gnterttoniprttfe: •) SUchetunsch« anfträflc Di- einspaltig- Anj-tg-nz-tl- M. 8.—, dt- einspallig« SiettamejeUe M. 24.—. b) Auswärtige Aufträge: Die etnfpaltiqe Anzeigeuzeil« M. 8.—, Vie einspaltig» Rellamezelle M. 24.—, alle! einschließlich TeuerimgSzrlschlag unb Angeigensteuer. ssür Anzeigen mit besonders schmierigenr Satz hundert Prozent Aufschlag. Für di- Richtigkeit aller durch Fernsprecher abgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme- baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werben. — Druckerei: Schlachthofstrabe 28/30. Geschäftsstelle: Lilntsche Straße L. Telephon Nummer 9M und 952.
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Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Nummer 229
Sonnabend, 30. September 1922.
Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
Das Kriegsfeuer erfaßt den Balkan.
Die Zeitung.
Was sie für Jedermaun bedeutet.
Gewöhnlich merkt man erst den Nutzen und Segen, den uns etwas gewährt, was wir als überkommenen Besitz niemals preisgeben zu inüffen glaubten, wenn die uns zur Gewohn- heit gewordene Sache von uns entbehrt werden mutz. Alle Errungenschaften der Kultur gehören hierher. In der Vorkr.iegs^it haben wir uns niemals vorzustellen vermocht, in welcher schwerwiegenden Weise sich unsere ganze Le- bensßührung verschlechtern würde, wenn uns Eisenbahn, Stratzenbcchn, elektrisch Licht, Tele- phon, Telegraph und vieles andere genommen würde. Man har darüber nicht nachgedachr, weil man es überhaupt nicht sich möglich hielt, daß wir in unseren Kulturlanden einer Lage ausgesetzt sein könnten, wo wir alle diese Segnungen des technischen Fortschritts würden ein. behren müssen. Der Krieg und die Revolution und die schwere wirtschaftliche Krisis, die Wir seit einer Reche von Jaüren durchmachen, hat uns dagegen schon reichlich Beweise geliefert, was für Wohltaten wir bisher im Alltagsleben zu «nießen gewohnt waren, ohne daß wir uns dessen besonders bewußt wurden. Unsere ganze Kultur, unser ganzes Gegenwart Sbg.vutztsein ist so eingestellt aus einen bestimmten Apparat, der sich zusammensetzt aus den Errungensch,ästen des modernen Verkehrs, der modernen Wirtschaft, des modernen Geisteslebens, daß jeder Rückschlag, jeder Rückfall in die längst überwundenen Lebensbedingungen früherer Zeiten von uns nicht nur in wirtschaftlicher, sondern vielleicht mehr noch in psvcbischer Beziehung aufs schwerste empfunden wird. Di« Straßeu- vahnen brauchen nur einen Tag nicht zu fahren, das elektrische Licht nicht zu leuchten, das Wasser in den Leitungen nicht zu fließen, und wir sind innerlich gleich so mitgenommen, als wären wir von einer uns bedrückenden Krankheit ersaßt.
Ganz ähnlich steht es auch mit dem Bedürfnis, jeden Tag unsere Zeitung zu lesen. Mancher hats ja schon versucht, mancher hat, unter dem Zwange der Verhältnisse, sein Blatt, das er bischer täglich zu lesen gewohnt war. abbesteüt. Er meinte: „Es müsse auch so gehen Und gewiß ging es so, aber derjenige, der so dachte und tat, wurde vom ersten Tage des Ausbleibens seiner Zeitung an seines Lebens nicht mechr recht froh. Er fühlte sich wie abgeschnitten von der Welt, „man sah und hörte nichts wehr",.er fühlte sich losgerissen von dem Zusammenhang Mil der großen Volksgemeinschaft. Ern Gefühl der Unsicherheit überkam ihn, dessen tieferen Grund ihm kaum zum Bewußtsein kam. Natürlich ist es für den Einzelnen nicht wesentlich, ob weit hinten in der Türkei die Völker aufeinan- dcrschlagon", ob Herr Poincarö eine wutschnaubende Rede gegen Deutschland gehalten hat, ob Lloyd George einmal mehr oder weniger „umfällt", ob die Neger von Nordamerika Afrika als „schwär Heimat' beanspruchen oder ob in Sowjetrußland ein paar Menschenleben mehr oder weniger schmählich zugrunde gehen — alles dies ist, wie gesagt, für den Einzelnen nicht wesentlich. Und trotzdem ist die Gesamtheit des täglichen Nachrichtenmaterials, das ihm die Zeitung bisher bot, eine Notwen- bigleit, um sich in der Welt nicht als Audi- viduum zu verlieren. Und gerade dies ist hem« wichtiger als je. Rur daz GesWhl der Zu s a m- mengehörigkeit mit dem Volkstänzen, das uns gerade die Zeitung vermittelt, ist für den Einzelnen wesentlich, wenn er, im schweren Daseinskampf ringend, nicht den letzten moralischen Halt verlieren will. Man mache nur die Probe aufs Exempel und man wird staunen, welche ungeheuren verborgenen Strafte in den Seiten ruhen, die uns täglich der Bote ins Haus bringt, um uns neben der leiblichen mit geistiger Köst zu versorgen.
Schließlich und endlich ist unser körperliches Dasein noch, nie so trostlos gewesen, wie in den heutigen schweren Zeiten, wenn nicht eine gewisse geistige Ablenkung dafür sorgt, daß man die phvftsche Not nicht so drückend empfindet. Sehr erfteulich ist ja freilich der Stoff, den die deutschen Blätter heute ihren Lesern bieten können, nicht. Was da berichtet wird, sind zumeist höchst unerquickliche Geschicksten, durch die die Welt in Unruhe gehalten wird. Aber die Lektüre dieser Berichte bat hinwiederum das Eure, daß sie uns darauf besinnen läßt, daß wir mit unserem Elend nicht allein in der Welt stehen. Der Kampf um das nackte Dasein hat die ganze Welt ergriffen, und unser Stöbnen ist nur ein Laut im Akkorde des großen Wellelends. Uns diese Tatsache zum Bewußtsein gebracht «I haben. ist daS Verdienst der Zeitungen, die so, un- gbnchtlich und uübewußt, zu einem Tröster im Leid geworden sind. Außerdem brinw eine gut rangierte Zeitung irr auch anreaenden Unter- balti'ngsstoff, worauf die „Kasseler Neuesten Nachrichten" immer besonderen Wert gclegr haben.
Vergleichen wir nun einmal die Ausga- ben; die unsere leibliche Kost täglich erzor- dert, mtt denen, die wir bisher für unsere geistige Labung aufzuwenden pflegten, so kommen wir zu einem Ergebnis, das nicht gerade erhebend zu nennen ist. Zahlt man für sein Blatt monatlich heute im Durchschnitt 120 Mark, so ergibt das für den Tag nicht mehr als 4 Mark. Mr diesen Betrag aber bekommen wir etwa eine Zigarette oder ein Weißbrötchen. Und unser Geist sollte so anspruchslos sein müssen, daß er sich mit einem so winzigen Betrage begnügt? Gewiß, die Zetten sind schlecht, und unser« Ausgaben müssen auf das notwendigste beschränkt werden. Aber die Zeitung ist nicht, wie viele vielleicht bisher meinten, ein Luxusgegenstand, es ist ein Gegenstand des täglichen Gebrauchs im besten Sinne des Wortes, ohne den man für die Dauer nicht zu. existieren vermag. Das unterschätze man nicht Ehe man sich daher entschließt, die „teure" Zer- hing aufzuqsben, frage man sich austichtig. ob man nicht lieber andere Dinge entbehren solle, die, wenn man sie noch einmal daraufhin überprüft, heute als entbehrlich gelten können.
Die Kriegslage im Orient.
Türkischer Vormarsch nach Nordea.
(Eigener Trahtbericht.)
Wien, 29. Septemebr.
Heber die militärische Lage in der neutralen Zone ist bekannt, daß türkische Artillerie von Evenkoy aus durch die neutrale Zone in nordöstlicher Richtung auf Osmaly-Tepe vorrückt, um anscheinend den dort vorgeschobenen Posten M besehen. Das britische Oberkommando hat Befehl gegeben, diesen Vormarsch der Kemalifien aufzuhalten. — Rach einem Bericht des „Kornett della Sera" aus Smyrna, haben die Türken nunmehr die strengste Paßkontrolle über landende und abführende Fahrzeuge eingerichtet. DaS Gros des tür- kifchen Heeres in Stärke von siebzlgtmrsend Mann marschiert in drei Kolonnen nord- wärts ab. Kemal Pascha bereitet selbst den Ausbruch vor. Er wies ihn suchende Deputationen an, ihn nordwärts, also auf Konstanti- nopel zu, aufzusuchrn. — Ein türkisches Flugzeug hat gestern die Jnftl Chios überflogen und aus die griechische Flotte, die dort zusammengczogen ist. sowie auf griechische Truppen auf der Insel verschiedene Bomben ab geworfen. Das Flugzeug ist trotz Verfolgung wohlbehalten zurückgekrhrt.
Griechische Untaten.
London, 29. September. (Eigene Drahtmcl- dung.) Der Korrespondent der „Chicago Tribüne", der die Vorgänge in Smyrna aus nächster Nähe beobachtet hat, saßt seine Eindrücke dahin zusammen, daß die Untaten der griechischen Armee in Westanatolien eine der schwärzesten Seiten der Zivilisation bilden. Der Korrespondent fügt hinzu, daß dies nicht aus türkischen Jnformattonen beruhe, sondern auf Mitteilungen von griechischen, englischen und amerikanischen Augenzeugen. Außerdem habe er selbst die Richtigkeit dieser Informationen auf seinen Fahrten festgeftcllt.
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Der Bosporus für die Griechen gesperrt.
Paris, 29. September. (Eigene Drahtmel- buna.) Tie alliierten Mächte haben in Athen Vorstellungen erhoben gegen die Entsendung des Kreuzers „Awerow" und Meier Torpedoboote in die Gewässer von Konstantinopel. Der Kreuzer hat berefts den Bosporus wieder verlassen mit dem Personal der griechischen Mi- lttärkomission in Konstantinopel an Bord. Dagegen hat tue griechische Regierung gebeten, die beiden Torpedoboote vorläufig vor Konstantinopel zum Sckutze der dortigen griechischen Kolonie liegen lassen zu dürfen.
Britische Verstärkungen.
London, 29. Scvtember. (Eigener Drahtbericht, f Aus Konstantinopel wird grmeldet, daß die erste britische Zerstörerflst. kille dort eingetrofftm ist. Außerdem ist noch ein anderes Geschwader der brttischen Streit kräfte vor Konstantinopel erschienen. Man meldet weiter den Abgang neuer Truppen und zwar sollen nunmehr alle verfügbaren eugli- fchen Kräfte nach dem Orient unterwegs fein, die von der englischen Regierung bei der Ausrechterhaltung der Garnisonen in Irland entbehrt werden können. Wenn weiter neue Ver- stärkungen ne.twendia sein sollten, so können diese nur auf dem Wege von Fteiwilligen-Ans- rufen erfolgen. x
* Die Amerikaner.
Washington, 29 September. (Eigene Draht- Meldung.) Der Vizeadmiral der amerikanischen Marine ist nach Konstantinopel abgereist um
das Kommando über die dorthin entsandten amerikanischen Stteitkräste zu übernehmen.
Griechenlands Umsturz.
Der Thron in neuer Gefahr.
(Eigener Drahtbericht.
Wien, 29. September.
Aus Athen wird gemeldet: In der Abdankungs-Proklamation des Königs Konstantin heißt es: „Die heutige schwierige Lage hat die Nation in eine kritische Verfassung gebracht. Von der Ueberzeugung beseelt, daß bei Niemanden ein Zweifel besteht, daß mein Verbleiben auf dem Thron die Einigkeit der griechischen Natton erschwert und daß dadurch unserem Feinde geholfen wird, verzichte ich auf meine königliche Würde und Macht- Mein erstgeborener Sohn Georg sei der neue König. Was mich bettifft, hin ich ftoh, daß mir noch mal Gelegenheit geboten wurde, mich für unfer Griechenland zu opfern. Ich bin bereit, ander Spitze der Armee zu enden für die Interessen der Nation, wenn die Regierung und das griecksisckie Volk es als vorteilhaft für das Vaterland betrachten." — Die Blätter melden aus Athen: Die vorläufige Regierung hat d« Proklamation des neuen Königs Georg bisher nicht zur Veröffentlichung zugelaffcn. Durch den Eintritt von zwei Seeoffizieren und drei Matrosen in die provisorische Regierung ist die Frage der Entthronung der Dynastie aktuell geworden. Auf vem Gebäude der Admiralität in Achen hat bet Matrosenrat die rote Flagge gehißt.
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Agitation für Benkzelvs.
Wien, 29. September. (Eigene Drahttnel- buRfl.) Wie ans Athen berichtet wird, soll die Aufstandsbcwegung zu blutigen Straßen- kämpsen geführt haben. Die Bevölkerung verlangt stürmisch, baß König Konstantin die Ausreise verweigert und daß er vor ein Kriegsgericht gestellt wird, um sich vor seinem Volk« über seine Politik zu verantworten, die soviel Unheil über Griechenland gebracht hat. Im Laufe des gestrigen Tages fand eine riesige Demonstration zugunsten der Zurückberufung von V e n i z e l o S, des FranzoscnfreundcS, statt. An einem Umzuge durch die Straßen nahmen etwa fünfzigtaustnv Personen teil. Tas Bild Beni- zclos wurde voran getragen. Vor den englischen und französischen Gesanvlschaftsgtbäuden wurden Hochrufe auf die beiden Länder ausgcbracht. (!)
AuLtzruch des Bürgerkriegs.
Wien, 29. September. (Eigene Drahtmeldung.) In Corinth und uu Pyrrhäus haben sich revolutionäre Matrosenräte gebildet. In Corinth hat zwischen königstreuen Truppen und den Matrosen ein erlittener Kampf stattgcfunden. Die revolutionären Eisenbahner haben den Eisenbahnverkehr in ganz Rordgricchenlaud zürn Stillstand gebracht. — Nachrichten aus Athen besagen, daß der viertälteste Sohn Konstantins, der Prinz Paul, qu Bord eines Schisses, das sich in den Händen der Aufständischen befindet, gefangen gehalten werde.
Brandherd am Balkan.
Die Serben mischen sich ein.
^Eigene Drahtmeldung.)
Belgrad, 29. September.
Die Blätter sprechen offen von der Möglichkeit einer südslawischen Erpcdttion gegen Konstantinopel, um den Wiedcranfa« Thraziens an die Türkei zu verhindern. Sie nennen die Bedingungen, die Südflawien daran knüpft; es sind dies die endgiltige E n t w a f s - nung Ungarns und Bulgariens, gewisse Grenzverbefferungen zwischen Jugoslawien und Rumänien, und Ungarn und Bulgarien. TaS Blatt „Prawdq" behauptet, daß E n g l a n v und Frankreich sich bereits über die Bediu- gungen, unter denen sie Konstantinopel den Türken überlassen wollen, geeinigt haben. Die Türkei mußte die Befestigungen der Meerengen schleifen, die Frcihett des Schiffsverkehrs müßte gesichert werden und Gallipoli wird einer Militärkontrolle unterstellt, an der alle interessierten Staaten teilnehmen, Thrazien und Adrianopel erhalten eint Selbstverwaltung. An den Verhandlungen, die diesen Abmachungen voraus- gingeu, nahmen auch Bertreter TüdflawienS teil. In diesen Verhandlungen fei den Südffa- wen Saloniki versprochen worden. (!)
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Jugoslawische Mobilmachung
Wien, 29. September. (Eigene Drahtmel- dnna.) Tie „Reichspost" meldet: Die jugofla- wische Gesandffchast hat gestern allgemein M o - bilmachungSbesehke en die Angehörigen der sechs jüngsten JahreSklaffcn ausge^eben.
Drei Zähre Nothilse.
Ein Rückblick.
Heber die Tätiflteii der Technisch-,« NothUse in den drei Jahren ihres Bestehens ist uns nachfolgende Schilderung gegeben wordenr Am 30. September 1922 tarnt die Technische Rothikft auf das dritte Jahr ihres Bestehens zurückblicken. In weitaus höherem Maße als im zweiten Jahre mußte sie in lebenswichtigen Betrieben zum Wohle der Allgemeinheit eingrei- fen. Während im ersten Jahr 562, im zweiten 485 Einsatzstellen mit 20281 bezw. 9726 Nothelfern gezählt wurden, mutzte im nunmehr abgelaufenen dritten Berichtsjahr die Technische Not- Hilfe an 888 Stellen mit zusammen 28 007 Not- Helfern eingesetzt werden. Insgesamt hat sie demnach innerhalb der drei Jahre ihres bisherigen Bestehens an 19 35 Stellen mit 58 014 Nothelfern tätig sein müssen und dabei die Zahl von 3 066 494 Arbeitsstunden geleistet. und zwar in Elektrizitäts- und Wasserwerken, Landwirtschaft, Nahrungsmittelbetrie- ben, Transport und Verkehr, Bergbau, Krankenhäusern usw. Gegenüber dem Vorjahr bleibt sich die Tätigkeit der Technischen Nothilfe, gemes- fen an der Zahl der Einsatzstellen im verflossenen Jahre, bei der Betriebsgruppe der Elektrizi- läts-, Gas- und Wasserwerke ziemlich gleich. Eine stark« Zunahme dagegen weifen die Einsätze im Transport- und Verkehrsgewerbe, sowie in der Land wirt sich aft aus. Bei der ersten Betriebsgruppe zeigte dus Geschäftsjahr 1919/20 eine Tätigkeitszifser von 98 Einsatzstellen mit 3605 Rothelfern und 171940 Arbeitsstunden. Dies« Ziffern fielen im Jahre 1920/21 auf 34 Einsatzstellen Mit 1262 Nothelfern und 60 972 Arbeitsstunde». Sie schnellten im Jahre 1921/22, dem Jahre des großen Eiftnbahncrstreiks und der vielen Transportarbeiter-Ausstände, auf 347 Einsatzstellen mit 16 528 Notbelfern und 780408 Arbeitsstunden empor, verzehnfachten sich also ungefähr.
Die Landwirtschaft zeigte im Jahre 1919/20 eine Zahl von 48 Einsatzstellen mit 488 Nothelfern und 30 741 Arbeitsstunden, im Jahre 1920/21 eine solche von 256 Einsatzstellen mit 2648 Rothelfern und 164 245 Arbeitsstunden, und im Berichtsjahr 1921/22 eine Anzahl von 344 Einsatzstcllen mit 2618 Nothel- fcrn und 147 232 Arbeitsstunden. Wenn man bedenkt, daß die Technische Nothilft ja nicht in allen Streiks innerhalb des Transport- und Verkehrs-Gewerbes, sowie der Landwirtschaft eingrcift, sondern nur in den Fällen und an den Stellen, wo eine unmittelbare Bedrohung der Lebensbedürfnisse der Allgemeinheit in Frage kommt, so wird man verstehen, wie berechtigt die kürzliche Mahnungdes Reichskanzlers vmn 25. August 1922 war, der darauf hinwies, daß angesichts unserer wirtschaftlichen Notlage, diese unsere Ernährung gefährdenden Streits unterbleiben müßten, da sie eine schwere Schädigung deS Gemeinwohls bedeuteten.
Welche Werte bei foftfjen Streiks auf dem Spiel standen, mag man ersehen aus folgenden Zahlen über einige Einzel st re iks in der Landwirtschaft. Dn Vieh mußte zum Beispiel von Notbelfern in diesem Jahre in zehn Einsatzfällen, über die genaue Zahlen vorliegen, gefüttert und gepflegt werden: 260 Pferde und 1145 Kühe, gleich 130000000 Mark: 2054 Schaft, gleich 20540000 Mark, und 317 Schweine, gleich 6 340000 Mark; mithin Werte in Gesamthöhe von 156 880000 Mark, die durch den Einsatz der Technischen Notbilft der Gesmntbeit erhalten wurden. — Beim Landarbeiterstreik in Meck- lenburg-Strelitz von Ende April bis Anfang Juni wurden durch die T. N. auf dreißig Gütern 8400 Morgen Land bestellt. Bei einem Dnrchschaittsertrag von sechs Zentnern für den Morgen sicherte damit die T. N. der Volksernäh- rung rund fünfziatausend Zentner Getreide. In dem Mitts August ausgebrochenen Lcmdarbeiter- streik im Kreise Oberbarnim wurden durch die T. R. bei einer Gesamt-Umtagemenge von 118000 Zentner Getreide 80000 Zentner gebor- i aen. — Ferner mußte die Nothilft bei dem Ende August auf der Insel Fehmarn ausgebrochenen Landarbeiterstreik mit 600 Notbelftrn zum Einbringen der Ernte einer bestellten Fläche von 35000 Morgen eingesetzt werden. — Aus dem letzten Landarbeiterstreik in den Kreisen Halberstadt und Oschersleben sei nur eine Zahl auS einem der von der T. N. auftecht- erhaltenen landwirtschaftlichen Betriebe genannt: Durch die Mithilfe der Technischen Notbilft in der Saatzuchtwirtschaft Fr. Strube in Schlan- stedt wurde der deutschen Volkswirtschaft eine Getreidemcnge ('Saatgut) von 76 033 Zentner im Werte von über dreihundert Millionen Mark erhalten. Während di« Tätigkeit der Technischen Nothilfe in erster Linie dem Schutz der Bevölkerung vor den allgemeinen Folgen von Streiks in lebenswichtigen Betrieben gilt und sich nicht in Ziffern mtsdrücken läßt, an<h in bezug auf Erhaltung wertvollsftr Produktionsansagen wie Hochöfen und Gruben nur Schätzungen zukäßt, sind die Ziffern der geretteten Lebensmittel