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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 283

Sonntag, 3. Dezember 1922

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 unO 952

Fernsprecher 951 und 952

Frankreich verlangt Mhnezahlungen

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Verhaltes wird der Oeffentlichkett zu ge­gebener Zeit nicht vorenthalten werden.

Ausruf der Lentrumspariel.

K ö l n, 2. Dezember. (Eigene Drahtmekdung.) Die Zcntrumspartei im Rheinlande ver­öffentlicht einen Aufruf, in dem gesagt wird: Die Zentrumspartei ist der festen Urberzeugung, daß sie ihre Meinung zu der Frage, die heute alle Köpfe in Anspruch nimmt, nämlich die drohende Sanktionspolitik, nicht besonders noch einmal zu betonen braucht. An dieser ernsten Stunde, wo wiederum die rheinische Bevölkerung vom Westen her in große Unruhe verseht wird, wollen wir dem gesamten Auslaiw mit allem Freimut sagen, daß wir in engstem Zusammenschluß mit nnserem gesamten Volke eine ehrliche Politik der Verständigung und der Versöhnung gegenüber unserem westlichen Nachbar betreiben, daß aber solche Politik unmöglich ist, wenn die Einheit und Hoheit des Deutschen Reiches immer »nieder vom Ausland her bedroht wird. Wir tragen nunmehr vier Jahre lang die s ch w e r c n Lasten einer fremden Besatzung, aber keine Gewaltpolitik wird anck in aller Zukunft in der Lage fein, das rheinische Zentrum und die rheinische Bevölkerung überhaupt in ihrer Treue zum Reiche wankend zu machen.

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i München, 2. Dezember.

Die Verhaftung des Kapitänleutnants Ehr­hardt hat vorgestern in München in eigenarti­ger Weise stattgesunden, über dir aber Einzelhei­ten nicht bekannt werden. Jedenfalls hängt die Verhaftung mit der Tätigkeit deS Untersuchungs­richters Metz vom StaatsgerichtShof in München zusammen, welcher Ehrhardt in den letzten Dwchcn unauffällig beobachtete. Den ersten Anstoß zur Verhaftung haben wohl die Preffe- Lutzerungen über nerte Putschvorbereitungcn in Bayern gegeben. Der Oberreichsanwalt hat um die Aushändigung des Materials gebeten, die auch erfolgte, auf Grund dessen er dann die Untersuchung einleitete, die zur Berhastunq Ehr­hardts führte. Hauptsächlich hat Eberhardt auf einem Schlöffe in der Nähe von Schaftlaham Tegernsee verkehrt. Er trat dort immer unter dem Namen Eichmann auf und stieg reaelmäßig in Warngau aus, wenn er nach Sckaftlah fuhr. Auf dem genannten Sckflosse verkehrte auch Lüttwitz unter dem Namen Lorenz, der sei­ner Umgebung als Decknamen bekannt war.

Ghcharöw Verhaftung.

Verdacht gegen Putschsorbereitungsn.

(Privat-Telegramm.)

3nfertt»nlpreife: *) Einheimische Aufträge: Die etnfpatttge Anzeigenzetle M. 25., die einspaltige Reklamezeile M. 75.. b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltige AnzeigenzrU« M. 25., die einspaltige Reklomezeile M. 75., alles einschließlich Teuerungszuschlag und Anzeigensteuer, wär Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher ausgegebenen Anzeigen, sowie für Ausnahme- baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht- hofftrabe 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nummer 951 und 952,

EnfftyUktzung dsr Sozialdemokraten.

Köln. 2. Dezember. (PrivatteVegramm.) In einer Entschließung der Funktionäre der ver­einigten sozialdemokratischen Par- tei Köln wird der Anspruch der franzäsi- s ch e n Negierung mtf die rheinische Wirtschaft und die rheinländische Verwaltung mit aller Entschiedenheit zu rückgewiesen. Das Land am Rhein ist politisch, wirtschaftlich und kulttr- rell so eng mH Deutschland verbunden, daß die französische imperialistische Politik nur neues großes-N n h e i l. vor allem auch für die Lohn- und Gehaltsempfänger im Rheinland und im übrigen Deutschland bringen wird.

Berlin, 2. Dezember.

Aus Paris wird amtlich berichtet: Infolge der Zwischenfälle in Stettin, Passa« und Ingolstadt, deren Opfer Offiziere der inter­alliierten Kontroll-Kommission in Deuffchland waren, war von der Reichsregierung eine Ent schttldigung und Genugtuung verlangt worden. Diese ist aber angeblich nvr in ungenügender Weise gegeben wviven. Die Boffchafter-äonfe

renz hat daher Scschloffen, energische Mastnah - m e n zu ergreifen und hat an den deitffchen Bot­schafter in Paris eine von der Botschafter-Konfe­renz beschlossene und von PoinrarS unter­zeichnete Rote gerichtet, in der die Reichsregie­rung von folgenden BcsckMffen der Alliierte« un­terrichtet wird: Vor dem 10. Dezember muß die Genugtuung, die von der deutschen Regie­rung für die Zwischenfälle von Passau und Stet­tin noch nicht gegeben ist, gegeben sein. Die Gut- machungen oder Santtionen, die der deut­schen Negierung von der interalliierten Kontroll- Kommission für den Fall Ingolstadt mitgeteilt werden, find durchzuführcn. Der bayrische Mini- sjerpräfidcnt mutz an die interalliierte Kontroll- Kommission einen Brief schreiben, worin er wegen der Zwischenfälle von Passau und Ingol­stadt nm Entschuldigung bittet. Jede die­ser beiden Städte wird mit einer Geldstrafe von 500 000 Goldumrk belegt. Für den Fall, datz diese Zahlungen überhaupt nicht oder nur teil­weise bis zum 10. Januar durchgeführt werden, wollen die alliierten Regierungen zu ihrem Vor­teil den Betrag von einer Million Gold­mark oder den auf diese Summe entfallenden Teil von den Einnahmen abhcben, die der bayri­schen Regierung aus der Pfalz zugehen.

Regierungs-Beratung.

Berlin, 2. Dezember. (Privattelegramm.) Zur Rote der Boffchasterkonferenz wird halb­amtlich gemeldet: Die Rote ist gestern an hiesiger zuständiger Stelle ringegangcn und sofort Ge- aenstand eingehender Beratungen der beteiligten Ressorts gewesen. Die Entschließungen der Re­gierung werden im Einvernehmen mit der bay­rischen Regierung getryffen werden. Eine ein­gehende objektive Darstellung des Sach-

Immer noch Hanöerslrkeg.

Zurückweisung deutscher Ware«.

In welch unvernünftiger Weise von unseren Feinden heute noch Politik und Wirtschaft mit­einander verquickt werden, ergibt sich aus einem

gen Englands, sowie die Proteste von den Re­gierungen anderer Länder zeigen, wie man all­gemein diese Tat verabscheut. Nur Frank­reich nimmt wieder eine Ausnahmestellung ein. Der französische Vertreter in Athen kann seine unsaubere Verbindung mit den griechischen Re- voluttonären nicht leugnen. Wie vorher in der Türkei, so hüben- die Franzosen auch setzt in Grie­chenland gegen die Engländer gewühlt. Ueberdies haben die alten Verbündeten beiderseitig man­cherlei auf dem Kerbholz. Auch die Englän­der sind nicht unschuldig. Als Lord Curzon in Lausanne dem griechischen revoluttonären Dele­gierten Venizelos gegenüber seine Entrüstung über die Hinrichtung aussprach, erwiderte dieser, England habe die Griechen vorher zu noch viel schlimmeren Missetaten veranlaßt. Die gegensei­tigen Vorwürfe sind fckhr bezeichnend. Es wer­den in Lausanne Eiterbeulen aufgestochen, vor denen man die Nase zuhalten muß. K. F. D.

Neue Demütigung.

Deutschland soll sich entschuldigen und zahle« lPrivat-Telegramm.)

Kasernen und Klöster-

Umwandlung i« Wohnungen.

®ie Wohnungsnot nimmt kein Snbe. Wie an« naetz stehendem Bericht hervorgeht, werden Bereit« in Kasernen, Klöstern und Krankenhänsern in umfangreicher Weise Wohnnngen für die Suchenden eingerichtet. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrie- . den: Unsere Kasernen sind längstgut bür­gerlich" geworden und haben sich die Umwand- lung ansStätten soldatischer Zucht und Ord- ' mtnfl" in Kleinwohnungen gefallen lassen müs- ! sen: derZivilist- herrscht jetzt in den alten, ge- i räumigen Kasernen. Aber die Wahl der Woh- : nungssuchenden hat sich dadurch kaum vermin- dert, und das Wohnungsamt weiß nicht, wo es die vielen, vielen Anwärter unterbringen soll. Nun stellen die Stadtverordneten den Antrag, das ehemalige Karmeliter-Kloster in der Weiß- srauenstraße als Wohnungen einzurichten. Der Magistrat gab kürzlich seine Zustimmung, uud so werden in nicht allzu ferner Zeit die alten K l o st e r r ä u m e, die seit der Resormatton ihre eigentliche Bestimmung verloren hatten, wieder­hallen von fröhlichem Kinderlärm, rasche Schritt- chen werden die stillen Gänge beleben: Wandel der Zeiten! Besonders hat aber die Rot der wohnungslosen Studierenden in Frankfurt un­beschreibliche Formen angenommen, man braucht nur die RubrikWohnungsgesuche" in den Zer- ; hingen nackt »schlagen, um die große Zahl der Zimmersuchenden Studenten und Studenfinnen festftellen zn können. Sie sind schon in ihrer

' Berzweifelung auf die Idee verfallen, fine die, Neberlassung eines Zimmerz eine Prämie zu zahlen, die natürlich niemals die Höhe der Summe erreicht, wie sie der Ausländer oder der bessere junge Herr" bieten.

Die Zimmerpreisc steigen

von Monat zu Monat, fie scheinen in engster Verbindung mit dem Dollar zu stehen! Denn die phantastischen Preise, die für ein dürftig möbliertes Zimmer ohne Bettwäsche (natürlich auch ohne Kaffee und Bedienung oder Licht von Heizung ganz zu schweigen!) gefordert und auch gezahlt werden, übersteigen die kühnsten Erwartungen. Und wagt man bescheidene Ein­wendung zn machen, so ist immer schon einer da, der gern das Doppelte oder Dreifache zahlt, um das ..prächtige Zimmer" (wie die SSirtin be­hauptet) zu bekommen. Die Verordnung, daß der Vermieten nur die auf den Raum enffal- lende Miete (zuzüglich der amtlich festgesetzten Abnutzungsgebühr für Einrichttlng, Wäsche usw.) nehmen darf, steht auf dem Papier und wird vielleicht in zwei unter tausend Fällen zur Anwendung gebracht. Die jungen Studierenden, die ja bekanntlich nicht an Ueberfluß von Mam-. mon zu leiden haben, stehen diesen Forderungen machtlos gegenüber. Ihn ihnen ein, wenn auch bescheidenes Heim bieten zu können, hat man damit begonnen

Schlafsäle filr Studierende einzurichten. Der Verein für Tuberkulose-Für­sorge hat als erster die Tat folgen lassen, uud in seinen Räumen in der Stiftstraße einen Schlaf­saal mit zehn Betten zur Verfügung gestellt. Die Betten sind Eigentum des Vereins und wurden seinerzeit bei Auflösung der Frankfurter Laza­rette erworben. Die Bettwäsche stellen die Stu­denten selbst, doch wird im Bedarfsfälle auch solche gestellt. Seit etwa vier Wochen ist diese Studentenherberge* in Betrieb. Ein Wasch­raum und ein gemütliches gemeinsames Wochu- und Atudierz immer sind angegliedert, und die Bewohner haben ihre gemeinsameBude" schon recht heimlich einzurichten gew'.tßt und sind froh,

endlich eine gute Unterkunft

gefunden zu haben. Diese StudentenwoHnung wird durch das »Berufsamt ftir Akademiker", welches sich in der Unitersität befindet, vermie­tet, und der Beherbergungspreis stellt sich pro Monat auf 800 Ji. Natürlich will man weitere Schlafläle einrichten, aber es fehlt an geiegneten Räumen, denn Betten Wären in genügender Zcchl vorhanden. Man dentt jetzt daran, leer­stehende Baracken des Städtischen Kran, kenhanses diesen Zwecken nutzbar zu ma­chen. Denn auch das Städtische Krankenhaus ist infolge der sehr erhöbten Pflegesä.tze nicht mehr so stark belegt wir ehedem, man kann sich dasKranksein" eben nickt mehr gestatten. Ein anderes kiesiges Krankenhaus^ hat sich bereits dazu verstanden und für zwölf Studentinnen Schlafgelegenheit und Unterkunft geschaffen, und es wäre zu wünschen, daß man die leerstehenden Rättme der Frankfurter Kranftnhäuser, soweit ie sich dazu eignen, den wenig bemittelten Sal­dierenden einrältmte, damit wenigstens dieSrn- denten-Wohnungsnot" beendigt würde.

Entrüstung in der Dresse.

Berlin, 2. Dezember. (Privattelegramm.i DerLokalanzeiger" erflärt: Das neue franzö­sische Schriftstück ist der Unterschrift würdig, die es trägt. Es heitzt, dah es sich hier nur darum handelt, Borwände zur Drangsalierung Deutschlands zu gewinnen. Das ist umso klarer, als zum Beispiel im Falle Ingolstadt noch nicht einmal das Ergebnis der Untersuchung vorliegt. Uebrigens waren in diesem Falle Be­sprechungen mit Genereal Rollet gepflogen wor­ben, die einen befriedigenden Verlauf nahmen. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" spricht vom Sanktionsrausch PoinearSs, der Berliner Sätfenlurier" von einem Strafbe- fehl PoinearSs und dieBörsenzeitung" von einem französischen Ultimatum an Deutsch­land. DieBosfische Zeitung" bemerft: Bei der rücksichtslosen Forderung der Boffchasterkonferenz darf man daran erinnern, datz die eine Million in Gold etwa zweiMilliarden Papiermark gleichkommt. Welche selffame Vorstellung macht ich denn wohl die Boffchasterkonftrenz eigenflich von dem Etat einer Provinzstadt?

Sturmzeichen.

Europa kommt nicht zur Ruhe.

Roch immer herrschen Unruhe, Haß und Kampf in Europa. Es scheint, als ob alle mensch­lichen Untugenden entfesselt wären, die die Ver­nunft für unabsehbare Zeit ersttckt hätten. Alle Völker leiden unter diesem widerwärtigen Zu­stande, und doch bringt keins die nötige Kraft auf, um geordnete und stiedliche Verhältnisse zu schaffen. Raubgierige Gesellen mit niederen Trie­ben haben sich die Gewalt über Europa ange­maßt, und als polittsche Abenteurer, denen nur die Gegenwart etwas gilt und die sich nicht um die Zukunft kümmern, Hetzen sie die törichten Massen gegeneinander. Es ist ein Kampf in übelster Art um Besitz und Macht. Die zu schöpferischer Arbeit unfähigen Franzosen wollen Deutschlands besten Jndustriebesitz an sich reißen, um sich selbst zu bereichern. In Lausanne be­mühen sich die Engländer, Franzosen und Ita­liener, die Herrschaft über die Türkei zu erhal­ten. In Griechenland wagt es eine Revolutions- tegierung, die Männer der Gegenpartei zu er­morden, um ungestört in wüster Willkürregie­ren" zu können. Die Beweggründe sind überall die gleichen, uub leider liegt die Macht in den Händen von Unwürdigen, die nur zerstören kön­nen, aber nicht imstande sind, aufzubauen.

Es ist uns Deuffchen, soweit wir uns trotz oller Wirrnisse einen klaren Geist und ein reines Empfinden bewahrt haben, unbegreiflich, daß die Franzosen ihre gemeine Habsucht noch nicht über­winden können. Wie sie sich die Welt vorstellen, wenn sie mit Militärgewalt das Rheinland vostt Mutschen Mutterlande losreißen und das «Tll; R uhrgebietmit den Kohlengruben und Wäl­dern annektieren, geht aus ihren Phantastereien hervor. Sie bilden sich ein, daß die Deuffchen für Frankreich arbeiten sollen, damit das fran­zösische Volk bequemer auf unsere Kosten leben könne. Das scheint zwar sehr einfach, wenn man die schwarzen und weißen Truppen vorrücken läßt. Aber das heißt doch, die Rechnung ohne den Wirt machen. Auf dem deutschen Boden zu beiden Seiten des Rheins ist genug Rational- aefiihl im Volke wach, das den fremden Bedrök- kern einen festen Widerstand auch ohne Waffen entgegensetzen wird. Die Treubekennt­nisse, die in diesen Tagen vom Rhein und von der Ruhr zu usts hergesandt wurden, zeigen, daß dort noch ein gesunder deutscher Geist lebt, der die französischen Pläne mit Entrüstung und Verachtung zurückweist. Aber nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern ist man der Unersättlichkeit der Pariser Herren über­drüssig. Obwohl Bonar Law zu dieser Frage recht wenig verlauten läßt und obwohl der außenpolitisch unzurechnungsfähige Mussolini sich mit Poinarö verbrüdert bat, werden doch in England und in Itali en Stimmen laut, die Frankreichs Absichten scharf verurteilen. Be­sonders in Amerika hat man dem Hetzapostel Clemenceau deutfich zu verstehen gegeben, daß man die unsinnige Parffer Politik nicht unter­stützt. Die plötzliche Anordnuna. daß die ameri­kanischen Truppen am Rhein, die nach Amerika abbernfen worden waren, nun doch noch im Rheinland bleiben sollen, steht mit dieser An­gelegenheit im Zusammenhang. Die Amerikaner halten es für besser, die Franzosen vorläufig wei­ter su beaufsichtigen.

Sind die Reibungen zwischen den Alli­ierten dadurch verschärft worden, so hatte sich schon vorher ein ernster Zwist entwickelt um die türkische Frage. Die Lausanner Konferenz enthüllt manche unlautere Handlung, die die Franzosen und Engländer gegeneinander began­gen haben. Während die Engländer den Türken gegenüber als Herrscher austraten und selbst die griechische Armee benutzt hatten in der Absicht, die Türken durch den Krieg zu schwächen, stärften die Franzosen den Türken den Rücken durch Lie­ferung von Muniffon, was nicht zuletzt mit zur griechischen Niederlage beitrug, also gleichbedeu­tend mit einem englischen Fehlschlag war. Wem, jetzt auf der Konferenz um den türftsch-griechi- scken Frieden, um Grenzfefffetzung und derglei­chen Dinge öffentlich verhandelt wird, so spielt sich hinter den Kulissen ein stiller Kampf der Diplomaten ab. bei dem es sich itm nichts Gerin­geres als um bedeutende Petroleum-Kon­zessionen handelt. Daran haben neben den Engländern und Franzosen auch die Amerikaner ein Rnr?c§ Interesse, und es ist kein Geheimnis, daßirefe dabei die führende Rolle spielen. Ter alte Konkurrenzkampf der Standard-Oil-Eom- pany und der britischen Royal-Dutch-Comvanp tritt,hier w-eder mit aller Schärfe hervor. Es ist bereits so sveit. daß die Petroleumftage auf der Konferenz -mit größerer Wichtigkeit bebändert wird als die griechisch-türkischen Anoelegenbeiien

Eine Ablenkung haben vorübergehend die Ver- i Handlungen durch die jüngsten Athener Vor« ; gänge erfahren. Durch die Hinrichtung। her sechs griechischen Minister und Generale des ! alten Regimes hat sich die neue revolutionäre Regierung in ein sehr schlechtes Licht gesetzt. Der i fpfortrge Abbruch der diplomatischen Beziebun- ;

Treuegelöbnkffe vom RheZn.

Erklärung der Akademiker.

(Vrivat-Telegramm.)

Köln, 2. Dezember.

Die Kölner Bereinigung alter Akademiker er- lätzt folgende Erklärung: Die Kölner Bereini­gung alter Akademiker weiß sich eins mit der gan­zen rheinischen Bevölkerung und insbesondere mit allen Rheinländern, welche je eine deutsche Hochschule besucht haben in der schärfsten Zu­rückweisung aller gegen die Freiheit der Rheinlande und auf ihre Absonderung von Deutschland gerichteten Bestrebungen. Wir alten Akademiker wissen aus der Geschichte nur zu gut, welche schwereuSchäden und wieviel Leid der rheinischen Bevölkerung schon aus bei f r e rü­den Herrschaft erwachsen ist. Wir Rheinlän­der verzichten auf jede Beglückung aus welschem Lande und hängen mit allen Fasern unseres HerzensamDeutschenReiche. Mit allen Fasern unseres Herzens hängen wir am Deut­schen Reiche, an deutscher Art, der deutschen Sitte und wünschen, datz es immerdar so bleibe. Von unserem unverdient gebenriitigien, aber darum ton unS umso Heister geliebten Baterlande wollen wir nie und nimmer lassen. Ebenso halten wir zusammen mit allen Aka­demikern des Rheinlandes in dieser Stunde tief­ster Rei in neuer heiliger Treue.