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Mittwoch, 29. November 1922.

Staffelet Reuest Nachrichtea

12. Jahrgang. Nr. 279.

geringsten geändert", sagte er.Ich halte mich, an die Worte George Washingtons, daß es im besten Interesse des Landes ist, irgendwelche Verwicklungen mit dem Auslande zu vermeiden und uns lediglich mit unseren eigenen Angelegenheiten zu beschäfti­gen. Meine Ansicht ist, Amerika für die Ameri­kaner, und die andern mögen tun, was in ihrem Belieben steht. Wir ssnd heute hier versammelt, um eine Einmütigkeit zu feiern, die durch den schlimmen Irrtum der Kriegsteilncchme nicht ge­brochen werden konnte. Das Blatt von Tausen­den kommt über die Häupter derer in Washing- tor. Wenn sie Deutsch la nd ge folgt wä­ren, anstatt England, dann wären sie im Rech­ten gewesen und die Sachen wären an­ders verlaufen.

preußischen Landtag.

Staats- und Gemeindefragen.

Berlin, 28. November.

Der preußische Landtag machte am Montag sehr schnelle Arbeit. Eine große Reihe von Ge­setzen wurde ohne erhebliche Aussprache erledigt. Die Vorlage über weitere Staatsmittel zur Si­cherung der Stromversorgung im We - serqucll- und Main gebt et, sowie über die der Hochwasser-, Deich- und Vorflutverhält­nisse an der oberen und mittleren Oder wurden der Ausschußberatung überwiesen.

Ter Ausschuß soll sich mit dem Entwurf noch weiter beschäftigen, durch den eine Verstärkung planmäßiger Kriminalbeamten stellen im Interesse einer schärferen Kontrolle verlangt wirb. Königsberg soll einen neuen Kriminal­direktor erhalten. Auch mit dem Antrag der Deutschen Volkspartei, im Interesse einer schär­feren Kontrolle des Grenzverkehrs zur Abwehr wirtschaftlicher Schädigungen für die Beamten der Landesgrenzpolizei etatsmüßige Stellen zu beschaffen, wird sich der Ausschuß noch zu be- schastigen haben .

Im Interesse der F e st i g u n g der verfas­sungsmäßigen republikanischen Staatsform sollen nunmehr jederzeit Ministerialdirigenten, Oberpräsidenten usw in den Ruhestand versetzt werden können, gleichgültig, ob der betreffende Beamte vor Inkrafttreten der Reickis - verfassung angestellt worden ist. Die Deutsch- nationalen, für die Dr. Kries sprach, erhoben schwere Siebenten. Sie erblickten darin eine .weitere Politisierung von Beamtenklassen, von denen eine solche bisher ferngehalten worden sei. Schließlich überwies man den Gegenstand dem Verfassungsausschuß.

Anträge, die Neuwahlen zu den Ge­meindevertretungen bis zum April 1923 zu verlangen, riefen zum Schluß noch eine kleine politische Auseinandersetzung hervor. Man griff den -Staatsrat an, und warf ihm Sabo­tage vor. Abg. Dr. Negenborn (®n.) stellte sich schützend vor ihn und verlairgte, daß man seine gutachtliche Aeußerung im Landtage hören müsse. Schließlich gingen die Anträge an den Gemeindeausschuß und man vertagte sich auf Dienstag.

Aufstand in Bettln.

1 Verhandlung mit den Hochbahueru.

Berlin. 28. November.

<" Der Ausstand der Hochbahner dauert doch fort. Jedoch ist gestern versucht worden, die beiden Parteien an den Verhandlungs­tisch zu bringen. Als Vermittler zwischen bei­den Parteien kommt der Vorstand des Afabundes und der Oberbürgermeister von Berlin in Frage. Die Hochbahner selbst sind verhandlungsbereit und es scheinen nicht zuletzt die ungeheuren Kosten eines Streiks in der heutigen Zeit hierzu die Veranlassung zu sein, die bisher die Durchführung aller Streiks der letzten Zeit in Berlin fast unmöglich gemacht haben.

Wilder Streik der Müller.

Berlin, 28. November. (Drahibericht) Die gesamte Berliner Mühlenindustrie ist seit Sonnabend nachmittag durch einen wilden Streik lahmgelegt worden. Die Berliner DampfmühlenEl.-G. hatte einen Arbeiter einge­stellt, der der Belegschaft nicht genehm war. Man

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sandte eine Deputation zur Direktion und ver­langte unter Streikandrohung die sofortige Ent­lassung des Neueingestellten. Die Direktton der genannten Mühle weigerte sich jedoch.

Vettoneu-Fadrpreise.

Die Eisenbahn-Betteuerung ab 1. Januar 1923.

Amtlich wird bekannt gegeben: Mit Wirkung vom 1. Januar 1923 ab werden die Fahrpreise für den allgemeinen Verkehr nach folgenden Ein- heitssätzeil berechnet: Für das Kilometer vierter Klasse 4 Mark, dritter Klasse 6 Mark, zweiter Klaffe 12 Mark, erster Klasse 24 Mark. Die Fahr­preise bis ICO Mark werden aus volle 2 Mark, über 100 bis 500 Mark aus 10 Mark, über SCO bis 1000 Mark auf 20 Mark, über 1000 bis 2000 Mark aus 50 Mark und über 2000 Mark auf 100 Mark abgerundet. An Schnellzugszuschlägen werden in der Zone (175 Kilometer), Zone 2

Heute:

Technische Anndscha«

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»00000000000000000<>00000000000s, die Berechnung darauf hinaus, daß man zum mindesten den Verbrauch des letzten Viertels des abgelaufenen Jahres zugrunde legen darf, wobei man sogar noch darüber hin­aus den Verbrauch des auf den Sttchtag fol­genden Vierteljahres berücksichtigen kann.

Handelskammer und Vreffe.

Erkenntnis der Notlage.

Die Handelskammer Hamburg.hat soeben in den Hamburger Tageszeitungen ein mehrspaltiges Inserat folgenden Inhalts er­lassen: »Die Not der Presse fordert unbedingt, daß die gesamten wirtschaftlichen Kreise der Tages- und Fachpresse durch Zuwendung von Anzeigenaufträgen und Aufrechter­haltung des Bezuges Unterstützung zuteil loerden lassen. Im Hinblick auf die Bedeutung der Presse für die Allgemeinheit und insebsou- bere für unsere wirtschaftlichen Beziehungen zum Auslände werden Hamburgs Industrie unb Handel aufgefordert, zur Erhaltung einer w irt- sch östlichen unabhängigen Presse beizutragen. Die Handelskammer Hamburg."

Der Württembergische H anbei s- lammertag hat bei seiner Tagung in Stutt­gart am 8. und 9. November 1922 eine Ent­schließung für die Presse einstimmig angenom­men, in der es u. a. heißt:Die derzeitige wirt­schaftliche Notlage der Presse bringt nicht nur zahlreiche kleinere und mittlere Zeitungen zum Erliegen, sondern zwingt auch führende Zeitun­gen zu empfindlichen Einschränkungen sachlicher Natur. Die vom Reichstage und von der Reichs- regierung unternommenen Schritte wie die bis­herigen unaiblässigen SekbsGilfemaßnahmen er- toiefen sich vielfach als unzulänglich. Eine nach­haltige Kräftigung und Stütze könnte der vor­bezeichneten Presse hingegen dadurch gesichert werden, daß Industrie und Handel sie gerade über die derzeitigen schwierigen Verhältnisse durchAufträge mittelbar stützen. Die wiitt- temberqischen Handelskammern erachten es für ihre Pflicht, Industrie und Handel ihrer Bezirke nahezulegen, der Notlage her am wirtschaftlichen Nachrichtendienst beteiligten Presse durch Bezug der Zeitungen wie durch erweiterte Erteilung von Anzeigen und Propagmtda-Austrägen auch ihrerseits nach Möglichkeit mit steuern zu helfen."

Eine ähnliche Kundgebung hat die Han- delskammer Goslar an die Wirtschasts- kreise erlassen. In der Kundgebung heißt es: Die deutsche Wirtschaft muß der Presse bei dem Kampfe ums Dasein Hilfe leisten. Aber auch iie Regierung muß helfend eingreifen. Sie muß die Preffe als EinrichttlNg des öffentlichen Le­bens in jeder geeigneten Weise unterstützen und insbesondere Sorge tragen für die Beschaffung billigen Holzstoffes aus staatlichen Wäldern unb für Ermäßigung be-zw. für Befeittgung der An­zeigensteuer. An Handel, Industrie unb Ge­werbe richten wir bie Aufforderung, bei schwer ringenden Presse, die das wicht i gsie B i n d e. glich im wirtschaftlichen Leben ist, ledwede Förderung zuteil werden zu lassen, damit unsere Zeitungen lebensfähig unb le­benskräftig bleiben, durch Mitarbeit, durch Be­zug unb durch Zuwendungen von Anzeigend

Von den Dezember-Preisen der deut­schen Zeitungen sind inzwischen folgende weitere bekannt geworden: als zweimal täglich erschei­nende Zeitungen kostenBerliner Tageblatt" voraussichtlich 900950 M,Deutsche Allgemeine Zeitung" undBerliner Börsen-Kurier" 800 bis 900 M,Deutsche Tageszeitung",Deutsche Zei­tung",Kreuzzeituna undVorwärts" 300 M, als einmal täglich erscheinende ZeitungenTag" 450 M,Berliner Volkszeitung" 480 Jt.

Aus Politik und Wirtschaft.

Die Frachten vom 1. Dezember ab. Die zuM 1. Dezember b. I. eintretenbe Erhöhung der Gü­tertarife bezieht sich nicht aus Kartof­feln unb Obst. Hierfür bleiben bie bisheri­gen Sätze weiter in Kraft. Zur Schonung beS Erpreßguttarifes wird ferner das Mindestge- wicht von 10 auf 5 Kilogramm herabgesetzt.

Die Autoflaggen des Reichspräsidenten. Der Offenbacher Schristkünstler und Kunstgewerbler Rudolf Koch hat vom ReichSkunstwart den Auf­trag zur Anfertigrmg von zwei Reichsadler- Flaggen für den Gebrauch im persönlichen Dienste des Reichspräsidenten erhalten. Die Autoflaggen werden in Seide ans geführt.

Der Zusammenbruch der Pfälzischen Bank. Die Erhebungen in der Angelegenheit des Direk­tors Römer, der durch Spekulationen den Zusammenbruch der Pfälzischen Bank herbeige­führt hatte, haben ergeben, daß Römer zwar durch feine Spekulationsgeschäfte die Interessen der Bank aufs schwerste geschädigt hat. Ein Verschulden im Sinne des Strafgesetzbuches konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. LautMünchener Reifung" ist das Verfah­ren gegen ihn eingestellt worden.

Um den Achtstundentag. Man schreibt uns: Nach einer Notiz in den Tageszeitungen sollen verschiedene Gewerkschaften im Einverständnis mit ber sozialdemokratischen Reichstagsfraktion einen Beschluß gefaßt haben gegen bie Verlän­gerung bet gesetzlichen achtstündigen Arbeits­zeit. sowie für bie Stabilisierung bet Mark. In dieser Notiz ist überall fälschlicherweise der Deutsche Beamtenbund" als Mitbeteiligter be­zeichnet worden, während derAllgemeine Deutsche Beamtenbund", welcher dem A. D. G. B als Beamtensäule angegliedert ist, diesen Beschluß mitgefaßt hat.

Turnen, Spott, Spiel.

Das Kreisspiel.

Hessen Süd Hann oder 6:5 (3:3): lieber das Spiel schreibt unser IV.-Mitarbeiter: Das Spiel dieser Auswahlmannschaften kam trotz des schlechten Wetters zum Austrag. Dem­gemäß hatten sich auch nur wenige Zuschauer eingefunden. Trotz der ungünftigen Bodenver­hältnisse wurden von beiden Mannschaften recht gute Leistungen gezeigt. Die Südhannoveraner

(76 bis 150 Kilometer), Zone 3 (über 150 Kilo­meter) erhoben: für bie dritte Klaffe 100, 200 und 300 Mark, für die zweite Klaffe 200, 400 und 600 Mark, für bie erste Klasse 400, 800 unb 1200 Mark. Die Gepäckfrachten sind von bemselben Tage ab auf 1 Mark (bisher 40 Pfg.) für Je zehn Kilogramm unb einen Kilometer erhöht. Die Mindestsracht Wird auf 100 Mark (bisher 40 Mk.) ftstgelegt. Der Expreß guttarif enffpricht dem je­weils um 60 vom Hundert erhöhten Eilguttarif. Im Verkehr mit dem Auslände verbleibt es auch ferner bei dem bisherigen Verfahren der Ausgabe von Fahrkarten mit Preisangabe.

Die Hochverräter im Rheinland.

Störte französische Propaganda.

Aus Köln wird gemeldet: Unter dem Drucke und mit riesiger Geld-Unterstützung der Franzo- en bereiten sich im Rheinland zurzeit Dinge vor, die diesmal zweifellos ernst zu nehmen sind Die Bewegung der Smeets-Anhängerhat in der letzten Zeit an Bedeutung wesentlich zuge- rtuntnen. Der Grund für die Zunahme ist in der Ansicht vieler Rheinländer zu suchen, die dahin geht, daß von der Reichsregierung bisher nicht genug für die Rheinländer getan wor­den sei. Die französischen Drangsalierungen ha­ben außerdem gewisse, an sich wenig wider­standsfähige Teile der Bevölkerung mürbe ge­macht. Diese Leute erklären, daß die Rheinpro­vinz Handelsobjekt zwischen England und Frank­reich geworden sei, und daß das Reich mit ver- fchränkten Armen zusehe. Unter diesen Umstän­den ist einer am heutigen Dienstag in Bonn statt­findenden Generalversammlung der Smeets-An- hänger besondere Bedeutung beizumeffen.

Die neue 3udertorte In Vreutzen.

Im Dezember drei Pfund Zucker pro Kopf.

Die Hauptgeschäftsstelle für den Zuckerverkehr im Betriebsjahre 1922-23 gibt bekannt: Preußen hat sich entschlossen, vom 1. D ezember ab die Verteilung des Mundzuckers durch eine Zuk- kerkarte zu regeln. Die Karte besteht aus einem Stammteil und für die Monate Dezem­ber, Januar, Februar. März aus je zwei Mo­natsabschnitten (A/B). Jeder dieser Abschnitte berechtigt zum Bezüge der halben, jeweils für den betreffenden Monat freigegebenen Menge. Die Abschnitte sind geteilt worden, weil bei beut hohen Preises des Zuckers bomit gerechnet wer­den muß, daß nicht jeder Verbraucher in der Lage ist, die Gesamtmenge in einem Kaufe zu erwerben. Die Karte umfaßt ferner zwei nicht auf beftimmte Monate ab gestellte Abschnitte für Sonderzuweisungen, zu Weihnach­ten und Ostern. In der Auswahl des Zuk- kerhändlers ist der Käufer vollständia frei. Irgendein Zwang, immer wieder bei demselben Kaufmann den Bedarf zu decken, ist nicht borge» sehen. Die Karte ist nicht übertragbar. Für De­zember erfolgt für jeden Kopf der Bevölkerung bie regelmäßige Freigabe von 1 Kilogramm unb außerdem für Weihnachten eine Sonderfreigabe von 1 Pfund.

Errechnung der Vermögenssteuer.

Der Dreimonats-Abzug.

Nach § 11 Ms. 1 Ziffer 3 des Vermögens­steuergesetzes sind zur Ermitüung des Reinver­mögens von dem Rolchermögen abzuziehen: bie zur Bestreitung der lausenden Ausgaben nicht geschäftlicher ober beruflicher Art für drei Mo­nate erforderlichen Beträge an Geld, Bank- oder sonstigen Guthaben. Die Bestimmung ist mit einigen Fassungsänderungen übernommen aus dem Reichsnotopfer und den Kriegsabgabege­setzen unb sie geht zurück bis zum Wehrbeitrag und dem Besitzsteuergesetz. Trotzdem ist sie mehr oder weniger auf dem Papier geblieben, weil bie Praxis den Dreimonatsabzug nur zuließ, wenn die laufenden Ausgaben nicht von den laufenden Einnahmen entrichtet werde» konnten. Es wurde somit der Dreimonatsabzug gerade in dem praktisch häufigsten Falle versagt, da der Steuerpflichtige nicht nur lausende Ausgaben, sondern auch lausende Einnahmen hatte.

Dieser Praxis ist jetzt der Boden entzogen worden, durch eine grundlegende Ent- scheidungdes Rcichsfinanzhofes, in der unter eingehender Würdigung der Entsteh­ungsgeschichte nachgewiesen wird, daß der Sinn der Bestimmung einfach der ist, einen gewissen Teil des an sich steuerpflichtigen Vermögens von der Steuer frei zu lassen, soweit dieser aus flüs­sigen oder leicht flüssig zu machenden Bestand­teilen sich zusammensetzt. Es ist somit, wie der Reichsfinanzhof hervorhebt, ein außerhalb der Sache liegender Gedanke, die Freilassung dieses Vermögensteiles davon abhängig zu machen, ob irgendwie in der Zukunft Einnahnren bei dem Steuerpflichtigen zu erwarten sind ober nicht. Dabei ist somit jetzt grundsätzlich jeder Steuer­pflichtige berechtigt, den D r c i m on a t s a b z u g vorzunehmen, und es kann sich nur im Einzel­falle darum handeln, festzustellen, welche Summe der Steuerpflichtige für sich in Anspruch neh­men darf.

Man wirb im allgemeinen sagen können, baß maßgebend ist der Verbrauch im abgelaufenen Jabre unb daß hiewon ber vierte Teil zu neh­men ist. Mit Rücksicht jedoch auf die rapide Geldentwertung wird man die Zukunft nicht außer acht lassen dürfen. Daher läuft praktisch

Der erste Bühnmkuß.

Das Bekenntnis einer Filmdiva.

Die bekannte Ftlmschönheit Hella Moja schil- derr in Folzenven den ersten Theaterkuß, den st« als a$nungS oser Backfisch erhielt und durch

den sie Nicht nur aus der Rolle, sondern auch ziemlich unfanft von der Bank herunterstel: - Lange schon war in mir der Entschluß gereift, Schauspielerin zu werden, unb mit viel Eifer unb Hingabe studierte ich alle mich begeistern- bcu, klassischen Rollen ein; bas Gretchen und Märchen, bie Luise und bie Braut von Messina und viele andere glaubte ich bereits fabelhaft zu beherrschen, ehe ich bie Dheaterschule besuchen durste. Endlich kam ber Tag meines ersten Theaterschuldebüts. Hochklopfenden Herzens saß ich unter den anderen Schülern unb Schülerin­nen. Als bie Reihe an Mich kam, sollte ich eine kleine, einführende Prüfung ablegen. Man hatte gewünscht, mich als Gretchen zu hören, und nachdem ich vorgetragen hatte, daß meine Ruhe hin unb mein Herz schwer ist, würbe einer ber vorgeschrittenen Schüler als Faust zu mir auf bas Podium geschickt unb nun sollten wir das Religionsgespräch" führen. Er holte eine Holz­bank herbei, und ich würbe aufgesordert. barauf Platz zu nehmen, woraus ber junge Mann sich bann neben mich hinsehte und ich begann.

Im Fortgang des Gesprächs aber umarmte er mich, wie cs seine Rolle vorschreibt. Dies erschreckte mich jedoch angesichts ber vielen, mir fremden Gesichter berart, daß ich entsetzt rück- wätts von ber Bank fiel uub die Bank samt dem Partner mtt in die Tiefe zog. Dabei empfand 'ch meine Sage so peinlich, daß ich wünschte, der Bo­den möge sich, auftun unb mich gänzlich ver­schlingen. Reizend aber war es. daß dieser Schüler es von nun an als seine Ehreirpsticht auffatzte, mich mit der Notwendigkeit eines Ge­genspielers Vertraut zu machen. Gerade auch außerhalb bet Stunden studierten wir fleißig zusammen, er bemühte sich, wie ich gestehen muß, nicht ganz erfolglos, mir die Scheu vor dem Partner abzugewöhnen. Als er es nach einiger Zeit für durchaus notwendig erachtete, es nun auch mit einem Kuß zu versuchen, fiel ich nicht mehr vor Ueberraschung von ber Bank. Ich

wünschte nicht mehr, ber Boben möge mich ver­sinken lassen.

Zum erstenmal würbe ein tieferes dankbares Verständnis in mir wach. Wölbt sich der Him­mel nicht da droben? Liegt die Erde nicht Hier unter uns fest? Unb ganz im Sinne des Reli­gionsgespräches empfing ich von meinemFaust" Äug' in Auge den ersten Elementarunterricht des Theaterkusses. Sehr bald aber wurden unsere Studien unterbrochen. Er mußte ins Feld, unb als nach einigen Monaten bie Feldpost ausblieb, da wußte ich, daß ich nie wieder in die großen braunen Augen des bildhübschen Jungen blik- ken würde. Heute sind darüber viele Jahre ver­gangen, ich trage die Erinnerung daran in mir wie ein längst verschollenes schönes Märchen. Diese reizende Schülerliebe war für mich, wie für fo viele der Abschluß einer unendlich glückliche­ren Zeit, die uns niemals wiederkehren wird.

MuM-AuffÜhrung.

Das Städtische Lyzeum mit Ober­ly z e u m hatte zu einer Schulfeier großen Stils geladen, zu einer Musikaufführung mit ersten Größen als Gast. Da war der große Festsaal ber Stadthalle ausverkaust. Selbst auf den Emporen saß man Kopf an Kopf gebraust und sah unb lauschte... Der Chorber jungen Mäd­chen ... ein herrlich farbenprächtiges Bild. Wie eine buntblumige Wiese zur Maienzeit. Unb draußen lag doch weißer Winterschnee. Die fri­schen, liebevoll geschulten Jungmädelffimmen fangen Brahms, Mendelssohn unb Kremser. Namentlich die luftigen Lieder waren reizend, so eineSchwedische Bauernhochzeit" mit ihrem Tralala, sehr hübsch dieTragische Geschichte" von einem, dem s zu Herzen ging, daß ihm ber Zopf nach hinten hing ..." Als Zugabe mußte die zweite Strophe wiederholt werden vonIm Fliederbaum ein Vöglein saß ... Der verdiente Dirigent, Gesangslehrer Richard Prenßlow, bekam einen Korb mit Blumen und.. Wurst?

Unb bann fang Fritz Windgassen! Auch Mendelssohn und Brahms- Selbstverständlich ging es ohne Zugabe nicht ab. Man ließ ihm keine Ruhe und hätte ihm bie ganze Nacht zu­gehört, wenn ... ja wenn ... Diese Zugabe war die Serenabe von Haydn:Liebes Mädchen hör

mir zu ..." unbHast Du ein kleines Liedchen für mich", ein reizendes Schelmenliebchen! Eine vollendete Geigerin ist Frida Schumann. Sie spielte fein und zart, ebenfalls Brahms, die große Sonate A-Dur Op. 100. Unb hatte auch mit einer Zugabe dem starken Beifall zu opfern!

Am Flügel begleitete Robert Längs, wie immer meisterlich unb sehr beklatscht, ben Sän­ger und die Geigerin. Eine grotzausgezogene Sache, ein beispielloser Erfolg ... Für bie Schul­zwecke, denen dieses Mittel geheiligt, wird sicher­lich eine blanke Summe ab fallen! R.

Buntes Allerlei.

Gepanzerte Vollzisten.

Im Berliner Polizeipräsidium sind jetzt zwei der erst vor kurzer Zeit angefertig­ten und patentierten Panzer angeschasst wor­den, die den Träger am Kopf, Hals, Herz unb sonstigen wichtigen Teilen bes Körpers schätzen. Bei einer Beschußprobe mit Pistolen verschiede­ner Art zeigte sich, daß die Nnkelmantelgeschoffe, bie aus Entfernungen von zehn bis vierzig Me­ter abgeschoffen wurden, von dem Panzer ab« prallten unb zersplittert zu Boden fielen. Der Panzer selbst erlitt hierbei nur Beschädigungen ganz geringfügiger Art. Auf Grund dieses günstigen Ergebnisses wurden zunächst von: Ber­liner Polizeipräsidium zwei dieser Panzer in« geschafft, die im Kampf mit Schwerverbrechern von den zuerst vordringenben Beamten benutzt werden sollen. Mehrere Festnahmen sind bereits auf diese Weise ohne Unfall gelungen.

Die Furcht vor weißem Haar.

Bei den Frauen Japans gibt es feine wei­ßen Haare. Da sie keine Hüte tragen, sind sie auf ben schwarzen Schmuck ihres Hauptes besou- ders-stolz und weiße Fäden, das Zeiehen des Alters, sind ihnen besonders verhaßt. Doch nicht nur aus Schönheitsgründen ist bas weiße Haar in Japan verpönt, sondern vor allem deswegen, weil es sehr schwere gesellschaftliche Folgen nach sich zieht. Die Frau mit weißem Haar wird in ber japanischen Familie sozusagenzum alten

Eisen" geworfen. Solange das Haar in schönem Schwarz glänzt, kann bie alte Dame in Japan, mag sie auch noch so viele Runzeln haben, an ollen Vergnügungen teilnehmen, bas Theater regelmäßig jeden Monat besuchen, Kinos unb Blutengärten bewundern unb sich an ben unter­haltsamen Ausflügen nach Tempeln unb Altären beteiligen. Ist sie weißhaarig, fo ist ihr das Alles nicht mehr gestattet, und sie muß mit den Dienstboten bas Haus hüten. Deshalb gibt es in Japan keine weißen Haare, ober zum minde­sten wissen es auch die ältesten Frauen geschickt zu verbergen. Wie Zoe Kinbeaid in einer Plau­derei verrät, geht das Fehlen ber weißen Haare im Reiche bes Mikado auf kein Naturwunber zurück, sondern aus eine außerordentlich hohe Kunst des Färbens der Haare.

Schicksale einer VvAarnoie.

Es gibt zweifellos in ber Welt fein Ding, bas durch so viele Hände gebt, wie eine Geld- Handelskammer hat im Interesse bet Feststel- miinze ober eine Banknote. Die Chicagoer lung. was eine Dollarnote im Verlauf von vier, zehn Tagen erlebt, einen interessanten Versuch gemacht. Sie setzte einen neuen Schein in Um­lauf, mit bem an jebermann, der ben Dollar in die Hand bekam, gerichteten schriftlichen Ersu­chen, eine kurze Bemerkung auf ben Schein zu schreiben, wozu er das Geld angewandt habe. Rach dem Verlaus der vierzehntägigen Umlaufs­zeit konnte man seststcllen, daß der Dollar ein« unddreißigmal den Besitzer gewechselt hatte. Was seine Verwendung anbetrifft, fo hatte er fünf­mal zur Auszahlung von Gehältern und Löh­nen, fünfmal zum Ankauf von Tabak, ebenfooft zur Bezahlung von Zigaretten, dreimal zum Einkauf von Lebensmitteln, dreimal zum An­kauf von Zucker, zweimal zu Rafierzwecken, eben­fooft 3um Erwerb von Garderobegegenständen unb je einmal zum Ankauf von Kragenknöpfen, von Automobilteilen, von Waschpulver und Zahnpasta gebient Wie die amerikanischen Zei­tungen vorwurfsvoll betonen, hat er niemals ben Weg in eine Kirchenkollekte ge- funben. andererseits aber ist er auch nicht für Theater ober Vergnügungen ausgegeben worden.