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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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stummer 213. Fernsprecher 951 und 952 Dienstag, 12. September 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.

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Kundgebungen gegen die Teuerung.

Die Zahlungs-Garantie

Inhalt dar deutschen Vorschläge.

die Vertreter der alliierten und assoziierten Hauptmächte noch das Uebergewicht im Bölker- bundsrat, während die Böllerbundversammlung im groben und ganzen zu einer bloßen Statisten- reffie verurteilt ist. Ein solcher Zustand wäre Deutschlands ebensowenig würdig, wie Amerikas und Rußlands, ohne deren Teilnahme der Völ­kerbund auch dann ein Rumpfparlament bliebe, wenn Deutschland ihm beigetreten wäre. Will der Völkerbund wirtlich das sein, was er seiner Bestimmung nach sein sollte, nämlich ein Hort des Friedens, und ein neutraler Seltzer der siechte aller Böller, dann wird er schleunigst da- ür sorgen müssen, daß sich seine Statuten von den Schlacken seiner Urheber völlig frei- machen, Erst dann wird für Deutschland die Frage seines Eintritts spruchreif sein, erst dann wird die Teilnahnie des Deutschen Reiches an seinen Beratungen dem deutschen Volle wie der ganzen Welt zum Segen gereichen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Wien, U. September.

Italienische Blätter melden aus Konstantins pel; Ter türkische Heeresbericht vom Sonntag früh nennt als Beute aus der zweitägigen Schlacht mit der griechischen Armee vor Smyrna; 397 eroberte Geschütze, 16 000 Handfeuerwaffen, den Train der gesamten Nordarmee und 13 000 Gefangene. Die türkische Natioualversamm - lung in Angora hat General Mustapha Ke­mal den TitelTer Siegreiche" verliehen und einstimmig beschlossen, die Zugehörigkeit Thra­ziens zur Türkei in die Friedcnsbedingun- gen «uszunehme«-

Der Krieg im Oriettt.

Reiche Beute der türkische» Arme«.

Weitere Verständigung.

Rotterdam, 11. September. (Eigene Drahtmeldung.) DerCourant" meldet aus Brüssel daß bis jetzt der Ausgang der Berliner Verhandlungen in der Presse und in der son­stigen Oeffentlichkeit ein ruhiges Echo gefunden hat. Die Sprache der belgischen Presse läßt er­warten, daß Belgien auf feinemRecht" und seinen Forderungen bestehen bleibt. Andererseits soll bei der entgegenkommen­den Haltung Deutschlands die Verstän­digungsbemühungen nicht durch radikalen Ab­bruch der Verhandlungen gelöst werden.

Frankreichs Haltung.

Repavatiouskommisfio« zur Garantiefrage.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 11. September.

Rach einer Havasmeldung hat Dubois, der Vorsitzende der Reparationskommission, seinen Urlaub unterbrochen. Er trifft Dienstag früh wieder in Paris ein. Obwohl aus Brüssel eine offizielle Mitteilung noch nicht vorliegt, er- wartet die Reparationskommisston das Ein­laufen eines belgischen Antrages, der sich auf die letzte Entscheidung der Kommission hinsichtlich der von Deuffchland gegebenen Schatzwechsel beziehen wird. Die französi­sche Regierung wird Belgien bei der Durchfüh­rung seiner Reparationsansprüche jede Unter« Witzung zuteil werden lassen.

Unruhen in volyisch-Kattowitz.

Sattowitz (Oberschlesten), 11. September (Eigene Drahtmeldung.) In Kattowitz kam es zu ernsten Lebensmittelunruhen. Die Arbeiter der Bergwerke beMben sich nach dem Innern der Stadt. Die auf dem Markt befindlichen Vrr- kaufsstände wurden geplündert. Rach Aus­bruch der Unruhen wurden starke Polizeitruppen zu Fuß u»d in Automobilen angesctzt. Die Ar­beiterschaft bewegte sich unruhig durch die Stra­ßen. Die Banken wollen auf alle Fälle Geld- mlltel beschaffen, damit die zurückgehaltcne Löh­nung zur Auszahlung gelangen kann.

XSointare wird zurückhaltend!

Paris, 11. September. (Eigene Drahtmel- bung ) Bei der achten Gedenkfeier der ersten Schlacht an der Marne hielt Ministerpräsident Poinrare in Mcaux eine Rede, in der er er­klärte, Deuffchland habe einen Zahlungs­aufschub verlangt, den er nicht genehmi­gen könne. Im Augenblick sei aber die franzö­sische Regierung der Meinung, daß eS Bel- giensSache fei, sich mit Deutschland hierüber zu verständigen. Poinrare hofft, vaß man die Reparationsfrage in ihrer Gesamtheit behandelt und daß man sie mit einer allgemeinen Rege­lung der internationalen Schulde« erörtere.

Ein belgischer Dlnlrag.

Rotterdam, 11. September. (Eigene Drahtmeidung.) Der BrüsselerSoir" berichtet pom Sonntag früh: Belgien wird in Paris eine Erweiterung seines Mandats zu Ver­handlungen mit Deuffchland offiziell bean­tragen. Es bleibt aber ungewiß, ob dieser An­trag eine Mehrheit ffnden wird.

Äte einzig wirksamen Maßnahmen.

B e r l i n, 11. September. (Eigene Drahtmel- dung.) Der Verband deuffcher Großhändler der Nahrungsmtftelbranchc. der Reichsverband deut­scher Kolonialwaren- und Lebensmittellager und der Reichsverband deuffcher Feinkost-Kaufleute hatten die Vertreter der Berliner Presse zu einer Erörterung der Teuerungslage eingcladen. Von der Interessenten-Seite wurde unter anderem er­klärt: Wirksame Maßnahmen zur Be­kämpfung der Lebcnsmittelnot und Teuerung feien die Erhöhung der Produktion, Stabilisierung der Mark durch gesunde Lohn­regelung und Revision des Friedensvertrages.

hat, soweit die eigenen deutschen Interessen in Betracht kommen, muß dahingestellt bleiben. Die Befürworter der Anschlußidee haben vpn, ihrem Standpunkt aus nicht mit Unrecht dar­auf hingewiesen, daß die Würde der deuffcheu Nation verlange, nicht weiter Objekt der im Völ­kerbunde getroffenen Entscheidungen zu bleiben, sondern sich vielmehr durch seine Mitgliedschaft einen aktivenEinfluß auf die Beschlüsse zu sichern. Ohne Frage kann dies in allen denjeni­gen Singen von Nutzen sein, in denen deutsche Interessen selbst in Frage stehen. In diesem Be­tracht aber steht Deuffchland der Haupffache nach vor Tatsachen, insofern, als die Deutschland be­treffenden Probleme bereits längst vor sei­nem Eintritt gelöst worden sind. Daß diese Lösungen ausnahmslos zu Ungunsten Deuffchlands ausfielen, ist für diejenigen, die auch weiterhin die Zurückhaltung Deutschlands gegenüber dem Völkerbünde billigen, ein Argu­ment mehr für den Beweis der Richtfest ihrer Haltung.

In der Tat ist nicht zu verkennen, daß der. Wert der Liga der Nafionen in ihrer heuffgen Verfassung in vielfacher Hinsicht recht zweifelhaft ist. Das Bedenkliche, das zunächst in die Augen fallt, ist die Taffache, daß die Gründung des Völkerbundes im engsten Zusammenhang mit dem Versailler Friedensvertrag steht, von dem er ein Bestandteil ist. Dadurch ist der Völkerbund von vornherein jedem Deuffchen verdächtig. Aber seine Organisation ist zudem derartig, daß sein Charakter als Schutzwall für die Interessen der We st möchte und gegen diejenigen Deuffchlands völlig unverkennbar ist. In den Völkerbund selbst kann wohl jede Nation, soweit ste den bei der Aufnahme gestellten Be­dingungen enffpricht, ausgenommen werden. Der Völkerbundsrat dagegen, diese erste Instanz dieses Völkerparlament, ist den westlichen Groß­mächten und Japan Vorbehalten, so daß er sich also um kein Haar von dem berüchtigten Obefften Rat unterscheidet. So viel Anspruch auch die Vertreter der großen Ententemächte in dem Völ­kerbundsrat auf persönliche Achtung haben mö­gen, angesichts des ausschlaggebenden Einflusses, den die Mitglieder der Entente im Völkerbund besitzen, kann dieser Bund den im Weltkriege un­terlegenen Staaten nur ein sehr bedingtes Ver­trauen einfCSien. Die praktische Arbeit des Völkerbundes war denn auch, soweit sie nicht mit den Absichten des Obersten Rates idenfisch war, nahezu Rull. Wichtige Angelegenhei­ten, die dem Völkerbund überwiesen wurden, wie zum Beispiel die Frage des Schutzes der Mino­ritäten oder die österreichische Frage, wurden an die Kommissionen abgeschoben, in denen sie bis auf den beüffgen Tag begraben liegen. Roch ge­ringer aber ist die Autorität des Völkerbundes in die Erscheinung getreten dadurch, daß ihm wichtige Streitfälle. trotz der Vorschriften der Bundessatzung, von seinen Mitgliedern gar nicht zur Entscheidung voraclegt wurden.

Deutschland kann an dem Völkerbund nur in sofern ein Interesse haben, als es berufen fein könnte, soweit an der Abänderung der Statuten les Völkerbunds mitzuarbeiten, daß dieser auch wirklich ein brauchbares Instrument für den Völkerfrieden wird. Die Machtvollkommenheit der Börkerbundveffammlung muß vor allem so erweitert werden daß der lähmende Ein­fl u ß des R a 1 e s völlig aus geschaltet und damit die letzten Spuren der Taffache verwischt werden, daß dies- Organisation ein Erzeugnis der Gewalt ist, wie sie im Versailler Friedens- diktate zum Ausdruck kam. Der Völkerbund muß so jede Spur der Versailler Vaterschaft ver­wischen, daß er selbstherrlich genug werden muß. um den ganzen Versailler Vertrag als einen der gröbsten Irrtümer der Weltge­schichte zu beseitigen und durch ein vernünf- ffges und für alle Teile erträgliches Abkommen zu ersetzen. Bis soweit ist, wird allerdings noch geraume Zeit vergehen. Ernstweilen haben

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 11. September.

Am Sonntag nachmittag sind die belgischen Delegierten von Berlin nach Brüssel ahgereist. Sie werden nunmehr ihrer Regierung Bericht erstatten und daraus wird sich ergeben, ob ein Weg zu neuen Verhandlungen noch offen steht. TasBerliner Tageblatt" glaubt folgendes mit­teilen zu können: Es verlautet, daß es sich bei den deutschen Vorschlägen um den Vlan handelt, daß Deutschland in England, Holland und Amerika Garantie-Kredite, falls dies möglich sein sollte, ansnehmen will, um damit für die deutschen Schatzscheine Bürgschaft zu leisten. Unmittelbar nach der Abreise der belgischen

Delegierten aus Berlin ist ein neues Schriftstück der Reichsregierung nach Brüssel abgegangen. Am Nachmittag sand ein Ministerrat von einstün­diger Dauer über die Reparationsfrage statt. Eine Einberufung des Reichstages ist auch jetzt noch nicht in Erörterung gezogen worden.

* * *

Die -Auffassung in Belgien.

Paris, 11. September. (Eigene Drahtmel­dung.) Rach Berichten aus Brüssel faßt man in dortigen politischen Kreisen die Lage folgender­maßen zusammen: Die belgische Regierung wird die Delegation nach ihrer Rückkehr von Berlin anhören. In gewissen Kreisen ist man der An­sicht, daß die belgische Regierung nur eine Goldniederlegnng für die fälligen Zah­lungen vom 15. August und 15. September, also hundert Millionen Goldmark im Gan­zen, werde verlangen können. Man ist weiter in Brüssel der Ansicht, daß. nachdem die belgische Regierung alles getan habe, um die Sache aus versöhnlichem Wege zu verhandeln, es jetzt an der Zeit sei, Maßnahmen zu ergreifen, um Deutschland zur Zahlung zu bringen.

Die betrübliche Teuerung.

Kundgebungen der Sozialdemokratie.

(Eigener Trahtbericht.)

München, 11. September.

Die Münchener Sozialdemokraten hielten Bersammlungen ab, in denen zur gegenwärtigen Teuerung Stellung genommen wurde. Referent in einer dieser Versammlungen war der Erste BürMrmeister Schmidt. Als die Ursache der Teuerung bezeichnete er den verlorene» Krieg, den Zwangssrieden mit den Reparationen, das Währungselend, den Zwang zum Einkauf von Rohprodutten in vakutastarken Ländern, die Dol­larpsychose nsw. Mit Nachdruck wies er darauf hin, daß die Lage durch Putsche und Kra­walle nicht gebessert würbe, sondern nur durch gemeinsame Pslichtersüllung, durch energisches Zugreisen der Reichs- und Lan­desregierungen. die ganz besonders gegen jene Firmen Vorgehen müßten, die auch an die inlän­dischen Abnehmer nur mehr in ausländischer Währung verkaufen wollen. In den übrigen Ber- sammlunqen traten als Referenten auf der Vize­präsident des Lanittages «»er, Landtagsabgeord­neter Timm und Reichstagsabgeordneter Michael Gruber, In allen Versammlungen wurde eine Entschließung angenommen, in der die unum­gänglich notwendigen Maßnahmen im Kampfe gegen die Teuerung behandelt wurden.

MarburgerGMdletag

Siedelungsweseu und allgemein« Rot, (Eigener Bericht.)

Marburg, 11. September.

Im Anschluß an Sonderbesprechungen des Hessisch-Waldeckschen und des Nassauischen Städtetages nahmen am Sonnabend vormittag die gemeinschaftlichen Städtetagsverhandlungen in der Universitätsaula ihren Fortgang. Ten ersten Vortrag hielt der Kasseler Städtebauer Stadtbaurat Labes über »Die Vorzüge der Gartensiedelung in volkswirtschaftlicher und so* $ tatet Hinsicht". Von dem Grundsatz ausgehend keine neue Wohnung ohne Garten" schilderte er die Vorteile, die eine Wohnung mit Garten für den einzelnen wie für die Allgemeinheit ha­be, und legte an der Hand ziffernmäßiger Fest« stellungen dar, Wie durch die im eigenen In­teresse intensive Ausnutzung und Bewirffchaf« tung folcher Hausgärten große Werte geschaffen und dadurch die Allgemeinwirtschast gehoben würde. Das Ziel sei also, Gartenwohnungen zu errichten; sie hätten Äufbauwert gegenüber den Wohnungen in den großen Mielkasernen, sowohl in gesundheitlichem wie tat Interesse der Bolksernährung. Aus diesem Grunde seien die Bestrebungen der Siedlungsgesellschaften zu unterstützen. In seinen weiteren Ausführun­gen stellte der Vorttagende Vergleiche zwischen der Flachbau- und Hochhauweise an, wobei ei der ersteren aus vielen Gründen den Vorzug gab. Er schilderte ferner die verschiedenen Bauweisen, wie sich die Bauten zweckmäßig und doch billig Herstellen ließen und kam auch auf die Wiedereinführung des Fachwerk- b a u s zu sprechen. Es sei zu begrüßen, daß in neuerer Zeit von vielen Seiten die Bestrebun­gen, KleinfaMilienhäuser mit Garten zu schas­sen, unterstützt würden. Im Weiteren Verlaufe seiner interessanten Darlegungen forderte der Redner, bei der Errichtung von Wohnungen ungewöhnlich große Wohnungen zu vermeiden und desto mehr kleine Wohnungen zu schaffen, damit denjenigen, die keine Wohnung hätten, geholfen würde. Auf diesem Gebiete gelte es noch große Kulturarbeit zu leisten. Es gab eine lebhafte Aussprache, in der die Be­kämpfung des Baustoffwuchers unb die Förderung der Baugenossen­schaften gewünscht wurde. Nicht die soge­nannten hohen Löhne, sondern der Baustoff- wucher sei die Schuld, daß das Bauen so teuer fei. Ferner wurde die Ansicht vertteten. daß die Kleinsiedlungen wegen der hohen Gelände» koften sich in den Großstädten kaum verwirklichen ließen. Ein Vertretet bet Marburger Studen­tenschaft, Stud. Sikorski, schilderte

die Notlage der Studentenschaft, die sich von Semester zti Semester ntehr und mehr bemerkbar mache. Es sei keine Kleinigkeit, vier Monate zu hungerin dabei fleißig zu stu« bieten und nachher als Werfftndent abgemagert im Bergwerk zu arbeiten. Von rund 118000 Studenten seien 40000 als Werkstudenten, von Marburq allein 3S4, tätig. Aber alles helfe nichts, die Not sei so groß, daß jetzt die dritte Studentenküche in Marburg errichtet werd«. Man möge die Studentenschaft in ihrem schwe­ren Kampfe unterftützen. Redner, bet mit Be­geisterung sprach und starken Beifall auslöste, erwähnte artch, daß durch eine Zuwendung von drei Morgen Land jetzt hier eine studenti­sche Gärtnerei eingerichtet wird. Er ap­pellierte um Unterstützung, wenn auch nur in moralischer Hinsicht. Ein' v n Vertretern des Rasflmischen Städtetages gestellter Antrag, die Reichsregierung zu ersuchen, dem Wucher, der Beschränkung bet Einfuhr von überflüssigen Waren, der Herstellung von Likören usw. und her Zwangsbewirtschaftung deS Ruders naher zu treten, wurde angenommen, ebenso ein Antrag Müller-Marburg, die Bau- Tatlehnskassen so zu unterstützen, daß dte ange- fangenen komunalen Bauten wenigstens fettig- gestellt werden können. Reg.- und Schulrat Leiser-Wiesbadcn berichtete anschließend über Das Reichsstsblungsgesetz unb seine bisherig« Anwendung in Nassau". Er trat dafür ein, daß die Besiedelung fick auf das Platte Land mtc> nicht auf die Großstädte beschränken müsse. Ihm schloß sich der Geschäftsführer der .Hessischen Heimat" und derHessischen Heimstätte", Reg- Rat Dr. Drlhars-Kaflel an, der übet

Siedlungen in Hessen und Waldeck"

, berichtete. Er führte aus. daß in den letzten ; Jahren insgesamt 7000 Morgen Sredkun.gsgelan- de zugewiesen und 3000 Morgen zu gleichen Teilen in Hessen und Waldeck durch Zuwendun-

i gen an 2300 Kleinbesitzer vetteilt korben feien. . I- 1500 Morgen feien in Hessen und Waldeck . der Neusiedlung t,«geführt worden. Die klern- i bäuerlichen Besitzer seien in jeder Beziehung zu unterstützen und die Zahl der seßhaften Bauern : zu vermehren. Die Frage, ob bäuerlicher Groß« ober Kleinbetrieb besser sei, würde ost erörtert.'

Deutschland Verzichtet.

Abseits vom Völkerbund.

Wie uns von Berlin telegraphiert wurde, steht der Reichskanzler Dr. Wirth auf dem Standpunkt, daß er Deutschland nicht zum Völkerbund anmelden werde. Die Zurückhaltung Deutschlands in dieser Frage ist vielfach bemän­gelt worden, »her sie ergibt sich wohl auch ein­fachen realpolitischen Erwägungen. Solange Frankreich, das bei allen feinen Verlaut­barungen in dieser Angelegenheit stets betont hat, daß es den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund als Anlaß zu seinem eigenen Aus­tritt betrachten würde, feinen Standpunkt nicht offensichtlich geändert hat, wird es Mit Deutsch­lands Würde nicht vereinbar sein, sich in eine Gesellschaft zu drängen, in der es n r ch t w o h l gelitten wird. In keinem Falle kann sich Deutschland einer Lage aussetzen, in der es eine Abweisung riskiert, nachdem es sich, gleich von welcher Seite, hat ermutigen lassen, einen Auf- uahMearttrag zu stellen. Wie weit die Teilnahme des Deutschen Reiches an den Beratungen des Völkerbundes überhaupt einen praktischen Wett