Kasseler Neueste Nachrichten
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insbesondere auch unter dem Deckmantel von Tanzklubs, wird auf das schärfste vorgegangen werden. Zuwiderhandelnde haben ohne
Verlage.
Mittwoch, 3. Januar 1923"
Nr. 1.
Dreizehnter Jahrgang.
* Maffenvergistimq durch GaS. In dem Mertel von Mthnal Green (Option dou) sind durch Gas, das aus einer unterirdischen Zeitung ausströmte, vierzig Personen in den Häusern betäubt worden, Drei davon sind gestorben.
* Ein Unglück auf den Schienen. Auf der Eisenbahnstrecke Breslau-Mittelwalde fttBr im Bahnhof Schönborn infolge falscher Sig- nalfreigabe ein Personenzug auf einen Giiftr- ,ua. Acht Personen wurden verletzt. Mehrere Wagen des Gitterzuges wurden zertrümmert.
* Diebe am Bildnis Turnvater IahnS. DaS von de: Deutschen Turnerschaft an der Jahn- böble bei Halle am Trothaer Felsen angebrachte Reliefbild deS Turnvaters Iübn sowie die bronzenen Turnerabzeichen sind gestern nacht von Metasidieben loSaerissen und fortqeschkevvt worden. Die Svitzbuben wurden jedoch verfolgt und mußten ihre Beute in einem Gehölz liegen lassen. Sie selbst entkamen.
* Selbstmordversuch in der Gefängniszelle. Der zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verirrteilte früher« Ehren obermeister der Berliner Hand- werkNammer, R ab ardt lwir haben vor einiger Zeit über den Verlaus des Prozesses berich- tetl hat na-h der Urteilsverkündung im Unter- suchunasaefäignis einen Selbstmordversuch durch Aufschnekden der Pulsader unternommen. Er toitrhe jedoch au der AuKsührunq seines Blaues verhindert. Immerhin mochte ton« Per- letzuna seine ll-cherfübrung in da? Gefäugnis- sazarett notwendig.
* Ein MiNinrd-nvrozest der Ritterschaft. Die Mecklenburaisch« Nitteffchaff. der di- Nutzung her drei Mefflenlmrai'chen yaudeskläster Dob- herttn Malchow imb Ribnitz mehrere f-gh'-hnndert- hindurch z->ntaud. ^ggte gegen den Meckkenburaischen Staat, der im November 1918 nach der Revolution die Klöster in Resit, genommen hott« auf Herausgabe derselben Das Landgericht Schwerin hat jetzt die Klage abge- wieseu. Die Kosten des Rechtsstreites haben die 186 klagenden adeligen Gutsbesitzer anteilig zu tragen. Der Wert des StwitaeaenstandeS wurde vom Gericht auf 1750 000 000 festgesetzt
* Mit dem Auto eingebrochen. Mer ausländische Passagiere, die im Auto den zugefrorenen St. Lorenzstrom in Quebecs überfahren wollten, hrgchen ein: aste vier ertranken
* Im Toben des OrkanS. In Frankreich wütete dieser Tage wieder -in Sturm von ungewöhnlicher Heftigkeit, verbunden mit wolken- bruchartiqem Regen. Der angerichtetc Schaden, besonders an den Televbonleitungen, ist beträchtlich. Sämtliche Perdindutraen nach Derftsch- land, mit Ausncchme der Kölner Linie, sind unterbrochen.
* Luftflüge auf dänischen Maschinen Da die Durchfsibrnng de» Flugverbindung Kopenhagen —Berlin wegen der Ententebestimmungen noch unmöalich erscheint beschäftigt sich die dänische
Aus dem Prozeß gegen den Wettfchwindler K I ante in Berlin wird folgendes berichtet: Einen breiten Raum in der Aussage des Ko t= kursverwalters Wunderlich nahmen die Erörterungen über den von Klante betriebenen Aufwand ein. Das zweite Automobil Klan- tes sei cm luxuriös ausgestattcter
Excelsior - Wagen gewesen, der angeblich dem König von Belgien gehört hätte. Klante behauptet, daß er diesen Wagen notwendig gebraucht habe, um die in die Millionen gehenden Wetteinlagen zu den verschiedenen Rennplätzen schaffen zu können. Bei dem dritten Automobil handelt es sich, nach dem Gutachten des Konkursverwalters, um einen schweren neunzigpferdigen Mercedes-Wagen, von ausgesprochenem Rennwagenthp, der in der Stadt Überhaupt nicht zu sichren sei. Auf Bestagen der Vetterdiger gibt der Konkursverwalter zu, daß es sich bei allen drei Wagen um sehr billige Ge- legenhettskäufe gehandelt hübe. Der Angeklagte Klante erklärte hierzu, daß er die Wagen nur als Grundstock für ein späteres Auiomo- bllgeschäft habe verwenden wollen und der Kauf nichts weiter darstelle, als ein gut geglücktes Spekulationsgeschäft, durch das seine Gläubiger in keiner Werse benachteiligt worden seien. Was die persönlichen Ausgaben Klan- tes anbelangt, so erklärte der Zeuge Wunderlich weiter, daß diese ganz erheblich den Rahmen des. scn überschritten hätten, waS man als normale Geschäftsspesen und Ausgaben für Propaganda u.fw. bezeichnen könne. Er habe verschiedentlich sektkneipereien veranstaltet und mit den Tausenden nur so um sich geworfen. Hierin liege ein Aufwand im Sinne der Konkursordnung.
Der Zeuge Schneider hat mehrmals an Z e ch- gelagen in KarlShotst teilgenommen, die Klante veranstaltete. Einmal seien im „Deutschen Haus" um zwölf Uhr alle Gäste ausgesordert worden, in dem geschlossenen Lokal weiter als SEste Klantes zu bleiben. Es waren Mnfund- zwanzig bis dreißig Personen anwesend. Je- der durfte essen und tr'nken, was er wollte. Ms vier U6r mvraens wurde bei Wein und Sekt auf Kosten Klantes gezecht. Klante zog jn der Trunkenheit ein Paket Geldscheine aus der Tasche und warf sie u n t e r b i e Gäste. Jeder nahm, soviel er erraffen konnte. — Klante idringt erregt auf und erklärt alles von Anfang bis zu <5nbe für erlogen.
Im weiteren Verlaufe der Vernehmung des Konkursverwalters wurde bekannt, daß Klante , ' in den Monaten Mai bis August 1921 ständig mit Verlust gearbeitet hat, nur im September habe er einen Westgewinn von Mer eine MWon___.
Mark gemacht. Ms die Verteidiaung Klantes den Antrag stellte, sämtliche Einzahler Klantes. insbesondere die Adligen und großen Einzahler als Zeugen zu laden, erwidette der Vorsitzende, daß in diesem Falle insgesamt achtzigtausend Zeugen geladen werden müßten.
Das „doppelte Gesicht' Klantes wird aufgezeigt: Auf der einen Seite Hausse- Spekulation mit fremden Millionen und mit Affe der Shstemwetten; auf der anderen Seite Baisse-Spekulation als Buchmacher und Hintek- mann Detleffjdns und für eigene Rechnung. Die Einzahler hätten sich dafür bedankt, wenn sie ge. wnßt hätten daß Klante auch als Buchmacher sich betätigte. Ueber die Wetten Klantes ist aus den Büchern wemg zu ersehen. Es ergibt sich nur aus den unvollständigen Aufzeichnungen, daß vom März bis August etwa eineinhalb Millionen Mark in Wetten verloren gingen. Klante erklärt dazu, daß dies nur die Wetten feien, die Hornig in seinem Auftrage ansgeführt -habe. Staatsanwalffchoftsrat Horn: „Wie kommt es, daß die Wetten des Hornig mit Verlust ab- chlfeßen, währeno Klantes persönliche Wetten viele Millionen einaevracht hoben?' Klante ver- sucht vergeblich, diesen Widerspruch aufzuklären.
kleinen Empore begibt, auf der für sie, die Würdenträger und daS diplomatische Korps der Tee bereitet ist.
Und nun ist das Feierliche vorbei. Die Musik geht zu fröhlichen Weisen über, die Vorhänge der Büfetts öffnen sich und feder sucht von den kleinen Delikatessen, die bort geboten werden, in lebhaftem Konkurrenzkampf einen Löwenanteil zu erhalten. Unter den besonders ausgezeichneten GListen vesindet sich, wie schon gesagt, Professor Einstein mit feiner Gattin. Alles drängt sich in begreiflicher Neugierde, um einen Blick auf diesen heute so berühmten Mann zu werfen, als er sich jetzt zur Vorstellung auf die Empore zur Kaiserin begibt. Um so größer ist vas Interesse, als die Zeitungen gerade vorher von der Konkurrenz berichtet haben, die unter seinen japanischen Verehrern entstanden ist, um ihn mit dem für die Teilnahme am Gartenfest erforderlichen Zhlinderhut und Gehrock anszurüsten, den sein Reisegepäck nicht vorgesehen hatte. Ueberein- stimmend stellt man befriedigt fest, daß der gewählte Otehrock gift sitzt und besonders schöne Seidenaufschläge hat, waprertd man airs dem Umstand, daß der Professor den Hut dauernd nur tn der Hand trägt, schließen zu sollen glaubt, daß für den Umfang dieses großen «rauen Lok- kenkopfes doch in der Eile keine paffende Hut- mimmer gefunden worden ist. Immerhin, das Wott „deutsch' ist aus dem Anlaß seiner Anwesenheit diesmal rnt Munde von Freund und Feind, und das ist, als erfreulich und nützlich, besonders zu konstatieren.
Aus aller Well.
Wir Frankreich Spionen yNst.
$ie Untersuchung über den kurz vor der Ausführung aufgedeckten Fluchtplan des Ingenieurs Karl Hackenbruch aus Speyer, der wegen Spionage im Heidelberger Gefängnis in Untersuchungshaft ist, hat ergeben, daß die Fäden des Komplottes von dem Stabe des Obet- kommiflars der Interalliierten Rheinlandkom- misswn für die Pfalz, General de Metz in Speyer, ausgehen. Der Fluchtplan wurde am 5. Dezember, nachmittags, in der Wohnung des Kapitäns Gel lin, des Nachrichtenoffiziers im Stabe des Generals de Metz, bei zugleich Mili- iärstaatsairwalt beim Militärpolizeigericht in spever ist, beim Tee, an bem auch Frau Hackenbruch teilnahm, in seinen Einzelheiten festgelegt. Kapitän Gellin hat sich bereit erflärt, bie hunderttausend Ddark, die der bestochene Gefängniswärter kurz vor der Flucht erhalten sollte und ebenso alle weiteren nötigen Geldmittel zu verschaffen, ebenso ein Kraftfahrzeug zur Verfügung zu stellen, das vor dem Gefängnis auf Hackenbruch Watten sollte, nm ihn auf schnellstem Wege ins besetzte Gebiet zu bringen. Der Fluchtvlan wurde dadurch noch rechtzeitig aufgedeckt, daß Fran Hak- ksnbru-v ersuchte, einen Sveverer Polizeibeamten, dessen Mitwirkung bei dem Fluchtvlan nötig war, mit hunderttausend Mark zu bestechen. Der Speyerer Beamte ging scheinbar auf das Angebot ein, bestellte Frau Hackenbruch nach Mannheim und ließ st« hort verhaften. Sie hat ein umfangreiches Geständnis abgelegt.
* Wie stch bie Herren am Rhein aufspielen. Mehrere Arbeiter toiirben in Mörs int besetzten Gebiet nachts auf dem Heimwege ohne Grund von einem belaifchen Offizier mit einer Reitpeitsche geschlagen, einer von ihnen herart. daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. '
* Das Ende des Fünf-Uhr-TanzteeS in SRcr» (in. Entsprechend den Richtlinien über die allgemeine Einschränkung der öffentlichen Tanzft'st- barkeiten, die der Minister des Innern erlassen bat. hat der Polizeipräsident für Groß-Berlin verfttgt. daß bis auf weiteres neue Tanzerloub- nisse für Lokale jeder Art nicht erteilt werden sollen. Vorn 15. Januar ab Wirb ferner der fkün-f-Uhr-Tanzt« sowie der Tanz in Cafes, Bars und Dielen allgemein verboten. Jeder öffentliche Tanz ist vom gleichen Zeitpunkt erst von 9 Ubr abends ab erlaubt. Gegen uner- laubte Veranstalttrngen öffentlichen Tanzes,
werteres Herabsetzung der Polizeistunde auf längere Zeit, eventtiell auch Schließung ihres Lokals und Handelsuntersaguna zu gewärtigen.
* Lpsirgabe eines Zeitmigsabonnenten. Ein Abonnent einer Eisenacher Zeitung aus Newyork sandte dieser Zeitung zweieinhalb Million en Mark zur Behebung der Not des Mittelstandes und der Künstler Die Zeitung überweist eine Million dem Stadtorche- ster und anderthalb Millionen Mark bedürftigen Personen des Mittelstandes.
* Düstere Familientragödien. Der Dachdecker Grenne in Simander (Hannover) wurde in feinem Stalle erhängt aufgefunden. Die Untersuchung ergab, daß der Sohn und der zu- künftigc Schwiegersohn, die mit ihrem Vater auf schlechtem Fuß gelebt hatten, den alten Mann ermordet und die Leiche bann aufgehängt hatten. — Der Schuhmacher Hugo Danz in Schmalkalden, der mit sebner Schwiegermutter, der Witwe Kolb, in Streit lebte, hat diese mit einem Beile erschlagen und die Leiche im Keller aufgehängt, um einen Selbstmord vorzittäuschen. Der Mörder wurde verhaftet.
41) Ro«a» von Hans Schulze.
MslebenS Gestalt straffte sich.
„Gnädige Frau', sagte er mit harter, klingende': Stimme, „ich muß von .Ihnen jetzt eine bedingungslose Aufklärung fordern.'
„Ich glaube, dessen bedarf es nicht! Sic werden ja selbst am besten wissen, was Sie sich vorzuwerfen haben. Es widerstrebt mir als Dome, an all diese lichtscheuen Tinge zu rühren!'
Aus weiten Augen starrte Wsleben die Baronin an, sein Gesicht war leichenblaß.
„Wären Sie ein Mann, Frau Baronin', versetzte er dann, sich mit übermenschlicher Anstrengung zur Ruhe zwingend, „so wäre ich keinen Augenblick im Zweifel, war nun zu geschehen hatte. So freilich sind mir die Hände gebunden und ich kann nur wiederholen, daß ich Ne und ihre ganze Erregung nicht im mindesten verstehe. Ich weiß auch nicht, worauf Sie mit Ihren dunklen Andeutungen anspielen. Aber das eine weiß ich. daß 68 mir meine Ehre verbietet, mich weiter von Ihnen in dieser Weise beleidigen zu lassen. Uno daß wir uns heute zum letzten Male tn unserem Leben gesprochen haben, wenn Sie' mir nicht volle Genugtuung geben Y*
Hochausgerichtet wie zwei Kämpfer standen sich die Baronin und Alsleben gegenüber.
Die Baronin hatte ihre Hände um den Rand des Nbreibtisches gekrampft.
Ihr Herz hämmerte schwer, das ganze Zimmer schien sich um sie in Bewegung zu setzen. • Tie fühlte, daß sie dickst vor einem Abgrund stand und mit dem nächsten Schrift vielleicht in eine bodenlose Tiefe glitt, wenn sie nicht noch im letzten Augenblick ein erlösendes, befreiendes Wort zu finden vermochte.
Ne wollte sprechen, doch die Lippen versagten ihr den Dienst.
Wie durch einen Nebel sah sie auf einmal das Gesicht des Mannes, den sie Stet alles geliebt und nun bis in den Tod verwundet hatte.
Und hinter ihm schattenhaft, unqreifbar und doch .quälend deutlich das düstere Bild der Nacht.
Das mondbeschienene VortÄ, zu dem sich die andere hineinstahl, die andere mit dem goldenen Haar, die sie geschlagen hatte im Wertkampf des Lebens und der Liebe
„Ich habe meinen Worten von vorhin nicht« mehr hinzuzufügen!' sagte sie endlich mühsam, mit stockender Stimme. „Ich will Ihnen kein Hindernis in den Weg legen, wenn Sie glauben, Ihre Stellung hier aufgeben zu müssen. Sie können P-hlowjtz zu jeder Zeit verlassen!'
Alslebm neigte kaum merklich den Kopf.
„Wir haben morgen den letzten Juni', sagte et dann wieder ganz ruhig und geschäftsmäßig. „Ich werde bis zum Abend meine Micher av- schlkeßen und meine Sachen noch im Laufe des Tages nach dem Dorfe hinüb erschaffen lassen. Sonst hätten wir beide uns ja wohl nichts weiter mehr zu sagen!'
Eine kurze, knappe Verbeugung.
sie war wieder allein.
Mit großen, leeren Augen fab sie ihm nach als er jetzt d-c Verandattevve hinabkam und, ohne noch einmal zurückzublicken, mit raschen, entschlossenen Schritten zur Buchenallce hinüber- ging.
Ihr wars auf einntal, als löse sich ein Stück ihres eigenen Selbst von ihr, als fcbwände alle- Glück, alle Sonne ihres Daseins mit der hohen, stolzen Gestalt deS Mannes, der sich nun für immer von ihr abgewandt hatte und nie Wieder zu ihr zurückk^ren würde.
Und dann endlich löste sich die ungeheuere Spannung ihres Innern.
Mit einem tiefen Seufzer legte sie den Kopf auf die Sehne ihres Stuhles und brach in ein heißes Schluchzen aus.
Alsleben hatte gleich nach dem Verlassen des Schlosses einen arofcen Wcmderwea durch Wald "nd Part gemocht und war erst in her achten Abendstunde nach dem Kavalierhaus znrückge- kebrt.
Jetzt erst, da er wieder ruhiger dachte, war
EhrysanthemumFeft.
Bei der japautsche» Kaiserin.
Da« End« SRebembee gefeiert« Chrysantheanrm- 9«W in totio erhielt dieses Jahr «inen besonderen Reiz durch die Anwesenheit de« P r» . feffet« Albert Einstein, der bei dieser Gelegenheit der japanischen Kaiserin vorne» stellt wurde. Der «orresvvndent de« „8o. Ealattseiger«" Kahiran v»u Knorr der ich. tet darüber an« Tokio, den 30. Rovecnber:
Ein Wolkenloser, windstiller, sonnenheller Herbsttag wie er in Japan dieser Jahreszeit besonders eigentümlich ist. Auf den Zufahrten zum kaiserlichen Schloß in Akasaka, einem der Zentralstadtteile von Tokio, auf beherrschendem Hügel gelegen und eingerahmt von den blaßgrünen, mit bizarren Kiefern bestandenen alten Wallen des Stadtschlosses oder Gartenanlagen, ein ununterbrochener Menschenstrom in Autos, Rickschas und zu Fuß. Der männliche Teil in Zylinder und Gehrock, der weibliche in Teetoilette oder dem japanischen Festkimono. Das Ganze, das Wld der Anfahrt zu dem alljährli- chen, vom Kaiserhaus gegebenen Chrysanth e m u m f e st.
An die fünftausend Gäste sind geladen. Neben den höheren Würdenttägern aller Behörden das diplomatische Korps, unter dem die Zahl auffallender militärischer Uniformen immer geringer wird, die Vertreter der hiesigen Ausläm- berkolonien sowie durchreisende Fremde, die durch Vermittlung ihrer polittschen Vertretungen eine Einladung zu dieser Festlichkeit erhalten konnten. Auch die Mitglieder der deutschen Kolonie, die wieder vollkommen auf dem Fuß der Meichberechtigung von den japanischen Regierungsstellen bei solchen Gelegenheiten mit Einlcckungen bedacht werden, sind zahlreich vertreten. Viele von ihnen werden bei dieser Gelegenheit zum erstenmal auch ihren jetzt so berühmt gewordenen Landsmann, den Professor Ei n st e i n,. seben, der unter den vielen Ehrungen, die ihm seitens der japanischen Behörden und der Bevölkerung seit seiner vor einigen Tagen erfolgten Ankunft entgegengebracht werden, zum Gartenfest geladen ist, um der Kaiserin und den Mitgliedern'des Kaiserhauses vorgestellt zu werden. Es ist das erstemal seit dem Kriegsende, daß eine deutsche Persönlichkeit in Japan in dieser Weise wieder öffentlich ausgezeichnet wird, und ein Zeichen der sich stündig bessernden Beziehungen zwischen den beiden Völkern.
Einzigartig schön liegt das wellige, mit kleinen Seen durchsetzte Parkgelände still und feierlich in unbeschreiblicher Herbsipracht vor dem Beschauer. Vorüber führt der Weg cm den lau« benartigen Galerien, in denen die schönsten Exemplare der kaiserlichen CbrhfantemenzuM ausgestellt sind. In allen Farben und Formen leuchtet die stille, stolze, etwas kühle Blumen- pracht dem Wanderer entgegen. Auf dem höchsten Hügel im Park dehnt sich der Weite Weiche Rasen, auf dem sich der Strom der Gäste schließ-
vereinigt, nm an zahllosen Tischen, umrahmt von noch durch Vorhänge verhüllten Büfetten, Vlatz zu nehmen oder auf und ab Wandelnd, Menschen, Trachten und Formen zu beobachten, bis die Ankunft des kaiserlichen HofeS erfolgt.
Nach kurzer Zeit kommt eine gewisse Bewegung in bie Menge. Man drängt sich an die weißen Sinnen, die den Weg der Kaiserin durch das Heer der Gäste freihalten. Die Mili- 1 tärkapelle stimmt die Nationalhymne, das von dem ersten deutschen Militärkapellmeister in Japan komponierte feierliche „Ki- miga yo' mi. Die Zylinderhüte lüften sich, um den mehr tobet weniger reizvollen Haupt- ’ schmuck des stärkeren Geschlechts freizugeben. Wer es noch nicht getan hat, streift auch noch schnell, bet -japanischen Sitte gehorchend, den Ueberzicher ab, selbst auf bie Gefahr hin, es mit 1 Schnupfen bezahlen zu muffen. Dann geht e3 durch die Mnege, als beuge sie ein Windhauch — tief verneigen sich zumal die japanischen Schönen — während die Kaiserin mit ihrem Ge- ‘ folge, sie selbst und alle Prinzessinnen tn euro- i Pinscher Tracht, sicheren und gemffenen Schiit- i tes und nach allen Seiten grüßend, sich zu der I
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Flugzeuggesellsaft jetzt mit Pläne» einer Linie Kopenhagen — Hamburg, deren Flugzeit zwei Srtinben dauern würde Es sollen auf diese Weise nur dänische Maschine» benutzt werden. Die Durchführung dieses Projektes im Frühjahr 1923 kann so gut wie gesichert gelten.
Auf Kosten Anderer.
Der verschwenderische Aufwand Klantes.
ihm die ganze Bedeutung des plötzlichen Zusammenstoßes mit der Baronin voll zum Bewußtsein gekommen.
Schon damals, als ihm von Herrn von Baflc- witz der Administratorposten in Pahlowitz angeboten worden war, batte er nach den Erfahrungen seiner Ehe ein starkes Bedenken gehabt, sich einer Frau als Herrin zu unterstellen, und nut die vornehm- liebenswürdige Persönlichkeit der Baronin halte ihn schließlich vermocht, seinem Selbstbewußtsein als Mann ein solches Opfer abzuringen.
Ein würgender Zorn saß ihm heiß in bet Kehle, wenn er daran dachte, daß diese selbe Frau ihn abgetan und fortgewiesen hatte, nicht anders als einen aufsässigen Knecht, den man mit der Peitsche vom Hofe jagt.
Immer wieder sah er ihr Äasses Gesicht vor sich, von der leidenschaftlichen Erregung wild verzerrt, als habe eine rohe, grausame Hand all die Schönheit der feinen Linien aufgepflügt.
Trotz ihrer bestimmten Ableugnung blieb er fest davon durchdrungen, daß er einzig und allein einer geheimen Machenschaft erlegen war, die mit dieser Sprengung seines Verhältnisses zu Pahlowitz nach ihrer Art an ihm Rache nahm, weil er ihr selbst den Weg nach Greifenhagen versperrte.
Einen Augenblick dachte er daran, bet Baronin zu schreiben unb sie über Hellas wahren Charakter aufzuklären; ein instinktives Angst- Offichl sagte ihm, baß bem Hanse Löhna von dieser Seite eine große Gefahr drohe, Wenn er 68 gerate jetzt ohne feinen wachsamen Schutz ließe.
Dann aber empörte sich fein ganzer Stolz wieder bagegen, nach bem, WaS ihm von der Baronin gefchehe» Wat, auch nur einen einzigen Schritt zu tun, der von ihr vielleicht af5 ein Annäherungsversuch ausgelegt werden könnte.
WaS ging sie denn im Grunde jetzt noch seine Ehe an, diese unselige Ehe, die nur ihn selbst noch mit dem Vorwurf bet Unaufrichtigkeit belastete, daß er geschwiegen unb sich weitet als Witwer ausgegeben hatte, nachdem ihm in Pah
lowitz her bündige Beweis geworden, daß alle Gerüchte übet Hellas angebliche» Tod auf einem Irrtum beruht hatten. —
Um zehn Uhr griff er wieder nach Stock und Hut und ging noch einmal nach dem Amtsbause hinüber.
Sein überstürztes Ausscheiden aus Pahlowitz machte noch eine Reihe wichtiger Anordnungen und wirtschaftlicher Besorgungen mit dem Amtmann notwendig; auch fühlte er ein lebhaftes Bedürfnis nach einer persönlichen Rechtfertigung vor einem unparteiischen unb vornehm denkenden Manne, zumal ihm die Baronin in weiblicher Unlogik und Ungerechtigkeit ja nicht die geringste Möglichkeit einer Verteidigung gegeben hatte.
Als er dann aber bei dem alten Warkentin bei einer Flasche Markobrunner in der Akazien- lanbe am See faß, entsank ihm wieder jeher Mut zu dem Geständnis seiner Entlassung.
Auch lebte in ihm wieder noch eine leise Hoffnung, daß sich die Baronin im Laufe der Rocht doch vielleicht noch eines besseren besinnen und bei ruhiger Ueberlegung zur Erkenntnis der ihm angetanen Unbill gelangen würde.
Allein bet Morgen, der Vormittag des anderen Tages verging, ohne daß vom Schloß ein Brief, ein Bote kam. , Fortsetzung folgt! o" ....... "™h
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ist der Titel des ausgezeichneten Romans, der im Januar in den Kasseler Neuesten Nachrichten zu erscheinen beginnt. Unsere Freunde in Stadt und Land bitten wir, überall da. wo bie Neuesten Nachrichten noch nickt gelesen werden, auf den Beginn der neuen Erzählung aufmrrffam zu machen.