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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hesstsche Abendzeitung
Nummer 279
Mittwoch, 29. November 1922,
Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
Spannung aus der Orient-Konferenz
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Beginn der Arbeit.
Durchführung des Regierungsprogramms.
Wir haben eine ganze Reihe von Schutz- gcsetzen in der letzten Zeit geschaffen. Wann kommt endlich das Gesetz zum Schutze der Wirtschaft? Ein solches Gesetz ist die dringlichste Ausgübe der Stunde. Wenn wir uns gegenwärtig in so schwerer innerer Krise befinden, so liegen doch die ursächlichen Beweggründe fast aus- schlietzlich auf wirtschaftlichem Gebiet. Niemals lind Wirtschaft und Pofitik so innig mit einander verknüpft gewesen, sowohl mit ihren Beziehungen nach innen wie nach außen. Diese Lage hat ja auch zu dem Verlangen geführt, daß die Vertreter der Wirtschastskreise mehr als das seither der Fall war, unmittelbar an Politik und Regierung beteiligt werden. Hand in Hand damit ging; das Verlangen, daß die Deutsche Volkspartei, in welcher zum mindesten ein sehr großer Teil der deutschen Industrie und der deutschen Unternehmerschaft überhaupt die gegebene politische Vertretung sieht, unmittelbar am Regierungseinfluß beteiligt wird. Tas Verlangen der unmittelbaren Einbeziehung dieser Gruppen in die bis dahin bestandene Regierungsgemein- fchast hat dann das Kabinett Wirth und den Kanzler selbst gestürzt, weil die Sozialdemokraten nicht mit Vertretern einer maßgebenden Partei zusammen arbeiten wollten.
Man muß bedauern, daß auch diesmal wieder die Wirtschastskreise sich der unmittelbaren Anteilnahme an der politischen Verantwottlich- keit versagt hatten. Die ganze Krise war förmlich dazu angetan, den Wirtschaftlern die Palm vollkommen freizumachen. Gerade die bürgerlichen Patteien der Mitte haben die Beschwernisse und Sorgen dieser neuen Krise auf sich genommen, haben vor allem dem Bestreben, ein überparteiliches Kabinett zu schaffen, keine Hindernisse in den Weg gelegt, nur um endlich einmal das Verlangen der Wirtschaftler zu erfüllen. Und stehe da: Man hat doch wieder ein Kabinett geschaffen mit politisch-parlamentarischem Einschlag. Es ist geradezu betrübend, daß die führenden wirtschaftlichen Persönlichkeiten selbst einem Manne, wie Cuno, einer Persönlichkeit aus ihren eigenen Reihen mit wirtschaftlichen und geschäftlichen Beziehungen vor allem nach den Ueberseeländern, sich zur Mitarbeit versagt haben. Mit Fug und Recht wird man künftighin den Ruf nach Beteiligung von wirischast- lichen Persönlichkeiten nun doch etwas anders beurteilen müssen.
Nun aber muß der Versuch gemacht werden, mit allen Kräften den Schutz der Wirtschaft in die Tat umzusetzen. Dazu ist es notwendig, daß die Hebung der Leistungsfähigkeit auf allen Seiten durch zweckentsprechende Matz- rahmen sichergestellt wird. Jeder muß bei sich selbst und bei den Kreisen, denen er nahestehl, den Anfang machen. Die Regierung muß mit dem ganzen Einsatz ihrer Autorität danach trachten, daß die Quelle und die Substanz ihrer Wirtschaft nicht nur nicht geschmälert, sondern wieder gefestigt und gestärft werden. Das Reich muß in feinen Verwaltungen voran gehen. Man versucht es auch jetzt wieder mit einem S p a r d i k - tator. Der frühere Präsident des Landesfinanzamts Kassel, preußischer FinanMinister a. D. Sämisch, der auch bei der jetzigen Kabinettskrise als Finanzminister-Kandidat genannt wurde, und der gegenwärtig den Posten des Vor- sitzettden des Reichs-Rechnungshofs bekleidet, hat dieses Amt erhalten. Wenn er aber nicht mit wirflich diklatottscher Bestignis ansgestattet und wenn er nicht von jeder amtlich-bureauftattschen Beeinflussung völlig fteigemacht wird, dann wird ihm dasselbe Schicksal beschieden sein, wie etlichen seiner Vorgänger. Es gehött viel Mut und Kraft dazu. Reorganisation im Beamtenapparat gegen die Widerstände, von deren ungeheurer Stärke Außenstehende sich keine Vorstellung machen können, vo^unehmen. Das Reich muß in der praftischen Veiwirflichung der Spar- samkeitsparole vorangehen und mit seinem Beispiel den Ländern und Gemeinden den Ansporn zur Nachfolge bieten.
Wirtschaftliche Sparsamkeit, das wird das Losungswort der gesamten öffentlichen Arbeit der nächsten Zeit fein müssen. Diesem Ziel mutz die Konzentration aller wirtschaftlichen und politischen Kräfte im ganzen Lande dienen. Die Regierung wird schon in den nächsten Tagen ihre Maßnahmen zur Durchführung des Regierungsprogramms der Qeffentlichkeit unterbreiten. Neben einer ganzen Reihe von organisatorischen Aenderungen, die in der inneren Verwaltung der Reichsbehörden in dem vorstehend bar« gelegten Sinne Platz greifen sollen, wird die Regierung mit gesetzgeberischen Vorschlägen und Plänen hervortteten, die sich vorwiegend auf dem Gebiet der ardeitsrechtkichen und ar- beitszeitlichen, wie vor allem auck der sozialen Gesetzgebung bewegen weiden. Aber auch außenpolitisch steht man vor außerordenr- lich wichttgen Dingen, von denen unsere innere Wittschaft abhängt. Dir Reparationsfrage tritt
nunmehr in das Sttünum der Entscheidung. Man muß damit rechnen, daß schon in einigen, Tagen die Antwort der Entente auf die deutsche Note und die darin enthaltenen Vorschläge ein- ttifst. Rach ausländischen Informationen soll die geplante internationale Anleihe für die Zwecke der Mark-Stabilisierung gewährt werden mit dem Zweck, daß der Erfolg dieser Maßnahme mittelbar wieder den Reparationszahlungen zugute kommt. Die größte Schwierigkeit besteht darin, daß die Entente ihre Hypotheken auf das deutsche Eigentum auf Grund des Versailler Vertrages aufgeben muß. Die neue Regierung hat also, ebenso wie die vorige, einen dornenvollen Weg. Kr.
Um die WreöergMmLZchrmg. Die Deutsche Rote an die Alliierten.
«Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 28. November.
Halbamtlich wird mitgeteilt: Der Borfitzende der deutschen Kriegslastenkommisfion in Paris, Staatssekretär Fischer, hat auf Anweisung der deutschen Regierung gestern mittag der Reparationskommission offiziell mitgcteitt, daß die neue Regierung, entsprechend der Erklärung des Reichskanzlers vom 24. November, ohne Einschränkung auf dem Boden der Rote vom 14. November stehe und fest entschlossen ist. das/in dieser enthaltene Programm in vollem Umfange zu vertreten und zur Durchführung zu bringen. Sie hat dann, unter Hinweis auf die wirtschaftliche und finanzielle Notlage Deutschlands die Bitte ausgesprochen, allen in der Note vom 14. November gestellten Anträgen mit möglichster Beschleunigung stattzugeben.
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Brüsseler Konferenz erst nach Neujahr?
Paris, 28. November. (Eigene Drahtmel- drmg.) Trotz des Wunsches, dost die Brüsseler Konferenz am 15. Dezember beginnen soll, er- Härt man hier, daß die Eröffnung erst im neuen Jahr geschehen könne. Es sei nutzlos, die Finanziers zusammenzubernfen und die Frage des Wiederaufbaus Europas zu erörtern, während noch Kriegsgefahren zwischen der Türkei, Großbritannien und den Balkan st aaten fortbestehen. Lord Curzon habe der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Lausanner Delegierten das Wcihnachrs- fest zu Halise feiern worden.
Die französischen Forderungen.
Haag, 28. November (Eigene Drahtmeldung.) Der „Times"-Ko,respondent glaubt zu wissen, saß der englische Vertreter in der Repa- rationskommission ietzt grundsätzlich nichts mehr gegen die französischen Forderungen nach Produktiven Garantien einzuwenden hat. Wenn der Plan, de» Poinrars auf der letzten Londoner Konferenz vorgelegt hat, in einigen Punkten eine Abänderung erführe, sei eS wahrscheinlich, daß England sich seiner Ausführung nickst mehr widersetzen werde.
Arbeit im Kabinett.
Die Beratung der wichtigsten Frage». lPrivat-Telegramm.)
Berlin, 28. November.
Die neue Regierung ist jetzt in einer Reihe von internen Besprechungen damit beschäftigt, aus dem Programm, das der ReikWkanzler nor dem Reichstag entwickelt hat, jene Punkte her- auSzugreifen, die der baldigen Verwirflichung bedürfen. Im Vordergrude steht natürlich die letzte deutscheNote an die Reparation s- kommission und im Zusammenhang damit die Stabilisierung der Mark. Wenn von anderer Seite behauptet wurde, es seien über diesen Punkt beretts Meinungsverschiedenheiten zwischen Cuno und Becker entstanden, so wird hierzu von zuständiger Stelle mitgefeüt, daß dies ganz unrichtig sei. Alle Punkte der Programmerväruna seien vor der Reichstagsrede Cunos hn Kabinett vereinbart und einstimmig gebilligt worden. Diese Einstimmigkeit des Kabinetts habe sich seitdem nicht geändert. Tas Reichsministerium ist bereits darauf aufmerksam geworden, daß fich an der Börse wieder ein starker spekulativer Handel in Devisen und neuerdings sogar auch ein Handel in Goldmünzen zu entwickeln beginnt. Diese Erscheinung werde alsbald bekämpft werden.
Zwangsanleihe-Gesetz.
Erhöhung der Summe der Papiermark.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 28. November.
Der „Tag" berichtet: Reichsrat und Reichstag werden fich in allernächster Zett mit einem Ergänzungsgesetz zur Zwangsanleihe beschäftigen. Seinerzeit wurde der Betrag der
> Zwangsanleihe auf rund eine Milliarde Gold- inark eingeschätzt, aber in Papiermark auf Wer« undsiebzig Milliarden festgesetzt. Inzwischen find diese vierundsiebzig Milliarden durch die Geldentwertung weit überholt.. Das Kabinett hat sich deshalb in feiner »eitrigen Sitzung mit einem Gesetzentwurf beschäftigt, der eine wesentliche Erhöhung der Zwangsanleihe in Papiermark vorsieht. Der Gesetzentwurf soll sofort an den Reichsrat weitergeleitet werden.
Aus Ser Orientkouferenz.
Bildung von neuen Kommissionen.
(Eigener Drahtbericht.)
Lausanne, 28. November.
Da der Arbeitsplan für die Konferenz von Lausanne erst vorgestern in später Abendstunde eine Aendernng erfahren fiat, war die Vorarbeit für die dritte Kommisfion noch gar nicht begonnen worden. Die dritte Kommission hat dennoch gestern unter dem Vorsitz des französischen Delegierten Bariere getagt. Sie hat zunächst ihren Arbeitsplan entworfen und vorläufig drei UnterkomMissionen gebildet, deren erste die Transport-, Hafen-, Eisenbahn- und Telegraphenftagen erledigen soll. Die zweite Unterkommission wird Fragen des Handels und der Zölle, die dritte allgemeine Wirtschaftsfragen behandeln. Der Arbeitsplan sieht noch eine vierte Kommisfion vor, die die sanitären Fragen regeln soll. Das Problem der Rückzahlung der militärischen Besatzungskosten «nd der Reparationen durch die T ü r k e i soll heute in einer allgemeinen Aussprache behandelt werden. Ismid Pascha verlangt eine starke Verminderung der türkischen Schulden, weil die Türkei in territorialer Beziehung bedeutend kleiner geworden sei.
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EngUsK-lLrk-scher BWlst.
Lausanne, 28. November. (Eigene Draht- meldung.) Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Türkei u. England sind außerordentlich groß. Die Türkenfordcrn die bedingungslose Rückgabe von Mossul, Sulemeieh und Kirksuk, während die Engländer erfiären, sie besäßen ganz Mossul infolge eines ihnen vom Völkerbund Übertragenen Mandats und sie könnten infolgedessen nicht mehr frei darüber verfügen. Die Türken beharren jedoch auf ihrem Standpunkt, daß ihnen Mossul vollständig und bedingungslos zurückgegeben werden müsse. Im anderen Falle wären sie gezwungen, die Beratungen in Laufanne abzubrechen.
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vefsimistische Stimmung.
Laufanne, 28. November. (Eigene Draht- meldung.) Man fpricht in Lausanne davon, daß überhaupt nur der griechisch-türkische Friedensvertrag geschloffen werden würde. Alle anderen Fragen, besonders aber die der asiatt- chen Grenze der Türkei, die der Kapitulationen und der sonstigen wirtschaftlichen Probleme sollen einer späteren Konferenz Vorbehalten werden.
Ausschreitung undDlebstahl.
Gewalttätigkeit in Munster.
(Eigene Drahtmeldung.)
Hannover, 28. November.
Wie in verschiedenen Städten des Reiches hatte fich auch auf dem Viehhof in Münster ein K-ontrollausschuß gebildet, der einen ingesetzlichen Einfluß auf die Preisge- taltung erstrebte, aber vom Magistrat abge- lchnt wurde. Um den Kommunisten entgegenzukommen, setzte der Magistrat eine Preisüberwachungsstelle ein, die aus verschiedenen wirtschaftlichen und berufstSttgen Personen gebildet wurde mit dein ausgesprochenen Zwecke, jeden Wucher zu unterbinden. Die Kommunisten gaben sich aber nicht zuftieden. sondern drangen in das Rathaus ein und zwangen den Magistrat zu einer entsprechenden Unterschrift. Der Regierungspräfident erKärte diese erzwungene Unterschrift des Magistrats für ungültig. Darauf kam es seitens der Kommunisten zu Ausschreitungen, in deren Verlauf auf dem Schlachthof hundertfünfzig Schweine gestohlen und eine Anzahl zur Hälfte des üblichen Preises verkauft wurden. Der Oberstaatsanwalt von Hannover, sowie Landjäger und Beamte der Schutzpolizei weilen seit gestern in Munster, um die Diebstähle aufzullären und die Ordnung wiederherzustelleu.
berliner Zustände.
Wie man sich mit Kartoffeln versorgt.
Dir Sorge um die Ernährung Ist in bett Millionenstädten besonders groß, da man tnancherlei Hindernisse ju überwinden hat» Man berichtet uns darüber an» Berlin.
Die Berliner Stadtbehörde und die Eisenbahn-Verwaltung erflärten Lirzlich, Berlin fei reichlich mit Kartoffeln versorgt. Wie sich die Berliner selbst versorgten, soll in Nachstehendem geschildert werden. Zunächst waren es die Kar- tosfelhändler, die für die Kattoffelzusuhr sorgten. Schon im Sommer gingen sie von Haus zu Haus und erbaten Bestellungen, denn die Kartoffelnot würde groß und der Preis hoch. Und Viele bestellten bereits im Juli ihre Winterkartosfeln: freibleibend! Damals war der Preis etwa dreihundert Mark für den Zentner. Der Händler machte sich früh auf die Beine, pilgerte auf dem Lande umher und kaufte Kartoffeln. Inzwischen war auf dem Berliner Martt der Preis wesentlich in die Höhe geschnellt. Als die Kartoffeln ins Haus kamen standen sie bereits auf siebenhundert, achthundert und neunhundert Mark. Auch die Vereine erinnerten sich an frühere Winter und kamen überein, für ihre Mitglieder gemeinsame Kartoffelbestellungen zu machen. Sie kauften von großen Gütern Hunderte von Zent- i ern, ließen sie rechtzeitig verladen und sorgten in Berlin für den Abtransport. Man Höri freilich, daß der Abtransport in den Keller teilweife teurer war, als die Kartoffeln felbst, aber jeder, der auf so bequeme Art seine Winterkartoffeln erhielt, zahlte und war zufrieden. Schließlich aber haben die allermeisten Bewohner
sich selbst versorgt.
Wer draußen auf dem Lande einen Verwandten hat, der Über ein Säckchen Land verfügt und einige Zentner Kartoffeln abgeben kann, quälte ihn so lange, bis er zusagte, ihm Kartoffeln zu liefern. Wer keine Verwandte hatte, ließ sich gui- meinende Landwirte empfehlen, oder zog hinaus aufs Land und suchte, suchte, bis er eine Kartoffelquelle fand. Er scheute sich nicht, die Säcke zu besorgen, war froh, sich mit Kartoffeln eingedeckt zu haben und geriet erst in Verlegenheit, wenn von der Bahn der Bescheid kam, daß für ihn Frachtgut an gekommen fei. Dann lief er zum nächsten Fuhrmann und hörte, daß ein Wagen für einen Preis zu haben war, der die Kartoffeln ungeheuer verteuert hätte. Er suchte nach Handwagen und einem willigen Mann, der ihn ziehen würde. Den sand er nicht, denn in Berlin gibt es keine Männer, die heute noch Nebenbeschäftigung, Nebenverdienst suchen. Der Kartoffelempfänger ging zur letzten Rettung^ zum Portier seines Hauses. Er war früher das Mädchen für alles, stets hilfsbereit, wußte stets Rat. Den Kartoffeltransport lehnte er ab. Nach acht Stunden arbeitet er nicht mehr. Das weiß jeder Bewohner des Hauses ja auch, denn früher war es üblich, daß der Portier noch am Abend dem Einlaßbegehrenden das Haus öffnete. Heute nicht mehr. Es pfeift vor allen Häusern, ruft und lärmt von Ausgefchlossenen, die ihre Angehörigen, beileibe nicht den Portter, um Hilfe und Einlaß mtntfen. Mit dem Portier also war es auch nichts, deshalb suchte er weiter und sand niemand, der feinen Transport aus- nihren wollte. Deshalb kurz enffchloffen, der Not gehorchend, nahm er seinen Handwagen, spannte seine Kinder vor, die Frau ging zur Seite, und man pilgerte zum Güterbahnhof, allwo das Kartoffelfrachtgnt in Empfang genommen wurde, um alsdann durch
das Famikiengespann heimwärts befördert zu werden. Ein Gewirk von Wagen und Wägelchen zog sich die Straßen entlang. Man brauchte nicht hinzusehen. Kartoffeln wurden gefahren. . So versorgte sich Ber- lin mit Kartoffeln, mühevoll gewiß, "aber Berlin bat Kartoffeln, also kann die Stadt, kann der Herr Reichsverkehrsminister sagen. Berlin hat Kartoffeln, weil die Bevölkerung aus Erfahrung wußte, daß sie rechtzeitig fürsi chselb st sorge n mußte, beileibe sich nickt auf die Stadt verlassen durfte. Die Hungersnot in Berlin wird also nicht arge. Die Initiative der Bevölkerung hat für das wichtigste Nahrungsmittel, für die Kartoffel, gesorgt ...! ch.
Amerika und der Krieg.
/ Erkenntnis des Fehlers.
Die »Newyorker Staatszeitung* schreibtt »Mayor William Hale Thompson hielt bei der »Deutschen-Tag^-Feier auf dem städtischen Pier, Oie von den Chicagoer Deuffchen veranstaltet worden war, eine Ansprache, in der er den Ein- tritt der Vereinigten Staaten in den Krieg verurteilte und seinen Standpunft verteidigte. Er wurde häufig von Beifall unterbrochen. Mahor Thompfcm sagte, daß et sowohl wie eine Zuhörer den »Irrtum" einsahen, den Ame- rika beging, indem es sich am Weltkrieg beteiligte.
»Ich habe dagegen mit meiner ganzen Kraft gekämpft, und ich Habe meine Ansichten nicht im