Meter Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
12. Jahrgang.
Mittwoch, 13. September 1922.
Rümmer 214
Fernsprecher 951 und 952
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Am die Sicherheiten.
Die Fristverlängerung ist abge lehnt.
Entgegen der Annahme, daß die Verhandlungen der belgischen Vertreter mit der deutschen Reichsregierung zu einem raschen Abschluß kommen, haben sich nun doch bedeutende Schwierigkeiten herausgestellt, die den Abschluß der Beratungen wesentlich verzögern. Nach den schon vor und während der Pariser Konferenz beiderseitig gepflogenen unverbindlichen Vorverhandlungen konnte man des Glaubens sein, daß eine gewisse Verständigungsbasis bereits geschaffen sei. Die jetzigen Schwierigkeiten kommen daher, daß man das Problem in seiner Gesamtheit aufrollte, und zwar so, daß man sich nicht über die einzelnen Raten und über ihre jeweilige Dek- kungsmöglichkeit unterhielt, sondern daß man die für das laufende Jahr an Reparationszahlungen noch fällige Summe von 270 Millionen Goldmark zur Unterlage für die Beratungen der Garantie- leistungen machte. In dem Leitartikel der Sonntagnummer haben wir bereits gesagt, daß die Berliner Verhandlungen von einer ganz außerordentlichen Bedeutung sind. Sie berüchren in ihrem Ergebnis die gesanite deutsche, ja selbst dte europäische Wirtschaft. Es wird bei der Betrachtung dieser Dinge in der Oeffentlichkeit viel zu oft vergessen, daß es sich nur um etwas Vorläufiges handelt. Und man läßt weiter vielfach außer Acht, daß die belgischen Vereinbarungen erst noch der Billigung und Bestätigung der Reparationskommission bedürfen. Das Bedauerliche liegt darin, daß die notwendige Verlängerung der Frist für die Schatzwechsel von den Belgiern abgelehnt worden ist. Eine Frist von sechs Monaten ist viel zu kurz, weil wir dann vor neuen und größeren Schwierigkeiten stehen Würden.
Daraus, daß die Belgier keine Abschluß-Vollmacht haben, erklärt sich die Langwierigkeit der Besprechungen. Die Lösung der Garantiefrage ist nicht allein von den Anschauungen und Zusstimmungen der belgischen Vertreter abhängig, sondern auch von den Auffassungen der übrigen Vertreter in der Reparations- kommission. Bei dieser Sachlage ist es erklärlich. daß immer und immer wieder, so sehr man sich auch dagegen zu wehren versucht, politische Momente in diese Wrtschaftsberatunqen hineinkommen. Aber auch ein Zweites ist es, was diese Verhandlungen ungemein erschwert. Wenn es sich nur um in Provisorium handelt — und das ist der Fall —, und da der Zahlungsaufschub nur für die nächsten paar Monate bis zum Ende dieses Jahres wirksam ist, so stellen sich der Lösung der Bürgschaftsfragen naturgemäß sehr große Hemmungen entgegen. Es bedeutet ein schweres Risiko, für diesen nur auf einige Monate bestimmten provisorischen Zahlungsaufschub Wertobjekte als Deckung zur Verfügung zu stellen, die man sich unbedingt in der Reserve halten muß für die endgültige Gestaltung des gesäurten Reparationsproblems. Und in dieser Sachlage, die hier natürlich nur andeutungsweise skizziert werden kann, ruhen denn auch die Gründe für die gegenwärtige, der großen Oef- fentlichkeit unerwartet gekommene Verzögerung der Berliner Beratungen.
Nachdem die Leistung der Garantie in Gestalt der Abgabe eines Golddevots von der deutschen Reichsregierung ab gelehnt worden war, wobei übrigens bemerkt sei, daß eine amtliche Forderung von der belgischen Seite nach dieser Richtung hin nicht erhoben wurde, hatte man eine Mitgarantie englischer Banken zu erlangen versucht. Es ist aber sehr interessant, festzustellen, daß die Aussichten in dem Augenblick zerranneu, als in England der Abschluß des Lieferunqsver- trages des deutschen Großindustriellen und Abgeordneten Stinnes mit den französischen Wie- deraufbau-Gesellschasten bekannt wurde. Die englische Wirtschaft vermutet dadurch eine Beeinträchtigung der englischen Wirtschastsintereflen und ein Wirtschastseinvernehmen Deutschlands und Frankreichs auf Englarws Kosten. Allerdings hat man diese Gründe nicht offen ausgesprochen.
Die deutsche Reichsregierung ist genötigt, die Garantieleistungen aus eigenen Kräften zu versuchen. Daß das angesichts des Reichsbudgets mit den Reichseinnabmeauellenll nicht möglich fft. liegt auf der Hand. Bei dem unmittelbaren Interesse aber, das die deutsche Wirtschaft unv vor allem die deutsche Industrie an der Lösung dieser Frage nehmen muß, ist ein schon früher erörterter Gedanke in den Vordergrund der Beratungen gezogen worden, nämlich der der Heranziehung der deutschen Industrie an dxr Stellung der erforderlichen Büraschaf- ten. Es war darum nötia, mit den führenden Vertretern der deutschen Industrie umfassende Beratungen zu pflegen, die natürlich den Abschluß der Besprechungen wiederum verzögern müssen. Dab die Entscheidung dieser Fragen nicht ko einfach ist, liegt bereits in den vorstehenden Mitteilungen begründet, in denen davon gesprochen wird, wie fiitito es ist. heute schon Reserve» nur für eine provisorische Lösung weg
zugeben, die unerläßlich sind, wenn es später eine endgültige Reform des Reparations-Problems geben soll. Wie die Dinge heute liegen, wird aber die deutsche Industrie in der einen oder anderen Form für die Deckung oer Schatzwechsel herangezogen werden. Die Industrie als die Gemeinschaft der produttiven Erwerbsstände ist in der Tat heüte die beste und zuverlässigste Bürgschaft, die ihrerseits die Glau, biger instand setzen, unsere Wechsel sofort zu diskontieren und nutzbringend zu machen. Freilich handelt es sich bei alledem nicht nur um eine ge- üstäftliche Transaktion, sondern mehr noch um das Bekenntnis zur Volksgemeinsckiast und weiterhin auch um Umsetzung dieser GLmeinschafts- gefühle in die praktischsEat.
Teuerrmgs-LLnruhen.
Plünderung und Schießerei in Oberschlesien.
(Eigene Drabtmeldung.)
Bismarckhütte, 12. September. .
Im Anschluß an die Krawalle in Kattowitz plünderte die Menge gestern in Bismarckhütte viele Geschäfte. Die erregte Bevölkerung lieferte am Nachmittag der Polizei ein regelrechtes Gefecht. Als in einigen Geschäften geplündert worden war, stellte sich die Polizei der Menge entgegen. Diese entwaffnete jedoch die Beamten Ter Aufforderung einer verstärkten Schutzabteilung zum Auseinandergehen rouibc keine Folge geleistet. Plötzlich fielen Schüsse ans einem Maschinengewehr. Acht Tote und ein Polizeibeamtcr, sowie eine Anzahl schwer und leicht verletzter Leute lagen blutig am Boden. Gegen acht Uhr abends wurde die Polizei erheblich verstärkt. Der Betrieb der BiSmarck- hütte ruht vollständig. Anch heute dürste die Arbeit noch nicht wieder ausgenommen werden.
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Besprechung deim Reichspräsidenten.
Berlin, 12. September. (Privattelegramm.) Nach einem Bericht des „Vorwärts" versammelte gestern der Reichspräsident eine Anzahl von Partei- und Gewerkschaftsvertretern zu Beratungen der politischen und wirtschaftlichen Lage. Man Wie8 den Reichspräsidenten auf den Ernst der Lage hin und erhob Einspruch gegenüber dem Verhalten der Regierung bei der Behandlung der Getrcideumlage. Ter Reichspräsident und der Reichswirtschastsmini- ster, der ebenfalls zugegen war, erläuterten im Einzelnen die Anhaltspunkte, die für das Verhalten der Regierung in der Frage der Getreideumlage maßgebend feien. Im übrigen ver- fprachcn sic ihr Möglichstes zu tun, um den Interessen der Arbeiterschaft gerecht zu werden.
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Ausschreitungen im Reiche.
Berlin, 12. September. (Privattelegiamm.) Der gestrige Tag hat Meldungen über Teuc- rungsunruhen aus zahlreichen deutschen Städten gebracht. Meist blieb es bei Zusammenrottungen vor Lebensmittelgeschäften, in verschiedenen Orten kam es zu Uebergrifsen der Menge. In Hamburg-Altona verhinderte Schutzpolizei Ausschreitungen anläßlich einer kommunistischen Teuerungs-Demonstration. AuS Trier und Aache « wird über Angriffe auf Lebensmittelgeschäfte berichtet. In Berlin drangen gestern Erwerbslose in die Marsthalle von Moabit ein, die mehrere Stunden laug für den Verkehr geschlossen werden mußte.
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Hunvertachtzlgfache Steigerung.
Berlin, 12. September. (Privattelegramm.) Nach der Grotzhandclsindexziffcr des statistischen Reichsamtes erreichte das deutsche Preisniveau im August das Hundertachtzigfache gegenüber dem Stande vor dem Änege.
Wieder gutmaHungsfmgen.
Die Suche «ach einer Lösung.
(Eigene Drahtmeldung.)
Genf, 12. September.
AuS Rewyork wird berichtet: Bei seiner An- kunst in Rewyork erklärte Gouverneur Cox, die augenblicklich wichtigste Frage in Euroopa sei die der Reparationen, nicht die des Völkerbundes. Rach seiner Meinung würde sich Frankreich einem Schiedsspruch Ari - ka s in der Rcparationsfrage beugen. Die Stimmung in Frankreich fei gegenwärtig derartig unfreundlich gegenüber England, daß Frankreich eine englische Entscheidung in der Reparations- stage nicht annehmen werde. — Tie „Action stancaife" kommentiert eingehend die Unterbrechung der deutsch-belgischen Verhandlungen. Das Blatt äußert die Ueberzeugung, daß die
Reparationskommisfion sich auch diesmal über e»n Kompromiß einigen werde und Sanktionen keinesfalls zu erwarten feien.
Untere EmShmngslage.
Eine gute Durchschnittsernte.
(Privat-Telegramm.)
München, 12. September.
Die bayerische Regierung hatte eine Besprechung mit den Vertretern aller Be<• rufs stände über die Teuerung veranstaltet. LandwirtfchastSminister Wutzelhofer erklärte, daß die Ernte 1922 eine gute Durchschnitts- ernte darstelle, sodaß das Brotgetreide für etwa dreiviertel Jahre ausreiche. Die Versorgung mit M i l ch sei wegen Mangel an Kraftfutter um ein Drittel geringer als vor dem Kriege. Die Fleischverforgung fei zwar an sich nicht ungünstig, doch hätten die Vieh- und Fleisch- Preise eine ungeahnte Höhe erreicht. Der Preis für die Winterkartoffeln werde voraussichtlich müßiger fein, als die heutigen Tagespreise. Zur Sicherung der Zuckerversorg- u n g sei die Schaffung einer amtlichen Kontrollstelle geplant. Bei der B i e r e r z e u g u n g soll der Stammwürzegehalt drI Bieres beschränkt werden, darüber hinaus eine Einschränkung der Brererzeugung überhaupt durchgeführt rjetixit.
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Forderung von Maßnahmen.
München, 12. September. (Privat-Telc- CTMQtti In der von der bayrischen Regierung veranstalteten Teueruugs-Deratung stellte Bürgermeister Knorr vierzehn Forderungeit auf. unter denen die wichtigsten find: Erträgliche Preisgestaltung für die Gegenstände des täglichen Bedarfs, Ausschaltung des unreellen Zwischenhandels, lückenlose Durchführung der Getreide Umlage, Regelung der Preisfestsetzung und Frachtenvergütiing für Lebens mittel. Zum Schluß betonte Ministerpräsident, ®raf Lerchenfeld. daß die gegebenen Anregungen in den verschiedenen Abteilungen der Ministerien zur Ernielung greifbarer Ergebnisse beraten würden. Tie Regierung werde in dem Bewußtsein ihrer hohen Verantwortung gegenüber der Volksgemeinschaft ihre Pflicht tun.
Die Regierung hofft noch.
Weitere Verhandlungen mit Belgien? (Privat-Telegramm.)
Berlin, 12. September..
Der ergebnislose AÜSgang der Berliner Besprechungen mit den Belgiern hat die Hoffnung der Reichsregierung, daß es mit Belgien doch noch zu einer Einigung kommt, nicht ganz erschüttert. Beim Reichskanzler sprachen gestern die Führer der großen Parteien vor. Ausdrücklich sagte Tr. Wirth, daß die Verhandlungen mit Belgien nicht abgebrochen werben sind und daß sie auf schriftlichem Wege fortgesetzt werden würden. Es sei für die Reichsregierung unmöglich, fo wird von wirtschaftlicher Seite erklärt, die Schatzscheine nur auf fechs Monate auszugeben, achtzehn Monate feien der Mindesttermin. Man müsse damit rechnen, daß im Februar der gesamte deutsche Dcvifenbetrag für Lebensmittel- einkänfe ufro. zur Verfügung stehen müsse.
Die Belgier erklären Abbruch.
Paris, 12. September. (Eigene Drahtmeldung.) Tie belgischen Vertreter sind gestern r ach Brüssel zurückgekehrt und hatten fofort mit Theunis und Jasper eine längere Besprechung. Es wird versichert, daß der in Berlin ausgegebene belgische amtliche Bericht ohne Wissen b- belgischen Regierung verbreitet worben sei unb keineswegs bie Auffassung miebergibt, bie in ber Brüsseler Regierung herrscht. Tiefe geht bahin, baß bie Verhandlungen endgültigabgebrochen fmb. Thennis unb Jafper werden int Laufe des heutigen Tages über die zu ergreifenden Maßnahmen beraten.
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Fortsetzung vielleicht in Paris.
Paris, 12. September. (Eigene Drahtmeldung.) In unterrichteten Steifen ftrlautet, daß ber Beschluß be§ belgischen Kabinetts schon heute bet Reichsregierung übermittelt werben wird. Man erwartet zunächst eine 'Rückäußerung ber beutfchen Regierung, bann erst wirb bie belgische Regierung dem Wieberherstel- lungsaussckuß Bericht erstatten. Wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, besteht Grund zu ber Annahme, baß die beutsch-betgt- schen Verhandlungen in Paris fortgesetzt werben, und zwar ist mit dem Beginn dieser Verhandlungen schon bald zu rechnen.
Die große Teuerung.
Aussprache im Kasseler Stadtparlament.
In brr gestrigen Versammlung der Stadtver. »ebneten ftellte bie s»ziatbemosratii<he Fraktion brrrey den Slabiverorvneten Hausthilbt eine bringtiche Anfrage, MelcheMatznahmen bieStadt Kassel zur Linderung ber Slot im kommenden Winter getroffen hat ober tu treffen gedenkt. Jeder spürt jetzt die Not am eigenen Leibe ... Es gibt niemand, der nicht der nächsten Zukunft mit banger Sorge entgegensioht. So sagte Stadtverordneter Hausch-ildt. Und er sprach die Wahrheit aus. Oberbürgermeister Schei- bemann erteilte sofort Antwort. Auch er sprach trübe Worte. Viele Menschen werden in diesem Winter hungern und frieren. Es fehlt an Kohlen, cs fehlt an Nahrungsmitteln. Die furchtbare Finanznot des Reichs wirkt sich schon jetzt am schwersten in den Gemeinden aus. Die Stadt hat bereits Hol, für die Aermsten der Armen beschafft. Der Zentner kostet 50 Mark. Vom 15. September erhalten davon kinderreiche Familien. Ueber Kohlenlieferungen schweben noch Verhandlungen. Von zwei Seiten sind bereits Braunkohlen, entweder umsonst oder für die Hälfte des Preises, für die Aermsten angebotcn worden. Der Kartosselbezug wird infolge der guten Ernte keine Schwierigkeiten machen. Es soll wieder eine Froftreserve beschafft werden. Aus eigenem Anbau gewinnt die Stadt für eigenen Bedarf und soziale Anstalten 7 bis 8000 Zentner. Auch Milchzuschüss« sollen gewährt werden. Die städttschen Wohl- sahrtsstellen haben bercirs für Winterbekleidung Sorge getragen. Eine Anzahl Landwirt« haben sich erfreulicherweise bereit erklärt, 500 LMürftigen Kartoffeln und Nahrungsmittel zu besorgen: diese sind bereits namhaft gemacht. Nötigenfalls sollen
öffentliche Speiseanstalten errichtet und Kochgelegenheiten geschaffen werden. Auch die Frage der Schaffung von Wärmeüallen wird geprüft. Daneben läuft eine großzügige private Hilfsaktton für die Kleinrentner. Was den Wucher betrifft, so versicherte der Oberbürgermeister: Die Stadt wird alles tun, um gemeinsam mit den Behörden jede UeServorteilung zu unterbinden und zur Anzeige zu bringen Dringend warnte daS Stadtoberhaupr die Geschäftswelt, ebenso dringend aber die Aermsten der Armen vor deut Versuchen einer Selbsthilfe auf ungesetz. lichem Wege, die nur die Not und daS Elend vergrößert, zu Bestrafungen sthrt und der Stadt gewaltige Kosten auferlcgt, bie wiederum von der Gesamtheit zu tragen sind. Die Hühnerställe mögen nicht verhängt werden, Wenn der Dollar, nach dem sich die Eierpreffe richten, einmal fällt! Im Namen der Stadtverordnetenversammlung sagte Vorsteher-Stell- Vertreter Schnell Unterstützung nach allen Kräften zu. In einer kurzen, aber lebhaften Aussprache ersuchte Prof. Hebel (Freie bürgerliche Vereinigung) den Oberbürgermeister, an gegebener Stelle den Schlemmerlokalen entgegenzutreten. Dem Oberbürgermeister ist, wie er erwiderte, in Kassel kein solches Lokal bekannt. Er verspricht sich davon auch nur politische und moralische Wiickung. Schon laufen die Wirte und Hotelbesitzer Sturm, weil sie neue Beschränkungen ihrer Betriebe befürchten und unnötige Schikane. Ueberdies: Wird ein solches Lokal geschlossen, fängt erfahrungsgemäß int Geheimen ein anderes an! Wenn sich aber ei« Maßstab finden läßt dasür, wo der
Begriff des Schlemmens nnfän^t und der die anständigen Wirte verschont, so wird er aus Gründen der moralischen Wirkung auf die Notleidenden gern so eintreten, tote es Prof. Hebel meint Stadtv. Kreiß (Fr. b. V.) brachte das Rentnerdeim im Bose--Museum zur Sprache und die Ankündigung der Enteignung des Kleinen Stadlpark in der Karl- straf.e (jetzt Kammerspiele) für soziale Zwecke. Stadlrat Prof. Sautier gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Stadt in absehbarer Zeit m den Besitz des für sie werwollen Gebäudes kommt. Frau Ganslandt (Dem.) tritt flir ausreichende Kohlenversorgung des werdenden Altersheims (Bose-Museum) ein; dieses Gebäude müsse im Winter als eine Art Wärmehalle angesehen werden. Stadtv. Hauschildt (Soz.) spann den Gedanken eines Umlageverfahrens für Kohlen aus. Wie die Landwirtschaft mit der Getreide-Umlage rin Opfer bringe, so könne es auch das Grubenkapital bringen zu dem Zweck, daß jeder Deutsche im Winter wenigstens einen geheizten Raum besitzt. Oberbürgermeister Scheidemann äußerte sich hierzu sehr skeptisch. Jedenfalls hatte der Dringlichkeitsantrag das Ergebnis, daß der Magistrat versicherte: Es wird nichts versäumt!
Die gestrige Drrsammiung.
Ein Haufen Leute mit Sowjetsahnen zog kur, nach 5 Uhr durch die Straßen unb fang oa-