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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Nummer 288.
Fernsprecher 951 und 952
Sonnabend, 9. Dezember 1922.
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12. Jahrgang.
Deutschlands Antwort an die Entente.
Der Fall Ehrhardt.
Berlin, & Dezember.
»us den Kreisen deS Reichsverbandes der deutschen Industrie verlautet: Die neuen Re- parationsvorschläge haben wohl auch einen ge- wiffen Zusammenhang mit der Sühnenote der Entente, deren Termin schon am Ist. Dezember abläuft. Die neue» deutschen Vorschläge würden wohl auch einen Mellungswechsek in der Franc der Besatzung und der utiliiS rischen Auslassen zur Voraussetzung habe«, wie ja von allen Sachverständigen als Bedingung jeder Anleihe der Abbau der Besatzung nnd Besatzung-Z, kosten genannt worden ist. .Immerhin ist die Zeit bis Mm 10. Dezember sehr kurz. Die Idee einer Anleihe von 20 Milliarden Goldmark unter Garantie der Industrie ist keim Burschlag
der deutschen Industrie, fie steht vielmehr au einen Gedanken des amerikanischen Senators Mac Cormick zurück, den er s. Zt. hier ausgesprochen und angeregt hat. Ob sich die neuen Vorschläge der deutschen Regierung genau in dieser Richtung bewegen, wird bezweifelt werden.
Soziaidemokraiifcver Vroiest.
Berlin, 8. Dezember. (Privattelegramm.) Eine Reihe öffentlicher Versammlungen fanden in allen Stadtteilen Groß-Berlins statt, die von der sozialdemokratischen Partei einberufen worden waren. Es sprachen u. a. Reichswirtschaf-s. Minister a. D. Schmidt, die Abgordneten Crispien, Giebel, Breitscheidt und B a h l k e. Schmidt betonte, daß jeder die Note Loincarss als eine Kränkung der den t- chen Nation empfindet. Der einzig- Aktivposten unserer Politik sei das Zusammen stehe» der großen Masse der Arbeiterschaft. Auch in den andern Versammlungen wurde zum Ausdruck gebracht, daß die französische Politik eine furchtbare Last für das deutsch- Proleta- riat bedeute. Das Schicksal Deutschlands werd- bestimmt durch die Entente: wie es wird, könne niemand sagen. Wenn sich Deutschland gedulden wolle, so wolle sich di- »Arbeit-rlchast nicht als tille schweigsame Dulder zeigen.
ben werden nachgeprüst und gegebenenfalls abgebaut. Es handelt sich dabei nm soae- nannte unvergütete Letsinngen der Post. Sie sind aus allgemeinen staatspolitischen, volks- ivirtschastlichen und auch fuZtitreffen Zwecken erwachsen. Es gibt Leistungen für gemeinnützige Anstalten, ferner in der inneren Verwaltung selbst — man denke nur an die L-ndbestellnna und dergleichen — ferner an die Fürsorge für die Beamten, die aus den abgetretenen Gebieten übernommen wurden mW., die den Etat der Reichspost außerordentlich schwer belasten. So sehr eine durchgreifende Reform der Postverwal- trmg zu befürworten ist, ebenso sehr ist doch zu warnen, int Reformeifer zu weit zu geben, und wichtige kulturelle Zwecke zu gefährden. Der Reichshostminister hat einen eigenen Svarkommissar nur für seinen Amtsbereich eingesetzt. Man möchte stoffen und wünschen, daß diese Persönlichkeit durch den Erfolg ihrer Tätigkeit einen Überzen,zenden Beweis dafür zu erbringen vermag, daß bet Anfang, den die Reichspostverwalttmg mit dem Sparen machen will, eine geeignete und erfolgreiche Fortsetzung auch in den übrraen Aemtern findet. Daß hier ein schweres Stück Arbeit zu überwinden ist, und daß es nicht so ganz einfach ist, von den schon seit Jahren gemachten Worten und Bläuen zu einer entschlossenen Tat üherzugchen, ist sehr leicht erklärlich. Bemerkenswert ist die
Die Londoner Konferenz.
Um Frankreichs Forderungen.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 8. Dezember.
Bon der Londoner Konferenz erwartet Frankreich, daß in der Moratoriumsfrage zum mindesten grundsätzlich eine sofortige Einigung erzielt werden müsse, wenn die weiteren Verstand, hingen Aussicht auf Erfolg haben sollten. Frankreich steht einem Moratorium nicht unbedingt ablehnend gegenüber, eS hält aber folgende F r a - g e n für wesentlich: Erstens »6 die Verbündeten geneigt sind, für ein solches Moratorium P f ä n - d e r zu verlangen, zweitens welches diese Pfänder sein können, drittens worauf sich das Moratorium beziehen und auf wie lange Zeit es sich erstrecken soll. Diese Fragen wird Poinrarö seinen Verbündeten in 'London vorlegen. Sie um- chreiben dieselben Bedingungen, die der französische Ministerpräsident schon im August dieses Jahres bei seiner Londoner Zusammenkunft mit Lloyd George zur Sprache gebracht hat und mit denen er damals nicht durchdrana. Mit Bonar Law wird er nunmehr die Verhandlungen auf derselben Grundlage anfnehmen. Auf dem Spiele steht damit, wie man in Frankreich meint, nichts Geringeres. Äs die Entente selbst.
Beginn des Sparens.
Ser Anfang bet der Reichspost.
Es bedeutete eine nicht geringe Ueberra- s ch u n g, Äs der neue Reichspostminister bei der ersten Gelegenheit erklärte, daß in der bisherigen Gebührenpolitik der Reichspost eine unangebrachte Schonung der Interessen des Publikums gewaltet habe. Der Vorschlag des neuen Ministers Stingl ging dann auch auf eine Verdoppelung der Gebühren, die bereits mit dem 15. Dezember in Kraft tritt. Und er har gar keinen Zweifel darüber gelassen, daß spätestens am 1. Februar eine weitere Erhöhung der Briefportos und aller anderen Sätze stattflnden muß. Ein einfacher Brief, der vom 15. Dezember ab 25 Mark kostet, wird vom 1. Februar ab mindestens 50 Mark Frankierung beanspruchen. In diesem Verhältnis werden sich auch die übrigen Gebühren bewegen. Ganz besonders schlimm wird es vor allem mit den Fern sprech-Gebühren stehen. Jetzt schon, Äso mit dem Stande vom 15. Dezember, beträgt der Vervielfältigungsfaktor 2900. Gegenüber dem Friedenspreis werden also die Ge-
Rede, die Reichsfinanzminister Dr. Hermes am Donnerstag im Haushaltsausschuß des Reichstags hielt. Er wies darauf hin, daß der Rcichshaushalt durch Sparsamkeit, aber auch durch in- und ausländische Anleihen in Ordnung gebracht werden müsse. Besonders erfreulich ist an seiner Rede, daß sie sich auch scharf gegen die schamlose Ausbeutung durch die Alliierten und gegen das Versailler Diktat richtet. J. B.
, Im übrigen fei noch darauf Angewiesen, daß vor allen Tariferhöhungen regelmäßig den Mii- gliedern des Ständigen Ausschusses des Reichs- eifenbahnwts vom Reichsverkcbrsminhsier die Gründe für die Erhöhungen mitgeteilt werden und soweit wie irgend möglich ihr Gutachten darüber eingeholt wird. Auch ist denjenigen stellen, die für die Beurteilung der Wirtschast- rchkeit der Reichsbahn zuständig sind, regelmäßig die Möglichkeit gegeben, über die in dieser Hinsicht getroffenen Maßnahmen Auskunft zu erhalten. Auch jedem Außenstehenden muß es einleuchten, daß ein Unternehmen nicht als unwirtschaftlich zu bezeichnen ist. das seine Sellbst- -osten deckt und dabei in seiner Preisgestaltung rm Güterverkehr die durchschnittliche Erhöhungsziffer der Großhandelspreise sogar hinter iedem anderen unvergleichbaren Inder, zunl Beispiel der Lebenshaltungs- aber Ernährungs- wstcn, Weit zurückgeblieben ist, obgleich es unter den Wirkungen des Krieges mehr als die meisten anderen Unternehmungen gelitten und muh jetzt noch ständig mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Man denke an di« infolge der inländischen Kohlenknappheit notwendia gewordene Beschaffung ausländischer Kohle, wodurch der Reichsbahn für das laufende Rechnungsjahr ein Mehraufwand von 58 Milliar- den Mark für ihren Etat entsteht.
Deutsche Vorschläge.
Um die Wiedergutmachungs-Zahlungen. (Vrivat-Tklegramm.)
Berlin, 8. Dezember.
Gerüchtweise verlautet über die Grundlage de? bisherigen Angaben über den Insmlt der neuen deutschen Vorschläge von einem Plane, der an die Regierung von dritter Seite herange- brachr worden ist. Es stand gestern noch nicht fest, in wieweit das Kabinett sich diesen Plan zu eigen macht oder nicht. Offiziell ist auch noch nicht entschieden, wie das tatsäckfficle wutsche Angebot lauten wird. Immerhin steht wohl so viel fest, daß das Kabinett in großen Zügen etwa Folgendes Vorschlägen dürstc:
1. Es wird eine bestimmte Reparationssumme festgesetzt unter Berücksichtigung der heutigen Leistungsfähigkeit Deutschlands und unter Gutschreibuua des Wertes der von uns bereitsgetragenen Reparationsleistungen in Höhe von über 7V Milliarden; ein dritter Faktor, der aber nicht Gegenstand deutscher Vorschläge sein könnte, betrifft möglicherweise gleichzeitige Regelung der interalliierten Schulden. Die endgültige deutsche Reparationsschuld sei seinerzeit in den Verhandlungen des Morganlomitees in Paris auf etwa 20 Gold- Milliarden bemessen worden.
2. Oiewährung eines mehr jährigen Zahlungsaufschubs und
3. Auflegung einer inne re n Geldanleihe, deren Stimme nbif festgelegt wird und mit der Bessern,tg der Ftnrrw^age des Reick/e§ wächst; die Anleihe wird in erster Linie der Verzinsung der gestundeten ReParationSsKnld dienen und die Mittel an die Hand geben, daß Frankreich bares Geld erhält.
4. Auflegung einer ausländischen Anleihe, mit dem Ziele sofortiger Mobilmachung der gesamten Reparationssckuld und der Verteilung des Ertrages an Deutschland u. Frankreich.
Eisenbahn Fahrpreise
Rechtfertigung der Erhöhungen.
oeaenöbce d-n «lagen d«s PnblttnmS, baß di« Ms-nbahnFahrt,r««e zu schroff und $n plötzlich g«. stiegen seien, wird UNS das Folgend« geschrieben r Die Eisenbahnverwaltung hatte beabsichtigt, die Spannung zwischen Personen- und Gütertarif zu verringern. Dieses Ziel konnte bisher nicht erreicht Werder,, weil die außerordenttiche Geldentwertung eine unerwartet kräftige Erhöhung der Gütertarife notwendig machte, der die vorgesehenen Steigerungen der Personentarife nicht einmal soweit folgen konnten, daß das frühere Verhältnis zu den Gütertariferhöhun- gsngewahrt blieb. Im November dieses Jahres war dieses Verhältnis noch ungünstiger als im September, und es würde sich im Dezember nur dann verbessert haben, wenn in diesem Zeitpunkt die Gütertarife nicht oder wenigstens, nicht wesentlich hätten erhöht werden müssen. Im September betrug gegenüber der Vorkriegszeit di« Erhöhung der P e rs o n e n t a r i f e das fünfzehnfache, im November das fünfundvier-- figfache, die der Gütertarife hingegen im September das hundertvierzigfache, im November das sechshundertdreiundsiebzigfache.
Daß die jetzigen Perfonentattf-Steiaerungen zu einer Einschränkung der Geschäftsreisen führen werden, ist nicht zn befürchten, da alle übrigen mit diesen Reisen verbundenen Unkosten um ein Vielfaches mehr gestiegen sind. Der Ameil der Eisenbahnfahrpreise an den augenblicklichen Gesamtkosten von Geschästs- relsen ist im Verhältnis zur Vorkriegszeit' heute auf einen sehr geringen Bruchteil gesunken. Während die Fahrpreise zum 1. Nopxmher dieses Jahres nm das fünjundvierzigfache "und zum 1. Dezember um das neunzigfache gestiegen sind, betrug diese Steigerung für die Großhandelspreise am 5. November das neunhundersechsundneunzigsacbe und die-Erbö- lmng der allgemeinen Lebenshaltungskosten schon für den Durchschnitt des Monats Oktober das zweihundereinundzwanzigfache. Die Fahr- ireiserhöhungen der Reichsbahn folgen sich jetzt in Zeiträumen von einem Monat und werden viele Wochen vorher bekannt gegeben. Der Vorwurf, daß sie zu Plötzlich und zu schroff eintreten, ist nickt gerechtfertigt, wenn man dem gegenüber hält, daß Handel und Industrie ihre Preise in viel kürzeren Zeiträumen erhöhen und gerade die für die gesamte Volkswirtschaft wichtigen Schlüsselindustrien, deren Preise mich für die Ausgabe der Eisenbahn von besonderer Bedeutung sind, in der letzten Zeit innerhalb eines jeden Monats wiederholt Preiserhöhungen borgenommen und tn wenigen Tagen in Kraft gesetzt haben.
Die SühneAMuugen.
Luter der fremden militärische« Gewalt.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 8. Dezember.
Der Vorwärts schreibt; Die Reichsregierung tst von ihrer anfänglichen Absicht, die von der Entente geforderte finanzielle Sühne der Städte Passau und Ingolstadt einem internationalen Schiedsgericht in Genf oder im Haag zur Entscheidung zu Überweisen, abgegangcn und sie beabsichtigt hetzt, nicht nur die geforderten moralischen Genugtuungen zu geben, sondern auch die finanzielle Forderung von einer Million Goldmar! .zu erledigen. Die entsprechende Note wird voraussichtlich heute »bend abgesandt. Die Reichsregierung will damit vor allem die Interessen der Rhein- iande wahrnehmen, bereu Schicksal durch eine Verweigerung der Genugtuung zunächst bedroht wäre. Soweit wird sie die Billigung aller finden, die nicht auf jeden Fall einen gewaltsamen Zusammenstoß mit der Entente herbeiführeu wollen, aber die Frage ist, ob das Reich auf die Dauer die Provokationen der basterischen Natio- naMen noch nachträglich mit barem öleibe ste- tnfjtec soll und vor allem, ob die väA.ftwe ne- giefttng die von ihr direkt geforderte Entschuldigung zu leisten beabsichtigt. — Demgegenüber ist man aber viel eher genötigt zu fragen, ob das deutsche Volk sich auf die Dauer die Herausforderungen und die Bedrückung durch die französischen gewissenlosen Abenteurer gefallen lasse soll.
* * *
bühren für das Fernsprechwesen um das 2900- fache erhöht Es ist ein schlechter Trost, daß die (Sittertarife bei der Eisenbahn um das 3800- fache gesteigert sind. Die jetzt vorgesehene Erhöhung der Fernsprechgebühren ist aber für große Kreise der Bevölkerung, namentlich für di- kleinen und mittleren Geschäfte, für die freien Berufe, für die Aerzte, Anwälte,' Schriftsteller, für die Krankenhäuser, Rettungsanstalten, Für- sorgeanftalten, für die gemeinnützigen und wohltätigen Unternehmungen und Einrichtun- gen völlig untragbar. Es ist daher auch eine Nachprüfung dieser Gebühren beantragt worden mit dem Ziele, eine Herabsetzung für die eben bezeichneten Personenfreise zu erlangen. Ob etwas erreicht werden kann, steht im Augenblick noch dahin.
Bei den Erörterungen im Rerchstagsausschuß hat Reichspostminister Stingl ein Sparprogramm vorgelegt, und wir haben es mit dem ersten offiziellen Programm dieser Art seitens einer Reichsbehörde zu tun. Es ist in seinen wesentlichsten Teilen übernommen von dem früheren Reichspostminister Gies-berts, der vor mehr als einem Jahre ein derartiges Svarpro- gramm ausgestellt hat. Die Reichspostverwal- tung will vor allem den Abbau des Personals in die Wege leiten. Es ist noch dieser Richtung hin auch viel geschehen, aber noch nichts Durchgreifendes. Wenn man sich daran erinnert, daß gerade die Reichspostverwaltung nach dem Kriege der Zufluchtsort tausender und abertausender Hoeresentlassener wurde, und wenn man sich die Schwierigkeiten der Unterbringung dieser Kräfte m anderen Stellen vor Augen führt, dann wird man allerdings einen Begriff von den Hemmungen bekommen, die der Durchführung eines derartigen Programms 'm Wege stehen. Es soll aber nunmehr a«nz systematisch tm Abbau der PersonalverwaUnng vorgegangen werden. Weiter ist in d-r Reichspost- verwaltung das Verfahren der Leistungszählung neu eingeführt worden. Sehr wichtig ist die Neuorganisation des Dienstbetriebes mit dem Ziele der Ersparungen, uitb namentlich sind solche Ersparungen unbedingt nötig in der gegenwärtig vollständig unwirtschaftlichen Führung der Bauämter. Es handelt sich hierbti im besonderen imt die Inbetriebsetzung und KvntroMerung der FernspreHanlagen.
Tas StinÄ'sche Sparprogramm' sieht auch eine Neuregelung der Wirtschaftsführung der Verwaltung vor. Unvroduktive Ausgo-
Berlängerung des Staatsgerichtshofes.
Die Tätigkeit des Staatsgerichtshoses wird durch die Verhaftung des Kapitänleutnants Ehrhardt erweitert. Man war schon der Meinung, daß mit dem Abschluß des Scheidemann-Prozej- ses fürs erste auch die prozessuale Tätigkeit des Staatsgerichtshoses beendet sei. Die Möglichkeit aber, Kapitänleutnant Ehrhardt abzuurteilen und vor allem die Möglichkeit nach Ergreifung des Hauptes einer großen und weitverzweigten Geheimorganisati.on der fett Jahren sich schon hinziehenden Untersuchung einen greifbaren Abschluß zu geben, werten den Arbeitskreis des Staatsgerichtshoses erheblich verlängeren. Es wird überdies auch noch mit einer Reihe weiterer Verhaftungen gerechnet, die sich aus der Festnahme Ehrhardts ergeben.
Die Garung im Orient.
Neuer snqlisch-türktfcher Zwist.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 8. Dezember.
Wie Reuter aus Konstantinopel meldet, ist es 5» einem Ko nslikt der Englander mit den Türken im Zusammenhang mit der Ausreise christlicher Flüchttinge gekommen, die Konstantinopel verlassen wollten. Die türkische Polizei weigerte sich, die griechischen Pässe anzuerkennen und verlangte sehr hohe Gebühren für die Ausstellung türkischer Pässe und über die sogenannte« Gebühren für Befreiung vom Militärdienste. Die energische Haltung der Engländer rief eine Stotze Aufregung in den nationalen türkischen Kreisen hervor. Rifet Pascha hatte eine Unterredung mit den Kommissaren und den aUiierten Generalen, die nahezu vier Stunden dauerte. Die Türkei legte in dieser Frage eine sehr starrsinnige Haltung an den Tag. Indessen wird in einer späteren Meldung mitgeteilt, daß die Widerstände gegen die Abreise der christlichen Flüchtlinge aus Konstantinopel aufgegeben wurden und weitere Zwischenfälle nicht eintraten.
Industrie und Anleihe
Am die Sarautieleistuvg.
(Privat-Telegramm.)
Die Dervandiungen mit Bayern.
München, 8. Dezember. (Privat . Telegramm.) Der bayerische Ministerpräsident von Knilling ist gestern von Berlin nach München zurückgekehrt. Das Reichskabinett wird sich nunmehr in diesen Tagen über die endgültige Fas- ung der Antwort an die Entente schlüssig werden. Die Verhandlungen des Reichskanzlers und des Außenministers mit dem bayerischen Ministerpräsidenten waren von freundschaftli- chem Geiste getragen und zeugten von weitgehendem Verständnis für die Lage in Bayern. Am Montag dürste die Antwortnote von der Reichsregierung voraussichtlich veröffentlicht werden. Im bayerischrn Landtag wird der Mi- n-sterpräsident wahrscheinlich am DienStaa über die Verhandlungen und über die Sage Mitteilung machen. Heute wird der bayerische Mini- sterprästdent mit de» Parteiführern sprechen.