Meier Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
12. Jahrgang
Sonnabend, 21. Oktober 1922
Nummer 247
Fernsprecher 951 und 952
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Vouar Law als britischer Maisterprösideut
Sie Sa freier Neurften Nachrichten erscheinen wochentttch sechsmal unb zwar ab end«. Der AdonneinentSprels beträgt monatttd) 120.— Marl bei tretet Zustellung int Hau«, in der Geschäftsstelle abgeholt 115.— Mart monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 120.— Mark monatlich einschl Zustellung. Bestellungen werden lederzett entgegengenommen. Druckerei, Bering und Redaltton-. Cchlachthofstraße 28/30. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngrmäßiger Lieferung ausgeschlossen.
Wien, 20. CHöbet. (Eigene Drahtmeldung.) In Konstantinopel erwartet man in kür zester Frist das Eintreffen der ersten Abteilungen der für Thrazien bestimmten türkischen Gendarmerie. Au ihren Ehren hat die Hauplsladl geflaggt. An mehreren Stellen find große Triumphbogen errichtet worden.
Das Dorgehen der Konservativen.
London, 20. Oktober. (Eigene Drahtrnes- dung.) Die gestrige Sitzung der flonfettmtiocn, die den Rücktritt Lloyd Georges und seiner Regierung veranlaßt hat, stand unter dem überwiegenden Einfluß von Bonar Law, der in einer markanten Rede gegen das weitere Bestehen der Koalition gesprochen hatte und die Unabhfin- gigkeit der konservativen Partei für notwendig erklärte. Die Abstimmung fiel dahin aus, daß stch 186 Mitglieder für seine Unabhan- gigkeitspolitil auösprachen, wahrend nur 87 Stimmen die Politik Chamberlains für da« Weiterbefiehen der Koalition billigten. Man ermattet, daß die Neuwahlen fetzt bald abgehal- ten werden. Vermutlich werden die Konservati- den, die nunmehr ihre Unabhängigkeit erklärt ha. ben, bei diesen Wahlen auf ihr eigenes Programm verzichten. Bonar Law hat allerdings in feiner Rede durchblicken lasten, daß ein Zusammenarbeiten mit den Koalittonsliberalsn nicht unbedingt auSgeschlosten sei.
verschont hat. Vorläufig aber empfindet man das Verschwinden Lloyd Georges wie das Ende eines Alpdruckes in Frankreich.
Neues englisches Kabinett.
Nach Lloyd George — Bonar Law.
(Eigene Drabtm-ldung.)
London, 20 Oktober.
Rach einer Fraktionsfitzung der unionistischen Konservativen, die stch gegen Lloyd George richtete, ist Lloyd George mit seinem Kabi- nett zurückgetreten. Der Führer der Konservativen, Bonar Law, bildet das neue Kabinett. Der König ist in aller Eile aus Gand- ringham zurückgekehrt. Er nahm die Demission an und sandte sofott nach Bonar Law, um ihn zu ersuckfen, die Neubildung des Ministeriums vorzunehmen. Bonar Law hat angenommen.
Die Entwickiung im Orient.
Borverbanvlunge« der Alliierte«.
(Eigene Drahtmeldung.)
Patts, 20. Oktober.
Zu dem Zusammentritt der Friedenskonferenz hat die französische Regierung gestern in London den 6. November vorgkeschlagen. — Da man sich in London darüber im Klaren ist, daß Großbritannien sowohl bei den Pariser Bor Verhandlungen, wie auch bei der Orientkonferenz durch eine maßgebende Persönlichkeit, deren Sachkenntnis über allen Zweifel erhaben ist, der- treten fein muß, hat man sich dazu entschlossen, Lord Curzon trotz deS erfolgten Rücktritts der Regierung, eine Blanko-Vollmacht auszustel- len. Dadurch wird es Lord Curzon ermöglicht im Amte zu bleiben.
Die Türken in Tdrazien.
Deutsche vreffestimmen.
Berlin, 20. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) In der gesamten Presie hat die gestrige Meldung vom Sturz des KabjntttS Lloyd Georges einen lebh.rsten Widerhall hervorgerufen. Allgemein wird der Ueberzeugung Ausdruck verliehen, daß die Pause, die durch die Neber- gangszeit in der aftiven Mitwirkung Englands bei der Lösung der internationalen Lage ent. stehen wird, unsere Lage verschlim» mert - Das „Berliner Tageblatt" stellt fett, daß die Koalition an Altersschwäche gestorben und Lloyd George daS Opfer seiner vergeblichen Bemühungen geworden ist, sie über daS Naturgemäße hinaus am Leben zu erhalten. — Der „Berliner Lokalanzeiger" schreibt, daß nun auch den letzten unter den Ministervrandenten, die um das deutsche Volk die Kette des Friedens von Versailles geschmiedet haben, sein Schicksal ereilt hat Der auS Kleinasien herüber hallende Kanonendonner hat seine Stellung er- schüttett. — Sehnlich urteilt die „Deutsche Allgemeine Zeitung", die hinzufügt, daß Lloyd Georges Schuld »mso größer war, als er die völlige Unmöglichkeit des Versailler Vertrags erkannte und trotzdem zufiimmte.
Ein wettvestSnbige« Papier.
Die deutschen Goldschatzanweisungen.
(Pttvat-Telegramm)
Berlin, 20. Oktober.
Die Verhandlungen des Reiches mit der Entente über die Ausgabe von Goldschatz- scheinen im innerdeutschen Verkehr stehen vor dem Abschluß. Wie verlautet, beschränken stch die Einwendungen der Ententestaaten auf formale Vorbehalte, die unter anderem die Priorität der Ententeforderungen an Deutschland betreffen. Im Uebrigen ist eine Verständigung bereits in Anbahnung begriffen. — Für die deutschen Goldschatranweisungen ist die G o l d Milliarde der Reichsbank nicht als Deckung vorgesehen. Eine Einlösung der Goldschatzanweisungen in Gold kommt nicht in Frage. Die Anweisungen werden durch das Reich, nicht durch die Reichsbank garantiert. Die Haftung liegt lediglich beim «eiche.
geferttonSpretfe. .) Einheimische Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzellr SS. 10.—, die einspaltige Rettamezeile M. 30.—. b) ÄuSwa-.ttg- Aufträge: Di- einspaltige Anzeigeuzeile M, 10.-, die einspaltige Retlam-zetle M. 30.—, alle« einschließlich T-u-ru-z«,Uschlag und Anzetgensteuer. ftür Anzeigen mit befand:r« schwierigem Sag hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Semfprec6:r aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme- baten und Plätze tarnt ein- iS-währ nicht überno.nmen werden. — Druckerei: Schlacht, hoftlraße 28/30. lLeschäftzstell-: Kölnisch- Straße ■>. Telephon Rümmer 951 Uno 952.
Frankreich und England.
(Ein Sieg der Politik Poinearss.
(Eigener Drahtbettcht.)
Paris, 20. Oktober
Ter Rücktritt des Kabinetts Lloyd George wird in französischen maßgebenden Kreisen als ein S i e a P o i u e a r s S betrachtet. Die Nachricht vom Rücktritt Lloyd Georges erregte großes Aufsehen in der französischen Hauptstadt. Die Sonderausgaben der Abendblätter verschwanden im Nu in der Menge. Tas Ergebnis war nach dem Ausfall der gestrigen konservativen Fraktionssitzung zu erwarten, ebenso, daß der König die Bildung des neuen Kabinetts Bonar Law Lbettragen werde. Für Frankreich hat der Name Bonar Law keinen sehr erfreulichen Klang, da er noch kürzlich die englische Orientpolitik vetteidigte und die franzö- fische Regierun, mit Borwürfe« nicht
Um ben Reichspräsidenten.
Der Wahltermin für 1925.
(Pttvat-Telegramm.)
Berlin, 20. Oktober.
Die Besprechungen der Parteiführer beim Reichspräsidenten Ebert waren sehr eingehend. Für die Wetterführung der Reichspräst- denttchast bis 1925 hat Ebett die Bedingung gestellt, daß noch in diesem Jahre der endgültige neue Wahltermin für 1925 unwiderruflich durch die gesetzlichen Instanzen festgolegt wird — Forstrat Escherich bat an den Reichspräsidenten ein Schreiben gerichtet, in dem der Versuch der Patteiführer, die Reichspräsidentschaft durch Parlamentsbeschluß auf Jahre hinaus zu verlängern, als nicht vereinbar mit den Gedanken der Rattonalversammlung und als Bruch der geltenden Verfastung bezeichnet wird. Esche- rlch spricht die Hoffnung aus, daß der Reichspräsident auch entgegen dem Beschluß der Parteiführer und deS PattamentS die Neuwahl fordern wird. EscherichS Brief ist überflüssig, denn der Reichspräsident und die Patteiführer haben sich bereits für die Verlängerung der Amtsdauer bis zum Jahre 1925 entschieden.
Der ArbettSftrttk bei Krupp.
Abstimmung um den AuSstand.
lVttvat-Telegramm.)
Essen (Ruhr), 20. Oktober.
Die ArLeiterentlassungenbei Krupp, die vorgenommen worden sind, weil sich die Arbeiter eines Werkes während der Arbeitszeit entfernt hatten, ohne die Betriebsleitung von ihrem Vorhaben verständigt zu haben und ohne Not- fiandsarbeiten auszuführen, haben zu einer Streikbewegung unter der gesamten Be- ttgschast gefühtt. Gestern vormittag find Belegschaften einzelner Bettiebe nicht zur Arbeit erschienen, doch die M e h r h e i 1 der Arbeiter a r - beitet in gewohnheitsmäßigem Umfange. Heute findet eine Urabstimmung unter den Arbeitern der Kruppschen Werke statt, die über die Stimmung der Belegschaft für oder wider einen Streik Klarheit bringen soll.
Das neue Berlin.
Verkehrshemmniffe i« der Hauptstadt.
Die TariferhShunge«, die die Berliner Berkehrsaneernehmunge« infolge der steigenden Teuerung ständig vornehmen miiften, Haden zu starker Abwanderung geführt. Damir treten neue wirtschaft- »ch« Fragen in den Dordergrnnd.
Berlin, 20. Oktober.
Das durch Eingemeindung geschaffene Groß- »e r I i n hat mit neuen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die früher eingemeindeten ländlichen Otte in den weitabgelegenen Außenbezirken -erlangen wieder die Lrennungslinie. Sie haben nämlich garnichts Berlinerisches an sich und haben garnichts von Berlin. Es ist leider eine Tatsache, daß einige Vororte durch keine Bahn zu erreichen sind oder nur nach langen Irrfahrten. mit verschiedenen Umsteigungen, etwa nach sechs Stunden Watten und Fahren. Andere haben nicht einmal diese Verbindung, sie müssen zu Fuß erreicht werden. Und folalich haben sie recht, sie sind nicht Berlin. Sie haben nur, weil sie zu Berlin gehören, größere Steuern zu zahlen und Berliner Lasten zu tragen. Es zeigt sich aber nur eine Entwicklung, die immer mehr die Einheitsgemeinde zum Hohn werden läßt. Die Rot der Zeit zwingt dazu, schafft neue Grenzen, teilt Berlin wieder in Bezirke: Osten, Westen, Süden, Norden usw. ein. Diese Einteilung richtet sich weder nach Magtstratswil- len, noch sonst nach einer polizeilichen Bestimmung oder nach postalischen Begriffen, sie kommt aus dem Berliner Publikum, das sich mehr und mehr in engere Bezirke zwängen läßt und selbst zwängen muß. Die Straßen- bahnsahtten kosten heute zwanzig Matt. Die übrigen Verkehrsmittel bleiben nicht weit hinter diesem Preis zurück, übertreffen ihn teils sogar. Diese Fahrtausgaben gebieten aber von selbst jeder sparsamen Haussrau, jedem sparsamen Menschen überhaupt, hübsch in feinem Bezirk zu bleiben, wenn er irgendwelche Besorgungen machen muß. Früher fuhr man mit der nächsten Bahn zu irgend einer bekannten billigen Quelle. Das machte nichts aus. Die Fahrpreise kamen vielfach ein. Zwar bleibt dem Ansehen nach das Verkehrsmittel immer noch die Verbindung und der Zusammenhalt zwischen den ttnzelnen Berliner Bezirken, aber nur, wie gesagt, dem Ansehen nach. Die Beschräkung gebietet, die Straßen- und sonstigen Bahnen zu meiden, also hübsch im engeren Bezirk tu bleiben. Dre Einkäufe werden folglich stets
■ „nteruahm beiei.» 1521 durch die Au- , bahn urig wirtschaftlicher Annäherung an Ruß- ; land einen Vorstoß zur englischen Beherrschung ' des Ostens. Die Pläne Frankreichs gingen I nach demselben Ziel. Frankreich will nun 1 jeden Preis den Ring der Feinde Deutschlands ’ im Osten schließen, will nicht nur in einem ■ Deutschland feindlichen Bund der Randstaaten 1 die wirtschaftlich auseinander angewiesenen Län- ' der Deutschland und land voneinan- i aer trennen, es will da»cher hinaus Rußland i in einen dauernden feindlichen Gegensatz zu 1 Deutschland bringen wie vor dem Kriege. Es muß diese Politik umsomehr und stärker betreiben nach dem deutsch-russischen Vertrag von Rapallo und nach der offenkundigen Absicht Englands, eine Verständigung zwischen Rußland und Deutschland zu begünstigen. Eine Verständigung, die letzten Endes zum Ziel har, in einem Bündnis Deutschland - Rußland ein machtpolitisches Gegengewicht gegen den beute übermächtigen französischen Feind in Eit- ropa zu schaffen. Dazu kommt, daß der Rapallovertrag sowohl wie das Urquhatt-Abkom- men jeden entscheidenden Einfluß der französischen Industrie von vornherein unmöglich zu machen drohten.
Zwar ist das Urquhart - Krassin - Abkommen noch nicht unterzeichnet, aber man glaubt, daß der Vertrag doch noch zustandekommt, da die britische Regierung sich wahrscheinlich nicht mehr lange weigern wird, die Sowjetregierung anzn- erkennen. Diese Anerkennung machte die Sow- jetregierung bekanntlich zur Bedingung für die Unterzeichnung des Vertrags. In Rußland ist die Industrie im Begriff, einen neuen Aufstieg zu beginnen, nachdem die bolschewistische Theorie der Kommnnisierung oder Vetttaatlichung der Bttttebe beseitigt worden ist. weil sie nndurch- tührbar war. Russische Wirtschaftskreise versuchen jetzt, die Industrie nach pttvaten Grundsätzen neu zu organisieren. Man bildet Trusts. Wie im Zentrum des Reiches, so hat sich die Industrie auch in der Provinz organisiert, 'n kleinen industttellen Vereinigungen und in Handelsorganen, die die Realisierung der Produktion des betreffenden Industriezweiges zusammenfassen. Die Reorganisierung der leitenden Organe der Industrie führte auch zum Verschwinden des bürokratischen behördlichen Apparates. Die Gesamtzahl der für die Industrie arbeitenden Sowjet-Beamten ist in der Zeit von März bis August 1922 von 235000 auf 18000 Personen zurückgegangen, der zentrale Apparat des Obersten Vollswirtschaftsrates mit all seinen Abteilungen zählt jetzt etwa 1500 Mitarbeiter. Zehntausend Betriebe sind bereits zur privaten Tätigkeit und Verwaltung in Pacht gegeben.
Daß Frankreich angesichts dieser Entwicklung geneigt ist, die Sowjetregierung, die mchr und mehr ihre kommunistischen Grundsätze aufgtbt, anzuerkennen, ist begreiflich. Die franzözische Politik muß umfernen, wenn sie ihre machtpolitischen Ziele in Europa erreichen will. Und sie tttt das mit echt französischer Ungehemmtheit und Leidenschaftlichkeit. Herriot's Reise nach Moskau bat anscheinend die entscheidende Wendung gebracht. Was er ans Moskau mit nach Hause bringt an Posittvem, weiß man nicht. Ebenio kennt man nicht die wirkliche Meimmg
Werben um Rußland.
Frarrzöfische Anne: ..ung.
»Ein Land, daz eine europäische Politik haben will, muß in Zukunft mit Rußland rechnen.* Also schreibt der »Tcrnps". Und daß der „Temps" dieses schreibt, ist autzerordentlich. Denn damit wird offiziös vor der staunenden Welt dokumentiert, daß die französische Politik nun endgültig ihre Haltung Sowjetrußland gegenüber ins Gegenteil Verkehren will. Bon vornherein muß betont werden, daß hier nicht ein neues Ziel gesteckt, sondern daß lediglich eine neue Methode gesucht wird. Das Ziel Frankreichs ist — mit jedem Tag bestimmter und hartnäckiger — die macht politische Beherrschung des alten Kontinents in dem Ausmaß des alten Imperium Romannm. Diese Beherrschung bedingt eine dauernde Und völlige Machtlosigkeit des menschenreichen, wirt- sckaftsstatten Deutschland, bedingt das Zerbrechen der bisherigen englischen Vorherrschaft in Europa. Militättsch ist heute Frankreich der Herr des alten Kontinents. Seine Politik der Schwächung und Aushöhlung der englischen Macht ist mit Erfolg gekrönt. Die Schwierigkeiten. welche die französische Politik dem englischen Empire" im Orient geschaffen hat, sind so groß, daß England alle Kräfte zur Stütze dieses schwankenden Ottentfundaments braucht.
Frankreich hat die Hände frei am Rhein gegenüber Deutschland und auch gegenüber Rußland. Es hat sich zum Freund und Beschützer des Muselmanns aufgeworfen, und mußte sich naturnotwendig dessen östlichen Freund und Bundesgenossen, Rußland, nähern. Und das aus einem doppelten Grunde. Llovd
in der Nähe ,
gemacht, dort, wo man zu Fuß hingelangen kann, aber auch die Vergnügungen werden, wenn sie überhaupt zu erschwingen find, mt engeren Bezirk gesucht. Man besucht — vorausgesetzt immer, ob man es überhaupt noch kann — das naße Theater, das nahe Kino, das nahe Konzert. Man sucht die nächsten Bäume, wenn man Erboluna will, man sucht das nächste Kaffee auf, wenn man nach Zerstreuung verlangt. Man fährt nicht mehr in die Stadt hinein. Für das Fahrgeld, kann man sich ja bereits etwas leisten. Ausnahmen gibt es selbstverftändlich noch. Diese Bewegung ist ja auch erst im Gange. Sie wird sich aber durchsetzen. Dafür gibt es noch andere Beispiele: Zur Arbeit jagt und drängt heute alles m den Morgenstunden, auf Straßen-, Hockbahn und Omnibussen, auf Ring- und Stadtbahn. Hier muß das Fahrgeld aber erfdjtounaen werden. Es wird fofort bei Engagement kalkuliert. Der Angestellte muß minddstens 1000 Mark mehr im Monat verdienen, um die Fahrten von und zur Arbeitsstelle zu haben. Der Arbeitgeber muß 1000 Mark mehr zahlen für den Fernwohnenden, iveil biefer tatsächlich der Straßenbahn 1000 Mark für die Beförderung bezahlen muß. Begreiflich alfo, wenn die Arbeitgeber neuerdings Angestellte bevorzugen, die in der Nähe der ArbettSstelle wohnen, die sie ohne Dahn erreichen können, und wenn die Angestellten sich nach Stellungen in der Nabe ihrer Wohnung umschauen. Sie sparen hier tue großen Ausgaben für die Fahrten.
Die Wohngegend ist beim Stellenangebot und bei der Stellennachfrage so wichtig, daß man wahrlich anneßmen muß, hier scheide sich am auffälligsten jeder Stadtteil von einander. Bei Minderbezahlten ist es ganz ausgeschlossen, sie zur Arbeit einzustellen, wenn sie fernab wohnen. Früher kamen z. B- die Aufwartefrau vom Osten nach dem Westen. Heute wird der Westen Berlins bereits von Aufwartefrauen auz dem Westen besorgt, während im Süden. Frauen, die dott wohnen den Vorzug haben. Wer könnte außer dem hohen Lohn noch 1000 Mark pro Monat für Fahrten hinauZwerfen So bilden irch die Bezirke und wenn die Polizei sagt, und bte Post sagr und der Magistrat sagt: es gibt ein Großberffn mit 23 verbrieften Bezirken, zu denen der Bürger aehört. Mögen sie sagen, was sie wollen. Der Berliner schasst allein feine Bezirke. Watten wir diese Entwicklung nur ab. Es kann nicht lange dauern, dann wird das,
und Absicht der Sowjetmänner. Soviel aber ist sicher, eine Annäherung vollzieht sich. Eine Gefahr, sowohl für die englische wie für die deutsche Ostpolitik ist nicht von der Hand zu weisen. Die Sowjetleute wissen ohne die deutsche Wittschaft und Industrie ist ein Wiederaufbau Rußlands fo gut wie unmöglich. Sie wissen aber auch, daß morgen oder übermorgen Frankreich das Herz dieser deutschen Industrie, das Ruhrgebiet, in irgend einer Form »kontrollieren" und beherrschen kann. Aus diese Möglichkeit stellen sie sich ein. Das ist Realpolitik.* Die Entscheiduna liegt letzten Endes in unseren Händen. Es ist gut, wenn wir uns das vor Äugen halten. ek*