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Nummer 271

Sonnabend, 18. November 1922.

12. Jahrgang

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Der neue Reichskanzler 6uno.

Das neue Kabinett.

Reichskanzler Cuno.

Der Regierungswechsel hat sich verhältnis­mäßig schnell vollzogen. Wirths Nachfolger als Reichskanzler ist Geheimrat Cuno, der Ge­neraldirektor -er Hamburg-Amerika-Schisfahrts- gesellschast. Gegenwärtig gehört er keiner Par­tei an. Er war bis Anfang 1920 Mitglied der Deutschen Volkspartei und steht noch auf deren Wirtschaftspiogramm. Da er katholisch ist, steht er auch den Führern des Zentrums nahe. Da­mit ist die Gewähr gegeben, daß er von diesen beiden gestützt wird. Aber auch die Unterstüt­zung der Demokraten ist ihm zugestchert. Tie Stellungnahme der Sozialdemokraten hat vor­läufig keinen Widerspruch ergeben, aber es ist doch möglich, daß sie sich noch zur Opposition entschließen. Es hängt davon ab, ob es Cuno gelingt, ihre Bedenken zu zerstreuen. Im allge­meinen ist man der Ansicht, daß durch die Lö­sung der Krise vor allen Dingen der letzten Note an die Reparationskommission wieder eine Grundlage gegeben ist. Die Reparationskom- ntiffton hat die Beratungen der Note bekannt­lich vertagt, bis eine neue deutsche Regierung die Erklärung abgegeben hat, daß sie die Grund­sätze der Note anerkennt. Jeder Tag war also nicht nur ein Zeitverlust, sondern auch eine Ge­fährdung Mr die Stabilisierung der Mark^Ueber die Personenfrage des eventuellen Kabinetts Cuno kann noch nichts gesagt werden. Wahr­scheinlich ist jedoch, daß Finanzminister Tr. Her­mes im Amt bleibt. Man glaubt auch daß der Reichsminifter des Innern Köster auf seinem Posten bleibt. Schwierigkeiten bereitet noch die Besetzung des Autzenminifteriwns. Genannt wurde in Verbindung damit v. Raumer.

Der neue Reichskanzler Cuno ist 1876 in Suhl in Thüringen geboren, ist also 47 Jahre alt. Nach Abschluß seiner Universitätsstudien trat er in den V e r w a l t u n g s d i e n st ein und gehörte der preußischen Staatsverwaltung als Oberregierungsrat und später als Geheimer Oberregierungsrat an. Er war Vortragender Rat im Finanzministerium. Während des Krieges bearbeitete er kriegswirtschaftliche An­gelegenheiten, war Leiter der Reichsgetreide- stclle und stand nachher an leitender Stelle bei der Organisation des Kriegsernährungsamtes. Im Jahre 1916 wurde ihm im Reichsfchatzamt das Hauptreferat für kriegswirtschaftliche Fra­gen übertragen. Im Winter 1917 verließ Ge­heimrat Cuno den Reichsdienst und trat in den Vorstand der Hamburg-Amerika-Li- nie über. Rach dem Tode Ballins wurde er dort bald Generaldirektor. Als im März 1929 nach dem Rücktritt Erzbergers für diesen ein Nachfolger gesucht und der Ritt nach Fachmini­stern immer dringender wurde war ifan der Posten des Reichsfinanzmirttsters angeboten worden. Geheimrat Cuno erklärte sich damals auch zur Annahme bereit, machte jedoch zur Be­dingung, daß die Nlehrheitsparteien geschlossen hinter ihn treten müßten. Er war vorder Mft- glied der Deutschen Volkspartei und erst wäh­rend des Kapp-Putfches aus dieser wegen der unentschiedenen Haltung ihrer Hamburger Orts­gruppe gegenüber Kapp ausgetreten. Für den Ministerposten präsentierte ihn das Zentrum, Er lehnte aber wegen Widerstandes der Sozial­demokraten das Amt damals ab.

Bei der Uebernahme des Reichskanzler- Postens durch Cuno ist auch zu beachten, daß er außenpolitisch w e st l i ch orientiert ist. Er war zum Beispiel ebenso wie Hermes mit dem deutsch- rufsifchen Rapalwvertrag nicht einverstanden, sondern empfahl Verständigung mit den West- mächten. Seine Richtung ist diejenige, die be­sonders von der Großfinanz, der Großindustrie und der Bankwett begünstigt wird. Diese Kreise weisen auf die viel höheren materiellen, vor ollem also Göwinnmöglichkeiten hin, die bei einer Verbindung unserer Polttik mit den wtrt- schastlicken Notwendigkeiten, die zwischen Deutschland und Frankreich zu erfüEen sind, ge­geben waren. Von der sogenannten Ostorientie- xung, von der Annäherung an Rußland, erwartet man in diesen Kreisen nicht sehr viel, weil das Sowjetrußland von heute aus lange Zeit hinaus nur Kredite brauchte, realen materiellen Nutzen hingegen kaum bieten könnte.

Man mag über diese Dinge denken wie man will, man muß mit den Faktoren der Wirtschaft und ihrer Vertretungen rechnen. Dazu kommt, daß sowohl in Frankreich, wie namentlich aber auch in England, zumal nach dem Ausfall der jetzt getätigten Wahlen, der den Konscrva- tiven einen großen Erfolg gegenüber den Libe­ralen und der Lloyd Georgescben Richtung brachte, die bisherige deutsche politische Außen­orientierung auf der Grundlage des Rapallo- Vertrages absolut nicht gefällt, und daß man es dort nicht nur in der Preffe, sondern auch in maßgebenden politischen und regierenden Krei­sen ausgesprochen hat. daß sie mit der Richtuna Wirtb nicht mehr weiter arbeiten wollten, daß sie vielmehr eine ausschließlich wirtschaft­

lich eingestellte und auf die deutschen Wirt­schaftskräfte sich sMtzende Führung der deutschen Politik verlangen. Ja, dieses Verlangen ist ge­radezu die Voraussetzung für die Kredithergabe des Auslandes. Ein Kabinett Cuno ist das Zeichen für eine Aenderung unserer autzenpoliti- schen Einstellung. Das muß man sich vor Augen führen. Wir müssen uns auch klar darüber sein, daß die jetzigen Entscheidungen in dem großen Rahmen unserer allgemeinen politischen Arbeit sich bewegen müssen, und daß die Männer, die das neue Kabinett bilden, die Konsequenzen aus einer solchen Einstellung nach innen sowohl, als auch nach außen zu ziehen haben.

Ein Kabinett Cuno.

Die Regierung auf wirtschaftlicher Grundlage. lVrivat-Telegramm)

Berlin, 17. November.

Gestern nachmittag hat der Reichspräsident dem Gencraldirettor der Hamburg-Amerika-Linie Cuno, den Auftrag zur Bildung des Kabinetts übergeben. Cuno hat den Auftrag angenom­men. Dazu wird berichtet: Generaldirektor Cuno hat sofort mit der Deutschen Volkspartei, den Sozialdemokraten, des Zentrums und der Demokraten verhandelt. Er reiste am Abend nach Hamburg ab, um sich mit der Hamburg-Amerika- Linie ins Einvernehmen zu setzen. Er wird noch heute abend wieder in Berlin zurückerwartet. Fn parlamentarischen Kreisen verlaute, daß das neue Kabinett sich als rin Kabinettdcr Ar­beit präsentiert. Die Neubildung der Regie rung wird Anfang nächster Woche erfolgen. Mit Rücksicht aus die Neubildung der Negierung und auf die schlesischen Wahlen wird sich dann der Reichstag auf einige Zeit vertagen. Cuno steht seit langem mit dem Reichspräsidenten Ebert in freundschaftlichen Beziehungen. Er steht auf dem Boden des Wirtschaftsprogramms, daß sowohl von der Deutschen BottSpartei als auch von den Sozialdemokraten angenommen ist.

Zustimmung der Karteien.

Berlin, 17. November. (Privattelegramm.) Nachdem der Reichspräsident gestern Geheimrat Cuno empfangen und ihm die Neubildung des Kabinetts angeboten hafte, bat Cuno die Par­teiführer zur Besprechung. Dr. Stresemanu erklärte dabei, daß die Deutsche Volkspar­tei wahrscheinlich dem künftigen Kabinett die Unterstützung nickt versagen werde. Hermann Müller betonte, daß die sozialdemokra­tische Fraktion erst Stellung nehmen müsse. Weiter empfing Cuno die Führer der Bayeri­schen Volkspartei, des Zentrums.und der Demokraten. Alle diese äußerten sich zu- stimmend zu einer Kandidatur Cuno. Am Abend war nur noch die Haltung der Sozialde­mokratie ungewiß. Die Sozialdemokraten hiel­ten eine Fraktionssitzung ab, die zweieinhalb Stunden dauerte. Schließlich ergab sich, daß die Sozialdemokratie ke i n en Einspruch dagegen erhebt, daß Cuno das Kabinett bildet.

Die Kabinettsbildung.

Berlin, 17. November. (Privattelegramm) Wie verlautet, rechnet man mit der Möglichkeit, daß die programatische Erklärung der neuen Regierung am Mittwoch nächster Woche erfolgt, da die Bildung des neuen Kabinetts vor­aussichtlich am heutigen Tage, spätestens aber am Sonnabend erfolgen werde. Der Aeltestenaus- schuß des Reichstages tritt heute zusammen. Dann erst wird über den Tag der Erklärung der Reichsregierung im Reichstage beskfaosse«.

tim den neuen Kanzler.

Preffestimmen von Rechts.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 17. November.

DerBerliner Lokalanzeiger" schreibt: Der neue Kanzler Cuno ist eigentlich ein unbeschrie­benes Blatt. Man hofft, daß ihm die innere Politik den Patteien gegenüber zugute kommen wird. Er würde jedenfalls wertvolle persönliche Eigenschaften auch in dieser Hinsicht in sein Amt mitbringen. Eine vornehme, schlanke, repräsen- table Erscheinung, Formengewandtheit und Sicherheit und Ruhe beherrschen ibn. Bei außer- ordentlich entgegenkommender Liebenswürdig­keit ist Geheimrat Cuno ein Mann, der weiß, waserwill. Er stimmt den bekannten Ham­burger Bestrebungen zu, die einen engen wirt­schaftlichen Anschluß an Amerika unter Einbeziehung Englands befürworten. Die Kreuzzeitung" schreibt: Gestern abend wurde im Reichstag bekannt, daß Geheimrat Cuno bereits

auf die ersten Schwierigkeiten gestoßen sei. Er will Dr. Stresemanu als Außenminister in sein Kabinett anfnehmen. Die Sozialdemo­kratie falt den Führer der Deutschen Volkspartei aber sehr energisch abgelehnt. Das wird nicht die einzige Schwierigkeit sein, welcher Gencral­direttor Cuno auf seinem Wege begegnet.

Die Suche nach Ministern.

Berlin, 17. November. (Eigene Draht­meldung.) In derVossischen Zeitung" wird ausgeführt: Nach der Aufnahme der Absichten des Reichskanzlers bei den Parteien ist anzuneh­men, daß ein Kabinett Cuno aus breiter Grund­lage zustande kommen wird. Er dürste sich in den ersten Tagen der nächsten Woche dem Reichs, tag vorftellen. Das Außenministerium hat Cuno dem bisherigen Finanzminister Dr. Hermes an­geboten. Für das fteiwerdcnde Reichsfinanz­ministerium ist ein Fachminister in Aussicht ge­nommen .der schon früher ein Finanzministerium innegehabt hat. Bis auf Außen- und Finanz­ministerium ist bei der ersten Fühlungnahme zwischen Cuno und den Frattionsführcrn die Zusamensetzung des neuen Kabinetts noch mehr als unbestimmt.

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Vorbehalt der Linken.

Berlin, 17. November. (Eigene Draht- meldung.) DerVorwärts" erttärt: In den Augen der Arbeitermassen ist die Herkunft von der Leitung eines kapitalistischen Großunterneh­mens keine Empfehlung. Herr Cuno wird wis­sen, daß er als Reichskanzler aus diesem Gebiet mit vorgefaßter Meinung zu rechnen hat. Er wird sich aber auch daran erinnern, daß cs Walther Rathenau, der gleichfalls von einem großkapitalistischen Unternehmen kam, gelungen ist. diese vorgefaßte Meinung zu überwinden. Die sozialdemokratische Reickstagssrattion hat sich ihre endgültige Stellungnahme Vorbehalten. Sie wird sich den Mann, sein Programm und das von ihm vorgeschlagene Kabinett genau an- fehen und dann sagen, wie sie sich zu ihm stellt. Den Weg einer mehr oder weniger wohlwollen­den Neutralität kann sie nicht gehen. Sie wird zwisckfen Ja und Nein keinen Mittelweg suchen. Ihre Stellungnahme zu einem Kabinett Cuno ist vorgezeichnct durch die Stellung, die sie dem Ka­binett Wirth gegenüber eingenommen hat.

Die Wahlen in England.

Ein Sieg der Konservativen.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 17. November.

Es steht fest, daß England in der nächsten Zukunft unionistisch regiert werden wird. Räch den Wahlergebnissen, die bis jetzt vorliegen, haben die Konservativen 343 Sitze erhalten, die Arbeiterpattei 130, die unabhängigen Liberalen 53, die übrigen Gruppen zusammen 60 Sitze. Die Ergebnisse, die noch ausstehen, werden an der Lage kaum noch etwas ändern, höchstens kön­nen sie die Mehrheit ttwas verkleinern. Aus je­den Fall wird aber die Mehrheit groß genug sein, um eine konservative Regierung möglich zu machen. Die Koalftion gehött somit der Vergangenheit an. Nach einer Meldung desDaily Chronicle" befinden sich unter den Gewählten fünfzehn Mitglieder der Chamber­lain-Gruppe. Das für die Konservativen so gute Ergebnis läßt schon jetzt sagen, daß eine solch kleine Gruppe feinen besonderen Einfluß aus- üben wird. Der Rückgang der Partei Lloyd Georges ist eines der merkwürdig­sten Ereignisse dieser Wahl.

«ine Kaltstellung £icgö Georges?

London, 17. November. (Eigener Draht­bericht.) Rach einer Depesche aus Washington wird davon gesprochen, daß in diplomatischen Kreisen die Nachricht Aufsehen hervorgerusen hat, wonach Bonar Lap> beabsichtigen soll, im Falle eines Wahlfiges den Botschafter- p o st e n in Washin^on LloydGeorge anzu­bieten. Rach dem erwähnten Blatte scheint man davon überzeugt zu sein, daß Lloyd George hier der ttchtige Mann am rechten Platze sei. In Lon­don ist bis zur Stunde nichts darüber zu erfah­ren, ob Bonar Law tatsächlich diese Absicht hat.

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Die Auffassung in Varis.

Paris, 17. November. (Eigene Drahtmel­dung.) Die Ergebnisse der englischen Wahlen werden in der französischen Presse sehr vorsichtig beurteilt. Die konservative Mehrheit wird mit Freuden begrüßt, aber die Vermehrung der Sitze der Arbefterpattei macht die Polttikcr in Frankreich denn doch ein wenig stutzig. 1

Deutsche Einfuhr.

Verminderung der Kaufkraft)

Bedauerlicherweise ist Deutschland darauf angewielen.NahrungSmtttel und Rohstoffe vom An«Ia»de zu kaufen. Da unsere «auf. tra t aber immer schwächer wird, werden die Waren knapper und die Denernng größer »Das ampuiiette, in seinem Gebieisumfaug und Produktionsvermögen beschnittene heutige Deutschland ist nicht imstande, seine Bevölkerung in dem bestehenden Umfange zu ernähren und zu erhalten." Das ist das Ergebnis eines Gut­achtens des holländischen Vol-kswirtschaftlers Professor Verrijn Stuatt. Der Beweis ist ein­fach. Man hat uns große landwittschaftliche Uebersckmßgebiete im Osten des Reiches genom­men. Die Landwittschaft vermochte sich zudem von den Folgen des im Kriege betriebenen Raub- bau es noch nicht wieder zu erholen. Professor Keynes berechnest daß sich das deutsche Bott jefct mit fünfundsünszig Prozent der unerläß­lichsten Nährmittel, verglichen mit der Vorkriegszeit, behelfen muß. Also müssen wir, um nicht zu verhungern, die restlichen fiinfund- vierzig Prozent einführen. Ausserdem verschär­fen der Verlust wichtiger industtteller Rohstoff- qebiete, sowie endlich das Zurückbleiben bei­spielsweise der einheimischen Kohlenförderung die doch nun einmal bestehende Notwendigkeit

ausländischer Rohstoff-Einfuhr

in hohem Maße. Deutschland ist aber ein In - dustrieland, das deutsche Voll lebt zum größten Teil von Lohnarbeit, das heißt es hat als Zahlmittel für alles, was es kaufen muß, nur das Produft feiner Arbeit. Wenn ihm die Möglichkeit zu arbeiten genommen wird, oder wenn es nicht genug, nicht mehr als heute arbeitet, muß es hungern! Um die Vorkriegs- leistuwg der deutschen Eisenindusttte zu ermög­lichen. müßte diese nach dem Fortfall der Loth­ringischen Erzbasts jährlich etwa 33,6 Millionen Tonnen Eisenerze einführen gegenüber bl,4 Millionen Tonnen im Jahre 1913! Daß wir beispielsweise Baumwolle in voller Höhe des Bedarfs aus dem Auslande beziehen müs­sen, braucht nicht besonders betont zu werden. Angesichts des Mattfturzes erscheint aber die Einfuhrmöglichkeit in zunehmenden Maße ge­fährdet. In diesen Tagen hat der Preis für ein Kilogramm Baumwolle in Bremen über fünftausend Mark betragen. Da aber zur vol­len Beschäftigung der deutschen Textilindustrie ein monatlicher Durchschnittsbedarf von etwa fünfundzwanzig Millionen Kilogramm Baum­wolle erfordettich ist, so wären dafür Auf­wendungen in Höhe von monatlich hun­dertfünfundzwanzig Milliarden (!) Papiermatt zu machen. Ein geradezu phantasti- fcher Bettag, den die deutsche Wittschaft niemals aufbnngen kann. In welchem Ausmaße sich

die Preise für ausländische Waren gesteigert haben, das geht am deutlichsten aus der nachfolgenden Aufstellung derFrankfutter Zeitung" hervor. Nach den Berechnungen dieses Blattes beliefen sich Anfang November die Preise für die genannten Waren auf das mehr als tausendfache des Fttedenspreifes und zwar: Reis um das 1231 fache, Kakao um das 791sache, Kaffee um das 1845fache, Baumwolle um das 2728fache. Jute um das 1344fa<6e, Kupfer um das 1232fache, Mais um das 1441fache, Petro- leirm um das 693fache. Das sind ungeheuerliche Preissteigerungen. Sie machen eine genügende Einfuhr einfach unmöglich, so daß wir nicht mehr genug Rohstoffe haben zur Verarbei­tung und auch nicht mehr genug verdienen, um solche Preise bezahlen zu können. Es ist also kein Wunder, wenn aus die Dauer der deuffche Warenbezug aus dem Auslände abnimmt. Wenn auch die Septemberzahlen der deutschen Außen­handels-Statistik noch eine Steigerung der Ein­fuhr gegenüber dem Vormonat um 1,5 Millio­nen Doppelzentner verzeichnen, so ist doch ein­mal die Einfuhrzunahme in erster Linie der ver­mehrten Kohlen ein fuhr, die allein im September gegenüber August um fast eine Mil­lion Doppelzentner sich erhöhte, zuzuschreiben, andererseits spielt in diesen Herbstmonaten die Getreideeinfuhr eine große Rolle. Bei der Einfuhr böberwerttger Waren, wie Zucker, Kaf­fee, Tee, Kakao, Textilien ustv. zeigt sich dagegen deutlich eine Abnahme der Einfuhr. Insge­samt wird der Gokdmattwert der Septemberein­fuhr auf rund 422 Millionen geschätzt, gegenüber rund 685 Millionen im Juli. Zusammen- gesaßt: Wir produzieren und

exportieren nicht genug Waren, um auch nur annähernd unseren Bedarf an Le­bensmitteln und Rohstoffen damit im Ausland kaufen zu können. Die Abnahme der Rohstoff- einfuhr hat aber zur Folge eine itmraner grö­ßere Verminderung der Produttion, damit wie­der des Verdienstes und der Möglichkeit, int Auslande zu kaufen und einzuführen. Für das Ausland dürsten diese Ziffern eine deutliche Warnung fein, daß es mit der Möglichkeii Deutschlands, auf fremden Märtten zu kaufen,