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12. Jahrgang

FreiLag, 10. November 1922

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 264

Fernsprecher 951 und 952

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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung -sSS Hessische Abendzeitung__-

Mhmngsproblem und Anleihesrageu.

Wirth oder Hermes.

Lm den Achtstundentag?

In den letzten Tagen verlautete, daß in Ber­lin Bestrebungen im Gange seien, die auf einen Regierungswechsel hin arbeiten. Man wolle den Reichskanzler Dr. Wirth veranlagen, von sei­nem Posten zurückzutreten und an seine Stelle den jetzigen Finanzminister Dr. H e r m e s setzen. Wie cs heißt, soll Dr. Wirth der Repa- rationskonimission gegenüber nicht mehr so er- füllungsbereit sein wie früher, wogegen Dr. Her­mes, der von der Industrie unterstützt werde, mehr Entgegenkommen zeige. Solche Vermu­tungen klingen sehr unwahrscheinlich, denn die Industrie hat sich bisher gerade gegen die Erfüllungspolitik gewandt. Möglich ist allerdings, daß die Industrie di« Erfüllungs- Politik auf das Gebiet der Sachleistungen hinüberzuleiten wünscht. Eine besondere Rolle spielt, wie es scheint, dabei die Vermehrung der Arbeitsleistung, die durch eine Verlängerung des Achtstundentages erreicht werden könnic Die Pariser Presse weist darauf hin, daß sich der Kampf um die Stabilisierung der Mark in Deutschland dahin zuspitzt, daß damit gleichzei­tig die Frage des Achtstundentages entschieden werden soill. Und sie macht darauf aufmerksam, daß zwischen dem Reichskanzler und dem Reicks- finanMinister in dieser Frage ein Gegensatz besteht, der zu einer Regierungskrise führen könnte. In der Frage des Achtstunden­tages hat allerdings der Reichskanzler nicht die entschiedene Haltung eingenommen, die der Finanzminister zeigt. Er hat wohl verschiedent­lich mit den Sozialdemokraten für die Aufheb­ung oder Lockerung des Achtstundentages bera­ten, indessen bei den Vertretern der Arbeiter keine Gegenliebe gefunden. Sie wollen von den Errungenschaften, die der Achtstundentag auf­weist, nicht abgeyen, wenn sie auch erkennen, daß für Deutschland unbedingt in der Beschränkung der Arbeitszeit ein Nachteil liegt und eine Be­hinderung der Markstabilisierung zu finden ist. Hermes dagegen steht in dieser Frage auf Sei­ten der Industrie, und diese fordert seit gerau­mer Zeit, es müsse endlich Schluß gemacht wer­den mit der Beschränkung der Arbeitsdauer, die Deutschland sich nicht leisten könne, Deutschland als einziges Land, obwohl es das verschuldetste ist, das Land, das aus dem Kriege die größten Lasten erhalten hat.

Infolge der verschiedenen Auffassung des Reichskanzlers und des Reichsfinanzministers sind selLstverständlich die Differenzen groß, aber außerdem liegen noch andere grundsätzliche Un- tevschiede in der Auffassung vor. Man wird sich nun fragen, was hat der Ächtstundentaa mit der -Stabilisierung der Mark zu tun? Bei flüchtiger Betrachtung ergeben sich zwei verschiedene Be­griffe. Und doch hängen diese Fragen eng zu­sammen. Deutschland kann nur zu geordneten Verhältnissen kommen durch seine Produktion,. Die Produktion aber wird vermehrt durch be­schleunigte Arbeit oder eine Verlängerung der Arbeitszeit. Das sehen wir schon in dem Ueber- schichtabkommen mit den Bergwerken. Die Ver­treter der Industrie sagen: Richt darin liegt der Erfolg, daß der Arbeiter länger arbeiten muß und verhältnismäßig weniger verdient, son­dern in dem Umstande, daß neun Stunden besser eingeteilt werden können. Andernfalls wäre es der Industrie ein leichtes, eine größere Anzahl von Arbeitern einznstellen. Cs gibt aber Ar­beitsmethoden, die keine Ablösung zulassen, wo tatsächlich nur eine und die gleiche Kraft an der Maschine stehens einen Posten ausfMlen kann. Und es ist nicht beabsichtigt, die neue Arbeits­stunde zu der jetzigen Tagesbezahlung hinzuzu­nehmen, ohne jede Sondervergütung, sondern vielmehr so gedarbt, daß der Tag es lohn, entsprechend der Stundenberechnung um eine Stunde vermehrt werden soll. Der Ar­beiter hätte fürs erste ein größeres Einkommen. Der Unternehmer aber die Möglichkeit, seinen Betrieb besser auszunutzen, die Produktion zu steigern, die Konkurrenz mft dem Auslande besser aufzunehmen.

Die Stabilisierung der Mark kann erreicht werden durch einen auasgeglichenen Etat, so wird weiter argumentiert. Der Etat kann aus­geglichen werden durch größere Einnah­men. Diese Einnahmen aber werden nickt durch Steuern erzielt, sondern vornehmlich durch den Handel, durch den Absatz und den Um­satz der Industrie. Eine Stabilisierung der Mark bringt eine Verbilligung der Le­benshaltung mit sich. Folglich würde die vermehrte Arbeit dem ganzen Volke zugute kom­men. da sie die Gewähr für die Verbesserung der Lage mit fick brächte. Und Verbilligung der LebenÄaltung in Verbindung mft einem größe­ren Verdienst müßte der Wunsch der deutschen Arbeiter sein. Es wird Jedermann einsehen, daß es nicht ein besonderer Vorteil ist, wenn die Arbeiter in acht Stunden viel verdienen, um den Verdienst auf der anderen Sete für die teure Lebenshaltung wieder aufwenden zu müssen. Die Arbeiterführer sind aber nicht ge­

neigt, in Rücksicht auf die Masse, deren Anschau­ungen sie widerflvrechen müßten, dieser Einpckt zu folgen. Wenn verschiedene Berliner Nachrich­ten zutreffen, ist die Frage des Achtstundentages schon in ein vorgeschrittenes Stadium eingetre­ten, und zwar scheint Dr. Hermes wirtlich dem Reichskanzler gegenüber treten zu wollen. Er ist in den letzten Tagen mehrfach mit dem Grundsatz hervorgetreten, daß die Hilfe de Auslandes, wenn wir sie überhaupt erhalten, nicht genüge, sondern daß die deutsche In­dustrie zunehmen müsse. Dieser Stand­punkt wurde auch von der Reparations- kommission vertreten. Deutschland werde nickt eher auf sie rechnen können, bis hn Innern aus eigener Kraft mehr geleistet werde. Das se auch eine Frage, die zur Stabilisierung des Bei trauens wie zur Stabiliöeruna der Währung eines Landes unerlMich sei. Wir sehen also i" diesem Punkte eine Uebereinsiiminung zwischen der Revarat-onskommission, sowie Dr. Hermes und der deutschen Industrie. Ob cs deshalb zu einem Kabinettswecksel kommt,, sei noch dahin­gestellt. Die jetziae Reichsregierung hat schon mancke kritische Lage überstanden. ss.

DmLMcmös Antwort.

Die Währ'rrnas- und Anleihefragen.

(Eigener Drabtberickt.)

Berlin, 9. November.

Tie deutsche Regierung hat im Laufe des gestrigen Nachmittags die Antwortnote für die Reparations-Kommission fertiggestellt. Die Note wurde in den späten Ubendstunden re­vidiert und dürfte noch am Abend einem Vertre­ter der Reparationskommifsivn übergeben wor­den fein. Inzwischen sind bei der Regierung sämtliche Gutachten der von der Regie­rung eingeladenen Sachverständigen eingetros- fen. Es handelt sich um vier Gutachten, von de­nen sich zwei mit der Stabilisierung der Wäh­rung beschäftigen, außer dem ersten LereitS veröffentlichteu Gutachten. Das zweite Gutach­ten von Bissering und andere Gutachten beschäf­tigen sich mit der Organisation des interna­tionalen Banksyndikats und mit der Frage der Aufbringung bei Bankkredite, davon stammt der erste Teil von Dubois, der zweite Teil von Brand.

* * *

Die Haftung 6er Industrie.

Berlin, 9. November. (Privattelegramm.) Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes der deutschen Industrie hielt gestern eine Sitzung ab. Im Verlaufe der Aussprache wurde von verschiedenen Seiten die immer wieder auftau- djenbe Behauptung widerlegt, die Industrie sei grundsäblich gar nicht für eine Stabilisierung der deutschen Währung. Es wurde übereinstim­mend betont, daß die Industrie, wie die ge­samte deutsche Wirtschaft, das grösste In­teresse daran habe, so schnell als möglich von den Schwankungen der Währung loszu- kommen, und zu einem festen Wertmes­ser zu gelangen. Unstreitig fei der Zeitpunkt und die Voraussetzungen für eine dauernde Sta­bilisierung der Mark gekommen. Uebereinstim- mung bestand aber auch darüber, daß durch die Devisennotverordnung und deren Auskührungs- bestimmungen die Stützung unserer Währung, wie die Entwicklung des Devisenkurses gezeigt hat, nicht nur nicht gefördert, sondern schwer geschädigt worden ist.

Kanzler und Varteifavrer.

Berlin, 9. November. (Privaftekegramm) Wie ein Korrespondenzbüro erfährt, werden die Parteiführer heute vormittag 9 Uhr vom Reichskanzler empfangen werden. Es ver­lautet. daß Dr. Wirth weitere Aufklärmigelt über die deutsche Antwort und die Sachverstän- digen-Gutachten geben werde.

*

Schluß der Verhandlungen.

Berlin, 9. November. (Privattelegramm.) Die Reparationskommission wird stck heute vormittag um 10 Uhr in einer besonde­ren Sitzung mit den gestern abend überreichten neuen deutschen Vorschlägen befassen. Wahrscheinlich wird dann noch im Laufe des heutigen Tages eine Zusammenkunft zwi­schen den Mitgliedern der Reparationskommis­sion und ben Regierungsvertretern stattfinden, die aber lediglich einen formellen Abschluss der Verhandlungen und der Verabschie­dung der Delegierten beim Reichskanzler dient.

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Aus der I.eparationskommlsflon.

Berlin, 9. November. (Privattelegramm.) Die Reparatipns-Kommission hat der Regierung offiziell über ihre weitere Absicht noch nichts mitg> teilt. Es steht nur fest, daß die Verhandlungen über die Kohlenfrage in

Paris fortgesetzt werden, während über die Holzlieferungen überhaupt noch nichts besprochen worden ist. Man rechnet damit, daß die Reparations-Kommission entsprechend ihrer besprochenen Absicht in Berlin nur Informatio­nen hat einziehen wollen. Sie hat der Regie­rung den Empfang der Antwortnote ftirz bestä­tigt und wird nnt Freitag abend nach Pa­ris a b f a h r e n. Möglich ist aber auch, daß die Reparations-Kommission noch eine kurze Be­ratung abhält und die Antwort an die Regie- riina so ansklingcn läßt, daß gewisse Hoffnun­gen auf Annahme der letzten Vorschläge der Reichsregierung bestehen.

internationale GowanlrPs?

Angeblich günstige Aussichten.

(Eigene Drahrmeldung.)

Berlin, 9. November.

Die Reichsregierung hatte sich der Vermitt- ftmn der neutralen Bankiers, die sich augenblick­lich'in Berlin befinden, bedient, um mit amerika­nischen, holländischen und schweizerischen Pri­vatbanken in Verbindung zu treten. Diese würden unter Umständen mit der Garantie der ReichSbank eine Anleihe von fünfhundert Millionen Golbmark gewähren. Es handelt sich nicht, wie bagBerliner Tageblatt" behauptet, um Angebote neutraler Großbanken, sondern um eine Bitte der Reichsregierung, die übrigens eine befriedigende Antwort erhalten habe:- soll. Der Berliner Korrespondent des Variier Journal" erfährt, die neuen Vorschläge der Reichsregicning an die Reparation-Kommission stelle» zweifellos einen Fortschritt bar, aber dennoch werde es der ReparationÄkommissiou nickt möglich sein, sofort eine Entscheidung zu treffen, dies werde vielmehr erst geschehen, wenn die Brüsseler Konferenz znsamntenge. treten sei. Nach einer Berliner Havasmeldimg dürste die Reparationskommission ihre Abreise, die ursvrünglich nn" Donnerstag anacscttt war. verschieben, nm die Verhandlungen mit der Neichsregierung weiterhin fortzusetzen.

Frankreichs Absichten.

Die völlige Vernichtung Deutschlands!

(Eigener Trah'berickt.

Paris, 9. November.

Die Kammer beschäftigte sich mit der Prüfung des französischen Haushaltes. Loncheur hielt eine Rede, in der er die Auffassung bekämpfte, die Franzose» hätten bei den F-riedeusverhandlun- gen die deutsche Zahlungsfähigkeit überschätzt. Er beschäftigte sich dann eingehend mit der deut­schen Finanzlage und kam zu dem Schluß, daß Deutschland sofort für bankerott et. klärt werden müsse, nm auf diese Weise die deutschen Finanzen einer Gesundung entgegen* zuführen. Heute an eine Festigung der Mark zu denken, sei ein Unding, beim Deutschland befinde sich am Rande des Abgrundes. Es liege in sei­nem eigenen Interesse und in dem Europas, den Bankerott des Deutschen Reiches zu erklären. An dem künftigen Wiederaufbau Deutschlands müsse nicht nur von Deutschland selbst, sondern auch von allen anderen Ländern gearbeitet werden. Durch eine internationale Solidarität müsse man fünf bis sechs Mlliarden Goldmark aufzubrin- acn versuchen und damit die neue Valuta schaffen. Es handle fich überhaupt nicht allge­mein nm die Wiederherstellung der Währung Deutschlands, sondern auch nnt die der entwer­teten Valuta aller anderen Staaten. Vorbedin­gung dafür sei ein dauernder Frieden, durch den die Sicherheit Frankreichs (!) gewährleistet werde. Als Garantie müsse das Rheinland selbständig gemacht werden (!), das aber unter einer alliierten Sckuktruppe mit fran­zösischer Führung stehen müsse. (!)

Das vkdrovtr Rheinland.

Paris, 9. November. (Eigene Drahtmel- dung.) Zu der Kammerrede Louchenrs wird von gut unterrichteter Seite erflfirt, die Ersetzung der gegenwärtigen Besatzungsarmee durch eine, i n - terfttliierte Truppe ,die vom Völkerbund zu bestimmen wäre, sei ein LieblingSgebanke Louchenrs. bet darüber wahrschein'ich auch mit, Rathenau gesprochen habe. Loncheur hoffe auf diese Weise gleichzeitig Deutschlands Befürchtung wegen der überwienend französischen Rhein-Be- fatnmg und Frankreichs Sorge wegen neuer An­griffsgefahren zu zerstreue». Sein Ziel sei die Entspannung zwischen Frankreich und Deutsch­land. (?) Loncheur denke nicht an eine dauernde Besetzung bei Rheinlande durch ausländische Truppen, sondern für die Zeit, in der die große Zahl der voll ausgebildeten deiltfchen Kriegsteil­nehmer nach französischer Auffassung noch eine gewisse Gefahr darftelle. (!) Voraussetzung der von Loncheur vorgeschlagenen Lösung der Besät* zuugsfrage wäre aber eine Verständigung mit Deutschland über das Nevaraifonsproblem.

Wanöerföröerung.

Die Erschließung Hessens als Reiseland.

Bei Sen vcrichtedenstcn Gelegenheiten, ans Wander- und DerkehrStagen ist immer d«. tont worden, dap Hegen ein Reiseland wer­den inutz wie eS der Harz und der Thitringer- waid find. Bon der Durchführung dieser Abficht hängt ein gnt Teil kommender wirtschaftlicher Entwicklung der Heimat ab.

Kann das Hessenland ein Reiseland werden, bietet es dem Fremden das, was er dort sucht? Diese Fragen sind unbedingt zn bejahen. Unbe­dingt notwendig aber ist, daß sich die gesamte Bevölkerung auf diesen Gedanken einstellt und nicht zuletzt die ländliche. Das Hessenland ist so reich an Naturschönheiten aller Art, daß es bei geschickter Werbearbeit nicht schwer fallen dürste, den Fremden ström, der sich in der guten Jah­reszeit über Deutschland ergießt, auch mach dem Hessenlandc abzuleiten. Wenn auch noch vieles zu t^rbesseril ist, so müssen doch die Eisenbahv- verbttrhfmgen als zufriedenstellend angesprochen werden. Für den W a n d e r v e r k e h r ist auch bereits das denkbar Möglichste geleistet worden. So sind beispielsweise

im Hadichtswalde

durch den Hessischen Gcbirgsverein, Zweigstelle Kassel, die Wegebezeichnung bis auf einige ge­ringfügige Teile wiederhergestellt, eine recht um* icmgreiche und mühevolle Arbeit, zumal es sich itm ein ganz außergewöhnlich engmaschiges Wegenetz handelt und in den Jahren des Krie­ges Zahlreiche Schilder verloren gegangen oder verdorben und viele Farbzeichen weggefallen sind. Die Wander- u. Wege-Abteilung des Hessi­schen Gebirgsvereins, der die Wegebezeichnungs- arbeit obliegt, hat sich nicht auf Erneuerung des früher vorhanden Gewesenen beschränkt, sonder» das Netz vielfach vervollständigt, insbesondere, indem sie in der Hauptsache von der End­station der elektrischen Dahn (weiße Linie) aus auch durch den Park Wilhelmshöhe hindurch bezeichnet und außerhalb des Parkes einige neue Verbindungen geschaffen hat. Alle bezeichneten Wege hier einzeln anzugeben, würde zu weit führen, zumal nach vielen Punkten mehrere Wege bezeichnet sind. Es seien hier nur folgende Zielpunkte unter Angabe des Buchstabenzeichens, das zu ihnen binweist. genannt:

Harleshausen (H.), Firnskuppe (F. K.), Hek- kershansen (Hec.), Stahlberg (St.), Wilhelmstal (W.), Münchehof (M.), Fürstenwald (F.), Dorf Dörnberg (Dbg.), Hoher Dörnberg (H. Dbg.), Weimar (Wei.), Ahnatal (A.), Baunsberg (Ba.), Elgershausen (Elg.), Zeche Marie (Z. M.), Brasselsberg (Br.), Mariertselsen (M.), Bilstein- klippen (Bkl.), Druseltal (Dr.), Hirzstein (Hi.), Firnsbachtal (F. Tl.), Hohes Gras (H. Gr.), Hoof (Hv.), Hoher Baum (H. SB.), Forsthaus Haide (F. H ). Ehlen <Ehl.), Herkules (He.), Asch !As.), Löwenburq (Löw.), Fuchslöcher (F.), Elf- Buchen (E. B.),'Mulang (Mu.), Möllers Ruh (M. R.), Caseaden (Casc.), Kirchditmold (K.).

Die SBezeichnung besteht in der Hauptsache aus weißen, die vorstehenden vermerkten Buch­staben wiedergebenden Farbzeichen. Sie werden unterstützt durch ebenfalls weiße Keile, welche die Wegerichtung angeben, weiße Spiegel (kreis­runde Zeichen), welche die Aufmerksamkeit auf nahe befindliche Zeichen lenken sollen, und vor allem durch die bekannte» Holzschilder des Hes­sischen Gebirgsvereins, die nur an den Anfangs­und wichtigen Kreuzungspunften angebracht wer­den. Sie weisen den vollen Namen eines oder mehrerer Zielpunkte auf, unter SBcifügitng der dann die Führung übernehmenden Buchstaben.

Dje Türme auf de» Bergen

werden, wenn unsere wohlhabendere Bevölke­rung die Brieftaschen freudiger öffnet, und vor allem, wenn die Gemeinden in'der Nähe solcher bevorzugten Aussichtspunkte durch Unter­stützung des Wiederaufbaus dieser Türme, sei es durch Geld, Holz. Wagengestellung oder der­gleichen dem Gebirgsverein helfen, seine ge­meinnützige Arbeit gerade im Interesse der Er­schließung des Hessenlandes als Reisegebiet durchzuführen. Weiterhin ergibt sich die Not­wendigkeit, der Verpflegungsindustrie auf dem Lande die Ueberzeugimq beizu­bringen, daß sie ein wichtiges Glied der Ver- kehrsförderung ist, ohne die auch die Landge­meinden in bergig-waldiger Lage in Zukunft die jetzigen landwirtschaftlichen Verhältnisse werden nicht so bleiben wie jetzt nicht aus- kommen werden. Es schadet dem Rufe eines Gebiets, wenn es dem Wanderer nicht möglich ist, wie das leider keine Ausnahmen sind, auch nur ein Stück Brot oder eine Taffe Kaffee zu crhal- ten und, ist dies dock der Fall, Preise abgenom­men werden wie in der Großstadt, deren Lokale ganz andere Aufwendungen für Licht und Aus­stattung zu finanzieren haben. Der Wanderer, das muß immer wieder betont werden, ist der bedeutsamste Werber für eine Gegend. Findet »c seinen Beifall so empfiehlt er sie und die