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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 265.

Fernsprecher 951 und 952

Sonnabend, 11. November 1922.

Fernsprecher 951 und 953

12. Jahrgang.

Das Ende der Finanzkonserenz.

Eine neue Grundlage.

Zur Festigung der Mark.

Die von der ReichSregierung gellend gemachte Auffassung, daß an erster Stelle aller wirtschafts- politifchen Maßnahmen zur Besserung unserer Lage, die Stabilisierung der Mark stehen müsse, bat nun durch das überaus bedeutungsvolle Gutachten der ausländischen Sachverständigen ihre Bestätigung erfahren. Dieses von den Eng­ländern Keynes und Brand, von dem Ameri­kaner Aenks und dem Schweden Cassel erstat­tete Gutachten erklärt, daß das ganze deutsch: Schulden-, Währung s- und W i r t - schastsproblem ohne oorongegangene Markstabilisierung überhaupt nicht ge­löst werden kann. Die Stabilisierung, die Festi­gung der Mark in der Weise, daß sie auch wieder im Außenverkehr ein wertbeständiges Zahlungs­mittel ist, steht im Vordergrund aller Erörterun­gen und Maßnabm-n der Wirtschaftspolitik. Damit wird nur bestätigt, was an dieser Stelle seit Jahr und Tag ausgesprochen wird.

Das Gutachten der vier genannten Persön­lichkeiten hält als Stabilisierungs-Basis oder gewissermaßen als Kurs der Stabilisierung einen Betrag von 3000 bis 3500 Reichspapiermark für den Dollar als ausreichend. Man muß sich da­bei klar machen, daß dieser Kurs schon außer- ordentlrch hoch ist und daß nur die furchtbare Zerrüttung, die die Kurssprünge des letzten Mo­nats von :-twa 3000 bis auf 9000 verursacht bat, der Grund ist, daß jetzt nicht eine niedrigere Ba­sis vorgesehen wurde. Selbstverständlich würde auch bei einem Durchschnittskurse von 3250 Papiermark für den Dollar es sich nicht darum handeln, eine für alle Zeiten oder auch nur für eine längere Epoche gültige Ziffer festzuüellen. Es muß aber mit der Stabilisierung einmal ein Anfang gemacht werden. Wir dürfen aber andererseits uns nicht verhehlen, was uns eine Stabilisierung der Mark zu einem Dollarkurs von 3250 vor allem nach innen bedeuten würde.

So weit es auf die Beziehungen nach außen ankommt, würde die Umstellung keinerlei Schwierigkeiten machen, denn Handel und Ver­kehr sind durch den letzten Dollarstand ganz andere Ausmaße gewöhnt. Tie Stabilisierung einer Währung geht letzten Endes auch nicht von dem Maßstabe aus, den eine Währung von dem Zeitpunkt ihrer Stabilisierung nach außen, sondern vielmehr nach innen hat. Und in un­serem Verkehr sind wir zur Zeit tatsächlich, zum mindesten bei den wichtigsten Lebensmit­teln und täglichen Bedarfsgegenstän- d e n bei einer achthundertfachen, ja sogar teil­weise tausendfachen Entwertung angelangt. Würde die achthundertfache Geldentwertung, die die Stabiftsierungsquote der Sachverständigen vorsieht, zur Auswirkung kommen, so würde das freilich innenwrrtschgftlich große Schwierigkeiten bereiten. Nach außen wäre das weniger der Fall, weil die Industrie ohnehin schon auf eine größere Quote eingestellt ist. Aber nach innen würde die Lage doch gemildert durch die Aus­sicht, endlich einmal zu einer ruhigen und steti- gen Entwicklung zu kommen, die es ermöglichen müßte, im Laufe der Zeit auch an einen Ab­bau dieser Quote heranzutreten.

Freilich wird noch viel Wasser den Rhein hinunter fließen, bis es soweit ist. Mr sind erst im Vorstadium einer Entwicklung, von der heute noch niemand sagen kaun^ wo und wie sie endet. Wie gut es aber ist, daß wir jetzt noch eine starke Goldreserve zur Verfügung haben, zeigt sich darin, daß zur Herbeiführung dieser Stabi­lisierung die Beteiligung der Reichsbank durch Goldhergabe nützlich ist. Der Widerstand einer derartigen Maßnahme gegenüber ist von Sei­ten des Reicksbankdirektoriums nun aufgegeben worden. Unter der Voraussetzung, daß äuße­re Kredithilfe sichergestellt wird, kann auch ein Teil von Deutschlands Gold hergegeben werden. Für eine isolierte Stützungsmaßnahme der Reichsbank von innen heraus allem durch Deutschland selbst wäre die Hergabe von Gold unter den obwaltenden Verhältnissen ein nicht wieder gut zu machender Fehler gewesen. DaZ Gutachten hält daher die Bereitstelluna der Goldreserven für die Zwecke der Markstabilisie- rung für notwendig. Die Deckung denkt man sich nickt durch Wechsel und Anleihen, sondern durch Banknoten, die insoweit auszugeben wä­ren, als eine Golddeckung.gewährt wird. Mit ihnen sollen vor allem die deutschen Guthaben im Auslande erfaßt werden. Damit die Dinge gleich praktisch angefaßt werden, bat der als Sachverständige fungierende Engländer Brand, der das erwähnte Gutachten mit unterfchrieben hat, im Namen und Auftrag des von ihnen ge­leiteten Bankhauses Lazar Brothes das Ang e- bot einer Anleihe an die deutsche Reichsre- gieruna gemacht. Unter Bereitstellung einer Goldreserve der Reichsbank würde in Form eines groß organisierten ausländischen Bank- ftedites, an dem sich neben einer englischen auch.

eine amerikanische Bankgruppe beteiligen würde, das notwendige Kapital für die Zwecke der Markstabilisterung aufgebracht werden können.

J. B.

Am öle kranke Mark.

Rcichswirtschaftsrat und Reparationskommiffion. tPrivat-Telegramm.)

Berlin, 10. November.

In einer gemeinsamen Sitzung des wirt­schaftspolitischen und des finanzpolitischen Ausschusses des Reichswirtschaftsrates gab ein Vertreter der Neichsregierung die Note vom 8. November an die Reparationskommiffion mit dem dazu gehörigen Gutachten der auslän­dischen Sachverständigen bekannt. Im Anschluß daran fand eine eingehende Erörterung statt. Die Verhandlungen wurden für geheim erklärt. Sie werden am Dienstag fortgesetzt. Die Reparationskommiffion hat der deutschen Regierung offiziell mitgeteilt, daß sie heute um 2 Uhr Berlin verläßt. Die Delegierten werden heute vormittag in der Reichskanzlei und im Reichsfinanzministerium ihren Abschieds­besuch machen Das Kabinett beschäftigte sich gestern nachmittag in längerer Sitzung mit laufenden Angelegenheiten, die in den letzten Tagen hatten zurückgestellt werden müssen.

FmnkreichverlangtZWung.

Poinears erstrebt die Finanzkontrolle.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 10. November.

Im Verlause einer lebhaften Aussprache im Senat über eine Interpellation Humberts ergriff gestern nachmittag plötzlich Poinearö das Wort zu einer Erklärung, in der er unter anderem betonte, Frankreich war niemals gegen eine internationale Anleihe, die es den Deuffchen erlauben solle, im Voraus einen Teil ihrer Re- parationsschnlden abzustoßen, aber Frankreich war der Ansicht, daß zunächst eine Kontrolle über die deutschen Finanzen errichtet werden müsse. Wenn es nur von uns abhinge, so erklärte Poinears, dann würde diese Kontrolle durch die Reparationskommission, die jetzt in Berlin diese zu erreichen sucht, schon lange ver­wirklicht worden sein. Poinearö verlas dann seine Rede, die er im Senat am 6. Juni über die Reparation gehalten hatte und gab im An­schluß daran eine Darlegung der Verhandlungen in London, die an der Haltung der damaligen englischen Regierung gescheitert seien.

Ergreifung von Pfändern.

Paris, 10. November. (Eigene Drahtmel­dung.) In der Aussprache im Senat über Deutschlands Zahlungen rief Poincars aus: Die Ergreifung von Pfändern durch Frank- re ich allein würde nicht denselben morali­schen Wert und auch nicht dasselbe finanzielle Er­gebnis haben, wie eine gemeinsame Er­greifung von Pfändern durch die A l i i e r - t e n. Tie verbündeten Nationen werden auf der Berliner Konstrenz sich über die Möglichen einer Mobilmachung der Schulden auszusprechen haben. Frankreich will sich an die Idee eines Einzelhandelns nicht klammern, aber wenn wir keine Genugtuung erzielen, so schloß der Mini­sterpräsident, wird uns nichts hindern tonnen, die Ausübung unserer Rechte (?) lieber allein zu verfolgen, als daß wir darauf verzich­ten. eine Bezahlung zu erhalten.

Die amerikanischen Wahlen. Verteil«««, der Parteistärke«.

(Eigene Drahtmeldung.)

Rotterdam. 10. November.

Nach Berichten aus Washington setzt sich der amerikanische Kongreß nach den bisher vorliegenden Ergebnissen folgenderma­ßen zusammen: Im Senat werden die Repu­blikaner 53, die Demokraten 42 Sitze haben, und mit Berücksichtigung kleiner Parteien wird die republikanische Mehrheit vier Stimmen betra­gen. Im Repräsentantenhaus wer­den die Republikaner 228. die Demokraten 204 Sitze haben, sodaß die republikanische Mehrheit elf Stimmen beträgt. Die Demokraten haben eine starke Zunahme erfahren, die auf die Agita ticn gegen das Alkoholverbot und den Zolltarif zurückzusiihren ist. Besonders zahlreich war die Beteilig,ma der Frauen, die in ihrer Mehrheit

für die Demokraten stimmten, um eine Verteue­rung der Lebensmittel zu vermeiden.

Amerika und die Schuldenfrage.

Paris, 10. November. (Eigene Drahtmel­dung.) In amtlichen Pariser Kreisen glaubt man nicht, daß das Verhalten Amerikas in der alliierten Schuldenfrage durch die Wahlen gegenüber Frankreich und England ge- ändert und daß Amerika den übrigen europäi­schen Fragen ein größeres Jntereffe als bisher entgegenbringen wird. Die Pariser Preffe warnt, soweit sie die Wahlergebnisse kommen­tiert, vor übertriebenem Optimismus in dieser Frage. DerMatin" meint, daß die Vermin­derung der Republikaner keinen Einfluß auf die Außenpolitik Amerikas auSiiben werde.

Reichstags-Wiederbeginn.

Erörterung des Finanzproblems.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 10. November.

Bei der gestern vormittag beim Reichs­kanzler abgehaltenen Besprechung der Par­teiführer wurde man sich darüber einig, daß der Reichstag auf Montag, den 13. No vember einberufen werden soll. An diesem Tage wird voraussichtlich aber nur eine kurze Sitzung stattfinden. Am Dienst« g*ist eine Erklä­rung des Reichskanzlers über die Verhandln» gen mit der Reparationskommission und über die Stabilisierung der Mark angesetzt. An den darauffolgenden Tagen werden die Parteien ihre Auffassung vortragen. Eine vorläufige Aussprache C6er das gesamte Problem wird be­reits heute im Auswärtigen Ausschuß des deutschen Reichstages stattfinden.

Die jOrientfrife.

Reue energische Forderungen der Türken.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 10. November.

Aus Konstantinopel wird berichtet, daß die Kemalisten dem ftanzöstschen Oberkom- miffar in Konstantinopel, General Pellet, folgen­de Forderungen übermittelt haben: 1. So­fortige Räumung von Konstantinopel. Die Al­liierten können, falls sie es wünschen, in Tscha- daldja, Skutari und im Banat bleiben. 2. Aufhe­bung der Kapitulationen und Zurückziehung der alliierten Kriegsschiffe. 3. Abhaltung einer Volksabstimmung in Westthrazien, nm feststellen zu können, ob dieses Gebiet nicht an die Türkei zurückgegeben werden soll. 4 Rückgabe von Mofful an die Türkei. 5. Revision der syrischen Grenze. 6. Autonomie der Inseln gegenüber der kleinasiatischen Küste. 7. Völlige Unabhängigkeit der Türkei. 8. Zahlung einer Entschädigung durch Griechenland in Höhe von sechs Millionen Goldfranken. Alliierte Kreise glauben, daß die Angora-Reaierung nicht so schroff handeln wer­de. Rafid Pascha beruhigte die Alliietten durch die Erklärung, daß er alle Anordnungen rück­gängig machen werde, durch die sich die alliier­ten Truppen in Konstantinopel in ihrer Sicher­heit irgendwie beeinträchtigt fühlen.

Gegen die Alliierten.

Wien, 10. November. (Eigene Drahtmel­dung.) Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, greifen dort die Unruhen und Kundgebungen gegen die Alliierten immer mehr um sich. Die Kemalisten verhöhnen die Frem­den und suchen die Tätigkeit der Oberkommiffare zu stören. In den Zollbüros beschlagnahm­ten sie die Zolleinnahmen und verboten die Einfuhr von Luxusartikeln. Ferner haben sie d'- fremden Gerichtshöfe und die Kontrollkom­mission aufgehoben und die Beamten der Zoll­verwaltung entlassen. In einer Postverwaktnng versuchten sie die Postsendungen zu beschlagnah­men, konnten aber durch das Eingreifen ttalie- nischen Militärs daran gehindert werden.

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Schärfere Maßnahmen.

Paris, 10. November. (Eigene Drabftnel- dung.i Der französische Oberkomissar und der Kommandant der französischen Besatznngstruv Pen in Konstantinopel wollen nunmehr anstelle der bisher angewendeten milden Politik ein strengeres Regi ment einfübren. Bis­her sei die ftanzösische Regierung vervflicktet ge wesen, Rücksichten auf die weit verbreiteten fron wüschen Handelsinteressen zu nehmen. Anderer seits dürfe man nicht Bewegen, daß die Frao- der Interesse» der ftanzösische« und englischen Regierung am Rhein und im Orient an das engste miteinander verbunden feien.

Die Wohnungsnot.

Cine Entschließung de» Sachverständigen.

DieDereinigungvonStadtbau-LtengrStzer-e Städte von Rhetnland.Wektfalen und Hessen. Raffan hielt in Dortmund eine Derfainm- lnng ab, die sich mit der Bekämpfung der grotzen Wohnungsnot,« beschäftigen hatte.

An dem Kamps der Städte gegen die Woh­nungsnot drohen jetzt neue Schwierigkeiten, weil es bei der augenblicklichen Lage des Geldmarktes teilweise überhaupt nicht mehr möglich ist, die nötigen Mittel zur Auszahlung der Handwerker und Lieferanten flüssig zu machen. Einige Städte haben deshalb ihre Bauabsichten schon wesent­lich einschränken müssen, andere haben sogar be­gonnene Bauten stillgelegt. Selbst die Städte, die heute noch bauen, tragen sich mit ähnliche.'! Absichten. Die Folgen wären unübersehbar. Einschränkung der Bauarbeiter bedeutet Still­stand der Bauindustrie und Arbeitslosigkeit bei einem großen Teil aller von der Bauindustrie abhängigen Gewerbe. Stillegung der Bauten bedeutet aber auch Verzicht auf den Kampf ge­gen die Wohnungsnot, Verewigm^ des Woh- mmgselcnds und schließlich in der Zeit politi­scher Hocksspannung Verzweiflungstaten der hoffnungslos Wohnungssuchenden. Das deut­sche Volk darf aber nicht auch noch diese Krank­heitsstoffe in sich aufnehmen, denn vom

WohnungsbolscheiviSmns bis znm allgemeinen Durcheinander

ist nur ein kurzer Weg. Darum hat sich die Ver­einigung der Stadtbauräte von Rheinland, Westfalen und Hessen-Nassau, die 48 technische Magistratsmitglieder und Beigeordnete von 28 größeren Städten umfaßt, bei ihrer Zusammen­kunft in Trier am 14. Oktober 1922 verpflichtet gefühlt, in letzter Stunde nochmals eine ernste Mahnung an alle beteiligten Kreise zum Aus»^ halten in der begonnenen Arbeit zu richten. Die Drittel zur Durchführung müssen gefunden wer­den, alle von der. Gesetzgebung vorgesehenen Maßnahmen müssen getroffen werden, um den Städten die Mittel zur Fortführung des Kampfes gegen das Wohnungselend in die Hand zu geben. Aber auch der Staat muß we­nigstens vorübergehend ausreichende Kredite geben, weil die übrigen Geldgeber zu versagen drohen. Die Vereinigung hat daher die nach­folgende

Entschließung

gefaßt, die der Auftlärung des Volkes im weite­sten Sinne dienen soll: 1. Alle int Jahre 1922 begonnenen oder beschlossenen Wohnungsbauten sind unbedingt im Jahre 1923 fertigzustellen. Neue Wohnungsbauprogramme sind möglichst erst nach Abwicklung der diesjährigen aufzustel­len. 2. Tie Mittel zur Durchführung der Bau­programme müssen in erster Linie durch einen systematischen Ausbau der Wohnungsbauabgabe gewonnen werden. Diese Abgabe muß so erhöht werden, daß ihr jährliches Aufkommen zusam­men mit den sonst noch möglichen weiteren steu­erlichen Ataßnahmen zur unmittelbaren Deckung der jährlich aufzuwendenden unrentierlichen Wohnungsbaukosten genügt, sodaß langftistige Anleihen und die damit verbundene ständige Belastung des Kapitalmarftes überflüssig wer­den. 3. Die jetzige Fassung des Paragraphen 9a des Kommunalabgabengesetzes betreffend die Heranziehung der Arbeitgeber zu Beiträgen für den Wohnungsbau ist als ein Fehlgriff anzu­sehen. Die praktische Unbrauchbarkeit des Ge­setzes beginnt sich leider herauszustellen. Die Verfteter der Städte im Landtage müssen schleu­nigst auf die Verbesserung und Umänderung des Gesetzes hinwirken. 4. Arbeitgeber, welche ihre Fabriken in den letzten Jahren stark vergrößett haben und dadurch nachweislich zur Verschär- fung des Wohnuugselends beigetragen haben, sind zu Sonderleistungen heranzuziehen. Es muß ein Gesetz geschaffen werden, das es er­möglicht, die Baugenehmigung zu großen Fabrik­bauten von dem gleichzeitigen Bau einer entspre­chenden Zahl von Wohnimgen abhängig zu ma­chen. 5. Um bei der augenblicklichen Versteifung des Kapitalmarftes den Gemeinden durch unmit­telbare Hergabe von Krediten zn helfen, muß die vom Reich kürzlich bewilligte Summe von drei Milliarden Mark um ein Mehrfaches erhöht werden, da nach den bisher bekannt gewordenen Zahlen die vorhandenen Mittel nur ganz unzu­reichende Hilfe leisten können. 6. Der Krebs­schaden des Baustoffwuchers muß ungesäumt durch gesetzliche Maßnahmen bekämpft werden. Dazu gehört auch die preiswerte Abgabe von Bauholz aus staatlichen Forsten. Alle Behör­den, Verbände und Vereine werden angesichts der Sorge um die Linderung des Wohnungs­elends dringend gebeten, im Sinne dieser Ent­schließung zu wirken.

Zustände in Rußland.

Die Arbeiter ohne Kleider und Schuhe.

Aus Helsingfors wird geschrieben: Die Mos­kauer ,Prawda" wirst an leitender Stelle die

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