Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 242
Sonntag, 15. Oktober 1922.
12. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
Fernsprecher 951 und 952
Beratungen jur Reichsprösidenlenivahl
Hindenburg kandidiert nicht.
Haag, 14. Oktober.
Hannover. 14. Oktober. (Privattelegramm.) Gegenüber der Meldung der „Boss,scheu Zeitung" bezüglich der Kandidatur Hindenburgs für den Posten des Reichspräsidenten ist die deutsch- ,-ationale „Niederdeutsche Zeitung" in der Lage, zu erkllären, daß die Deutschnationale Partei weder bei v. Hindenburg angefragt hat, noch dasi v. Hindenburg zugesiimmt habe, zu kandidieren. Hindenburg wird, wie das genannte Blatt auS zuverlässisger Quelle erfährt, einen derartigen Antrag überhaupt nicht annehmen.
Ehe wir es so weit kommen lassen, daß eine alliierte Finanzkontrolle uns um den letzten Rest des Kredits und Ansehens bringt, sollten wir alles daran setzen, uns selbst zu helfen. Sehr wichtig ist dabei, daß der deutsche Reichs- haushalt in Ordnung gebracht und die Frage der Wiederguttnachungsvflichten und Leistungen klar gelegt wird. Der Zustand, daß von Woche zn Woche bei jeder sprunghaften Steigerung der Devisen über neue Zahlungsmöglichkeiten beraten werden muß, oder daß die Regierung nie weiß, wie sie die Einnahmen und Ausgaben in Einklang bringen soll, wirkt aus die Staats-
Deutsche Dvikspartei und Kabinett.
Berlin, 14. Oktober. (Privattelegramm.) Reichskanzler Dr. Wirth hatte gestern nachmittag eine längere Unterredung mit dem Reichspräsidenten Ebert, in der er diesem die Stellungnahme der Deutschen Bolkspartei bekannt gab. Der Reichspräsident und der Reichskanzler waren sich völlig darüber einig, daß vor allen Dingen für das außenpolitische Ansehen der Republik. wie auch für die innenpolitische Konsolidierung das Heranziehen der Deutschen Bolkspartei zur Regierungs-Koalition und zur Mitarbeit im Kabinett notwendig sei.
'inanzen niederschmetternd. Die neu angekündigten feindlichen Zwangsmaßnahmen sind wieder eine unerträgliche Demütigung. Man spricht jenseits des Rheins von einer Verschärfung der Kontrolle, die jede Einflußnahme der deutschen Regierung aussssließen würde. Einer Derartigen Entwicklung müssen wir zuvor» kommen. Wenn die Regierung mit der neu-’n Devisenordnung eine Besserung bezweckt und vor allem die Flucht vor der Mark unterbinden will, so ist das nur einer von den vielen notwendigen Schlitten. Weitere Schritte sollen folgen, sei es nun in Gestalt von wertbeständigen Schatzanweisungen, sei es durch eine innere Anleihe oder im Bereitstellen des noch vorhandenen Goldschatzes der Reichsbank. Es sind dies aber nur vorübergehende Hilfsmittel. Wie immer wieder betont werden muß, kann eine wirkliche und dauernde Besserung nur dadurch ein- f.den, daß zu der Selbstbilse auch Erleichterung von a ’.t B e n kommt. Es ist tief bedauerlich, daß es den verschiedenen Regierungen, die wir seit Kriegsende batten, nicht gelungen ist, den Alliierten dies klar zu machen. Wenn eine Regierung diesen Erfolg hätte, würden damit auch die inneren Spaltungen überwunden. K. F„ D.
schon gegen diesen Vorschlag protestiert, weil man glaubt, daß Deutschland dann „zu viel Freiheit" erhalte. Frankreich hat nach dem „Demps" einen eigenen Plan für die Reva- rationSfrage entworfen. Die Einzelheiten d.e- ses Planes soll gestern früh PoincarS und mehreren seiner Mitarbeiter, dem Wiederaufbauminister, dem Finanzminister, den Finanzsachverständigen und dem Vorsitzenden der Repara- tionskommiffion, Barthou, zur Besprechung vorgelegt worden sein.
Tte Stafiekr Neuesten Nachricht«» erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar ab end». Der AbonnementSpreiS beträgt monatlich 120.— Marl bei sreier Zustellung ins HauS, in der Geschäftsstelle abgeholt 116.— Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 120.— Mark monatlich einschl Zustellung. Bestellungen werden iederzeit entgegengenommen. Druckerei, -i-erlan und Redaltton. Echlachchosstraße 28/30. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Berantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.
Wenn eben hier die produktive Leistung nicht ungenügend wäre! Wir denken da
Neber das der Reparations-Kommission vorliegende Projekt Breodburhs erfährt man folgende Einzelheiten: Deutschland soll nicht nur für zwei sondern für fünf Jahre von allen Barzahlungen freibleiben. Dafür wird es der Reparationskommiffion Wechsel oder Obligationen ausfolgen, die jede der alliierten Regierungen nach eigenem Gutdünken und unter eigener Verantwortung und Garantie auf den Markt bringen kann. Die gesamten Garantien der Alliierten, die bei den letzten Wechsel- zahlungen an Belgien aufrechterhallen waren, sollen Wegfällen. 2« Frankreich wird aber
Ursachen der Wirtschaftsnot
Die Schuld des Versailler Vertrags.
(Eigener Drahtbericht.)
Llngllnsttge Beurteilung in London.
London, 14. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Die Blätter geben ausführliche Berichte ihrer Berliner Korrespondenten über die finanziellen Maßnahmen der deutschen Regierung wieder. Die deutschen Bestimmungen werden dabei w e - nist günstig beurteilt. ES wird darin behauptet, daß die wichtigsten Folgen der Maßregel darin bestehen würden, daß eine Unzahl von neuen Beamten ringest itt und behördliche Schikanen aller Att entstehen würden. Weiterhin wird eine starke Erschwerung der gesamten Wirtschaftslage befürchtet. In der „Morningpost" wird betont, daß das Gesetz ohnx Zustimmung des Reichstages in Kraft trete, daß also Präsident Ebert den Devisenhandel unter Belagerungsrecht gestellt habe.
zum Beisviel an die Steinkohle. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß heute weit mehr mit Maschinenkraft gearbeitet wird, als vordem. Und der Grund dieser Produkttons- abnahme deren Wirkung Jeder von uns in der Geringfügigkeit seines Einkommens auf das Gnrpstndlichst" verspürt? die Augen offen hat und die Dinge um sich sieht, wie sie sind, kann nicht im Zweifel darüber sein. Es must uns gelingen, trotz der gegenwärtigen körperlichen und seelischen Erschöpfung und Lormür-
LLm Deutschlands Zahlungen
Die neuen Reparationspläne.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 14: Oktober.
Dle Devisen-Verordnung.
Um die nachträgliche Prüfung.
(Privat-Telegramm.)
Frankfurt a. M., 14. Oktober.
Die in den neuen Devisenvorschriften vorgesehene nachträgliche Prüfung der von Firmen mit Devisenhandelsbescheinigung vorgenommenen Dalutenkäufe dürften, nach der Frankfurter Zeitung nur zum Teil durch die Reichsbank erfolgen. Die größeren Plätze werden der Devisenbeschaffungsstelle zur nachträglichen Prüfung überwiesen. Zu diesen letzteren gehören Frankftirt a. M., Berlin, Hambnrg, Altona, Bremen und Leipzig. Es wird die Anordnung getroffen, daß die R e i ch s b a n k a n st alte n der P r o v i n z die auszuferttgenden Belege an eine Zentralstelle nach Berlin leiten, die sie dann auf die Reichsbankzentrale und Devisenbeschaffungsstellen verteilt.
rationen. Es ist ein leichtes Rechenezempel, ststzustellsn, daß heute selbst der ertrag der Friedens wirtschaft nicht hinreichen würde, die Lebenshaltung von vor dem Weltkriege auf* recht zu erhalten, weil sich, abgesehen von der Zahl Derer, die aus dem Produktionserttag zu befriedigen sind, auch die Ansprüche gewisser Schichten bedeutend erhöht haben. Es kommt endlich noch hinzu, daß wir beute mehr vom Ertrage unserer nationalen Arbeit im Wege deS friedlichen Handelsverkehrs andasAnsland abg e b en müssen, als vordem. So müssen wir
3nf«rttonepr«tfe: e) Einheimische Aufträge- Die etafpattige Aüzeigenzeile M. 10.—, die einspaltig, Retlamezetl« M. 30,—. b) Auswärtige auftrage: Die einspaltig Anzeigenzeile M. 10.—, die einspaltige Reklamezeile M. St«.—, alles einschließlich TeuerungSzuschlag und Anzeigensteuer. Mr Anzeigen mit b-fonberi schwierigem Zatz hundert Prozent Ausschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahmedaten und Blaue kann eine Gewähr nicht übernommen werden. — Druckerei: Schlacht» Hofstraße 28/80. Geschäftsstelle: Kölnische Straße ä. Telephon Nummer 951 und 952.
Einspruch der Dresdener Handelskammer.
Dresden, 14. Oktober. (Privattelegramm.) Die Handelskammer in Dresden, richtete an den RrichSpräsidenten, das Rcichswirtschastsmini- stcrium und andere zuständige Stellen folgendes Telegramm: Die veröffentlichte Devisenordnung bedeutet gänzlichen Stillstand deS Einfuhrhandels und Mangel au Rohstoffen in der Industrie. Folge ist: 'chwerstc Erschütterung deutschen Wittschaftslebcns unausbleiblich. Müssen daher mindestens dringend fordern, daß unverzüglich Bestimmung erlassen wird, nach der ausländische Welthan- delswarcn nach Umsatzsteuerfreilisten la und 1b vom Großhandel und Industrie im Anlande in ausländischer Währung gehandelt und bezahlt werden dürfen.
Die Valutaschmerzen.
Das Auf und Ab - e Kurse.
In den letzten drei Tagen Haben die Devi- senspckulanten viel Geld verloren, da die neue Devisenverordnung gar plötzlich herauskam und den ungebührlich hohen Dollarstand erheblich hinabdrückte. Ungefähr sechshundert Prozent betrug der Rückgang, von etwa 3OC0 auf 2400. Optimisten erblickten darin bereits ein ersteuliches Zeichen für eine Erleichterung als wohltätige Folge der genannten Verordnung. Wir warnten bereits vorgestern vor allzu rascher Hoffnung, weil wir uns nicht eine solche Kraft auf die Dauer davon versprechen konnten. Me Verordnung kam zu spät; sie Hätte vor zwei oder drei Jahren erfolgen müssen, als das Spekulieren in Devisen tatsächlich noch in weiteren Kreisen Brauch war. Das fortgesetzte Steigen ober brachte es mit sich, daß immer größere Markbettäge zum Devisenkauf erforderlich wurden, wodurch besonders im laufenden Jahre das Privatpublikum automatisch ausgeschaltei worden ist. Außerdem bewirkte ja auch schon die Einschränkung im letzten Jahre, wonach der De, Visenkauf nur eingetragenen Firmen, die ausländische Zahlungsmittel benötigen, gestattet war. Wenn nebenbei auch Privatpersonen dann und wann Dollar zu kaufen Gelegenheit Hatten, so fiel das nicht ausschlaggebend ins Gewicht. Auf diese Weise hielt sich das Devisengeschäft letzthin in bestimmten Interessentenkreisen, hauptsächlich in der Industrie, die nach wie vor auf ausländische Zahlungsmittel zu ihren Rohstoffankäu- fen angewiesen ist. Der Rückgang der Devisenkurse war, bei Licht besehen, doch noch bescheiden, wenn man in Betracht zieht, daß zu Anfang der Woche die Steigerung des Dollars neunhundert Prozent betragen hätte. Aber selbst der erwähnte Zttickgaug um sechshundert Prozent scheint nur eine vorüver-enden Schwankung geivefen zu fein, denn von vorgestern aus Sestern stieg der Dollar wieder von 2400 aus 2750 Mark. Kann man da noch annehmen, daß die neue Verordnung des Reichspräsidenten geeignet wäre, die Mark zu stabilisieren?
Es soll damit nicht gesagt sein, daß die Verordnung überflüssig wäre, besonders dann nicht, wenn fie später durch gesetzliche Erweiterung die willkürliche Spekulation mit fremden Zahlungsmitteln unterbindet. Denn jede Devifeirsteigerung zieht eine Preissteigerung im Reiche nach sich, womit weiteste Kreise der Bevölkerung in Rot geraten. Ganz besonders leiden Jen«, die von ihren Renten und Kapitalien in Papiermark zehren, die heute fast neun- undneunzig Prozent ihres Wertes verloren haben. Reben den inneren Schwierigkeiten, die daraus entstehen können, liegt aber noch die außenpolitische Gefahr vor, daß die Alliierten jetzt schon darauf hmwirken, daß doch eine Finanzkontrolle über Deutschland nötig fein werde. Eines unserer geftrigen Pariser Telegramme spricht ja bereits wieder von Zwangsmaßnahmen, die in Paris erwogen werden. Zeitungen, die Poinearö nahe- stehen, deuten an, Frankreich habe jetzt Anlaß, die Vorteile im Rheinlande auszunutzen. Das zeigt deutlich genug, wohin man in Paris die begehrlichen Blicke richtet. Es geht aber auch daraus hervor, daß es den Franzosen nicht darum zu tun ist, die deutschen Finanzen zu sichern und Deutschland zahlungsfähig zu erhalten, sondern darum, weitere deutsche Gebiete und Unternehmungen in die Hände zu bekommen. Es ist ganz sicher, daß, falls die Alliierten oder die Fvanzo-sen allein wirklich solche Zwangsmaßnahmen ergreifen sollten, die deutsche Mark erst recht ins Bodenlose sinken würde, weil zn der wirtschaftlichen Schädigung auch politische scheint nur eine vorübergehende Schwan. Gärung hinzutreten würde. Von englischer Seite ist jetzt zwar ein Vorschlag zur Erleichterung gemacht worden, aber Frankreich ist damit nicht einverstanden. Die bisherige Ver- ringerimg der Arbeitskraft des deutschen Volkes, die unter dem Einfluß der Entbehrungen und der fremden Tyrann-» nur sechzig Prozent der . Produktion vom Umfange der Vorkriegszeit erreicht, würde durch politische Störungen noch) mehr zurückgehen. Manche Stellen im Auslande haben die Sachlage Wohl erkannt, und ihr Ver- 1 trauen, daß sie trotz allem noch auf Deutschland gesetzt hatten, immer mehr zurückgezogen. Das ist auch eine der Fragen, die den sinkenden Mark- kurs erklären.
Gesteigerte Leistung.
Gezerr einen Denkfehler.
Was «nS nottut, das ist gesteigerte Lcisiuno, um die Warenerzeugung zu «rhvhe». §e meyr Ware vorhanden ist, desto oilliger wird fie. Darüber schreibt man uns nachfolgende Ausführungent Das Ergebnis der Jahresarbeitsleistung eines Volkes stellt sich dar als eine gewisse Menge von Waren aller Att. Davon mutz ein Teil als Reserve zurückgestellt werden, ein anderer -Teil dient zut Erneuerung und Erweiterung des nationalen Produktionsapparaies, ein weiterer Teil muß an fremde Volkswirtschaften abgegeben werden zur Bezahlung geleisteter Dienste, zum Beispiel für Ueberseeverfrachtung und gelieferte Rohstoffe, Lebensmittel oder Fabrikate. Der Rest bildet, roh gerechnet, das freie Einkommen des Volkes, die Warenmenge, aus der es feinen Unterhalt fristet und feine kulturellen Bedürfnisse deckt. Ausschlaggebend für Me Lebeusmöglichkeft eines jeden <^n$elnen ist also letzten Endes die Warenmenge, die von der Kops- und Handarbeit einer Nation hergestellt wird. Nur wer sich diese eillsache und selbstverständliche Tatsache vor Augen hält, wird zur Erkenntnis einer der Hauptursachen der mannig-, fachen Schwierigkeiten unserer gegenwärtigen ökonomischen Lage kommen. Nur wer sich einmal zwingt, in „Ware" statt in .Geld" zu denken, wird einsehen, welch grundlegender Denkfehler bei der Beutteilung unserer verworrenen Verhältnisse dadurch gemacht wird, daß man immer nur wie hypnotisiert auf die .Geldseite" des volkswirtschaftlichen Geschehens starrt, und darüber die .Warenseite" vergißt. Das Geld dient nur dazu, die Verteilung der produzierten Waren zu erleichtern. Der Wett des Einkommens, das jemand hat,
der Umfang der „Kaufkraft" hängt letzten Endes doch davon ab, wsoviel Waren überhaupt verteilt werde« können. Je größer dieses Quantum, desto größer kann naturgemäß der Anteil eines Jeden sein und umgekehrt. Vermehrt man die Kaufkraft, das heißt die Zahl der Geldzeichen künstlich, wie es heute durch die rastlose Arbeit der Rotenpresse geschieht, ohne entsprechend die z« verteilende Warenmenge der nationalen Produktion zu erhöhen, so erreicht man nur das. was Violen heute ein unerklärlicher Vorgang erscheint: trotz dauernder Steigerung des Natio- nal-Einkommens — in Rußland gibts fast nur noch Iiubrlmilliardär«! — wird das Realeinkommen, das heißt die Warenmenge, die man für fein Geld erwerben kann, immer kleiner! Es ist also ein sehr weit verbreiteter und törichter Irrtum, glauben zu wollen, daß nach einer Aenderung allein auf der Geldseite, durch die vielgerühmte, zweifellos notwendige Stabilisierung deS Geldwertes, das Chaos sich lichten und wieder eitel Wonne herrschen würde, wie in den bekannten „guten, alten Zeiten". DaS bedeutet nichts anderes, als an einem Wagen, den man bergauf haben will, an einem Rad die Bremse lösen, während man sie am anderen angezogen läßt! Parallel mit der Hebung des Geldwertes muß eine
Vergrößerung der Produktion gehen, sonst ist alle Liebesmühe vergeben?. Nun hat unsere heutige Produktion höchstens sechzig bis siebzig Prozent vom Umfange der Vorkriegszeit. Demgegenüber ist einmal die Zabl der „Esser" erheblich gestiegen, wohnen doch in dem verkleinerten Deutschland verbältnis- mäßig mehr Menschen, als in dem Reich von 1914. Da ist aber weiterhin ein sehr unangenehmer „Teilhaber" an der nationalen Produktion hinzugetreten: die Entcnte mit ihren Repa-
In den „Oekonomisch-Statiftischcu Berichten" der führenden Wirtschaftszcitschrjft für Holland, gibt in einem Leitartikel Prof. T. A. V e r r i j n > Stuart seine Ansichten über die Ursache» der kommenden Krise in Deutschland. Der sehr kompetente Gelehrte sagt, daß die Wirtschaftskrise sehr nahe sei itnb fitrditbarci fein werde, uvgcgtn mupen, ass ooroem. eso nrugen mir alles was in den letzten Jahrhunderten der der fremden Schiffahrt Frachten zahlen, wir müs- Wirtfchaftsgeschickte bekannt geworden fei. Die fen mehr Lebensmittel draußen kaufen als 1914, Urfache dürste man irdoch nicht nur in den W i t> ja, wir müssen in großen Mengen heute Made rgutmachungs-Zahlungen suchen. ttriafien hinzukauken, die wir im eigenen Lands Es fei in erster Lmie die volitifchen Bestim. in genügender Menge zur Verfügung hätten, mungen des Berfailler Vertrages die " ' " '’ 1 — - ...
Ursache zu dieser Wirtschaftskrise. Prof. Berrijn schließt seinen Artikel mit den folgenden Sätzen: Angesichts der entfetrlichen Gefahr, die in der nächsten Zukunft n i ch t a l l e i n Deutschland be- drolft, fühle ich mich verpflichtet, mit größtem Rachdrur auf die eigentliche Ursache der Krise hinzuweisM. DieS ist der Ve r s n i l l e r B e r - trag. Weisse Regelung man auch immer be züglich der Wiedergutmachung treffen wird es wird sich nichts ändern lassen, bis zu dem Z-it- puntt, da der Bersailler Vertrag revidiert oder ganz aufgehoben werden wird.
Sur Reichspräsidentenwahr
Für Hinausschiebung der Wahl.
(Privat-Telegramm)
Berlin. 14. Oktober.
Der Parteiiw rfiand der Deutschen Volkspartei, der bei der Zentralvorftandssitzung durch Zuwahl erweitert wurde, trat gestern in Berlin zusammen, um zu der Frage der Reichs- prässdentenwahl Stellung zu nehmen. In der Aussprache ergab sich, daß der Parteivorstand der Auffassung zuneigt, die kürzlich von den Vertretern der Partei bei einer Besprechung mit dem Vizekanzler Bauer bereits vertreten worden ist und die dahin geht, daß es nicht empfehlenswert erfchcint, daß, wie von der Regierung vorgfchlagen, die Wahl am 3. D e z e m b e r vorgenommen wird. Der Parteivorstand ist der Meinung, daß wir in der Innenpolitik zurzeit die Einigkeit durch WahUeidenfchaft nicht gefährden dürfen und daß die Ruhe mit Rücksicht auf außenpolitische Fragen nicht gestört werden dürfe. Die Deutsche Bolkspartei wird ihre Bemühungen weiterhin darauf richten, im Sinne der vom Parteivorstand vertretenen Auf-' fassung dahin zu wirken, daß die Wahl des Reichspräsidenten durch Reichstagsbeschlutz noch um einige Zeit hinausgeschoben wird.