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Nummer 284

Dienstag, 5. Dezember 1922,

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Mahnwotte des Reichskanzlers

Unsinn der Wahlen?

I

=

Urteil gegen Vrinz AndreaS-

Men, 4 Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) Aus Athen wird berichtet: In der Kriegsge- nchtsvcrhnndlung gegen den Prinzen An­dreas von Griechenland wurde am Sonntag Abend 11 Uhr das Urteil gefällt. Der Prinz wur­de einstimmig für schuldig befunden, dem Oberbefehlshaber den Gehorsam verweigert und seinen Posten vor dem Feinde verlosten zu ha­ben. Als mildernder Grund wird seine Unerfah­renheit in der Führung eines größeren Heeres vor dem Feinde angesehen. Der Prinz wurde zum Vertust seines militärischen Ranges u. lcbrnslänzlicher Verbannung verurteilt.

len, das deutsche Volk aus der gegenwärtigen Rot und dem Elend zu retten.

LLm die Reparationen.

Die Versuche einer letzten Aussprache.

(Eigene D-ahtmeldung.)

Paris, 4. Dezember.

Die Pariser MittagszeitungInformation" schreibt:Mr einen Meinungsaustausch, der noch für die Londoner Vorkonferenz Nutzen brin­gen soll, ist es zu spät, aber wenn die deutsche Regierung über die Rcparationsfragen eine Aussprache wünschte, sollte man diese Aus­sprache nicht a b l e h n c n. Deutschland ist in einer Lag?, die seine Staatsmänner und Wirt- schastssachvrrständige dazu anregt, nach Besse­rung zu streben. Die Deutschen sind nicht arm an Ideen und Plänen, mögen sie also sagen, was sie zu sagen haben und uns ein neues Ur­teil über ihren guten Willen ermöglichen. Hören wir nur ein neuesWir können nicht", dann wissen wir nmso besser Bescheid. Vorher aber muß jeder Staat und jeder Staatsmann, ebenso in Brüssel wie in London sich bemühen, Kata strophen zu verhüten, die nicht nur ein Volk allein, sondern ganz Europa bedrohen."

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in allen Sprachen

zelebriert wird. Deutsch sprechen nur die AN4 gestellten und die verdächtig zahlreich geworde­nen Fremden aus Österreich. Doch man darf die Oesterreicher, die hier Geschäfte abwickeln/ nicht über einen Leisten spannen. Die guten, armen Teutschösterreicher haben nicht das Geld, sich eine Reise und einen Aufenthalt in Berliner Hotels zu leisten. Kostet doch ein Zimmer in einem erstklassigen Berliner Hotel einschließlich auch der für Oesterreicher geltenden achtzig Pro­zent Fremdenzuschlag ungefähr achttausend Mark im Tag. Die Oesterreicher, die hier deut Bergkönig Gold dienen, sind fast ausschließlich Options-Oesterreicher, die es vorzogen, sich bei der Option für den österreichischen Staat zu ent­scheiden. Auch sie sprechen deutsch. Mer es ist ein Verlegenheitsdeutsch, das auf denr Wege von der Tschecho-Slowakei nach Wien sich noch nicht ganz grammatikalisch richtig entfalten konnte. Alles übrige spricht in babilonischer Sprachen- vettvirrung. Der Hotelschalter, an'uem die Kurse aushängen, ist umlagert. In den feinen Klub- fesseln hocken fragwüdige Gestalten, von Pelz umflossen, und erörtern Tips. Reben der thea­tralisch aufgetakeltcn, von elektrischem Dirnen- licht umflossenen Blumengruppe stehen Korb­garnituren auf schönen Perserteppichen. Mancher notiert Ziffern auf das braune Paneel und verschiebt mit dem Genossen Berliner Häuser.

Häuser wechseln

Vortrag des Satirikers Bcrnard Shaw.

Das Wahlfieber, das jetzt wieder durch ganz England tobte, hat dem Satiriker und scharf­sichtigen Kritiker unserer Gesellschaftsordnung G. B. Shaw Anlaß gegeben, sich über die heu-, ttgen Wahlmethoden in einem sarkastischen Vor­trag zu äußern, den er vor der Fabian-Society hielt. In diesen Ausführungen, über die im Manchester Guardian" berichtet wird, erklärte er das gegenwärtige System die Vertreter, des Volkes auszuwählen, für einen lächer­lichen U n s i n n und zeichnete in scharfen Um­rissen die absurden Wege, auf denen gegenwär- ttg Menschen zur Regierung berufen werden. Er, meinte, daß es eine ganze Anzahl von Männern gäbe, die zum Herrschen geeignet seien, aber die Engländer seien bisher zu dumm gewesen, um die richtigen Mittel zu finden, diese zu entdecken. Wollten sich heute die wirklich Berufenen als Kandidaten aufstellen lassen, so würden sie zwei­fellos nicht gewählt werden, weil sie als ü b e r - legene Persönlichkeiten der durch- schnittlichen Masse notwendigerweise unsym- pathifch, und daher nicht Populär sind. Die Leute, die gewählt werden, sind nach Shaws Ansicht gerade diejenigen, die das gewöhnliche Mittelmaß haben und die sich bei der Masse einzuschmeicheln wissen.

Neue mitttanschr DorSerettungrn.

Lausanne, 4. Dezember. (Eigene Draht­meldung) Die Nachrichten aus Kleinasien und Mesopotamien, die von militärischen Vor­bereitungen Kemal Paschas bei Konstantino­pel, Cilizien und in der Gegend von Mossul zu berichten wissen, scheinen sich zu bestätigen. In einer streng vertraulichen, längeren Konferenz der militörifdjen und Marinesachverständigen Eng­lands, Frankreichs und Italiens wurden mili­tärische und Marine-Maßnahmen be­raten, die zu ergreifen wären, wenn die Türkei mit Unterstützung der Russen in ihrem Wider­stand gegen die Regelung der Dardanellen­frage, wie sie von den verbündeten Mächten in Aussicht genommen ist, beharren sollte.

Englische Auffassung.

London, 4. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung) Am Sonnabend ist der englische Bot- scksaster in Berlin d'Albernon in London ange­kommen um dem englischen Außenamt eine Dar­stellung der augenblicklichen Lage Deutsch­lands zu geben und Mitteilung über die vor­aussichtlichen Absikhtcn der deutschen Regierung bezüglich der Zahlungen zu machen.

Aus dem Nahm Osteu.

Frankreichs unsaubere Einmischung.

(Eigene Drah^meldung.)

Paris, 4. Dezember.

DerMatin" veröffentlicht Mitteilungen über Griechenlands Verhandlungen mit der Entente im Jahre 1920. Es kommen jetzt Berichte zum Abdruck, die Venizelos und sein Vertrau­ensmann über die Haltung Frankreichs gegen­über Griechenland nach Athen ins Ministerium gesandt hat. Die beiden griechischen Vertreter führten in der genannten Zeit mit dem damali­gen französischen Ministerpräsidenten Mil le- rand Besprechungen. Sie betonen, daß Mille­rand sich gegenüber den Forderungen Griechen­lands, die im Vertrage von Sövres enthalten sind, ablehnend verhielt. Die durch die Beröf- fcntlickmng zutage getretene Haltung der En- tentcvettreter löst in Frankreich großes Un­behagen aus. Man schließt aus diesen Veröf­fentlichungen, daß Millerand einer der Urhe­ber des griechisch-türkischen Konfliktes ist.

bezahlt machen mutz. Es muß andere Wege ge­ben, um billigere Milch und billigeren Zucker zu erlangen. Das sei Aufgabe des Reichsernäh- rungsministers. Fort mit allen Stellen, die nur verteuernd wirken, dafür die freie Wirt­schaft unter einer gewissen Kontrolle, die keinen großen Beamteuapparat braucht. Mit einem Beamtenheer ist noch niemals eine Ernäh- rungsftage geregelt worden, ebenso wenig wie die Parteien in ihrer dogmatischen Verblendung dazu beitragen können, dem Volke zu dienen. Rur ein Mann kann das, der die Nöte des Vol­kes kennt und der den Mut findet, unter An­hörung aller Stände und Schichten Entscheidun- gen zu treffen, die nicht nach der gewohnten Schablone gehen. Möge der neue Reichsernäh- rungsminister dieser Mann sein. Der Reichs­kanzler glaubt, daß Dr. Luther, da er von West­deutschland kommt, die Interessen des Rheinlandes in der Regierung wahrneh­men werde und gleichzeitig ein Bindeglied mit dem Rheinlande Herstellen wird, so daß die Sonderbestrebungen im Rheinlande aufhören. In allen Parteien wird dem neuen Reichsernäh­rungsminister Vettranen entgegengebrächt, weil er sich als Essener Oberbürgermeister verdient ge­macht hat um die Ernährung der Stadt und große Erfolge in der öffentlichen Wirtschaft auf­weisen kann. Hg.

DieVreffebermMeWskanzlep

Eine Rede des Reichskanzlers Cnno. lVrivat-Trlearamm)

Berlin, 4. Dezember.

Gestern fand ein Empfangsabend beim Reichs­kanzler für die Berliner Presse statt. In seiner Rede hob Reichskanzler Cuno die Notwendig­keit des Zufammenarbeitens zwischen Parla­ment und Regierung hervor, die beide die glei­chen Ziele, das Wohl und die Wiederauf­richtung des deutschen Volkes erstreben. Der Kanzler betont weiterhin, daß das Kabinett sich an die sachliche Arbeit begeben habe, daß es fest auf dem Boden der Verfassung stehe und er bisher nichts von Meinungsverschieden­heiten im Kabinett gehört habe. Die Bezie­hungen zu den L ä n de r n seien sofort ausge­nommen worden. Cuno erklärte dann, wir ha­ben neben der Einheit im Innern auch die Ein­heit nach Außen notwendig. Vielleicht wird sich das schon in den nächsten Tagen zeigen. Ich ha­be keinen Anlaß, mich Frankreich gegenüber an­ders zu stellen, als gegenüber anderen Staaten. Wir müssen mit Frankreich in Ordnung kommen, pttzr durch sachliche Verhandlungen können die Grenzen abgesteckt werden, nicht durch Noten und Einmarschdrohungen. Tas Kabinett steht nach wie vor auf dem Standpunkt der Note vom 13. November. Die Mitglieder des Kabi­netts sind in mühsamer Arbett bereit gewesen, eine Lösung der Reparatiynsfrage zu finden. Bei unserer Arbeit brauchen wir das Vertrauen des Inlands und Auslandes. Ob der Erfolg eintrc- te« wird, hängt allerdings nicht von uns ab.

Lm die Dürdanellrn.

London, 4. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.)Daily Telegraf" berichtet, daß Grund zur Annahme vorliegt, daß die französische und die englische Regierung übereinstimmend in einer Denkschrift sich für die Einsetzung einer interalliierten Kommission für die Meerengen aussprechen werden. In Lausanne fand gestern eine zweite lang andau­ernde Aussprache zwischen Jsmed Pascha, Tschitscherin und Rakowski statt, die vor allem die Meerengensrage behandelte.

Die Voiksemährung.

Dr. Luther als Crnährungsminister.

Wie uns am Sonnabend aus Berlin berichtet wurde, ist der Essener Oberbürgermeister Dr. Luther zuur Reichsernährungsminister ernannt worden. Dr. Hans Luther, der im dreiundvier- zigsten Lebensjahre steht, ist ein geborener Ber­liner. Sein Vater war Kaufmann, Handelsrich­ter und Aeltester der Kaufmannschaft. Nach Ab­solvierung des Gymnasiums studierte Luther in Genf, Wien und Berlin, machte dann während seiner Referendarzeit eine Reise nach Afrika und war eine Zeitlang in der Stadtverwaltung Char- lottenburg tätig. Später wurde er Stadtrat in Magdeburg, bis ihn im Jahre 1913 der Preu­ßische und nachher auch der Deutsche Städtetag zu ihrem Vorsitzenden machten. Diese Stellung be­hielt er bis zum Jahre 1918 wo er als Nachfol­ger des Bürgermeisters Holle nach Essen kam. Seine Bemühungen um Essen lagen vor allem auf der kulturellen Seite, und er hat hier für Essen in Wohnungs-, Ausstellungs- und Kunst­sragen Großes erreicht. Auch die Schaffung des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk ist zum großen Teil seiner Jnittative zu verdanken. Die vorherige Absicht des Reichskanzlers, einen Land­wirt für diesen Posten heranzuziehen, ist also nicht durchgeführt worden. IN parlamentarischen Kreisen will man wissen, daß die Sozialdemo­kraten sich gegen einen Landwirt ausgesprochen hätten. Sie meinen, ein solcher könnte nicht ob­jektiv und allein auf das Wohl der breiten Masse bedacht sein, sondern würde niemals seinen Stand verleugnen und den Landwitten zu große Freiheit geben. Der Streit gegen die Landwirte nimmt inzwischen immer größere Forrnen an. Die Sozialdemokraten stützen sich auf das Ilm­lagegesetz und fordern scharfe Maßnahmen gegen diejenigen Landwitte, die ihrer Ablieferungs­pflicht nicht nachkommen. Sie wollen ihre Be- strafimg, und um ihre Zwecke zu erreichen, brau­chen Sie. da sie selbst aus der Regierung aus­geschaltet sind, einen Mann, der auf sie hott. Ob Dr. Luther deshalb vom Reichskanzler gewählt wurde, den Sozialdemokraten sein Ohr zu leihen, bleibt dahingestellt. Jedenfalls aber bat er Rou­tine, mit Sozialdemokraten zu verbände! n, und man weiß auch, daß er in den Reiben der Sozialdemokraten gute Aufnahme findet.

Jedenfalls steifen ihm große Schwierigkeiten bevor. Auf der einen Seite die Sozialdemokra­ten, die die Landwirte schuldig heißen an der Teuerung der Lebensmittel, auf der anderen Seite die Landwitte und ihre parlamentarischen Vertreter mit dem Bestreben, die freie Wirtschaft einzuführen da sie glauben, nur so wirklich und ergiebig produzieren zu können. Der Reichs- Ian d b u n d hat dem neuen Reichsernährungs- minister sofott einen Strauß von Forderun­gen auf den Tisch zu legen, der unter anderem vorsieht die Verbilligung des Brotgetreides durch eine Sondersteuer, mit der die Wohlhabenden be­lastet werden sollen. Seit geraumer Zeit sind Bestrebungen im Gange, das immer teurer wer­dende Brot zu verbilligen, weil die arme Bevöl-

an einem Vormittag oft dreimal die Besitzer. Im Schreibzimmer werden, umdampft vom Rauch teurer Zigarren, Vetträge entworfen, ge­schrieben gebrochen. Die Lust riecht nach Pro­vision. Das Wott Million summt in ewig glei­chem Rhythmus durch die Lust. Jeder fast hat seine Konferenzecke. Kleine Leute, b;e in die­sem seltsamen und auf einen abscheulichen un­freien Ton gesttmmten Raum nicht auffallen, ge­ben sich in der Hotel-Halle ein Stelldichein, er­ledigen Geschäftliches, ersparen das teure Kaffee^ haus, telephonieren die Menge ist unkontrol­lierbar bald in der, bald in jener Etage, kostenlos; schinden vielleicht noch unter dem Vor­geben, in diesem einst feudal gewesenen Hotel zu wohnen, allerlei Eindruck. Das ist die Atmo­sphäre in der Halle des Bergkönigs. Wahrhaftig, sie hat uttt Musik nichts gemein. Dr. M. Pr.

3n Bergkönigs Halle.

Der Drang nach Gold.

Wie man jetzt in Berlin SesthSft« machen kann, unb was fSr Menschen e« find, die dem Golde nachjagen, zeigt solgenbe Schildemngr Aus Berlin wird uns geschtteben: In die- serserHalle des Bergkönigs" ist nicht an Griegs Peer Ghnt-Suite" zu denken. Die Halle, von der hier gesprochen wird, ist nur eine Hotel- Halle, und die ganze Geschichte hat überhaupt mit Romantik gar nichts zu tun. Der Bergkönig ist das leidige Gold, an dem bekanntlich alles hängt, nach dem alles drängt. Das Gold hat sich und seiner Majestät sozusagen einen neuen Tem­pel errichtet, in dem es sich anbeten läßt. Dem Sinn der Zeit folgend, ist dieser Tempel die Ho­telhalle, der neutrale Korridor sozusagen zwi­schen allen Staaten der Welt mtd unserem ar­men Deutschland. Der an der Zitaten-Manie leidet, könnte mit Fug und Recht ausrufen: Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammen kamen ..." Die östliche Welle schlägt hier brandend hoch und verschlingt gierig letzte Reste unseres Besitzes. Ein Besuch in derHalle des Bergkönigs", in einem der ersten Berliner Hotels, gibt ein anschauliches Bild von dem Goldgottesdienst, der da

kerung es nicht mehr bezahlen kann. Und' in der Regierung fierrfdrt wohl Neigung, einen Weg zu suchen, um den Armen zu helfen. In­dessen sieben hier die Schwiettgkeiten entgegen, die seinerzeit von der Reparationskommission aufgebaut wurden, die auf Geheiß der Entente­mächte verlangte, daß.Staatszuschüsse für Lebens- mittel aufzuhören hätten. Die Verbilligung kann deshalb tatsächlich nur auf der Basis gesucht wer­den, wie es von den Landwitten vorgeschlagen wird, und für die auch der Reichsfinanzminister bereits zu haben ist, auf dem Wege einer Brot­steuer, die die Wohlhabenden zu zahlen haben. Aufgabe des neuen Reichsernährungsministers wird es sein, sich sofort den wichttgen Forderun­gen anzunehmen. Er wird selbstverständlich mit Widerständen zu kämpfen haben. Aber er muß sichüberdieParteien stellen, wenn er zum Ziele kommen will, muß den Forderungen der Masse gerecht werden, die heute felb^en Brot­kauf bereits als unerschwinglich empMdet.

Nicht allein die Brotfrage aber ist die Frage, die der RcichSernährunKsminister zu lö­sen hat. Immer mehr zeigt es sich, daß die Masse derer größer wird, die nicht mehr mit den Prei­sen mitkommen können. Wenn auch versucht worden ist, durch Wucherabteilungen, durch Wuchergesetzgebung, durch Steuern Auswüchse auf dem Lebensmittelmarkt zu verhüten, so konnte man doch nicht alle Auswüchse eindam- men. Freilich liegt das heute in den Verhältnis­sen begründet. Aber man wird ehrlicherweise gestehen müssen, daß noch niemals ernstlich daran gedacht wurde, die Verhältnisse zu bessern. Den­ken wir nur an die Mi Ich preise. Nicht die Landwitte tragen, wie inzwischen sestgestellt ist, die Schuld, sondern die Zwischenstellen, die die Städte errichtet haben. Oder denken wir an die neue Zucker-Zwangswirtschaft. Hier sollte wieder der Masse Zucker verschafft werden, aber der Ettolg der neuen Organisation ist der, daß der Zucker enorm im Preise gestiegen ist. well die Zwischenverteilung sich aus dem Zucker

L

Kasseler Neueste Nachrichten

Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Die französischen Forderungen.

Berlin, 4. November. (Privattelegramm) , Heber die Alliiertennote, worin Süh­nezahlungen von Ingolstadt und Passau ! verlangt werden, äußerte sich am Sonntag der Reichskanzler: Die Note Hingt nicht danach, als : ob man Verständnis habe fiit die Zusammenar­beit der Völker und als ob ein wahrer Friede ; schon eingekehrt ist. Was der Note gegenüber zu sagen ist, wird von der Reichsregierung in ZnsammenarbeU mit der bayerischen Regierung geschehen. Wir werden die Tatsachen festcllen, wo Unrecht geschehen ist, da muß es gutgemacht werden. Der Reichskanzler verwies dann auf die Einmarschdrohung. die das Rheinland beunruhige. Durch diese Drohung wird ein Land beunruhigt, in dem jeder Ort von deutschem Wesen sprjitz. Demgegenüber wollen wir erneut erklären, daß das Rheinland fest zu D e u t s chl a nd gehört. (Lebhafter Beifall.) Wir werden es nicht zulaffen, daß die Rheinprovinz, die Pfalz und das Saargebiet preisgegeben wer­den. Darauf können stch unsere deutschen Freun­de im Rheinlande, die so Schweres schon jahre­lang über sich ergehen lassen müssen est vettas- sen. (Lebhafter Beifall.) Der Reichskanzler ap- pelliett an die Welt, sie bürfe es nicht zulassen, daß wir aus der krankhaften Steigerung aller Preise in Deutschland nicht heranskommen. Sie fei nur möglich durch eine Stabilisierung der Mark. Der Reichskanzler sagte znm Schluß sei­ner Rede, wel^r großen Aufgaben die Presse cm Wiederaufbau des Volkes hat. Ave Kräfte «« Volke müssen sich vereinigen in dem Gcdan