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Meler Nemste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Nummer 287

Fernsprecher 951 und 952

Freitag, 8. Dezember 1922.

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

bayrischer Protest gegen die Entente.

Lausanne.

®at türkische Widerstand.

Wir habn alle Ursache, die Türken zu bewun» dein. Sle haben mit uns den Krieg verloren, lagen zerbrochen, belastet mit den schweren For­derungen der Entente, der Sieger. Das osma­nische Reich war geteilt, die Ententemächte teil­ten sich die wertvollsten Bezirke und wirtschast- lichen und politischen Machtzentren. Plötzlich ist die Türkei wieder erwacht. Sie hat es abgelehnt gehabt, den Vertrag, der ihr aufqczwungen worden war, anzuerkennen. Sie nahm die Gelegenheit wahr, und führte den Krieg gegen Griechenland nicht etwa nur gegen Griechenland und zur Selbsterhaltung, sondern überhaupt zur Befreiung des Landes. Tas Na­tionalbewußtsein wuchs, alles, was waffenfähig war, schart: sich zusammen. Der, wie es immer hieß, kranke Mann, raffte sich auf und zeigte, daß er nicht krank war. sondern lebte und rät sein Land zu streiten wußte. Der Sieg über Griechenland wurde errungen, aber auch gleich­zeitig die Stellung der Türkei befestigt. Die türkischen Unterhändler, die nun mit der En­tente zu tun hatten, besaßen das Rückgrad, zu zeigen, daß die Türkei lebe, daß mit der Türkei gerechnet werden müsse. Und begraben wurde der Vertrag von Sevres, gestrichen wurden die Forderungen -er Entente. Man hatte mit diesem wiedererwachten Nationaibe- wußtsein zu rechnen. Einen Schritt nach dem anderen wichen die Ententemächte zurück. Die Türkei wußte, was sie wollte. Der alte Sultan von Ententegnaden wurde abgesetzt. Es brach eine neueZeitan. Die Türkei hat den Welt­krieg verloren und lebt fetzt wieder, gilt wie­der im Mächtekonzern als eine Macht, mit der man zu rechnen hat.

Rußland brach zusammen. Lenin kam ans Ruder und der Bolschewismus. Der schwe- re Weg, den er gegangen, ist bekannt. Er l e h n- te es ab, mit den bisherigen Verbündeten weiter zu agieren, lehnte aber auch die Ver­pflichtungen ab, die das Zarenreich an die Al- liierten hatte. Rußland hat sich selbst isoliert, weil es mit den bürgerlichen Mächten nichts Ge­meinsames haben sollte. ES wurde blockiert. Niemand erkannte die Sowjctregicrung an. Die Russen aber warteten. Es kommt die Zeit. Und sie Laben sich durchgesetzt. Sie sind inzwischen eine Macht geworden, mit der ebenfalls gerechnet werden muß. Welche Ententemacht bemüht sich nicht offen oder versteckt um die Gunst der Sow­jets? In der jungen Strömung lebt die Kraft, an di? Zukunft zu glauben, lebte der unbesieg­bare Wille, sich durchznsctzen. Bedin­gungen, die die Entente vorschrieb, wurden kalt­blütig lächelnd abgelehnt. Ihr kommt uns! Und sie kommen. Sie zeigen jeden Tag deutli­cher, daß sie ohne Rußland nicht leben können.

Beide haben sich durchgesetzt: Die Türkei und Sowietrußland! In beiden Ländern kamen junge, unverbrauchte Kräfte ans Ruder, die ihr Zielt kannten, denen das Vaterland über alles ging und die den nationalen Geist im Lande zu Wecken wußten. Anders in D eutsch- land. Bei uns barmt und bangt man ums tägliche Brot, jammert über die Lasten, die uns aufgebürdet wurden, hat nicht mehr die Kraft, sich zu widersetzen. Deutschland, von dem man früher sagt«, es sei eine führende Macht, sei stärker in seinem nationalen Empfin­den als Rußland und die Türkei, bat es nicht verstanden, sich aus der Niederlage berauszuhe- ben und den Weg aufwärts zu finden. Bei uns haben nicht die jungen Kräfte die Herrschaft erlangt, sondern engherziger Parteiegoismus, der hemmend dem Wagen in die Speichen fiel, der angstvoll jedes Ultimatum der Entente un­terschrieb. Deutschland läßt sich knechten, wäh­rend die Türkei ein Macktfaktor geworden ist. während die Entente mit Rußland Freundschaft sucht. In den vier RachkriegSjabren bat sich kein Mann in Deutschland gefunden, der ein Steht !' zu sprechen wagte. Und war jemand , der für dasStein" plädierte, so mußte er abtreien. Es fand sich nicht die nationale Ein­heit, die ihn stützen wollte. Deutschland bat nicht die Kraft aufgebracht, wie wir sie in Rußland und der Türkei wachsen sehen, deshalb wird es ausgebeutet unv ist ein Spielball in den Händen der angeblichen Sieger.

Es soll hier nickt etwa einem bewaffneten Widerstande das Wort geredet werden. Tie Türkei hat das anfangs nickt getan. Rußland bat gegen die Entente keinen Krieg geführt. Viel­mehr wäre allein die Schaffung der n a t i o n a- lenEinheit nötig gewesen, die die Folge» Übernomen hätte, Forderungen der Entente ab» zulehnen, die gestützt auf die nationale Volks­einheit lieber Leiden übernahm, es auf die Durchführung der Drohungen ankommen ließ, als sich wie es geschehen ist, zu beugen und zu versprechen, zahlen, erfüllen zu wollen. Hätten wir den Willen $ur Kraft und den Willen zur Macht gehabt, hätten wir uns rechtzeitig auf

uns selbst besonnen und uns gegen die Forde­rungen, die immer wieder kommen, pon vorn­herein gestemmt, wahrlich uns ginge es heute wohl besser, ginge es wie der Türkei. Man wird sagen: das alles wisse man. Es sei jetzt zu spät. EinZu spät" aber kann es nicht ge­ben. Roch immer ist es Zeit, sich unberechtigten Forderungen zu widersetzen. Und das Schick­sal der Türkei, die Lehre, die wir wieder aus Lausanne erhalten, das stark und unab­hängig werdende Rußland zwingen uns, einmal wieder eine alte freilich, aber immer noch berech­tigte Mahnung zu gehen: Mehr Kraft!

LlKwMe m Bayem.

Protest gegen die alliierte» Erpresser. lVrivat-Telearamm)

München, 7. Dezember.

Im bayerischen Landtag hat Präsident Königsbauer unter lebhaftem Beifall des Han- ses eine Protesterklärung gegen die De- mütigungsaltion der Alliierten abgegeben. Er führte aus, daß das Vorgehen der Alliierte» so ungeheuerlich fei, daß er sich gezwungen sehe, im Namen des bayerischen Landtages die schärfste Verwahrung einzulcgen. Wenn zu den unge­heuerlichen Belastungen durch den Fcie- densvcrtrag, zu den drückenden Besatzungs­kost c n und zu den sonstigen Drangsalie- r,ungen noch die Geldverschwendung der Entente-Kommission komme, und von un­terem Volte gebüßt werden müsse, dann sei der anwachsende Unwille und die Erbitte, ru n g wohl z« verstehen. Daß die Forderung auf Zahlung von zwei Milliarden Papiermark weder von den betreffenden Städten, noch von Bayern erfüllt werden könne, wisse die Entente ebensogut wie wir. Der Landtag protestierte nachdrücklich gegen die neue Erpressungsmethode, mit der der Weg zum Raub deutschen Eigentums in den besetzten Gebieten frei- gemacht werden soll. Es sei ein bis jetzt un­erhörter Vorgang daß unter Umgehung der Reichsregierung direkt von Stadtverwaltungen ein Tribut gefordert werde, als ob ganz Deutsch­land unter der Macht der Besatzung stünde. Das Vorgehen der Botschasterkonscrenz ziele offenbar darauf ab, Zwietracht zwischen Bayern 'und der Pfalz und Bayern und dem Reich zu säen, um dann den lang gehegten Plan der Ausbeu- tung und Besitzergreifung Deutschlands verwirk­lichen zu können. Der bayerische Landtag ver­wahrt sich dagegen daß die Rechtlosigkeit der Bevölkerung in der besetzten P f a l z so weit getrieben werde, daß sie für Vorkommnisse im rechtsrheinischen Bayern bestraft werden solle. Zur bayerischen Regierung habe der Landtag das Vertrauen, daß sie den Weg gehen werde, auf dem die Ehre unp Würde des deutfchen Namens gewahrt werve. In diefem Vertrauen zur Regierung follten sich aber all- Bevölkcrungskreffe bemühen, ihren berechtigten Unmut Zügel anzulegen, da übereilte Handlun­gen zu unabfehbaren Folgen für Volk und Va­terland führen könnten.

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Stellungnahme in Amerika.

Rewyorh 7. Dezember. (Eigene Drahtme!- dung.> Die von der Entente über Deutschland neu verhängten Sanktionen, durch die einige deutfche Städte Geldstrafen von je einer halben Millian Goldmark zahlen fallen, wird von der amerikanifchen Presse fcharf verurteilt, well dadurch Deutfchland in feinen finanziellen Lei­stungen sich rein nach politischen Ansprüchen der Alliierten opfern müsse.

Um Sie Reparationen.

Deutsche und alliierte Pläne.

(Eigene Drahtmeldung.)

. Berlin, 7. Dezember.

Die Reichsregierung hat eine eigene Kommission aus Regierungsmitgliedern gebildet, die unter Vorsitz des Kanzlers Reue Repa­rationspläne vorbereitet. , Vor allem wird beabsichtigt, sofort eine internationale Anle'ihe aufzunehmen, von der ein Teil Frankreich zugute kommen soll, während man den anderen Teil zur Stabilisierung der Mark verwen­den will. Die alliierte Botschafterkonferenz hielt gestern in Paris eine Sitzung ab. Poincarö hatte am Vormittag Befprechungen mit Viviani und Fach. Ter Oberste Rat der nationalen Ver­teidigung Frankreichs trat gestern nachmittag un­ter dem Vorsitz des Präsidenten Millerand im

Elystze zusammen. Das saszitzischeGiornalc" in Rom berichtet, Mussolini werde in London die Herabsetzung der deutschen Reparations­zahlungen auf eine vernünftige Summe Vorschlä­gen unter der Voraussetzung, daß gleichzeitig Amerika und England die Schulden von Ita­lien und Frankreich entsprechend ermäßigen.

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Amerika für friedliche Lösung.

Wafhiugton, 7. Dezember. (Eigene Draht- meldung.) Staatssekretär Hughes hat, wie in politischen Kreisen verlautet, der englischen Re­gierung mitteilen lassen, daß Amerika von der bevorstehenden Brüsseler Konferenz sich zurückhalten müsse angesichts des peinlichen Eindruckes, den die bisher vorgebrachten französischen P l ä n e auf die amerikanische Regierung gemacht haben. Amerika würde Eng­land bei der Lösung der Reparationsfragen un­terstützen. wenn diese nach friedlichen wirt­schaftlichen Gesichtspunkten erfolge.

Der Streit m Lausanne.

Am dir Dardauellen-Fragr.

(Eigener Trahtbcricht.)

Lausanne, 7. Dezember.

Nach der Besprechung der Kontrolle über die Meerengen erklärte der türkische Delegierte Jsmed Pascha ganz kurz, daß er bereit sei, den Plan der Entente mit den technischen und rnitt- täriftOeii Sachverständigen zu prüfen. Der Ruffc Tfchitfchcrin fchloß sich an und hielt dann eine lange Lobrede auf den russischen Plan, der viel besser sei als der der Entente. Die SJiccrvngentontrotte werde über kurz oder lang, wenn es nach dem alliierten Plan gehe, zum i n- ternationalen Konflikt und dadurch unweigerlich zum Kriege führen. Tschitscherin schloß feine Darlegungen mit den Worten: Wenn man uns auch droht, wir werden niemals kapi­tulieren! Der englische Vertreter Lord Curzon betonte in feiner Schlußrede, daß er durchaus verstehe, wenn Tfchitfcherin feinen Plan verteidige, daß aber andererfcits die rus- sifche Delegation sich bereit erklärt habe, auch den Plan der Entente zu prüfen. Lord Curzon gab sich deshalb der Hoffnung hin, daß der Plan der Entente Annahme finden werd«. Die Verhand­lungen in der Mccrengcnfrage werden am Frei­tag auf der Konferenz fortgesetzt.

Ser Man der Alliierten.

Laufanne, 7. Dezember. (Eigene Draht- meldung.) Der Plan der Alliierten über die Meerengenfrage, den Lord Curzon vorlegte, sieht verfchiedene Situationen vor, die für die Meer­engen eintreten könnten, und macht für die ein­zelnen Fälle besondere Unterschiede. Der Plan verlangt erstens völlige Freiheit für Han­delsschiffe im Frieden wie auch im Kriege, in dem die Türkei neutiat bleibt; zweitens völ­lige Freiheit für die r u f f i f ch e n Handelsfchiffe, wenn die Türtei Krieg führt; drittens völlig freie Durchfahrt der Kriegsfchiffe aller Nationen im Kriege, aber nicht mehr als zwei bis drei auf einmal; viertens freie Durchfahrt für Kriegs­schiffe in einem Kriege, wenn die Türkei neutral bleibt; fünftens völlig freie Durchfahrt für alle neutralen Kriegsschiffe, wenn die Türkei Krieg führt. Ferner will die Entente eilte internatio­nale Kommiffion zur Bewachrmg der Meerengen einfetzen, zu der England, Frankreich, Italien, Japan, Jugoflawirn, die Türkei und Griechen­land je einen Delegierten entsenden sollen. Der Türkei werden in der Kommission zwei Stim­men und der ständige Vorsitz eingeräumt

Derschtedene Auffassung.

Lausanne, 7. Dezemlber. (Eigene Draht- metbung) In Kreisen der Delegationen wird die geftrige Sitzung der Orientkonferenz, trotz des schleppenden Ganges der Meerengen-Berhand- tung und trotz der Vielsachen Widerstände, die dem Ententeplän gegenuberstehen, als die w i tä­tig ft e Sitzung der Konferenz bezeichnet. Tie Alliierten geben der Hoffnung Ausdruck, daß nun doch noch die Möglichkeit zu einer Ver­ständigung besteht. In den Steifen der türki- schen Delegation scheint man aber nicht daran zu glauben. Es verlautet, daß Semd Pascha mit dem Gang der Verhandlungen in Lausanne un­zufrieden ist und daß er sich dahin geäußert hat, er müsse fcftftclten, daß die Alliierten nicht den ge­rechten türkischen Standpunkt anerkannt hätten.

Die SinheitöpMzei.

Neue Gliederung der Kasseler Polizei.

Lieber die jetzt brrrthgejührte Umformung ber Polizei werde« « von zuständiger Seite die folgenden Mitteilungen gemacht Die Einrichtung der Einheits-Poli­zei - Reviere, die nach ministeriellen Auwei- hingen bis zum 1. April 1925 beendet sein soll­te, ist in Kassel jetzt schon durchgeführt worden. Den acht Polizei-Revieren, deren Vermehrung beantragt worden ist, sind eine größere Anzahl uniformierter Schutzpolizeibeamten neben den bisherigen VerwalttingsexekuMheamten und Revier-KrimLnalbeamten zugeteilt worden. Die Berwaltungserekutivbeamten versehen ihren Dienst vorläufig weiter in Zivil. Die Verwen­dung der gesamten Revierbeamten zur Auf­rechterhaltung der Ruhe, Ordnung und Sicher­heit leiten die Rcviervorsteher nach den Bedürf­nissen und den Verhältnissen in ihren Polizei­revieren. Durch Entsendung von ständigen und Sonderstreifen innerhalb der Revier-Grenzen, einschließlich Außenbezirke und Vororte, soll be­rechtigten

Wünschen der Einwohnerschaft ftach Möglichkeit Rechnung getragen werden. Zur besseren Uebersicht und durchgreifenderen Leitung sind die bisherigen beiden Abteilungen ver Schutzpolizei in Polizei - Inspektio­nen umgewandelt worden. Der ersten Poli­zei-Inspektion (Führer Polizefinspektor Lange) sind die Polizeireviere 1, 2, 6. 7 sowie das Kom­missariat für die Verkehrs- und die Marktpolizei, der zweiten Polizeiinspektion (Führer Polizei- Major von Trotha, die Polizeireviere 3r**«£ und 8 zugeteilt. Den Polizeiinspektionen unter­stehen ferner je zwei Polizei-Bereitschaften (früheren Hundertschaften), berittene Polizei und Kraftfahrer. Die Bereitschaften sind zwar durch bi« Abgabe der den Revieren überwiese­nen uniformierten Beamten geschwächt, werden aber noch immer so stark erhalten, daß von ihnen ein Stteifen- un Postenbienst von den Schu tzpoli z eiivachen

A Polizeikaserne. B Gerichtsgebäube, R Regierungsgebäube, T Telegraphenamt am Känigsplatz, L Landgerichtsgefängnis und W Strafanstalt Wehlheiden

aufrecht erhalten werden kann. Den dauern-kN Streifen- und Postendienst von diesen Wachen . werden die Stteifen von den Polizeirevierwa- chen eingesügt und angepaßt, sodaß recht viele Straßen und Bezirke begangen werden.

Die beiden Polizei-Inspektionen haben ihre Diensträume in der Polizei-Kaserne in der Hohenzollernstraße, wo sich auch das Kommando der Schutzpolizei befin­det. Die Inspektionen sind mit der gesamten Schutzpolizei u. Verwaltungscrekutive dem Koen- mando unterstellt: Kommandeur ist Polizei- Oberstwachtmeister von Buch. Ein weiterer Ausbau der durchgeführteu Umordnuna wird erfolgen, sobald die neu beantragten Polizeire­viere und die hierfür mehr benötigten Beamten genehmigt wordrn find.

Gründe der BrowreiserhShungen.

Das ausländische Getreide.

Am 4. Dezember ist ein neuer Preis für das Markenbrot in Kraft getreten, der in den Haus­haltungen sehr fühlbar ist, und darum natur­gemäß vielfach besprochen wird. Die Gründe für die Herauffetzung des Preises liegen allgemein in der zunehmenden Entwertung des Geldes. IM Einzelnen regelt sich der Brotpreis folgender- mtßen: Die Grundlage bildet der Preis, zu dem die Reichsgetreide st elle das Brotgetreide an die Kommunen abgibt. Dieser Preis betrug bisher, den Durchschnitt der verschiedenen Ge­treidearten gerechnet, etwa 30000 Mark. Der. Preis reicht zur Deckung für die Auslagen der Reichsgetreidestelle nicht mehr ans, in erster Linie, weil die Preise für bas Auslands- getreibe ganz außerorbentlich gestiegen wa­ren. Zur Versorgung der Bevölkerung mit Mar-, kenbrot wird bekanntlich Getreide aus dem Aus­lande und dem Fnlande im annähernd glei­chen Verhältnis verwandt. Im Septem­ber betrugen di« Preise für das Auslands-Ge­treide noch etwa 53 000 Mark für Roggen und 68000 Mark für Weizen. Im Oktober waren diese Preise bereits auf 122000 Mark und 156 000 Mark gestiegen, um dann int November sofort auf A4 000 Mark für Roggen und 305000 Mark für Weizen zu steigen, ja, der Weizenpreis stieg auf über 400000 Mark.

Daß angesichts dieser enormen Steigerung der Abgabepreis der Reichsgetreidestelle von 30000 Mark nicht mehr beibehalten werben konnte, und auch dann nicht hätte beibehaften werden können, wenn der U m l a g e p r e i s nicht erhöht worden wäre, kann nicht bezweifelt werden. Der Umlagepreis spielt gegenüber den