Einzelbild herunterladen
 

12. Jahrgang

Mittwoch, 6. Dezember 1922.

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 285

Fernsprecher 951 und 952

Gegen die französischen Drohungen

Französische Vorbereitungen.

2-merlka und die Türkei.

und Ingolstadt mit unbeugsamer Entschlossenheit zurüüweist und datz sie sich durch keine Drohung und keinen Erpressungsversuch von französischer Seite in der Wahrung der deutschen Würde und des deutschen Rechtes beirren läßt.

Paris, 5. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) In der französischen Regierung werden die Vorbereitungen für die Londoner Konferenz eifrig fortgesetzt. Poincar^ beriet im Lause des gestrigen Tages längere Zeit mit den Sachver­ständigen des Außenministeriums das von Frankreich aus der Konferenz vorzulegendc Re- parationsprojckt. Reuen Meldungen zufolge wird die Londoner Konferenz am Samstag

New York, 5. Dezember. (Eigene Draht­meldung.) Der bekannte amerikanische republi­kanische Senator Fileott-Miffconsin fordert die Negierung auf unverzüglich mit der Türkei einen Vertrag zu schließen, durch den Amerika der Bundesfreund dieses Staates werden soll.

Das Orient-Problem.

Eine russische Anklage gegen England. (Eigener Drah'berickt.

Lausanne, 5. Dezember.

Tschitscherin hat in Lausanne einem Vertre­ter derHumanste" erklärt, die große Gefahr für den Erfolg der Konferenz und für den all­gemeinen Frieden liege in der ganz besonders feindlichen Haltung der englischen Regierung. Mit der angeblich friedlichen Phrase Freiheit der M e e r e n g e n für alle Arten von Schiffen" versucht die englische Regierung in Wirklichkeit einen wichtigen strategischen Punkt gegen Rußland zu erkämpfen. Das eng- lsche Imperium hat lange genug bestanden, ohne die Meerengen in seiner Sand zu haben. Wenn Lord Curzon jetzt das Schwarze Meer in ein geschloffenes Gewässer z« Gunsten der stärksten Seemacht verwandeln will, so geschieht dies, um Sowjctrußland an der Gurgel zu packen. Für die Frage der Meerengen gibt es nur drei Lö­sungen: 1. muß Rußland sie besitzen, 2. die Groß­mächte oder irgendeine internationale Kombina­tion muß mit der Bewachung der Meerengen be­traut werden (Rußland lehnt diese beiden Lö­sungen ab), 3. die Türkei erhält ihre territorialen Gewässer wieder zurück, schließt die Meerengen vollkommen für alle Kriegsschiffe ab. Das ist die einzige Lösung, die für Rußland annehmbar ist. Die Politik Curzons beweist, daß die engli­sche Regierung von einer Politik des Frie­dens und der Versöhnung weit entfernt ist.

Tie Raffelet Neuesten Nachrichten erscheine»wöchentlich sechsmal und jroat ab enbi. Der Abonnementspreis beträgt monatlich 400. Mark bei freier Zustellung ins Hans, in bet Geschäftsstelle abgeholt 390. Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 400. Mark monatlich etnschl. Zustellimg. Bestellungen werden jeberjelt entgegengenommen. Druckerei, Berlag und Redaktion -. Schlachthofftraß- 28/30. Für unverlangt etngesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung ober Gewähr tn keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des BezugSgeldeS ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.

«Sriecheittond und England.

L o n d o n, 5. Dezember. (Eigeue Drahtrnel- bung.) In gut unterrichteten Kreisen wird ver­sichert. die ursprüngliche Absicht Englands, die Beziehungen zU Griechenland abzubrechen, ist aufgegeben worden. Die Ernennung eines der englischen Mitglieder der Finanzkomuttssion in Achen zum Geschäftsträger bedeute das Vorspiel der Entsendung eines neuen Gesandten.

ZuserttonSpreise-. i) Einheimische Aufträge: Tie einspaltige Anzeigenzetle M. 25., die einspaltige Reklamezeile M. 75,. b) Auswärtige Aufträge: Die einspallige Anzeigenzetle M. 25.-, die einspaltige Reklamezeile W. 75., alles einschließlich TeuerungSzuschlag und Anzeigensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Sag hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher abgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme, baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werben. Druckerei: Schlacht- Hofstraße 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5, Telephon Nummer 951 und 952.

vormittag beginnen, wenngleich eine offizielle Zusage von Mussolini in London bis jetzt noch nicht eingetroffen ist.

Ministerkrisen im Westen?

Das belgische Kabinett Theunis.

(Eigener Drahtbericht.)

Brüffel, 5. Dezember.

Rach einer Meldung desOeuvre" rechnet man in politischen Kreisen mit dem baldigen Sturz des Ministeriums Theunis. Man hatte ursprünglich erwartet, daß Theunis bereits über die flämische Frage Mrzen würde und sieht einen Sturz nun anläßlich der besonders großen Schwierigkeiten bei der bevorstehenden Kam­merdebatte voraus. Besonders die Rechte arbei­tet einzig und allein auf seinen Sturz hin und zwar noch vor der BrüffelerKonsercnz. Es wer­den verschiedene Kandidaten als seine Nach­folger namhaft gemacht, vor allem Jasper.

INangewasts Maßnahme.

B e r l i n, 5. Dezember. (Privattelegramm.) Das Reichskabinett ftinnnte in feiner gestrigen

die Zahl der Erwerbslosen

erst 2000, dann kann mit den Mitteln der Stadf allein nicht mehr geholfen werden, dann wird es Ausgabe der gesamten Bürgerschaft sein, diesem außerordentlichen Notstände durch Zusammen» faffung aller außerordentlichen Kräfte zu begeg­nen, damit wir vor dem Aeußersten bewahrt werden. Stadtverordneter Böttcher (Soz.) befaßte sich mit der Notlage der Angestellten Wie bei der Post, so wird auch bei der Reichs-' bahn der Bestand der Vertragsangestellten in' bedeutendem Maßstabe durchgefichrt. Der Ma­gistrat möge bei Enflaffungen die Sorge tragen, daß die Krise nicht noch mehr verschärst wird. Stadtverordneter H e r b o ld gab eine Erklärung der demokratischen Fraktion ab, wonach diese der Ansicht ist, daß alle möglichen Schritte unter­nommen tverdcn müssen, nm die Entlassung hier ansässiger Arbeitskräfte einzuschranken. Keines­wegs dürfen einige Ernährer von Familien be­troffen werden. Der chrffÄiche Arbeiterführer

Erregung tn Cer Vfalz.

München, 5. Dezember. (Privattelegramm.) lieber die Stimmung in der Pfalz wurde den Münchener Neuesten Nachrichten" noch gemel­det, daß die französifche Sühnenote die Erregung in der pfälzischen Bevölkerung noch verschärft habe, da Poinears versuchen will, die pfäl­zische Bevölkerung gegen ein rechtsrheinisches Bayern aufzuhetzen. Die Rechnung Poin- eares sei allerdings eine Fehlrechnung, denn er habe durch sein brutales Vorgehen gerade das Gegenteil erreicht, als er beschlossen habe.

*

BayernsFMntsterprSflöenr beim Reichskanzler

Berlin, 5. Dezember. (Privaftelegramm.) Ministerpräsident Dr. von Knilling hatte gestern abend in Berlin eine Besprechung mit dem Reichskanzler Cuno wegen der bekannten Vor­gänge in Passau und in Ingolstadt.

nationale Volkspartei erwartet von der w --bs regierung, daß fe i»:,'" Wwiw.-L

München 5. Dezember.

Die Bayrische Mittelpartei wendet ich in einer Kundgebung mit schärfstem Protest gegen die neuesten Akte französischer Willkür, die ich in der Drohung der Abtrennung der Rheinlande vom Reich und den Strafmatz- nahmen gegen die bayrischen Städte Passan und Ingolstadt aüsdrüüen. In den letzt­genannten Maßnahmen sei nur der Versuch zu erblicken, neue Vorwande für eine Loslösung des linksrheinischen Bayern zu erhalten. Bon der Regierung wird gefordert, daß sie gegenüber feindlicher Gewaltpolitik und Unterdrüüungstak- tik unerschütterlich fest bleibe. Aus Berlin wird berichtet: Der dentschnationale Vorstand hat folgende Enffchlietzung gefaßt: Die dcutfch-

die maßlosen Fordern ®

konserenz aus Anlaß der Vorgänge in'Passau

liegen. ,. i

Solche Preise bedeuten die Erdrosse- l u n g der Presse. Bei einem Kilo-Preise von vierhundertfünfundvierzig Mark ist es keiner l Zeitung mehr möglich, sich am Leben zu erhal- i len, wenn sie nicht gestützt wird von der treuen Opferbereitschaft ihrer Leser. Und an diese möch­ten wir heute appellieren! Die Zeitung ist nicht etwas Entbehrliches. Ganz im Gegenteil: Die Presse ist unentbehrlich! Man würde das : sehr rasch erfahren, wenn sie einmal nicht mehr bestände. Je saurer der selbständigen, der unab­hängigen Presse das Leben gemacht wird, umso mehr müßte sich eine Nvtgcmoinschaft bilden, die es sich zum Ziele machte, durch die Tat der Zei­tung ihre Treue und Dankbarkeit zu beweisen, die in einstigen schöneren und besseren Zeiten alles daran gesetzt hat, und sich auch durch die fetzige furchtbare Notlage nicht verdrießen lassen wird, weiterhin alles daranzusetzen, um die In­teressen der Volksgemeinschaft, die Interessen je­des Einzelnen von uns wahrzunehmen!

Es ist eine Ungeheuerlichkeit, daß die zustän­digen Steller der Reichsregierung eine derartige systematische Erdrosselung der Presse zulassen. Was soll man von den vielen amtlichen Wor­ten über die Notlage der Presse halten? Was soll man von den Beteuerungen über die Not­wendigkeit der Presse, wie wir sie aus dem Re- gierungsmunde und aus dem Munde unserer Politiker und Parlamentarier ost genug gehört haben, halten, wenn das alles im schreienden Gegensatz zu den Taten steht! Es ist wohl das betrübendste Kapitel der Regierungspolitik, daß sie einen so wichtigen und in der Tat un­entbehrlichen Faktor der gesamten Politik, wie ibn die Presse darstellt, verkümmern und erdros- scln läßt, namentlich die Presse, die frei und unabhängig dasteht und nicht im Banne wirt­schaftlicher Konzerne, Syndikate und Trusts oder politischer sich befindet! Es ist bis jetzt über­haupt noch nichts geschehen, was geeignet gewesen wäre, der Presse zu Helsen. Ganz im Gegenteil: Wir vernehmen jeden Tag, daß ganze Waggons deutsches Zeitungspapier nach dem Nuslande geschafft werden und zwar mit Billigung der amtlichen Stellen. Aus­ländische Zeitungen werden auf deutschem Zei- tunqspapier gedruckt. Die deutschen Zeitungen, die" die Preise nicht mehr erschwingen können (die Preise, die für die Ausländer fteilich nur ein paar Pfennige ausmachen), gehen zugrunde. Anderseits sehen wir. daß auf den Holzauktio­nen in den staatftchen Mildern, desgleichen in den Zellstoff-Fabriken Riesengewinne erzielt werden. Da der Staat selbst aus den Auktionen die Holzpreise ins Phan­tastische treiben läßt, folgen die Papier- preise dieser Steigerung nach. Die Zeitungen aber, dir nicht nur einen wichtigen politischen, sondern auch einen ganz unersetzlichen Kultur­faktor darstellen, werden gedrosselt und durch eine wahnwitzige, durch nichts gehinderte Preispolitik rücksichtslos dem Verderben preisgegeben.

Für uns ergibt sich daraus aber die Parole: Jetzt erst recht! Jetzt erst recht treu zu un­serer Zeitung! Jetzt erst recht opferwillig! Denn die Ausgaben, die wir fiir unsere tägliche gei­stige Nahrung aufwenden, sind wahrlich nicht unisonst gebracht. Wir müssen aber auch bedenken, daß wir uns der Zeitung als des wich­tigsten Verbindungsorgans mit allen Gescheh­nissen in der OÖffentlichkeit, vor allem mit den Behörden in Stadt und Land und Reich be­dienen müssen, und daß wir uns jedes Einflus­ses begeben würden, wenn wir diese Verbindung verkümmern oder absterben ließen. Zeigen wir durch den Eifer und den Nachdruck, mit welchen wir uns für den täglichen treuen Gast und Be­gleiter, unsere Zeituna. einsetzen, daß wir uns in der Treue und Anhänglichkeit und Opfevwil- ligkeit von niemandem übertreffen lassen.

Die Not der Vreffe.

Der Papierpreis im Dezember.

Die Erhöhung der Papierpreise ist nach­gerade ins Phantastische gestiegen. Wahrend man bisher noch annahm, daß für den Monat De­zember ein Preis von zweihundertundfünszig Mark für das Kilo Druckpapier aufrecht erhal­ten werden könnte, werden die Zeitungen nun mit der niederschmetternden Kunde überrascht, daß dieser Preis fast verdoppelt wurde. Der Preis für das Kilo Papier wird sich im Monat Dezember auf vierhundertfünf- undvierzig Mark stellen! Gegenüber einem Friedenspreis von zwanzig Pfennig bedeutet das eine Erhöhung um das Zweitausendzweihundert­undfünfzigfache! Hält man dem gegenüber, daß selbst bei der letzten Devisensteigerung kaum der zweitausendfacke Stand der Friedensbewertung erreicht und überschritten worden ist, so ergibt sich die ungeheuerliche Tatsache, daß die Papier­preise noch um das Zweihunderrundfünszigfache über dem höchsten Stand des Dollarkurses

Vie Kleine Entente und Rußland.

Prag, 5. Dezember. (Eigene Drahtmel- dung.) Es verlautet, daß in Lausanne zwischen den Vertretern der Kleinen Entente eine neue Haltung gegenüber S ow jetrutzla nd eingetreten sei. Es dürfte zu einer sofortigen Anerkennung Sowjetrußlands kommen, wenn Deflarabien bei Rumänien verbleibt und Rußland einen besonderen Hafen erhält. Die Kleine Entente verhandelt hierüber bereits mit den Großmächten der Entente.

Broteft gegen Frankreich

Die Wirkung der Drohnote.

(Privat-Telegramm.)

Sitzung einem Gesetzentwurf zur Abänderung des Gesetzes über Maßnahmen gegen die wirtschaftlich« Notlage der Presse vom 21. Juni 1922 zu. Danach soll die Abgabe von Holzverkäufen im Walde von % auf 1K Prozent erhöht werden. Diese Maßnahme wird nutzlos sein, wenn nicht gleichzeitig verhindert wird, datz die Holzkäufer und Papierfabriken die Abgabesnmme auf den Holz- und Papier­preis auffchlagen.

Dos französische Kabinett Voincars.

Paris, 5. Dezember. (Eigene Drahtmel- dung.) Die Erörterungen über die Wahrschein- lichkeit einer baldigen Ministerkrise in Frankreich dauern fort. TardieuxEcho Rattonal" veröffent­licht unter dem TitelAuf dem Wege zu einem Kabinett Tardieux" einen Auszug aus der in Lille erscheinenden ZeitungLa Depeche", die Poincarös Rücktritt als sicher bezeichnet und Tardieux als den aussichtsvollsten Nachfol­ger PoinearSs erklärt. Haupttnitglied des Kabi- et*a Tardieux würde u. a. Loucheur fein.

tim DeuffchlandsÄadlungen

Vor den Londoner Besprechungen.

(Eigener Trahtbericht.)

Paris, 5. Dezember.

Zu den Londoner Besprechungen schreibt die PariserJnformatton": Der Ausweg eines Mo. ratoriums von kurzer Dauer wird nicht mehr ins Auge gefaßt, vielmehr soll die ganze fran­zösische Reparationsvolitik, die auf dem Gedanken eines tellweisen Ausgleichs der Schulden durch die interalliierten Kriegs­schulden fußt, aufgerollt werden. Jedenfalls werden die bevorstehenden Londoner Beratun­gen mit sehr präzisen Vorschlägen zu rechnen haben. Da alle Beteiligten eine Verständi­gung über die Reparationssrage wünschen, kann man auf einen Erfolg hoffen. Neber den französischen Plan, den Poinears nach Lon­don mitnimmt, find zuverlässige Angaben nicht zu erhalten. An amttidjen Stellen wird ver­sichert, datz nur wenige Persönlichkeiten einge- weiht und datz diese zu unbedingtem Stillschwei­gen verpflichtet worden seien.

Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Arbeitslosigkeit.

Vorbeugende Maßnahmen der Stadt Kassel.

(Eigener Bericht.)

Kassel, 5. Dezember.

Die gestrige Stadtverordnetenversammlung spiegelte wieder die die Nöte unserer Zeit Wider. Der Führer der Fetallarbettergewerkschast, der sozialdemokratifche Stadtverordnete Haupt, begründete eine dringliche Anfrage seiner Frak­tion an den Magistrat. Er fetzte auseinander, datz eine Krise im Anzug ist. Tie Zahl der Arbeitslosen in Kassel befindet sich in ständiger Zunahme. Diese Krise, die beim Stei­gen der Markwährung erwartet wurde, kommt schneller als man angenommen hat. Heute wird die Zahl der Arbeitslosen in Kassel 1200 erreicht haben. In der Metallindustrie, der maßHeben- den Kasseler Industrie, und besonders im Loko- moiivbau, sind bereits 300 Arbeiter entlassen. Bis Weihnachten sollen weitere 300 zur Ent­lassung kommen. Insgesamt werden demnächst 2100 Arbeiter der Lokomottvindusttie zur Ent­lassung fommen. Auch in der Waggon- und Lo- komottvreparatur kommt es zu Einschränkungen. In der Textilindustrie sieht es trostlos aus. Das Baugewerbe ist durch Witterung und Roh­stoffmangel ungünstig beeinflußt. Mit einer Er­höhung der Erwerbslofenunterstützmrg ist es dies­mal nicht allein getan. Der Magistrat sollte be- sttmmte Regeln über Entlassung und Einstellung, von Arbeitern in Kraft treten lassen. Die Zeit drängt dazu, die Zwangsbewirtschaf­tung der Arbeitsmöglichkeiten wieder einzu- führen. Geht es nickt im Wege der Verord- nung, so durch freiwillige Vereinbarungen zwi- scken den Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Or-, gaittsationen mit Vermittelung des Magifliais. Jugendliche vom Lande sind zuerst zu entlassen.

Arbeiter, die wirtschaftlich besser gestellt

sind, müssen für längere Zeit beurlaubt werden. In einer Familie dürfen nur fo viel Erwerbs­tätige fein, daß das Einkommen zum Unter­halt ausreicht. In diesem Sinne sollte der Ma- gistrai bei den zuständigen Stellen in Berlin oder durch Vennittlung des Städtetages vor­stellig werden. Am besten wäre, wenn die De- mobilmachungsbestimmungen wieder in Kraft treten würden. Schon jetzt ist zu beobachten, daß die Arbeitgeber jüngere Arbeitskräfte von ausivärts heranziehen, während ältere ansässige Arbeiter arbeitslos umherlaufen. Auch die Frage der Notstandsarbeiten ist zu erwägen. Die Erwerbslofenunterstützunq beträgt gegen­wärtig bei einer vierköpfigen Familie 1830 Mark in der Mocke ... von dieser Unterstützung bis zur Verzweiflung ist nur noch ein Heiner Schritt. Bürgermeister Brunner erklärte, daß Kassel inbezug auf Arbeitslosigkeit unter den Gro ßstädten an neunter Stelle steht. Der Magistrat hat bereits ganz beftimm- te Richtlinien aufgestellt und Verhandlungen mit der führenden Industrie aufgenommen. Die Firma Henschel hofft, noch Arbeit hereinzub-r- kommen. Sie wird jedenfalls zuerst die Arbei­ter entlassen, die auf dem Lande angesiedelt sind uub der Stadt nicht zur Last fallen. Eine Wiedereinführung der Demobilmachungsvor- schristen im früheren Umfange wird wohl kaum : zu erwarten fein. Tann verbreitete sich Stadt- ; rat Häring, der Leiter der Sozialen Kom- mifsion, über die Arbeitslosenfrage. Er be­dauerte it. a daß m vielen handwerksmäßrgen «Betrieben die Lehrlinge, sobald sie ausgelernt . haben, auf die Straße gesetzt werden. Weiter berichtete er von Verhandlungen mit den Ar- beitaebern beim Regierungspräsidenten, wobei die Ärbeitaeber Kreditnot und Arbeitsmangel : ins Feld führten. Ein offenes Geheimnis ist, - daß auch die Firma Henschel mit Austragsschwie- ! rigkeiten zu kämpfen hat. Die Terttindusttie ist > bereits zur Kurzarbeit übergegangen. Ter i Magistrat hat eine besondere Kommission einge- , setzt, die sich mit der produktiven Erwerbslosen- ' Fürsorge zu beschäftigen hat. Erreicht