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Kasseler Neueste Nachrichten

Nr. 286

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Zwölfter Jahrgang

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Sind Sie mit Ihrer Äeltung bisher zufrieden gewesen?

,Bon soir, madame la lune. Bon soir----

kranken vergleichbar, an dessen Auskommen die Aerzte verzweifelt hatten; aber di« gesunde Na­tur des Kranken ist stärker als menschliche Vor­aussicht, und heute wieder vernimmt man schwa­che Herzstöße und leises Atmen ; die Hoffnung auf Genesung ist gegeben, freilich nur eine ferne, leise Hoffnung. Der äußere Anblick des Patien­ten ist kein guter; die Häuser zeigen eine ge­wisse Verwahrlosung, die Kleider der Leute sind abgetragen, der Lurus ist verschwunden, seitdem die fremden Aufkäufer fortgezogen sind. Durch die gewaltigen Preissteigerungen der letzten Mo­nate ist die Weltparität erreicht, der Ausländer kauft nicht mehr billiger als in seiner Heimat, die innere und äußere Kaufkrast der Kron« ist gleich. Ist auch dieses Verhältnis für den davon Ge­troffenen schmerzlich, es läßt Schlüsse auf eine bessere Zukunft zu, es läßt hoffen auf baldige GeslMdung. Der Weg ist schmerzvoll und bleibt auch dir, armes Deutschland, nicht erspart.

* Raubkrieg auf dem Lande. In dem etwa sieben Kilometer von Königsberg entfern­ten Torfe Mandeln verübte eine ungefähr zwanzig Mann st a r k c Bande einen Einbruch in die dortige Mühle und raubte acht­zig bis neunzig Zentner Getreide und Mehl. Mit ihrem Raube fuhren die Einbrecher, die mit Personen- und Lastkraftwagen versehen wa­ren, in Richtung Königsberg davon.

* Ter Millioncnrausch eines Defraudanten. Der zwanzigjährige Eduard R e u s ch, der einer Fabrik in Hannover den Betrag von fünf Milli­onen Mar? unterschlagen hatte und geflüchtet ist, wurde von der Kriminalpolizei in Eise­nach v e r h a f t c t. Er hat von den fünf Mil­lionen in drei Tagen .1)4 Millionen durchge­bracht.

* Lebendigen Leibes verbrannt. In den Haarburger Teutonia-Werken ent-. stand 6ei der Schweißarbeit in einem Destillier­apparat Feuer, durch das die Kleider zweier Kupferschmiede in Brand gerieten. Einer der Verunglückten verbrannte in dem Kessel bei le­bendigem Leibe, während der andere lichterloh brenend durch das Mauerloch ins Freie kommen konnte. Mit schweren Brandwunden wurde er ins Krankenhaus gebracht, wo er nach kurzer Zeit von seinem furchtbaren Leiden erlöst wurde.

* Dem Scharfrichter verfallen. Das Schwur­gericht in B r c m c n verurteilte den bereits vor­bestraften Heizer und Händler Heinrich Georg Oehler wegen Mordes an seiner Ehe­frau zum Tode.

* Auf der Spur der D-Zugmörder. Als die Täter des Raubmordversuches, dem der amerikanische Major Sauerwein im D-Zuge bei Frankfurt a. M. zum Opfer fiel, kommen der achtundzwanzigjährige Friseur Emil Reinoth-Kastel und der dreißigjäh- riac Landwirt Alois R u b in Arzheim in Frage. Die Belohnung für ihre Ermittlung ist auf fünfhunderttausend Mark erhöht worden.

* Ein rühmloses Ende. Die Stadt B al­le n st e d t in Anhalt beschloß, die alten Stadt­mauern, das Wahrzeichen der Stadt, aus Ab­bruch zu verkaufen.

* Ein Raub der Flammen. Infolge einer Benzrnerplosion entstand in der Nieder­sächsischen Gummifabrik Paul Relpcrt A.-G. in Hildesheim Großfeuer, das in kurzer Zeit den größten Teil der Fabrikgebäude ein­äscherte. Aus dem Gut Leime rs h o f bei Scheßlitz in Oberfranken zerstörte ein Größ­tem r die vierundzwanzig Meter lange Scheune, zwanzig landwirtschaftliche Maschinen und an­nähernd viertausend Zentner Getreide im Werte von mehr als fünfunddreißig Millio­nen Mart.

* Der beschwipste Nero. Ein betrunkener Hund spielte in einem Berliner Prozesse eure Rolle. Ten Angeklagten wurde u. a. ein Ein­bruch bei einem Hotelbesitzer in Zosse n zur Last gelegt, durch den sie das gesamte Weinlager und die vorhandenen Likörbcstände ausgeräumi hatten. Ter sonst so wachsame Hofhund wurde am nächsten Morgen in einem eigenartigen Zu­stande aufgefunden. Man nahm erst eine Ver­giftung an, bis der binzugernsene Arzt zu sei­nem Erstaune,' konstatierte daß der Hund kräftig

<gfn attheMGes FörstemesrMcht.

Auf den Aussterbeetat gestellt.

Oberst a. D. Müller-Hempfing plau­derte im Hessischen Geschichtsverein aus der Geschichte einer alt-hessischen Lichte- nauer und Spangcnberger Forstmann-Familie, seiner eigenen, deren Ahn ein schwedischer Kriegsmann Gustav Adolfs war. Er hieß Möller. Zunächst traten die Möllers in thü­

ringischen, dann in hessischen Forstdienst. Frü­her, bevor Hessen preußisch wurde, konnte sich der Försierberuf und die Försterstelle in einer Familie von Generation zu Generation vererben, der Sohn durfte beim Vater lernen. So war es auch hier. Ein Möller nach dem anderen und zwei Müller der Großvater des Redners war 1812 in die Stammrolle der französisch-hes­sischen Division, mit der er gegen Rußland aus- rückte, als Müller eingetragen worden und be­hielt dann diesen Namen bei führte den Titel Nevierförfier. Erft die Preußen formten den Titel in Oberförster um. Der junge Förster be­suchte die ausgezeichnete Forstakademie in Mel- '-ugen, die später von den Preußen nach Han- oversch-Münden verlegt wurde. Die Preußen führten auch eine A-enderung ein, durch die da­mals die hessischen Forstleute sehr verärgert wurden. Ter Oberförster hatte seinen Sitz in der Mitte der Oberförsterci. wo er feinen Beam­ten unbewohnte und mit seinen Waldungen in engster Verbindung stand .. unter dem preu­ßischen Regime hatten sie ihren Amtssitz in Kassel.

Uebrigens ist die Geschichte dieier Muller in-' sofern interessant, als der Redner der Erste war, der die Forstlaufbahn verließ und Offizier wur­de, weil die Vererbung des Reviers nicht mehr migängjg und die Wartezeit auf ein Rev'-r zu la nie war. Ter jetzige alte Oberst a. D. ist der Letzte der Familie Müller, die drei Jabrhun- de-ste hindurch einen knorrigen hessischen Stamm bildete ... mit dem Heldentod seines Sohnes in Rußland ist di-st Linie nur nr.-fc auf den Kopf des Vaters dieses Helden gestellt!

Oberst Müller nahm es gab in der Rang­liste zu viel der Müllers, es war die reinste Mül­lerei, wie er sich ausdrückte den Namen seiner Frau hinzu, die vom Ludwigstein stammt. In Eschweae gibt es noch viel- Hempftngs. Oberst a. D. Müller-Hempfing ist b-kannt geworden durch die Organisation und Leitung her 1918 gestorbenen Kriegs-Inaendwehr. die übrigens im Iunadeutschlandbund ein. wenn auch verän­dertes, Auferstehen gefeiert hat.

Tie Babne der einstigen Krieqsjuaendwehr. die der aste Oberst am Montag fam achten Jahres­tage des Todes seines einziaen Söhnest im Ge- schichtsvernn entrollte, soll ihm einmal üfer den Sarg gebreitet werden ... R. H.

ja überhaupt nur die Möglichkeit eines kleinsten, befreienden Entschlusses, solange Alsleben nut einem einzigen Wort das kunstvolle Gewebe zer­reißen konnte, mit dem sie das Geheimnis ihrer »Persönlichkeit so Mer verhüllt geglaubt hatte.

Die furchtbare, herzlähmende Angst an jenem Abend ihres ersten Zusammentreffens in Pahlo- witz, sie hatte sich also doch nicht getäuscht.

Die Vergangenheit stand gegen sie auf.

Der Mann, an dem sie einst am schwersten gefehlt, er nahm an ihr jetzt seine Rache, indem er ihr durch seine Existenz allein zu dem ersehn­ten Märchenlande eines neuen Glückes für alle Zeit den Zugang wehrte. (Fortsetzung folgt)

Aus aller Welt.

Der Großagrarier und seine Braute.

In einem der ersten Hotels Berlins Keg vor einiger Zeit ein Mann ab, der sich Ste­phan Alsstätter nannte und für einen ungari­schen Großgrundbesitzer ausgab. Er nahm im Empfangsraum den Besuch von Damen entge­gen, die er meist in großen CaM kennen gelernt hatte. Diese heiratslustigen Frauen und Mäd­chen glaubten dem vornehm austretenden Herrn alles aufs Wort und vertrauten ihm blindlings, nachdem er ihnen die Ehe versprochen haste. Eines Tages bekannte dieser Herr Alsstätter sei­ner Braut, daß er in Geldverlegenheit sei, da seine Bank noch keine neuen Anweisun­gen nach Berlin gegeben habe. Die Davie gab ihm denn auch, was sie an barem Gelde besaß und außerdem noch ihre Schmuckfachen, die er dann sofort zu Gelde machte. Als sich der un­garische Großgrundbesitzer auf diese Weise von dieser einen Dame über eine Million ver- schafst hatte, bezahlte er seine Wohn- und Zech- sckulden, zog in ein anderes Hotel und nahm dort einer zweiten Bekanntschaft ebensoviel ab. Die erste war unterdessen, als ihr Verehrer nichts mehr von sich hören ließ, zur Kriminalpolizei gegangen und nach einer Photographie den Herrn Alsstätter als einen Ungarn namens Stephan Algelc erkmint, der dem Dezer­nat als Heiratsschwindler schon längst bekannt war. Die Beamten ermittelten ihn endlich in einem Pensionat, nahmen ihn fest und führten ihn dem Untersuchungsrichter vor.

nur noch als siechen, kranken Mann gekannt, als ein schleichendes Halsleiden seinem Künstler­raum ein vorzeitiges Ende bereitet hatte und er froh gewesen war, durch Vermittlung eines einflußreichen Gönners in einer bescheidenen Beamtenstellung bei der Intendanz der König­lichen Schauspiele in Berlin unterzukommen.

Alle seine Hoffnungen hatten sich auf der ab­göttisch geliebten einzigen Tochter vereint und die Mutter sparte sich nach seinem frühen Tode die Mittel vom Munde ab, um Hella von den Zinsen einer winzigen Erbschaft, die ihr das Schicksal im Augenblick der höchsten Rot zuge­worfen, auf einer vornehmen Schule des We­stens eine gediegene Erziehung geben zu lassen.

Aber auch bittere Kränkungen und boshafte Zurücksetzungen waren Hella nicht erspart ge­blieben, als sie in Iugendkrast und Jugend fülle immer herrlicher zu erblühen begann und ihre Hella-Augen im ganzen Umkreis der Kutfürsten- dammgegend allmählich zu einer kleinen Be­rühmtheit wurden.

In kindischer Grausamkeit hatte sich zuweilen der Reid und die Eifersucht der reichen Freun­dinnen erschöpft, daß sie oft in blassem Zorn die lveißen Zähne zusammengebissen und sich ge­schworen hatte, nicht eher zu ruhen, als bis sie sich als gleichwertiges Mitglied zu jener Welt emporgeschwungen hatte, deren Glan; imd Schimmer' ihr junges Herz so tief verwundete und die sie doch mit heißen Augen und klopfen­den Pulsen als ibr eigenstes Lebenselement zu empfinden glaubte.

Und dann war 'Über Rächt da; Glück gekom­men, an jenem Abend in der Komischen Oper, da ihre -arte, süße Stimme zum ersten Male in die Welt binausgeklungen war, und die Kritik der Reich-shauptstadt sie einmütig als ein neues Gestirn am Himmel der Gesangskunst gefeiert hatte.

Tas Glück und der Rausch des großen Le­bens und jener jähe Fall, als Arel von Lessow von ihrer Sette sofort ins Gefängnis geführt und sie fclber nur durch eine Fügung glücklicher Umstände dem gleichen Schicksal der Verhaftung entgangen war.

fang sie mit leiser, sehnsuchtsvoller Stimme.

.Es geht schon bedeutend besser mit der At­mung", sagte sie.Ich habe in letzter Zeit öfter gesungen. Mein Herz hat sich auf dem Laude wieder sehr gekräftigt. Ich glaube ich dose doo noch einmal das Gold aus meiner Kehle, von dem mein alter Gesangslehrer immer fabelte."

Gott gebe Lk, Kind! Der Agent war erst in letzter Woche Wieher hier und bettelte um deine Adresse. Er will dich durchaus der Bübne zurückgewinnen."

Nach Tisch richtete ihr die Mutter auf der Ehaisclongue des Schlafzimmers ein bequemes Lager und verhüllte das schmale Fenster des Gartenboses sorglich gegen die sengende Hitze und Helle des sonnigen Nachmittags.

Doch aller Abspannung ungeachtet floh Hella der ersehnte Schlummer.

Mit halbgeöffneten Augen träumte sie in das verschwommene Dämmer des Reinen Raumes, in dem ihr die Zett gleichsam still zu stehen schien in dem trägen Lauf der schneckenhast krie­chenden Minuten.

Allerlei Kindheitserinnerungen waren unter dem Eindruck der Umgebung unwillkürlich in ihr nach geworden, Gedanken an den Vater, den sie

Hat sie Ihnen Stunden der Unter­haltung bereitet und hat sie Ihnen vielleicht einmal durch einen nützlichen Wink oder durch ihren Anzeigenteil ehten Vorteil verschafft, so halten Sie an Ihrem Blatte in ernster Zeit fest.

Zwei Jahre lang war sie damals auch für die Mutter verschollen gewesen, die nie etwa/- anderes für sich begehrt hatte, als in treuer, sorgender Liebe von ferne au der Schwelle ihres Lebens zu stehen.

Ihres Lebens?

Was wußte sie denn überhaupt von ibr, was konnte sie ihr faßen von jenem Leben, das sie über alle Höhen und Tiefen der Leidenschaft ge­führt, bis sie endlich fast am Wege zusammen­gebrochen war und vor dem letzten Versinken die Maske der Schwesterntracht ausgenommen hatte, nm in dem stillen Witwenheim der Mommscn- straße noch einmal Einfluß zu finden.

Vom Hose her Rang Kinderlärm.

Der tiefe Baß des Portiers schalt polternd dazwischen.

Nebenan tickte die Küchenuhr mit einem ein­förmigen. durchdringenden Geräusch das ihr noch von der Jugend her im Ohr lag.

Mit einer tiefen Bewegung von Hilflosigkeit und Trotz hob sie die Arme

Die wollte noch nicht untergehen in dem träge sickernden Rinnsal eines kleinen Lebens, das aus all triefen Stimmen der Alltäglichkeit zu ihr sprach.

Und wieder begann pe die Zukunft in immer neuen Phantasten zu umspinnen, bis sich die Klarheit ihres sonst so entschlossenen Geistes ver­wirrte und sie sich in jähem Erschauern tiefer in die Kissen schmiegte.

Es war ja doch alles vergebens.

Die (Brenjen ihres Wollens waren ihr ja schon abgesteckt. Wie sie aüch sann und sich den schmerzen Kops zermarterte, immer wieder stieß sie auf dasselbe unlösliche Rätsel, denselben Na­men, der einem Felsblock glich, jeden Ausweg sperrend, aus der Bahn ihres Denkens lag: AlÄeben!

Wie von einem Peitschenhiebe getroffen, fuhr sie empor.

Sie zitterte plötzlich wieder vor Frost und war doch gleifam wie versteinert im Herzen und em ganzen Körper.

Niemals, das empfand sie mit vernichtender Deutlichkeit, gab es für sie Ruhe und Frieden.

Das todkranke Wien.

Julius Sauer schreibt über einen Besuch im heutigen Wien: Die Stadt Wien ist einem Tod­

Beilage.

Donnerstag, 7. Dezember 1922.

Jobst Bürgt.

SÄr Logarithmen in Kassel erfunden.

Sm Helsisch-n Geschlchttveretn in Kassel tprach ®». Breithaupt, dessen Uegrotzvater Wteit« ersten Ruf al« Berfertiger wissen, fchaftlicher Instrument« besaß, Uber «inen der berühmte»«« fürstlichen Astronomen, Landzrak Wilhelm den Vierten von Hessen und seine technisch«« Dehilsen, wobei «r da. für eintrat, den dentschen Erfinder der L» aarithmen auch et* solchen zu würdigen.

Landgraf Wilhelm dem Vierten von Hessen, der 1547 an der Hochschule zu Straßburg stu­dierte, seine Studien aber erst fortsetzen konnte, nachdem er 1552 seinen vom Kaiser und Herzog Alba schmählich zu Halle gefangen genommenen Pater, Philipp den Großmütigen, befreit hatte, ist zu danken, daß die Quadranten eingeführt worden sind. Er hat die Uhr zum astronomi­schen Instrument gemacht. Er war auch der erste Astronom, der die Zeit als Beobachtungselement eingeführt hat. Das war eine große Tat. Da­bei kam dem Landgraf zustatten, daß er in der Blütezeit des hessischen Kunstgewerbes lebte. Er schätzte seine Künstler hoch ein und bezahlte sie auch gut. In den Wirren des Dreißigjähri­gen Krieges wurde ein Teil der von ihnen ge­schaffenen Instrumente zur Sababurggerettet". Dorr sind sie verbrannt, während die in Kassel gebliebenen erhalten sind und im Saal Wil­helms des Vierten, im Hessischen Landesmuse- uni, Ausstellung erfahren haben.

Sein getreuester technischer Gehilfe war Eber­hard Baldewein in Marburg, der ein Schneider war, aber ein äußerst gcschiifter Mensch und ein erfinderischer Kopf. Er richtete in Marburg eine Werkstätte ein und beschäftigte mehrere Hand­werker, darunter einen Schmied, dessen feine Arbeit heute noch allgemeine Bewunderung er­regt. Baldewein lebte sich sehr rafch in die Gedanken des Landgrafen ein und verstand es, dessen Pläne zu verwirklichen und zu verbessern. Erhalten ist unter anderem ein großes Plaue- tenwerk, die sogenannte astronomische Uhr im Landesmuseum. Ein Nürnberger Uhrmacher fertigte ihm eine die Sekunden zeigende Ubr an und Baldewein ergänzte sie. sodaß der -Landgraf gleichzeitig die Sterne beobachten und die Se­kunden der Uhr am Himmelsglobus abhören konnte. Lauge glaubte man deshalb, der Land­graf habe bereits eine Pendeluhr besessen.

Dann stellte der Landgraf auch den Uhrma­cher Jobst Bürgt (Justes Bhrgins) in seine Dienste und dieser war es, der hier in Kassel die Logarithmen erfunden hat. Bis­her hieß es, daß der schottische Lord Napier, Baron von Merchiston, der Erfinder der Loga­rithmen sei, der 1614 in Edinburgh logarith­mische Tafeln herausgab und daß Bürgi, ohne von Nadiers Arbeiten zu wissen, zu aleicher Zeit dieses Verdienst erwarb. Schon Keppler erwähnt in einem seiner Werke Bürgi als den Erfinder und die Forschungen Dr. Breithaupts fuhren diesen dazu, Bürgi, den Deutschen, als Erfinder der Logarithmen zu proklamieren.

In der Tat: Warum soll, wenn schon zu glei­cher Zeit zwei dasselbe erfinden, ein Deutscher hinter den Fremden treten. Dr. Breithauvt ap­pelliert nun an die Mathematiker, den Schülern nicht mehr zu lehren, daß Napier, sondern Bürgi der Erfinder der Logarithmen ist. Bürgi, der 1.579 geboren wurde, war einige Zeit lang auf Empfehlung des Landgrafen kaiserlicher Hof- uhnnacher und Unfertiger von Himmelsgloben. Er starb am 31. Januar 1632 in Kassel.

An dem von ihm im Graben bewohnten Hause fehlt noch immer eine Gedenktafel. Eine spätere und glücklichere Zeit wird diese Ehrenpflicht gegenüber dem Erfinder der Loga- rithnien nachzuholen haben .,.!

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21) Rvm«n von Hans Schulze.

Die blinkende Glasservante mit den kostbaren Meißener Porzellaiitäßchen.

Und sicher dem alten Piano das große Krtive- bild des Vaters in einem stolzen Bund vertrock- nefer Lorbeerkränze und grellseidener Benefiz­schleifen, auf denen die Direktionen von Danzig und Kiel den gefeierten Bariton in dicken Gold­buchstaben ihrer unauslöschlichen Dankbarkeit versicherten.

Dann sprang sie mitten in ihrem eifrigen <ste- plauder auf einmal auf und schlug auf den vergilbten Tasten des ehrwürdigen Instrumentes ein paar Töne an:

nach Allasch roch. Es ergab sich weiter, daß die Diebe dem Hunde ein größeres Quantum Allasch vorgesetzt hatten und daß das Tier auch auf biefen etwas eigenartigen Leckerbissen hineingefallen war. Der Hund trug hierdurch einen heftigen Kater davon.

* Zur Linderung der Rentnernot. Um den not­leidenden Kleinrentnern und Pensionären zu Hilfe zu kommen, bewilligte der Gemeinderat von Friedrichsroda (Thüringen, vorläufig ewe Million Mark zur Einrichtung einer Volksküche.

* Eine Rothschild.Stiftung. Der Wiener Industrielle Dr. Alfons Rothschild hat einer Reihe von Wohltätigkeitsinstitutionen, namentlich solchen, die der Säuglings- und Km» derfürsaorge gewidmet sind, Spenden im Betra­ge von mehr als zweihuuder Millionen Kronen gestiftet.

* Schätze in deutscher Erde. Auf städtischem Gelände des Stadtgutes S e e 'b e n bei Halle wurden Kaolinlager in großer Ausdehnung festgestellt Die Stadt Seeben will das Lager an» bebren lassen, um es, entweder verpachtet oder in eigener Regie, für die Fabrikation von Por­zellan und Schamott zu verwenden.

* Ein rasender Telephon-Abonnent. Ein Tele­phonabonnent im Mont-Nollh in den Vereinig­ten Staaten, der von der Zenttale keine Verbin­dung erhielt, riß sein Telephon von der Wand und schlug es kurz und klein. Dann setzte er sich in sein Auto und raste mit verbotener Geschwin- bigfeit zu der zwei Kilometer entfernten Zen­trale, drang in das Zimmer des Vorstehers em, zerschlug dessen Telephon und warf ihm die Trümmer an den Kopf. SeineLebhaftigkeit" wurde mit einer Strafe von fünfundzwanzig Dollars geahndet.

* Im Aufruhr der Elemente. Nach einet Meldung aus Las Palmas wütete auf den Kanarischen Jvseln ein verheerender Sturm, verbunden mit einem dreißigstündigen Wolkenbruch. Es wurde großer Schaden ange­richtet.

* Irrfahrten einer Postkarte. Wie lange braucht eine Postkarte, um von Bremen nach Berlin zu gelangen? Im allgemeinen wohl höchstens vierundzwanziq Stunden. Diejer Tage >st aber eine Karte bestellt worden, die im Jahre ; <W in Bremen aufgegeben wurde und in die­sem Jahre also nach neunzehn Jab- r c n!) an den Absender z u r ü ckg e l a n gt e, da der Empfänger, ein Hutgeschäft in Berlin, nicht zu ermitteln war; was nicht verwunderlich ist, da das Geschäft inzwischen in, andere Hände übergegangen ist. Vielleicht würde die Karte noch heute irgendwoschwimmen", wenn sie nicht die nunmehr verpönte Germaniamarke trüge, die eine Beförderung ausschließt. Obwohl sie nur mit fünf Pfennigen freigeryacht war, wurde Strafporto trotz des postalischen Te» fizits nicht erhoben. m . .

* Ein rühmlickfes Beispiel. Ein schönes Bei­spiel menschlicher Opferfreudigkett gibt daS Kirchspiel T o l k S d o r f im Krefte Braunsberg bei Königsberg. Es spendet den ganzen Win­ter hindurch wöchentlich hundert ~_t.ter Vollmilch unentgeltich an bedürftige Säug­linge.

* Ein Bischof in der Luftkutsche. Der neoeu- undsiehzigzigjährige Bischof von Bangor, tr. Williams, machte vor einigen Tagen eine Reue von London nach Köln im Flugzeug. Der alte Herr erklärte in Köln seiner Umgebung, dass der Flua ihm iebr gut bekommen wäre.

Die Freundin in der Not.

DieDeutsche Post" in Troppau läßt sich über die Beweggründe, die dem Leser die Zei­tung lieb und teuer machen, wie folgt vernehmen:

Selbst bei bester Zubereitung Ist ne Mahlzeit ohne Zeitung Nlir die Hälfte vom Genuß Also, lieber Freund, kapiere: Setz' dich bin und abonniere;

Mit dem Jammer ist bann Schluß.

Schon im großen Leitartikel Schwingt des Weltalls Perpendickel Und es wird dir manches klar, Was im Drangsal dieser Zetten, Tie an dir vorüberschreiten.

Dunkel und verschlossen war.

Aus der Unzahl der Berichle Tönt des Alltags Weltgeschichte, Schwarz auf weiß, das ist genau: Feuilleton und das Lokale Liest du auch bei deinem Mahle, Ten Roman sogar die Frau!

Also wird des Hauses Frieden Durch die Zeitung dem beschieden Ter gleich jetzt sie abonniert. Ehe ihm. dem armen Schächer, Seines Lebens Freudenbecher, Ganz und aar zerschlagen wird.