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Nieter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 299

Fernsprecher 951 und 952

Freitag, 22. Dezember 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Sie Vermutungen nm den Auslands-Kredit.

Sin kalter Strahl.

Hoffnungen und Enttäuschungen.

Nach den Ueberraschungen, die die Börse vom Sonnabend zum Montag erlebte, zitterten noch an der Mittwochbörse leise die Nachwehen. Aber die Krise ist bereits überwunden und man sieht schon wieder klarer. Es ist überhaupt bemerkenswert, daß diesmal in Finanzkreisen die zwar eine Abschwächung an der Börse er­wartet, aber doch nicht mit einem politischen Zwischenfall gerechnet hatten der Kurssturz mit großer Ruhe betrachtet wurde. Man sagte sich gleich, daß die amerikanischen Kredichilfs- pläne nicht eine so rasche Wirkung haben könn­ten, um die Mark von einem Tage zum andern um dreißig bis vierzig Prozent zu bessern. In der üblichen Weise drückte die Devisenbewegung stark auf den Effektenmarkt, der auf der ganzen Linie erhebliche Kursverluste zu verzeichnen hatte. Aber dieser Rückgang war eine Folge der Nervosität des Publikums, das seinen Es- fektenbesitz abstieß, wogegen die Finanzleute ihren Besitz behielten und jetzt sogar billig ge­wordene Papiere dann kaufen, weil sie vorläufig nicht an eine Besserung der Mark glauben. Es sieht so aus, als ob sie Recht behalten sollten, denn die Devisen- und Efsektenkurse gingen schon wieder in die Höhe. In einem Newporkcr Kursbericht heißt es, daß die Markschwankun­gen von Newhorker Spekulanten verursacht wurden, die versuchen, aus frühem Markverlu­sten mit möglichst geringem Schaden herauszu­kommen. Jeder Bruchteil eines Cent gibt Schwankungen von Hunderten von Mark wieder.

Mit der erneuten Auswärtsbewegung der Devisen kamen die Nachrichten aus Ä m e r i- t a, daß das Vermitteln in der Revarationsfrage sehr überschätzt worden sei, denn die Be­ratungen befinden sich noch im ersten Stadium. Es ist zunächst nur eine Fühlungnahme, wobei überdies vorausgesetzt wird, daß zuerst die Alliierten unter sich einig werden über eine Verminderung der deutschen Verpflichtun­gen und die Räümunz des Rheinlandes von den alliiert«! Truppen. Da dies einer völligen Abänderung des Versailler Vertrages gleichkä- itte, leistet! Frankreich bereits Wider­stand. Auch die französischen Absichten aus das Ruhrgebiet sind noch nicht ausgegeben. Wenngleich nicht mehr die Besetzung in Frage kommt, so ist doch Frankreich gewillt, politisch und wirtschaftlich die Hand darauf zu halten. Wir sehen also, daß wir heute keinen Schritt weiter sind. Wir stehen noch an derselben Stelle, wo wir vor den Marmnachrichten waren. Dabei müssen wir uns noch vom Präsidenten Harding die Ermahnung zu Gemüte führen, daß wir Nicht zu optimistisch sein sollen, dennes kommt kein Wunder aus Amerika!"

Der Anleihe-Marrn hat Hoffnungen her­vorgerufen und Enttäuschungen gebracht. Allerdings waren die Empfindungen in Deutsch­land sehr verschieden. Wer erhoffte etwas von einer Warkbefserung? Ein großer Teil des Volkes, hauptsächlich die Festbesoldeten, die in ihrer Vorstellung damit schön die kom­mende Verbilligung der Warlsit verknüpf­ten. Tatsächlich sanken mit dem Devisenrückgang sofort die Preise für Fett, aber sie waren die einzigen, während alle anderen Preise fest blie­ben, und mit dem Devisenausstteg gingen auch die Fettpreise wieder in die Höhe. Ist ein De- visenrückgang eine erfreuliche Erscheinung für die Verbraucher, so brinat er zunächst große Sorgen für den Geschäftsmann, der ein Lager unterhält. Teuer eingekaufte Vorräte müßte er bei einem dauernden Devisensturz bil­liger verkaufen, wobei er große Verluste erlei­den würde. Man denke sich die Wirkung aus, wenn von solchen Verlusten Groß- und Klein­handel, Gewerbe und Industrie bettoffen wür­den. Finanzielle Zusammenbrüche, Bettiebs- stillegungen und Enüassungen in weitem Um­fange wären die unausbleiblichen Folgen. Des­halb ist darauf hinzuwirken, daß die Markbeffe- rung nicht plötzlich, sondern langsam und p l a n tz i g erfolgt. Auch die Amerikaner haben, wenn sie uns helfen wollen, ein Interesse daran, daß geschäftliche Zusammenbrüche ver­mieden werden, denn ein bankerottes Deutsch­land kann keine Zinsen bezahlen.

Was ist denn nun überhaupt von der Kre­dithilfe zu halten? Würde sie, wenn sie zu­stande käme, so gümtig sein, daß unser Auf­stieg endgülttg und sicher wäre? Roch wissen wir die Einzelheiten der Pläne nicht, aber die Voraussetzungen und die geforderten Garantien wären keineswegs leicht. Die Regierung müßte jedenfalls sämtliche Einnahmen verpfänden, und außerdem müßte die Industrie wiederum für die Regierung Gewähr leisten. Mr hätten damit den Hauptgläubiger nur getauscht. Anstelle der Alliierten wäre Amerika getreten. Das wäre ober insofern ein Vorteil, weil unsere Verpflich­tungen dann auf längere Frist liefen und der Gläubiger nur geschäftliche, keine politischen. In­teressen hätte. Bei allseittgem guten Willen

wäre es sehr einfach, planmäßig die Mark zu stabilisieren und von Jahr zu Jahr weiter zu bessern. Damit würde das Geschäftsleben in geregelte Bahnen geleitet, nicht nur zum Nutzen Deutschlands sondern aller europäischen und überseeischen Länder. Bei allseitigem guten Willen könnte der wirkliche Friede sehr bald in die Wett zurückkehren. Aber cs gibt ein herrschsüchtiges, neidisches, haßerfülltes Land, Frankreich, mit Politikern von nieder­ster Gesinnung, die den Frieden Hinter­treiben! K. F. Dr.

Amerikas HaStung.

Die schweigsame amerikanische Regierung. (Eigener Drahtbericht.)

London, 21. Dezember.

Nach einer Meldung desDaily Ehroniclc" sei das Schweigen des Weißen Hauses inbezug auf die Interventions-Absichten Amerikas nicht als schlechtes Zeichen, sondern dahin zu deuten, daß die Regierung die Volksmeinung sondieren wolle. Ferner macht das Blatt daraus aufmerksam, daß der amerikanische Bot­schafter in London, Harvey, der englisch« Schatz- kanzler, Baldwin, und der Direktor der Bank von England, Norman, gleichzeitig in Washing­ton eintreffen und Unterredungen mit der ame­rikanischen Regierung gerade im Augenblick des Zusammentretens der Pariser Konferenz begin­ne« werden. Amerikanische Blätter sprechen von der Ernennung einer unvoreingenommenen internationalen Finanzkommissi­on, die die Grenzen der deutschen Leistrmgs- fähigkeit zu prüfen haben würde. In Frank- reick wendet man sich aber bereits gegen die­sen Plan. Amtlich wird jetzt aus Washington mitgeteilt: Nichts berechtigt zu der Annahme, daß die Reise des Botschafters Harvey durch die Frage der Reparationen veranlaßt wor­den sei. In ofsiziösen Kreisen lehnt man cs aber ab, auch nur die geringste Mitteilung über Vie Reise des Boffchafters zu machen.

* *

Vorläufig nur Vermutung.

Washington, 21. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) Im Bankhause Morgan erklärt man, daß keine Anleihe möglich ist, so­lange k e i n e L ö s u n g in der Frage der W i e- dergutmachung zustande gekommen ist. Die- ser Gesichtspunkt scheint auch der der Regierung zu sein, doch hat sie bisher keinerlei eigene Pläne zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß die amerikanische Regierung sich nicht weigern wür­de, ihren Beistand zur Regelung der Reparatio­nen zu leisten, wenn dieses Problem in ernster Weise zur Sprache gebracht würde. In offiziel­len Kreisen ist man er st a u n t über die Wich­tigkeit, die die europäische Presse den blo­ßen Vermutungen der amerikanischen Blät­ter in dieser Frage beilegt.

* Keine Empfehlung

Rcwyork, 21. Dezember. (Eigene Drccht- nicldunq.) Herr Lamont von der Morgan-Ge­sellschaft erklärte bei einem Festmahl: Die Zei­tungsberichte rufen den Eindruck hervor, als ob das Ersuchen dcS deutschen Boffchafters um ein Darlehen abgewiefen worden sei. Ich be­merke dazu, daß man dem Botschafter geant­wortet hat, eine Anleihe sei unmöglich, weil ge- gcnwärtig das amerikanische Publikum nicht daran denken würde, S chatzan- Weisungen zu kaufen und ferner können wir dem investierenden Publikum Zeichnungen auf eine solche Anleihe augenblicklich nicht empfthlen.

Die Variier Konferenz.

Frankreichs Stellungnahme.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 21. Dezember.

Au amtlicher französischer Stelle wurde gestern abend bekannt, daß die amerikanische Regierung vor einigen Tagen bei dem stanzö- fische« Botschafter in Washington die Abhaltung einer internationalen Wirt sch aftskonse- r e n z zur Prüfung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands angeregt hat. Diese amerikanische Anregung hat in Pariser Regierungskreffen tief verstimmt. Mittlerweile find ein­gehende VerhanÄungcn zwischen Paris und London im Gange, die sich auf die bevor­stehende Pariser Konferenz beziehen. Der französische Botschafter in London, St. Aulairc, der nach Paris berufen worden war, ist nach London zurückgekchrt Die französische Regie rung soll in London haben Mitteilen lassen, daß sie keinerlei Aktion beabsichtige, ohne daß vorher

eine Besprechung über diese Angelegenheit mit den Alliietten stattgefunden habe.

Besprechungen in Berlin.

Roch keine feste« Beschlüsse.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 21. Dezember.

Die Sachverständigenbcsprechungen über die Wiederherstellungsfrage gehen nach wie vor gruppenweise weiter. Das Finanzministerium bespricht die Frage mit den Vertretern der Ban­ken und der I n d u ft r i e, im Wirffchaftsmini- sterium wird die Frage mit den Vertretern von Handel, Handwerk und der Gewerk, schäften erörtert. Es dreht sich dabei immer noch um Vorbesprechungen; irgendwelche festen Beschlüsse sind daher noch nicht zu verzeichnen. Sie find auch vor Weihnachten nicht mehr zu er­warten. Zu den Verhandlungen sind auch die Vertreter der Gewerkschaften geladen worden und zwar Vertreter der drei Gruppen. Die Mel­dung, daß Bankier Melchior nach Paris gereist sei, um Verhandlungen über die Wiederher­stellungsfrage zu führen, trifft nicht zu.

*

Industrielle und parteffüBrer.

Berlin, 21. Dezeryber. (Privattelegramm.) Gestern nachmittag fand die erste Besprechung des Reichskanzlers Cuno mit Vertre­tern des Reichsverbandss der deutschen Indu­strie über das Reparattonsproblem statt. Die Aussprache dauerte etwa eine Stunde. Sie hatte den Charakter einer Vorbesprechung. Die Be­sprechungen werden fortgesetzt. Die nächste Aus­sprache der Rcichsregicrung mit de« Partei­führern ist für morgen, Freitag, vorgesehen. Die Vertreter der Demokratie «nd des Zen­trums. sowie der Deutschen Bolkspertei werden vom Reichssinanzminister, die Führer der an­deren Parteien vom Reichsminister des Acußern von Rosenberg empfangen werden.

tlm die Meerengen.

Die Türke« werde« jetzt versöhnlich.

(Eigener Drahtbericht.)

Lausanne, 21. Dezember.

Tie Meercngenkommission trat gestern nach­mittag zusammen, um die türkische Ant­wort auf die alliierten Vorschläge be­züglich der Meerengen entgegenzunehmen. So­wohl die Türken wie auch die Russen waren an­wesend. Die Türken hatten die ganze Nacht über beraten. Jsmcd Pascha hatte eine Unterredung mit Barrcre und Garoni, deren Ergebnis am frühen Morgen mttgeteilt wurde. Ein genauer Bericht über den Verlauf der Konferenz von gestern nachmittag liegt noch nicht vor. Jsmed erklärte folgendes: Die Türken nehmen im Prinzip den Alliierten Plan an, fordern jedoch für Gallipoli eine militärische Be­setzung, ferner verlangen sie, daß die Tätig keit der internationalen Kontrollkommisfion auf die Regulierung der Meerengen be­schränkt bleibt. Die Türken wünschen außer­dem mehr Garantien als die durch den Völkerbund. Lord Curzon erllärte am Schluß der Sitzung, daß alle Schwierigkeiten gelöst wä­ren, die Türken seien versöhnlich und die Russen seien schweigsam gewesen.

* * *

Noch keine Friedensunterzeichnung.

Lausanne, 21. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) Die Nachricht von der bevorstehenden Unterzeichnung des Präliminarfriedens erschient zum mindesten vcrsrüht. Es find wegen der Redaktion des Textes des Präliminarfrie­dens noch keinerlei bestimmte Ab­machungen zwischen den Großmächte« n«d der Türkei getroffen, weder i« territorialen noch in militärischen Fragen, weder in finanziellen noch in wirtschaftlichen oder Justizsragen. Ra- menüich die beiden letzten Beratungsgcgrnständc sind noch weit enffernt, von de« Beteiligten als geregelt angesehen zu werde«.

Russische Ostseewünsche.

Eine Sperrung für fremde Krteg-schisse.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 21. Dezember.

Nach Meldungen aus einem der russischen Randftaaten an dieTimes" hat die russische Regierung die Absicht geäußert, allen Staaten an der Ostsee den Vorschlag zu matfett, diese See für alle Kriegsschiffe, mit Ausnahme der Uferstaaten, zu schließen. Mit der däni­schen Regierung sollen bereits Verhandlungen angeknüpst sein. Vorerst soll eine Zusammen­kunft einberufen werden. Offenbar wünscht die Regierung von Moskau dieselbe internationale Regelung für die Ostsee, wie sie in Lausanne die Regelung für das Schwarze Meer gefordert hat.

Die teure Reichsbahn'

Eins Kundgebung vo« Präfideot Reisse«.

Sie NeichSbahndirektion Nagel hatte gestern die Spitze« versltziedenfter staatlicher Behörde«, be. < sonders der Justiz «nd Vertret«» de» groben WirtschastSkvrper, so der Kandel«, und der SandwerlSkamtner wie auch de» Presse nach dem Sbe»stad«bah«h»f gebet»«, toe Präsident Reisse« nachfolgende Ausführung«« machte r

Früher war die Eisenbahn beliebt, sie war volkstümlich, man schimpfte mal über Steinig* keilen, zankte sich mit dem immer hilfsbereiten Mann mit der roten Mütze" und war zuftie- den mit dem kaufmännischem Geist, der ihr heute abgesprochen toirb, dem zu danken war, daß die Eisenbahn das Rückgrat der preußischen Finanz-» Verwaltung gewesen ist! Sauberkeit, Ordnung und Pünktlichkeit ... das war selbstverständlich, darüber sprach man nicht... Dann kam der Krieg und wie das ganze Volk, leistete auch die Eisen­bahn Gewaltiges. Dann das Kriegsende ... trief schmachvolle« Friedensbedingungen brachten den Verlust ungeheuren Materials, der besten Loko­motiven und Wagen, es folgten Stteiks und Ar- beitsunlust des Perfonals, große Störungen des Verkehrs und manches Mal war man so weit, vor der Benutzung der Bahnen warnen zu müs- fett! Die Eisendahndiebstähle nähmen überhand. Waren, die ihn nicht erreichten ... davon kann die Eisenbahn ein Lied singen! Die Fehlbeträge wuchsen und die Geldentwertung brachte immer neue Tariferhöhungen ... da war cs mit der Beliebtheit der Eisenbahn vorbei! Große Einbuße an Festigkeit, Qualität und Quantität der Leistung erlitt die Eisenbahn durch das Sinke« der Staatsautorität. Niemand weiß das besser als die Personen, die früher schon füh­rend im Dienste des rollenden Rades standen, aber das Schlimmste liegt hinter uns, es geht wieder aufwärts!

Schon äußerlich ist das festznstellen, wenn man' sich ein Bild macht von der Verwahrlosung in; den Züge« nach dem Kriege, der Unpünktlichkeit' im Zugverkehr, der Unordnung auch auf den Bahnsteigen. Es bleibt noch viel zu tun. Der Weg zur Vervollkommnung ist weit und dor­nenvoll, und wenn die Reichsbahn dieses Ziel; erstrebt, so tut sie es in der Hoffnung, daß ifire: unermüdliche Arbeit gestützt wird durch die Ein­sicht und die tatkräftige Mitarbeit des weitaus! größten Teils des Personals, die es wieder da­hin bringen, daß die Eisenbahn erneut Liebling des deutschen Volkes und hochgeschätzt von der; ganzen Welt wird. Notwendig ist auch das Ser=' trauen der Oefsentlichkeit. Neue Wege müs­sen gegangen werden. Das fordert schon die! Doppclnatur als Staats- und Wirtschafts- betrieb. So beschrettet die Reichsbahn jetzt, den Weg der planmäßigen Aufklärung der offen!«- ss.chen Meinung und des Wirtschaftslebens; sic,- will alle Kreise, die in Betracht kommen, in ihre Betriebe hineinsühren, zeigen, wie Beamte und Arbeiter ihren verantwortungsvollen Dienst ver­richten, beseelt von dem Wunsche, daß die, denen so der Betrieb der Balm offen gelegt wir-, sich ein eigenes Urteil bilden, ob nicht überall

ein unverkennbarer Auffchwung zu verzeichnen ist! Die Reichsbahn ist auf Sfr!* ttk gefaßt, sie ist dankbar für jede Anregung ... beiden kann sie nicht enttaten! Die Reichsbahn hat die Absicht, zu zeigen, wie der Verkehrsdienst sich abwickelt. Die Eisenbabnwirffchaft Will und wird wieder hochkommen, sie wird es erreichen, dem Verkehr möglichste Vervollkommnung zu­geben und so der Wohlfahrt des ganzen Landes zu dienen ...! Wie diese Absicht gestern verwirk­licht wurde, darüber soll besonders berichtet wer­den, jedensalls fanden die offenen Darlegungen des Präsidenten unserer Reichsbahndirettion all­gemeines Verständnis und Anerkennung!

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Eigenbetrieb der Bahn.

Kündigung der privaten Wagenausbesserung.

Nach Beendigung des Krieges wurden zahf« reiche Pridatwerke vorübergehend und aushilfs­weise zu Ausbesserungsarboiten an Eisen»! babnfaürzeugen herangezogen. Es sollten; hierdurch die großen Kriegsle^iden an den Eisen­bahnfahrzeugen in kürzester Zeit aufgearbeitet, für diese Werke neue Arbeitsmöglichkeiten schnell geschaffen und bei dem großen Arbeitsvorrat weitmöglichst Arbeitskräfte zweckdienlich im In­teresse der Volkswirtschaft ausgenutzt werden. Bei der ß uterwagenausbesserung wurde mit Ab­nahme des Arbeitsvorrates seit Ende 1921 die Ausbesserung von Reichsbahngüterwagen in der Privatindustrie bereits eingeschräntt. Sämtliche, Werke sind seit dieser Zeit wiederholt darauf Bin» gewiesen worden, daß bei einem weiteren Rück­gang des Ausbefferungsstandes die Reichsbgbn- güterwagenausbesserung im Jahre 1922 mit Sicherheit eingestellt werden würde. Der Arberts» anfall ist. wie vorausgeseben. zurückgegangen, wesbalb die Einstellung der Privatausbessemnz an Reichsbahngüterwaoen jetzt erfolgen munie, um den Werkstätten Schutz vor Arbeitslosigkeit