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Mder Nemste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

12. Jahrgang

Dienstag, 21. November 1922.

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 273.

Fernsprecher 951 und 952

Sie Schwierigleiten der Kabinettsbildung

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Dte Raffet« Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und pvar ab enb*. Der AbonnemeutSpreis beträgt monatlich 200.— Marl bet freier Zustellung ins Hau», in der DefchästSstelle abgeholt 190.— Mark monatlich. LuSwLrtS durch dte Bost bezogen 203.— Mark monatlich einfcht Zustellung. Bestellungen werden >eder,eil entgegengenommen. Druckerei, Äerlag und Redattion-. Schlachthofstraße 28/30, Für unverlangt eingesandte Beiträge kann dte RedaMon eine Berantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Lnsprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschlosten.

Antwort an Frankreich.

Ciite Erklärung mit statistische» Angaben.

InsertionSpretser •) Einheimische Stttftrige: Dte einspaltige Anzeigenzeile M. 18.—, dte einfpatttge Letlamezeile M. 54.—. b) AuSwarttge Aufträge: Dte einspaltige «rqeigenzeile M. 18.—, die einspaltige Reklamezeile M. 54.—, alle» einschließlich DeueruagS,Uschlag und Anzeigensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Saß hundert Prozent Aufschlag. Für dte Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme- baten und Plätze kann fine Gewähr nicht übernommen worden. — Druckerei: Schlacht- hofftratze 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nummer 951 und 952.

zeugen muß. Es kommt ferner in Betracht, daß timt Deutschland wichtige Gebiete industriel­ler und landwirtschaftlicher Ueberschußproduk- tion abgetrennt worden sind. Trotzdem nimmt die Arbeitslosigkeit in letzter Zeit bei uns zu.

Angora den Essend! zum Ka- Bekanntgabe soll Einführungszcrc-

Poinearö hat sich in diesen Tagen in der französischen Kammer wieder eine Hetzrede gegen Deutschland geleistet und u. a. behauptet, Deutsch­land wolle böswilligerweise seine Verpflichtun­gen nicht erfüllen, obwohl in Deutschland Wohl­stand herrsche. (!) Er verlangte wieder Maß­nahmen and Pfänder. Darauf sind deut­sche halbamtliche Erklärungen mit statisti­schen Angaben an Poincare gesandt worden, worin es heißt: Es kann nicht die Rede davon fein, daß die Beamtengehälter nicht durch Steuer« ausgeglichen würden und was die Zah­lung der Steuern betrifft, f» genügt es wohl, auf die Tatsache des seit 1920 durchführten zehn­prozentigen Lohn- und Gehaltsabzuges zu der- weisen. Poincars verwies auf die Deutsche Schleuder-Konkurrenz" ans dem Weltmarkt und behauptete, Deutschland habe den Weltmarkt wieder erobert. Die deutsche Regierung hat durch die Ausfuhrpreis-Kontrolle versucht, die Ausfuhrpreise den Weltmarktpreisen an­zugleichen. doch haben diese Bemühungen infol­ge der außerordenflich raschen Entwertung der Mark in der letzten Zeit keinen vollen Erfolg ha- ben können und was die Eroberung deS Welt- marttes anlangt, so betrügt die deutsche Ausfuhr heute knapp ein Drittel der Bockriegsausfuhr. Es ist zwar richtig, daß die Arbeitslosig­

keit i» DeutMand verhältnismäßig gering ist. Der Hauptgrund dafür liegt darin, daß Deutsch­land jetzt viele Waren, die es früher im Aus­land gelaust hat. im eigenen Lande et-

(Privat-Lelegranrm.)

Berlin, 20. November.

Nationalversammlung vo» Throusolger Abdul Medsched lifen gewählt. Die offizielle unverzüglich erfolgen. Die mvnie wird morgen erfolgen.

Um die Zwangswirtschaft.

Parteitag der Wivtschaftspartei.

(Privat-Lelegramm.)

Berlin, 20. November.

Die Wirtschaftspartei des deutschen Mittel- andeS hielt in der Berliner Handwerkskammei ihren zweiten Parteitag ab. Zahlreiche Dele­gierte aus dem Reich, sowie Vertreter des der Partei nahestehenden Bauernbundes, tiom Zentralverband des Haus- und Grundbesitzes und vom badischen Mittelstand waren anwesend.

Mittelpunkt der Verhandlungen standen zwei Referate über das Programm der Partei. Außerdem ergriff Reichsernährungsminister Dr. Fehr das Wort, um über die Wiedereinführung der Zwangswirtschaft zu sprechen. Die Debatte über die Referate findet am Montag in nichtöffentlicher Sitzung statt.

WMen in Baden.

Bürgerliche Mehrheiten sind gesichert.

lPrivat-Telegramm.)

Karlsruhe, 20. November.

Die Gemeindewahlcn in Baden sind gestern unter zum Teil sehr schwacher Wahlbeteiligung vor sich gegangen. Nach den bis Mitternacht vor­liegenden Ergebnissen zeigt sich, daß große Ver­schiebungen in dem Verhältnis der Parteien in den Gemeindeparlamenten nicht eintreten, aber die bürgerlichen Mehrheiten find gesichert. In Mannheim errangen die bürgerlichen Par­teien insgesamt 42 Sitze gegen 37 Sitze der So- zialdemokratrn und KoMMUnisten. An Karls­ruhe stehen 52 Bürgerliche 31 Linksparteilern aegenüber. In Pforzheim vereinigten die । Bürgerlichen rund 1500 Stimmen auf ihre Listen gegen 10000 Stimmen der Linken. Das Zentrum hat im Allgemeinen feinen Besitzstand erhalten. Die Deutschnationalen haben einen geringen Zuwachs zu verzeichnen, während die Demokraten Stimmen eingebüßt haben.

Die Megieeungsbiiöung.

Gin Kabinett der bürgerlichen Mitte?

lDrivat-Telegramm)

Berlin, 20. November.

Noch im Laufe des gestrigen Abends haben sich die Führer der bürgerlichen Parteien mit­einander in Verbindung gesetzt. Nach dem Er­gebnis, das diese Besprechungen gehabt haben, ist anzunehmen, daß zwischen der Deutschen Bolkspartei, der Bayrischen Volks-

Arbeit eröffnen, aber dieses Kcchinett muß da sein und must aktionsfähig sein!

Auch der gestrige Sonntag hat noch keine Klärung gebracht. Der Parteivorstand der Sozialdemokraten hatte noch am Sonn­abend beschlossen, die Mitglieder der Partei für die Kabinettsbildung auf der von Geheimrat Cuno versuchten Basis nicht freizugeben. Es bleibt abzuwarten, ob die sozialdemokrattsche Fraktion, die für heute, Montag, nachmittag tele­graphisch zusammcnberufen worden ist, diesem Beschluß beittitt. Dagegen hat der Frakttonsvor- siand des Zentrums beschlossen, seine Mit­glieder frei zu geben. Das Zentrum hat aber, wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, er­neut die Auffassung vettreten, daß auch eine rein bürgerliche Regierung nicht möglich sei, falls Geheimrat Cuno seinen Auftrag zur Kabinetts­bildung wieder an den Reichspräsident zurück­geben sollte. Die Lage hat sich also verschärft, ohne einem Ergebnis nähergekommen zu sein.

Beginn der Orlenttonferenz.

Die Zusammenkunft in Lausanne.

(Eigene Drahtmeldung.)

Lausanne, 20. Novemebr.

Gestern nachmittag kurz nach sechs Uhr trafen P o i n e a r s und Lord C u r z o u im Extrazuge in Lausanne ein und begaben sich ungefähr eine Stunde später nach Terrttet, wo sie von Mus­solini, 8er schon um Ms Uhr eingetrosfen war, erwartet wurden. Die Eröffnung der Orienttonferen, toö nun am Montag nach- mtttag um fünf Uhr stattfinden. Sie soll durch eine Begrüßungsansprache des schweizerischen Bundespräsidenten Haab eingeleitet werden. — Rach einer Meldung aus Konstanfinopel hat die

ten eilt Einverständnis darüber erzielt werde, ein bürgerliches Mittelkabinett zu bilden. Ob es sich um ein parteiliches, oder um ein wirt­schaftspolitisches Kabinett handeln wird, kann im Augenblick noch nicht gesagt werden. Das eine steht aber bestimmt fest, daß Geheimrat Cuno der Zustimmung dieser vier Parteien sicher sein kann. In parlamentarischen Steifen wird behauptet, daß auch der Reichspräsident mtt der Bildung eines solchen Kabinetts einverstanden sein würde. Innerhalb der bürgerlichen Par­teien zeigte man sich gestern abend ziemlich op­timistisch. Man hofft, daß das neue Kabinett bis zum heutigen Abend fertig fein werde.

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Die Sozialdemokratie gegen Cuno.

Berlin. 20. November. (Privattelegramm.) Die entscheidende FraMonssitzung der Sozial­demokratie findet heute, Montag, 2 Uhr statt. Wie die „Welt am Montag" von unterrichteter Seite hört, ist mit Sicherhett darauf zu rechnen, daß die Fraktion die Beteiligung an der soge­nannten überparteilichen Regierung Cunos a b - lehnen und keinem Mitglied der Sozialdemo­kratie die Teilnahn«! daran gestatten wird.

Oesterreichs Wiederaufbau.

Zunächst eine Kommission» (Privat-Telegramm.)

Wen, 20. November.

Die Regierung hat den Parteien des Ratto­nalrates vertraulich eine Borlage übermittelt, nach der zur Kontrolle aller jener Maß­nahmen, zu denen die Regierung unter Aus­schaltung des Parlaments nach dem Wieder­aufbaugesetz ermächttgt werden soll, eine nach dem Proportionalwahlrecht von allen Par­teien des Rattonalrates zu wählende Kom­mission, deren Mitglieder den Titel Staats­rat führen sollen, eingesetzt wird. Diese Kom­mission wird außerordentlicher Kabinettsrat bei­ßen, und die Regierung hat alle hn Rahmen des Wiederausbaugesetzes zuttesfenden Maßnahmen vor chrer Erlassung diesem Kabinettsrat vorzu­legen. Der Kabinettsrat hat ein Vetorecht und ist außerdem ermächttgt, andere Maßnahmen in Vorschlag zu bringen, an die die Regierung ge­bunden ist. Dieser Kommission werden außer den Staatsräten auch alle Mit^ieder der Regie­rung angehören. Die Verhandlungen mit den Parteien über diese Einrichtung sind schon ziemlich weit vorgeschritten und man hofft, heute zu einer Einigung gelangen zu können.

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Gemünztes Geld.

Die Herstellung der Geldstücke»

Angesiwts des vielen Papiergeldes ist H in. terreffant, stch wieder einmal ,n Vergegev- toärticctt, wie das gemünzte Geld entsteht. Man sthreidt uns übe» die Berliner Münze r Daß Hochbetrieb in der Berliner Münze ist, hörten wir schon lange, ohne die Erzeugnisse bis jetzt zu Gesichi bekommen zu haben. Nachdem der Plan, Porzellangeld herzustellen, infolge ungenügender Leistungsfähigkeit der Meißener PorzellanManufaktttr scheiterte, hatte die Ber­liner Münze den Bedarf des Reiches M decken. Die Legierungsversuche nahmen eine längere Zeit m Anspruch, aber jetzt ist man so weit, große Mengen Metallgeld in den Verkehr bringen zu können. Die Verarbeitung des Alu. miniums ist fast die gleiche wie bei den übrigen MünMvetallen. Die Ausprägung stellt an die beträchtlich vergrößerte Berliner Münze größte Anforderungen. Die Meißner Porzellanmanu- fattur war nur in der Lage, wöchentlich gegen 5000 Stück herzustellen und vermochte absolute Unzerbrechlichleit nicht zu garantieren. Die Menge, die aus der Münze wöchenflich geht, be­trägt dagegen viele Millionen in der Woche. Beginnen wir nun zunächst mit unserer Wan­derung durch die Berliner Münzer

Das Rohmaterial wird in größeren Blöcken geliefert. Rqch dem Ausschmelzen in großen Schmelztieaeln gießt man dünne Metallstreisen; sogenannte Zaine. Diese Stücke werden zur .Strecke" ge­bracht in einem großen Saale, wo viele gcheim- nisvolle Maschinen mit großen und größten Schwungrädern in langen Reihen stehen, um hier durch mehrere Walzwerke bis auf die zur Münzenstände erforderliche Stärke gestreckt und in Streifen von handlicher Länge geschnitten zu werden. Aus diesen Streifen gewinnt man so­dann mittels schneMaufender Stanzen in Reihen von gewöhnlich drei Münzen nebeneiu- ander gestanzt die rohen Münzplättchen. Auf genauen Wagen wird jedes Münzplättchen geprüft und nach Feststellung der Brauchbarkeit — auch in Bezug aus Materialgleichheit ---.in die Prägeanstatt weitergeleitel.

Hindernisse.

Gas Scheitern der Kabinetttbildung.

Es ist ein unwürdiges Schauspiel, daß die > Versuche zur Kabinettbildung am Sonn- , abend an den Parteigegensätzen gescheitert ’ sind. Als der neue Reichskanzler Cuno mit den i Parteiführern verhandelte, brmhten diese nicht! rur Anregungen und Vorschläge vor, sondern; stellten auch Bedingungen für die Besetzung der , einzelnen Ressorts im Kabinett. Es ist ja be- ' greiflich, daß die Parteien einen möglichst weit- '■ gehenden Einfluß auf die Regierung behalten, wollen, aber wohin es führt, wenn eine Regie- 1 rung sich durch die verschiedenen Parteiwünsche ■ hindurchwinden muß, haben wir an den bis- ' herigcn Regierung-Methoden erfahren. Die Mß- ■ erfolge müßten doch jedem Politiker, würde er das Vaterland über die Partei stellen, zur Genüge zeigen, daß der unfruchtbare Partei- dogmattSmus, der die Aufbauarbeit hindert, end­lich aufhören muß. Ist es denn nicht möglich, daß man sich in Deutschland einen höheren poli­tischen Gesichtspunkt zu eigen macht? Reichskanz­ler Cuno hat feine Bemühungen noch nicht auf- gegeben. Gestern hat er weiter mit geeigne­ten Persönlichkeiten verhandelt. Er versucht es jetzt in der Weise, daß er auf der Grundlage des von den Koalitionsparteien und der Deut­schen Bolkspartei im Zusammenhang mit der deittschen Note an die Reparattonskommission vom 13. November vereinbarten Programms ein Kabinett ohne Parteiabstempelung zustande bringen will, das dann dem Reichstag die Vertrauensfrage vorzulegen hätte. Es wäre dringend wünschenswert, daß dieser zweite Ver­such möglichst schnell zum Ziele führt; denn der Zustand der Regierungslosigkeit ist angesichts der derzeitigen innerpolitischen Hochspannung und der unaufschiebbaren Notwendigkeit, mit den alliierten Regierungen zu einer Einigung über die Markstabittsierung und das Reparattons- problem zu gelangen, geradezu katastrophal.

Die Rot der Stunde ist zu groß, als daß wir uns damit aufhalten dürsten, häusliche Streitig- keiten auszufcchten. .Bei allen Völkern, einer­lei oo Sieger oder Besiegte, ist die Stunde zu xrnst, als daß wir, eng gefaßt, politischen Phan­tomen nachlaufen könnten." Diese Worte hat der Generaldirettor Cuno unlängst in das Handbuch der Hamburger Uebersecwoche eingetragen, imd sie haben volle Geltung sowohl für unsere Poli­tiker und Parteimänner, die sie sich besonders bei diesem zweiten Versuch der Kabinettsbildung tzur Richtschnur nehmen sollten, als auch für un­sere alliierten Gläubiger, vor allem aber für den französischen Ministerpräsidenten, den man als den »Amokläufer Europas" bezeichnet hat. Der Dollar, der schon auf nahe an 0000 Mar! heruntergegangen war, hat sich unterdessen fchnell nach oben entwickeln können, woran einmal die innerpolittfche Krisis, zweitens aber und vor ollem die neueste Fanfare Poincarös die Schuld trägt, der wieder einmal erklärt hat, daß Frankreich auf keinerlei Reparattonen verzichten und an der Politik der Sankttonen festhalten wolle. Seinen Behauptungen von dem „absicht­lichen Bankerott Deutschlands" und den sonstigen gegen Deutschland erhobenen Beschuldigungen ist die Reichsregierung alsbald in einer offiziösen Darlegung entgegengetreten, in der sie unter an­derem darauf hinweist, daß Deutschland auf Grund des Friedensvertrages bereits mindestens einundvierzig Milliarden Goldmark gezahlt hat. Und die doch gewiß unpartei­ischen internattonalen Sachverständigen haben ja sestgestellt, daß in den Reparationszah­lungen die Haiwtursache des Markschwun­des zu suchen sei.

Aber gerade diese französische Begleitmusik zur deutschen Kabinettskttsis zeigt, wie dringend notwendig es ist, daß die Parteien ihre Frak- tionsintereffen und ihre persönlichen zurückstellen und sich endlich zu gemeinsamer posittver Arbeit zusammennnden, damit die unter dem Kabinett Wirth geleistete Vorarbeit für ein Repa- rationskompromiß nicht nutzlos verpufft. Umso mehr, da die Lage sich zurzeit gerade etwas günstiger für Deutschland zu gestalten scheint; denn die Begleitmusik aus I t a l i e n und Eng­land zur deutschen Kabinettskrisis klingt im­merhin etwas harmonischer. Hat doch sogar der Ministerpräsident Mussofini, der gewiß nicht deutschftemtdlich ist. zuaeben müssen, daß die bis- ber anMvendete Methode des Wiederaufbaus Eurovas nicht gut sei, und daß auch Friedens­verträge ittcht eitrig seien. Was aber die Hal­tung des aus den Wablen siegreich hervorae- nengenen Kainetts Bonar Law betrifft, so beginnt man in Frankreich nach den ersten Jubelhvmnen bereits zn erkennen, daß auch Bo- nar Sato, wie vor ikmr Llovd George, tu erster Reihe britische Pofittk, Geschäftsvofittk. zu trei- ben gewillt ist. Diese liegt aber zurzeit in der Richtung des euroväischen Wiederaufbaus, für die Deutschlands Sanierung eine Vorbedin- mmg ist und bleibt Somit würden sich gerade bei der jetzigen Gestaltung der internationalen Politik gewisse Aussichten für ein Kabinett der

Die Prägemaschinen

sind gewaltige Kolosse. Zum Bedienen dieser Maschinen verwendet man nur äußerst geschickte Arbeiter. Münze für Münze wird einzeln ein» gefügt und zugleich auf beiden Seiten geprägt. In der Siede oder Beizwerkstatt erfolgt sodann das Reinigen her Münzen in umlaufenden Trommeln durch Wasser mit chemischen Bei­sätzen, um die anhaftenden Oel- und Schmutz­teile zu entfernen. Danach wird in Zentnsugeu das Wasser entfernt, und in Fässern mit geheiz­tem Boden werden die Münzen nachgetrocknct. Die auf biete Weife ansehnlich gemachten Mün­zen kommen nur zum Auslesen in besondere Räume, wo sie auf ein Leseband gefchüttet werden und einer peinlich genauen Untersuchung ausgesetzt find. Die schadhaften Stücke gehen zuvück, die guten werden in den Auszählranm geschafft. Hier erfolgt

durch Zählmaschinen

das WbWhlen der Münzen. Gleich daran schließt sich das Füllen in Beutel und Verschließen mit­tels Dleiverschlusses. Es ist eine unermüdliche Tätigkeit in den wenig freundlichen Räumen, die nichts von dem Aussehen und der Ansstrt- tnng der modernen Fabrikeinrichttmgeu besitzen. Tag und Nacht herrscht Bettieb. Ununterbro­chen laufen die Geld herstellungs Maschinen, um ims den geliebten Mammon zuzuführen. Die Menschen, die die Geldmaschinen bedienen, die da zählen, obwiegen, verpacken oder sonst in der Münze fätia find, schauen aber gleichgültig drein als ob fie Stiefelwichse oder anderes gleichgül­tiges Zeug fertigen. Doch schließlich ist auch Geld nur eine Ware, wenn man mit ihm nur von Berufs wegen umgeht —ohne es zu besitzen.

Deutschlands ernste Stunden.

Mahnrede eines ReichswirtschaftsratsmitgltedeS.

Berlin, 19. November.

Aus dem nach langjähriger Pause am Freitag abend wieder abgebaltenen „Geselligen Abend" des Vereins Berliner Kaufleute und Industriel­ler hielt Direktor Hans Krämer, bn§ be­kannte wirtschaftspolitische Mitglied des Reichs, mirtschaftsrates, eine programmatische Ansprache» die durch ihren Ernst besondere Bedeutung er- hiekt„ Krämer sagte, es sei Tatsache, daß Deutschland noch keine ernstere Stunde gesehen habe als diejenige, die nun mit der Um. bildung des Kabinetts geschlagen habe. Auch vor Cuno, dem Manne der Industrie, mürben sich dieselben Schwierigkeiten auftürmen, über die Dr. Wirth gestürzt sei. Es gehe nicht länger an, daß die gante deutsche Wirtschaft unter das kau- dinische Joch einer einzelnen Partei gebeugt werde. Wenn Dr. Wirth das unbedachtsame Wort gebraucht habe „Der Feind steht rechts!".