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Meier Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitnng

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Nummer 218. Fernsprecher 951 und 952 Sonntag, 17. September 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jcchrgang^

Gehallssordemvgeu und Strelkflimmung.

Zeichen der Not.

Der Menschheit ganzer Jammer .. .!

Was man hört, ist Mißion, und was man lieft, ist Klage. Die Rot unserer Zeit greift so rauh in das Leben der meisten Menschen ein, daß der Alltag grau und trübe erscheint, sobald man an die wirtschaftliche und politische Verwir­rung denkt. Die Teuerung will kein Ende neh­men und die dadurch heworgerusene Unzufrie­denheit dringt in immer weitere VoWkreise. Wenn irgendwo ein Staatsmann, ein Politiker öder ein Wirtschastsvertreter redet, spricht er über die furchtbaren Schwierigkeiten, mit denen die Erwerbsgruppen, Gemeinden, Länder und das Reich zu kämpsen haben. In dieser Woche sind einige bemerkenswerte Reden gehalten worderl, die besondere Beachtung verdienen. Der Abgeord- rete der Deutschen Volkspartei, Dr. Stiefe* mann, sprach in Köln-im Verbände der rheini­schen Industriellen über die Wirtschastsnot, die zum Weltproblem geworden ist. Er betonte, daß ein Nachlassen der Arbeitsleistung zu verzeichnen sei und verurteilte das moderne Lohn­system. daS die Lügendlichen Arbeiter mit den ä i t er e n und verheirateten Arbeitern gleich- Eettt In einer Zentrumsversammlung in Frie- enau nahm der frühere Minister Steger- Wald, der jetzige Führer der Christlichen Ge­werkschaften, Stellung zur heutigen Politik und Wirtschaft. Er befürwortete die Erweiterung der Reichsregierung durch ein Mitglied der Deutschen Bolkspartei, um der vereinigten Linken ein Ge­gengewicht gegenüber zu stellen. Sein Wieder­aufbau-Programm. das wir gestern verofteniftch. ten, wird die Zustimmung der Mittelparteien finden, denn es verlangt, was diese wollen: den Schutz der Republik, eine aktive Außenpolitik, Mitwirrung der Gehalts- und Lohnempfänger, Förderung der Produktion, sowie eine Opfer- gemeinschaft in der Innenpolitik. Aus dem Deutschen Industrie- und HandelStag in Berlin tarnen die Wirtschaftsschwierigkeiten zum Aus- druck in den Reden der Finanzmänner v. Men­delssohn und U r b i a. die auf das Abwärts- gleiten der deutschen Währung ins Bodenlose hinwiesen. Alle sind sich natürlich darin einig, daß die Ursache unseres Elends im Versailler Fliedensdiktat liegt, dessen Revision ununter­brochen angestrebt werden muß. Daneben darf aber nicht außerach-t gelassen werden, daß wir selbst durch vermehrte Produftion dem weiteren Versinken entgegenarbeiten müssen.

Am meisten wurde eine Rede deS Reichskanz- kers Dr. Wirth in der Presse hervoigeboben, der aus dem Industrie- und Handelstaa Mahn­rufe ertönen ließ. Man achtet immer auf. wenn ein Kanzler spricht, weil man merttt, daß dieser etwas Besonderes sagen müsse. An sich sagte ja Dr. Wirth ebenso wenig wie die vor­her genannten Redner etwas Neues, denn un­sere Nöte find schon oft in allen Tonarten ge­schildert worden. Aber bezeichnend ist eS, wie Dr. Wirth beute die Lage auffaßt. Dor allem ist es von großer Bedeutung, daß er der Er- füllungsp olitik eine Grenze setzt. Er sieht, daß es so wie bisher nicht Weiter geht. Deutschland hat überragende Leistungen voll­bracht. um die unersättlichen alliierten Unter­drücker zufrieden zu stellen, und doch wird daS nicht anerkannt. Im Gegenteil, da Deutsch­lands Finanzkraft jetzt erschöpft ist, wollen die nach unserem letzten Goldrest gierigen Feinde den erbetenen Aufschub nicht gewähren, sondern sie bestehen auf ihrem Schein, um die deuttcke Valuta ganz zu zerstören. Dr. Wirth hat sich demgegenüber ein Ziel gesetzt. »Wir haben un­ser Volk mit Brot zu versorgen, es zu bekleiden und zu behausen. Erst Brot, dann Repa­rativ n e n!" Dieser Ausspruch hat überall im Reiche zustimmenden Widerhall gefunden, nur ist zu bedauern, daß dieses Ziel nicht schon viel früher gesteckt hntrbe. Gesagt hat die Regierung allerdings schon immer, daß sie nicht in der Lag: sei, zu zablen, und doch wurde das .deutsche DolkSvermögen angebrochen, sodaß die Mark im­mer mehr entwertet wurde. Es geschah zwar immer unter der feindlichen Zwangsandrobung. aber wird es diesmal ohne Drohung abgehen, wenn wir die jetzt fälligen Ratenzahlungen nicht leisten können? Schon werden in Patts wie­der Drohungen laut und die in den letzten Tagen gemeldete Aussicht auf Verständigung ist geschwunden. Bon den beiden Patteien, deren eine (Loucheur) den Aufbau Frankreichs Wirk­lich erstrebt, toäbrenb die andere (Poincars) ihn »erftinbert, btt die Clique Poincare anscheinend wieder die Oberhand behalten.

Wir brauchen uns heute keine Rätsel über die Zwangsmaßnahmen aufzugeben. Schon in wenigen Tagen werden wir wissen, was die Reparattonskommifsion verlangt und wie sich die Franzosen, von denen ja alles abzubängen scheint, verhalten werden. Die Goldhinterlegunq will die Reichsregieruna jedenfalls ablehnen. Man will diesmal nicht so recht an Gewaltmaß- nahmen glauben, weil in Frankreich die Strö­mung, dir eine ruhige Entwicklung

wünscht, doch einen starken Einfluß gewinnt., Außerdem hat Frankreich augenblicklich auch auf Englands Meinung Rücksicht zu nehmen, da wichtige Interessen auf dem Spiele stehen, die im Nahen Osten ihren Ursprung haben. Die Ententepolittk ist voll schmutziger Wirrnis, ent­standen aus der halb gemeinsamen, halb gegen­sätzlichen Gier nach Besitz unb Macht. Es Ware wirklich eine Ironie der Weltgeschichte, wenn am Balkan, wo 1914 der große Weltkrieg be­gann, auch einmal sein endgültiges Ende sein würde. Von Kleinasien dehnt sich bereits bte Verwicklung nach dem Balkan aus. Die Serben und Rumänen haben mobilisiert, um die Grie­chen auf europäischem Gebiet zu unterstützen. Die Bulgaren stehen dagegen mit den Russen in Fühlung, um auf die Seite der Türken zu treten. Wenn dadurch die Briten und Franzo­sen, die im Nahen Osten ihre ^Interessen- sperre* haben, dort beschäftigt werden, kann es uns nur recht sein. Vorläufig sitzen sie uns zwar noch im Nacken, aber die Gelegenheit zum FeftSleiben in der Ablehnung ist für uns günstiger als sonst. K. F- v.

Folgen der Steuerung.

(Eine Eissnbahuer-Bewsgung im Westen.

(Eigener Drahtbericht.)

Köln, 16. September.

Eine Eisenbahnerbewegung im Westen nimmt bedrohliche Formen an. Es ist mit dem Aus­bruch eines Streikes zu rechnen, wenn es den maßgebenden Stellen nicht gelingt, der Be­wegung Herr zu werden. Ausgangspunkt der Bewegung, die unter radikaler Führung steht, ist Köln. Buch der Bezirk Trier scheint bereits von ihr ergriffen zu sein. Als Ursache der Be­wegung wird allgemeine Unzufriedenheit 'mit der wirtschaftlichen Lage angegeben, die nach Ansicht der Führung durch die letzte Lohn- und Gehaltsregelung in keiner Weise ver- beffett worin» ijt In Köln haben zwischen den Eisenbahnern und der Eisenbahndirevion Ver­handlungen stattgrsundeu, die geschei­tert find. Die Eisenbahner haben damit ge­droht. daß fie im Bezirk Köln in den Streik tre­ten wollen. Es gilt als ficher, daß noch im Laufe des heutigen Tages Verhandlungen zwischen den Spitzenorganisationen und dem Reichsverkehrs­ministerium stattfinden werden, in denen die Or­ganisationen aller Voraussicht nach auf die Aus- -ahlung einer einmaligen nicht rückzahlbaren Wirtschaftsbeihilfe bringen werden.

Forderungen in Bogern.

Nürnberg, 16. September. (Pttvattele- firamm.) In einer Beamten-Massenvcrsamm- lung wurde gestern die nachstehende Entschlie­ßung angenommen: Die in den letzten Monaten zugestandenca Teuerungszulagen bringen für die Gehälter der Beamten keinen Ausgleich zwi­lchen der Geldentwertung u. der PreiS- steigerung. Wir verlangen: 1. Gewährung einer sofortigen auskömmlichen imb gleichen Entschuldungssumme und Winterbe. fchaffungsbeihilfe für alle Beamten und Beamtenanwärter: 2. felhständige Anpaf- funa der Gehälter an die entwetteten Zah- limgsmittel; 3. ausreiche,»den Ersatz für die schwere Last, die das neue Reichsmieten- gefetz der LRrtschast der Großstadt-Bemnten aufettegt. sowie eine Steuerreform, nach welcher die Einkammenverhälttriffe der prodtck- tiven Erwerbsstände des Landes einschließlich der Bodenrenten «ach dem Goldwert ohne jegliche Verzögerung erficht werde».

Das Einfuhrverbot für Genutzmittel.

Berlin. 16. September. (Privattelegramm.) In den nächsten Tagen wird eine Verordnung deS Reichsministers für Ernährung und Land- wirttchaft erfrfeincv, die mit Rücksicht auf die un­günstige Wirtsclsaftslage des Inlandes die Ein­fuhr einer Reihe weiterer entbehrlicher Lebens- und CienuBmittet f»errett wird. Es handelt sich dabei um die nachbenann- ten Gegenstände: getrocknete Datteln, Austern, Seeschildkröten. Seekrebfe und Seemufcheln, Schnecken und Schildkröten, Frofchkeulen, Zuk- kerwerk und sonstige Zttckerwaren. Früchte mit Branntwein »»bereitet oder in Branntwein ein­gelegt, feine Tafeläpfel, Tafelbirnen, Tafelobst.

Die Schatzwechsel-Garantte.

Der VreichsbaukprSfident verhaubekt.

(Eigener Drahchericht.

London, 16. September.

liebet das Ziel der gestern in London vom Reichsbankpräfidenten Havenstein geftsihrten Ver­handlungen wird bekannt, baß es fick, entgegen den bisherigen Informationen, nicht darum handelt, eine direkte Garantie der Bank von Eng­land für die deutschen Schatzwechsel zu erhalten. Es scheint vielmehr die solgende Lösung in Aus­

sicht genommen zu sein: Die von der deutschen Re­gierung an Belgien zu übergebenden Dchatzwech- sel werden von der Reichsbank gezeich­net, die Reichsbank wünscht aber, falls sie aus ihrer Unterschrift in Anspruch genommen werden sollte, bei der Bank von England Dek- k u n g zu finden in der Weife, daß diefe sich ge­gen neue SichcrheitShinterlegung von Gold oder Goldwerten verpflichten würde, der Reichsbank einen Kredit bis zur Höhe von zwei Dritteln der von der Reichsbank aufzubringenden Mittel zur Verfügung zu stellen, die. »rr ersten Hälfte in sechs Mon-ttell, zur anderen in weiteren sechs Monaten zurückzuzahlen wären? Im Falle des Scheiterns der Verhandlungen bleibt die Mög- lichkett, diese TranSaktton mit einer anderen Bank im neutralen Ausland zu machen.

* * *

Dr. Wirth ist wieSer^opiimistisch.

Berlin, 16. September. (Privattelegramm ) Bor der Abreise des Reichsbankpräfidenten Ha- venstrin nach London hat sich das ReichSkabinett für die Kompromißvorschläge Eng­lands tm deutsch-belgischen Konflikt erklärt. In einer gestrigen Aussprache des Reichskanz­lers mit Zentrumsabgeordneten zeigte Dr. Wirth w ieder Optimismus. Reichsbankpräsident Havenflein wird spätestens am Dienstag aus London zurückkehren. Der deutsche Geschäfts­träger in Brüssel hat dem belgischen Außen- Ministerium die baldige Antwort der ReichS- regierung über die Garantiefrage angekündigt.

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Wan hofft weiter

Brüssel, 16. September. (Eigene Draht- Meldung.) Man hofft hier weiter auf eine fried­liche Lösung der Schwierigkeiten mit Deutsch­land. Im Mittelpunkt steht immer noch die Frage der Verlängerung der Laufftisten für die Schatzwechsel. Wahrscheinlich ist die Ausfassunq richtig, daß eS der Wunsch Belgiens ist, möglich schnell Barmittel in die Hand zn he- konnncn. Reuter teilt mit, daß Bradbury in dieser Woche nach London zurückkehrt.

Der Krieg im Osten.

3m brennenden Smyrna.

(Eigene Drahtmeldung.)

Wien. 16. September.

Der türkische Oberbefehlshaber in Smyrna hat die Wiedervereinigung Smyrnas und deS ganzen anatolischen Küstengebiets mit der Türkei proklamiert. Durch den in Smyrna ausgebrochenen Brand wurden die Konsulate und andere öfftntliche Gebäude ver­nichtet. Amerikanische und alliierte Arrft- Tiftfte wurden gelandet, waren aber nicht im­stande, die weitere Ausbreitung des Brandes zu verhindern. Der Materialschaden euro­päischer und amerikanischer Firmen wird aI-3 sehr bedeutend betrachtet. Große Warenmen ­gen wurden vernichtet, darunter aud> die von der amerikanischen Hilsskommisfion ange- st-mmelten Lebensmirtelvorräte. Die H u ng e r s- not breitet sich in der Stadt aus. Auch einige D ö r f e r in der Umgebung von Smyrna wur­den ein Raub der Flammen.

* *

Die Einmischung drr Alliierten.

London, 16. September. (Eigene Draht- meldung.) Die britifd)e Regierung beschloß, ge­meinsam mit Frankreich vorzugehen. Die Alli­ierten werden Verstärkungen in die neu­trale Zone senden, falls ein Angriff der türki­schen Truppen droht. Der alliierten Flotte wnrde Anweisung gegeben, daß keine türki­schen Truppen nach Europa herüberkom- men dürfen und daß Transportschiffe für diesen Zweck xusammengezogen werden. Angesichts der Sorge, mit der Serbien und Rumänien die Aus­sichten auf eine Rückkehr der Türken nach Thra­zien beobachten, war das btttifche Kabinett der Meinung, daß bald eine Konferenz zur Be­sprechung der Friedensbedingungen abgehalten werden soll, zu der nicht nur die Alliierten und die Kriegführenden, sondern auch Rumänien und Jugoslawien erscheinen sollen.

Griechenlands Niederlage.

Wien, 16. September. (Eigene Drahtmel- dung.) Aus Athen wird berichtet: Der Aus­schuß der Kammer nahm am Donnerstag einen vertraulichen Bericht des neuen Ministerpräsi­denten über die Lage in Kleinasien entgegen. ES wurde die sofortige Beendigung des Krieges beschlossen. Die früher geplanten griechischen Friedensbedingungen wurden fallen gelassen. Nach einer weiteren Meldung aus Athen belaufen sich die Kosten des verunglück­ten Feldzuges einschließlich der in den letzten Augustragen bewilligten Kredite aus zweiund- zwanzig Milliarden Drachmen.

polizeilicher Schutz.

Die Umformung der Kasseler Pottz-i.

Die Smfotmung de, <p»u»eiorganis-r«io», bte deo» D-aagen der enteiste entspringt, hat das reLhasteste Znterege der Bnrgrri<tzaft geWedtt uu6 bereits »u der gestern gemeldeten dem», »ratiichen Entschliehnng geführt.

hat sich auch der Vürgerdund damit beschilftigt.

In der nächsten Zeit stehen umfangreiche Aen- deruntzen im Polizeidienst der Stadt Kassel be­vor. Nicht nur, daß am 1. Oktober die Einfüh- rung der Neichskriminalpolizei eine Umformung des kriminellen Dienstes erfordert, auch die so­genannte Exekutive erfahrt eine Umwandlung. Die frühere blaue Polizei stand unter der Lei­tung eines Polizeiinspektors, dem unmittelbar die über die Stadt »erteilten Reviere unterstan­den, deren Vorsteher wiederum war ein Polizei- krmmissar mit einem Wachtmeister zur Seite. Del Tiettst der Schutzleute wurde von dem Revier- kcmmiflar geleitet. Jetzt versieht die nod) grün uniformierte Schutzpolizei den Straßenaufirchts- dienst. Von den Revierhauptmannschasten sind jedem der acht Reviere einige Beamte zugeteilt worden, die sich auf drei Schichten verteilen. Die Beamten drr V erw a lt u ng s exekntive versehen ihren Dienst in Zivil. Sie entstammen der alten Schutzmannschast. Ihnen unterstehen Meldewesen, Ermittelungen? Kontrolle der Ge­werbebetriebe uftt>. So arbeiten jetzt zwet Exekutivvo li z eien nebeneinander: Schutz- polizei und Verwaltungspolizei. Das Endziel bet Umformung der Polizei ist nach einer Verord­nung des Ministers des Innern die Vereinigung der beiden Polizeien zu einer einheitlichen uni- formierten Polizei unter Fortfall her jetzigen Verwaltungspolizei - Inspektion. Die Kasseler Schutzpolizei würde dann einem in zwei Inspek­tionen eingeteilten Kommando unterstehen, und die Inspektionen toiebenem bestehen ans einer Anzahl Reviere und einer Rescrveabteilung, der sogenannten Bereitschaft. In den Revieren tritt dann int großen und ganzen wieder die alte Einrichtung in Straft. Bis zur Umformung In biefem Sinne wird beabsichtigt, eine Heber« gangSorganisation mit Wirknng bis 1. Avril 1925 zu schaffen. Kommando der Schutz­polizei und Verwalttingspolizeiinsvektionen blei­ben nebeneinander bestehen, ebenso die Eintei­lung der Schutzpolizei in zwei Abteilungen. ES v.ird eine zweite Revierhauvtmcmnfchaft gebil­det. Jeder derselben werden vier Reviere zu- ä et eilt. In Aussicht genommen ist auch eine Vermehrung der Reviere mit stärkerer Besetzung. Der Dienst der den Revieren zugeteilten Beam­ten soll aber nicht von den Reviervorstehern, vor. wiegend ehemaligen Polizeikommissaren, sondern von den Polizeihauptmannschaften geregelt werben.

Stellungnahme der Bürgerschaft.

Wie wir erfahren, hat der Büraerbnnd Kassels eine Eingabe an den preußischen Minister deS Innern gerichtet, in der zunächst bemängelt wird, daß die Bürgettchast in den zuständigen Revie­ren nicht jederzeit Schutz findet, weil dem Re« tiervorsteher nicht ständig uniformierte Beamte zur Verfügung stehen. Die Außenbezirke des ausgedehnten Stadtbereichs entbehren fast jeden polizeilichen Schutzes. Vor Monaten schon wurde vorn Polizeipräsidium eine erhebliche Verstär­kung der Revierbefetzungen angekündigt; bis jetzt ist nichts geschehen. Weiter wird an dem beab- sicbttften Hebergangs-Plan das Fehlen einer ein­heitlichen Defehlsgewalt in den Revieren bemän­gelt. Der Vorzug der bisherigen Reviervottteher genaueste Kenntnis seines Reviers, dadurch bewirfte individuelle Arbeit mit dem Publikum, zweckentsvrechenber, je nach Bedarf sparsamer oder reichlicher Krästeeinsatz usw. geht da­durch verloren. Nur ein mit den örtlichen Ver­hältnissen völlig vertrauter übergeordneter Be­amter kann die unteren Beamten mit den für die tägliche Praxis unbedingt notwendigen, bis ins Kleinste gehenden Anweifungen und Belehrun­gen vettehen. Die Eingabe vertritt die Hefter« -eugung, daß ein allen Bedürfnissen der BLrger- taaft gerecht werdender Polizeibetrieft nur mög­lich ist, wenn die den Sttaßeudienst versebenden Beamten, fo wie früher es gewesen, den Revier. Vorstehern voll und ganz unterstellt und von die- fen unterwiesen, angesetzt und kontrolliert Wer­ben. Die Bürgerschaft lege größten Wert auf die Wiederherstellung einer gewissen, jetzt fehlenden Bodenständigkeit der Erek'.-tivbcamten unb Lei­tung durch die im Polizeidienst groß geworde­nen alten Polizeikonmnssare. Der Minister Wirb schließlich gebeten, für schleunige Schaffung einer eckeutsprechenden Revierpolizei einzutreten. Der Bürgerbimd ist bereits beim Obervräsidenten Dr. Schwander dieserhalb vorstellig geworben.

Reue Mittelstandsgesahr.

Die Sansumverein- gegen ben Kleinhandel.

Das Präsidium des Reichsbürgerrates in Berlin hat an olle Landesvurgerräte folgendes .Rundschreiben gerichtet: Die sozialistischen Kon-

ßf umvereine versuchen, sich über die jetzige geld-