Einzelbild herunterladen
 
  

Nr. 2.

Dreizehnter Jahrgang.

Kasseler Neueste Nachrichten

Beilage.

Donnerstag, 4. Zannar 1923

Roch immer Ernt?!

Walter der Oberförsterei Gahrenberg. Endlich wird der erste Mahlrektor der forstlichen Hoch­schule, Oberforstmeister Schilling, zum 1.1

Maßnahmen als annähernde Ansage der Aus­rottung dieses Vogels cntgegentrestn.

Aus aller Well

Der Leidensweg der Vreffe.

getreten. Geh. Rat Baute, der im Sommer fein fünfzigstes Dienstjubiläum feierte, trat in den Ruhestand. Len Lehrstuhl für Botanik über­nahm Professor Jähn, nachdem Professor Hau- nig nach Münster berufen worden war. Landes­forstrat Oelkers trat anstelle des pensionier­ten Forstmeisters Sell heim autf? als Ver-

Die Not der Presse hat weitere Opfer ge­fordert. Das im 42. Jahrgange stehende Stadthagener Kreis blatt" ftefit, wie es seinen Lesern bekanntgibt, wegen der gewal­tigen Unkosten sein Erscheinen ein. Es überzuk- tert diese bittere Pille noch mit dem Hinweis auf eine spÄere, bessere Zeit, wo es daun in einem neuen Gewände wieder erscheinen wolle. Das Oberfränkische Kreisblatt" in Bom­be r g Hat am 1. Januar sein Erscheinen einge­stellt. Mit der ersten Nummer des 50. Jahr­gangs hat dasE ch o v o m W a l d" in Trrberg sein Erscheinen eingestellt. DieDeutsche Warte", das Organ der Dodenreformer hat am 1. Januar als selbständiges Organ zu erscheinen aufgehört. Das Blatt geht an den Scherl-Verlag über und soll mit demTag" zu einem Organ zusammengelegt werden.

»er Tos in der Silvesternacht.

In Berlin mutzten einige Personen die Silvesterstimmuna mit dem Tode büßen. So wurde der A r b e i t e r K u tz b a ch, der mit Zwei anderen Arbeitern in der Parochiolstratze einen Wachter überfallen hatte, von einem ,dcm Wäch­ter zu Hilfe eilenden Schutzpolizisten in der Noiw ehr erschossen. In Charlottenburg erschoß der Metallarbeiter Iden, der aus einem Revolver Fr eud en schlisse abgegeben hatte, aus Fahrlässigkeit eine Frau Woitkowiak. Ter Schutzmann Liebetruth, der an der Charlottenburger Schloßbrücke einen im Wasser um Hilfe rufenden Mann retten wollte, ist mit diese-m zusammen ertrunken. Schwer ver­letzt wurde im Norden Berlins ein zwölf Jahre alter Schüler durch Erplosion von fünfzig Knall korken, die er in der Hosentasche trug. Mehrere Personen wurden durch ' Schüsse oder Messerstiche lebensgefährlich ver­letzt. Ein schweres Unglück hat sich in der Silvesternacht in Krummhübel im Riesen - gebirge ereignet. Beim Verkauf von Scherz­artikeln wurde versuchsweise einer, der die Form einer Eierhandgranate hatte, entzündet. Es handelte sich aber um eine wirkliche Hand­granate. die explodierte. Dem Käufer einem Engländer, wurde die Hand weggeriffen. Die Verkäuferin und noch sechs andere Perso­nen wurden ebenfalls schwer verwundet.

Roch immer nicht beendet ist infolge der ganz anomalen Witterungsvekhältnisse die Ernte im Mindener Obergericht, d. h. nach der Kasseler Seite zu. Man ist indes der Hoffnung, daß die noch im Boden befindlichen Kartoffeln nicht verdorben sind und noch gerettet werden kön­nen, wie man auch einen Teil Weizen noch her­einzubringen hofft. Besser geworden Wirtz er in dieser Zeit allerdings kaum sein.

Verdienste des scheidenden Dorfoberhaupter zu würdigen und zu ebren wissen.

* Waldeck, 3. Januar. (Goldener Kranz.) Die Eheleute Maurermeiste: Christian Schalter von hier feierten dieser Tage das Fest der golde­nen Hochzeit. Am Abend vorher brachte der Ge- sanqvereinEdersee" ein Ständchen; dieses wur­de noch verschönert durch einen Fackelzug. Am Tage selbst hielt Pastor Brrsold in der Woh­nung des Ehepaars eine zu Herzen gehende An­sprache. Zahlreiche Verwandte, Freunde und Bekannte waren erschienen, um Gratulationen !zu überbringen.

3utfer für Bienen.

Die bereits vom Vorstände des Kurheffischen Bienenzüchtervereins angekündigte zweite Zuüerlieferung des Kurheffischen Bienen- züchtervereins für 1923 ist im Gange. Es konunen auf ein Volk acht Pfund zur Verteilung.

* Riederkaufungen, 3. Januar. (Geschäfts­anteil der Darlehnskaffe.) Die Mitglieder der hiesigen DarlehnÄasse beschlossen in der letzten Generalversammlung, den Geschäftsanteil auf 5000 Mark zu erhöhen Um jedeoch den kleineren Mitgliedern die Zahlung zu erleichtern, be- timmten der Vorstand und der Aufsichtsrat, daß oorerst bis zum 1. Januar 1923 1000 Mark und dann bis zum 31. März abermals 1000 Mark gezahlt werden sollen. Der Restbetrag wird nur im Bedarfsfälle erhoben.

* Oberkausungen, 3. Januar. (Schuld und Sühne.) Vor dem Kasseler Schöffengericht hat­ten sich dieser Tage der Fahrbursche K., der Mühlenarbeiter Sch. und das Dienstmädchen W. zu verantworten, die beschuldigt wurden, in der hiesigen Mühle sortgesetzt Mehldiebstähle began­gen zu haben. Gleichzeittg satzen wegen Heh­lerei die Arbeiter E. und W., der Landwirt S. und Mei Frauen E. und W. auf der Anklage­bank Nach längerer Verhandlung erging fol­gendes Urteil des Gerichts: K. erhielt wegen fortgesetzten Diebstahls drei Monate Gefängnis, die Angeklagten E.. S. und W. sowie Frau W. wegen Hehlerei Geldstrafen von tausend bis dreitausend Mark Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. K. wurde gegen Zah­

lung einer Buße von 12000 Mark dreijähriger Strafaufschub und bedingte Begnadigung ge­

ll en je Morgen Land und 2 Zentner je Morgen Wiese. Auf die Güte des Bodens und die so- zialm Verhältnisse der Pächter wird Rücksicht genommen. Mit der Verpflichtung des neuge­wählten Beigeordneten. Schlossermeister Tomas, durch den Vorsitzenden endigte die Sitzung.

* Bad Wildlingen, 3 Januar. (Neuer Bür­germeister.) Zum Jahresschlutz trat unser Bür­germeister, Otto Radke, der seit 1898, also vier- undzwanzig Jahre lang, an der Spitze unserer Stadt stand, in den wohlverdienten Ruhestand. Zu seinem Nachfolger wählte die Gemeindever­tretung den zweiten Bürgermeister der Stadt Ottelsburg in Ostpreußen, Dr. jur. Othen - bürg, dem ein ausgezeichneter Ruf vorausgehl.

* Sachsenberg. 3. Januar. (Neues Krieger­denkmal. Reiche Holzeinnahme.) Der Bau eines Kriogerdenkinals für unser Städtchen ist nun nach langem Hin und Her endlich beschlos­sen. Als Standort wurde der Marktplatz ge­wählt. Die Stadt erzielte aus einem Nutz- holzverkauf die ansehnliche Summe von zwei Millionen Mark. Weitere Holzverläufe stehen noch bevor.

* Neubringhausen. 3. Januar. (Dreissig Jah­re im Gemeindedienst.) Nicht weniger denn dreißig .Jähre stand Bürgermeister Christian Rabe im Diensst unserer Keinen Ederge- meinde, sodaß man ihm seinen nunmehrigen Uebertritt in den wohlverdienten Ruhestand nur gönnen kann. Die ganze Gemeinde wird die

ten Rehe mtt Butter $u füllen und diese so über die Grenze zu schmuggeln. Jetzt sind mehrere gefüllte" Rehe beschlagnahmt worden.

Die WeihmEszecke mit falschem Notgeld. In Zschopau wurden am Weihnachtsabend zahlreiche gefälschte 500 Mark-Notgeldscheine,der dortigen Stadtverwaltung in Umlauf gesetzt, ohne daß der Betrug zunächst erkannt wurde. Erst ein Schankwirt bemerkte die Fälschung und veranlaßte die Festnahme des Betrügers. Er entpuppte sich als der in Dresden wohnhafte Steindrucker Jahn, der zugleich als Au- fertiger der Falschscheine in Betracht kam.

* Mord und Beraubung. In der Nähe von Detmold wurde am Sonnabend ein Mann in einem Gehölz bei Bösingseld ermordet aufgesilndcn. Es handelt sich, wie die nähere Untersuchung ergeben hat, um den Wander­arbeiter Josef Doerenkamp, der von '-'nem Arbeitskollegen von seiner Arbei tte im Rubrgebiet dorthin gelockt und ermordet und seiner Barschast in Höhe von zwölstausend Marx beraubt wurde. Der Täter ist verhaftet.

* Verarmte Prinzen. Beim Krach der Kopm- bagener Landsmannsbank verlor der d ä n i sch e Prinz Waldemar, der Bruder des Königs fein gesamtes Vermögen. Da sie erflärten, ohne Vermögen in Dänemark nickt, standesgemäß le­ben zu können ist einer der Söhne des Prinzen, Prinz Aage, in die französische Kolo­nialarmee eingetreten -der zweite, Prmz Erif, als Angestellter einer Meierei, nach Si­birien gegangen.

* Der Dank an die alma mater. Erne un­genannte Persönlichkeit ans dem Wirtschafts­leben hat in dankbarer Erinncrnng an die Stu­dienzeit in der Charlottenburger Tech- niscken Hochschule dem Urrterrickstsminrster eine Zuwendung von dreieinhalb Millionen Mark gemacht, die zur Unterstützung bedürftiger Stu­denten irnd studentischen Einrichtungen verwen­det werden sollen.

Das Kind mit dem Froschkopf. In Hil- lemühltal in Böbmen wurde ein Kind zur Welt gebracht, weiblichen Geschlechts, das um unteren Körper normale Menschenformen zeig­te während der Oberkörper mit dem Kopf das Aussehen eines Frosches hatte. Das Kind ist gestorben und wurde als Abnormität

währt.

* Melsungen, 3. Januar. (Ein Hoteldieb.) Vorige Woche mietete sich in einem hiesigen Ho­tel ein schlanker eleganter junger Mann ein, der angab, nach Gensungen zu wollen, um dort alte Maschinen auszukaufen. Als ein im Nach­barzimmer wohnendes jung-» Ehepaar verreist war, brach der Fremde die Verbindungtür aus, packte Anzüge, Schuhe, Wäsche und Schmucksa­chen in einen Karton und suchte und santz da- mit das Weite.

* Sachsenhausen, I. Januar. (In den Ruhe­stand.) Der langjährige verdienstvolle Lehrer und Leiter der hiesigen bierftaffigen Volksschule Fr. Wütig, tritt demnächst in den Ruhestand, Er wind feinen Wohnsitz voraussichtlich nach Bad Wildmrgen verlegen.

* Marburg, 3. Januar. (Kreissekretär Bel­ker -h) Kreisausschuß-Sekretär Johannes Bel­ker ist gestorben. Ueber dreiundzwanzig Jahre war er in rastloser, nie ermüdender Arbeitsam­keit in der Kreiskommurmlvevwaltung tätig. Mit Klugheit, Willensstärke und vorbildlichem Pflichtgefühl ausgestattet, hat er bis zuletzt mit regem Eifer an den Aufgaben der Kreisverwal- luug mitgearbeitet.

Bus den Nachdargebleten.

* Hann.-Münden, 3. Januar. (Forstliche Hochschule.) Im Lause des letzten Jahres sind an der Mademie vielerlei Veränderungen ein-

Aus der Heimat.

Der Fischreiher in Gefahr!

Wer je die Oberweserfahrt in ihrer Schön­heit nrit sehenden Augen genossen hat, der weiß, daß einer der reizvollsten Anblicke für ben. Frem­den der eines aufflicgenden Fischreihers ist, die­ses schlanken zierlichen Vogels, der in so wun­dervollen Linien aufsteigt, wie sie kaum der Künstler wiederzugeben vermag, der den Flug gerade dieses Vogels sich tausendmal zum Vor­wurf wählte. Der Oberweserreiher ist knapp unterhalb Mündens bereits zu beobach­ten. an den Windungen beim einstigen Kloster Hilwartshausen erscheint er in der Regel zuerst, geht jedoch im Sommer bisweilen bis an die Fulda zwischen Münden und Kassel entbot. Erst weiter stromabwärts finden wir die bekann­ten Reiherhorsie, die man aud> vom Dampfer aus beobachten kann.

Diesen herrlichen heimischen Vogel hat nun der preußische Landwirtschastsminister Wieder einmal für einen gefährlicken Fischräuber erklärt und damit sicher das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Der Hamelner Jagdschutzverein hat sich gegen diese Verallgemeinerung gewandt. Er Wird hoffenflick überall Unterstützung finden, wo man den Vogel kennt und beobachtet hat. Man kann dem Schaden, der vielleicht in Zucht- teichen angerichtet werden kann, durch andere

* Die schwarze Hand auf dem Lande. Die Landwirte im Dithmarschen erhalten fort­gesetzt Drohbriefe des Inhalts, daß ihre Be­sitzungen in Flammen aufgehen werden; die meisten Briefe kommen aus Kiel, einige aus Hamburg. Das erste Attentat wurde auf das Wichmannsche Gut in Oeverwitsch verübt. Dort brach Feuer aus, daS einen Teil der Ge­bäude in Asche legte; in den Flammen kamen auch zweiundzwanzig Rinder um. Die Brand- stifter sind unerkannt entkommen. Auf den be­sonders bedrohten größeren Besitzmrgen sind ei gerne Feme rwuch e n stattoniert worden.

* Die Bluttat eines Einbrechers. In Zil­lendorf bei Fürstenberg a. O. überraschte der Landwirt Lorenz Düll bei der Heimkehr von einer Festlichkeit den Ziegelarbeiter B a u tz beim Einbruch in sein Wohnhaus. Auf der Verfol­gung erschoß Bautz den Landwirt Döll und tötete dann fick selbst.

Aus Rache an die Schienen gefesselt. Der Eisenbahnwärter Karl Z e n z wurde dieser Ta­ge in der Nähe Wiens gefesselt aus den Ei­senbahnschienen gefunden Er blutete aus drei Kopfwunden Es handelt sich zweifellos um einen Racheakt von Eisenbahndieben, die er an­gezeigt hatte.

* Vatermord eines Epileptikers. .Im Ber­kin ermordete der zwanzigjährige Sohn des Zimmermanns WitHelm Klein seinen cm Bet« 'liegenden Vater durch Arthiebe. Der Täter, der Epileptiker ist. konnte sofort verhaftet werden.

* Gefüllte Rehe ... ein Schmugglertrick.Ge­füllte Rehe", das ist ein neuer Schmugglertrick, dem die Grenzbeamten der Westpsal, auf die Spur gekommen sind. Jäger aus Saarbruk- k e n, die ihre Jagd in der Pfalz haben, pfleg­ten den Bauch der gefchossenen und ausgewecde-

nach Prag übergefiihrt.

* Der Mörder seiner Kinder. Nach sechstägt- ger Verhandlung ging der Mvrdprozeß Vogt dieser Tage in Düsseldorf zu Ende. Vogt hatte in einem Wutanfall seinerzeit drei seiner Kinder getötet. Er hatte das eine et» -hoffen und zwei andere aus dem Fenster ge- schlerdert. Das Schwurgericht verurteilte ihn zu zehn Jahren Zuchthaus.

Avril nach Eberswalde zurückgehen. Sein Nach­folger ist noch nicht bestimmt. Unter den sonsti­gen Veränderungen ist hervorzuheben, daß am t. Januar ein Assistent am Mykologischen In­stitut, Freiherr van Beyma toe Klingma sein Wirkungsfeld verläßt.

* Hann.-Münden, 3. Januar. (Forstmeister Senfe ch.) Nach kurzer Krankheit starb im Alter von 62 Jahren Forftmeister Albert Bonse, der Verwalter der staatlichen Oberförsterei Kat- tenbühl Forstmeister B. kam von feiner bishe­rigen Stelle in Sigmaringen am 1. April 1918 nach Münden als Nachfolger von Forstmeister Mittelacher. Eine tückische Grippe raffte den rüstige« Mann in kurzer Zeit dahin.

* Arolsen, 3. Januar. (Sitzung des Gemein­derats.) Unter dem Vorsitz des ältesten Gemein^ deratsmitqliedes, Schriftstellers Kramer, wur­de die Wahl des Vorsitzenden und dessen Stell­vertreters für das neue Jahr bezw. für den Rest der laufenden Wahlperiode vorgenommen. Wie- dergewählt wurden Kreisfvarkaflendirektor Säl­zer und Lebrer Schöneweis. Sodann übernahm elfterer den Vorsitz, um über den ersten Punft der Tagesordnung 6etr. Abschluß eines neuen Vertrages wegen Ermietung der Turühalle für den Turnunterricht an den städtifchen Schulcui- ftalten Entscheidung zu treffen. Nach eingehen­der Besprechung wurde die Angelegenheit einst­weilen vertagt. Der Gemeindevorstand wird mit dem Vorstand des Turnvereins Weiteres verein­baren und darauf eine neue Vorlage machen. Der Wasser,ins Mr die Entnahme von Wasser aus der städtischen Wasserleittmg wurde auf 10 Mack je Kubikmeter erhöht, außerdem eine Neueinschätzung de» Mindestverbrauchs in den­jenigen Hausern vorgenommen, wo die Waffer- msffer nicht im gebrauchsfähigen Zustande find. Es foll tunlichst dafür gesorgt werden, daß alle Wassermesser in ordnungsmäßigen Zustand ge­setzt werden. Nach einer vom Bürgermeister aufgestellten Berechnung erwies sich die Erhö­hung als nötig, um Einnahmen und Ausgaben gemäß dem gesunkenen Geldweck in Einklang zu bringen. Die Pachten Mr die städtischen Gruikd- stücke sollen mit den Pächtern auf einer Grund­lage des jeweiligen Roggenpreises neu verein­bart werden. Vorgesehen sind ein Zentner Rog-

Gang-:. c

Ein Dekorateur ans Frankfurt an der Oder

Ae W nrt Mn WM.

42) Vornan von Hans Schulze.

Da schickte er endlich den auswartenden Gärt- nerjungen, um ihn aus seiner Umgebung zu entfernen, für den ganzen Tag zum Krebfe- fifchen auf den See hinaus und begann selbst in fieberhafter Elle feine Sachen zu ordnen.

Tie meiften der aus Amerika nachgekomme- nen Frachtlisten standen noch ungeöffnet, als Hütte er geahnt, daß feines Bleibens in Pchlo- witz nicht von langer Dauer fein würde.

In einer knappen halben Stunde war alles wieder verpackt und vernagelt; dann leerte er in feinem Schlafzimmer sämtliche Sckränke und Schubladen und stopfte Wäsche und Kleidungs­stücke, Stiefel und Toilettengegenstände wahl­los in seine beiden Rohrplattenkoffer.

Alsleben wollte das Kavalierhaus bis spa- tesiens zum Nachmittag verlassen haben, ehe das Gerücht seines Wegganges bis auf den Wtrt- schaftshof gedrungen war.

Ein paar Kacken aus dem Pahlowitzer Dorf­krug würden der gesellschaftlichen Form eines Abschiedes vom Schloß genügen, während er im Amtshaüse und bei Pastor Hagedorn noch ein­mal persönlich vorzusprechen beschloß.

Und vierundzwanzig Stunden späwr faß er hoffentlich bereits im Frühzuge nach Bersin, und alles war vorbei.

Acit einem wehmütigen Blick umfaßte er noch einmal das trauliche Bild feines Arbeitszim­mers, in dem erben schönsten Traum seines Le­bens geträumt hatte unb nun so jäh aus allen Himmeln seiner Glückshoffnungen gestürzt wor- ben war. _ , ..

Dann nahm er mit einem leisen Seufzer feine Wirtschaftsbücher zur Hand und begann eine eifrige Rechnung.

Uwerdessen waren tm Schloß Vorbereitun­gen zur Verlobungsfeier bereits in vollem

war fchon in aller Morgenfrühe in Pablowitz eingetroffen und hatte die große Eingangshalle mit Hilfe der reichen Schätze der Gewääshöu- fer binnen kurzer Zeit in eine blühende Gacken- laudschaft umgewcmdelt.

Schwankende Tannengirlanden zogen sich aus allen Ecken des mächtigen Raumes in fcköngeschwungenen Linien über die breiten Ta­felfelder der Decke und liefen in dem vielarmi­gen Geweihkronleuchstr der Mitte anmutig ver- fchlunaen ineinander.

Helles Birkengrüu gab dem nüchternen Weiß der getünchten Wände einen festlichen Far­benton, neben dem riesigen alten Kamin war zwifchen den weitfiasternden Blätteckugeln Meier Oleanderbäume eine Keine Laube ein­gebaut worden.

Eine bunte Laterne hing über dem Eingang, und Trude Workentin, die von Tacesanbcnch an unermüdlich treppauf, treppab in Bewegung war, hatte das verfchwiegene Liebesversstck fo- gleich zur offiziellen Verlobungslaube ernannt.

Unten im Pack arbeitete der Wackenberger Drogeckebesitzer, Herr Robert Kraufe, ob feines buntbewegten Lebens Robinfon Crusoe ge­nannt, ein verkrachter Apotheker, der durch ein von ihm erfundenes Wafchmittel mit dem ori­ginellen TitelTer Tod der Wafchfrau" zu be­haglichem Wohlstand gelangt war und sich ne­ben seinem eigentlichen Berus aus Privatlieb­haberei gern als Feuerweckstechniker betätigst.

Er hatte im Durchblick des großen Vorplatzes neben dem Rosengarten bereits ein geheimnis­volles Lattengerüst errichtet und zeigte der neu­gierigen Trude mit dem Stolz des schaffenden Künstlers ein felbstgrfeckigteS Transparent, das als Schluß- und Prunkstück seiner ganzen Vor­führung vorgesehen war und die pbantastifch verschlungenen Jnittalen des Brautpaares in dem Funkenregeir einer drehbaren Rakestnsonne erglühen lassen sollte. , ~ ..

Zugleich mit Herrn Krause war auch Frau­lein Antonie Kuhn der Perle aller Hausschnei- drriiinen, aus Wackenberg gekommen und hatte in Hertas Zimmer ihr Haitptquackicr ausgcschla-

gen, um cm den von Gerson gelieferten Festge­wändern der Damen noch eine letzte Hand cmzu- legcn, unb überhaupt den Keinen Toilettenun­fällen am Beckobiingstage sogleich zur Sstlle zu sein.

Fräulein Kühn, bei alt und jung als das kühne Töncheu" bekannt und geschätzt, war ein verwcnhfcnes, kleines Persönchen mit einer rieft» gen Hornbrille auf der univahrscheiEch langen, dünnen Nase, die ihrem Gesicht im Verein mit den lebhaft blinkenden. schwarzen Aeugelchen eine auffallende Aehnlichkeit mit einer Spitz­maus verlieh.

Seit unvordenklichen Zeiten erschien sie tote das Mädchen aus der Fremde in jedem Sommer zu einer großen Flickkampagne ht Pahlowitz, zugleich mit ihrer zärtlich geliebten Mopshün­din Paula, einem walzensörmig-verfetteten, asthmatischen Wesen, in dessen heimlicher Peini­gung sich vor allem Trude Warkentins erfinde­rischer Scharfsinn schon von jeher erschöpft hatte.

Desgleichen führte sie in einem grünseidenen Ridikül neben einem fiebrigen Konglomerat von Hi^enbonbons ständig ein Bild ihres bereits vor grauen Jahren verstorbenen Bränttgams Theodor bei sich, ein altes Daguerreotyp, das einen mäßig intelligenten hingen Mann mit flügelförmig abstehenden Ohren darstellst und bis auf die stark aufgetragene Vergoldung bet Uhcketst fast verblichen war.

Die Lebens- unb Leidensaefchichte dieses Jünglings, von dem Fräulein Tünchen stets im Stil einer Todesanzeige als einem treusorgen­den Bruder, Neffen und Bräutigam sprach, bil- dete für sie ein unerschöpfliches Uitterhaltungs- thema. und auch beute begann sie nach einem ausgiebigen Begrüßungsfrühstück sogleich ein unendliches Garn zu spinnen, das die Kindheit und Jugend Tbeodors mit liobensvoller epischer Brecst ^handelte.

Herta, der der Lebenslauf Theodors etwa mit der gleichen Genauigkeit bekannt war, wie Goethes Leben aus Wahrheit und Dichtung, hielt diesmal selbst der eingehendsten Kleinmalc- rei seiner erstaunlichen Leistungen auf der Mit-

telschule in Wartenberg stand, ja sie empfand das sanfte Plappern der Plappermühle des al- stn Fräuleins, vor dem sie sonst schon nach fünf Minuten die Flucht zu ergreifen pflegte, in ihrer augenblicklichen Stimmung geradezu als eine willkommene, wohltätige Beruhigung ihres noch immer heftig schwingenden Nervenshsstms.

Trotz aller nach außen zur Schau getragenen Beherrschung wollte eine verzehrende Unruhe, eine Peinigende Angst bei Tag und Nacht nicht Von ihr weichen.

Das riefe Web. in dem sie an jenem unseli­gen Abend auf ihr Zimmer geflüchtet war, schwoll immer wieder brennend in ihrer Seele auf und zugleich damit ein dumpfes Gefühl von Zerbrockenheit, als ob sie jeden Halt, jeden in­neren Stützpunkt verloren habe und mit ihrer Verlobung gleichsam mit geschlossenen Augen einen Sprung ins Dunkle wage.

Wie hatte sie in dieser Zeit des Zweifels einen Besuch des Bräutigams zu einer offenen, rücchaltlosen Ausfprache herbcigesehnt, mit der ganzen Kraft ihrer großen, heißen Liebe, die sie uock immer für ihn im Herzen trug unb die sie gerade darum doppelt um ihn leiden ließ.

Und nicht ein einziges Mal war er zu ihr gekommen.

Immer nur hatte er Blumen geschickt, nichts als Blumen und dann und wann ein paar kurze Zeilen, fo flüchtig und frostig, so sichtbar ge­zwungen. daß sie feine nichtsfagenden Briese kaum mehr zu öffnen gewagt hatte.

(Fortsetzung folgt)

Reichtum der Seele.

Die Kron' auf dem Haupte und Schlösser voll Geld Und Herrschaft und Macht und Besitz einer Welt; Im Darben ward nmncher dock reicker gewalfrt, Denn wirtlicher Reichtum ist geistiger Art.

Ein Lied, ein Erinnern, ein Bildnis, ein Blick, Das strömt in die Seele unsägliches Glück Die trägt es durch Wochen, durch Jahre umher, Als himmlischBesitzlum und wünschet nichts mehr-