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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
Nummer 12. y————
Fernsprecher 951 und 952
Dienstag, 16. Januar 1923.
Fernsprecher 951 und 952
13. Jahrgang.
Mögliche Ausdehnung der Besetzung.
i riefen die Glok- Höchste tngerufen
wehten die Flagge« auf Halbmast,
es nicht
un-
Zu-
Ssziawemstt-Ltrn und Ärite.
Am Vormittag nahm im überfüllten Saale des Stadtpatts die SoLialtemokratie Steilung
kämpfte mit leichtem Nebel. Dv ken in die Kirchen, in denen ter wurde, sich des Vaterlandes in Not M erbarmen. Und wieder sangen die Glocken. Es! War das Traucrgeläute. Weithin sandten die me- tallenPn Stimmen den Ruf von Deutschlands Not. Ueberall aber, wo öffentliche Gebäude sind,
Kohlen gegen Bezahlung..
Verhandlungen im Ruhrgebiet.
wahrscheinlich infolge der Ablehnung seiner Heldentaten durch die ganze Wett, infolge der Stimmung in Deutschland und weil von deutscher Seite ausdrücklich der Rechtsbruch festge- stellt ist, der seitens Frankreich begangen wurde, sucht er auch hier nach einem Ausweg, den er nicht anzudeuten brauchte, wenn er ihn hätte von Anfang an gehen wollen. Von deutscher Seite liegt bereits die Erklärung vor, daß mit Frankreich nicht verhandelt wird, so lange die Besetzung des Ruhrgevietes aufrecht erhalten wird. Und das beunruhigt Poincar^. Er steht sich in der Sackgasse. Er sucht auch hier nach dem Ausweg. Er schielt weiter nach England, es könnte doch Ingenieure senden, um Frankreich im Ruhrgebiet zu unterstützen. Mit anderen Borten, er möchte feine Verantwortung herabmindern. Aber er wird wohl die Folgen allein tragen müssen, wird die Verantwortung für sein frevelhaftes Vorgehen nicht los. Das ist unsere Genugtuung: Der, ter uns die Unsicherheit in katastrophalem Maße geschaffen, er leitet nun selbst unter ihr. Sie wird einmal ter Anlaß sein, daß seine Pläne zusammenbrechen.
Die neu besetzte» Orte.
Gelsenkirchen, 15. Januar. (Privattele- gramm.) Im Laufe des heutigen Vormittags zogen die Truppen, die gestern Buer und die dazu gehörigen Vororte besetzte» hatten, ihre Bagage nach. Die Franzosen besetzten weiter sämtliche Ortschaften westlich Hattingen und zwar wurde dieser bedeutsame Fndustrieort genau wie Gelsenkirchen eingekreist. Eine vollständige Besetzung der Stadt Gelsenkirchen, sowie der Städte Bochum und Hattingen ist bis heute noch nicht erfolgt. Im Landkreis Essen sind die Truppen durch neue Nachschübe gestern und heute verstärtt worden. In ter Bürgermeisterei Koppenberg, einer Ortschaft, die fast nur aus Bergarbeitern besteht, liegen zurzeit etwa siebentausend Franzose« nebst vier Stäben.
Frankreich and Ställen.
Noch keine Ilebereinftimmnug.
(Eigen« Drahtmeldung.'»
Paris, 16. Januar.
Richtung sprechen. Aber Frankrei, nnhers. Wenn such Poinear_ ________
Miene ausgesetzt hat und in ter Kammer wieder
XlnfidwrNL
Die Folge« der Nuhrbefetzuug.
Der neue Streich Poinoar^s hat eine sichere Lage nach feder Richtung geschaffen.
Trauer in Kassel.
Vie große Kundgebung der Bürgerschaft. lEiaener Bericht.)
Kassel, ß. Iawudr.
Lage geschaffen sei. Infolge dieser Lage wollten die einzelnen Zechen nicht für eine gesamte Lieferung aufkommen. Außerdem müsse darauf hin- gewiesc« werten, daß durch die Folgen der Besetzung die Förderung erheblich zurückgehe. Es müsse daher mit einer Bernrin- terung der LieferungÄnenge gerechnet werden. Eine Nachlieferung des Ausfalles sei ausgeschlossen. Die im der ersten Erklärung erwähnten Vorschüsse müßten, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, dekadenweise in Höhe von achtzig Prozent ter Lieferungen, der Rest binnen dreier Tage nach Erteilung der Regung in bar terahlt werten. Die Kommission stelle sich von Montag ab zur Verfügung." — Die Franzosen sind zivar bereit, die Kohlen zu bezahlen, sie werten aber die für diese Zwecke geleisteten Be°
Erregung In (Stettin.
Stettin, 15. Januar. (Privattelegramm.) Eine vom Bürgerbund und eine von den Sozialdemokraten einberufene Protestversammlung ge- gen die französische Niedertracht im Ruhrgebiet war von vielen Tausenden besucht. Die a u f g e - regteMenge zogvor das Zentralhotel, dem Sitz der hiesigen Erttentevertreter. und verlangte unter stürmischen Rufen, daß das Hotel Halbmastflagge. Als zunächst erklärt wurde, daß keine Fahnenstange Vorhände» sei, versuchtr die Menge, das Hotel zu stürmen und stimmte „Die Wacht mn Rhein" an. Ms dann eine schwmtz- weiß-rote Fahne halbmast gehißt tourte, strugen die Versammelten (Arbeiter »md Bürger gemeinsam) mit dem Hute in der Hand das „Deutschland-Lied" und folgten dann besonnenen Rednern, die mahnten, des Tages zu harren, an dem die Vergeltung kommen werte und die Ruhe zu bewahre«.
nächst wissen wir nicht, wie sich die Verhältnisse in Deutschland weiter gestalten werten. Rur so viel ist uns Aar, daß ein weiteres Anziehen derPreife die LebensbedingunZen des deutschen Volkes erschweren werden. Keineswegs aber läßt sich übersehen, unter welchen Bedingungen unsere Wirtschaft weiter aufrecht erhalten werten kann. Wir wissen nicht, welcher Weg ter Regierung praktisch ist und haben keine Uebersicht über die nächste Gestaltung der deutschen Finanzen. Wir wissen nicht, wie sich die Lage im Ruhrgebiet jetzt ordnen wird und ob die Arbeiter und Beamten weiter ihre Pflicht unter französischem Diktate tun werden. 9ätr das wieder ist unsere Ueberzeugnug, daß Frankreich sich selbst durch diese Besetzung mehrgeschadet als genützt hat, daß es nicht im mindesten einen wirtschaftlichen oder finanziellen Erfolg wird aus ter Besetzung her- lciten können. Mr wissen nicht, wie sich England verhalten wird. Es ist uns noch völlig un- klar, wie Sttnerrka zu hanteln gedenkt. Auch was Italien vorhat, bleibt schleierhaft. Inzwischen melden sich auch die übrigen europäischen Neutralen und bekunden Teilnahme für Deutschland. sagen, der Rechtsbruch Frankreichs lasse sich nicht beschönigen, geben zu erkennen, daß sie völlig auf Seiten Deutschlands wären. Aber ob sie etwas planen, um Europa zum Frieden zu verhelfen, daß ist ganz ungewiß.
Deutschland kann so mit gutem Grund von einer Unsicherheit ter Verhältnisse nach jeder
Die WroNt-KundgeSungm.
Der deutsche Trascrsonntag.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 15. Januar.
AuS allen Teilen des Reiches liegen zahlreiche Meldungen vom gestrigen Sonntag über eindrucksvolle Kundgebung en vor. Es ist zu leinen Zusammenstößen gekommen, außer in Berlin , wo vor der französischen Botschaft gelegentlich einer Demonstration ein junger Mann angegriffen wurde. Aach Schätzung ter Berliner Mütter haben tut ter lktzndgeb""g tut? tet» Brr- KSni-splatz vreh Vis ui-rbuütertwnsend Menschen teilgenonrmen. Der Pariser Watz, an dcM die französische Botschaft liegt, ein« itzMch deß Brandenburger Tores, sowie di- belgische Gesandtschaft in der Tiergartenstraße waren durch starke Polizeiketten a b gesperrt. wogegen die englische Botschrst völlig unbewacht blieb. Das Hotel Adlon, in dem zahlreiche Franzosen nnd Belgier Wohnung genommen haben, hatte halbmast geflaggt.
eine selbstbewußte Rede hielt, so ist doch aus seinem Gehabe zu erkennen, daß er seh durchaus nicht sicher fühlt und bereits nach Hintertüren sucht, nm eventuell aus ter gefährlichen Situation zu entschlüpfen. Auch er weiß nicht, tote sich England, Amerika, Italien und die Neutralen Verhalten werten. Er ist schließlich auch auf deren Ansicht angewiesen. Gewiß: er wartet ab und zeigt nach außen hin die Stirn, daß er sich durch nichts beunrtrhigen lasse. Än- tererseits scheint seine Rete, wenn man sie aufmerksam lieft, aber doch te.i Beweis dafür zu erbringen, wie unsicher er sich Mit und wie er ebenfalls nach Klärung sucht. Bisher hat er immer behauptet, daß die Politik ter Pfänter die gegebene sei, hat seinen Standpunkt gegen England und Amerika verteidigt, bat niemals etwas davon wissen wollen, wenn ihm entgegen gehalten wurde, daß er doch nur eine unsichere Lage schaffe und wenig Vorteile aus einer Pfänderpolitik, aus ter Besetzung des Ruhrgebiets, ziehen werde. Das meinte er auch jetzt in der Kammer und ließ sich von 478 Deputierten bescheinigen, daß auch sie die Dinge nicht sehen wollten, wie sie wirklich sind; so zwischendurch ater gestand er ein: „Ich hatte die Kammer schon darauf aufmerksam gemacht, daß Man wesentliche Erträge davon nicht erwarten darf (nämlich von ter Besetzung ft, ater ein relativ Keiner Ertrag ist immer ntei besser als nichts. Vielleicht hat England recht, wenn es sagt, daß eine Politik der Pfänder keine Ergebnisse zeitigen wird ..." Man bat in ter Kammer diese Hintertür nicht teächtet. Ater PomcarS wird sich diese Stelle seiner Rete wohl gemerft haben und wird später, wenn die Kammer meint, ihn wegen des Fehischlaoes ter Besetzung zur Rechenschaft zieben zu können, darauf Hinweisen: ich habe euch am 11. Januar ausdrücklich gesagt, daß usw. und ihr habt mir dennoch das Vorttauen ausgesprochen. Unbedingt Wird diese Wendung ter Poincar^schen Rete einmal Bedeutung erlangen
Daneben ater ist das Eingeständnis Poin- cat£8 noch nach anderer Richtung von Bedeutung. Er spricht von einem kleinen Ertrag, den die Besetzt'«« doch erbrinaen müsse und ter immer besser ist, als nichts. Tatsächlich ater ist Deittschland doch nur mit einem Bruchteil ter Holz- und Kohlenlkeferungen, mit zehn Prozent im Rückstände geblieben. Neunzig Prozent ter Pflichtmenge tourte geliefert. Es ist nicht anzunehmen, daß ter Keine Ertrag den Poincarck erhofft, so groß sein wird. toie die neunzig Prozent, die Deutschland geliefert hat. Aber er ist ietzt auch mit einem Keinen Ertrag zufrieden. Und er gibt selbst zu, viÄleicht ist' es möglich, daß England Reckt behält. Gewiß wird teilte noch gesagt, daß Poiuoar^ weiß, was er will. Er weist sogar darauf bin. Frankreich Werde verhandeln, wenn die Möglichkeit dazu gegeben sei. es werte auch mit Deittschland und ter deutschen Industrie verbandeln. Mer das ist nur ein Fühler, den die Unsicherheit ihm ein» gegeben. Denn früher dachte er nicht daran, mit Deutschland zu verhandeln. Und da er jetzt seine Anschauunsen wesentlich zu wandeln beginnt,
»Petit Journal" behauptet, daß zwischen der ranzöslschen und der italienischen Regierung in den letzten beide» Tagen eifrige Verhandlungen über den Zahlungsauflchub und________ „1V|V w
über die Teilnahme Italiens au ter Ruhrtes»- träge vvu her deutsche» Regierung zurücksorderu.
(Eigener Drahtbericht.) Essen, 15. JanUar.
Zwischen ter französischen Kontrollkommission und ten deutschen Bergwerksdirektoren wurde über die weitete Kohlenftefenmg verhandelt. Die deutschen Vertreter wiesen darauf hin, daß die deutsche Regierung nicht mehr für die Bezahlung ter Reparationskohle auflomme und daß die Zechen nur liefern könnten, wenn Frank- re i ch die Kohle bezahle und mit achtzig Prozent bevorschusse. Die Franzosen erNärten sich dazu bereit, verlangten ater, daß alle Rückstände nachgeliefert werden müßten. Darauf gaben die deutschen Vertreter folgende Erklärung ab: »Die zwölf verttetenen Zechen ergänzen die vorher «^gegebene ErKärung dahin, daß durch die Abgabe des Verkaufes der Brennstoffe von fetten des Syndikats an die einzelnen Zechen eine gegen früher vollkommen geänderte
Heute AebettsruheimWeften.
3» der Provinz Westfalen.
(Privat-Tekegramm.)
Dortmund, 15. Januar.
Die gewerkschaftlichen Spitzetto rMNifattonen für Westdeutschland erlasse« einen Ausrus, worin die Arbeiter, Angestellten und Seern» ten in dem gesamten besetzten Gebiet und in der ganzen Provinz Westfalen aufgefordert werden, ihre Entrüstung gegen die Ruhrbesetzung zum AuA>ruck zu bringen durch eine halbstündige Ar- bettsruhe am Montag den 15. Januar, morgens von 11 bis 1130 Uhr. — Aus Berlin wird gemeldet: Die Spitzenorganisativnen der deutschen Gewerkschaften in Berlin haben beschlossen, daß von ter beabsichtigten Kundgebung in Form einer viertelstündigen Arbeitspause in allen Bettieben Deutschlands Abstand zu nehmen ist, weil es kaum noch möglich sei, alle« gewerk- ichastttckten Organisationen im Lande rechtzeitig die nötige« Jnstruttionen zu geben. (?) Die Begründung ist sehr sonderbar. Es ist doch bei anderen Gelegenheittn möglich, ten Unterorgani- satiouen sehr schnell Weisungen zu gebe».
zung gepflogen worden sind. PoinearS hat gestern erneut eine längere Besprechung mit dem italienischen Botscktzrfter gehabt. Ferner wurde der stellvertretende italienische Delegierte in der Re- parationskommiffion zweimal von französischen Sachverständigen ausgesucht. Das Blatt schreibt weiter, daß dte italienische Regierung ganz bestimmte Angaben über die Bedingungen verlangt habe, unter besten die wirtschrfffliche Kontrolle des Ruhrgebietes vor sich gehen solle. Poincars bestätigte, daß bje alliierten Ingenieure in kei-- ncr Weise ten Befehlen der Militärbehörde unterworfen würden «nd daß die Kontrolle einen rein zivilen Charakter trogen werde.
Weitere? Vormarsch?
Dis Absichten auf Dortmund «nd Barme« (Eigener Drahttericht.)
Paris, 15. Januar.
„Journal" erklärt: Wegen des Verhaltens des KohlensNndikates wird die militärische Besetzung des Ruhrgebietes bis in die Bezirke Dortmund und Barmen ausgedehnt werden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß auch diese beiden Städte besetzt werden. Einen weiteren Vorwand, der zugrmsten Frankreichs benutzt werten könnte, findet das Blatt in der etwaigen Ersetzung der deutschen Wahrung durch eine andere. Der französische Finanzverwalter Tannerst studiere augenblicklich die Frage eines neuen Geldes, das man wahrs^inlich „Soler" nennen würde, dessen Kanflraft zwar nicht die des stanzösischen Franken erreiche, aber die ter deutschen Mark wesentlich übersteigen dürste. Verbunden mit ter Einrichtung ter Lebensmittel- ankäufe würde diese Maßnahme eine toesenttiche Verbesserung der materiellen Lage ter Arbeiter herbeiführen, (?) ans ter die französische ZScke nur Nutzen ziehen könne. Auf alle Fälle stehe jetzt sch jh fest, das? dir em Sc, ater notwendige Maßnahme, die nm» ergriffen habe, nickst nur eine starke moralische Wirkung ausübe, sondern auch ein wesentliches Ergebnis zeitigen würde.
* 3rt der Stadthalle.
Der große Saal ter Stadthalle tvar 6t$ ans ten letzten Platz besetzt. We Deutsche Volks- Partei, die Deutschnationalen, die Demokraten, das Zentrum, ter Bürgerbund ... sie batten alle ihre Mitglieder ausgeboten! Feierlich klang von ter Argel her das alte Trntzkied: ,®in feste Burg ist unser Gott ..." Dann sprach Landtagsabgeordneter Kimpel zu der »Notversammlung". In kurzen Zützen zeichnete er die furchtbar drohende Lage, in der wir uns befinden. Er stellte fest, daß Frankreich in leichtfertigster Weise einen Kriegszustand geschaffen hat. SS) sollten, so rief er aus, alle parteipolitischen Gegensätze schweigen. Wie im August 1914 sollten sich alle zusammenfinden in einer Notgemeinschaft. Der ganzen Welt rufen wir hertte zu: MS hierher und nicht weiter! Wir wissen jetzt, daß nicht Poincarö allein, daß das französische Volk in seiner überwisgend großen Mehrheit den schnöden F rieten sbruch der Besetzimg teS Ruhrreviers w Gnw toir auch Wchtt-S, fc ». es doch ein Recht auf Ehre! Lebhafte Zu- stimmumg weckte die Mitteilung vom Vettrau- ensvotum für Reichskanzler C'mo und dessen Rete: Der Frietensvertrag von Versailles ist durch die Franzosen und Belgier zerrissen, jetzt, muß ein neuer, ein vernünftig^, geschaffen werde»! Wir stehen also, so folgerte ter Redner, vor einem Wendepunkt ter Weltgeschichte! Frankreich steht mit seinen Trabanten allein, das ganze Lügengebäude ist eingestürzt, wir dürfen hoffen. Mehr denn je gilt siir uns RSffelmannS Wort auf dem Rütli:
Wir wollen ttällen auf ten höchsten Gott, Und uns nicht fürchten vor ter Macht ter Menschen ...
Bedauerlich ist, daß diese Kundgebung nicht ge< meinsam mit ter Partei erfolgen konnte, ter ter Reickspräsitent angehört. An Ausforternng dazu hat es nicht gefehlt. Jedenfalls gilt das Wort: In Fährten und in Nöten zeigt erst das Volk sich eckt ... Eine Wiedergeburt des Volkes von innen heraus ist das Problem des Tagest imd der Aufsrsiehungsruf ist ter, den Atting- hmts geprägt hat: Seid einig, einig, einig! Daran werten Haß', Rachftsttzt und Unrecht zer- schellen. Unsere Waffe ist die Macht des moralischen Widerstandes. So appellieren wir an die ganze Welt: Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten ... rufet die Arme ter Götter herbei ...! Es gab rauschenden Beifall. Dann sprach
Oberstudienrat Dr. Becker.
In glänzend geformter Rete kennzeichckete er unter 6tegenMerstell'.mg der Frietensvcrttäge, die nach 1813 und 1871 mit Frankreich gemacht Worten sind rrnd milde ausfielen und des PersaUler Vertrags die Polittk Frankreichs: Der Rhein nicht Deutschlands Grenze, sondern Frankreichs Strom, Zertrümmerung ter deutschen Reichseinteil und Auflöftmg von Mitteleuropa. Die Folge wäre ein furchtbares Chaos. Und als der Redner die Frage stellte, ob gegen das schreiende Unrecht, das die Ruhrtesetzung beten- tet, vor aller Welt Protest erboten werten foff, da erscholl es wie aus einem Münte „Sa!' und dieses .Ja' charakterisierte Dr. Becker als Aufschrei ter geknechteten deutschen Volksseele. Leider find noch immer Schranken zwischen uns aus- gerichtet, noch immer werten alte Wunden aufgerissen und alter Hader aufgewühlt. Noch immer trennen uns Dünkel und Hochmut und doch ... in dieser Not müssen toir uns alle zusammenfin- ten! Jetzt beißt es vor allem, Ruhe und Be- fonnenteit aufzubringen, damit nichts geschieht, vas an Unseren Brütern im besetzten Gebiet ver- galten wird, daß nicht die Noch nicht ausgetrage- neti Gegensätze verschärft werden und zum Bürgerkrieg führen. Würdig und aufrechten Hauptes müssen wir durch unsere Demsittgung schreiten, mit SelbstbeherrschUttg nud Disziplin brutale Willkür ertragen, und Liebe betätigen zu unseren Volksgenossen in Rot. Auch dieser Redner fand stürmische Zusttmmuttg und anhaltenden Beifall. Dann wurde stehend das Deutschlandlied gesungen. Die Orgel spielte dazu.