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Hessische Abendzeitung

Nummer 225

Fernsprecher 951 und 952

Dienstag, 26. September 1922.

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

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Kasseler Neueste Nachrichtm

Kaffeler Abendzeitung <

Englands Kampf mit der Türkei.

Kein tießerg reifen auf Europa?

Pari8, 25. September. (Eigene Drahtmel- dung.) Lord Curzon hat gestern mittag Pa­ris verlassen und ist nach London zurückgekehrt. Vor der Abreise hat er sich zu dem Berichterstatter der Radio-Agentur folgendermaßen geäußert: Fch bin sehr zufrieden von meinem Aufent­halt in Paris. Wenn Sie mich fragen, welches meine Eindrücke hier gewesen sind, so muß ich Hhnen antworten: ES sind keine Eindrücke mehr, cs sind mehr als Eindrücke und Hoffnungen. Sie werden sehen, daß die Akkorde, zu denen wir die Grundlagen gelegt Haden, in steter Entwicklung sind und daß die Ruhe im südöstlichen Europa sozusagen gesichert ist,

Siu© Statten ist zufrieden.

Mailand, 25. September. (Eigene Draht­meldung.) Die in den Pariser Orientvcrhand- lungen erzielte Einigung unter den Alliierten wird von der gesamten italienischen Oes- entlichkeit mit Zufriedenheit ausgenommen.

Der Krieg der Türken.

Weitere militärische Tätigkeit.

(Eigener Drahtbericht.)

Konstantinopel, 25. September.

Aus Smyrna wird gemeldet: Mustapha Ke­mal Pascha Hai folgende Proklamation an das türkische Volk gerichtet:» Edle türkische Ration! Wir sind siegreich. Unser Sieg ist einzig und allein Dein Werk. Bisher hat der Feind mehr als hunderttausend Mann an Toten und Gefangenen verloren. Große und edle Na­tion, dein fiegrciches Leer grüßt dich vom Strande des Mittelmeeres".- Aus der Kampf­zone wird berichtet: Kemalistische Flug­zeuge erscheinen über den griechischen Inseln Mythilene und Chios und warfen Bomben ab. Es wurde erheblicher Schaden angerichtet. Bon der südlichen Dardanellenküste liegt die Nachricht vor, daß türkische Kavallerie gestern bei Tschanak in die neutrale Zone ein* gedrungen ist und sich festsetzt.

England sendet Truppen.

London, 25 September. (Eigene Drahtmel düng.) Den Londoner Zeitungen von gestern rüh ist zu entnehmen, daß die militärischen Borbereitungeu Englands fortdauern. Times" bestätigt den Abbruch der bereits be­gonnenen englischen Manöver und die Mo­bilmachung von zwei Korps der Territorial- armer. Beide Truppenteile werden in Lriegs- tärke nach Konstantinopel eingeschifst. Weiter wird berichtet, die britische Regierung habe von deutschen Reedereien elf in englischen Häfen liegende deutsche Schiffe zum 30. September gechartert, m Truppentransporte von Southampton nach Konstantinopel zu leiten.

Englisch-MrUsOes Gefecht.

Zürich, 25. September, '"igenc Drahturel- dung.) Der Korrespondent des(Sortiere della Sera berichtet, daß die türkischen Stellungen Bei Bigha und an der Küste durch englische Kriegsschiffe beschossen worden sind. Tic türkis >e Artillerie Tloiber.c das Feuer. Unter bet Wirkung peS Grschoßhrgels

Die Einigung der Linken.

Cine Asußerung Kauts'ik» (Privat-Telegramm.)

Berlin, 25. September.

DerVorwärts" und dieFreiheit geben zur EiniMng der Sozialdemokraten eine Sonder­nummer heraus, in der sich die Führer der Par­tei über die Einigung äußern. K a u t s k i schreibt in einem ArtikelDie dauernde Einigung" unter anderem folgendes: Die beiden großen Aufgaben, die Erfüllungspolitik und der Schutz der Repu­blik, stehen heute im Vordergründe des staatlichen Lebens Deutschlands. Sie sind nicht bloß die Llaffenforderungen des Proletariats, so sehr auch die Proletarierklaffe an beiden Fragen interessiert ist. In Fragen der Steuerpolitik und der sozia­len Politik, namentlich des Achtstundentages und der Sozialisierung, steht das Proletariat so gut wie allein. Zur Frage des AufgehenS der Freiheit" in denVorwärts" bemerkt das zu­letzt genannte Blatt: Eine endgültige Abmachung über diese Angelegenheit wird erst nach Nürnberg beWoflen, nachdem die tatsächlichen Grundlagen für ein solches Arrangement geschaffen ffnd.

Aus Voinifch-Sberfchleflm.

Ausschaltungen bet den Wahlen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Breslau, 25. September.

Ueber den Berlauf der am Sonntag in Pol- nisch-Oberschleflen abgehaltenen Sejim-Wahlen find, wie von drüben gemeldet wird, bis jetzt noch nicht alle Zahlen feftgestellt. Fest steht nur. daß die Wahlbeteiligung am Vormittag schon rege war und am Nachmittag stärker wur­de und daß sich vor den Wahllokalen lange Reihen bildeten. In einzelnen Wahlbezirken, beispielsweise in Lönigshütte, Biömarckhütte, auf der Oheimb-Grube und auf den einzelnen Wahlbezirken des Kreises Ryünik find Aus- schreitungen vorgelommen, die sich gegen Deutsche richteten. Tie deutschen Wähler wurden verprügelt. Nach Berichten vorn Sonntag abend betrug die Beteiligung an den Wahlen für den schlesischen Sejim in K a t t o- w i tz fünfundsechzig Prozent. Das Wahlergeb­nis dürste infolge außerordentlicher Schwierig- keilen eru im Laufe des Tages herauskommen.1

Folgen öer Teuerung.

Die BesoldungSfrage der höheren Beamte«. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 25. September.

Der Reichsbund der höheren Beamten hat der Regierung für die Neuregelung der Beamten­gehälter feine Wünsche unterbreitet. Der Reichs­bund weist nach, daß z»m Ausgleich die­ses Mißverhältnisses und zur Herbeiführung eines gleichen Lebenseinkommens für alle Beamte den Angehörigen der Gruppe 10 (Regierungsräte usw.) etwa dasDreifache des Gehaltes der unteren Beamtenschaft Mwährt werden müsse. Der Reichsbund betont, daß bei einer entsprechen­den Festsetzung der GrundMhälter den höheren Beamten der an sich notwendige A u s g l e i ch für höhere Vorbildung, Leistung und Ver­antwortung «och nicht geboten würde.

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Septrmver Srhülter und Lvhne°

Essen (Ruhr), 25. September. (Privattele­gramm.) In einer gestrigen Konferenz der Be­legschaftsvertreter wurde eine nochmalige acht­zigprozentige Erhöhung der Bergarbei­terlöhne gefordert und für Ueberstunden ein zweihundertprozentiger Zuschlag. In Dort­mund wurden unter dem Vorsitz des Staats- »nd Reichskommiffars Mehlich die Gehaltsdisfe- renzen zwischen den Privatangeftellten und ihren Arbeitgebern besprock^n. Es wurde ein Schieds­spruch gefällt, wonach den Privatangestellten für September ein Zuschlag von sechzig Prozent auf das Grundgehalt gewährt wird. Die Erhöhung der Löhne in der Metallindustrie soll sich auch auf fettig Prozent belaufen.

Di? Teuerungszlsferk.

Berlin, 25. September. (Privattelegramm.) Nach Mitteilungen des Lebensmittelamtes der Stadt Berlin hat die abgelaufene Woche in der Reschshauptstadt eine weitere Erhöhung der Indexziffer der Teuerung um einund­dreißig Prozent gebracht. Seit dem 1. Sep- tember beträgt in Berlin die Steigerung der Teuerung vierundsechzig Prozent.

KaWksWlrte-Gchau.

Die große Ausstellung in der Stadthalle.

Qtm Sonnabend mittag wurde, wie schon kurz berichtet, bie.Mitteldeutsche Aus. tteUung für Hotel- und Gastwirtsgewerdr, Kochkunst und einschlägig, Artikel-- in der Kasseler Stablhalle feierlich eröffn««. Meister Möller am Meisterwerk der Halle», orgel, Meister Georg Henkel an der Spitze seiner Kapelle, eröffnete mit den WagnerschenMel- stersingem'. Es war ein großzügiger Auftakt. In einem von Kunstgärtner Schade gestellten Palmenharn, mit prächtigen Herbstblumen, um­geben von weißgekleideten Ehrenjungfrauen mit blauen Schärpen die Kasseler Farben stand Ratskellerwirt Alfred Hartleb. Ms Bor­sitzender des Provinzialverbandes der Gastwirte von Hessen-Nassau und Freistaat Waldeck und zugleich im Namen des Veranstalters der Aus- stellung, des Wirtevereins für Kassel und Um­gegend, dessen Vorsitzender, Gastwirt Heinrich Holzhauer durch Krankheit am Sprechen der- hindert war, hieß er die vor ihm sitzenden zahl- reichen Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, darunter Landeshauptmann von Geh. ren sowie Polizeipräsident Haack persönlich, des Handels und des Handwerks Reichstagsabgc- ordneter Kniest und der Vorsitzende der Hand- werkskamtner, Ehrenobermeister Zimmermann wiMommen: er betonte, daß beinahe ein Vier­tels ahrhundert »ergangen ist, seit die letzte der. rtige Ausstellung in Kassel stattgefunden hat und hob die Bedeutung des in der letzten Zeit so viel angefeindeten Hotel- und Gastwirtege- weobes hervor. Möge, so schloß er, diese Aus­stellung in ihrem Erfolg den Ruf von Kassel als Ausstellungsort wahren und mehren! Dann er­klärte Stadtrat Weber im Auftrage der Stadt­verwaltung die Ausstellung für eröffnet. Seine Ausführungen waren eine kulturgeschichtliche Darstellung der

Entwicklung des Gastwirtegewerbes

von den englischen Schlachtschiffen wurden dann die Stellungen an der Küste geräumt und die türkischen Streitkräfte zogen sich in Richtung auf Jsmid zurück. Rach Meldungen aus Konstan­tinopel find gestern zwischen einem englischen General und einem türkisen Unterhändler Verhandlungen gepflogen worden.

Allerdings hat ja inzwischen die Stimme der Vernunft in Frankreich insofern mehr und mehr Einzug gehalten, als man sich auch dort sagt, daß Frankreich durch einen Ruin Deutschlands keinerlei Nutzen hat, im Gegenteil mit in den wirtschaftlichen Abgrund gezogen wird, und daß man deswegen mehr und mehr auf eine wirt­schaftliche Verständigung Binarbettet. Es liegt im Interesse der ganzen Welt, wenn der Weltftieden nicht wiederum durch die Er­eignisse itnb die Interessengegensätze auf dem Balkan auf5 neue erschüttert wird. An dem kleinen Feuer auf dem Balkan, das dort aller, dings seit Jahrzehnten loderte, hat sich bekannt­lich der letzte große Weltkrieg entzündet. Das könnte eine Warnung für die Großmächte fein, deren Interessen im Orient, wenn sie auch zur Zeit scheinbar ausein-andergehen, doch alle dahin zufammenlaufen, den großen Zu lcmrmenschlutz des IslamS durch einen neuen Krieg zu ver­hindern. Mr in TeutfdXant» haben im Hinblick auf unseren Wiederaufbau lediglich ein Interesse an einer Weltkonsolidie­rung, also auch, an der Erhaltung des Welt­friedens und müßten dabei jede Zurückziehung Englands von Konstantinopel nur sehr Bebauern.

drei Milliarden Mark in festen Werten angelegt, fast ebensoviel tote am deutschen Berg­bau, ungerechnet der Zusanrmenbang mit den verschiedenartigsten Hilfszweigen! So seien die hier vertretenen Kreise von besonderer Be- bentung für die Bolksernährung, die Leistungs- fShizkeit der Kopf- .und Handarbeiter zu ratio- neller Betätigung im allgemeinen Wrtschafts- leben ufto. Jedenfalls werde diese Ausstellung den Besuchern aus der Stadt und vom Lande zahlreiche Anregungen geben und den Bertre- lern der Behörden und der Allgemeinheit die Erkenntnis bereiten von der volkswirtsibasflichen n.nd PrivatkavitalMschen Bedeutung des Hoiel- nnd Gastwirtegewerbes. Unter den Klängen der Henkelschen Kavelle fetzte hierauf der bereits er­wähnte Rundgang ein, den zu beschreiben Aus­gabe der nächsten Tage fein wird. Heute sei an anderer Stelle nur auf die K ochknn ftan s- Teilung eingegangen, die bei ihrer Gi gen an von kürzerer Dauer ist und bereits morgen zu Ende gehen wird, während die allgemeine Ans« "lettung noch bis zum nächsten Montag dauert. Soviel nur sei hier gesagt: Die Ausstellung wurde bereits an den ersten beiden Tagen ihres Daseins von vielen tausend Besuchern in Aitgenschein genommen und c? gab nur eine Stimme: Die Kaffeler Ausstellung übertrifft alle Erwartungen und ist ähnli-^en Veranstal­tungen in Frankfurt. Stuttgart ufto. mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar, wenn die äußeren Umstände bet.-achtet werden, überlegen! H. Umstände betrachtet werden, überlegen. Jnzwi-

Die Lage im Orient Deutschlands Stellung.

Deutschland hat im Orient keine Interessen, das war auch schon das Ziel der BiSmarckschen Außenpolttlk, der sich selbst bei einer Gelegen­heit dahrn aussprach, daß unser politisches In­teresse dort »nicht die Knochen auch nur eines Hommerschen Grenadiers" lohnte. Und doch sechen wir in Deutschland mit gewissen Sorgen auf die Entwicklung im Orient hin. Die Regie­rung von Angora hat zweifellos aus sich heraus nicht die Machtmittel allein, sondern sie wird durch die französische Regierung unter­stützt, und wahrscheinlich auch über Syrien mit Waffen versorgt. Denn, daß die türkische Ausrüstung allein aus Rußland stammen soll, daran glaubt heute Wohl niemand mehr. Frank­reich strebt seinem alten Ziele zu, das schon unter einem Napoleon III. genährt wurde, nämlich aus dem Mittelmeere einen französischen See zu ma­chen, Allerdings laufen diese seine Pläne der anderen Großmacht im Mittelmeere, Italien, zuwider, und das ist einet der Gründe, aus denen heraus Italien bislang einen enge­ren Anschluß an England suchte. Auf der anderen Seite aber ist den Italienern die gti e- chenfreundliche Politik Englands und das starke Anwachsen Griechenlands ebenfalls nicht genehm gewesen und auch fürchtet Italien mit Recht bei einer zu großen Gegensätzlichkeit zu der Türkei und beim Äusbrrich eines eventuellen Krieges hn Orient große Schädigungen für seine dortigen Besitzungen, vor allem für die Kolonien in Afrika. Daher das Streben Ita­liens, die französische und englische Politik in Aitsgle ch zu bringen.

Bisher tst ein Ausgleich noch nicht gelungen; kommt ein solcher, wie man wobl nach dem eben überstandenen Weltkriege bei der Kriegsmüdig­keit aller Völker und bei den großen Gefahren, die ein neuer Krieg bringen würde, annchmen kann, zustande, so wäre das für die Beteiligten nur von Vorteil. Kommt ein sicher Ausgleich aber nicht zustande, so können wir in Deutsch­land, so fern wir auch den Angelegenheiten und dem Kriegsschauplatz an und für sich stehen, der weiteren Entwicifluna nur mit gewisser Sorge entgegensehen. Englands Bindung im Orient und feilte bärtigen Interessen haben wie- derholt zum Nachgeben gegenüber Frankreich in Fragen gezwungen, die ge- padezu uns Deutsche unmittelbar angingen. Wir brauchen hier nur an die verschiedenen Lon­doner Konferenzen zu erinnern, wo der »Umfall .Llopd Georges" stets an der Tagesordnung war, ein Umfall, der lediglich durch die englischen In­teressen im Orient und die sranzSsische Haltung dazu bedingt war, und der stets auf Deutsch- lands Kosten ging. Hat sich schon bisher gezeigt, daß jede politlsche Verlegenheit Englands, selbst die Aufstände in Irland, für uns Deutsche zum großen Nachteile gereichten, so noch mehr, wenn England seine ganze Aufmerksamkeit und Kraft- entfaftung im Orient verwenden müßte. Frankreich würde dadurch ein neues U ebergewicht erhalten, das es sicherlich : nicht bei der jetzigen Einstellung seiner führenden Politiker zu unseren Gunsten gebrauchen würde. Im Gegenteil: Die Befürchtung liegt zu nahe, daß Frankreich, >as schon seit langem eine un- gebundene Marschroute uns gegenüber herbei, i feftnt, diese Gelegenheit willkommen ergreifen würde.

von der primitiven Gastfreundschaft der Men« schon an, die nach den verschiedensten Mytholo­gien sogar die Götter in Anspuch nahmen, über die nicht gerade einwandfreien Herbergszustände im Mittelalter, wie sie Erasmus von Rotterdam geschildert hat dis zur luxuriösen Ausgestaltung der Hotels in der letzten Zeit vor dem Kriege. Redner erklärte, daß die Stadtverwaltung daS jetzige Unternehmen nach feder Richtung hin ge- fördert hat in Anbetracht der Würde einer Groß­stadt und andererseits deshalb, um die Stadt- halle einmal in den Dienst einer so großzügigen Ausstellung zu stellen. Ferner ging er auf das umstrittene Ausstellungs-Problem ein und sagte: Dieser Ausstellung liegt der Leitge­danke zugrunde, nicht nur der Verpflegungs­und Unterkunftsindustrie Geleaenheiet mm Be­weis dessen zu geben, was in ihr geleistet wird, sondern auch die Hilfsindustrie :irr Geltung zu bringen! Richt unerwähnt bleibe der Hinweis auf die schweren Erschütterungen während des Krieges. Kein Gewerbe sei durch Rationierung und Zwangsbeschlognahme so betroffen wor­den tote das auf dieser Ausstellung vertretene. Bei der in der letzten Zett vielgeübten Kritik an der Preisgestaltung dürfe nicht aus dem Auge gelassen werden, daß die Wiederbeschafsung des Verlorenen außerordentlich erschwert ist. In Weitesten Kreisen bestehe größte Unkenntnis über die wirtschaftliche Bedeutung dieses Ge­werbes, Aufsehen erregte die Erwähnung fol­gender Tatsache: Im Jahre 1913 waren allein ttn deutschen Hotelgewerbe

eine Rote an die Türkei, um diese zur Frie- denskouferenz einzuladen. Die Ein­ladung an die Türkei erkennt die M a r itz a grenze mit Einschluß Adrianopels an, außerdem die türkische Souveränität über die Meerengen unter Kontrolle ihrer Neutralität unter der Bedingung, daß die kema- listischen Armeen die neutrale Zone nicht über­schreiten. Das sind schon bedeutende Zugeständ- Nisse den Türken gegenüber.

Das Orient-Vroblem.

©ereilte Auffassung über die Konferenz.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 25. September.

Ueber die Aufnahme der Orientverhandlun­gen der Alliierten und ihrer Schützlinge fchreibt der Sonderberichterstatter der Baseler Nachrich­ten unter anderem: Man weiß hier nicht recht, ob man sich Über den Pariser Orientbeschlntz, die Türkei zu einer Friedenskonferenz einzuladen, freuen soll, weil er die Unentbehrlichkeit des Völ­kerbundes zeigt, oder ärgern, weil er den Völker­bund ungefragt in ein schwieriges Problem ver- wickelt. Ter Kompromißvorschlag zeigt die Nmh- giebigkeit Englands. Die Orientmächte wollen den Orient-Frieden ohne Einmischung des Völkerbundes machen, wollen diesem aber die V e r a n t w o r t u n g für wichtige Ergebnisse dieses Friedens, die sogenannte Freiheit der Minderheiten und den Christen-Schutz aufladen.

Ronferen» mit den Türken.

Paris, 24. September. lEigene Drahtmel­dung.) Auf derOrientkonferenz" der Alliierte,r in Paris har fim Bereitwilligkeit zu einer frieb- lick>en Lösung gezeigt. Dre Konferenz sendet