Einzelbild herunterladen
 

Raffelet Neueste Nachrichte«

<- Donnerstag, 4. Januar 1923.

i

Neues aus Mel

Llnsrre DogelweN.

Gelöbnis der rheinischen Geistlichkeit.

Köln, 2. Januar. Bei der Neujahrsansprache des Kölner Erzbischofs Kardinals Schulte vor dem versammelten Domkapitel ging der Bischof auf das Gelöbnis der erschienenen Geist- l i ch k c i t, in diesen Tagen der Not d e m R e i ch die Treue zu bewahren, ein und führte aus, daß nur der vom Papist vorgezeichnete Weg mög­lich sei zum endlichen Aufbau des Friedens.

Amerikaner gegen die Schwärzen.

Die französische Schmach am Rhein.

Aus Rcwyork wird geschrieben: Eine ameri­kanische Zeitung veröffentlichte gelegentlich der Behauptungen C l e m c n c e a u s in Amerika, es seien keine farbigen Truppen mehr im Rhein­land, enteil Protest amerikanischer Sol­daten der Besatzungsarmee gegen die aller Zi­vilisation spottende Verwendung farbiger Trup­pen im Rheinland durch Frankreich Es heißt darin, daß die Verwendung der farbigen Trup­pen am Rhein eine Schande sei und fordert die American Legion", die Bereinigung ehemaliger amerikanischer Soldaten, auf, endlich dafür zu sorgen, daß den durch die Gewalttaten Schwarzer an deutschen Frauen ge­schaffenen unlmltbaren Zuständen im Rheinland ein Ende gemacht werde. Er erinnert dabei an den amerikanischen Bürgerkrieg, in dessen Verlaus 1874 die Bürger von Louisiana die ihnen vom Norden anfoktrohierte schwarze Besatzung, welche sich nicht entfernt soviel zusckulden kommen ließ, wie setzt die Schwarzen am Rheinland, mit Ge­walt aus dem Lande warfen.

Die Möbel der Zukunft ... aus Vappe.

Der Architekt Karl Abt in Helmstedt hat ein Verfahren zur Herstellung von Möbeln aus Pappe erfunden. Er hat das Verfahren in einem Kleinbetrieb in Helmstedt ausgeprobt. Tie von ihm hergestellten Möbel sollen sehr dauer­haft und verhältnismäßig preiswert sein. Zur Ausnutzung seines Verfahrens will er nun eine große Fabrik errichten. 'Da nach dem Gutachten der Stadt Helmstedt ein öffentliches Interesse vorliegt, den Betrieb im Lande zu behalten, hat der Staat Braunschweig dem Erfinder einen Teil der Domäne St. Ludgert zu außerordentlich bil­ligem Preise überlassen; Abt wird nunmehr auf diesem Grundstück eine große Fabrich errichten.

den letzten Monaten soll ihre Zahl bedeutend abgenommen haben, nicht, weil sie nicht mehr ernährt werden können, sondern deshalb, weil die Katzenjäger hinter ihnen her find.

Die treuen Grenzyrovlnzen.

Kundgebung der ostpreußischen Parteien.

Königsberg, 2. Januar.

Die ostpreußischen Provinzialverbände der christlichen Volkspartei, der Deutsch-demokrafi- schen Partei und der Vereinigten Sozialdemokra­tischen Partei Deutschlands hatten für heute abend zu einem Treugelöbsnis für das Rheinland und Ostpreußen ausgerufen. Nachdem die Redner der drei Parteien die fran­zösischen Machtgelüste auf das Rheinland aufs schärfste gegeißelt hatten, wurde einmütig eine Entschließung angenommen, in der es unter an­derem heißt: Wir verfassungstreuen und natio­nalgesinnten Frauen und Männer Ostpreußens bedauern aus tiefitem Herzen, daß Frank­reichs erneute Macht gelüste unsere Schwestern und Brüder im Rhcinlande von Preußen und dem Deutschen Reiche trennen wol­len. Flammenden Protest erheben wir gegen diese Vergewaltigung deutscher Stammes- arit. Wir protestieren auch gegen die unver­antwortlichen A u t o n om i e b c st r e b u n- flen in unterer Heimatprovinz, wie sie von po­litisch unreifen Wirrköpfen propagiert werden. Wir »vollen freie Bürger in einem freien Staate sein. Tas Rheinland und Ostpreußen stehen treu zu Preußen und dem Deutschen Reiche.

DynamitanschMge In Halle.

Auf der Suche nach den Tätern.

Halle a. S-, 3. Januar.

Am Neujahrstaa abend wurde auf das Kaiser Wilhelm-Denkmal in der Burgstratze ein Dyna- mitanschlaa verübt. Man verbuchte, das D r e i - Reiter-Standbild Kaiser Wilhelms des Ersten. Bismarcks und Moltkes zu vernichten, was aber nicht vollständig gelang. Die Moltke- Statue wurde vollkommen vernichtet, während die beiden anderen Standbilder nur leicht besckä- diat wurden. Die großen Fensterscheiben in der naheliegenden Misteldeutschen Privatbank und zahlreiche andere Fensterscheiben wurden von dem Luftdruck zertrümmert. Ein gleicher Anschlag wurde fast zur gleichen Zeit auf die Villa des Kommerzienrats Dr. Lehmann, des Inhabers des Bankhauses Lehmann in der Burgstraße, ver­übt. Es soll hier wesentlicher Schaden nickt ver­ursacht worden fein. Es ist weiter festgestellt, daß sie auch das Siegesdenkmal sprengen wollten. Rach den bisherigen Ermistelungen der Polizei kommen vier Täter in Frage, denen man auf der Svur ist. Möglicherweise ist hier eine organi­sierte Bande am Werke, die ihre Untaten schon seit längerer Zeit treibt. Für die E r gr e i fu n g der Täter sind von privater Seite eine Mil­li o n M a r k zur Verfügung gestellt worden, die die vier politischen bürgerlichen Parteien dem­jenigen versvrechen. dem cs gelingt, die Auf­klärung der Verbrechen zu bewerkstelligen.

Das Ergebnis der Handöall-Stadtspiele.

Bei dem Handballspiele der Klafie 3b, das am Neujahrstage in Berlin statt fand, mußte die hannoversche Städtemannschaft eine unerwartet hohe Niederlage mit 0:4 (0:1) hinnehmen. Die hannoversche Städtomanufchafi trat allerdings sehr geschwächt auf, da sie am selben Tage ein zweites Spiel gegen Hamburg ausgetragen hatte. Ein zweites Spiel der hannoverschen Städte- BHMannnaMnnBnaBBn

MlS VolMuKö WMchM.

Auswanderung von Spezialarbeitern. Im Bezirk der Chemnitzer Handelskammer sind wieder Versuche des Auslandes hervorgetre­ten, qualifizierte Arbeiter, sowie Angestellte, die Kenntnisse von Betriebsgeheimnissen haben, zur Auswanderung zu veranlafien, um auf diese Weise die Verpflanzung der be­treffenden Industrien ins Ausland zu ermög­lichen. Die Gefahr, die hierin liegt, wiegt be­sonders schwer, wenn es sich, wie im vorliegen­den Falle, um Arbeiter und Angestellte handelt, für deren Ausbildung außerordentlich lange Zeit und damit auch hohe Mittel verwendet werden inußten. Durch Mitteilung an die in Frage kom­menden Stellen ist es der Chemnitzer Haudels- fenuner gelungen, zu Verbindern, daß den betref­fenden Personen Auslandspässe ausgestellt und die deutsche Bolkswirtschast empfindlich geschä­digt wurden.

Die französische Willkür im besetzten Gebiet. Bekanntlich sind der Kriminaloberwachtmeister

Wettere Neujahrs-Kundgebungen.

Dr. Geßler an die Reichswehr.

Der Reichswehrminister Dr. Geßler hat an die uns verbliebene kleine Wehrmacht zum Jah­reswechsel folgende Worte gerichtet:Wiederum neigt sich ein Jahr schwerer Not und Prüfung für unfer Vaterland zu Ende. Durchdrungen

Geschichte und Staatsbürgerkunde.

Im Lehrplan der Volksschulen.

Berlin, 2. Januar.

Für den Unterricht in Geschichte und Staats­bürgerkunde in den oberen Volksschul- klassen sollen die Lehrpläne nach folgenden Richtlinien ausgestellt werden: Den Stoff des Geschichts-Unterrichts bildet die G es chi ch te des deutfchen Volkes (einschließlich des Grenz- und des Auslandsdeutfchtums) nach ihren verschiedenen Seiten als Darstellung der Entwicklung des staatlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und geisttgen Lebens im deut­schen Volk. Kriege find hauvtsächlich nach ihren Ursachen und Folgen zu würdigen. Wo es irgend angeht, sind bedeutende geschichtliche Persönlich­keiten oder Persönlichkeiten der Heimat in den Mit­telpunkt der Betrachtung zu stellen Bon der Zeit des Großen Kurfürsten an tritt die bran­denburgisch-preußische Geschichte in den Vordergrund. Die Geschichte anderer Völker ist soweit mit in Betracht zu ziehen, als durch sie die deutsche entscheidend beeinflußt worden ist. Staatsbürgerkunde, das ist Einführung in die staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaft­lichen Zustände, ist von Ansang an beim Ge­schichtsunterricht und auch in anderen Unter­richtsfächern, immer unter Bezugnahme auf die Gegenwart, zu betreiben. Die ausführ- lich und möglichst anschaulich zu gestaltende Dar- stellnng der gegenwärtigen staatlichen Verhält­nisse bildet den Abschluß des Unterrichts. Bei die­ser Unterweisung sind die Verfassungen des Reiches und des Freistaates Preußen aus­reichend zu berücksichtigen. Für das letzte Schul­jahr sind daneben zusammenfassende Betrachtun­gen über die Entwicklung der Landwirtschaft, des Handwerks, der Technik, des Verkehrswesens, des Handels, des Bürger-, Bauern- und Ar- befterstandes im Unterrichtsplan vorgesehen.

Weniger Abgeordnete.

Einschränkung des braunschweigischen Landtags. , Braunschweig, 2. Januar.

Aus Sparsamkeitsgründen hat der Rechtsausschub des Landtages sich einstim­mig für eine Herabsetzung der Zahl der Landtagsabgeordueten von sechzig auf achtund­vierzig ausgesprochen. Da alle bürgerlichen Par­teien und auch die sozialdemokratische Partei mit einem derartigen Svarsamkeitsvorschlaa einver­standen sind, wird der Landtag zweifellos dem­nächst dem Antrag auf Verminderung der Abge­ordnetenzahl seine Zustimmung erteilen. Das ist eine Nachricht, der man ebne jede Einschrän­kung zustimmen kamt. Der Rechtsansschuß des Braunschweigischen Landtages ist mit seinem Be­schlüsse der Anregung gefolgt, die vor kurzem der demokratische Landtagsabgeordnete Domini- c u s, eine Zeitlang preußischer Minister des In­nern, an die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches und der Länder gerichtet hat. Dominicus dachte dabei besonders an Preußen und berech­nete die dort für den Landtag erreichbaren Er­sparnisse auf zweihundert Millionen das Jahr. Ihn leitete dabei die Erkenntnis, daß, wer von der Regierung stets und ständig Sparsamkeit ver­langt, darin selbst mit gutem Beispiel

Die Not 6er Messe.

Eine Kundgebung der Handelskammer.

Bon der HcmdeMamm-r Raffet, die selbst M Not der Dresse empfunben hat. Indem sie Ihr »Wirtschaftlichen MMeilnnyen" etngehen lassen müßte rotvo uns nachfolgender geschrieben Die deutsche PrcssH besonders auch die Pro- vinzpresse, befindet sich in schwerster Rot. Jeder ist überzeugt, daß sic unentbehrlich ist, aber we­nige beweisen diese Ueberzeugung durch die Tai. Wciterbesteben kann die Presse nur, wenn der Anzeigenteil nicht verkümmert. Industrie, Ge­werbe und Handel, besonders auch der Klein­handel, dürfen daher das Zcitungsinserat nicht vernachlässigen. Sie haben es nach tote vor nötig, und sie in besonderem Maße brauchen eine Presse, die als eines der wichtigsten Organe des Wirtschaftslebens leistungsfähig und unab­hängig bleibt. Wir bitten die zu unserer Orga« nisatton gehörenden Firmen dringend, dies be­herzigen zu wollen.

deutsche Vogeltoelt nach ihrem St and ort", Verlag der Creutzschen Verlags­buchhandlung in Magdeburg. Das Buch unter­scheidet sich von ähnlichen Werken durch die Be­tonung ökologischer und tiergeographischer Ge- sichtspunlre. Es behandelt unsere Vogeltoelt nach den Standorten. Moor und Sumpf, Oedland lind Feld. Wiese, Binnengewässer, Meeresküsten, Nadelwald und Laubwald, Mittel- und Hoch­gebirge, Menschensiedlungen werden uns mit ihren gefiederten Bewohnern vorgeführt und ge­schildert. Das Buch will aber nicht nur das Vogelleben erläutern, sondern das Augenmerk auf die von den Vögeln besiedelten Oertlichleiten und deren charatteristtschen Eigenschaften lenken Zudem gibt es einen Einblick in die Siedlungs­geschichte unserer heimischen Dogelwclt von der Eiszeit an und bietet dadurch etwas ganz Neues auf dem Büchermarkt. Daneben will cs aber auch eine Einführung in die Vogelkunde sein und er­wähnt deshakb auch in knapper, treffender Form die kennzeichnenden Merkmale, Stimme. Lebens- gewohnhciten usw. mit. Zahlreiche, meistens vom Berliner Tiermaler Karl Neunrig stammende Bilder unterstützen die Darstellung vortrefflich. Ein zweites Büchlein von Werner Hagen:Un­sere Vögel und ibre Lebensverhält- n i ff e". Verlag von Theodor Fisher in Freiburg i. Br. (übrigens 1837 in Kassel gegründet) ist mit Naturaufnahmen von K. Zimmermann-Dresden geschmückt. Es behandelt die Beziehungen des Vogels zu feiner Umgebung und zeigt den Ein­fluß d-r Wirme, des Lichtes, des Bodens, der Luft und des Wassers auf die innere und äußere Gestaltung, sowie auf die Lebensgowoünheiten dcr Vögel. Der Verfasser berücksichtigt die neue­sten Erfahrungen und. wird in der Behandlung des Stoffes der modernen Fragestellung gerecht. Die einzelnen Auffätze bilden daher eine sehr willkommene Ergänzung zu nuferen sonstigen," meift recht altmodischen Vogclbüchern. Dabei ist dcr Inhalt so gehalten, daß er denjenigen Leser fesselt, dcr nicht gerade die Vogelkunde zum Son« dcrsack gewählt hat. Es kann daher mit gutem Gewissen jedem empfohlen werden, der sich gern mit naturwissenschaftlichen Dingen beschäftigt.

Buntes Allerlei.

ein neues Gewerbe: KotzenjSgrr.

Ein neues Gewerbe ist das der Katzen- j ä g e r. Jede Dame möchte sich heute den Luxus eines Pelzes leisten, und wenn er aus Katzenfell ist. Deshalb ist das Pel-Werk teuer, auch der Pelz aus Katzenfell bereits vielen unerschwing­lich. Kein Wunder, wenn findige Köpfe auf den Einfall kamen, Jagd nach Katzen zu machen, ihnen das Fell über die Ohren zu ziehen und dieses gut zu »erlaufen. Sie erhalten gute Preise. Das Gewerbe lohnt sich. Es hat freilich das Licht zu scheuen und muß vorsichtig auLgoübt werden, denn wehe', wenn der Katzenjäger von einer Katzenfreundin erwischt würde: sie würde ihm sicherlich das Fell selber über die Ohren ziehen. Mit den Katzen aber hat die Obrigkeit kein Mit­leid und die Klage über das Verschwinden so vieler Katzen erweckt keine Hilfe. Man weiß nicht, wieviel Katzen es in Abt, aber in

Keine Streitlust der Eisenbahner.

Vor neuen Verhandlungen.

Berlin, 2. Januar.

Zu den Meldungen, daß in westdeutschen Eisenbahndirektionen wegen Lohnstreitigkeiten Neigung zum Streik bestehe, wird von den Ge­werkschaften mitgeteilt, daß die Bekanntgabe des neuen Verhandlungstermins die Ge­müter wesentlich beruhigt habe. Am 8. Januar beginnen die Verhandlungen mit dem Reichs- finauzministerium. Bis dahin kann über das Verhalten der Gewerkschaften nichts gesagt wer­den. Es ist möglich, daß die wirtschaftlichen Ver­hältnisse einen früheren Verhandlungstermin er­fordern und dann werden die Gewerkschaften ein dementsprechendes Ersuchen on das Ministerium richten. Die Betriebe find in voller Ord­nung und diese Ordnung wird auch aufrecht erhalten bleiben. Die Sitzung der Berliner Funktionäre war infolge der ernsten Wirtschafts­lage von großem Ernst getragen, doch besteht durchaus keine frivole Clrciklust, sondern der feste Wille herrscht vor. in aller Ruhe und Sachlichkeit mit der Regierung zu verhandeln.

rung verurteilt worden und zwar der er­stere zu einer Geldstrafe von 30000 Mark, der letztere zu einer solchen von 1000 Mark. Beide haben Waren, die als Gegenstand des täglichen Bedarfes anzusehen sind, nach Ansicht des Ge­richtes zu teuer verkauft. Auf die Revision der beiden Angeklagten bobdas Reichsge­richt das Urteil in jedem Fall auf und ver­wies die Sache an das Landgericht zurück. Zur Sache Schade wurde

in der Begründung

ttusgeführt: Zur Aufhebung führte in erster Li­nie der Umstand, daß eine Notmarktlage und alle in Berechnung kommenden Faktoren nicht genü­gend festgestellt sind. Das Landgericht wird in der erneuten Verhandlung davon auszugehen haben, daß der Wiederbeschaffungspreis abzn- lehnen ist, denn wenn man der von den Interes­senten vertretenen Ansicht folgen wollte, so wäre hier Golcgenheit gegeben auf Umtocgen wieder zu Wuchervreisen zu kommen. Dagegen hat sich das Reichsgericht jetzt dahin schlüssig gemacht, daß die Geldentwertung bei der Preis­festsetzung in vollem Maße zu berücksichti­gen ist. Ter bisherige Standpunkt, daß die­ser Gesichtspunkt nur anteilig zu berücksichtigen sei, ist nunmehr vom Reichsgericht aufgegeben word-m. Es ist alfo der volle Unterschied des Geldwertes zn berücksichtigen, so daß ein Gegenstand sür 300 Mark verkauft werden kann, der früher für 100 Mark verkauft wurde, wenn der Geldwert inzwischen auf ein Drittel gesunken ist. Dieselben Gründe waren für den Fall Geller maßgebend. In diesem Falle führte mich noch der Umstand zur Aufhebung, daß der Angeklagte von der durch einen Ange­stellten vorgenommenen höheren Preisaus­zeichnung gar keine Kenntnis gehabt hat.

Schillers Wiegmstätte

-i Ein Pantheon deutscher Dichtung.

Schillers Geburtsstadt, das idyllisch gelegene Oertchen Marbach am Neckar, gehört zwar nicht wie Weimar und Frankfurt a. M. zu den Denfftätten, zu denen alle Welt pilgert. Dazu ist es zu abgelegen und verborgen. Aber der Ort, an dem Schiller das Licht der Welt erblickte, umschließt doch eine Fülle kostbarer Erinnerun­gen, die einen Besuch wohl lohnen, zumal auch sonst der uralte Flecken so manche geschichtliche Merkwürdigkeit birgt. Tas zweistöckige, braun- gelbe Hänschen mit Hübschem Holzwerkmustcr und spitzem Giebel, das der Welt einen seiner großen Genien geschenkt hat, ist aus Bildern be­kannt. Aber wenn man in dem bescheidenen schiefwinkligen Zftnmerchen steht, in dem des Dichters Wiege stand, begreift man doch erst den ganzen Stinrmungswert dieser Denkstätte. Es ist ein heimliches Stübchen mit holzgetäfelten Wänden, niederer Hol-decke und gedämpftem Licht, das durch die Butzenscheiben fällt.

Ta stehen noch Stühle aus dem Hausrat von Schillers Eltern, in der Ecke das Spinnrädchen feiner Mutter, und auch Schillers Bank von der Karlsschulc hat hier ihren Platz gesunden. DieS enge Stübchen und daneben eine kleine winzige Küche war die ganze Wohnung von Schillers Eltern. Steigt man die schmale Treppe zum Obergeschoß empor, so findet man hier allerlei Gegenstände aus des Dichters eigenem Gebrauch zusammengebracht: seine Tabaksdose, Kette und Uhr, sein Trinkglas, Ringe, Kleider, seinen Kof­fer, Notizbücher, seine Guitarre, den Hut, den er als Karlsschüler trug, und vieles andere. Aus solch ärmlichen Anfängen führen ims die Ehrun­gen und Denkmäler, die Schillers Mitbürger ihrem größten Sohne errichte, zu einer Anschau­ung von der Weltbedeutung seines Werkes. Vor dem Stadttor, auf der nahen SchillcrHähe erheb: sich, aus dem. Erz erbeuteter französischer Kano­nen gegossen, das Schill er dcnkmal, ein Wert des Württemberger Ki'mstlcrs Ernst Gran,

Kürzlich brachten wir einen Artikel über die Dogelfvrschung auf Helgoland. Von einem Mit­arbeiter dieser Station, W e r n e r H a g e n', er­schien nun ein interessantes WerkchenD i c

doch noch gewaltiger reckt sich das steinerne Denk­mal empor, das das schwäbische Heimatland ihm geweiht, das prächtige Schiller-Museum.

Durch die säulengetragene Vorhalle, aus der Danndorfs Schillerbüste entgegenleuchtet, steigt man auf farbig schimmernden Marmorstufen zu den Schätzen empor, die der Schwäbische Schil- lcrveroin bewahrt und in musterhafter Anord­nung zur Schau gestellt hat. Gegen mbtundsech- zigtausend Handschriften, rund vierhundert Bil­der und vierzehntausend Druckwerke birgt das Museum:. Im lichtdrrrchströmten Hauptsaal herrscht Schiller allein. Hier zieht sein ganzes Leben in Wort >unb Bild an uns vorüber, von der Taufurkunde bis zu dem ergreifenden Be- riefet Wilhelm v. Wolzogens über seinen Tod. In Schillers Weimarer Leben führt unmittelbar das tvaulichie Zimmerchcn ein, das mit den dürftig bescheidenen Möbeln aus seinem Heim eingerich­tet ist und so recht zeigt, wie her Geist mft sei­nen erhabenen Wolkenflüaeln siegreich über 5:c dürftige Umwelt triumphiert.

Turnen, <5$>ort und SNiel.

Der Wanderplan des Gebirgs-VereinS.

Für das neue Jahr hat der Hefsische Ge - birgsverein, Zweigverein Kassel, folgenden Wanderplan festgesetzt:

Januar: 7. Hohes Gras, Weihnachtsfeier. 21.: Prinzenquelle. Firnskuppe, Heckershausen, Stählberg, Wilhelmstäl, Calden, Grebenstein. Führer: Henkel, Stieb.

Feburar, 11.: Großenritte, Schwengel»erg, Elmshagen, Hoof, Hohes Gras. Führer: Bey- reiß, Werner.

März, 11.: Bergshaufen, Nürnbergerstraße, LochgrabSn, Warpelstraße, Wellerode, Hochstadt, Nied'erkaufungen. Führer: Köhler, Heine.

April, 8.: WilhelmSbausen, Elsterbachtal, Kaspersbamn, Münden. Führer: Becker, Kleb.

Mai. 6.: Famittenwanderung: Reinhards--' Wald. Führer: Becker, Dottmann 2. 13.t Wit­zenhausen. Rotzkopf, Hilgershausen, Habichtstein, Ludwigstcin, Witzenhausen. Führer: E. Schmitt, Singe.

Juni, 3.: Mitgliederversammlung in Mel­sungen: 9., 10. und 11: Rhön. Führer: Köhler, Heine; 24.: Crumbach, Eiterhagcn. Kehrcubach Spanqeäbcrg. Führer: Werner, Henkel.

Juli, 1.: Familienwanderung: Nredcrkau« fimaen, Windbaufen, Sensenstein. Rieste, Zoll« flock, Helsa. Führer: Voigt, Frl. Bertha- 7 : Feier des vierzigjährigen Bestehens des Hessi­schen Gebirgsvereins: 8.: Sommerfest auf dem Hohen Gras; 22.: Nörten, Ruine Hardenburg, Wieder, Brunnen, Northeim. Führer: L. Schmidt, Schwarz; 29.-30.: Ohmgebirge. Führer: Sott« mann 1, Köhler.

August. 3.: Velmeden, Hausen, Krtzkammer. Bransrode. Wachstein, Kalbe, Schwalbental, Scc- fteine, Hasselbach.

des Landgerichtes Gera vom 29. Juni vorangehen müsse. Zu Beginn des neuen Jah- bezw. 13. Juli wegen übermäßiger Preissteige- res wird es sich bald zeigen müssen, ob diese gute ' Anregung unr in Braunschweig, nicht aber

in Berlin auf guten Boden gefallen ist.

von der hohen Bedeutung ihres verantwortungs­vollen Berufes, S ch u tz und Schirm des deutschen Volkes und seiner Verfassung zu fein, hat die junge Wehrmacht auch im ver­flossenen Jahre überall für das Vaterland voll ihre Schuldigkeit getan. Dies dankbar anzu­erkennen, bietet mir der Jahreswechsel willkom­mene Gelegenheit. Zugleich spreche ich allen An­gehörigen des Heeres und der Marine meine besten Wünsche aus in der Hoffnung, daß das neue Jahr uns weiter vorwärts bringt. Bon uns ans wollen wir dieses Ziel durch treue Pflichterfüllung mit allen Kräften fördern."

Sin TanzrekorS.

Die Leistungen, die ein gesuchter Tanzmeister innerhalb einer Saison vollbringt, können er­staunlich groß sein. Ein Verzeichnis seiner Taten bat der Präsident der LondonerGesellschaft der Tänzer" ausgestellt, und man darf darin wohl eine Art Rekord sehen, (fr tanzte während der Wintersaison von 1921 elftausend Tänze und zwar mit 820 verschiedenen Tänzerinnen bei 617 Nachmittags- und Abendgesellschaften. Er wohnte dem Tanz'von 230000 Menschen bei, waltete als Richter in achtund-wanzig Tanzturnieren, ge­wann ein Tanzturnier, foßvie 132 einzelne Preise und 164 T'vlome und legte wäbrend seiner Tänze die Strecke von etwa zehntausend Kilo­metern (!) auf dem Parkett der Tanzsäle zurück.

13. Jahrgang. Nr. 2.

Schoenchen vom Kölner Polizeipräsidium und der Kriminalassistcnt Barthold aus Berlin vom franzöfifchen Kriegsgericht in Mainz wegen angeblichen Spionageversuchs zu zwei bezw. ein­einhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Grund zu der Sßerurtcilung bildet niM, wie ein Kölner Telegrapbenbureau mit­teilt, ein von Schoenchen herrührendes Doku­ment, worin geheime Mitteilungen über ftanzö- sifche Truppenbewegungen in Köln enthalten wa­ren. Das Schriftstück hatte vielmehr lediglich über eine Truppenbewegung berichtet, die sichinallerOeffentlichkeit über eine der Kölner Rheinbrücken vollzogen hatte. Es ist alfo vollständig unverständlich, inwiefern in einem fclchen Bericht über einen Vorgang, den Tau­ende von Straßenpassanten beobachtet haben, ein Spionageversuch erblickt werden konnte.