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Nummer 290,

12. Jahrgang.

Dienstag, 12. Dezember 1922.

Fernsprecher 951 und 952

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EM

Beratung des Schuldeuprsblerns in London.

Stabilisierung.

Die Versuche der Reichsregierung.

Die Regierung hat in den letzten Tagen ver­schiedene Verhandlungen gehabt, die sich mit der Außenpolitik und hier vor allem mit dem Re- Parationsproblem beschäftigten. Es ist inzwi- fchen bekannt geworden, daß infolgedessen ein Kemer Ausschuß gebildet wurde, dessen Auf. gäbe es sein soll, in der Außenpolitik grö­ßere Fähigkeit zu zeigen, mit anderen Worten, zu versuchen in der Rep aratio nsfrag e neue Vorschläge auszuarbeiten und die Frage der deutschen Ausland-Anleihe zu für« dem. Auch tn der Regierung ist man bestrebt, die Frage der Anleihe jetzt in Fluß gelangen zu lassen. Die Vorschläge der Sachverständigen, soweit sie sich auf die deutschen Maßnahmen im Innern bezogen, sind bereits verarbeitet. Es wird alles getan, um sie zu befolgen, um das Be. amtenheer herabzufetzen, die Steuern schneller erktzubringen, die Steuern zu erhöhen, alle Zu- schüsse und entbehrlichen Haushaltsausgaben zu streichen, zu sparen, wo es nur möglich ist, und auch, um den Geldumlauf weit es tunlich ist einzufchränken. Bereits jetzt kann gesagt wer­den, daß die deutsche Regierung in der Lage ist. darauf hinzuweifen, daß sie die Vorarbeiten für die Stabilisierung der Mark getan har. Die Markstabilisierung hängt aber von dem gu­ten Willen der Entente ab, und diese wie­derum lehnt es ab, irgendwelche Garantie zu übernehmen, dagegen scheint sie nicht abgeneigi, Deutschland freie Hand zu geben, um selbst Ga­rantien für die Anleihe zu schaffen. Hier wie­derum ist genug von einer geplanten Garantie der deutschen Industrie die Rede gewesen.

Es überrascht jedenfalls nicht, wenn von ver- tchiedenen Seiten in den letzten Tagen die Frage der Garantie durch die deutsche Industrie auf- gerollt wurde. Ein italienisches Blatt behaup­tete, PoincarS werde in London die Anleihe gut- heißen, die ,um Teil für Frankreich, zum Teil zur Stabilisierung der deutschen Mark nützen soll, wenn die deutsche Industrie die Ga­rantie übernehmen würde. Ja, Poinears will sogar immer nach dem italienischen Blatt die Garantie der deutschen Industrie fordern. Wir erinnern uns infolgedessen an die längliche Debatte» nach der angeblich Dr. Stresemann oder ein anderer BoMparteiler dem französi­schen Vertreter in der Reparationskommission den Vorschlag gemacht haben soll, daß die deutsche Industrie die Garantie für die Stabili­sierungs-Anleihe übernehmen solle. Wenn diese Behauptung auch dementiert wurde, so ist sie nicht aus der Welt geschaffen, denn anders ist cz nicht zu erklären, daß jetzt wieder das Gerücht aufkommt, die deutsche Regierung werde neue Vorschläge über die Beschaffung der Anleihe machen und hierbei die Garantie der deutschen Industrie empfehlen. In der deirtfchsn In­dustrie lehnt man es freilich ab, sich in der An­gelegenheit zu binden, man behauptet sogar, von Seiten der Industrie fei niemals ein derartiges Angebot gemacht worden. Nach neueren Mel­dungen habe der amerikanische Senator Mac Cormick die Frage der Garantie der deutschen Industrie in die Debatte geworfen. Sein Wunsch sei es gewesen, auf diese Werse endlich eine Ausländsanleihe zu sichern

Auch der amerikanische Finanzmann Mor­gan vertritt weiterhin seinen Standpunkt, daß die Mark stabilisiert werden könne. Er hält es aber sirr notwendig, daß die deutschen Versuche zur Stabilisierung der Mark durch die Entente unterstützt werden. Er hat in Paris ausdrück­lich darauf hingewiesen, daß nach feinen Ein­drücken Deutschland bereits alle Maßnah­men getroffen habe, um die MarkstaSili- sierung vorzubereiten. Tie Auslandanleihe ist für Morgan das nächste, was geschehen müsse. Und um diese zu erlangen, hat er Frankreich nahegelegt, Deutschland freie Hand zu geben, Garantie für diese Anleihe zu suchen. Im üb­rigen beweist, wie man in politischen Kreisen binweist. der Aufenthalt Morgans in Europa am deutlichsten, daß er immer noch dem Gedanken der Markstabilisierung nachgeht. Denn wenn et eine Stabilisierung für ausgeschlossen halten würde, würd' er als ausaefvrochene Persönlich­keit, sich lange schon nach Amerika eingeschifft haben und nicht weiter in Paris Verhandlun­gen führen.

Der Gedanke, daß die deutsche Industrie Ga­rantien geben soll, wird künftia bei den Verhand­lungen mehr hervortreten. Es ist nicht von der Hand zu weisen,, wenn die Regierungs-Absichten dahin gehen, die Stabilisierungsfraae in Fluß zu bringen, Vorschläge zu machen, die die Aus­sicht auf Gewährung der Ausländsanleihe geben. Zu begrüßen ist auf alle Fälle, daß die ^Regierung nicht Wetter untätig bleiben will. Es soll etwas geschehen. Selbst in parla­mentarischen und industriellen Kreisen erkennt man an, daß die Regierung jetzt zu arbeiten besinne und sich diese Arbeiten, die über die Stagnation der Wirth-Regierung hinüber sind, bereits fühlbar machen. Wenn trotzdem die

Markentwertung anhält, so kann das wenig in die Wage fallen Noch hat sich die breite 2es- sentlichkeit mit den Absichten und Plänen der Regierung nicht beschäftigen können, noch weiß man in der Öffentlichkeit nicht, worauf die Re­gierung hinaus will, noch- weiß jedenfalls auch die Entente nicht, was die deutsche Regierung plant. Mer schon in den nächsten Tagen soll die Regierung in ernste Verhandlungen mit der Entente gelangen und mit Vorschläge kommen, die uns unbedingt einen Schritt weite- führen. Wenn dabei tatsächlich auf die Ga­rantie durch die deutsche Industrie zurück- eegriffen wird und sich die Plaste der Regie­rung teilweise mit den Absichten Poincar's decken, so wäre das zunächst.gewiß der Anlatz zu wetteren parteipolitischen und parteitaktischen Auseinandersetzungen, aber auch im Endeffekt der Ausweg, aus den Schwierigkeiten, die jetzt unser volttischcs und wirtschaftliches Leben so sehr beeinträchtigen. Hg.

Die Londoner Konferenz.

Der französtschs Standpunkt. iEigene Drahtmeldung.f

London, 11. Dezember.

lieber den Verlauf der Sonnabend-Konferenz glaubtHavas" mitteilen zu können: Wie es scheint, konnte der französische Standpuntt dahin formuliert werden, daß Deutschland für zwei Jahre Zahlungsaufschub für seine Repa­rationszahlungen gewährt werden könne. Wäh­rend dieser Zeit müßten aber die Sachliefe­rungen, wenn auch in verringertem Maße, weiter erfolgen. Die deutsche Regierung müßte in kürzester Frist Maßnahmen treffen, uw die deutschen Finanzen zu ordnen. Ein Kredit von fünfhundert Millionen Goldmark, zu dem auch eine gleich hohe Summe aus dem Gold­bestand der Reichsbank kommen müßte, werde Deutschland zur Stabilisierung der Mark zur Verfügung gestellt. Um eine Bürgschaft für die Ausführung dieser Reformen zu besitzen, müß­ten die Alliierten fünfundzwanzig Prozent der deutschen Ausfuhr- und die gesamten Zolleinnahmen erhalten. (!) Ferner müß­ten die Bergwerke des Ruhrreviers kon­trolliert werden. Die Sonnabend-Konfe­renz dauerte zunächst von 11,30 Uhr bis 2 Uhr. Dann traten die Ministerpräsidenten abends wie­der zusammen. Außer der Reparationsfrage wur- den auch die interalliierte» Schulden besprochen.

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Die Soknttags-Beratungen.

London, H. Dezember. (Eigener Draht­bericht.) Heber die Besprechungen der Minister­präsidenten am Sonntag meldet Reuter: Vormit­tags fand keine Sitzung statt, weil die Minister­präsidenten zum König eingeladen waren. Bkus- solini hatte nur kurze Zeit Gelegenheit, mit Bo- nar Law zusammen zu fein. Tie italienischen Sachverständigen arbeiteten die ganze Rächt an den Reparationsplänen Mussolinis. Erst am Nachmittag trat die Konferenz wieder zusammen. Die Besprechung war in einem freundschaftlichen Geiste gehalten und ließ keinerlei Mißverständ­nisse aufkommen. Poincarz und Mussolini legten den französischen und italienischen Standpuntt dar. Mussolini teilte feine Pläne zur Lösung des ReparattonsprobtemS mit und vertrat seine Anschauungen mit ein­dringlicher Kraft, die bei feinen Kollegen den günstigsten Eindruck erweckten. Der Belgier Theunis betonte von nettem die Ansicht, daß der Auftechterhaltung der Solidarität der Alliierten alles andere untergeordnet werden müsse. Die allgemeine Auffassung geht dahin, daß große Hoffnung besteht, daß die Konferenz zu einem baldigen und erfolgreichen Abschluß gelangt. Es gift für wahrscheinlich, daß die Befpre^mgen bis zum Dienstag dauern werden.

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Streichung der BNilerten-Schulden.

L o n d o n, 11. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) Zur Frage der interalliierten Schulden hat Bonar Law erklärt, daß die englische Re­gierung. ohne die amtlichen Absichten Amerikas abzuwarten, eine Streichung der Summe beabsichtige, die die alliierten Mödchte an Eng­land schulden. Voraussetzung sei, tast ein sol- cheS Opfer zur Lösung des ReparationsprovlemS beitragen könnte. Anscheinend wurde hervorge­hoben, daß nun die Möglichkeit gegeben sei, die europäischen Schulden zu regeln.

Die Sllhneforbenmgen.

Die Antwort der deutschen Regierung.

(Eigener Drahtvericht.)

Paris, 11. Dezember.

Die Rote der deutschen Regierung als Ant­wort auf die Rote der Botschafterkonferenz we­

gen Passa n und Ingolstadt ist gestern im französischen Außenministerium überreicht wor­den. Die Reichsregierung erfiärt in dieser Rote, daß sie allein (mit Ausschluß jeder Bundesre­gierung) erniächtigt und befugt fei, eine offizielle Antwort zu erteilen. Was die Frage der Abbe­rufung der Bürgermeister anbelangt, so weist die Rote daraufhin, daß diese Behörden nicht abberuseu werden können, weil sie gewählt und nicht ernannt worden feien. Be­züglich der Ent schädig nn g von einer Mil­lion Goldman unterwirft sich die deutsche Re­gierung der Rote der Alliierten. Wie dasJour- !tal des Debüts" noch mitteilt, erklärt sich zwar die deutsche Regierung bereit, die geforderte Zahlung zu leisten, weigert sich aber, die E n t s ch u l d i g st tt g, die bereits von der bahe- rischen Regierrm^gcieistet worden fei, außerdem abzugeben. Sie weigert sich ferner, die P o- lizeipräsidenten der beiden Städte ab­zuberufen, da die Po-Tzeipräsidenten in diesem Falle nicht zuständig feien. Sie seien, wie die Bürgermeister, gewählt und nicht ernannt

Neue deutsche Aläue.

Vereit« von den Alliierte» abgelehnt? (Eigene Drahtmelduna.)

Berlin, 11. Dezember.

Entsprechend ihrer Absicht, in der Frage der Reparationen eine Politik der Aktivität, Bus- richtipkeit und Geschäftsklarheit zu führen, hat die deutsche Regierung zu Beginn der Londoner Konferenz der alliierten Ministerpräsidenten, eine» Schritt in London unternommen. Sie har die Dringlichkeit einer endgültigen Lösung der Reparationsfrage erneut nachdrücklichst betont und um eine solche Lösung durch zweckmäßige Vorschläge anzubahnen, in Ausführung der Rote vom 14. November ein Svstem von inne­ren und äußeren Anleihen zur Erör­terung gestellt. Der dafür zu gewährende Zah­lungsaufschub solle ja nach der Höhe der Zeichnungsergebnisse RS zu fünf Jahren dauern. Außerdem fall Dentfckland^ im Sinne der Rote vom 14. November für deDaiicr des Zah- lungSausfchubs von allen sonstige« Lasten des Vertrags von Versailles befreit und feine wirtschaftlich- und politische Gleichberechti­gung wieder hergestellt werden. Tic beantragte Ausländsanleihe soll ganz, der Ertrag der In­landsanleihe zur Hälfte für die Reparatio­nen zur Verfügung stehen. Die andere Hälfte der Inlandsanleihe fall der Stabilisie- rung der Marr nnd der Atisgleichnng be<- ReichshanSbalts dienen. Die Vorschläge der deutschen Regiernna, die gestern übermittelt wurden, sind tote aus London gemeldet wird, in der gestrigen Sitzung der alliierten Ministerprä­sidenten an erster Stelle geprüft worden. Es wurde einstimmig cntfAieben, daß sie nicht die Grundlage einer Verständigung bilde» könnte».

Gegensätze in Sautonne.

Dio Russen und Türken stehe« zusammc».

(Eigener Drabtbericktt.)

Lausanne, 11. Dezember.

Die Sonnabend-Sitzung Zn Lausanne to.tr wieder etwas ruhiger In Gegenwart der v er neutralen Delegierten wurde zmmchst die Frage der Kapitulationen besprochen, ohne jedoch zu ei­nem Ergebnis zn kommen. Der englische nnd der t ü r k i s ch e Standpunkt tzohm sich hier nach tote vor scharf gegenüber, während die Neutralen eher z» einem Entgegenkommen ge­genüber den Türken bereit sind. Auf jeden Fall werden die Berhandlnugen über die Kapi­tulationen längere Zeit in Anfvruch nehmen. Ter 3?uffe Tfchitfcherln sprach gestern vor den türkischen Jonrnalisten n&er die Meerengen frage. Er warnte die Türken davor, den West- machten zu trotten, da sie die Türkei um Vor­teile des Sieges bringen wollten. DaS fnn3 fische Rachgeben gegenüber dem englischen Stand punkt sei auf ein Tauschgeschäft in der Re. Parationsfrage znrückzufüiren; aber Frankreich werde in London eine Enttäuschung erleben, denn das englische Volk werde die Ver wirklichnng der ftanzöfifchen Forderung nicht zulaffen, fondern Verwahrung etnlegen.

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Eingaben, vom Orient

Lausanne, 11. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) Die Vertretung Georgiens übergab der Konferenz eine Erklärung, worin der russische Standpunkt in der Meerengensrage abgelehnt imb der Standpuntt der Verbündeten gutgehei­ßen wird. Eine hier weilende Abordnung des Hodschas-Königs hat an Lord Enrzon ein» Rote aericktet. in der o« die Erfüllung des Verspre­chens über dtc Errichtung eines arabischen Königreiches erinnert wird».

Der Arbeitsmarkt.

Erhebliche Derschlecht-rung der Lage. , Der Bericht übet die 8a$e be« «rdettZmarkte» im Monat Rädernder 192den da« Arbeit«» amt in Kaffel herauSgibt, besagt solaende«.

Die amtliche Arbeitsnachweis-Statistik, die vom statistischen Reichsamt schon vor langen Jahren ausgearbeitet und den öffentlichen Ar- beitsnachweisen vorgeschrieben ist, enthält so ge­wichtige Fehlerquellen, daß sie der Außenstehende nur mit größter Vorsicht verwenden darf. Wre Hauptquelle bestehl darin, daß man die Geschäfts, statistik nicht von der Personalstatistik getrennt hat. In bestimmten Berufen, so bei den Mu- sikern, im Gastwirtsgewerbe, bei den AushilfS. arbeitern und anderen spielen die Aushilfs-Ge- schäste bcjto. Aushilfsarbeiten eine beherrschende Rolle, weil wir hier eine große Zahl von Per- sotten finden, die gewohnheitsmäßig nur Aus- Hilfsarbeiten übernehmen. Sie erhalten vom Ar- beitsnachweis regelmäßig im Laufe eines Mo­nats eine ganze Anzahl derartiger AushilfS. arbeiten zugeteilt, woraus sich am Schlüsse hohe Vermittlungszahlen ergeben. So waren nn Be- richtsmouat von 2250 besetzten Stellen 1050 AuS- bilfsstellen nnd 1200 Dauerstellen. Der betref­fende Arbeitsuchende wird nach Erledigung der Aushilfsarbeit auf Grund der Vorschriften der amtlichen Statistik als neuer Arbeitsuchender ge­zählt, wodurch das Monastergebms m de, Rubrik ^Arbeitsuchende" in ganz unnatürlicher Weise aufgebläht wird. Richtig wäre es, wenn die Zahl der arbeitfuchenden Personen und die Zahl der von ihnen vorgebrachten Arbettsgesuche getrennt gezählt würden. Eine

Reform der Arbeitsnachweis-Statistik > wird zurzeit vom Reicksamt für ArbeitSvermltt- lung ansgearbeitet. Bei der immer fätotertge* werdenden Laae des Arbeitsmarktes scheint es im Interesse der Ueberficbtlichkeit des Arbetts- marktes dringend notwendig zu fein, diese Re­form alsbald zum Abschluß zu bringen, f», tag' möglichst schon mit Beginn des neuen Jahres der nette statistische Vordruck verwendet werden kann. Eine Anzahl von größeren Arbeitsämtern sind daher dazu tibergegangen, für mrenGe- luaiich besondere Tages- und Wochenftatiftikm einzniühren. die »inen zutreffenden Ueberblick über die Sage des Arbettsmarktes ermöglichen. Für den Monat November weist die amtliche Statistik des städtischen Arbettsamies rund Wnf- tansend Arbeitsuchende aus, während nach der internen TagesstatisM tatsächlich nur knapp Mei- tansend Arbeitslose vorhanden waren! Eines oebi aber rntS der amtlichen Statistik für den Monat November bei einem Vergleich mit wm Ergebnis des Vormonats deutlich hervor: Eine sehr erhebliche Verschlechterung der Arbeitsmürktlage. Die Zahl der gemel- deten offenen Stellen ist nämlich tnt Metall-, Bau-, Handels-, GafttoirtSge^rbe und bn den unoelernten Arbeitern nm mehr alS 230 zurnck- geaauaen, wobei zu bedenken ist, daß auch schon im Monat Ottober em ähnlicher Rückgang tn p-7 «Zahl der gemeldeten offenen Stellen zu ver- zeichyen war. Gleichzeitig bat sich

die Zahl der Arbettsuchenden um mehr als 300 erhöht. Mit Liner wesentliche« Verstärkung der ungünstigen Erscheinung schei­nen mir nach den Nachrichten, die uns aus den Arbeitoebortreisen zukommen, rechnen zu muffen, fo daß d'-e Gefahr einer fehl groben Arbeitslosig­keit drohend mtfsteigt. Der Kasseler Arbei-- inartt befindet sich bei der diesmaligen Krise in- fosern in einer besonders ungünstigen Lage, weck die Metall- und Lertilindustrie, fetote das Bau­gewerbe, die für Kassel von ausfSlaaaebender Bedeutuna sind, besonders bart betroisen wer- den In der Metallindustrie geben vielfach die Anftragsbestände für Sokomotiv- und Wagqcm- Revarawren. sowie -Neubauten zu Ende und hatten schon eine erhebliche Anzahl von Kun- btcungcn namentlich Auswärtiger und perein- -elt auck hiesiger juaendlicher Arbeiter zur --olae. Einen ausgesprochenen guten Beschäftigungsgrad weist dagegen Vie optische Indiisirie mtf, die aber nnr ältere, erfahrene Speztalarbetter benötigt. Die Rotlaae in der Texttl-Indiisirie ist als Folge der Marttentwertttng verursacht, durch Kapttal- manael nnd Kreditnot. Reben mehreren bun. tart Entlassungen in dieser Branche find bereits

Arbeitszeitverkürzungen vorgenonnnen worden. Im Baugewerbe gehen die gröbere! Bauten ihrer Fortt csstellnng entgegen, während neue Projekt? infoloe der ungeheuren Material. Verteuerung nicht in Angriff genommen werden. Bisher ist der Arbeitsmartt hiervon allerdings erst in aerinoem Umfange in Mitleidenschaft ge. zogen. 'Die Folgen werden fich demnächst aus­wirken. wenn nidrt mit Mitteln der produktiven EiwerbSlosenfürforge neue Arbeiismögftchkeite« geschaffen werden. Glücklicherweise ist die eben­falls recht bedeutende Holzbranche noch normal beschäftigt, so daß mit Ausnahme der Zimmer­leute der Arbeitsmartt von dieser Seite keine Bestiftung erfahren hat. Treten gegenüber diesen Berufsgruppen die anderen an Bedeutun« und