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Mittwoch, 3. Januar 1923.

»affeler Neueste Nachrichte«

Ausgabe Mitgl.-Zahl

Zusammenarbeiten der Industrien Eurovas

B B

5 077

6 712

18256

26 077 28650

Schlechte Aussichten.

Der dritte Aufsatz Lloyd Georges.

London. 2. Januar.

Einnahmen und Ausgaben kann folgendes berichtet- werden:

: und namentlich Frankreichs und Deutschlands geben. Zu einer solchen Korporation sind die

; deutschen Wirtschiftskreise bereit. Die Reichs­regierung weist, daß die wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands entschlossen sind, die Regierung bei der Durchführung ihres Vorschlages zu unter­stützen. Dem Anleihe-Konsortium wird jede ver- rünftige Sicherheit eingeräumt werden können. Die Bestimmung dieser Sicherheiten im einzel­nen ist Sache der Verhandlungen. Die endchil- tige Lösung muß dem deutschen Volke die po­litische Freiheit und Gleichberechti­gung wiedergeben und den Abbau der Be­satzung der deutschen Lande am Rhein brin­gen. Wir haben die Gegenseite ersucht, einem Vertreter der Reichsregierung Gelegenheit zu ge­ben, der in Varis züsammentretenden Konferenz unsere Vorschläge schriftlich vorlegen und münd- ftch erläutern ?n lassen. Hoffen wir, daß dieser Ausweg nicht durch einen Entschluß vereitelt wird, der über ganz Europa unabsehbares Un­heil bringen würde. Die Verwirklichung der vo- litrschen Pfänderpolitik bedeutet den Tod aller wirtschaftlichen Operationen. Der Wortlaut der Rede des Staatssekretärs Hughes liegt zwar noch -richt vollständig vor, aber so viel kann schon letzt gesagt werden, daß die Gedankengänge des amerikanischen Staatsmannes sich nahe mit un­serer Auffassung berühren und daß wir ihnen aufrichtige Beachtung wünschen. Die Bereitschaft Deutschlands haben wir durch Vermittlung einer dritten Macht der französischen Regierung mitgc- teilt. Zu meinem Bedauern hat Frankreich dieses Anerbieten a b g e l c b n t. Der Rede des Reichskanzlers folgte stürmischer Beifall. Darauf erhoo sich der Präsident der Handelskammer zu einem kurzen Schlußwort. Er gab die bestimmte Erklärung ab, daß Handel, Industrie und Schiff­ahrt bestert sein würden zu den alleräußersten Opfern, wenn cs gelte, die deutsche Wirtschaft aus den Fesseln zu befreien, in die der un- giucklicke Ausgang des Weltkrieges mit seinen ?>-olgeerscheinuugcn uns verstrickt habe.

und haben alle Vorbereitungen dazu getroffen. An unserem guten Willen wird cs also nicht ehlen. Wenn es auch im neuen Jahre nicht dazu kommen sollte, die Grundlage zu der für uns ebenso wie für die andern nötigen Lösung der Reparationsfrage und damit zum Wieder­aufbau der Welt zu schaffen, ko wird die Schuld daran ebenso wenig an uns liegen wie wir den Weltkrieg verschuldet haben. Wir wollen und wir werdsn bei solchen Verhandlungen bis dn Ät äußerste Grenze unserer Leistungs- ä h i g k e i t gehen, das sind wir schon unfern bedrängten und bedrohten Brüdern im Rhcin- and schuldig. Und ihnen gelten vor allem un­sere Wünsche zum Neuen Jahr. Möge cS eine Befreiung von allem Druck bringen, der beim Jahresanfang ans ihnen lastet und möge es eine Aera langen und wahren Friedens nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt einleiten.

Der jüngste «Stern.

Wie wir bereits meldeten, ist zu Beginn die­ser Woche von dem ruümnischen Astronomen Prof. Zivicral ein neuer Stern im Bilde der Leier entberft worden, der bei seiner Auffindung schon die Helligkeit eines Sternes erster Größe hatte. Infolge der zurzeit in fast ganz Europa herrschenden dichten Bewölkung ist es bisher an- schcincnd nur in vereinzelten Fällen möglich ge. wesen, das neue Gestirn zu Gesicht zu bekommen; allein aus London liegen Meldungen von der Beobachtung der Nova und zwar von der Green­wicher Sternwarte vor. Tr. A. E. Crommclin, Assistent an der Sternwarte zu Greenwich, be­zeichnet die Helligkeit des neuen Sterns als glänzend. Es ist weiter nicht verwunderlich, daß der neue Stern innerhalb der Milchstraße aufgc- taucht ist; fast alle diese Neuerscheinungen der Firstcn'wclt leuchten innerhalb der Milchstraße aus: interessanter ist der Umstand, daß die Nova lhrae fast genau die gleiche gerade Aufsteigun-t wie die im Juni 1918 erschienene Nova aquilae bat, die allerdings fast genau auf dem Himmels- äguator. also erheblich südlicher als das jetzt auf- getauchtc neue Gestirn stand. Nach dem neuen Stern im Perseus vom Jahre 1901 und dem neuen Gestirn im Adler von 1918 ist die Nova hyrae der dritte Stern erster Größe, der im zwanzigsten Jahrhundert aufgcleuchtct lst. Gegen neun Uhr abends hat man den neuen Stern tief am Ncrdwcsthimmcl zu suchen, wird, ihn aber zu früherer Stunde mehr im Westen und in größerer Höhe wahrnehmen können.

Erde. Im Sommer kennen wir diesen Prozeß schlechtweg als Regen, nicht selten von Gewitter­erscheinungen begleitet, während er sich im Win­ter als Schnee bemerkbar macht. Der Schnee ist also ein atmosphärischer Niederschlag, der sich bei gewissem Kältegrad der oberen Luftschichten un­ter ähnlichen Umständen biü-et, wie der Regen. Er besteht aus feinen Eis-kristallen, die sich im Herabfallen auf die Erde in der Form sechs» strahliger Sterne vereinige».

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jene Erkenntnis gerade in den letzÄn Wochen wenigstens in der angelsächsischen Welt zugenommen hätte. Und wenn der Papst in seiner letzten Enzyklika von dem verfälschten Frieden, von dem auf dem Papier geschlossenen Frieden spricht, der die Rachegeffter eher noch verschärft und die Gier nach materiellen Gütern, die Quellen von Kämpfen und sozialer wie in­ternationaler Ungerechtigkeiten, geradezu legr- tinriert, sowie weiter davon redet, daß auch an­dere Nationen das Recht aus Leben und Ge­deihen hüben, so möchte man dem damit ge­sprochenen Urteil Eingang in Kopf und Herz der Angshörigen aller Rattonen wünschen.

Die bescheidenen Hoffnungsschimmer, die auf die Jahreswende auf uns leuchten, werden allerdings stark verdunkelt durch so manche Gesten, die aus den dermalig regieren­den > französischen Kreisen zu uns herüber kom­men. Dabei tveiß mau in der ganzen Welt und sollte es auch in Frankreich wissen, daß Deutsch- land sich weder bewußt und aus purer Willkür seither den ihm aufcrlcgten Verpflichtungen em« wgen hat noch gewillt ist, sich den Folgen, die der verlorene Krieg mit sich bringt, in Zukunft zu entziehen. Und gerade die jetzige Regie- r u n g hat ihren dahin gehenden Willen ost unv klar genug ausgesprochen. Zeige man nun doch endlich auf der anderen Seite einmal, daß man dort nicht aus Rachgier und aus imperialisti­schem Verlangen nach der Losreißung deutscher Staatsgcttebe und Zerreißung der Reichseinheft strebt, sondern daß man ernstlich gewillt ist. sich mit uns über Reparationsleistungen im Rah­men wirflicher deutscher Leistungsfähigkeit, im Wege ernster Verhandlungen von Mann zu Mann, auseinanderzusetzen. Mr sind

bereit zu Verhandlungen

Die Einnahmen und Ausgaben fitt 1922 können noch nicht als endgültig betrachtet werden, jedoch kann gesagt werden, daß die angegebene Höhe erreicht bezw. noch überschritten wird. Wenn durch die vorstehenden Angaben die Entwicklung der Kaffe geschildert ist, so muß aber auch dcr- icnigen Männer gedacht werden, die durch ihr sozialpolitisches Verständnis und ihre Mit­arbeit an dem Aufbau hervorragenden Anteil haben. Hierbei kommt als erster Herr Fabrikant H. Oppenheim in Betracht, welcher seit Errich­tung als Generalversammkungs-Vcrtteter vom 10. November 1898 als Mitglied dcs Vorstandes und vom 1 Januar 1901, also zweiundzwanzig ^ahrc, 013 Vorsitzender der Kaffe ehrenamtlich in vorbildtichdr und aufopfernder Weise wirft«. ^ as gleiche kann von Herrn Verwaltungs-Direk­tor ^ordan. sowie Herrn Burcauvorsteher Höh- ner, welche seit Bestehen her Kasse in der Verwal­tung tätig sind, gesagt werden. Eine weitere Anzahl Herren sind ebenfalls über zwei Jahr­zehnte bei der Kasse tätig. Unerwähnt soll nicht bleiben, daß eine Anzahl A e r z t e ebenfalls seit Errichtung und noch für die Kasse tätig sind, und zwar die Herren: Dr. Bernstein, Fauler, Fuhr, ,-rölich, Heil. Jost. Meder, Rößner, Schaub Als Lieferanten stehen die Herren Bandagisten Stark, Optiker Ebel, Badeanstaltsbesitzer Erdmann seit fünfundzwanzig Jahren mit der Kaffe in Ver­bindung. Zum Schluß soll twck allen Mitglie­dern des Vorstandes, sowie dcs Ausschusses für iyre ehrenamtliche ersprießliche Tätigkeit int In­teresse der Kaffen und zum Wohle der Bersicher- ien gedankt und der Wunsch ausgesprochen wer­den, daß- es ihnen gelingen möge? weiter im In­teresse der Kaffe, sowie der Versicherten zu wirken.

Lichte erhellten": dumpf aufwühlende Musik und wehklagende Stimmen mehrten das Grauen, und dann enthiillte der Vorhang eine sttahlend Helle, erlösende Bühnenpracht.

Um dasAufwärtsstrebende", dasEmpor", dasSteil" der jüngsten Kunstrichtung auch aur der Bühne zum Ausdruck zu bringen und eine starke Vertikalbcwegung auf der Bühne zu er­möglichen, hat man in den letzten Jahren mehr­fach mit Treppenausbaulen gearbeitet. In einem einzelnen Fall hat Heinrich Laube be- rcits während seiner Burgthcater-Zeft solche symbolische Dekoration gezeigt; in Grillparzers DramaDes Meeres und der Liebe Wellen" ließ er, um dieaufwärts drängende Stim­mung" des Lchluffes zu steigern, eine Treppe im Tempel bauen, und c§ kümmerte ibn wenig, ob das historisch möglich sei, daallein die Idee des Kunstwerkes maßgebend" sei.

Lloyd George veröffentlichte am 30. Dezem­ber seinen dritten Artikel, der diesmal einen Rückblick aus die politische Entwicklung des abgelaufenen Jahres gibt. Diese Entwicklung habe sich vor allem in den Konferenzen des Jah­res gezeigt. Die Washingtoner Kaufe, renz habe die wichtigsten Ergebnisse, die je­mals auf einer internationalen Zusammenkunft erzielt wurden, gebracht. Zum erstenmal hätten große Völker, die über bedeutende Rüstungen verfügen, sich freiwillig geeinigt, um eine Ab- rustung im großen Stil vorzunehmen. Die Konferenzen von Cannes und Genua könn­ten sich gsejchfalls ein großes .Verdienst an der Beruhigung der Welt zuschreiben. Am höchsten schätzt Lloyd George den in Genua geschloffenen Vertrag, durch den die Völker sich verpflichten, cme gewisse Zeit lang

einander nicht anzugreifen.

wenig erfreulich war der Tammo des Herrn Lang. Man muß den guten Willen des Künstlers restlos anerkennen. Er will zwci- fellllos das Beste, aber er kann nicht. Die gesangliche Ausbildung ist zu mangelhaft, als daß man an dem wuchtigen Stimmmaterial auch nur wenige Augenblicke Freude Haben könnte. Ich will nicht öfters Gesagtes wiederholen, denn es liegt kein Grund vor, bett Künstler zu schmähen, dessen Schuld cs nicht ist, daß er bei uns singen muß. Im iibrtaen war die Be- sctzung dieselbe wie im Vorjahre. Hockerfreu- lich war der Papagena dcs Herrn M o ssi, sehr klangschön das Knabenterzett der Damen K c v - sell. Kratzer und Herper. Recht mäßig dagegen das sehr wichtige Damcntcrzett. Vor allem drückte hier die Schwere und Unruhe der Stimme des Frl. Giema. Die zweite Dame mürbe von Frl, Hamburger sehr sympathisch gesungen. Schade, daß die junge Tarne im übriaen im Chor untergetauckt ist. Sehr würbfa und stilsicher war der Sprecher des Herrn W u > 5 e I, stillos und dazu noch in der Tiefe unzu­reichend der Sarostra des Herrn Schwedt.

Dr. P.

Eine Rebe des Reichskanzlees. Stellungnahme zum Reparationsproblem. f Hamburg, 2. Januar.

Reichskanzler Cuno hat am Sonntag in der Hamburger Börse eine bemerkenswerte Rede ge­halten. Der Präsident der Handelskammer Se­nator Wttthö st, eröffnete die stark besuchte Ver- tammlung und begrüßte den Reichskanzler, der vcn den Anwesenden stürmisch begrüßt wurde. Darauf machte Dr. Cuno folgende Ausführun­gen: Dtc neue Regierung war vom ersten Tage an bemüht, eine Lösung des Reparations-Pro­blems zu finden, die von uns getragen und von ber Gegenseite angenommen werden kann. Wir stehen vor einem Problem, das unendlich schwie- nur lösbar ist, wenn alle Beteiligten sich eMichlleßen,^ die Dinge so zu nchmen und zu sehen, tote sie sind. Wir alle kennen das Gut­achten des Internationalen Anleihe-Komitees in Varis vom Juni vergangenen Jahres. Seine Gedankengange kehren in dem Gutachten der bei- d r studpen internattonaler Sachverständiger !w wieder. Die Verbindung des Gedan­kens der cnSgüItig>cn'göfttng der Rcpa- rattonsfragc mit dem Gedanken der Anleihe ?tobet sich ebenso in den Vorschlägen dcs engli­schen Ministerpräsidenten gelegentlich der letzten Premterminister - Konferenz. Diese Vorschläge waren in der Hauptsache dazu bestimmt,

der endgültigen Lösung der Reparationsfrage die Wege zu öffnen. Heute handelt es sich darum, auf diesem Wege wciter- zugehen. Deutschland braucht, um leisten zu kön­nen, internationale Anleihen. Es Hai aber nur dann Aussicht auf solche, wenn seine Lei­st ungsp flicht endgültig llargestellt ist. Un­ser Ziel, die Leistungsfähigkeit Deutsch­lands festzustellen und Mittel unb Wege zu fin­den, um diese Leistungsfähigkeit für die endgül­tige Lösung der Rcparatiousfragc nutzbar zu machen, ist in der Fühlung mit Personen und Kreisen des Wirtschaftslebens verfolgt worden. Das gewonnene neue Bild von dem noch ver- lleibenden Rest unserer Leistungsfähigkeit ist trübe. Die Reparations-Kommission bat selbst am 31. August einstimmig die Zahlungs- Unfähigkeit Deutschlands anerkannt. Es be- i

Ein Neujahrs-Erlaß.

Kundgebung dcs Rcichswirtschastsministers.

Berlin, 2. Januar.'

Dem Wunsche zahlreicher Zeitungen cnt- prcchcnd wird ein Geleitwort des Rcichswirt- ichaftsministers Dr., Becker zum Reuen Jahr übermittelt, in dsM es u. a. hießt: Utffcrm armen Vaterland und insbesondere unserer Grenzmar» rm Westen ist heute noch nicht der Frieden »c- chcnft. Die Welt um uns starrt in W ä ten, obgleich wir völlig wehrlos geworden und. Unsere Wcstprovinzen aber sind von landfremden Truppen besetzt, die uns allen nach Sprache und Gewohnheit, zum größ­ten Teil auch nach Kultur und Sitte völlig fremd sind. So sieht auch atu Ende dieses Jah­res unser Vaterland unter barten politischem Wang und jeder Deutsche sieht unter schwerem lecltschem Druck sorgenvoll den nächsten Wochen und Monaten entgegen, die wohl über das deuffche Tckfafal cnbgültia entscheiden wcr- dett. Da gilt es. sich gegenseitig zu stärken im Mut und im Vertrauen darauf, daß doch auch Ar uns wieder einmal bessere Zeiten kommen werden. Die Welt muß endlich erkennen, daß Deutschland

den Weltkrieg nicht verschuldet

hat und dgß schon damit das Versailler Diktat setne Hanplgrimdlage ohne weiteres i? t I i e r t. a» fx d .

Neues aus Mel.

Don 1922 bis 1923.

Der Schritt ins neue Jahr.

Ueber der Zubereitung des PunscheS rrnd dcs Heringssalats, über guten Reden, die dieses Geschäft begleiteten, wurde es 12 Uhr. Und Plötzlich läuteten draußen die Glocken ...

Wir sind auf den Balkon getreten und blicken auf die Straße. Sie ist regenfeucht. Das Licht einiger Gaslaternen spu» 8n -rschömt darin. Ein erstes kräftiges Prosit 7 » Es bleibt nicht vereinzelt. Dann fitem. ' jenen« schlag", ein »Frosch" qnackt, jenseu," *»er überzieht sich der schwarze Himmel -«SBe. j' rotem und grünem Schein, Raketen zisch unb magnesiawciß, blau und violett em, ziehen als leuchtender, als bcschwänzter Svmet ihre Bahn, kommen scheinbar aus dem Ni<Äs, verglühen lautlos im Schweigen da oben ...

Hinter den Gardinen flammen dis Weihs nachtsbäumc. Ta stehen zwei reizend: Kinder in dem toeitgeöffneten Fenster. Sie werfen rotes und grünes Feuer ab. Bis die Schächtel­chen leer sind. Aus anderen Fenstern leuchtet cs gleichfalls abwärts ... Und immer wieder am Horizont das bunte Wetterleuchten, das Rufen ber Menschen von unb zu der Straße und das Singen" einiger Fröhlicher ...

Der Kalender für 1923 hat fein Regiment an- getreten. Er blickt im kerzcnerhellten Zimmer auf die dampfenden Gläser, dieBerliner" und auf das. was Kassel allein kennt, auf die Horn- affen. Ich meine jenes eigenartige Gebäck, das cs jetzt erst zum zwcitcnmale seit dem Kriege wiedergab!

Und di: Kerzen am Baum der Weihnacht leuchten noch einmal, ein guter Wunsch geht von Mund zu Mund, die Hände liegen ineinander ... Ein neues Jahr hat angefangen!

Die Glocken läuten dazu. Sie singen die ge-

Die Welt des Scheins.

Theaterküustc einst unb jetzt.

In den Briefen der Frau Rat Goethe, die ton der Theaterleidenschaft der Zeit und ihrer eigenen Neigung für die Brettexwelt vielfach Kunde geben, ist auch wiederholt von den De­korationen die Rede.Unser vortrcflicher Theater Mahler", heißt es da einmal in ber kuriosen Rechtschreibung ber lieben Frau,hat drei neue Decorationen gemacht ein sehr schö-, nes Zimmer eine Stube vor arme Leuche die gantz vortreflich ist und einen Garten ber zum erstenmahl im Ton Juan sich prcsentirt hat alles mit großem Ablaudisement." Daß die .Dekorationen Beifall und zwar lauten, klat­schenden Beifall erhielten, war in jener Zeit nicht ungewöhnlich. Friedrich Michael berührt in feinem soeben erschienenen WerkDeutsche Theater" auch diese Seite des damaligen Thea­terlebens. Zur Aufführung derEmilia Ga- lotti" in Hamburg 1772, hatte manein vortreff­liches modernes Staats zimmer verfertigt, das, als der Vorhang auftollte, mit Händeklatschen bebiefallt wurde." Michael gibt dazu eine über­raschende Parallele: Als Karl Walser 1904 für ReinhardtsNeues Theater" zu Nestroys Posse Einen Jux will er sich macbeit" die Bühnenbil­der schuf, empfand man sie so sehr als wlbstan- diges Kunstwerk, daß man kein Bedenken trug, nach ber Verwandlung im zweiten Akt das bloße Bühnenbild, noch vor Beginn des Spiels, mit rauschendem Beifall zu begrüßen.

Die Verbunkelnng des Zuschauer- ranmes, die nach Bayreuther Vorbild jetzt allgemein üblich geworden ist, wurde schon früher gelegentlich für besondere Effekte benutzt. Die Jesuiten zumal, diese größten Theatraliker älterer Zeit, ließen sich auch diese Gelegenheit nickt entgehen, auf die Gemüter zu wirken: im Jahre 1651 begann die Aufführung eines Francicous-Zfaberius-Dramas in Wien, imganz verfinsterten Saale, den nur grell aufleuchtcnbe Blitze und schweflige Flammen mit ungewissem

rrnnmen I^9 ??r5ten vorge-ldarf also nicht der Unterstellung, daß Deutschland

.ben kann. Ue^er die ifa) selbst systematisch ruiniert habe. Ein unbar«:

Itensches Barometer für unsere Leistungsfähigkeit lst der K r e d i t, den die Finanzwelt Deutschland zu gewähren bereit ist. Kein Gläubiger der Welt aber wird Deutsa,».^ych Kredit gewähren, ehe die Leistungsfähigkeit so bestimmt umschrieben ist, daß er über die Grundlage seines Kredites ein völlig klares Bild hat. Wir sind entschloffen. eine erste feste Summe auf uns zu nehmen und sind bereit, diese in Anleihen durch Vermittelung eines internationalen Finan-konsortiums aufzu­bringen und. soweit dies nicht im Anleiheweg gelingt, Zinsen und Tilgungsguote zu bezahlen, da die deuffche Wirtschaft für die nächsten Jahre lmbedingt der Ruhe bedarf. Eine solche Rege­lung der sinanziellen Seite würde die Wege für tic Durchführung der wirtschaftlichen Rottocn- digkeiten ebnen, die die Grundlage für ein

Damit hängt die teilweise bolschewistische Ab­rüstung zusammen. Wenn der Beschränftma der Armeen im Osten Europas eine ähnliche Ab­rüstung im Westen folge, so wäre die Herrschaft des Friedens nicht mehr weit entfernt. Weiter­hin prüft Lloyd George die Aussichten, me sich für die Zukunft ergeben. Er sieht diese Aussichten als ungünstig an. Die Debat­ten, die kürzlich in der französischen Kammer über die Reparationen stattgefunden hätten, wa­ren nicht ermuitternd. Ter einzige McinungS ~ 3 ------- unterschied, der sich in der Aussprache offenbarte,

><a t mo.Jc .s so Kleinen, al» ob war der zwischen den Anhängern eines E i n -

3m Reiche der Kunst.

Staalöweater.

Die Zauberflöte." Dirigent Robert Laugs.

Die erfreulicherweise am Neujahrstag tradio- ncll gewordene Zaubcrflötenaufführung wies in diesem Jahre zwei wichtige Neubesetzungen auf. Pamina war Frl. B r a n dst äd t c r. Ich freue wich, feststellcn zu dürfen, daß ber Eindruck wie­der so günfriy war wie bei ihrerElsa" und daß der scheinbare Rückgang der Gesamtleistung in denMeistersingern" wettgcmacht zu fein scheint, ^ebenfalls stand ihre Pamina auf einer iür eine Anfängerin erstaunlich hohen Stufe. Die Stimme ftang in allen Lagen, sprach im Piano diesmal gut an. ihr Gesang zeugte von Geschmack unb Musikalität Wer die berühmte schwere G-moll- Arie so cbel und schön singen kann, dem darf man getrost jede schwierige Aufgabe anbertrauen. Schauspielerisch zeichnete sich Frl. Brandstädter durck erfreuliche Naivität und erstminlichc Gc- wandbeit ans. Nach dieser Leistung darf ber Intendanz unbedingt geraten werden,' die Künst­lerin auf lange Zeit zu verpflichten. Leider

13. Jahrgang. Nr. 1.

Imorsches ins Ruhrgebiet und den Be­fürwortern einer Wirts chaftlichcu Aus­beutung des linken Rheinufers. Okkupation, Kontrolle, wirtschafttiche Aus­beutung, Annektion, alles das bedeute daffelbe, daß nämlich

das linke Rheinufer Deutschland entrissen und Frankreich einverleibt werden soll. In diesen Reden habe man nichts von einem wahren Frieden verspürt. Am Schluß feines Artikels bespricht Lloyd George die Aussichten für eine amerikanische Anleihe, für die er, falls sie wirklich zustande kommt, ganz neue und unbekannte Bedingungen erroartet.

MS VEmUd WMchast.

Streik in den Berliner Markthallen. Dem Vorgehen der Obst- und Gemüse-Groß­händler in der Zcntralmarkthalle in Berlin, die wegen der hohen Frachtsätze und der erhöh­ten Standmieten ihre Betriebe ab 2. Januar schließen wollen, haben sich auch die Stanb- inhaber der übrigen Markthallen angeschlos­sen, da, wie sie erklären, die hohen Standmieten gerade die Händler in den kleineren Markthallen den Ladengeschäften gegenüber vollkommen kon­kurrenzunfähig machen. Der Bund ber Markt- Hallcnstand-Jnhaber wird noch seine endgültigen Beschlüsse fassen.

Der irische Bürgerkrieg. In Dublin sind vor einigen Tagen bei einem llc verfall auf Regierungstruppen drei Personen ver­wundet worden. Die irische Eisenbahn­krisis dauert an. Arbcitervettreter erklärten, 90 Prozent der Eisenbahner würden die vorge­schlagenen neuen Bedingungen ablehnen. Die Regierung erträgt eine zeitweilige Regelung bis zur endgültigen Feststellung ihrer Eiseu- bah »Politik.

Milch für Minderbemittelte. Vertreter ber Landwirtschaft, der Industrie unb des Handels im Freistaat Anhalt vereinbarten, daß künftig eben Tag brei Monate hindurch an die minder­bemittelte Bevölkerung 4000 Liter Mich zu einem um 50 Mark je Liter verbilligten Preise abgegeben werden. Von den den achtzehn Ml- Honen Mark betragenden Kosten übernimmt die Industrie die Hälfte die Landwirtschaft vier Zehntel und ber Handel ein Zehntel.

Kleine Rundschau.

Wann gibt es Schnee?

. _ 3m @rimbc genommen ist der Schnee, wie zedcs Wetter unserer gemäßigten Zone über­haupt, die Folge des Kampfes, den zwei mäch- tfac Gegner beständig wider einander führen. Es ind die Paffatwiiidc, derjenige, welcher vom Aeguatvr nach dem Nordpol streift, unb ber Nordwind, der in der entgegengesetzten Richtung nach deut Süden zieht. Da ber erstere über große pweresbccken hinweg seinen Lauf nimmt, ist er, wbalo er zu uns kommt, stark mit Feuchri gleit beladen. Dagegen ist die Luftströmung, die ber Nordwind mit sich führt, selbstverständlich kalt und rein, frei von Feuchtigkeit. Treffen nun diese beiden Winde zusammen, so kommt die Feuchtig­keit des Südwindes als Niederschlag auf die

Einnahme

1898 126 343.05 -Ä 118913.89 JM,

1908 279 725.73 262 763.57 M.

1918 1 214 777.20 M 1191 541.93 'M

1921 11 451 499.40 M 9 862103.96 M

1922 60000000. M 60000 000. M