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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 216

Freitag, 15. September 1922.

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Kein Ende der Teuerung?

türki-

Kr.

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Prämieusyfiem

tat über die abgetrcnnten Gebiete des schen BoWstammes wieder hcrzustellen.

Große türkische Truppenmassen halten sich an dieser Bahnstrecke zum Abtraiksport nach Kon­stantinopel bereit. Neuerdings ist die Ge­neralmobilisierung aller Türken im Alter von achtzehn bis sechsuUdvierzig Jahren »»geordnet worden, um die türkische Souveräni-

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Schon jetzt geht Hand in Hand mit der Erneue­rung der Häuser auch eine Auffrischung der Fronten. Jedenfalls sollen jetzt trotz aller Zeit­nöte die alten Häuserblocks der Altstadt wieder hergestellt werden, wie sie früher waren.

Kundgebungen in Manchen.

München, 14. September. (Privat - Tele­gramm.) In der Lokomotivfabrik Kraus u. Co. in München kam es zu einer Teuerungs-Demon- tration der Arbeiter, die, einer Mitteilung der Polizeidirektion zufolge, die sofortige Aus­zahlung eines großen Geldbetrages als Teue­rungszulage forderte. Da die Arbeiterschaft der Werklritung gegenüber eine drohende Hal- t u n g einnahm, wurden mehrere Polizeibeamte in Zivil zur Beruhigung der Arbeiterschaft ab­geordnet. Dabei kam es zu A u S s ch r e i t u n - g e n, in deren Verlauf ein Polizeibeamter durch Schläge ins Gesicht schwer verletzt wurde. Bei dieser Gelegenheit warnt die Polizei- direktion die Arbeiter ausdrücklich vor dem Versuch, Lohnforderungen durch tumultartige Zusammenrottungen durchzusetzen.

Jnf«rtionSprrss«r a> Einheimisch« Aufträge: Die einspaMg« «nzrigrnzril- M. 8., bi« einspaltig« Rellamezeil« M. 24,. b) Auswärtig« Aufträge: Die einspaMg« Anzeigen»«»- M, 8., die einspaltige Reklame,eil- M. 21., alles einfchlteßüch TsuerungSzuschlag und Anzeigensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für di« Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Antigen, sowie für Ausnahme- baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht- hofstrab« 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nummer 951 und 952.

Wohnungsnot und Wohnungsfürsorge.

In seinem gestrigen Vorttag innerhalb be$ Rahmens der Rentner-Tagung im Realgymna­sium gab Wohnungsinspeftor Brehme nicht allein einen Ueberblick über die Wohnungsver­hältnisse der Stadt Kassel im allgemeinen und über die Tätigkeit des Wohnungsamtes, son­dern vor allem auch über die Wohnungsfürsor­gen im weiteren und engeren Sinne, im weite­ren, soweit Neubau, im engeren als Erhaltung des alten Wohnungsstandes in Betracht kommt. Dabei gab er die Versicherung: Die Stadt Kas­sel hat geleistet, was zu tun nur irgend mög­lich war. Die allgemeine Finanzlage vermehrt die Schwierigkeiten. Einzig die vielbefehdete Wohnungsbau-Abgabe gibt jetzt noch Mittel an die Hand. Eine Erhöhung die­ser Abgabe, erklärte der Wohnungsinspektor, wird sich nicht umgehen lassen! Selbstver­ständlich werde auf Kleinrentner und andere Minderbemittelte besondere Rücksicht zp nehmen sein. Notwendig ist in erster Linie eine Ein­schränkung des Wohnungsbedürf­nisses. Es liege im Interesse der alten Herrschaften selbst, nach Norden gelegene und deshalb sonnenarme Wohnungen gegen kleinere, aber nach Süden liegende und daher sonnige Wohnraume zu wuschen In die verlassenen Wohnungen kämen dann jüngere Leute, die sich me^r als die" Alten im Freien bewegen könnten. Den Umzug zahlt die Stadt, die mit dem erst- mcckig von ihr eingeführten

Eine gewaltige soziale Arbeit

ist im Entstehen. Ein alter Stadtplan von 1690 läßt erkennen, daß die Altstadt ursprünglich auS großen, nur am Rand bebauten Blöcken bestand. Don den Häusern wurden weite, mit Gärten versehene Höfe eingeschlossen. Einer späteren Bodenspekuwtton blieb es Vorbehalten, diese Höfe zu be« und verbauen. Die Wohnungen in den Vorderhäusern nüt ihren edlen und schönen Fassaden und sonstigem reichen Schmuck sind nicht schlecht. Die jeder Beschreibung spotten­den befinden sich in diesen HinterHÄisern mit allerhand Seitenflügeln, und es ist eine wahre Ironie, daß die Wohnungsinspektion in einer total verlotterten und verfallenden.Mahnung^ von fürchterlicher Enge und schrecklicher Unord­nung einen Wandspruch fand mit dem Spruch: Trautes Heim

Glück allein!

Otrue Forderungen.

Berlin, 14. September. (Privattelegramm.) Die Spitzenverbände der Beamten und Ar­beiter wollen nach Beendigung der Münche­ner Tagung des Deutschen Eifenbahnerverhandes erneut die Regierung ersuchen, noch im Laufe dieses Monats auf die jetzt gültigen Gehälter und Löhne Teuerungszuschläge zu ge­währen. Eine gestern abend in Berlin stattge­fundene Befprcchung der Spitzenverbände for­mulierte eine Reihe neuer Forderungen zur Be­kämpfung der Teuerung. Die Forderungen wer­den von einem besonderen Ausschuß bearbeitet und dem Reichskanzler am Sonntag überreicht.

Wohnungselmb.

Eine Altstadt-Sanierungs- ®. m. b. H.

Der städtische WohnunqSinspcitrr Brehm« teilt« in der gestrigen Adendverf.tmmlnng de» Kent, nertognng im Nealghmnafinm mit datz es ge­genwärtig in «astet über 8600 WobnnngSkof« gibt nnd sprach dann über einen großzügigen Plan zur Sanierung der Kasseler Altstadt. Die Sanierung der Kasseler Alt- st a d t wird durch den Dezernent des Städtischen Wohnungsamtes, Stadtrat Professor Sautter, planmäßig durchgeführt. Etwa zweihundert alte Häuser, die dem Verfall nahe waren, konnten dank reicher Mittel eines Stifters und tittt Hilfe der produktiven Erwerbslosenfürsorge wieder« hergestcllt werden. Auf diese Weise wurden 300 Wohnungen und 30 Geschäftsräume gewonnen. Die Erhaltung der Altstadt auf breite­ster Grundlage unter Beteiligung der Stadt, des Hausbesitzes und einiger Stifter soll nun in Form einer G. m. b. H. durcbgesühtt werden. Durch Zusammenarbeit von Wohnungsinspek­tion, Baupolizei und Gesundheitsamt werden schlechte Wohnungen geräumt und ihre Bewoü- ner in bessere überführt und, wo es notwendig, auch Höfe geschaffen. Die Linienführung der Altstadt bleibt bestehen, aber die traurigen Hin­tergebäude, die wir alle kennen, müssen fallen. Das bei dem Abbruch sich ergebende Baumate­rial wird anderweit wieder verwandt. Es stellt bei den heutigen Baustoffpreisen einen hohen Wert dar.

Sold-Hinterlegung.

Das neue belgische Verlangen.

Der Abbruch der deutsch-belgischen Verhand­lungen um die Ausstellung von Schatzscheinen hat eine sehr unbefriedigende Lage geschaffen. Die Börse hat daraus sofott pessimistische Folge­rungen gezogen, da sie neue Gefahren für Deutschland befürchtet. Wie stehen die Dinge »eilte? Der anfängliche Optimismus des Reichs­kanzlers ist einer gedrückten Stimmung gewi­chen. Dr. Wirth will in Urlaub reifen, nachdem die ergebnislosen Verhandlungen stark auf ihn cingewirtt haben. Mit neuen Verhandlungen ist wahrscheinlich nicht mehr zu rechnen. Rach den letzten Brüsseler Meldungen verlangt heute die belgische Regierung, daß als Garantie­rung der sechsmonatigen Schatzscheine h u n d e rt Millionen Goldmark hinterlegt werden. . Das ist eine harte Aufgabe, denn andere Garantien haben wir nichi und in sechs Monaten können wir ebenso wenig zahlen wie heute. Der Reichskanzler hat dieses Unver­mögen ausdrücklich bestätigt. Also suchen die Belgier zu holen, was zu holen ist, die Gold- Millionen der Reichsbank. Wir aber können das nicht zugeben, denn dann bricht die Mark wllends zusammen. Und dann wird eben die Reparationskommifsion die von Poincare sehn- lichst erwartete »absichtliche Verfehlung" Deutschlands feststellen können. Die französische Regierung hat dem letzten Beschluß der Repa- 'ationskommission zugestimmt, weil sie sicher war, daß wir wirkliche Garantien für die SLatz- wechfel niemals geben können. Die Kommission aber, hat sich mit ihrer Entscheidung völlig der französischen Politik ausgeliefett. Sie wird gar tzichts anderes mehr können als eine Verfehlung feftstellen. Und bann? Run, dann nimmt sich Frankreich seine Handlungsfreiheit wieder. Das heißt, es sucht sich selbst bezahlt zu 1 Machen, im Rheinland, im Ruhrgebiet, mit Staatsforften und Staatsbergwerken, mit Zöl- , len und Steuereinnahmen.

Fortschreitende Teuerung.

Telegramm an den ReichSwirkschastsminister (Privat-Telegramm.)

Berlin, 14. September.

Die ersten zehn Tage des September haben ein weiteres Steigen der Jndex- zifser gebracht. Es wurde eine Steigerung um nahezu fünfunddreißig Prozent festgestellt. Die Hannoversche Handelskammer hat an den Reichswirtschastsminister folgendes Telegramm gerichtet: Die fortschreitende Uebung einzelner Wirtschaftskreise, im Jnlandsverkehr die D e v i- sengrundlage für Rechnung und Zahlung einzuführeu, ist geeignet, die Nachfrage nach dem kleinen im Jnlande befindlichen Devisenbestände ins Ungemeffene zu steigern und die Entwertung der Mark rasend zu beschleunigen. Wir beantra­gen sofortigen Erlaß einer Verordnung, die sol­ches Vorgehdn verbietet und Zuwiderhand­lung unter Strafe stellt. Das Risiko der Devi- senzahlung fiir Einfuhr ausländischer Rohstoffe mutz vom ersten Erwerber bezw. vom Verarbei­ter getragen werden. Wir verlangen außerdem wirksame Bekämpfung der Devisenspekulation und Devisenhamsterei sowie sofortiges Verbot jeglicher Einfuhr von Luxusgegenständeu.

gen der Politik als der Kunst des Möglichen und Erreichbaren außer Acht lassen.

ttmatumspolitik der letzten Jahre hat nicht nur uns, sondern die ganze Welt und ihre Wirtschaft in Verwirrung gebracht. Die politischen Folgen tzeses für besondere Weisheit gehaltenen Vorgehens prägen sich, wie die kleinasiatischen Ereignisse zeigen, denen wohl bald Vorgänge in Afrika an die Seite zu stellen sein werden, heute schon so eindringlich auS, daß man doch meinen sollte, man würde nun endlich Einkehr halten. Es ist nichts schlimmer für ein Volk, als wenn seine Staatsmänner mit Blindheit geschlagen sind, und es bedeutet eine Katastropb? für die Menschheit, wenn diejeniigen Männer, die sich vom Schicksal als die Herrscher der Welt berufen fühlen, die elementarsten Doraussetzun-

Siellungnahme der Negierung.

Berlin, 14. September. (Privattelegramm.) Die Reichsregierung wird zu der belgischen Note erst Stellung nehmen, wenn sie in Berlin schriftlich vorliegt. Man erwartet, daß beute diese belgische Rote im Auswärtigen Amte eingehen wird. Tas Kabinett wird sich dann so­fort mit dieser Entscheidung befassen. Zu der Forderung nach Hinterlegung einer be­stimmten Goldsumme in der belgischen Na­tionalbank wird erneut an amtlicher Stelle ver­sichert, daß dieses Verlangen für die deutsche Re­gierung völlig undiSkutabel sei. Es trifft nicht zu, daß, wie einige Morgenblätter berich­ten, zwifchen den Staatssekretären Fischer und Bergmann einerseits und der Reparations-Kom­mission andererseits bereits Verhandlungen ge­führt werden. Die beiden Herren halten sich vorläufig in der ftanzösischen Hauptstadt nur auf, um der Reparationskommifsion jcderzctt zwecks Auskünftserteilung zur Verfügung zu stehen.

Antrag auf (Einberufung des Reichstags.

Berlin, 14. September. (Privattelegramm.) Beim Reichstagspräsidenten Locbe ist gestern ein A n t r a g der rechtsstehenden Parteien auf fofor- tige Einberufung des Reichstages ein­gegangen. Die Einberufung sei notwendig, da­mit die Vertreter des deutschen Volkes z« den deutsch-belgischen Verhandlungen Stellung neh­men können. Rcichstagspräsident Locbe hat den Antragstellern, unter denen sich auch Dr. Hclffe- rich befindet, bis gefreut abend noch keinen Bc- fcheid auf ihre Anregung zugehen lassen.

gute Erfolge erzielt hat. Damit hat sie bisher gegen 300 Wohnungen gewonnen, lieber flüssige Möbel werden auf Kosten der Stadt in deren Möbelmagazin, einem ehemaligen Kornspeicher der Heeresverwaltung, ausbewahrt. Sie sind gegen Feuer und Einbruch versichert. Dort sic­hen bereits Möbel von 50 Hau^altuugeu. Bet . demnächstige» weiteren Steigen der Mieten und damit der Nebenkosten sollte jeder Kleinrentner ton dieser Umlegung Gebrauch machen. Di« Wohnungsnot in Kassel ist sehr groß. Gegen-' wärtig sind über 8000 Wobnungslofe eingetra­gen. Davon stehen über 3000 auf der Dringt fichkeitsliste. Hunderte von jungen Haushaltun­gen sind gezwungen, ihr Dasein in ei n e m Lim-

Ob über die neueste Forderung der Goldhin­terlegung nun die Belgier allein entschieden, de­nen der Wortlaut des Beschlusses der Repara- tionskommisston die Möglichkeit läßt, Deutsch­land ohne vorheriges Einvernehmen mit den Verbündeten zur Abgabe eines berartiflen Gold­depots aufzufordern, ist nicht bekannt. Offenbar hat aber doch die belgische Regierung vorher mit den übrigen Mitgliedern der Reparationskom-- nission Whlung genommen. Die beiden belgischen Unterhändler haben bei ihren Berliner Ver­handlungen ausdrücklich anerkannt, daß die beut, jche Reichsregierung alles anfgebo- ren haben, um bte Garantiefrage in einer befrie­digenden Weise zu lösen. Augenscheinlich waren aber wieder Einflüsse am Werk, die eine ruhige und geschäftsmäßige Beurteilung und Behand- Glung dieser Frage beeinttächttgt haben.

Während bei den ersten deutsch-bÄgischen Beratungen mau fast allgemein erkannte, daß es wirtschaftlich zweckmäßig und vernünftiger wä­re, nicht über die einzelnen Fälligkeitstermine, sondern über die gesamte Schuldsumme und ihre Deckung sich klar zu werden, hat nun jetzt auf die äußeren Einwirkungen hin die Tendenz wie­her obgewaltet, nur die ersten beiden Raten einer (Erörterung und Entscheidung zu unter« ziehen. Es handelt sich dabei um den bereits verflossenen Termin des 15. August und um den jetzigen Termin des 15. September, an denen je fünfzig Millionen Gsldmark zu begleichen ge­wesen wären. Wie die letzten Pariser Telegram­me Mitteilen, hat Belgien an die deutsche Reichs­regierung die Aufforderung gerichtet, diese hundert Millionen Goldmark an die Brüsseler Staatsbank als Golddepot zu überführen, wo­für dann Deutschland über diesen Betrag lau­tende sechsmonatige Schatzwechsel gegeben wer­den sollen .

Eine berartige Lösung würbe einer stückwei­sen Amputation gleichkommen. Die b e u t f <6 e Wirtschaft würbe, wenn es wahr ist, was in ber französischen Presse zu losen ist, baß näm­lich diese Forderung ultimativ an die deut­sche Reichsrcgierung gerichtet werben soll, einen neuen Absturz erleben, bei sie in Höllen­tiefe schleudern könnte. Schon in den unmittel­baren Verhandlungen hatten die Vertreter ber Rcicksregierung erklärt, baß bie Herausgabe bes Golbbepots.gerabe mit Rücksicht auf bie deut­sche Währung nicht in Bettacht komme, ganz abgesehen davon, daß bas Reichsbankaold beute Privatbesitz ist. Die Entente hat es ja selbst dazu gemacht, indem sie Unabhängigkeit und Selbständigkeit ber Reichsbank ber Regie­rung gegenüber gesetzlich festgelegt wissen wollte, was ja auch gefchab.

Der Reichskanzler hat bei Gelegenheit des Empfanges der Oberschwester fckwn darauf hinge- wiesen, daß auch diesmal wieder bie ökonomi­schen Erwägungen gegenüber ben politischen in ben Vordergrunb getreten finb. Darin liegt das Verhängnis. Die Diktatur- unb UI«

Der Krieg in Kleinasien.

Vorläufige Beendigung des Kampfes.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 14. September.

DerJntransigeant" meldet aus Konstanti­nopel, daß die türkische Regierung auf das griechische Waffenstillstands«Ersuchen noch nicht geantwortet hat und auch noch nicht so schnell darauf eingehen wird. Man hat hier allen Anlaß zu glauben, daß bie" Regierung von Angora verfuchen wird, Griechenland äußerst strenge Waffenstillstands-Bedingungen aufzuer­legen. Di; Nationalversammlung in Angora hat die Kämpfe in Kleinasien vorläufig für be­endet erklärt, nachdem die kemalistifchen Truppen an der Bahn Bruffa-Sonstanttnopel stehe«.

Die Griechen bleiben noch fest.

Berlin, 14. September. (Privattelegramm.) Die griechische Gefandtsck-ast in Berlin demen- tiert auf Anfrage alle Meldungen von einer be­reits angeordneten Demobilmachung des griechi- fcheu Heeres und teilt mit, daß bk griechische Regierung die Einberufung deS Jahr­ganges 1922 ausgeschrieben habe. Der frühere griechische Außenminister Dr. Streit, griechischer Delegierter auf der Bölkerbundstagung. erflärte einem Vertreter derChicago Tribüne", König Konstantin werde nicht abdanken. Das griechische Volk tadelt den König wegen des Ver­lustes von Smyrna nicht, denn König Konstan­tin habe nur die Politik fortgesetzt, die Venize- los in kleinem Sinne eingeleitet hat.

tlm die Ratenzahlungen.

Die neue belgische Forderung.

(Eigener Drahchericht.

Berlin, 14. September.

Bon zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Dir bÄgische Regierung hat dem deutschen Geschäfts- träger in Brüssel gestern nachmittag eine vorn belgischen Minister des Aeußeren Jasper gezeich­nete Rote übermittelt, in der, mangels einer anderen Einigung, die belgische Regierung die deutsche Regierung bitte, ihr unverzüglich zwei deutsche Schatzbons, zahlbar in Gold, im Betrage von je fünfzig Millionen Goldman für die Fälligkeiten vom 15. August und 15. September zukommen zu lassen und der belgifchen Rafionalbanf hundert Millionen Goldmark als Sicherheit zu hinterleMm. Es läßt sich nicht konttollieren, inwieweit die anderen Nachrichten zutrefftn, die von lebhafte» Anstregnungen politischer und finanzieller Grup- pen in den Entente-Ländern sprechen, noch in letzter Stunde eine Lösung der Garantic- frage zu finden, die dem belgischen Standpmitt Rechnung trägt, ohne der deutschen Regierung die Auslieferung von Gold aus der deutschen Reichsbank zuzumuten. Man spricht von einem Plan, wonach eine englisch-holländische Finanz­gruppe bei der Belgischen Rattonalbanr jene Sicherstellung hinterlegen soll, die die Brüsseler Regierung von der deutschen Regierung in der Form eines Golddepots fordert.