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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Nummer 217.

Fernsprecher W1 und 952

Sonnabend, 16. September 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Neue Hoffnung ans Zahlungsaufschub.

Der Orienttrieg.

Englisch-französische Auseinandersetzung?

Ter Verlaus der Ereignisse in Klein-Asien kommt einer schweren militärischen Niederlage Englands gleich. Darüber ist gar kein Zweifel. Aber es ist geradezu ein Musterbeispiel für Die Regie der englischen Diplomatie, wie sie sich jetzt so rasch als möglich auf den .Boden der Tatsachen* zu stellen sucht und es einer ferneren Entwicklung überläßt, auf welche Weise und mit welchen Mitteln die geschaffene Lage wieder um­gestürzt werden könnte. Den Vertrag von Sevres haben die Türken durch den erfolgreichen Kampf mit den Griechen zerriffen, aber ob sie sich mit einer Kriegserklärung an England her­vorwagen werden, wird man füglich bezwei­feln können, wenn «ich die türkische Presse den Krieg fordert, falls die Dardanellen nicht frei- gegeben würden, und pomphaft versichert, daß die Türkei denAllliierten mit der S p i t- ze des Bajonetts ben Frieden dik­tieren würde. Wenn Mustapha Kemal von seinen Friedensbedingungen, Räumung ganz Kleinasiens durch die Griechen, Rückgabe Thraziens und Wiederaufrichtnng der türkischen Hoheit in Konstantinopel und den Dardanellen, die beiden ersten restlos durchsetzt, wird er sich am Ende mit dieser Errungenschaft begnügen müssen. Denn die Londoner Presse läßt keinen Zweifel darüber, daß England entschlossen ist, an der Vorherrschaft in Konstantronpel und vor allem an der Schlüsselgewalt über die Dardanellen fest- zichalten, mit der es nicht nur seinen Weg nach Indien, sondern zugleich sein neuerdinc-s ernstlich bedrohte- Ansehen in der mohammeda­nischen Welt verteidigt. Das durch die Siege der Kemalisten stark gelockert worden ist, wie ja die Erfolge Angoras nicht nur in den Regionen der früheren Türkei, sondern auch in Egypten, jn Indien und vor allem auch in Mesopotamien mit Begeisterung begrüßt worden sind.

Mit einem Vorstoß auf Mesopotamien droht denn auch Kemal Pascha ganz besonders, falls das Kabinett in London nicht feine Frie- densbedingungen akzeptiere; aber wenn auch Frankreich die Türken mit Geld, Waffen und Munitton reichlich versehen hat, so genügen doch die Hilfsmittel Kemals sicherlich nicht, um als Befteier nach Konstantinopel zu ziehen, wo man die englische Flotte erheblich verstärtt bat und auch sonst über etliche Abwehrniaßregeln verfügt. Es kommt hinzu, daß die Franzosen, so sehr sie sich über die gttechischen Niederlagen freuten, die für sie Niederlagen Lloyd Georges waren, doch sichtlich Bedenken tragen, den Bogen zu Überspannen, sobald der Pfeil sich, wie es jetzt der Fall ist, dirett oder indirc-kt gegen die Engländer richtet. Zweifellos find von London aus sehr ernstc Vorstellungen nach Paris gerich­tet worden, wobei man sichtlich darauf hinwieS, baß man noch Trümpfe in der Hand habe. Je­denfalls ist in den letzten Tagen ein gewisser iStimmungsumschwung in Paris einzetreten, und so kann die .TimeS" melden, daß die alliier­ten Kommissare in Konstantinopel der Angora- Regierung den Beschluß mitgeteilt haben, wo­nach die Alliierten unter keinen Umständen ir- gend eine Verletzung der neutralen Zone, die den Bosporus und di« Dardanellen einschließt, durch die kemalistische Armee dulden würden. Die Gefahr der Orientwirren ist jetzt noch da­durch vergrößert worden, daß möglicherweise auch die B a l k a n l ä n d e r in den Krieg mit hinein gezogen werden Sie wollen der türkischen Forderung, daß Thrazien an die Türken zurück- gegeben werden müsse, nicht zustimmen, weil fie die Wiederkehr der Türkenherrschaft auf euro­päischem Gebiet verhindern! wollen. Die Türken bestehen aber vorläufig fest auf ihrer Bedingung.

Wie beglückt man auch in Frankreich über die starke morÄische Schlappe ist. welche die wieder­erwachende Türkei dem britischen Prestige zuge- sügt hat, so ist Poinears bei allem Starrsinn doch immerhin zu sehr Politiker, um di« E n t e n t e, die er bis auf weitere? braucht, schon jetzt zum alten Ersen zu werfen. Jn London aber hat man wobl keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Fortführung der Unterstütznug Kemals den Bruck» bedeuten würde. Es kommen für die französische Politik noch weitere Erwägungen hinzu. Einmal die Alliance zwilchen dem Ke­malismus und dem rrrssischen Bosschewismus welche die Franzosen schon mit Rücksicht auf den polnischen Schützling zu einiger Zurückhaltung zwingt. Vor allem aber dürste den französischen Polftikern auch diesmal wieder das Geschäft über das Vergnügen geben, und es ist leider zir befürchten, daß Lloyd George zmn Schluß das Geschäft mitmachen würde. Die Gefahr ist sebr nabe gerückt, daß Frankreich sich mit England über die Drientfrage auf Kosten Deutsch- lands verständiat. Möalicherweife ist in dem neueren Vorgehen der belgischen Regierung, in der Forderung der Ausstellung von Schatz- f rb e i n en für die am 15. August und am 1'

September fälligen Zahlungen mit Sicherstel­lung durch ein Golddepot schon ein Ausfluß die­ser Politik zu erblicken. Auf der anderen Seite sollte freilich di« erfolgreiche Erhebung der Tür­kei gegen den Ssvres-Vertrag eine Warnung für die Alliierten bedeuten und fie daran gemah­nen, daß auch das Machwerk von Ver­sailles, schon gelockert und unterminiert, reif für den Abbau ist. für die Revision, die allein der Katastrophe Europas vorbeugen könnte. Br. -st.

LLm Deutschlands Zahlungen

Aussicht auf Verständigung?

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin. 15. September.

Aus Paris wird gemeldet: Die Bespre­chungen des nach Paris entsandten deutschen Unterhändlers Bergmann mit Mitgliedern der Reparationskommission dauern an. Der offizielle Bertteter Amerikas in der Kommission, Robert Boyden, zu de« Bergmann in alter guter persönlicher Beziehung steht, soll dabei eine gewisse Rolle spielen. Wie schon aus dem ver- hältnismätzig ruhigen Ton der Pariser Presse zu schließen war. find diese Besprechungen Berg­manns ans einen Punkt gelangt, wo man von einer Aussicht auf Verständigung mit Belgien sprechen kann. Es scheint, daß mit Zu­stimmung der Reparattonskommission eine ein­malige Verlängerung der deutschen Schatzwechsel um sechs Monate, also im ganzen auf eine zwölf­monatige Laufzeit zugeftanden wird. Unverkenn- bar scheint die französische Industrie und auch die Finanzwelt mehr Einfluß auf die Politik zu erhalten, die sich mehr im Sinne einer Korporation der deutschen Industrie ein» lassen möchte. Dazu mag das stärkere Abbröckeln des Franken-Kurses und der französischen Esfek- tenkurse mit beitragen, das auf einen Druck der englischen und amerikanischen Finanzen zurück- gefiihrt werden muß. Eine starke Wirkung üben aber sicher auch das Stinn es - Luder sae - und das Urguhart-Krasfin-Abkommen auS.

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SlnigungöwülrfHe.

Brüssel, 15. September. (Eigene Draht­meldung.) In Brüssel besteht der Wuusch, zu einer Verständigung zu gelangen, um die Zurückverweisung der Angelegenheit an die Wiedergutmachungskommission zu vermeiden. Libre Belgique" stellt ausdrücklich fest, daß die deutschen Vorschläge bis auf die Berlängerung der Laufzeit der Wechsel den Wünschen der bel­gischen Unterhändler durchaus entsprächen. Auch in der Reparationskommission ist die Bereitschaft zu einer ordentlichen Rege­lung der heiklen Lage vorhanden. Die Auffas­sung gut unterrichteter Kreise geht dahin, daß, wenn die Reparations-Kommission sich mit der deutschen Regierung einige, Frankreich kaum noch etwas unternehmen werde, was die Situ- atton aufs neue komplizieren würde.

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Angeblicher ^Zahlungsaufschub.

Paris» 15. September. (Eigene Drahttnel- bnng.) DerPetit Puristen" berichtet, daß man in Pariser polittschcn Kreisen auf Grund engli­scher Meldungen bchaflptet. daß ein Resultat in der Wiedergutmachungöfrage zwischen Belgien und Deutschland bereits erreicht fei. Die Wieder- gutmachungIkommission würde einen Zah - lungsaufschub von einem Jahre zu- geftehen und eine englisch-holländische Finanz­gruppe würde eingreifen, um der belgischen Ra- tionalbank die geforderten Garantien zu bieten.

Kabinettsfitzimg in Berlin.

Besprechung der Reparationsfrage.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 15. September.

Die belgische Regierung hat dem deutschen Geschäststtäger in Brüssel gestern nachmittag die von dem belgischen Minister des Innern, Jasper, gezeichnete Note, worin die Schatzscheine und das Golddepot gefordert wird, fibemittelt Das Reichskabinett hat sofort nach Eingang der Rote sich mit der Angelegenheit beschäftigt. Schon jetzt kann gesagt werden, daß die deutsche Regierung die Hinterlegung der hundett Millionen Goldmark an eine belgische Bank ableh- nen wird. TaS Kabinett hat den Rcichsbank- präfidenten Haveustein zu Verhandlungen mit der Bank von England gestern nach London gesandt Die Verhandlungen sollen sich auf die Frage beziehen, ob die bereits mehrfach erwogene Beteiligung englischer Banken zur Leistung einer Garantie für die deutschen Schatz- trtpdMVr rrJWerf Mr«.

Die belgische Note wird vor dem Abschluß dieser Verhandlungen in London nicht beantwortet

pomcarvS Schwierigkeiten.

Gegnerschaft von links und recht«.

(Eigene Drahtmelduna.l

Paris, 15. September.

Einige Blätter geben das in politischen Krei­sen bereits schon seit einigen Tagen kursierende Gerücht wieder, wonach PoincarS beabsichtige, sein Kabinett zu einem Ministerium der Nationalen Koalition zu erweitern. Wenn solche Absichten tatsächlich bestehen sollten, so dürfte das in erster Linie auf die wachsende Gegnerschaft zurückzuführen fein, die dem französischen Präsidenten nicht nur von der Linken, sondern seit dem 31. August auch von den der französischen Schwerindustrie nahe stehenden Kreisen gemacht wird. Mit den letzte­ren hat er es völlig verdorben, als er durch die Annahme der Entscheidung der Reparaiions- kommission die Hoffnung auf eine Besetzung des Ruhrgebiets zu Nichte machte.

Frankreichs Forderungen.

Paris, 15. September. (Eigene Draht­meldung) Die Reparationsftage einschließlich der belgisch-deutschen Verhandlungen bildete einen Hauptpunkt des gestern tagenden Mini- sterrateS. P o i n e a r 4 hält daran fest, daß ihm eine Einflußnahme auf die dentschbe l- gischen Verhandlungen zuftehe, da es von den dentsch-belgischen Verhandlungen ab­hänge, ob, wann und mit welchem Erfolg Frank­reich mit seinen Zahlungen und Garantieansprü­chen an Deutschland an die Reihe kommt.

Der Krieg im Orient

Smyrna steht in Flammen.

(Eigener Drahtbericht.)

Rom, 15. September.

Ein Funkspruch der italienischen Kriegsschiffe vor Smyrna meldet, daß die ganze Stadt in Flammen steht. Die italienische Regie­rung entsandte mehrere Dampfer mit Lebens­mitteln und Medikamenten von Neapel nach Smyrna. Ferner sind alle zur Zeit im Mittel- meer erreichbaren italienischen Schisse zur Aus­nahme von italienischen Kolonisten «A>s Smyrna beordert worden. Nach einem Telrgamm des Giornale d'Jtaliea" haben die Truppt n Kemals den Brand angelegt als Rache für die Zerstörung von Asium Kara Hissa durch die Griechen. Der herrschende Südwind jagte das Feuer nach dem Rordviettel der Stadt, sodaß das Feuer nicht mehr zu löschen ist. Die Schiffe müssen vom Lande «drücken, um nicht in Gefahr zu geraten. DerPetit Parifien" meldet auS London: Die englische Presse erhätt Telegramme aus Athen, nach denen die Türken bei ihrem Ein­zug in Smyrna große Metzeleien unter den Armeniern und Griechen vorgenommen haben.

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Wettere Kriegsmaßnahmen.

Rom» 15. September. (Eigener Drahtbe­richt.) Der(Sortiere della Sera" meldet aus Konstantinopel: Die Befestigung der Stadt Konstantinopel und die Forts am Mar- mara-Meer wurden in Verteidigungszustand versetzt. Die Eisenbahnbrücke über den Bospo­rus nach Skutari ist durch schwere Geschütze und Maschinengewehre gesichert. DieTribn- na" meldet aus Konstantinopel: Die kemalisti- schen Trupven standen am Mittwoch ftüh bei Jsmy. Sie haben damit die Bahnlinie nach Konstantinopel erreicht. Alliierte Kriegs­schiffe haben Truppen znm Schutze der Bahnlinie Jsmy-Konstantinopel gelandet.

Im besetzten Gebiet.

Luter dem Zwang der Fremdherrschaft.

(Privat-Lelegramm.)

Köln, IS. Sept.

Der deutsche Kommissar Mr die besetzten biete hatte gegen das Verbot von B o r t r S - gen über die Kriegsschuldfrage im be­setzten Gebiet Protest erhoben, das im April, d. Js. erlassen war. Auf Verlangen des sranzöfi. scheu Kommissars für das besetzte Gediet bleibt dieses Verbot nach rote vor bestehen. Wie dieKölnische Zeitung" mittcilt, hat der Reichskommissar für die besetzten Gebiete von der Interalliierten Rheinlandkmnmission folgen­den Bescheid erhalten:Die Rheinlandkommis­sion hat von ihrem Schreiben vom 5. Septem 6er, mit dem sie gegen das viertägige Verbot derKölnischen Zeitung" Einspruch erho­ben ,rnd eine Beschwerde des Herausgebers die­ses Blattes überreicht haben, Kenntnis oenont men Sie hat beschlossen, Ihnen mitzuteilen. daß ihr kein neuer Grund vorzuliegen scheim,

Die fremde Knute.

Gefangenen-Eleud am Rhein.

Oluf Grand des Oppelner Abkommen» t>. 15. Suu* 1922, dem bi« deutsche Regierung ihr« Suftlm- mutig gab, wurde« sectzguudzwauzig polt- tifkhe deutsche Gefangen« an« Oberschlefien von der interaUrierktN Sommigion in« besetzt« Rheinland überführt, llrver deren SchiSsat werden schreckliche Mitteilungen bekannt.

Von dem traurigen Schicksal der von den Franzosen im Rheinland gefangenen Oberschle­siern gibt der in Gleiwitz erscheinendeOber- schlesische Wanderer" einen Bericht, der zur un- geheuerlichsten Anflage gegen die französische Justizschande wird. Es mutz heworgehoben werden, daß die Oberschlesier, die von den mili- ! torischen Sondergerichten der interalliierte« Kommission seinerzeit zu schweren Zuchthaus- ftrafen verurteilt wurden, keine gemeinen Ver­brecher sind, daß die Vergehen, die sie sich als Angehörige des oberschlesischen Selbstschutzes in der Not der Abstimmungszeit und als Ver­teidiger ihrer oberschlesischen Heimat gegen die polnischen Insurgenten und die mit diesen verbündeten französischen Mi­litärs angeblich zuschulden kommen ließen, zumeist geringfügiger Natur waren, den verhängten Strafen keineswegs entsprachen und oft gar nicht bewiesen werden konnten. Als charakteristisches Beispiel sei nui ein Fall genannt, den uns der Verteidiger des An­geklagten in einem Briefe schilderte. Hier wur­de dieser im Zusammenhang mit dem Uebersall auf die Petersdorfer Schule wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz zu lebenslänglichem Zuchthaus und wegen Beihilfe zum Morde zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt, ttotzdem einwandfreie deutsche Zeugen bekundeten, daß er sich zur angegebenen Zeit bei ihnen, und zwar einhundert Kilometer vom Tm- orte entfernt, ausgehalten habe. Die deutschen Zeugen warenunglaubwürdig": das französische Gerichtglaubte" dem französischen Spitzel; und die französischeGerechtigkeit" nahm ihren Lauf. Mit Recht herrschte damals über die formelle und materielle Behandlung der Petersdorfer Angelegenheit unter den eng­lischen Mitgliedern der Interalliierten Kom­mission

allgemein die tiefste Entrüstung.

Aber die Rücksicht auf den .Bundesgenossen" war ftärker als die Pflicht der Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Hören wir, was der ,06et« schlesische Wanderer" darüber berichtet: »Die ©efangenett wurden schon auf dem Transport wie Fußbälle von den französischen Soldaten hin und her gestoßen. Jn jeder Ecke des Gefsing« nishofes stand ein Schwarzer. Im Gänse­marsch spazierten die Gefangenen im Hose her­um. Wer nickst richtigen Abstand hielt oder nach Ansicht der französischen Peiniger zu schnell oder zu langsam ging, der wurde sofort mtt Fuß­tritten ttakttert, ost in so sinnloser Wut, daß die Peiniger sich selbst überpurzelten. In einer der ersten Rächte wurden zwei von den Gefangenen von einem Gendarm-Wachtmeister, der in Begleitung von zwei Schwarzen erfchien, mit der Reitpeitsche aus dem Schlafe geweckt. Unter Zurücklassung aller übrigen Kleider mußten die beiden Delinquenten, nur mit Unterhose mrd Hemd befleidet, vier Stock heruntersteigen blS in den Keller In einer voll­kommen verdunkelten Zelle, dessen Fußboden mit Schlamm und Jauche bedeckt war, wurden die beiden vterundzwemziq Stunden lang zu- rückgehatten, ohne daß man ihnen Essen und Trinke» gewährte und ohne daß fie die Möglich­keit besaßen, sich niederzusetzen." Aber alle Deutschen geht es an. wenn man erfährt, daß die Gefangenen nmimehr in deutschen Ge­fängnissen, in die sie überführt werden, unter dem Druck der französisch-belgi­schen Aufsichtsbehörde

schlimmer behandelt werden alS Verbrecher. Das Blatt-brt fort: .Ten gemeinen Verbre­chern ist es gestattet, sich Lebensrnittel für das verdiente oder zugesandte Geld zu kaufen. Unsere Gefangenen dürfen auch die kleinste Liebesgabe nicht entgegennefimen. Di- Verbrecher dürfen in der halben Freistunde sich ungehindert unter« halten und die Beamten mit ihnen. Untere Landsleute dagegen müssen im Gänsemarsch hin­tereinander gehen, dürfen kein Wort spre­chen, sich auch feine Zeichen geben. Die Ver­brecher werden zur Arbeit außerkftckb des Ge­fängnisses oder in den Sälen, wo iS-er viele zu« sammensitzen. herangeiogen. Die Cberfdftefirf aber falzen in ihren Einzelzell-n Tag um Tag Briefumschläge. Eine geistichötender? Arbeit kann man sich wohl kaum denken. In den ersten Tagen war es nicht aeftattet, einen Brief zu schreiben, »der einen Bries zu lesen. Selbst der Kirckaang war ihnen entlegen. Die Zellen sind mit Steinfliesen beleat. Die Folgen find rheu­matische Erkrankungen, besonders der Füße. Jeder Verstoß gegen die Hausordnung

J a *' «1« ! 4- C*f rn- T« A*4v<v'ti -fC-»V* «