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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

9n1ettton«p*rUtn)®teb<tmtid)e «ertrüge Die-wspaMgeAn;etg«n»rtt-M.«0., «amt- »or-rachrtchte«, die Zeile M. 38., die etafoalttge Rerlame-etl- N. 150,-. b) auswärtige Huf träge Die etafpaltig« Snjeigen»eU* W.«.-, die etafoattige Rellamezetle M. IM, alle« ein. schließlich TeuenrnzS,«schlag und Ametgeasteuer- «ür «ureigen mit besonders schwierigem Sag hundert Prozent Aufschlag. Für dle Richtigkeit aller durch Fernsprecher ausgegedenen An. zetgen, lswte für AnsNabmedaken und Plätze kann eine Sewähr nicht übernommen werden. Drnüeret:Schlachchofftraß«28/30.SsschLftSllelle: SSlntscheStrafte5.Lslephon Nr. Wund952

NrrrrrMer 7. Fernsprecher 951 ttnb 952 Mittwoch, rv. Januar 1923. Fernsprecher 951 und 952 13. Jahrgang.

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Feindliches Einmarsch ins Ruhrgebiet.

Am Leben und Tod.

2« Frankreichs Gewalt.

Werl die französische Pfände rpoittik »unherl- boCe Folgen für die wirtschaftliche Lage Euro­pas* nach sich ziehen wird, haben die Engländer die Konferenz in Paris abgebrochen. Sie kön­nen unmöglich dem Rand des Rhein- und Ruhr­gebietes zustimmen. Denn damit wäre nicht nur die wirtschaftliche und politische Vernichtung Deutschland besiegelt, sondern auch das Ende der englischen Machtstellung m Europa und im Orient. Die Zerstörung des europäischen und Orientfundamentes aber wäre der Anfang vom Ende der englischen Weltmacht über­haupt. Und all das ist eine Folge der engli­schen Vorkriegs-, Krills- und Friedenspolitik, die das tvatwnelle eurrchäische Gleichgewicht zer. schlug und durch den Versailler Vertrag Frank- reich die Möglichkeit zur Beherrschung des Kon­tinents gab. Mll man den ganzen Ernst der heutigen Lage erkennen, so muß man die letz­ten >t e I e Frankreichs sich vor Augen halten, die jenseits der Vernichtung Deutschlands liegen. Frankreich fühlt sich als Erde der alten römischen Herrschaft, zum Herrscher über den alten Kontinent bcrirtcn. Die erste Voraus­setzung dafür ist die Zerstückelung und das Ende der deutsch en Macht und Einheit. Rhein- und Ruhrgebiet in Frankreichs Hände» hätte dies ernicht. Darum ging der Kamps seif dem Waffenstillstand zwischen England und Frankreich. Die englische Politik suchte Frank­reich den Weg zu verlegen.' Die französische Po­litik trieb unentwegt, di« pMttfcho und wirt­schaftliche Entwicklung auf dieses Ziel zu.

Es wird bei uns in Deutschland vielfach übersehen, daß zur Aufrichtung und Behauptung der französischen Herrschaft Wer Europa nicht die militärische Gewalt allein genügt, sondern auch eine wirtschaftliche Beherrschung. Die eigentlichen treibenden Kräfte der f r a n z ö s i - schen Annektionspolitik sind mächtige finanzielle und industrielle Grup­pen. Die Häupter dieser Gruppen sind das EomitLdes Frrges (Eisenlomitee) beherrscht von Herrn Schneider von den Creusotwerken, das Komitee des HeuiWres (Kohlenvomftee), dessen Vorsitzender der bisherige Gesandte in Berlin, Laurent, wgi und wieder ist, die Vereinigung der ChemislKu Werke und die Pariser Union- Bank, der ebenfalls Schneider vorfteht. Diese Gruppen unter Führung Schneiders haben den größten Teil der Pariser Presse in der Hand. Sie nutzen den Nationalismus der ftan- zösischen Kammer für ihre Pläne. Sie be­sitzen vor allem in Poincars .ihren"' Staats­mann und Politiker. Sie haben ihn 1913 auf den Präsidentenisinhil gebracht, sie haben Briand gestürzt und ihn an seine Stelle gesetzt. Die Politik Poincarss fft die Politik der französi­schen Industrie und Hochfinanz.

Ein päar Hinweise genügen: Die wirtschaft­lichen Bestimmungen des Versailler Ver­trages dienen vor allem der französisihen Ju- dlrstrie. Elsaß-Äothringen brachte ihr die Erz­gruben wieder; die Losung Luxemburgs aus der Zollunion mit Deutschland brachte das Minette- pebiet an der Esch in französische Abhängigkeit. Die Ausbeutung der Saargruben sollte vor allem der ftanzösischen Metallindustrie dienen. Aber eine Frage, die wichtigste, konnte nur vorläu­fig zugunsten Frankreichs entschieden werden: die Frage der Ruhrlokslieftrung. Die lothringischen Hochöfen und die Gießereien im Norden und Osten Frankreichs sind abhängig vom Ruhrkoks. Für eine Reihe von Jahren konnten Zwangslieferungen durchgesetzt, konn­ten auch durch die Besetzung des RbeinlandeS gesichert werden. Darum stößt die französische Pokitik unentwegt gegen das Ruhrgebiet vor, um die dauernde Besetzung des Rhrin- larrdes imd Ruhrtales zu erzwingen.

Die bedeutend erweiterte französische In­dustrie bedarf erweiterter AbsatzmLrkte. Eine Zollbarriere tzen Rhein entlang würde ein ausgezeichnetes Absatzgebiet ergeben. Das aber ist unmöglich, so lange das Meinlond zu Deutschland gehört, darum will die ftanzö- ,sische Politik es loslösen und als unabbängi- >gen Pufferstaat in die fran-ösisckn Zollunion ein« schließen. Die unerfüllbaren Bedingung» des Versailler Vertrages werden als Handbabe be­nutzt, diese Ziele im Sanktivns- oder Pfänder­wege zu erreichen.

Ein Blick auf das Gesamtsystem der französischen Politik. Das Jndustriedrei- eck Oberschlesien mit Kohlengruben und Hütten hat Frankreich an Polen gebracht. Politisch und wirtschaftlich ist Polen der Vasall Frank­reichs. Die ©tobotoerfe in der Tschechoslo- wakei sind on die ftanzösischen Crensotwerke übergeangen. Di« Hälfte der deutschen Anteile an der rumänischen Qelindusirie sind in ftanzösischen Hütchen. In Jugoslavien arbeitet ftanrösisches Kapital. Die ehemaligen russischen Randfiaaten sind durch Wirtschaftsverträge an die Politik Frankreichs gebunden. Dieser ungeheuer wirtschaftliche Bau

ist gestützt durch eine Reihe militärischer und dipkomattscher Verträge: Mit Belgiern Polen, der Kleinen Entente usw. Ist vor allem aber gestützt durch die sranzösische Armee, durch die schwarzen «nd gelben Söldner am Rhein. Der entgültige Besitz, die entgültigc Beherrschung des Rhein- und Ruhrgebietes würde Frankreich die militärische und wirr- schastliche Herrschaft über Europa sicher». Es erübrigt sich, auf das Schicksal des deutschen Volkes hinzuweisen. Clemeuceau sagte, minde. stens zwanzig Millionen Menschen seien in Deutschland zu viel. Dessen müssen wir uns in diesen Tagen der Entscheidung bewußt sein. Vor uns steht ein Kampf um Leben und Tov.

Franzosen auf dem Marsch.

Die militärische« Vorbereitungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Düsseldorf, 9. Januar.

In den Kasernen der Besatzuugstruppen herrscht fieberhafte Bewegung. Auf dem hiesige» Fernsprechamt waren gestern mittag gegen 260 Offiziere beordert, die auf weitere An­ordnungen wertete«. Es werden bereits Quar­tiere für Truppen und Automobile angefor­dert. Aus Mai«, wird gemeldet: Von der Besatzungsbehörde wurde der Güterverkehr aus den Strecken Koblenz-Köln und Koblenz- Trier einge stell t und zum teilweise« Erlie­gen gebrackst, damit die Strecken für Truppen­transporte frei find. Auf den Bahnhöfen des be­setzten Gebietes wurde eilte verschärfte Paßkon­trolle eingeführt. Wie ans Frankfurt a. M. verkantet, werden die BaLichöfe Reu - I s k » - bürg und L a n g e n, die beide im besetzten Ge­biet liegen, von den Franzosen wieder mit mM- tärischen Wachen versehen. Die Bahnhöfe waren von den Franzosen seit längerer Zeit geräumt.

* * *

Die Tnrppen-Xronsporte.

Karlsruhe, S. Januar. (Privattele­gramm.) Starke franzöfische Truppentrans­porte werden ans der Pfalz gemeldet. Ge­stern fuhren hier sieben ftanzösische Truppen­transportzüge durch, die aus Frankreich fernen, mit der Aufschrift »Halt, auf allen Stationen hakte. Gestern betrug die Zahl der durch die Pfalz kommenden Truppentransportzüge etwa ,wölf. In den ftanzöfifchen Lagern herrscht fie­berhafte Tätigkeit, die darauf schließen läßt, daß die Rheinpfalz im Zustand erhöhter Alarmbereit­schaft ist. Die Haltung der französischen Offiziere «nd Mannschaften gegen ihre unfreiwilligen Qnartiergeber und gegen die E-e- schäftsinhaber, bei denen sie ihre Einkäufe zu machen pflegen, ist, wie dies übereinstimmend aus verschiedenen Städten gemeldet Wird, b e i - nahe feindselig. *

Esten soll am Mittwoch besetzt werden.

Paris, 9. Januar. (Privattelegramm.) Rach der Pariser Presse ütutz Deutschland darauf gefaßt sein, daß die Stadt Essen a. d. Ruhr am Mittwoch von etwa fünftausend Mann französischen Truppen und einer bclgi- s ch c n Brigade besetzt werden wird. Die Beset­zung von Essen, dem Sitz des deutschen Kohlen- syndikats, ist als Zwang nach dem Muster der früheren Besetzirng von Düsseldorf und Duis- burg-Ruhrort geplant «nd ist kaum in direkten Zusammenhang mit Poinearbs Pfänderpro­gramm im Rheinland und im Ruhrgebiet für einen »ach dem 15. Januar zu gewährenden Zwangsaufschub zu bringen.

Angebliche Deefedlungen.

Vorwand der Reparattonskommisfio«.

(Visen« Drahttneldung.)

Paris, 9. Januar.

In der Reparationskommisfion nahm gestern zu der Loftlenlieserungssrage der deutsche Vertreter Skaat^ekretär Fksitzer das Wort und legte dar, daß es sich bei den Be­schwerden der ReparationSkommissio« wegen on- geblich ungenügender Kohleulieferungen nur «m verschwindend geringe Menge« han­delt. Deutschland hat IV^Millivnen Tonnen im Monat geliesert, mährend 1,9 Millionen Tonnen und überdies 125 Tonnen oberschlesische Kohle gefördert wurden. Nach Fischer kam der Berfte- ter des RcichSkohlenkoumnffars Wallmichrath zu Worte. Danach wurde die Sitzung abgebrochen, weil der Chef des deutschen Kohleusyndikats Lüb-sen noch nicht einqetrvffen war. Dieser wird in der heute nachmittag ftattftndendeu Sitzung das Wort ergreife«. Rach stanzösischer Auffas­sung ist nicht daran zu zweifeln, daß die Repa- rattonÄonnniffion heute mit einer Stimmen= Mehrheit von 3 zu 1 die Nichterfüllung des Beitrages ftststellen wird. (!)

Der Engländer »wartet ab«.

Paris, 9. Dezember. (Eigene DrahtmÄdung.k Bradbury wurde nach Schluß der gestrigen

Sitzung der Reparattonskonnnisstou von engli­schen Pressevertretern über die Frage der deut­schen Kohlenlieferungen'befragt. Er äußerte sich dahin, daß er die weiteren deutschen Ausführun­gen abwarten wolle.

Dor der Besetzung. / Die Stellungnahme der Netchsrsgierung,

(Eigener Trahtbericht.)

Berlin, 9. Januar.

Die Reichsregierung ist zur Zeit mit einer eingehenden Prusungder Lage besänftigt, wie sie sich aus dem Borgehe« Frankreichs im 6 e- setzten Gebiet ergeben würde. Ein ver­einzeltes Vorgehen Frankreichs gegen daS Ruhr, gebiet unter dem Borwand einer absichtli^n Verfehlung Deutschlands stellt einen RechtSbnich dar, wie er größer nicht gedacht werden könnte. Die Reichsregierung wird sich deshalb darüber schlüssig werden müssen, welche Folgerungen daraus zu ziehen wären. Der PariserMa- tin" läßt sich aus Berlin melden, daß Mr den Fall einer französischen Besetzung des Ruhrge- bieteS der Sturz des Kabinetts Cuns zu erwar­ten sei. In mehreren übereinstimmende« Mel­dungen der Pariser Presse wird betont, daß mit einem wirksamen Widerstand der deutschen Bevölkerung bei einem ftanzösischen Bormarsch nicht zu rechnen sei. Ebenso sei es nicht richtig, daß die deutsche Regierung ihren Widerstand gegen direfte Verhandlungen mit Frankreich ausrechterhalten würde. Wenn Franfteich erst im Ruhrgebiet einmarschiert fei, werde, so gibt dasEcho de PariS" zu ver­stehen, DeutfSlland mit sich rede« lassen, mm da» Sugeständnis eines teilweise» Rück' der französischen Truppen zn ertenfen. (?)

* * * Vttspver MLrrstand.

London, 9. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Rach einer Meldung derTimes" ist in Deutsch­land insolge des Vormarsches der Franzosen in das Ruhrgebiet ein passiver Wider­stand zu erwarten. DaS Blatt glaubt, daß dieser Widerstand durch die Anwesenheit von zweihttnderttausend polni schen Gruben­arbeitern wett gemacht werden wird, da tie­fe nicht zögern würden, sich sofort auf die Sette der Franzosen zu stellen. (!)

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Di« französischen ISifint.

Paris, 9. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Tie an die Stelle der deutschen Beantten tre­tenden Franzosen wollen dafür sorgen, daß kein Abbruch im Betriebe der Ruhrin- dustrie eintritt. Man hostt, im Gegenteil eine Steigerung der Produktion herbeiführen zu kön­nen. Die Frage des deutschen Papiergeldes hostt matt so zu losen, daß man ei« Lokal» g c l d schaffen will und daß dadurch die Arbei­terschaft des RuhrgebieteS gegen die Entwertung des deustchen Geldes geschützt werde» soll. Fer­ner sollen die Franzosen die ErnährungS- Verhältnisse der deutschen Arbeiterschaft Im besetzten Gebiete stark verbessern. Darü-ber find Plüne im Aröeitsmiuisterium bis ins Ein­zelne ausgearbeitei worden.

Anter fremden Ingenieuren.

S>er Ersatz für die Deutschen.

(Eigene Drahtrnelduruti

Paris, 9. Januar.

Es find bisher vierzig französische Gru- öen-Jngcnteure nach dem Ruhrgebiet ge­reist. Sie werden sich zunächst in Düsseldorf anf- halten, wo sie neue Weisungen erhalten, falls der von dem heutigen Ministerrat entworfene Plan zur Ausführung kommt. Poinears hat bekannt­lich in Aussicht gestellt, daß er am Samstag in der Lämmer eine Erklärung abgeben wird. Man nimmt an, daß er schon an diesem Tage den Ab­geordneten Mitteilungen über bereits durchge- führte Maßnahmen wird machen können. Die Chefs der Jngenieurtruppen hatte» eine lange Unterredung mit dem Arbeitsminister und dem Generalinfpektor der Bergwerke, Cofte. Wahr- fcheinlich wird eine neue Gruppe »on In- genteuren von Paris nach Essen abreisen. Ferner werden Truppenverfchiebungen gemeldet. So wird das 149. Infanterieregiment ttnb das 62. Feldartillerieregiwent. die in Epinol gmcnifoniert find, sehr bald verschickt werden. Sie sotten bereits am Mittwoch am Rheinufer stehen.

Technische Vrllpmg.

Paris, 9. Januar. (Eigene DrtchtmelLung,) Rach Schluß der gestrigen Sitzung der Repara- tionskommifsion versammelten sich die techni­sche» Mitarbeiter zur Prüfung der von den deutsche« Vertreter» gemachten statistischen Angaben. Die heutige Sitzung wird sich weiter­hin mit der Prüfung der Angaben und Ziffern in den deustchen statistische» Angaben hefaffen.

Die Volksgesundheit.

Schädigung durch die Feinde.

Wie sehr v«r Mangel an Nahrung, Sohlen nn» Geld unfewc DolSgefnndhei« irh-idigt geh« an« fol­gend«« an« Berlin »ngesanden Bericht hervor, Der Minister für Bolkswohlfahrt, Herr Hirt­fi efer. Hatte dieser Tage die Vertreter der deutschen und amerikanischen Preffe nach dem Festsaale des Ministeriums für Volkswohlfahrt gebeten, um vor ihnen durch zwei seiner wiffcn- schastlichen Referenten, die Herren Geheimer Obermedizinalrat Professor Dr. Dietrich und Geheimer ObermMzinalrar Dr. Kröhne, das ungeheure und immer weiter um sich greifende körperliche und geistige Siechtum darlegen zu laffeu, dem das deutsche Volk unauf- haltsam verfällt, seitdem die Geißel des Ver­sailler SchmachfriedenS über feinem Haupte schwingt. Es war eine ernste Stunde, zu der der Minister gebeten hatte, wenn ihr auch ein gemütliches Beisammensein bei einer Taffe Tee ooranging. Geheimer Obermedizinalrat Dr. Kröhne führte als erster der wissenschaftlichen Autoritäten cttva folgendes aus: Neben der Wirt schastlichen Verelendung bedroht uns die weit größere Gefahr der völlige» Zerrüttung un­serer Volksgesundheit und damit auch der Arbeitsfähigkeit unseres Volkes. Rach dem Kriege trat zwar infolge günstigerer Ernährung eine allmähliche Besserung der durch die Hungerblochwe so schwer geschädigten Ge­sundheit ein. Seit Mitte 1922 ist aber eine

neue Verschlechterung unverkenuihar. Weite Schichten unseres Volkes kÄuae» die für eine normal« Errichtung ersor-- derliche« Mengeü

tel nicht mehr beschaffen, da die Preise für Fett, Fleisch, Mich Eier wstv., ja selbst firr Brot ltnd Kartoffeln seit dem Sommer 1928 eine er­schreckende Höhe erreicht haben. Benötigt doch schon eine vierNpfige Familie für den normalen Bedarf an Fett bezw. Margarine eine jährliche Summe von etwa 200000 Mark. Ins­gesamt kostet jetzt die normale Ernährung einer solchen Familie Min-destens 750000 Mark jähr­lich. Wenige Familien dürste« solche Ausgaben für Ernährung leisten können. Nene Berichte aus den preußischen Regierungsbezirken lasse» erkennen, daß zahlreiche Familien, namentlich der städtischen Bevölkerung, kleine Gewerbetrei­bende, Sozialrentner, alte Leute usw., bereits ein ausgesprochenes Hungerdasein führen. Die Meldungen über Todesfälle an Verhungern, über Selbstmorde aus Verzweiflung und Hun­ger mehren sich. Das Gespenst zunehmender Un­terernährung der Masse unseres Volkes steht er­schreckend vor uns. Besonders bedenklich er­scheint die gesundheitliche

Zukunft unserer Kinder.

Die geringe durch Quäkerspeisung und andere Mittel erreichte Besserung der Ernährung unse­res Nachivuchses schwindet bereits wieder dahin. Selbst die vor und während des Krieges geringe Säuglingssterblichkett nimmt seit Mit­te 1922 M. Aus 24 von den 35 preußischen Re« gierungÄezirken werden Beobachtungen über die neuerliche Unterernährung der KleinNnder und Schulkinder berichtet. Die gemeldeten Zis- fern über Unterernährung gehen zum Teil erheb­lich über 50 Prozent hinaus. Skrofulose, Drü­senerkrankungen, Rachitis zeigen wieder eine deutliche Zunahme. Die wichtigste Ursache hier­für dürfte in bem Milchmangel liegen. Hun­de rttaufende unterer Kinder bekommen heute kei­nen Tropfen Milch mehr, da die Eltern sie nicht mehr bezahlen können. Die Folgen deS völligen Fehlens der Milchnahrung für die heranwach- sende Jugend werden und müssen vernichtend fein. Die Tuberkulose, die während Les Krieges erheblich angestteyen, nach dem Kriege aber totebet etwas zurückgeaangen war, steigt neuerdings wieder bedenklich an. Schlechte Er­nährung, Wohnungsnot usw. sind die Hauptur- soche dieser Erscheinung.

Der Kohlenmangel

Hai feit Anfang 1922 ein Ansteigen der Erckäl- rungs krankheiten bewirft. Allein im 1. Quar­tal 1922 betrug die Zahl der TtiresMe an Sun» geuentzü »düngen 17785 gegenüber nur 14 '49 Todesfällen im 1. Quartal 1921. In den Städten über 15000 Einwohnern stieg Ne Zahl der To­desfälle an ErKttungskrankheiten von 23d (aus 10000 Einwohner berechnet) im 1. Viertel­jahr 1921 auf 39,9 im 1. Viertelfäbr 1922. Tie von der Entente verlangte AbLtefernng noch größerer- Kohlenmengen wird die Zunahme der ErMtungen Wester berf(Stimmern. Der M a n« gel an Wäsche. die Verringerung der Bade­möglichleiten, die Verteuernna der Seife macken Tausenden eine geordnete Körperpflege unmög­lich. Me Folge sind vielfache Haittftankheiren und eine Zunahme der Seuchengesaür. Sollten heute Fälle von Cholera, Pest. Pocken rattr tn unser Land eindringen, so wurden sie in dem