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Kasseler Neueste Nachrichten

Kaffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 272.

Fernsprecher 951 und 952

Sonntag, 19. November 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Die Parteien zur Kabinettbildung.

stehend die Stimmung vor, das? man jede Politi­sche Einheitsfront warm begrüßt, die eine gradlinige Außenpolitik für die Dau­er verspricht.

Die Kabinett-Neubildung.

Aus bett gestrigen Besprechungen.

lVrivat-Telegramm.)

Berlin, 18. November.

Vreffestlmmen von links.

Berlin, 18. November. (Privaftelegramm.) DerVorwärts" schreibt zur Lage: Die Schwie­rigkeiten der Regierungsbildung sind vor allem darin zu suchen, daß ein Teil der sogenannten Politiker an Projekten festhält, deren Ausführung gegenwärtig unmöglich ist, was erst durch den Sturz des Kabinetts Wirth praktisch erwiesen wurde; dann aber auch darin, daß das Zentrum in seiner gegenwärtigen Stimmung geneigt erscheint, jeden Nachfolger Wirths mit mißvergnügten Augen ßu betrachten. Es gibt zwei Methoden, eine Kabinettsbildung zum Scheitern zu bringen: Die dirette Ableh­nung und Belastung mit unausführbaren Be­dingungen! ES besteht die Gefahr, daß die zweite Methode gegen Cuno zur Anwendung gebracht werden könnte. Wer mit der Sozial­demokratie eine Regierung will, der muß die Sozialbemokraiie so nehmen, wie sie ist und nicht so, wie sie nach seinen Wünschen sein müß­te. Das Blatt läßt aber erkennen, daß die Sozial­demokraten zur Mitarbeit bereit sind.

Reichskanzler Cuno begab sich gestern nach seiner Rückkehr nach Berlin sofort zu einer Be­sprechung zum Reichspräsidenten Ebert. Fer- ner hatte er Unterredungen mit führenden Per- , önlichkeiten der Zentrumspartei, unter anderem Stegerwald. und weiter mit Dr. Stresemann von der Deutschen Bollspartei. lieber diese Bespre­chungen wird strengstes Stillschweigen bewahrt. Man nimmt an, daß sie rein informatorischen Charakter getragen haben. Im Reichstag sanden , längere Fraktions -Sitzungen des Zen­trums und der Deutschen Vollspartei statt. Auch diese wurden als streng vertraulich erklärt. Rirr »viel wird aus Zenfrumskreisen bekannt, daß eenem tHW her Person be* finanzminifirrs Dr. Hermes gesprochen worden ist. Es ist zu vermuten, daß das Zentrum da­mit einvnstanden ist, wenn Dr. Hermes wieder Reichsfinanzminister wird. Dagegen besteht der einem erheblichen Teil der Zentrumsfraktion starker Widerstand gegen eine etwaige Betrau- »nq Dr. Hennes' mit dem Posten des Außen­ministers. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn in der Zentrumspartei starke Kräfte am Werke find. Dr. Wirth auch in der neuen Regie- rung wieder an eine leitende Stelle zu bringen.

tieberwindung der Schwierigkeiten.

Berlin, 18. November. (Privattelegramm.) Reichskanzler Cuno sprach gestern beim Reichs- tagspräsidenten Loebe vor und teilte ihm mit, daß er nach dem Verlaus seiner bisher,^» Be­sprechungen mit den Parteiführern die Urzeu­gung gewonnen habe, daß er dem Reichsprafi- denten den ihm gewordenen Auftrag zur Kabi­nettsbildung nicht zurückzugeben brauche. Er hoffe trotz der Schwierigkeiten, die aufgetreten sind, di- Minister liste spätestens am Mon­tag dem Reichspräsidenten vorznlegen.

tim bas Vertrauen ves Auslandes.

Berlin, 18. November. (Privattelegrarmn.) Bald nach seiner Rückkehr nach Berlin empfing Generaldirektor Cuno emen Wertster des Berliner Lokal-Anzeigers" und erklärte ihm, daß et nun wohl der Hapag untreu werdet müsse. Er sei der Ueberzcuguug, daß Deut s ch- landsPolitikin erster Linie daraus gerich­tet sein muß, dem Reiche das Vertrauen be3 Auslandes wiederzugewrnnen. In aller Kürze hoffe er das Kabinett zusauwienzuSriNgen und zwar einKabinett der Arbertt.

ignt keinen Ruhm eingebracht hat.

"'Ser neue Reichskanzler Cuno ist in der Politik noch nicht hervorgeireten. Er hat vor dem Kriege in schnellem Aufstieg eine erfolgrei­che Beamtenlaufbahn durchwandert, war in lei­tender Stellung im ReichSfinan Ministerium, jvährend des Krieges in der Reichsgetreidestelle, im Kriegsernährungsamt und im Reichsschatz- amt tätig, bis er 1917 den Reicksdienst verließ und in den Vorstand der Hamburg-Amerlla-Li- nie berufen wurde. Daß er ein außerordentlich befähigter Mann ist, geht schon daratts hervor, daß er nach Ballins Tode bereits Generaldirek­tor dieser bedeutenden Schiffahitsgesellschast wttrde. In dieser Eigenschaft hatte er ein gro­ßes Betätigungsfeld vor fick, da es galt, die zerstörte deutsche Handelsflotte wieder aufzubauen. Mit diesem Gelingen Hai er nickt nur Deutschland einen hervorragenden wirtschaftlichen Dienst geleistet, sondern auch wertvolle Beziehungen mit dem Auslande an- geknüpst. Das Schiffahttscrbkommen zwilchen der Hamburg-Amerika-Linie und dem amerika­nischen Harriman-Konzen». worin amerikam- sches Kapital und deutsche Arbeit und Kenntms vereinigt sind, bat uns ermöglicht, daß die deut­sche Flagge wieder auf dem Weltmeere erscheint. Verschiedentlich hatte Dr. Wirth schon versucht, Cunos Arbeitskraft im Reickskäbinett zu ver» wenden, einmal als Finanzminister, dann als Außenminister, aber Cuno lehnte ab, weil er sich

Die neue Richtung. Kabinett Cuno.

Die Szenerie hat gewechselt. Auf dem poli­tischen Kampfgefilde, wo bisher Dr. Wirth als Führer stand, steht jetzt Geheimrat Cuno. Beim Vergleich, der bei einem solchen Wechsel nahe- liegt, bemerkt man einen wesentlichen Unter­schied, zwar nicht äußerlich denn Beide find verhältnismäßig jung und tatkräftig aber im Wesen ihrer Persönlichkeit. Dr. Wirth, vor wenigen Jahren noch ein unbekannter Schul­mann, war mit Hilfe der Parteipolitik bis zur

mehr viel ausrichten können und sich schließlich dem Gang der Ereignisse anpassen müssen. Wie die Meinung in ftanzösischen Jndustriekreifen ist, kann man wohl daraus entnehmen, daß beim Stinnes-Lubersac-Abkommen di« Mitwirkung der bisherigen deutschen Regierung von stanzö- ssscher Seite nicht gewünscht wurde. Man schloß den Vertrag nur zwischen Wirtschaftlern. Es muß sich jetzt auch ^igen, ob den Westmächten, unfern bisherigen Feinden, wirklich'daran gele­gen ist, Deutschlands Aufbau zu fördern oder wenigstens den weiteren Niedergang zu ver­hindern. Als günstiges Zeichen ist bereits die Besserung der Mark an der Börse zu werten.

K. F. D.

Schlemmen wir?

Eine zahlenmäßige Untersuchung.

Die vor einiger Zeit erfolgte Anregung, eine ®d)lcmtnerfteuer einzuführen, Hai ~ die Frage aufgerollt, ob wirtlich in

Dentsthlanb denr UbermStzigen Benutz ge-, frönt werd«. Darüber wird geschrieben:

Es ist bekannt, daß man in der ausländischen, nicht zuletzt in der französischen Presse, nicht- müde wird, auf die angebliche Schlemmerei und, Bölleret hinzuweisen, die in dem unablässig (uny mit Recht!) seine fortschreitende Verelendung betonenden Deutschland Platz gegriffen hätten. Auch im Inland mehren sich in den letzten Mo­naten die Stimmen, die gegen das übermäßige Wohlleben gewisser Vollskreise protestieren und dieses auf gesetzlichem Wege einzudämmen fordern. Leider wrd mich hierbei wieder einmal Das Kind mit dem Bade ausgeschüttet'. Um o bemerkenswerter erschien daher eine unlängst in etnöin Berliner Spätabendblatt erschienene Artikelfölge, die der ehemalige Reichs-' fchatzminister Dr. ing. Georg Gothein veröffentlichte. In den durch reiches Zahlenma- rerial geMtzten Ausführungen setzt sich Gothein mit den vielgeäußerten Vorwürfen unserer vor­geblichen wüsten Schlemmerei auseinander. <$r sagt von sich selbst, daß er, seit länger als drei' Jahrzehnten den zweifelhaften Vorzug genie­ßend. zu den Gesetzgebern zu gehören, gegen bet-' artiges populäres Geschrei recht harthörig ge- tvorden fei, und weist gegen Ende seiner Ge-' dankenführung mahnend darauf hin, daß man sich doch hüten solle, durch leichtfertiges Rach-,

land geradezu groteske Blüten der Bestechlichkeit und Schmuggelei getrieben hat, möge in diesem Zusammenhänge Gotheins Mahnung zu denken geben, daß man nicht immer gleich nach Der­bsten und nach dem Eingreifen bet Staatsge­walt schreien möge. Die von ihm angeführten uw, von anderer Seite bestätigten Zahlen be­weisen jedenfalls, baß die Macht der Taftacken sich ohnehin durchsetzt. So ist der Absatz an Trinkbranntwein, der 1887 noch bret Millionen Hektoliter oder 6,2 Liter auf den Kopf der Bevölkerung, 18881892 2,2 Millionen Hektoliter oder 4,1 Liter auf den Kopf der Be­völkerung und 1912 1,87 Millionen Hektoliter oder 2,8 Liter auf den Kopf der BcvSNerunq betrug, im vergangenen Jahre auf 800000 Hek­toliter oder 13 Sittr auf den Kopf der Bcvölke-

unseren Feinden willkommenen Anlaß zu neuen' Drückungen zu geben, daß wir vielmehr Ur­sache hätten, ihnen an den

Zahlen des Verbrauchsrückganges das Elend vorznführen, in das sie uns gestürzt haben. Wenn man die Zahlen des von Gothein beigeb-racÄen Materials unvoreingenommen prüft, so gelangt man zu dem Schluß, daß das. Märchen von bet deutschen Volleres so gut tote ausschließlich auf Konto bet Schieber, vor allem aber auch der unserebillige" Heimat in Massen überschwemmenden Valutafremden zu rechnen: ist.' Bemerkenswert sind u. a. die Ziffern, bie sich mit ber von ben Temperenzlern zur Zeit be- sonbets eifrig bekämpften angeblichen Alkohol:- fterung unseres Volkes beschäftigen. Hierüber heißt es:Unsere Einfuhr auslänbtlchen Weines ist von rund 1,4 Millionen Doppel-« zentnern im Jahre 1913 auf 313000 Doppelzent-, ner in ben ersten acht Monaten bes lausenben, Jahres zurückgegangen, bas heißt für ben glei­chen Zeitraum auf ungefähr ein Drittel. Frankreich bas uns vor dem Kriege wett übetz eine Million Flaschen Champagner im Jahre lieferte brachte es in ben ersten acht Mo« naten dieses Jahres auf ganze 30 459 Flaschen, von denen zudem sicher mehr als drei Viertel von den fremden Besatzimgen und Kommissionen/ 'owie von den sonstigen Ausländern getrunfcn; fein dürften. llnfeie Einfuhr von fr anzö- ischeu Likören ist von 1374 Doppelzent^ nein im /Jahre 1913 auf ganze 36 Doppclzentney in acht Monaten 1922. von Kognak glerchzei- tig von 7130 Doppelzentnern auf 3924 Doppel­zentner gefallen Selbst in Arrak und R unr ergabt sich ein Rückgang auf bie Hälfte. An Bier aus ber Tfchocho-Slowakei (Pilsener) Hai ben wir in ben ersten acht Monaten laufenden! JcchreS noch ganze 15797 Doppelzentner ringe« führt gegen 433 368 Doppelzentner im ganzen Jcchre 1913. Wir haben also unseren Bedarf aif Pilsener auf 5 Prozent eingeschränkt. Führten wir früher 20000 Doppelzentn-r englisches Porter und Ale ein, so jetzt im Jahre vielleicht 500 Doppelzentner, und wie Mele Deutsche werden unter seinen Trinkern fern? Ende Oktober dieses .Jahres waten die

Vorarbeiten zu einem Alkoholverbot

soweit gediehen, daß demnächst dem Reichstag ein entprechender Entwurf zugehen soll. Zur Beruhigung der Temperenzler, denen ein allge­meines Prohibitionsgesetz vorschtoebt, wie es öeiftnelsweise in Amerika und jüngst in Finn-

Um die Reparationen..

Zurückgabe der deutschen Vorschläge.

(Eigene Drahttneldung.)

Paris, 18. November.

Herdas meldet: Die Reparationskonnnisstou hat die Fortsetzung ber Beratungen über die deutschen Vorschläge für Dienstag vormittag an­beraumt. Der Kommission liegen zwei Anträge Frankreichs und Belgiens vor, das deutsche Angebot infolge des Rücktritts von Dr. Witth nlS gegenstandslos anzosehen und der neuen deutschen Regierung anheimzustellen, ihre Vorschläge der Konmnsfion bekanntzugeben.

Stimmen vom Ausland.

Hoffnung auf stettge «nßenpolittk.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 18. November.

In amerikanischen Kreisen wird die Kandidatur Cunos als sehr glücklich bezeichnet. Man legt Wett daraus, daß Cuno bei seinen wtc- derholten Besuchen in Amerika und vor allen Dingen bei feinen Begegnungen mit dem Prafi- bentcn Harding eine sehr Mnaue Kenntnis der amerikanischen Verhältnisse bekundet hat, fobao man sich von einem Zusammenarbeiten mit ihm unb dem jetzigen deutschen Bottchafter in Was­hington. Wiedfeld, nur ErfpricßlichcS versprich. In englischen Kreisen verspricht man sich durch eine ausgesprochene Mehrheit. wie sie au­genblicklich gegeben ist, auch eine Stetigkeit der englischen Äeltpolitik und damit eine Gradlinig leit in Bezug auf das Verhalten gegenüber Deutschland. In den Kreisen der Bettiner neu­tralen Diplomaten endlich herrscht durch-

nicht mit dem damaligen Regierungsprogramm befreunden konnte.

Es wird sich schon bald Herausstellen, wel­che Richtung Cuno nun als Reichskanzler einschlagen wird. Als günstigen Umstand darf man es arrsehen, daß er patteipoliftfch nicht ge­bunden ist Er tritt nicht als Parlamentarier mit engem Parteiprogramm auf, fonbetn als Wirt­schaftler mit weitem Gesichtskreis. So dürfte es ihm möglich sein, wenn er dementsprechend auch seine Mitarbeiter auswählt, ein Kabi­nett der Arbeit zu bilden, bas bie Zustim­mung aller derjenigen Patt eien wirb finden können, bie an des Reiches Aufbau wirklich Mitarbeiten wollen. Denn bie Aufgabe bet neuen Regierung kann doch nur sein, bie deut­sche Wirtschaft auf eine festere DassS zu stellen dirrch allmählichen Ausgleich ber Einnahmen und Ausgaben, vermehrte Probukfion. also Be­seitigung bet Warenknappheit und damit Be­kämpfung ber Teuerung, sowie durch Festigung ber Mark.

Eine Besserung ber WährnngSver- hältnisse kann natürlich nickt ohne die Hilfe des Auslandes geschehen. Dabei wird sich nun zeigen wie weit Cunos Beziehungen und Einfluß reichen. Amerikanische Finanz- kreife werden wahrscheinlich geneigt sein, ein deutsches Aufbau-Kabinett zu stützen, wodurch eine günstige Wirkung in England hervor- aerufen werden würde. Infolgedessen würde Frankreich mit feiner Zwangspolitik nicht

obersten Stufe der Reichsbeomtenschaft empor- tzestiegen. Durch Kares Denken' und besondere Rednergabe hatte er sich im Parteigetriebe des Zentrums hervorgetan, unb ba bie neue Zeit getoaubte Redner unb Parteifunktionäre begün­stigte, würbe auch er von ber politischen Welle emporgettagen. Andetthalb Jahre hat er sich oben behauptet, trotz heftiger Angriffe von ber Rechten unb der äußersten Linken. Aber er blieb, denn die Koalition Zentrum, Demokratie und Sozialdemokratie stützte ihn. Jnnenpolittsch überwandt er alle Schwierigkeiten, denn er fügte sich dem Willen der Sozialdemokraten; außenpolitisch fand er sich mit ben Forderungen ber Entente dadurch ab, daß er sich auch deren Willen fügte. So erfüllte er den Willen Anderer und kam infolgedessen zu keinem po­sitiven Ergebnis. DaS ungünstige Geschick er­eilte ihn, als er versuchte, seinen eigenen. Willen zur Geltung zu bringen. Den maßlosen Forderungen ber Franzosen setzte er endlich eine Grenze. Sein vom ganzen Volke gutge­heißenes WottErst Brot, dann Reparationen" wird für jetzt und künftige Zetten ein Weg-, weiser fein. Aber damit war die Brücke nach Paris abgebrochen. Als er zuletzt, entgegen bei Meinung bei Sozialdemokratie, darauf bestand, die Deutsche Volkspattei in diegroße Regie- rungskoalition" einzubeziehen, wurde ihm von den Sozialdemokraten der Weg abgegraben. So beendete er eine dornenvolle Kanzlerzeit, die

Stellungnahme der Gewerkschaften.

Berlin, 18. November. (Privattelegramm.) In der gestttgen Abendsitznng bet Gewerk­schaften wurde bie Berufung Cunos zur Lei­tung der Reichsregierung eingehend besprochen. Heute wird sich eine Abordnung der Gewerk­schaften zum Reichspräsidenten begeben. Der Reichspräsident hat ihren Empfang zugesagt.

Bayern und das Reich. Zusammengehörigkett und gemeinsame Arbeit.

(Pttvat-Telearmnm.)

München, 18. November.

Bor der gestttgen Landtagssitzung hat In flizminister Dr. Güttner am Abend vorher in einer deutschnntionalen Stndentenversammlung die sozialdemokratische Interpellation über das Bolksgerichtsutteil im Fechenbach-Prozeß beant­wortet. Er sprach von einer Hetzpsychose gegen Bayern, in ber bas Urteil nnt eine Kerne Episode bilde. Diese Setze gegen Bayern werde betrieben im In- und Ausland und man könne den Gedanken nicht von der Hand weifen, daß sie ein Mittel der französi­schen Politiksei, das Deutsche Reich zugrun­de zu ridjtcn. Die Leute, die bei uns in dieser Richtung tätig find, wüßten vielleicht selbst nicht, daß fie die Geschäfte unserer gemeinsamen Fein­de betreiben. Minister Dr. Güttner verwies auf die separatistische Gefahr und betonte, baß zwischen dem Begriff Bayern und Reich kein Trennungsstrich des Mißtrauens gemacht werden bürte, sondern daß die organische Z n - saurmengehörigkeit unb der Wille zu gemeinsamer Arbeit bestehen bleiben müsse.

Varteien-Eonderporittk.

Vorläufig die alten Gegensätze.

(Eigene Drahtmelbung.)

Bettin, 18. November.

In derBosfifchen Zeittng" wirb ausgesührt, daß Dr. Wirth ausschlaggebenden Einfluß in der Zentrumssraktion besitzt. Tas gehe daraus hervor, daß bas Zentrum nahezu ein­mütig beschlossen hat, Dr. Hermes nicht zu ge­statten, bas ihm von Cuno angetragene Reichs- Ministerium des Aeußern anzunehmen unb bas? es sich mit überwicgenber Mehrheit dafür aus­gesprochen hat, daß Dr. Heimes am besten über­haupt dem nächsten Kabinett nicht ongehött. Das Blatt urteilt dann zusammcufassend: Der Gegensatz bleibt ber alte, Ablehnung ber großen Koalition durch bie Sozialdemo­kratie, Ablehnung einer inoffiziellen Unterstüt­zung eines sich aus ber großen Koalition bilden­den Kabinetts durch bie Deutsche Volks- Partei unb vorläufiges Verharren des Zen­trums auf ben von der Arbeitsgemeinschaft ausgestellten Forderungen! Es wird abzuwar­ten sein, ob unb wie es Geheimrat Cuno gelingt, diese großen Hürden zu überwinden unb zu einer Kabinettbilbung zu gelangen.