelcaramm.)
Bochum, 3. Februar.
In Weitmar bei Bochum wurde von dem bori stationierten Kriegsgericht ber Kaufmann Otto Behmer, Inhaber eines Kolonialwa rengeschästs, z»15S000 Mark Gelbstrakr verurteilt, weil er zwei französischen Dalbaten feine Lebensmitixl verkaufen wollte. Ter Angeklagte wurde durch Rechtsanwalt Dr. Grimm aus Essen, dem Verteidiger der sechs Zechen-D» rektorcn, verteidigt. Tr. Grimm bezweifelte bk Zuständigkeit des Kriegsgerichts, weil fein Kriegszustand bestehe und weil auch die Laagen Konventton nicht gestatte, in einem friedlichen Lande ein Kriegsgericht einzusetzen. Tie Tai des Angeklagten verteidigte er damit, daß diese! nur die Verordnung des Regierungspräsidenten von Münster befolgt habe, wonach der Ber- kauf von Lebensmitteln an Richtbeutsche verboten ist. Der französische Genera! habe selbst zugcstanben, baß die französische Se- satzungSarmee feine Lebensmittel reiptirercit darf und daß in die deutsche Lebensmittelversorgung nicht etngeriffen werben soll. Ferner hat General Degimtte in feiner Verordnung mit. geteilt, baß biebeutschenGesetzein Kraft bleiben sollen. Schließlich führte Dr. Grimm aus, daß bie Verordnung, auf Grund derer baS Urteil erfolgen soll, vom 3. März 1921 stammt, also aus einer Zeit, in ber bas RuhrSekiet noch garnicht besetzt war unb baß damit die ganze Berorbnuna ungültig sei. Der Ankläger hatte
200 000 Mark Geldstrafe beantragt. Gegen bas Urteil ist Berufung eingelegt worden, sodaß die für die Lebensmittelveporgung im Ruhrge- biet grundsätzliche Frage noch einmal zur E«t- schcibung kommen wirb.
Ein Lrmgmß vom Osten.
Die Ostpreußen an die Ruhrvevölkerung.
(Eigene Drahtmelbuns)
Königsberg, 3. Februar.
Die Vollversammlung ber ostpreutzischen Lanbwirtschaftskammer blickt mit Bewunderung und Stolz auf die unerschütterliche Standhaftigkeit ber unter feindlichem Druck stehenden Bevölkerung des Ruhrgebiets. Die ostpreußischc Landwirtschaft ruft ihren Brüdern im Ruhrge- biet zu: Habt Dank für das, was Ihr dem Vaterland in dieser Stunde, die über Deutsch lands Schicksal entscheidet, leistet;; cs soll Euch nicht vergessen werben. Haltet aus, laßt Euch nicht beugen in bem Bewußtsein, daß mit dem gesamten Vaterland auch die ostprcußische Laubbevölfernna ben festen Willen hat, Euch in Eurer großen vaterlänbischen Not beizufichcu.
FemölWes Oesinöe?.
Lrichtfertige Tötung durch belgische Soldaten (Eigener Drahtbericht.)
Oberhausen. 3. Februar.
Die Schießerei auf der Straße zwischen Ober tagsfes und Vordeck /siehe 2. Seite) wurde nid’?
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Soldaten verübt. Auf der Straßenbahnfahrt wurden die beiden belgischen SÄdatcn von einem Straßenbahnkontrolleur nach bem Fahrschein gefräst Sie wiesen daraufhin einen in französischer Sprache geschriebenen Zettel vor. Der Kontrolleur verlangte hierauf die Lösung eines vorschriftsmäßigen Fahrscheins. Das lehnten die Belgier ab. Als sie aus ihrer Weigerung beharrten, wurde ber Wagen zum Halten gebracht um bic Soldaten abzusitzen. Einer von ihnen versuchte ben Wagen in Gang zu setzen, währenb ber andere einen Revolver zog unb blindlings um sich schoß. Ein Deutscher ist schwer verletzt worden. — Der Schuhmachermeister Stockhorst aus Essen wurde durch einen Kopfschuß getötet Die beiden Belgier wurden von der deutschen Polizei festgenommeu..
Asiens GSeKzmgEme. -
Mussolini über feine Politik.
(Eigener Drahtberichtl
Genf, 2. Februar.
Aus Rom wirb gemeldet: Mussolini erklärte im Ministerrat, bic internationale Lage sei hinsichtlich Italiens unverändert Die politische Spannung in ben Kreisen ber Kleinen Enterte habe nachgelassen. Italien ließ in Prag, Warschau, Belgrad und Bukarest erklären, baß es an bem Grundsatz ber Durchführung ber Verträge nach Recht unb Billigkeit unverändert festhalte unb jeden Jntereffenkonflilt auf srieblichcm Wege beglichen sehen wolle. Die Kohlenlage fe ivollstäubig gesichert. Für bie Regel Mäßigkeit ber Steinöliefcrungen sei durch ein soeben zuMnbe gekommenes Abkommen mit Polen gesorgt. Zu Besürchtungen sei also fein Anlaß. In Lausanne bemühe sich Italien, einen definitiven Bruch zu verhüten. Er hoffe zuversichtlich baß bkfc Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werben. In ber Memelfrgge sei Italien mit ben andern Mächten einig, baß Litauen sich jeder Eigenmächtigkeit zu enthalten habe.
Gm norwegischer Protest.
Vorschlag einer gemeinsamen Aktion.
(Eigene Drahtmelduna.)
Kiel, 3. Fsbruar.
Aus Christiania wirb berichtet: Die Sekretäre ber norwegischen Gewerkslösten, des Zentralverbanbes ber norwegischen Arbeiterpartei (Kommunisten) unb be§ Zentralvrrban. bes ber sozialistischen Partei haben einstimmig beschlossen, bei ben schwedischen unb dänischen Arbeiterparteien gemeinsame Schritte zu unternehmen, um eine Aktion g e gen bie Besetzung des Ruhrgebietes einzuleiten. Unterbindung jeder Ausfuhr aus Frankreich unb jeber Einfuhr nach Frankreich wirb vorgeschlagen. Bis jetzt scheinen sich bie schwedischen unb dänischen Parteien und Organisationen jedoch nicht entschlossen zu haben, diesen Schritt zu tun.
An die Deutschen!
3m Geiste Schillers.
Wenn tote in je-igen politisch unb wirtschaftlich bedrückten Bsrhälruissen in ber deutschen Geschichte Umschau halten, finden tote manche« Trost- unb Leitwort bei unseren Getsteckgrötzeu, wie auch bie nachstehende Betrachtung tetst.
Wie sich Menschen in höchster Not an ihren Schntzgeist um Hilfe wenden, so finden Völker im Augenblick der Verzweiflung Aufrichtung und- Trost in dem Werk der großen Genien, die ihren' höchsten Kulturbesttz bilden. Schiller ist stets derjenige gewesen, zu dem unser Volk in Schicksals- stunden vertrauend und hoffend aufsah, und dieser größte Prophet und Held deutscher Dichtung bietet uns auch jetzt wieder das rechte Wort zur rechten Stunde. Was "Schiller unserer Gegenwart bedeutet, ist sehr hoch einzuschätzen. Er führt uns aus der »Bruchstückhastigkeit", die unserem Dasein anhastet, zur Einheit durch den Geist, in dem er die erste und entscheidende Wirklichkeit sah. Außer auf das Geistige ist aber sein Wcltgesühl auch noch ganz auf den Willen gestellt, der allein uns die Geistesfreiheit gewähren kann. Was Schiller einem Deutschen in der Verwirrung der Gegenwart sc gen würde, kann man in die Worte zusammen- f aff en: »Schau nicht zu viel um Dich sondern schau einmal recht in Dich. Schau, ob nicht etwas in Dir ist, was Dich wirklich durch alles bäffleiiet hat als das Bleibende, das Wesentliche, als das. was recht eigentlich Dein Selbst ausmacht. Dies Dein Selbstbc- wußtsein, Dein wahres Ich, das ergreife, suche es zum Herrn zu machen über alles Wechselnde in den ÄHicksalen und Trieben der Sinnenwclt, suche es zu reinigen und zu läutern von allem Staub, der ihm immer wieder anflieaen will, >nd ViT? tee Du -iut helfen kannktz.ddk auch andere lo ihr Ich g-tzÄnen S.anen. Schau dabei auch offenen Auges in alle Wirklich kett hinein und strebe, sie zu durchdringen und zu erfassen.
Auch Schiller hat in einer Zeit gelebt, da Deutschlands politische Lage verzweifelt stand, da »zwei übermütige Völker ihren Fn'ß auf des Deutschen Nacken setzen und der Sieger fein Geschick bestimmt". Er sah den Untergang des alten Kaiserreiches voraus. Aber gerade in der Not und dem Elend seines Volkes ruft er ihm zu: »Stürzte auch in Kricaesflmmnen Deutschlands Kaiserreich zusammen, Deutsche Größe bleibt bestehen." Denn »sie ist eine sittliche Größe, sie wohnt in ber Kultur und im Charakter ber Nation", bildet „ein geistiges Reich". Die Zukunft Dentschlands ist verbürgt durch die deutsche Geschichte, die zeigt, wie deutscher Geist am tteffien »in das Geiste?reich drang": sie verheißt dem Deutschen, »während des Zeitkampfes an dem ewigen Bau der Menschenbildung ju arbeiten*. ^Wenn die Welt einen Plan bat,.sagt Schiller,^.vann mutz dem, der den Geist WCbet, hebcrrscht, zuletzt die Herr- fchast werden". »Am Ziel der Zeit" muß ein großer „Tag der Deutschen" kommen. Es liegt ein wunderbarer Trost in diesem Glauben an die Zukunft für unser Volk, und ihn dürfen wir uns nicht rauben lassen. Geist und Sittlichkeit sind die Kräfte der Erneuerung und des Wie- deraufbcmes, die Schillers Weltanschauung als den Urgrund eines Volkes hinstrllt, das eins Ankunft hat.
Diese Botschaft des Trostes und der Hofft mtng, bie Schiller an bie Deutschen von heute richtet, zeigt sich in den Worten: „Willst Du Deinen Beitrag geben zur Rettung Deines Volkes, dann nimm alles Leiden, das die Zeit bringt, auf Dich, um es innerlich in Taten zu verwandeln. Laß es D'lch treiben, Dich nur umso entschlossener in die duldende und kämpfende Gemeinschaft Deines Volkes hineinzustellen. Bewahre in allem barten GesMck Deine Geistesfreiheit und sorge für Deine Geist e s w ü r d e. Schaffe aus allem Druck, der Dich niederziehen will, ein Mittel, das Dich cm- porhebt, in dem Du reiner, fester, treuer wirst. Fühle Dich verantwortlich für den Kreis, in den Tu gestellt bist. Bekämpfe das Böse, löse das Gebundene, stärke das Schwache. Hilf, daß Tag um Tag der Kreis derer wachse, die im Reich de8 OfeisteZ stcben in Bcrantwortnng und sittlicher Tat. Schöpfe täglich neuen Mut aus d-m Glauben an den Gott des Geist c<? und der sittlichen Weltordnung. Ju diesem Glauben harre mrs, auch wenn es durch langes vergebliches Mühen nutz durch manche herbe Enttäuschung hindurchgeht. In diesem Glcnrben Wa r t e auf die Stunde, mrd wenn sie kommt dann handle neu!"
Vermeidung de« Lausanner Bruches.
Frankreich gibt nach.
London, 3. Februar. (Eigener Bericht.) Wie aus Lausanne berichtet Wird, hat Frankreich seine Haltung in der Orientsrage geärn dert. Poincarä hat, als die Gefahr eines Bruches mit England akut zu werden drohte^