Mder Neueste Nachrichten
Kaffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Lie Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar ab end S. Der ÄdonuementSpreis betrügt monatlich 200.- Mark bei freier Zustellung ins Haus in der Geschäftsstelle abgeholt 190.- Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 200.- Mark monatlich etnschl. Zustellung. Bestellungen werden jederzeit enigegcngenommen. Druckerei, «erlag und Redaktion. Schlachthosstraße 28/30, Für unoerlangt eingesandts Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgelder oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngSmätziger Lieferung auSgeschloflen.
Jnserttonspreis«: a) «inheimische Aufträge: Die einspaltige Anzeigen,eile M. 12.—, die einspaltige Reklamezeile M. 36.—. b) Auswärtige Aufträge: -Die einspaltige Anzeigenzeile M, 12.—, die einspaltige Reklamezeile M. 36.—, alles einschließlich Teuerungszufchlag und Anzeigenfteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme- baten und Plätze kann eine Gewähr nidjt übernommen werden. — Druckerei: Schlachthofstrabe 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5, Telephon Nummer 951 und 952.
Nummer 262.
Mittwoch, 8. November 1922
Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
llnOnsliger Verlauf der Fiumzkonferen;.
Der Wiederaufbau.
Die Normandie und Ostpreußen.
Seit dem unglücklichen Frieden von Versail- les verlangen die Franzosen von Deutschland, cs hatte das zerstörte Nordfrankreich aufzubauen. Der Versailler Vertrag sieht für die Bewohner Nordfrankreichs Entschädigungen vor, die Deutschland zu zahlen hat und die größtenteils auch bereits bezahlt sind. Und doch find, wie selbst in der französischen Kammer Mltgeteilt wird, die Milliarden, die Deutschland für den Wiederaufbau Nordfrankreichs aufgebracht hat, nur zu einem kleinen Teil zur Errichtung der zerstörten französischen Dörfer und Städte verwandt worden. Das meiste Geld wanderte in die Taschen der Verwaltungsorgane oder der früheren Eigentümer von Grundstücken, die es nicht für nötig hielten, das Geld zu dem bestimmten Zweck anzuwenden. Darüber hinaus hat D e u t sch l a n d seit dem Frieden von Versailles immer wieder seine Bereitschaft betont, Material und Arbeiter zum Wiederaufbau Frankreichs zu liefern. Diese Angebote wurden indessen aboe- lehnt. Frankreich wollte selbst die zerstörten Gebiete wieder Herstellen, Deutschland sollte nur die Kosten tragen Reisende, die das nord- französische Gebiet durchfuhren, berichten, daß strichweise überall noch Trümmer liegen und nur vereinzelt Neubauten aus Schutt und Asche entstanden sind. Dieser Vorgang beweist, wie nachlässig Frankreich, in dem Wiederaufbau der zerstörten Normandie verfährt. Es hätte alle Ursache, sich ein Beispiel an Deutschland zu nehmen, das heute stolz auf das wiedcraufge- baute zerstörte ost preußische Krieg saebict blicken kann.
Deutschland wartete nicht die von Rußland zu fordernden Entschädigungen ab. Die deutsche Regierung entschloß sich zuerst selbst, dem geschädigten Ostpreußen zu helfen, indem sie zunächst Vorschüsse zahlte, dabei aber zur Bedingung machte, daß diese Vorschüsse zum Aufbau von Häusern, zur Begründung der Zerstörten Häuslichkeiten angewandt werden müssen. Als die Russen aus Ostpreußen vertrieben waren, setzte sofort die Bautätigkeit ein, die Regierung sandte Sachverständige und der deutsche Fleiß und die Liebe zur Heimat wirkten Wunder. Bereits im erstm Fahre nach der Vertreibung der Russen waren die meisten Gehöfte neu erstanden, die ungeschossenen Häuser wieder ausgebes- scrt und zahlreiche Lücken, die der Krieg in den Städten gerissen hatte, durch Neubauten ausge- füllt. Im zweiten Jahre nach dem Russeneinfall waren in fast allen ostpreussischen. von den Russen heimgesuchten Städten die Kriegsspuren bereits verwischt. Nnr einzelne Trümmerhaufen waren sichtbar. Heute indessen findet man nirgends mehr, welche Grenzstadt Ostpreußens man auch besucht, das Wüten des Krieges, die Erinnerung an schwere Kamvstage. Schmucke Häuser erheben sich an den sauberen Straßen. Der Stil der Häuser ist gewöhnlich anaepaßt den Gegenden. Es ist gut und sauber gebaut worden und die wieder psitandenen. ziim Teil säst gänzlich neu gebauten ostpreutzischen Städte können tatsächlich froh sein, die früheren alten baufälligen Häuser durch neue ersetzt zu haben. Im ersten Frieden mit Rußland wurde zwar Rußland verpflichtet, den Schaden, den der Russen- einsall in Ostpreußen verursacht hat, zu bezahlen, aber es fand eine Geaenrechmmg statt, in deren Genuß, da dieser Friede nicht durckge- fithrt wurde. Deutschland niemals gelangte. Der Vertrag von Rapallo machte schließlich einen gänzlichen Strich durch die deutsch-russische Ge- genrechnuNg. Deutschland bat demnach keinen Pfennia von Rußland zum Aufbau der zerstörten Gebiete erhalten. Deutschland selbst hat also den Wiederaufbau Ostpreußens vollzogen, dieses arme Deutschland, dessen schwere Lage heute von aller Welt anerkannt wird.
Im Gegensatz bierzn ist es empörend, wenn in dem im Verhältnis zu Deutschland doch wohlhabenden Frankreich so wenig geschieht. nm die Verwüstungen des Krieges zu beseitigen. In Frankreich fehlt jeder Antrieb. Bürokratismus und Regierung stehen auf dem Standpunkt, daß kein Ziegel aufeinandergelegt werden darf, wenn Deutschland nicht dazu das Geld gebe. Hätte Frankreich den Ehrgeiz besessen, die Spuren des Krieges zu verwischen, wäre es so vorgegangen wie Deutsch- land und hätte es gebaut, als die Kriegsbeere Nordfrankreich geräumt batten, so würden sicherlich auch in der Normandie die Kriegsspuren beule beseitigt sein. Die Hauptsache aber, es w ä r e b i l l i a e r gebaut worden und die Rechnung. die schließlich Deutschland voraelegt werden mußte, hätte nicht dos erschreckend schwer« Gewicht gehabt, das sie beute^aufweist. Viele Verhandlungen wären überflüiug geworden un> der angesichts der Ruinen in Nordfraükreicki immer noch auffteigcnde H-aß gegen Deutschland könnte lange schon behoben sein.
Sonderbarerweise hat man so wenig bisher das Vorgehen Deutschlands in Ostpreußen mit der negativen Haltung Frankreichs in der Normandie verglichen. Niemand, oder schr wenige, haben daran gedacht, Deutschlands Tatkraft in Ostpreußen zu loben und sie den Franzosen entgegenzuhalten, die anscheinend daran einen Gefallen finden, die Kriegsstätten zu erhalten, um Ausflüglerzüge zu organisieren, sie in die Steinwüste zn senden und hier vor Tausenden politische Reden zu halten mit dem Refrain: das ist Deutschlands Werk! Frankreich hat es, wie man erkennen muß, niemals ernst gemeint mit dem Wiederaufbau. Und wenn es jetzt unter dauerndem Druck, unter fortwährender Einsetzung seiner Machtmittel Deutschland dazu zwingen will, .wieder gutzu- machen", so liegt hier lediglich der Wunsch vor, diplomatische Aktionen vorzubereiten, um p o l i- tische Ziele zu erreichen, niemals aber um tatsächlich das zerstörte Frankreich aufzubauen.
Kem Emebms kn Berlin? Schlechte AuSfichten der Finanzkonferonz.
(Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 7. November.
Die letzten drei Tage habe» die Erwartungen auf eine Verständigung herabgesetzt. Auch Bradbury ist mit der Haltung Deutschlands unzufrieden. Der Pariser „Ternps" schreibt: Die deutschen Vertreter erschöpfen sich in immer seltsameren Vorschlägen, die die Alliierten nicht befriedigen können. (?) Sollte es bis Freitag zu einer Verständigung nicht kommen, so ist die Bekanntgabe einer befristeten Forderung an Deutschland nach der Rückkehr der Kommiision nach Paris zu erwarten. — Die in Berlin weilenden Vertreter der Re- parationskommission haben der deutschen Regierung gestern abend eine schriftliche Antwort auf ihre Vorschläge überreicht. Die deutsche Regierung wird zu dieser Rote unverzüglich Stellung nehmen. Die Kabinettssitzung findet heute vormittag statt. Neber den Inhalt der Rote verlautet, dass sie den Eingang der deutschen Vorschläge bestätigt und den Wunsch nach erweiterten Vorschlägen zum Ausdruck bringt. Die Veröffentlichung der deutschen Vorschläge und der Antwort der Reparations-Kommission ist vor der erneuten Stellungnahme der ReichsreMrung nicht beabsichtigt.
Die Konferenz vor ihrem Ende.
Berlin, 7. November. (Privattelegramm.) Die Beratungen der ausländischen Sachverständigen, die auf Einladung der deutschen Regierung nach Berlin kamen, um ihr Gutachten über die Stabilisierung der Mark abzugeben, steht, wie von zuständiger Stelle-aemeldet wird, vor ihrem Abschluß. Der holländische Sachverständige Vifferinq wurde gestern vom Reichskanzler empfangen. Mehrere Sachverständige haben bereits Berlin verlassen. Es ist damit zu rechnen, daß das Gutachten heute veröffentlicht wird. An zuständiger Stelle wird nach wie tiot_bie Beantwortung der Frage, ob die Sachverständigenberatungen einerseits und die Verhandlungen der Revarationskommisfion mit der deutschen Regierung andererseits in direkter Verbindung stehen, abgelchnt.
Verschlechterung der Lage.
Drohung mit Sanktionen.
(Eigene Drabtmeldung.)
Berlin, 7. November.
Die Londoner „Dallv Mail" schreibt: Die deuffchen Vorschläge haben die Situation unverkennbar zugespitzt. Wenn die Regierung Wirth nicht eine andere Auffassung der Pffichten rcgen die Entente vertreten könne, dann sei schon heute die Rückkehr der Ententepolitik zu den Londoner Sanktionen entschieden. (!) Ein Teil der französischen und englischen Sach- r-erftändigen ist schon Sonntag aus Berlin abgereist. — Einem Havas-Telegramm aus Berlin zufolge haben die deuffchen Vorschläge allgemein "nttäuscht. Wenn auch tmr heutigen Dienstag weiter verhandelt wird, so glaubt Barthou, daß Frankreich sich an den Besvrechungcn über die deutschen Vorschläge nicht länger beteiligen könne. Die deutsche Deickschrift lasse alles vermissen. was den Alliierten konkrete und reale Werte bringe. Der Agentur HavaS zufolge ist die Abreise der Reparationskommission aus Berlin für Sonnabend mittag vorgesehen.
«Segen den Achtftundenlag.
Berlin, 7. November. (Eigene DraHttnel- dung.) Der Schweizer Finanzsachverständige auf der ' Berliner Währungskonferenz äußerte sich über die Aussichten der Markstabilisierung sehr
ungünstig. Er hält bei einem Dollarstand von über 3000 jeden Schritt Deutschlands für aussichtslos. Bei aller Anerkennung des guten Willens der deutschen Regierung vermißt er die Vorschläge, die allein Deutschland aus der Finanzkatastrophe retten können: Die Vermehrung der Arbeitsleistung in Industrie und Handel und die Zwangseinführung eines Mindestarüeitstages von nenn Stunden, wie ihn die Schweiz und Belgien, sowie-auch England bereits für eine ganze Anzahl Industrien bereits wieder besitzen.
SkeöMngs-unöBaufragm. Beratungen im Rerchstorrtschaftsrat.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 7. November.
Der Ausschuß des Reichswirtschastsrates für Siedlungs- und Wohnungswesen hörte in seiner Sitzung eine Reihe von Interessenten über die heutige Mietgesetzgebung. Sie verlangten einen Schutz für die Pächter gegen alle zu kurzfristigen Verträge und Ausbeutung durch die Verpächter, auf der anderen Seite auch den Schutz der Verpächter gegen die Folgen der Geldentwertung bei langfristig abgeschlossenen Pachtverträgen. Der Ausschuß wird in der nächsten Sitzung darüber Beschluß fassen. Der Aus schuß beschäftigte sich ferner mit der Lage au dem Bau st off markt. Nach längeren Erörterungen. besonders auch über die Gesamtwirt- schaftslage und den Einfluß der Geldentwertung auf die Baustoffwirtschrrft wurde veschlossen, den Einfluß der in jüngster Zeit mit Frankreich ab- gcfchloffenen Sachlieferungsabkommen auf die Baustoffvcrsorgung Deutschlands nachzuprüfen. Tie nächste Sitzung findet am 24. November statt.
Medemufbau-Fmgen.
Richtlinien der Deutschen Volkspartei. (Privat-Telegramm.)
Dresden, 7. November.
Reichstagsabgeordneter Dr. Stresemann sprach in einer Versammlung über die schwebenden politischen Fragen und die Wiederaufbaupläne und erffärte dabei: Die Deutsche Volkspartei wird nur dann in die Regierung eintreten, wenn eine Verständigung über die deutsche Außenpolitik und verschiedene Wirtschastsfragen erfolgt sei. Bor allem wäre das die Rückkehr zur Qualitätsarbeit und die Beseitigung der Gleichstellung jugendlicher und unge. lerntet Arbeiter mit gelernten und leistungsfähigen. Ferner müsse zwar der Achtstundentag das Normale bleiben, aber Arbeitgeber wie Arbeitnehmer müßten ohne Einmischung der Behörden lieber stunden vereinbaren dürfen. Die Deutsche Volkspartei denke nicht daran, die Verantwortung mit zu übernehmen, wenn die Regierung nicht den Mut hat, dem Volke zu sagen, daß es so nicht weiter gehe. Wenn das Parlament nicht mitmachc, würde die Volkspartei über dasselbe hinweg an das Volk appelliere« und die Losung würde dann sein „Freiheit und Mehrarbeit".
Verwirrung im Orient.
Große Beunruhigung in Konstantinopel. (Eigene Drahtmeldung.)
Wien, 7. November.
Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Lagx in Konstantinopel ist französischen Nachrichten zufolge höchst verworren, zumal da die zurückgetretene Regierung des Sultans der alliierten Kommission keine Mitteilung über ihren Rücktritt gemacht hat und dir Nebernahme der Macht durch den Angora- Bertreter Refad Pascha den Charakter eines Staatsstreiches hat. Die Haltung des Sultans ist unverändert. Er weigert sich, seinen Titel als Kalif aufznqwen. Seine feste Bestimmtheit in diefem Punkte ist fo, daß man annimmt, daß er der Unterstützung von feiten der Engländer in diefem Punkte sicher ist. Es gilt aber auch als möglich, daß er, der Angriffe von Angora »rüde, fein Amt verlassen und nach Indien abreifen wird, wo trie muselmanische Bevölkerung für ihn Partei ergreifen will. Tie Kemalisten bestehen auf feiner Abdankung als Kalif, ehe er die Türkei verläßt. In btt Konstantinopler Bevölkerung, namentlich in ihrem chriWchen Teil, herrscht angesichts des Regierungswechsels große Beunruhigüng.
Der Achtstundentag.
August Thyssen über Lnternehmerpflichte«.
3« der Mülheimer Zeitung ist eh« Zuschrift d->" Ehrenbürgers Oe* Mülheim.Ruhr,
de» bekannten Großindustrielle» August Thyssen veröffentlicht, tu der er unter anderem seine Anficht über die Pstichtea de« Unternehmers und 6<» Achtstundentag wie felgt wiedergibtr
Ich habe es immer als meine Pflicht angesehen, auch in den schlechteren Zeiten, als die Preise nicht mehr auskömmlich waren, die Betriebe durchzuhalten und den Arbeitern auch in diesen Zeiten Verdienst zu verschaffen, um sich und ihre Familien zu unterhalten. Wie schwer diese Zeiten aber auch auf dem Werkbesitzer lasteten, der dafür die Verantwortung zu tragen hatte, welche Schwierigkeiten zu überwinden waren, und welche Sorgen es oft machte, wenn die Zahlungen stockten, aber auf der anderen Seite die Zahlungsverpflichtungen drängten und die Löhne regelmäßig gezahlt werden mußten, das kann nur einer ermessen, der es mit durchgemacht hat. Ich darf wohl von mir sagen, daß ich ost habe Zeiten durchmachen müssen, in denen der einfachste und bescheidenste meiner Werksangehörigen gewiß nicht hätte mit mir tauschen mögen, wenn er die Sorgen hätte mit überneh- men müssen, die den Werksbesitzer nicht tagelang, sondern monatelang und jahrelang drückten. Es mag leicht sein, den Besitzenden, den sogemmn-: ten Kapitalisten, um seinen Besitz zu beneiden, wenn man annimmt, daß sein Leben nur Wohlleben und Lebensgenuß wäre, aber selbst, wenn das Wohlleben so hoch eingeschätzt würde, so kann es, vorausgesetzt, daß es überhaupt da ist, doch bei weitem
nicht die Arbeit und Sorgen aufwicgen, die auf demjenigen ruhen, der es mit seiner Le« bensaufgabe und seiner Verantwortung als Leiter eines Unternehmens ernst nimmt. ... Wir hoffen auf einen Retter, der uns aus der Not retten soll, aber woher der Retter kommen soll, weiß niemand! Von außen kann und wird uns gewiß kein Retter kommen; wenn unS die Rettung kommen soll, so kann ste nur aus uns selbst kommen! Und diese Rettung kann nur in der Arbeit liegen. Wie die Arbeit den einzelnen Menschen gesund erhält, so kann auch nur sie ein Volk gesund erhalten und anderseits auch ein Volk, das, wie das unserige, durch den Krieg und die Kriegszeiten in sich krank geworden ist, nur wieder gesund machen. Mir ließt es vollständig fern, an dem Achtstundentag zu rütteln, wenn das wirklich das Ideal der werktätigen Klasse ist, und ste darin ihr Glück und die Lösung der großen Lebens- und Wirtschaftsfragen sieht. Ich würde mich wirklich freuen, wenn die Zeiten sich fo gestalten würden, daß dieses Ideal erfüllt würde. Mit einem schablonenhaften Achtstundentag, der für viele Schwerarbeiter durchaus berechtigt, aber für leichtere Arbeiten ebenso unberechtigt ist, werden wir nicht aus den Schwierigkeiten her- auskommen, in denen wir uns heute befinden,, und aus denen wir, sei eS wie es wolle, unbedingt herauskommen müssen, indem wir nns berausarbeiten. Mr können unsere* Wrtschaft. zumal nach der großen Schwächung, die ste besonders durch den Verlust der in Deutschland so lebenswichtigen, in Lothringen und Oberschlesien liegenden Industrie-Gebiete erfahren hat, nur dadurch wieder zur Geltung bringen, daß wir unsere wirtschaftlichen Leistungen, über das normale Maß hinausgehend, auf das höchste steigern. Es ist in den letzten Jahren leider — man kann es nicht anders bezeichnen — ein schrecklicher
Unfug mit Schlagwörtern
getrieben worden, aber mit Schlagwörtern wird die Welt nicht regiert, und ich habe auch nicht erfahren, daß damit Brot für die Ernährung geschaffen wird. Man wird mich ja wohl oder übel zur Klasse der Kapitalisten rechnen, aber et dem, tote ihm wolle, ich bin mir bewußt, auch als solcher in meinem Leben ebensoviel gearbeitet zn haben, wie der tüchtigste uudfleißigste der Werksangehörigen, der in den Mrken meiner Firma oder in einem anderen Betriebe gearbeitet bet Was Kapitalist und Werksbesitzer persönlich von dauerndem Vorteil haben kann, ist wirklich wenig, nicht einmal ein sorgenfreies Alter. Ich glaube aber wohl, ohne mich dabei zu überheben. fügen zu dürfen, daß von meiner Lebensarbeit die Allgemeinheit mehr Vorteile gehabt bat, als to selbst. Was ich geschafft und erarbeitet habe, bleibt schließlich doch nur der Allgemeinheit, denn ins andere Leben mit hinübernehmcn kann ich nichts davon!
Die söchflscheä, Wahlen.
Das endgüttige amtliche Ergebnis.
Dresden, 7. November.
Das amtliche Ergebnis der sächsischen Wahlen ist folgendes: Es erhallen: Sozialdemokraten 41 Sitze mit 1059139 abgegebenen Stimmen, Kommunisten 10 Sitze mit 266 755, Deutsch- nationale 19 Sitze mit 490 373, Deutsche Volks-