Nummer 256
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Abendzeitung
Deutschland unter Finanzkontrolle.
Die kranke Mark.
Der Konfereuzbeginn in Berlin.
In der Reichshauptstadt ist jetzt ein großes Aufgebot, das seitens -er berufenen Stellen unter Führung der Reichsregierung geladen Wurde, zu einem letzten Versuche zur Gesundung der Mart aus dem Plane erschienen. Eine große internationale Wührungstvnferenz ist einberufen Worden, an Welcher die bedeutendsten Finanzsachverständigen des Auslandes teilnehmen sollen. Als Austakt dazu ist die Aussprache anzusehen, die die Reichsregierung dieser Sage unter dem Vorsitz des Reichskanzlers mit den führenden Berliner Finanzmännern veranstaltete. Die Direktionen sämtlicher großen Berliner D.-Ban- ken, sowie andere maßgebende finanz- und wirtschaftspolitische Persönlichkeiten, unter ihnen auch der Reichsbantpräsident Havenstein, wohnten der Aussprache bei. Die gesamte Situation, wie sie durch den Marksturz der letzten Wochen sich ergeben hat, war Gegenstand dieser Erörterungen, bei denen die Reichsregierung ihre Pläne zur Besserung der Verhältnisse vorlegte und ihre Auffassung bezüglich der Behandlung all dieser Fragen in der beginnenden Konserenz mit den ausländischen Sac^erständi- gen unterbreitete. Man nimmt in unterrichteten Kreisen an, daß aus den verschiedenen Einzelkonferenzen, die jetzt eingesetzt haben, in Berlin eine große allgemeine Finanzkonferenz unter Beteiligung der in- und ausländischen Fachleute unter Führung der Reichsregierung und der Chefs der zuständigen Ressorts zustande kommt.
In Verbindung mit der Anwesenheit der Rc- parationskommission in Berlin, die zu einem Studium der wirtschaftlichen Verhältnisse für mehr als eine Woche zugegen sein wird, dürften diese Zusammenkünfte und Aussprachen von einer ganz besonderen Bedeutung sein. Sie sollen den Auftakt zu einer auf ganz neuer Grundlage sich aurbauenden Behandlung des Reparationsproblems in seiner Gesamtheit bilden. Was die kranke Mark im besonderen angeht, so wird das Problem vielfach falsch angesehen. Es kann sich fürs erste gar nicht um eine Besserung des Markkurses, um die vielbesprochene „Hebung" handeln, es kommt vielmehr alles darauf an, eine weitere Verschlechterung zu verhindern. Das ist aber nur möglich, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt werden kön- ren: Nach innen nicht nur das Aufhören der Vermehrung der schwebenden Schulden, sondern ihr Aufbau, ferner eine vernünftige Zusammenlegung des umlaufenden Geldes etwa in der Form de: Ausgabe eines wertbeständigen Papiers, einer Geldanleihe, oder eines Gokdgeldes, und endlich der Ausgleich des Budgets. Der Reichshaushaltsplgn war bekanntlich im Frühjahre dieses Jahres fast vollständig ins Gleich- gswicht gebracht worden. Erst die französische Politik der berüchtigten „Retorsionen" hat alles mühsam Errungene wieder über den Haufen geworfen. Nach außen wäre sodann die Voraussetzung: Steuerung einer weiteren Verschlechterung des Markkurses, die Regelung der Kriegsentschädigungen — man scheue sich doch nicht vor diesem Wort! — durch Rückführung der Reparationsverpflichtungen auf ein Wittlich tragbares Maß.
Wie die Dinge heute liegen, sind wir ja förmlich gezwungen, zur Erfüllung unserer Verpflichtungen in bar wie in Sachlieferungen die inneren Schulden durch rasenden Notendruck in ungemessene Höhen zu steigern. Die sich anhäufenden Papierberge verdrängen immer mehr die Snbstanzkrast des Geldes und unserer Mark, so daß sie als ein Wertmittel heute kaum mehr angesehen werden kann. Zu alledem müssen aber noch viel weiterreichende und einschneidendere Maßnahmen kommen. Sie betreffen unsere ganze Finanz- und Steuerpolitik. Die sich immer weiter fortsetzende Markentwertung bringt gewiß auf der einen Seite, so namentlich in den Umsatzsteuern und den nach Tarifen gestalteten Gebühren, dem Reiche erhebliche Mehreinnahmen, die veranlagten Einkommensteuer- Summen aber werden in ihrem Werte immer weiter herabgemiDdert. Das führt zu Erwägungen, die in parlamentarischen Kreisen eine große Rolle spielen und die dabin gehen, einen gewissen Entw ertung s fa kto r für solche nach den Einkommensteuerbescheiden festgestellten Ein- kommensteuer-Schukdsummen festzulegen.
Man macht geltend, daß die Lohn- und Gehaltsempfänger, die den Steuerabzug nach dem jeweilig bezogenen Einkommen sich gefallen las- senmüssen. die jewetts den Verhältnissen ange- PaWen. also erhöhten Steuerfummen zu bezahlen haben, während dies bei den zu festen Steuerfummen veranlagten Steuerpflichtigen nicht der Fall ist. Aber mit solchen, dock immer nur verhältnismäßig kleinen Behelssmitteln wird man auch nicht viel erreichen können. Die Finanzreform, die uns die Pflicht zur Verhinderung des völligen Zusammenbruchs unserer Mark und unserer Wirtschaft auferlegt, wird ganz andere Ausmaße annehmen müssen. Sie
wird vor allem an dem Verwaltungsapparat des Reiches und der Länder nicht vorübergehen können, denn von dem Zustand der öffentlichen Betriebe — und die Reichsverkehrsbetriebe sind heute Zuschußverwaltungen mit vielen Milliarden Fehlbeträgen — geht die Wertung aller übrigen Verhältnisse aus. Die totkranke Mark ist noch zu retten. Freilich dürfen die Wiederbelebungsversuche nicht verzögert werden. Nur rasche und mutige Tat, die auch vor gewagtem und entschlossenem Handeln nicht zurücksckreckt, kann noch das Schlimmste verhüten ! J. B.
Deutschland unter Kontrolle.
Vorberatung der neuen Probleme.
(Eigener Drahtbericht.)
Berlin, 31. Oktober.
Gestern wurde unter dem^ abwechselnden Vorsitz des Reichskanzlers und des Reichsfinanz- minifterS Dr. Hermes eine Vorkonferenz mit den einheimischen Sachverständigen eröffnet, zu welcher u. a. Bankier Melchior vom Ham burger Bankhause Max Warburg, das Mitglied des Rejchsmictschaftsrates Hilferding, Finanztheoretiker Geheimrat Julius Wolf und andere Sinheimische Sachverständige geladen und erschienen waren. Es wurden in erster Reihe die Probleme erörtert, die mit den auswärtigen Sachverständigen und mit der Reparationskom- mission zu verhandeln sind. Die wichtigsten und verfänglichsten Fragen, darunter auch die von der Reparationskommission angedrohte F i - nanzkontrolle, worauf sowohl die auswärtigen Sachverständigen als auch die Repara- lionskop, Mission den Nachdruck legte, ferner die Stabilisierung der Mark durch Beschränkung der Notenpresse.
Englands Haltung.
London, 31. Ottober. (Eigene Drahtmeldung.) Das englische Mitglied der Reparations. kommjffion, B r a d b u r h, versichert, daß die Vermutung, Deutschland solle zu neuen Zuge ständniffen gezwungen werden, jeder Begrün- dtrng entbehre. Die Regierung des Kanzlers Wirth habe unter den schwierigsten Verhältnissen alles getan, was irgend möglich war. Alle Delegierten der Reparationskommission hätten in ihren letzten Verhandlungen, trotz der Meinungsverschiedenheiten den festen Willen zum Ausgleich gezeigt. (?) Die Repara- tionskommission begebe sich nur nach Berlin, um ein enges Zusammenarbeiten mit der deutschen Regierung durchzusetzen, und über die Methoden der Kontrolle (!) nach Rücksprache mit den deutschen Sachverständigen Abmachungen zu treffen. Diese Erklärung Bradburys ist umfo bemerkenswerter, als sie nach der Unterhaltung abgegeben ist, die Bradburn mit dem neuen Schatzkanzler und anderen Mitgliedern der englischen Regierung gehabt hat.
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Frankreichs Absichten.
Paris. 31. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Neber die Absichten Frankreichs in der Repara- tionsftage gibt ein Artikel des „Figaro^ interessante Aufklärungen. Danach soll in den Dor- dergrund der Besprechungen in Berlin eine Fra ne der Finanzkontrolle (!) gestellt wer- den. Alles andere hinge von der Lösung dieser Frage ab, da eS keinen Zweck habe, über die Balanzierung des Etats und die anderen Probleme zu beraten, solange in der Frage der Finanzkontrolle kein Einvernehmen zwischen der Reparationskommission und der deutschen Regierung erzielt werde. Die alliierten Kontrollorgane müßten von der Reparations- kommiffion und von der deutschen Regierung mit cutsprechenden Vollmacht^, ausgerüstet werden. Sollte da§ nicht geschehen, dann werde es Sache der einzelnen Regierungen fein, ihre Rechte durch entsprechende Maßnahmen selbst zu wahren.
Das Finanz-Programm. Vorschläge der Reparatiouskommisfio«.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 31. Oktober.
Der Berliner Korrespondent des „Journal" erklärt, daß, im Widerspruch zu anderen Nachrichten, die Reparationskommission berefts ein fertiges Program m nach Berlin mitgebracht habe, das man zwar im Einzelnen noch diskutaeren werde, das aber in feinen groüßen Zügen von Deutschland angeommen werden müsse. (?) Das Programm enthält folgende Punkte:
1- Einrichtung einer sehr genauen interalliierten Finanzkontrolle nicht nur im Re i ch e, sondern auch in einzelnen Bundesstaaten. (!) Das Garantiekomitee wird seinen Wohnsitz in Berlin nehmen. Es werden dauernde Kontrollkommissionen in den einzelnen Finanzäm- tern in Berlin, München, Stuttgart usw. unter« halten. Die Kommissionen werden in ihren Be
zirken Inspektionen mit festumgrenzten Aufgaben einrichten. Die Bollmachtdes Garantie- komitees wird fehr groß fein. (!) Deutschland wird unter keinen Umständen ohne Ermächtigung des Komitees neue Budget« Ausgaben vornehmen können. (!) Das Komitee wird versuchen, zunächst geeignete Maßnahmen zu finden und dafür zu sorgen, daß alle überflüssigen Ausgaben aus dem Budget gestrichen werden.
2. Beschleunigte Eintreibung der im letzten Jahre vom Reichstag angenommenen Steuern, sowie Ausschreibung neuer Steuern.
3. Berbot jeder Spekulation mit fremden Devisen. Die letzten Verfügungen der Regierung werden dahin ergänzt werden müssen, daß kein Einträgen von Devisen ohne vorherige Erlaubnis des Reichsfinanzministeriums möglich fein wird.
4. Auflegung einer in neren Anleihe in Gold zum Zwecke der Erleichterung der Stabilisierung der Mark.
5. Die Goldreserve der Reichsbank ist sofort zur Unterstützung der Stabilisierung der deutschen Währung in Anspruch zu nehmen, keinessalls soll es der Reichsbank erlaubt sein, ihr Metall untätig liegen zu lassen. Deutschland soll keinen Zahlungsaufschub erhalten, ehe die Konftrenz in Brüssel über diese Frage entschieden haben wird.
Italiens Faszistenherrschaft.
Eine „Diktatur der Patrioten." (Eigene Drahtmeldung.)
Zürich, 31. Ottober.
Die Reue Züricher Zeitung meldet aus Rom: Musolini hielt vom Balkon des Ministeriums des Aeutzern eine Ansprache an die ihm zujubelnde Volksmenge. Er rief dabei aus: Wir haben auf der ganzen Linie gesiegt. Die nationale Revolution Hai damit begonnen. Wir lehnen den Parlamentarismus nicht ab, aber die Ration und die Ehre stehen uns höher als das Parlament. Der Dittatur der rus sischen Bolschewisten können wir auch eine D i k tatur der Patrioten entgegensetzen. Abgeordnete, die den russischen Bolschewismus auch für Italien anstreben, haben keinen Sitz mehr in der Kammer. Es lebe das glorreiche italienische Volk, es lebe Italien! Die gleiche Rede hielt Musolini dann auch vor der Präfektur.
Blutige Zusammenstöße.
Rom, 31. Ottober. (Eigener Drahtbericht.) Entgegen den ersten Meldungen ist es doch zu einigen schweren Zwischenfällen gekommen. In Rom durchzogen Faszisten die Stadt, und am Nachmittag kam es zu einem Zufammen- stoß zwischen Kommunisten und Fas- giften, wobei ein Kommunist und ein Faszist getötet und mehrere Faszisten mehr oder weniger erheblich verletzt wurden. Ju Bologna kam es ebenfalls zu einem Zusammenstoß zwischen Gendarmerie und Faszisten. wobei ein königlicher Leibgrenadier getötet und fünf Faszisten verletzt wurden. Im weiteren Verlaufe des Sonntags versuchten die Faszisten, entgegen den Weisungen, die Carabinierikaftrne in Mailand einzunehmen. Es entwickelte sich ein Feuergefecht, wobei ein Faszistenführer und ein Faszist getötet und mehrere schwer verwundet wurden. Die Kaserne wurde schließlich infolge der Uebermacht durch' die Faszisten geräumt. In Genua steckten die Faszisten, ebenfalls entgegen den ihnen zugegangenen Weisungen, den Sitz der Eisenbahnverwaltung in Brand.
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Nachrichten und Verkehr unter Zensur.
Rom, 31. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Mussolini ist nun Ministerpräsident geworden und die Nachrichten ans dem ganzen Lande lauten weit beruhigender. Allerdings darf man nicht vergessen, daß eine überaus strenge Zensur über den gesamten Nachrichtendienst ausgeübl wird, sodaß man nicht beurteilen kann, wie weit diese Meldungen den Taffachen entsprechen. In Como, wo die Faszisten das Post- •tnb Teekgraphengebäude besetzt haben, wurde der kommunistische Professor Pozzoni auf der Straße halb tot geprügelt. Während der Telephonverkehr nach dem Auslande nach wie vor unterbrochen ist, funttioniert der Z u g verkehr z. B. nach der Schweiz regelmäßig. Auch Telegramme vom Ausland nach Italien sind zugelassen, dagegen ist der Telegrammverkehr innerhalb Italiens so gut wie eingestellt. Der Telephonverkehr im Jnlande ist nur unter strenger Neberwachung möglich. Nach dem Auslande ist der Telegrammverkehr ebenfalls unterbrochen.
Kasseler Rathaus.
Die gestrige Stadtverordneten-Versammlmrg (Eigener Bericht.)
Kassel, 31. Ottober.
Die letzte Ottobersitzung der Stadtverordneten brachte zunächst die eidliche Verpflichtung des Stadtverordneten Valentin Traudt auf sein neues Amt als unbesoldeter Stadtrat und dann bereitete sich die Versammlung, die Stadtverord- netenvorsteher Grzesinski leitete, das wenig angenehme Vergnügen der Erhöhung der Vergnügungssteuern. Die Vorlage auf Abänderung der geltenden Vergnügungssteuer hatte diesmal weitergehendes Interesse geweckt, weil die Einführung einer Art Hockersteuer geplant war, über die bereits in der Sonnabend-Ausgabe der Kasseler Neuesten Nachrichten berichtet worden ist. Es kam aber auch so, tote es in der Sonntags- Nummer zur AnWndigung gelangte: Die sogenannte Nacht st euer siel unter den Tisch, während die übrigen Erhöhungen angenommen wurden. Der Führer der Gastwirte, Stadtverordneter Hartleb (Dem.), befand sich in der wenig angenehmen Lage, die einen großen Teil seiner Kollegen schwer belastende Vorlage zu vertreten. Er betonte dabei die Not der Saalbesitzer. Viele Vereine haben bereits in Aussicht genommene Vergnügungen abbestellt, weil sie nicht in der Lage sind, die gewaltigen Unkosten zu tragen. Die Stadtverordneten T h a n h e is e r (Freie bürgerl. Verein.) und Schwab (Ztr.) stellten sich auf den gleichen Standpunkt. Nur der Stadtverordnete Kreiß (Fr. bürgerl. V.) bedauerte das Fallen der Nachtsteuer und sprang dabei auf den Gedanken der Einführung der Schlemmersteuer über. Das Ohrte
Oberbürgermeister Scheidemann
auf den Plan. Wie in der letzten Versammlung fragte er auch diesmal: Was ist Schlemmen? Gibt es in Kassel überhaupt Gelegenheit dazu? Es ist doch wirklich durchaus keine Schlemmerei, wenn sich jemand eine Flasche Wein kauft! Es scheinen überhaupt merkwürdige Vorstellungen zu bestehen. Es kommt nicht darauf an, was einer verspeist, sondern was er für einen Appetit hat. Man muß da immer an die berühmte Gans denken: Für einen zu viel, für zwei zu wenig! Wir in Kassel haben weder Schlemmerlokale, noch eigentliche Schlemmer. Wer will denn das machen? Selbst Leute, die aus valutastarken Ländern stammen, haben in Kassel gar keine Gelegenheit dazu. Hinzu kommt, daß die Durchführung einer derartigen Steuer eine beispiellose Schikanierung der Wirte bedeutet. Dte Wirte, die wahrhaft in der jetzigen Zeit ein schweres Dasein haben, leiden schon genug unter den Lasten, die sie bedrücken. Der Oberbürgermeister ist überzeugt, daß die Gemeinden, die sich bisher an diese ©teuer gewagt haben, bald davon abkommen, weil sich die
Schnüffelei nach Schlemmern
teurer stellen muß, als die Steuer einträgt. Er rnöMe auf diesem Gebiete keine Experimente machen. Wenn es gelänge, die Ausländer zugunsten des Reiches und der armen Gemeinden zu besteuern, gut ... Schließlich besteht noch die Gefahr, daß es von der Entente verboten wird. Warum wird denn auf der Eisenbahn von den Ausländern kein höherer Fahrpreis erhoben? Das Reich muß vorangehen. Wir werden solange warten, bis bestimmte Erfahrungen vorliegen! Stadtverordneter Hartleb (Dem.) kam nochmals auf die Schlemmersteuer zurück, die aus rein Berliner Verhältnissen entstanden sei. In Berlin liege taffächlich Grund dafür vor. Die Hockersteuer sei aus süddeutschen Verhältnissen entstanden, wo man den Gästen gegen eine Steuer das Längersitzen gestattet. Wir hier haben kein Interesse an längerem Verweilen der Gäste. Unsere Wirte sind zufrieden, wenn die Polizeistunde da ist. Die Nachtsteuer, auf die der Magistrat jetzt verzichtet bat, ist etwas ganz anderes als die Hockersteuer, denn sie sollte die Vereine und geschlossenen Gesellschaften treffen. Damit endete die Vergnügungs-Aussprache und der Rest der Magistrats-Vorlage wurde genehmigt.
Das Fröbel-Seminor.
Stadtv. V o e p e l (Soz.) befürwortete eingehend die Erhöhung des Einlagekapitals durch Zuschuß von 200000 Mark zur Siedlungsgesell- schaft »Hessische Heimstätte". Die Stadt Kassel habe ein wesentliches Interesse an dieser Siedelung. Die Gesamterhöhung bei der Gesellschaft belauft sich auf zwei Millionen, um Zwischenkredite zu ermöglichen $mn_ Fortgang des Baus oder zum Baubeginn. Fürsprecher für den 150000 Mark-Kredit zur Deckung des Defizits beim Ev. Fröbel-Seminar war Stadtv. v. Wild (Dem.). Besonders rühmte er den Kindergarten, in dem die Kinder wirttich glücklich gemacht werden. Gleichzeitig wird den Frauen geholfen, die jetzt durch Arbeit überlastet inb. Ihnen werden viele Sorgen um die Kinder abgenommen. Jedenfalls darf die Anstalt