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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Rümmer 298.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Donnerstag, 21. Dezember 1922. Fernsprecher SSI und 952

Sie Hoffnung auf Hilfe war verfrüht.

gen Euro

n könne und Mittel

inen

gekommen zu sein. Endlich erklärte Poincarö, daß die franzöfffche Regierung sich dieser Lösung des Reparationsproblems widersetzen werde.

Verwässerte Hoffnungen.

Es kommt kein Wunder an« Amerika.

Rückkehr des amerikanischen Botschafters.

London, 20. Dezember. (Eigene Drahtmel- düng.) Der amerikmiische Botschafter in Berlin kehrt heute auf seinen Poften zurück. Lord Derby ist gestern ans Paris mich London zu- rückgekehtt. Heute wird er eins Unterredung mit Bonar Law haben, den er über seine Be­sprechung mit Poincarö unterrichten will.

Amerikanischer lASrüstungs-Dorschlag.

Newyork, 20. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) Eine Erklärung des Senators B o r a h lautet: Falls Amerika daran Mitwirken soll, die Reparattonssunnne tu ermäßigen, und die Re- partionssumme zu ändern, müsse es darauf dringen, daß alle Landmächte ihre L a n d - streitkräfte l,eradscsten. Die Verträge, die auf der Washingtoner Konferenz abgeschlos­sen wurden, müßten garantiert werden. Die Geheimverträge müßten veröffentlicht werden. Das ist eine Mahnung an Frankreich.

streng geheim gehalten. Alles, was über angeb­liche Pläne dieser Art bisher veröffentlicht wur­de. beruht nur auf Vermutungen. Als authen­tisch habest lediglich die Erklärungen zu gelten, die Poincarö am Freitag in der Kammer abgab.

für eine Anleihe zur Verfügung zu stellen. Man solle nicht an ein Wunder glauben, das aus der neuen S&elt für die alte käme. Präsident Holding ist sehr ungehalten darüber, L.'.ß in Europa allerhand Gerüchte daran geknüpft lind, paß er tatsächlich eine finanzielle und wirt- schaftlillfe Intervention in Europa beabfichttge. Ter Präsident kennt noch nicht die Stimmung des Senats, der zum großen Teil jeder^ Ein­mischung feindlich gegenübersteht. Der Opti- mismus, der in den letzten Tagen in Europa an die amerikanische Hilfe geknüpft wurde, fei durch­aus nicht in dem zutage getretenen Maße begrün­det. Es seien noch ganz außerordentlich schwierige Fragen zwischen den Regierun­gen der Alliierten zu klären, bevor irgend eine Löfting ernstlich ins Ange gefaßt werden könnte.

(Eigener Trahtbericht.)

Berlin, 20. Dezember.

Nach einem Telegramm aus Newyork, das im Laufe der Nacht in London eingetroffen ist, hat der amerikanische Bankier Morgan erklärt, daß es ibm unmöglich sei, eine noch so kleine Anleihe für Deuffchland aufzulegen, solange die Verbün­deten und Deutschland sich nicht über das Repa- rationsvroblem geeinigt hätten. Es wird in offi- zielleu Kreisen bestätigt, daß die Regierung der Bereinigten Staaten sich' genötigt sefehLt-hot.-tzie Kanzleien Europas zu benachrichtigen, daß !A m e r i k a gegenwärtig nicht den H o f f n u n-

Voincarss 2-bfthnung

Paris, 20. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) Poincarö empfing die amerikanischen Zeitttngsvertreter in Paris und erklärte ihnen, Frankreich werde keinen neuen Plan annehmen, der auf eine Räumung des Rhein­landes in der nächsten Zeit hinauÄaufe. Eine Abänderung der Seftimmungen des Ver - sailler Vertrages, der eine fünfzehnjäh­rige Besetzung Vorsicht, dürste nicht vorgenom­men werden. Fm Vertrage ist nur dieMöglich­keit" einer früheren Räumung vorgesehen. Was die Meldung über die amerikanischen Anleihe-

Sine Mission deo Bankiers Melchior.

Paris, 20. Dezember. (Eigene Drahtmel- düng.) In hiesigen parlamentarischen Kreisen verlautet, daß der Hamburger Bankier Melchior in den letzten Tagen in Paris gewesen fei, um Vorfchläge zur Löfung des Reparations­problems zu unterbreiten. Er habe einen Bor- schlaq überreicht, worin als Gesamtsumme der Reparationszahlungen zwanzig Milliarden Goldmark genannt würde.

Frankreichs Widerstand.

Die französisch« Regierung ist skeptisch.

(Eigene Drabtuttlduna.)

Paris, 20. Dezember.

Die ftanzöstsche Regierung betont nach wie vor, daß ihr amtlich von den Washingtoner Vorschlägen nichts bekannt sei. Weder ihr Botschafter in Washington, noch der hiesige ame­rikanische Botschafter hätten irgendwelche Mittei­lungen von Washington über die genannten amerikanischen Revarationspläne erhalten. Nach wie vor steht die französische Regierung dem ganzen Plänen ziemlich skeptisch gegen­über und gibt infolgedeffen auch ähnliche Jn- ftruttionen an die RegierungSpreffe, die fort­fährt, die gesamten Projette wenig fwupathisch zu begrüßen. Blättermeldunaen zufolge hat Amerika an Frankreich einen halbamtlichen Vor­schlag zur Bildung einer neutralen inter­nationalen Kommission gemacht, die in der RepanttionSfrage vermitteln könnte.

plane für Deuffchland anlange, so schgji diese in der Pariser Presse veröffentlichten Pläne aus Deutschland über Newyork nach Frankreich

Vlüne um die VsSnber.

Paris, 20. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) An ftanzösischen amtlichen Stellen wur­de gestern erklärt: Die Pläne Poincarös für die BesÄrfstwg produktiver Pfänder werden

(Sin Erwerbslosen - Krawall.

Stil»«»» im Weimarschen Landtag.

(Privat-Telegramm.)

Weimar, 20. Dezember.

In der gestrigen Sitzung des Landtags kam eS bei dem Antrag der Sozialdemokraten und der Kommunisten betreffend Erhöhung der Er- werbslofen-Unterstützung und Ergrei­fung anderer Hilfsmaßnahmen aus den beiden von Erwerbslosen aus ganz Thüringen überfüll­ten Tribünen zu unerhörten Ausfchreitun- g e n. Als der Präsident geschäftsordnungsmäßig bekannt gab, daß der Anttag morgen behandelt werden falle, erhob sich' ans den Tribünen ein ungeheurer Lärm, der jede Aeutzerung des Präsidenten und der Minister unmöglich mackste. Die Demonstranten verlangten die fosortige Be­ratung und Beschlußfassung. Trotz wiederholter Mahnung des Präsidenten zur Ruhe tobte die durch die vorausgegangenen Reden der komm» nistifchen Abgeordneten Dr. Neubauer und Zim­mermann aufgeregte Masse weiter, fo daß die Sitzung abgebrochen und ein Zug Lan- despolizei requiriert werden mutzte, um die Tribünen zu räumen. Die Demonstranten fetz­ten ihre Kundgebung aus dem FürftenplaU vor dem Lantstagsgebände fort, wobei der Aboeord- netc Reubauer von den Stufen des Denkmals abermals eine aufreizende Rede hielt. Schließlich aber wurde der Fürstenplatz durch Landespolizei vollkommen abgesperrt.

Nüchterne Rechnung.

Die Kredttpläue.

Die plötzlichen Nachrichten von den Plänen der amerikanischen Kredithilfe für Deuffchland haben große Hoffnungen geweckt. Allerdings ist der Markbesserung schon wieder eine Av- schwächung gefolgt, die darauf hinweist, daß der Umschwung nicht so schnell geht. Es kommen sowohl aus Mnerika als auch aus Frankreich Meldungen, die vorläufig noch Schwierigkeiten erkennen lassen. Zwar hat Poincarö einen bedeutsamen Rückzug angetreten. Es ist ein bemerkenswertes Zeichen der Zeit, daß nicht nur Poincarö, sondern auch eine ganze Reihe natio­nalistischer Abgeordneter in der Kammer und in aller weiteren Oeffentlichkeit erklären können, daß Frankreich weder eine Annexion des Rhein­landes, noch eine militärische Besetzung des Ruhrgebietes erstrebt haben und daß die ftan­zöstsche Politik überhaupt nicht auf Gewalt­anwendung gegen Deuffchland hinziele. Es ist jetzt nicht die Zeit, um zwischen Worten und Ta­ten dieser französischen Polttiker zu rechten. Wir wollen ihre Erklärungen als Beweismittel bes­serer Einsicht hinnehmen. Aber das muß man doch aussprechen, daß die französische Wirtschafts­lage heute eine derartige ist, daß es sehr wohl verständlich wäre, wenn das große Ziel der fran­zösischen Politik, das ganz unzweifelhaft auf die Rheingrenze drängt, zurückgestellt wird zugun­sten der Neuordnung der Dinge im Innern. Frankreichs Finanzen tteiben einem Punkte zu, der die größten Gefahren in sich birgt.

Die Umkehr der französischew Politik ist nun aber mit eine der erste 'N HörM'F- fetzungeu für die tätige AffteisisiMW ft rikas an den europäischen und an .den'MffW' Dingen. Darüber ist gar fein ZMisiw- AM Amerikanern fÄlt es gar nicht ein'.. liardenbeträge für eine Reparationsanleih - M zugeben, wenn sie befürchten müßten, daß diese amerikanischen Gelder zur Stärkung der ftanzösischen Mlitärmacht benutzt würden. Der Enffchluß Amerikas, seine Truppen noch am Rhein zu lassen, trotzdem die Vorbereitungen für die Zurückziehung schon vollständig getroffen wa­ren, steht in enger Verbindung mit den jetzigen Vorgängen Amerika will sich die Kontrolle nicht entwinden lassen, die ihm unerläßlich er­scheint, wenn es mit seinen finanziellen Mitteln auf dem Kontinent sich festlegt. Der amerikanische Kreditplan geht also einmal von politischen, zum Zweiten aber auch von geschäftlichen Voraus­setzungen aus. Sie politischen sind eben angedeuiet worden, sie liegen, in der grundsätz­lichen Umkehr der Einstellung und Taktik der Polittk der europäischen Kabinette. Ohne be­stimmte Garantien von französischer Seite wird Amerika nichts in die Wege leiten. Andererseits muß aber auch die Entente be­stimmte Garantien bieten. Sie liegen in dem Verzicht der Mierten auf hie General-Hvpo- rhek, die ihnen auf Grund des Versailler Ver- traas auf allen deutschen Besitz zusteht.

Die wirtschaftlichen Voraussetzungen, von denen Amerika ausgeht. bestehen in der Bürgschaft der Entente dafür, daß Deuffchland nicht etwas zugemutet wird. Ms seine Lei- stungsfährgkeit übersteigt oder was Deuffchland wirtschaftlich zu knebeln oder zu Grunde zu eichten geeignet wäre. Amerika ist sich sehr wohl be­wußt, daß ein wirffchaftlich erdrosseltes Deutsch­land eine Gefahrenquelle für die Wirtschaft des ganzen europäischen Kontinents abgibt. Unter Erfüllung der eben gezeichneten Voraussetzungen wäre Amerika nach den Mrformationen, wie sie lis jetzt vorliegen, bereit, dem Deutschen Reich den Kredit von eineinhalb MMarden Dollar, also sechs MMarden Gokdmark, zu eröffnen. Man muß beachten: Es würde sich nicht um eine Anleihe, sondern um einen Kredit handeln Dieser Kredit würde nicht der Entente, sondern Deutschland eingeräumt. Das bedeutet, daß Amerika nicht der Entente Barzahlungen zukom­men läßt, sondern, daß Deutsttzland instand ge­fetzt werden soll, seine Vervflicktungen den Alli­ierten gegenüber auf Grund dieses Kredits zu erfüllen.

Die Summe soll aufgebracht werden unter führender Beteiligung äinsrikanisitzer Groß­banken, die an die Spitze eines fttternaffo- nalen Finanzkonforffums sich fiellen wurden. Daß bei solötzer Führung die Banken der übrigen hockvalutarffchen Länder nicht fehlen werden, darf man Wohl als sicher annehmen. Amerika wäre bereit, die Hälfte, ja fogar zwei Drittel der Krediffummc für sich allein zu übernehmen. Die Sicherungen sollen gewährt werden durch die deutschen Zölle. Der Kredit soll auf eine Dauer von zehn Jahren bearenzt werden. Fnner- halb dieser Frist soll Deutschland versuchen, sich von den Lasten insoweit frei zu machen, daß feine Produktion instand gesetzt wird, ohne Hilfe von außen, die dann nrxf> notwendigen Schuldsum­men aufzubrwgen und zn fflgen.

Rechnerifrb nüchtern müssen diese Dinge betrachtet werden. Es wäre ein verhäug- niK-Eer Fehler, wollten wir nach, dem tiefen

Deutschland und Amerika.

Botschafter Wiedfeldt bei Bankier Morgan.

(Eigener Drahtbericht.)

Newyork, 20. Dezember.

Bon Seiten der Morganbank wurde dem deutschen Botschafter mi-geteilt, daß an die Möglichkeit einer Anleihe für Deutschland erst nach der Regelung der Reparationsfrage zu denken sei, daß also in eine geschäftlich prak­tische Erörterung der Frage erst eingetreten wer­den könne, wenn aus der bevorstehenden Pari- serKonferenz anfauq F a n u a r die Grund, läge dafür geschaffen werden. Morgan erklärte daß ihm viel daran gelegen fei, Deuffchland zu helfen und daß sich seine Halttlng seit der Ban- tierlonfercnz im letzten Juli nicht geändert habe. Die gegenwärtige Lage sei aber derart, daß der Mau Anleihe erst dann in Betragt ge,zo­gen und besprochen werden könne, wenn in Paris eine Regelung der Reparationsfrage gefunden worden sei. Fm übrigen verwies die Bank im- mer wieder darauf, daß auch Präsident Har­bin q davor warnte, zunächst allzu optimi­stische Hoffnungen an das Anleiheprojekt zu knüpfen, da man über die vorläufigen Erhebun­gen noch gar nicht heraus gekommen fei. Vor allen Dingen, fo wurde fettens der Finanziers crttärt, bestehen auch noch Zweifel über die von Deuffchland zu fordernden Garantien. Amerika wünfche vor allen Singen eine erste Hypothek auf alle deuffchen Staatseinnah­men, darunter Zölle, Steuern, Ausfuhrzölle usw.

Pessimismus, der in letzter Zeit bet uns Platz S'fen hat, uns einem rosaroten Optimismus >en. Dafür liegt fürwahr kein Grund vor. Amerika oder wenn irgend Jemand uns einen Kredit gibt, so soll ein Geschäft dabei herauskommen. Im übrigen werden ja auch die Sicherheiten derart sein, daß wir des geschäft­lichen Charakters der Operation schon noch nach­drücklich genug bewußt werden. Aus reinem Idealismus oder aus Humaniiätsempfinden heraus hilft man uns nicht. Das darf uns aber nicht daran hindern, jede derartige Hilfeleistung, die auf vernünftiger, geschäftsmäßiger Grund­lage sich aufbaut und auf die Lebensmtereffen Deutschlands gebührende Rücksicht nimmt, zu be­grüßen und ihr durch unsere eigene tätige Anteil­nahme den Wert beizumessen, ben wir erwach­sen sehen möchten. Die Hoffnung auf Amerika ist die einzige, die uns noch geblieben ist. Wenn sie auch jetzt wieder einmal enttäuscht werden sollte, dann ist Deuffchland und Europa nicht mehr zu helfen. J. B.

Folgen des Mangels.

Auswander» oder Aushunger«?

Wohin der auf allen Gebieten in Deuts», lanb bestehende Mangel, die Knappheit an 9ta6rnngSmitteln und Gebrauü>«g«genstüu< den, geführt hat, zeigt folgende Ausführung, Vor der furchtbaren Alternative Auswandern oder Aushungern stehen zurzeit etwa zwanzig Millionen Deutsche, die nach einem in Versail­les gefallenen Wort bekmmtlich heute noch zu viel auf der Welt sind Anläßlich der machtvol- len Kundgebung der deutschen Spitzenge- werkschaften gegen den Veffailler Frie- densvertrag im großen Saale des Reichstages befaßte sich im Rahmen eines sehr inhaüreichen Referates der angesehene Gewerkschaftsführer Knoll mit dieser die deutsche Arbeiterschaft ganz besonders angehenden Frage nach Sein oder Nichtsein unseres Volkskörpers. Seine schlichten und klaren Ausführungen über dieWirkung des Friedensvertrages auf die deutsche Wirt- schafff gingen von dem an sich gewiß absurd an- mutenden Gedanken aus, daß dieser Frieden in Abwandlung eines befannten Wortes in der Tat nichts anderes fei, als die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. An Hand eini­ger besonders bezeichnender Beispi^e skizzierte der Redner sodann den rasenden Verlauf unse­res VerelendungÄ-Protzesses von Versailles bis zum heutigen Tage, zählte noch einmal die uns auferlegten Lieferungslasten, die Enteignungen und Abtretungen, die geldlichen Wiedergutinachungsziffern ufw. auf, beleuchtete unsere unglückliche wirtschaftliche Lage, die selbst eine trügerische zeitweilige Scheinblüte vor den­jenigen, di« wirklich ernsthaft zu sehen sich be­mühen, nicht mehr ®tf die Dauer verberge- kann, und kam M dem überaus traurigen Schluß, daß die heutige Friedenspolitik unterer ehemaligen Feinde die schnellste und gründ­lichste Erfüllung des eingangs erwähnten schänd­lichen Wunsches gewährleiste. Deutschland ist in der Tat heute, ökonomffch gesehen,

ein übervölkertes Land;

es tarnt aus eigener Produktion nur etwa trier^ zig Millionen Menschen ernähren, während es sechzig Millionen umfaßt. So müssen sich in Deutschland drei Menschen mit derselben Nah­rungsmittelmenge begnügen, die vorher zwei Menschen zur Verfügung gestanden hat. Unsere heutige noch so hingebende und aufopfernde Ar­beit so weit sie zu Gunsten ver rastlos mi- schwellenden Reparationsforderung en geschieht, vergleicht der sozialistische Führer recht volkstümlich mit verhaßter Zuchthaus­arbeit, die feinen Segen bringen wird. Zwi­schen den beiden Fragen: Auswandern oder Aushungern? gibt es kein Mittelglied. Die' Auswanderung so großer Volksmassen ist ökonomisch so gut wie undenkbar; so also wird der zweite drohende Begriff uns zum Schicksal, wenn und hier fand der Redner starke und aufrechte Worte, die ihn zum berufenen Spre­cher des gesamten deutschen Volkes mochten wenn wir nicht die Revision des mordenden Friedensdittates dnrcbznfetzen vermögen. Jin Namen der Menschlichkeit und unter feierlicher Berufung auf die uns bindend gegebenen Ver­sprechen beim Abschluß des WaffenstiMandcs muß aus den Tiefen des ganzen Volkes heraus flammender Protest gegen die uns angetane ungesetzliche Pergewaltigung eingelegt werden. Der minutenlange lebhafte Beifall zeigte dem Redner, daß die Massen des Werktätigen Volkes in dieser lebenswichtigsten Frage hinter ihrem Führer sieben. Im Kampf der Menschlichkeit und des Rechtes gegen die wirtschaftliche und kulturelle Verfflavung unseres Volkes durch das Gewaltdiktat von Versailles bedeutet diese Kundgebung einen wichtigen und auch von un­seren ehemaligen Feinden nicht zu übersetzenden Markstein. Möge diese Volksstimmung bei dem fetzigen Umschwung in den westlichen Ländern gebührende Beachtung finden.

Die Umsatzsteuer.

Einspruch gegen di« Erhöhung.

Vom Hanla-Bund wird uns geschrieben: G e gen den Plan der Erhöhung der Umsatz­steuer auf zweieinhalb Prozent und den Antrag des Deuffchen Städtetages, sogar drei Prozent Umsatzsteuer zu erheben, bat der Hansabund un­ter .dinweis auf die katastrophale Preisgestaltung und die Ueberlaftung der Wirtschaft mit Steuern Einspruch erhoben. Angesichts der steigenden Wiedertzeschaffungspreise sieht der Hansabund in der Umsatzsteuer keine Möglichkeit der Abwäl­zung. Die Umsatzsteuer ist die roheste Stener- fcrm, die keinerlei Rücksicht auf Ertrags- oder LeiftunassWbiqkeit des Steuerpflichtigen nehmen kann. Gleichzeitig weist der Hansabund aus die Taffache hin, daß die von den Konsumvereinen beantragte Umsatzsteuerbefreiung der Genos­senschaften dem Reich einen S1 eueraus- f a 11 von fünf bis sechs Milliarden Mark auf Kosten von Handel, Gewerbe und Industrie ver-