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Hessische Abendzeitung

Mittwoch, 13. Dezemver 1922.

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang

Kein Ergebnis in London

Die Äahlungs-B-reMyMigkM.

Berlin, 12. Dezember. (Privattelegramm.) Als Gegenleistung von den Alliierten verlangt die deutsche Regierung für se eine Milliarde Jn- landsanleihe und einundeinehnlbe Milliarde Ausländsanleihe ein weiteres Jahr ZahlungS- stundung. Tiefe neuen Vorschläge, die in dem Verlangen eines Zablnngsanffchubs von fünf Jahren gipfeln, sollen so angewandt werden, daß die Bereitwilligkeit Deutschlands, iede Gelegenheit zur Regelung der RcparationS- frsfle -u benutzen, bewiesen wird. Die Regie­rung ist mit genaueren Vorschlägen als in der Nate vom 13. November hervorgetreten. Sie will damit zu dem ins Auge gefaßten 3iel einer end­gültigen Reparationsregelung die Brücke schlagen

fetzen, und zwar mit einer Beschleunigung die -S ermöglicht, eine Entscheidung noch vor trm 15. Januar, dem Tage des Zusammentritts der Brüffeler Konferenz, zu treffen.

Tas Kabinett nahm Kenntni svon den bisher gemachten Vorschlägen auf der Konferenz her Ministerpräsidenten, d e von Poimare und Mus­solini vvrqetragcn worden waren. Bride Vor­schläge bedürfen noch weiterer Erörterung. Der Vorschlag Poincar^s, der einschneidende Matz- nahmen in sich schließt, und der Vorschlag von Mussolini, den man ebenfalls in der jetzigen Form für nicht annehmbar hält und auch der deutsche Vorschlag wurden eingehend geprüft. Auch der letztere wurde für nicht befriedi­gend befunden. Da die von Bonar Law auf der Konferenz gemachten Gegenvorschläge aber von Poincare alsnichtannchmbar bezeich­net wurden, hielt es Bonar Law für notwend g. stch mit seinen Kollegen zu beraten, bevor die Konferenz weiter geführt wird. Bonar Law sprach sich dahin aus. daß er als das Hauptpro­blem der ganzen Reparationssrage

die deutschen Schuldscheine

gnfertion«pretfet a) Einheimische Aufträge: Die einspaltige An;eigenze!le M. 25., die etuspalttge R-klamezetle M. T5,. b) AuSwärttge Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile M. 25.-, die einspaltige Retlame-ell- M. 75., all-S einschließlich Teuerunzs,Uschlag und Anretgenfteuer. iiür Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Riqttgkett aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme- baten und Plätze tarnt eine »ewähr nicht überuommen werden. Druüeret: Schlacht- Hofstraße 2H/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5, Telephon Nummer 951 und 952.

Das Wichtigst«, aber auch was an unsere ma­teriellen und moralischen Kräfte die stärksten An- fordemlngen stellen wird, sind die Bürgschaf­ten, unter denen ein derartiaer Zablungsauf- schub erkauft werden müßte. Wir hören darüber nun noch Näheres: Fantteich fordert als Garan­tie für einen Kredit von nur einer halben Mil­liarde ^Goldmark, für welchen auch noch in glei­cher Höhe Reichsbankgold zur Verfügung gestellt werden müßte, ein volles Viertel des Wertes der deutschen Ausfuhr. Außerdem sollen auch noch die Zolleinnahmen als Garan­tie dienen. 'Zum Dritten aber wird eine Kon­trolle der Ruhrbergwerke verlangt. Man müßte die französische Mentalität schlecht kennen, wenn man nicht gerade die letztere For­derung als die für Frankreich wichtigste und zwar vorwiegend aus politischen Gedankengän­gen heraus ansehen würde. Eine derartige Berg­werkskontrolle wäre eine Etappe des Wirt- schaftskrieges, eines Krieges, der zwar nicht mit blutigen Waffen geführt wird, aber . ilicht minder verheerend wirken müßte.

Damit aber noch nicht genug: Heber Deutsch­land soll eine förmliche Vormundschaft ein­gerichtet werden Das soll geschehen durch eine Finanzkontrolle, die in Verbindung mit ®e.r .^vtroll« über die Eingänge der deutschen Elnstihr und der Zölle zu einer finanziellen und wirtschaftlichen Zwangsjacke werden würde Die interalliiert- Finanzkontrolle, die Oesterreich auf sich zu nehmen hat. soll ihr Gegenstück in Deutsch­land erhatten und immer noch sollen im Hinter­gründe die Zwangsmaßnahmen, die strafen*, drohend sieben, die in Anwendung gebracht werden sollen für den Fall, d-r- land, wie es immer wieder heißt:Mangel an gutem Willen" zeigt!

Prüft man die Bürgschastsforderungen der Emente. dann ergibt sich ohne weiteres, daß ihre Schwere in keinem Verhältnis siebt zu den Lei­st u n g e n, die trotz allem Deutschland aufbrin­gen muß und auch aufbringen will. Die deutsche Reichsregierung hat sich bereit erklärt, eine in­nere Goldanleihe aufzulegen und von ihrem Erfolg die Dauer des Moratoriums ab­hängig zu machen. Von dem Ergebnis dieser inneren Anleihe und der Art und dem Maß der Mitwirkung der sachwertbesitzenden Kräfte, ins­besondere der deutschen Industrie und Wirtschaft, wurde es dann abhängen, ob zu einer au sw ör- ! tiaenAnleihe geschritten werden könnte, die

irrten Ministrrprüfidentrn «nterbrochev, um den englischen Premierminister in die Lage zu versetzen, stch mit seinen Kollegen im Kabinett zu besprechen ES fand dann ein WAisih-r K <--- nettsrat statt, der über die Lage beraten Hai.

Die Kasseler NeuestenNachrichten erscheinenwöchentlich sechsmal und zwar ad endS. Der AbmmementSprels beträgt monatlich sog- Mart bet freier Zustellung ins Hau«, in der Geschäftsstelle abgetzoll 390. Mart monatlich. Auswärts durch die Post belegen 400. Mart monatlich eirisch! Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Druckerei ^teitag und Redattion. Schlachthofstraße 28/30, Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redattion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des SezugsgeldeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschlosfen.

D!e ergebnislose Konferenz.

Alle DotfchlSge find abgelehuL. (Eigener Drah^bericki.

London, 12. Dezember.

Gestern wurden die Besprechungen der alli-

Was Dmtfchlanö vorschlug.

Berechtigte und bescheidene Forderungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 12. Dezember.

Die Reichsregierung ist noch ohne amtliche Mitteilung aus London, wie die durch Staatssekretär Beran:, nn mit dem bekannten Briefe des Reichskanzlers Cuno überreichten Vorschläge ausgenommen worden sind. AuS diesem Grunde ist sie auch nicht in der Sage, amt­lich den Wortlaut des Briefes mitzuicilen, doch wird heute auf Grund englischer Quellen die in dem Briese gemachte Mitteilung im wesentlichen bestätigt. Danach verlangt die deutsche Regie­rung die Bewilligung eines Moratoriums auf mehrere Kahre und die Anerkennung Deutschlands als eine im internationalen Han­delsverkehr der Meistbegünstigung teil­haftige Nation. Wenn dies bewilligt würde, er­klärt sich die deutsche Regierung bereit, eine in­nere und äußere Anleihe auszunehmen und zwar soll für die innere Anleihe Steuerfreiheit und Amnestie für die verbotene Kapitalflucht ge­währt werden. Für beide Anleihen soll der Zinsfuß vier Prozent betragen. Außerdem sol­len sie zu % Prozent amortisiert werden. AlS Sicherheit für die Zinsen gelten die Goldein- fuhrzöllc. Der Ertrag der äußeren Anlei- h e soll wie bereits vorher bekannt geworden ist, insgesamt zu Reparations.zwecken, der Ertrag der inneren Anleihe zur Hälfte zur Reparati­onszahlung und zur anderen Hälfte zur Berei­nigung des Budgets dienen.

Hßffe der Industrie.

Zahlungen, aber Veseitigung der Besetzung! 'Eigener Dtahtbericht.)

Berlin, 12. Dezember.

In der heutigen Morgenausgabe veröffent­licht dieDeutsche Allgemeine Zeitung" im Leit­artikel ungefähr Folgendes: Es ist wichtig, im Augenblick zu betonen, daß die d c u t f ch e I n - du st r ie bereit ist, ihre Hilfe und Unterstüt­zung zu jeder wirklichen Lösung des R e p a rationsproblems zu bieten, da sie sich be­wußt ist, daß Deuffchland den Krieg verloren hat und Zahlungen leisten muß. Die In­dustrie wünscht ferner, daß die zerstörten Gebiete in Rordfrankreich anfgebaut werden, aber ebenso wichtig ist die Betonung deflen, daß die deutsche Industrie eine endgültige Berei­nigung der Athmosphäre erstrebt, um das Damoklesschwert immer neuer Gewalt­drohungen und Retorsionen endgültig b e feitigt z« wissen. Nach unserer Ansicht kann ein Ausweg aus dem Labyrinth der Reparatio­nen nur darin zu ftnden sein, wenn folgende Gesichtspunkte berücksichtigt werden, weil ande­rerseits die gesamte europäische Kultur znsam- menbrechen muß: Die einseitigen Dikta - i e muffen aufhören, es nchflen Verhandlun­gen stattsinden, die Gleichberechtigung der deut­schen Wirtschaft ist wieder herzustellen und zu diesem Zweck ist die Räumung der besetz­ten Gebiete zu fordern, um die Milliar- denlasten der Besatzung zu sparen! Aber auch außer den genannten Gründen spre­chen psychologische Gründe für die endgültige Regelung der Reparationsfrage. Weiterhin ist eine zahlenmäßige Festsetzung der Summe not­wendig, die Deuffchland letzten Endes zu zah­len hat. Das L.att kommt zu dem Schluß: Die Politik der unbegrenzten Erfüllung mutz aufhören

selbstverßändlich tat Hintergründe bereit gehal­ten werden muß, wenn Deuffchland trotz aller Anstrengungen nicht zusammenbrechen soll. Deuffchland will aber weiterhin nicht nur fünf­hundert Millionen Gold aus seinem Bestände zur Verfügung^stellen, um die auswärtigen Kre­dite sicherzustellen, es will aus den Erträgnissen den allergrößten Teil für die Befriedigung Frankreichs auf Grund der Reparationsforderun­gen und nur einen kleineren Teil zur Stabili- siernng der Mark also für innere Zwecke, ver­wenden. Dafür soll Deuffchland nun außer dem Reichsbankgold auch noch ein Viertel seiner ge­samten Ausfuhr und die Zolleinnahmen hin­geben, und außerdem einer Kontrolle der Rubr- bergwerke zuftimmen, und damit gerade diejenige Quelle seiner Produktion in Adhäniakeit kommen laffen. die allein noch die Kräfte für die

j Sine starkb-suchte Versammlung der Leiter

«Her Moirereieu in Kesten, von Niuteln bi« Fulda, die sich mit der Lage der Molkereien , befaßte, war geeignet, die ganze Frage der

______ Milchversorgnng der StadtKaflei anfzurollen Brischte und Aussprache der Molkerei-Tagung in Kassel waren trübe gefärbt. Sie gipfelten in einer Forderung, die Regierung zu ersuchen, den > wilden Bntteraufkauf zu verbieten und den Butterauffauf zu konzessionieren, sodaß nur zuverlässige Leute zugelassen werden, den Bul- ; ierauffauf zu betreiben. In der Tat durchziehen 1 alle möglichen Elemente das Land und hier und 1 da ist schon der Versuch gemacht worden, Be- : helssmolkereien aufzumachen, Handmolkereien, derenVäter" sich bemühen, die Milch der gro­ßen Güter aufzukaufen, um sie dann zu verbut­tern. Die revolutionären Erscheinungen auf dem Gebiete der Milchversorgung sind eben auf die Entwicklung der Fettpreise zurück- 1 zuführen. Im Frieden stand der Preis der Milch zu dem der Butter in einem bestimmten Verhältnis und zwar 1:10 und alle Fachleute erklärten, daß die Wiederhefftellung dieses Stan-! des angestrebt werden muß, weil sonst die un-' geheuerliche Gefahr besteht, daß die mittleren und kleineren Landwirte zur Verbutterung der gesamten Milcherzeugung übergehen. Die But­ter wird ihnen zu höchsten Preisen aus dem Hause weggeholt und geht Go;tt weiß wohin. Nach Kassel kommt ihr Gros jedenfalls nicht. Man kann sich drehen und wenden wie man will, dar­über gibsis kein Hinwegkommen: Die erwähnte Gefahr, die eine Katastrophe bedeutet, kgnn nur verhütet werden, wenn dem Landwirt die Mög­lichkeit gegeben wird, auch auf dem Wege der Frischmilchlieferung gewinnbringend abzuschnei­den. Deshalb ist es das Bestreben aller in Be­tracht kommenden Faftoren, diesen VerhMnis- satz langsam anzubahnen. Kassel ist jetzt in dessen Nähe angelangt und man darf hofstn, daß es gelingt, den gestern in Kraft getretenen neuen Milchpreis etwas halten zu können, wenn... nicht andere Städte einen Strich durch unsere Rechnung machen. So ist nun einmal die Lage: Gehen wir in Kassel mit den Milchpreisen nicht mit, und gehen Westsalen, Frankfurt und Han­nover weiter vor, dann wandert.die ganze Milch ab, die Kassel bisher erhalten hat. Die Milch­frage ist lediglich eine Preisfrage geworden. Das kam auch auf der Tagung der Molkereileiter zur Aussprache. Mit einem Appell an die reine Vernunft ist eben nicht wei- terzukommen. Der

Rückgang der Kasseler Milchbelieferung ist, wie ich an zuständiger Stelle erfragt habt,' enorm. Wir müßten 20000 Liter Milch haben, nur um Kinder bis zum 6. oder 7. Jahr, Kranke, hoffende Mütter usw. ordnungsmäßig zu belie­fern, erhalten aber nur knapp 12000 Liter ge­genüber einer Friedensversorgung der Stadt Kassel mit 6070000 Liter! Bei der Unter» suchung der Ursachen dieser Milchnot fft zu be­rücksichtigen, daß kaum noch ein Landwirt die wahnsinnig hohen Futtermittelvreise anlegt.! während im Frieden die besten Kraftfutter ver­wendet wurden. Dabei ergab allerdings auch ein Stück Vieh eine Jabresleistnng von unge­fähr 2700 Liter. Heute, wo Rüben und sonsti­ger Ersatz verfuttert werden, ist diese Leistung aus 1200 Liter zurückgegangen. Hinzu tritt, daß der Landwirt größere Aufwendungen in der eigenen Wirffchaft zu bestreiten bat. Früher er­warb er Schmalz für die von ihm Angestellten ... jetzt kostet Schmalz fast ebensoviel wie But­ter und deshalb benutzt er die Butter, nach der sich der Städter so sehr sehnt, für eigene Zwecke. Die Magermilch aber verwendet er für die Auf­zucht des Viehs. Ein Moment, das bisher we­nig erörtert wurde, fpielte in der Molkerei- Tagung eine Rolle: Erfassen. Sammeln und Ab- sahren der Milch! Die Stadt Kassel beifpiels- weise hat in ihrem Belieferungsgebiet Bezirks, in denen allein auf die Anfuhr 15 Mark auf ein Liter kommen. Tie Molkereien müssen bei den etzigen Wegeverhältniffen ein Zweispänner- Fuhrwerk herumschicken, daß die Milck von den einzelnen Gütern holt. Oft genug kommt es dann vor. daß ein solcher Wagen dann nur 200 bis 300 Liter hat und... die täglichen Unkosten eines Gespannes (Hafer usw.) ohne Personal­lohn kourmen bereits auf 34000 Mark. Des­halb ist es schon vielfach zum

Einstellen bet Smnmelfuhre» .

Mllch-KalamM.

Die mangelnde Versorgung der Stadt Kaffe!

durch die Fuhrleute gekommen oder aber. . . el werden Preisewerlangt, die von den Molkereien einfach nicht bewilligt werden können, wenn sie verhüten wollen, daß der Milchpreis ins Ufer« lose steigt. Diese Tatsachen lassen sich nicht auS dem Wege wälzen. Eine weitere Gefahr im Anmarsch: Die Maul- und Klanen- e u ch e tritt wieder auf! Hoffentlich nimmt sie, wie es jetzt noch den Anschein hat, keinen bös­artigen Charakter au; sonst kommt es unfehlbar zu einer ernsten Störung der Kasseler Milchver­sorgung. Wie jetzt weiter bekannt geworden ist,

Abgelehnt!

Die Loudoner Konferenz vertagt.

Wenn mm auch nicht viel Gutes von der Londoner Konferenz die sich mit den deutschen Reparationszahlungen und dem interalliierten Lchuldenproblem befaßte, erwartet hatte, so uahm man doch nicht an, daß die Beratungen ,io schnell und ergebnislos zu Ende gehen wür­den. Die weitgehenden deutschen Vorschläge, die das Kabinett Cuno nach London geschickt hatte, wurden schon bei Beginn der Konferenz von Poincars höhnisch zurückgewiesen, und wirklich hat dieser Mann seinen Willen wieder Lurchgesetzt. Er fand dabei besonders Mnffo- llnis Unterstützung. Bonar Law war nicht im» stände, die ^ englische Bereitwilligkeit, den deut­schen Vorschlägen entgegenzukommen, zur Gel- tang zu bringen. Infolgedessen war auch dieser Versuch, endlich Ordnung in den europäischen Finanzwirrwarr zu bringen, zwecklos durch den französischen Fanatismus. Die Konferenz ist abgebrochen und eine neue ist für den 2. Januar in Paris beabsichtigt. Auch die An­wesenheit mehrerer amerikanischer Botschafter in London hat nichts genützt. Frankreichs Gier nach dem Rhein und Ruhrgebiet bedroht uns weiter. Muß denn Deuffchland alle Hoff­nung aufgeben? ,

Die Vertreter Englands, Belgiens und Ita­liens haben sich zwar dem französischen Bekeh­ren auf sofortige Besitzergreifung der Rnhrberg- weffe, wie überhaupt des Ruhrgebietes zur Wehr gesetzt. Aber was will SaS bedeuten? Die drei genannten Mächte würden, worüber wir uns keinen Augenblick räufchen dürfen, in dem­selben Augenblick Frankreich nach dieser Richtung hm freie Hand lassen, in welchem sie zu der Mei­nung kämen, daß es aus allgemeinen wirtschaft­lichen, wie auch politischen Gründen ihren eige­nen Interessen zweckdienlich wäre. Die ganze Stellung, die in London eingenommen wurde, bedeutet für die franzöfischen Forde­rungen, daß sie eine Etappe näher zum Ziele kommen. Man denkt sich innerhalb der Entente die Regffnng der Dinge offenbar in fol­genden Umriffen: Deutschland "soll ein Zahlungs- anffchub von zwei Jahren gewährt werden. Deutscherseits hat man eine viel längere Zeit­spanne für notwendig gehalten Zum mindesten würde nach der Ansicht der Politiker und Wirt­schaftler eine, vierjährige Ruhepause erforderlich fern. Auf einen bestimmten Termin sich aber festzulegen, hat die deutsche Reichsregierung an­gesichts der Situation, wie sie auf der Gegen­seite nun einmal zu beobachten ist, nicht un­ternommen.

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Erhaltung und Feftigung unserer Wirtschaft in sich birgt. Diese Situation zeigt uns, vor wel­chen großen und schweren Entscheidungen wir jetzt stehen, und wie sich die Gestaltung der Re­parationsfrage immer mehr zum deutschen Schicksal herausbildet. is.

i Schatzanweisungen) hält, mit denen dir franzg. fischen und italienischen Schulden zu tilgen sind. England sei bereit, einen Teil seiner Ansprüche an seine Schuldner zu erlassen. Es wird daran erinnert, dost die Höh: der deutschen Repara tionsschuld auf 132 Goldmilliarden fcstgefetzt ist und daß Deutschland anheimgefteltt wird, Schatz anroeifungen in Höhe von 12 Milliarden, 38 Mil liardcn und 82 Milliarden auszngcden. Von die fen Schatzanweisungen sind nur die der Serien A. und B. diskontiert worden, während die C- Obligationen noch nicht ausgegeben worden sind. Das Angebot des englischen Premierministers bedeutet, daß England Frankreich einen großen Teil seiner Schulden erläßt, um dafür irgend etwas einzutauschen, was im Augenblick nicht greifbar ist. England würde nach Befriedigung der ftanzöfifchen und belgischen Reparations- bedürsnisse für eine Zeitlang der einzige Repcrra- tionsgläubiget fein. Das ungefähr war nach der Darstellung der englischen Presse die Situa- ffon, als man am gestrigen Spätnachmittag die Besprechung wieder ausgenommen hat. Es scheint, daß diese Besprechung bann tue letzte Sitzung gewesen ist. Sie dauerte ungefähr 2 Stunden.

Am 2. Januar in Varis.

London, 12. Dezember. (Eigene Drahtmel- dun.) Rach dem amtlichen Bericht, der uack Be­endigung der gestrigen Sitzung ausgegeben wur­de. haben die alliierten Ministerpräsidenten die gegenwärtige Lage des Reparationsproblems überprüft, wie sie sich auch mit der Frage der interalliierten Schulden in Europa eingehend befaßt haben. Der Plan für eine vorläufige Regelung bet Reparationen, der vom deutschen Reichskanzler übermittelt worden ist, wurde ebenfalls erörtert, ober einmütig als unbe- riedigend befunden. Es war den verbün­deten Ministerpräsidenten nicht möglich, zu einem enfcgüitigen Abschluß über die augenblicklichen Erfordernisse zu kommen und man entschied sich dahin, die Bethandlungen abzubre. chen und ar»2.Jan«atjn Paris fottzu-

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