Einzelbild herunterladen
 

Meler Nemste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Ti« ÄalTeter Neueste» Nachrichten ericheiam wöchenUich fichSmal und zwar a d end L Der SlbonnementSpret« detrSgt moaotltch 76. Mark bei fettet Zustellung ins Hau4. in der LekchäftSstelle abgeholt 70. Marl monatlich. LuSwLrrS durch di« Post bezogen 75. Mark monatlich einschl Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Redaltton. Schlachthosstrabe 28/30. Kür unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Bewähr in keinem Falle übernehmen- Rückzahlung des Bezugsgelder ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngSmLßttzer Lieferung au«g«schloffen.

JusertionSpretse: e) Einheimisch« Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzetle M. 8., die einspaltige Retlamezeile M. 24.. b) Auswärtige Aufträge: Die etnfpatttge Anzeigenzetle M. 8., die einspaltige Reklamezetle M. 34. alle« etnschltetzlich TeuerungSzuschlag und Anzetgensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Latz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgezebenen Anzeigen, sowie für Ausnahme­daten und Plähe kann eine Bewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht- hosftraße 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße S. Telephon Rümmer 951 und 952.

-je --

Hesstsche Abendzeitung

Nummer 212.

Fernsprecher 951 und 952

Sonntag, 10. September 1922.

Fernsprecher 951 «ad 952

12. Jahrgang.

Die Wiederaufbau-Bestrebungen.

In der Schwebe.

Politische und geschäftliche Vermutungen.

Di« Spekulation auf die Zukunft schwankt in diesen Tagen wieder einmal zwischen Hoff­nungen und Befürchtungen. Alles hängt vom Ergevnis der Berliner deutsch-belgischen Ver­handlungen ab, die heute beendet sein sollen. Wie die Belgier betonen, sind sie nicht zu einem Abschluß ermächtigt. Sie werden nur Vorschläge mit nachhause nehmen und dann erst wird die Entscheidung fallen, ob sich die Brüsseler Regie­rung mit den angebotenen deutschen Garantien für die sechsmonatigen Schatzwechsel zufrieden geben wird oder nicht. In Berlin ist man zwar optimistisch, da der belgische Delegierte Bemel- mann sich günstig über die Besprechungen ge­äußert hat, verhehlt sich aber doch nicht, daß die .Atempause" keine Besserung auf die Lauer bringen wird. Dieser ungewissen Stim­mung entspricht auch die Unstetigkeit der Valuta. Der Dollar, der leider zum Ba­rometer des öffentlichen und privaten Lebens in Deutschland geworden ist, neigt an einem Tage zum Sinken, am andern zum Steigen, ohne daß eine innere Berechtigung vorliegt. Wenn jetzt ein Faftor als einflußreich zu betrachten ist, so ist das der Abschluß des Stinnes-Ver» t r a g L. Am Stande der Mark kann man aller­dings dadurch noch keine Besserung wahrneh­men, und doch bringt dieses Uebereinkommen zwischen den ftanzösischen und deutschen Privat­unternehmungen eine gewisse Zuversicht bei der Beurteilung der Wirtschaftslage. Man ver­spricht sich in Deutschland davon eine Wirkung auf die Beschäftigung der Industrie, denn wenn die großen, auf lange Zeit sich erstreckenden Lie­ferungen für das französische Wiederaufbauge- biei ausgeführt werden müssen, werden ständige Aufträge gesichert, die der befürchteten Arbeits­losigkeit entgegentreten werden.

Neben seiner wirtschaftlichen Bedeutung ist der Vertrag aber auch politisch sehr hoch ein­zuschätzen. Es wird nicht nur im Inland«, son­dern auch im Auslande mit Wichtigkeit vermerkt, daß damit der erste Schritt zu einem Entge­genkommen der beiden Nationen getan sei. Ist erst einmal das wirtschaftliche Interesse Frankreichs und Deutschlands auf einem ge­meinsamen Wege, dann folgt die politische An­näherung naturgemäß nach, da die Außenpoli- titber Länder sich hauptsächlich nach chren wirt­schaftlichen Zusammenhängen richtet. Man darf nun aber nicht erwarten, daß die französisch« Regierung schon bald ein freundschaftliches Ge- bahren an den Tag legen wird. Demgegenüber ist sie innenpolitisch zu sehr festgelegt, und be­sonders die Regierung Poincars wird von ihrem Versailler Diktat nicht abweichen. Zeigt sich aber mit der Zeit eine Befestigung der Ge- schäftsbeziehungen, dann wird ja auch einmal der Tag kommen, daß für Poincars die Ab­schiedsstunde schlägt. Das sind Zukunstsbetrach­tungen, die sich über kurz oder lang einmal er­füllen müssen.

Bezeichnend ist es, daß in ehemals feindli­chen Ländern die Erkenntnis zu wachsen be­ginnt, daß endlich einmal Frieden gemacht werden muß. In England, Italien, Amerika mehrt sich die Einsicht, daß Frank­reichs Eroberungs- und Raubpolitik das Aus­leben der europäischen Wirtschaft hindert. Man ist dott nicht mehr so bereitwillig wie seither, die französische Habsucht und Gewaltherrschaft, die aus der Furcht des schlechten Gewissens ent­standen ist, immer zu unterstützen. Tie jedes Matz überschreitende französische Kriegsrüstung wird für die Engländer unbehaglich, und die Amerikaner werden mißmutig, weil Frankreich seinen Aufbau vernachlässigt. Würde sich Ame­rika wirklich bereitsinden, bei der Lösung der europäischen Verwirrung hilfreiche Hand zu leisten, tote man neuerdings vermuten zu dür­fen glaubte, dann würde sich ein Ausblick öff­nen. In den nächsten Wochen ist aber dergleichen noch nicht zu erwarten, da die amerikanischen Kongretzwahlen im November bevorstehen, die ihre Innenpcllitik in den Vordergrund stellen. Es fragt sich nur, ob mittlerweile die Verhält­nisse in Deutschland nicht so schlecht werden, daß die Hilfe zu spül kommt.

Die deutsche Wirtschaft hat ja schwer gelitten unter der kürzlich erfolgten Markentwer­tung und die Nachwirkungwerden wir erst recht noch im Winter zu spüren bekommen. Um die Not irgendwie zu mildern, bemüht sich die Reichsregierung, mit Maßnahmen vorzu­geben. Die Fürsorge zur Sicherung der Ernäh­rung, die etwaige Einführung neuer Steuern werden vielleicht einen guten Erfolg haben, aber die Rot kann damft nicht beseitig werden. Ab­gesehen davon, daß gewisse Ausfuhrverbote und Einfuhrbeschränkungen reichlich spät kommen, wird dieSchlemmersteuer* nicht viel einbrin­gen, da ihre Einsührung kein Zwang ist, dagegen lv-rdt." aber sonstige Steuer- und Gebübr-n-Er- böhungen die erwerbstätigen Volkskreise be­lasten. Es ist natürlich schwer für die Regierung.

eine Besserung der Lage herbeizuführen, aber es ist auch schwer für das deutsche Volk, die steigen­den Lasten zu tragen. Der Geldmangel (nicht der Banknotenmangel) ist ein Zeichen der allgemeinen Schwäche. Industrie, Handel und Handwerk befinden sich in starker Beklemmung, denn die Zahlungsleistungen werden von Monat zu Monat langsamer, und die Bankkredite immer mehr eingeschränkt. Der Kapitalbedarf ist in die­sem Monat im Hinblick auf den bevorstehenden Quattalsschluß besonders stark. Eine Erleichte­rung am Geldmärkte erwartet man erst wieder im Oktober. Ob diese Erleichterung dann ein» trifft, hängt wie alles von der Haftung der Alli­ierten ab. die uns ihre Lasten auch weiterhin noch auferlegen. K. F. D.

Neue Aufbau-Verträge.

Hugo Stinnes verhandelt mit de« Belgiern. (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 9. September.

Der deutsche Großindustrielle Hugo Stin­nes hat direkte Besprechungen mit den bel­gischen Delegierten in Berlin gehabt. Dabei sind zwei Fragen hauptsächlich zur Sprache ge­kommen. Erstens ist dabei die Möglichkeit einer Ausdehnung des zwischen Sftnnes und der franz- Aufbau-Organisation 'zustande gekommenen Vettrags auf Belgien in- Auge gefaßt worden. ^Beiter dürfte die Unterhaltung zwischen Stin­nes und Bemelmann Schiffahrtsfragen gegolten haben, wobei der Hasen von Antwer­pen eine besonder« Rolle spielt. Neuerdings hält sich wieder hartnäckig die Nachricht, daß unter der Voraussetzung der englischen Unter- stützung auch die ReichSbank gewisse Zuge- ständnisse hinsichtlich ihres Goldvestands machen werde. Dazu ist anzunehmen, daß die Reichsregierung wenigstens bis zur Stunde von ihrem ursprünglich eingenommenen Standpunkt, den Goldbestand der Reichsbank unangetastet zu lassen, »och nicht abgegangen ist. Doch scheint es sich zu bestätigen, daß in den letzten Ver- handlnngen zwischen der ReichSregierung und den belgischen Unterhändlern gewisse Schwie­rigkeiten aufgetaucht sind.

Angebot der Gewerkschaften.

Berlin, 9. Sept. (Privattelegramm.) Nach Meldungen aus Varis trat gestern der Aktions­ausschuß der zerstörten Gebiete unter dem Vor­sitz des Bürgermeisters von Lenz und des sozia­listischen Abgeordneten Balsn zusammen Ge­genstand der Beratungen bildete ein von den deutschen Gewerkschaften überreichtes Ange­bot sehr beträchtlicher Materiallieferun­gen zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete.

Deutsche Garantievorfchläge Kreditaufnahme im Ausland 7

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 9. September.

Das Berliner Tageblatt glaubt folgendes Mitteilen zu können: Es verlautet, daß es sich bei den deutschen Borfchläge» um einen Plan Han- beit, wonach Deutschland in England, Holland und Amerika Garantiekredite, falls dies möglich sein wird, aufnehmen will, um damtt für die deutschen Schatzscheine Bürgschaft zu leisten. Ob die für heute erwartete Antwort aus Brüssel so fein wird, daß die Garantiefrage damit be­reits ihre eriebigung gefunden haben wird, ist mindestens höchst zweifelhaft. Wahrscheinlicher ist, daß die belgischen Vertreter erst nach Brüssel zurürkreisen. dort dem belgischen Kabinett mündlich Bericht erstatten und daß dann wahr­scheinlich eine Zusammenkunft in Brüssel mit deutschen Bertretern anbercnnnt wird, wenn in­zwischen die Stellungnahme der englischen, holländischen und amerikanischen Fi- uanzwell zu dem Plan irgendwie ftststetzt.

*

Hoffnung auf Verständigung.

Berlin, 9. September. (Prrvattelgramm.) Heute wird in der Reichskanzlei die Beratung mit den Belgiern fortgesetzt. Bemelmann erklärte gestern einem Bertteter des BrüffelerSoir" ge­genüber, er könne versichern, daß die deutschen Gegenvorschläge sich im allgemeinen mit den For­derungen decken, die er am Bortage dem Kanzler unterbreitet habe. Er, Bemelmann, hoffe, bis Sonnabend mittag mit der deutschen Regierung zu einer Berständkgnng gelangt zu sein. Der deutsche Reichskanzler zeige großes Ent­gegenkommen und habe das Fallenlassen wichtiger belgischer Forderungen dankbar aner­kannt. Die Annahme der übrig bleibenden belgi­schen Garantieansprüche durch die deutsche Regie­

rung erwarte Bemelmann in der heutigen Sit­zung. Montag ftüh wollen die belgischen Dele­gierten wieder nach Brüssel znrückkehren.

WarenpreisundDollarstanb

Erörterung im Münchener Magistrat.

(Privat-Telegramm.)

München, 9. September.

Der im Stadtrat angenommene Dringlichkeits­antrag auf restlose Ausführung der Preisaus­schreibung von Waren hat zu ausführlichen Er­örterungen gefühtt, in deren Verlauf der Erste Bürgermeister darauf hinwies, daß die Waren- p reise wohl mit dem steigenden Dollar in die H ö h e gingen, aber nichtwieder mit dem fallenden Dollar heruntergesetzt werden. Der Referent betonte, daß die Preisangaben den Wucherstellen ein wichtiges Material zum Ein­greifen geben. Richtig fei, daß die Geschäftsleute heute im wesentlichen nur die Kassierer der In­dustrie seien. Die Hauptschuldigen seien die P r o- duzenten. Von einer Münchener Fabrik sei der städtischen Textilbeschaffungsstelle zugemutet worden, bestellte Waren in Dollar zu bezahlen. Die Stadtverwaltung habe die Aufmerksamkeit der bayrischen Regierung auf diese Zustände ge- lentt. Es sei auch anzunehmen, daß die Reichs­regierung hier eingreifen werde.

Der türkische Sieg.

Die Niederlage der Griechen ist vollstSndig. (Eigener Drah-bericht.

Wien, 9. September.

Die griechischen Truppen können anscheinend ihrer Niederlage nicht mehr entrinnen. Die Süd­armee ist von den Türken in der Gegend von Salachly gefangen genommen worden und die Nordarmee soll bereits umzingelt sein. Rach Meldungen über London übersteigt die Zahl der gegenwärtig in Smyrna befind­lichen Flüchtlinge Mmrzigiansend. Der ameri­kanische Generalkonsul hat sich bereit erklätt, alles zu tun, um diese Flüchtlinge irgendwie unterzu­bringen. Unter ihnen befinden sich auch meh­rere tausend griechische Deserteure. Pariser Meldungen zufolge haben die belgische, deutsche, schweizerische und tschecho-flowakische Regierung die französische Regierung gebeten, in Smyrna ihre Staatsangehörigen in Schutz zu nehmen.

Alliierte Schutztruppen.

Wien, 9. September. (Eigene Drahtmel­dung.) Die Blätter melden ans Smyrna, daß die Ausschiffung der Marinetruppen der Alliierten, die in Smyrna die Ord­nung jn der Stadt aufrecht erhalten sollen, an- bauert. Alle griechischen Behörden haben be­reits die Stadt verlassen. Der griechische Ober­kommandierende wurde von der Bevölkerung bedroht und er war gezwungen, sich an Bord des SchissesLaumos" zu flüchten.

»

Feiern in Konstantinopel.

Wien, 9. September. (Eigene Drahttnel- düng.) Aus Konstantinopel wird berichtet: Die Stadt ist reich beflaggt Tie Gottes­dienste jn den Moscheen wurden erneuert. Große festlich gestimmte Menschenmengen durch­ziehen die Straßen der Stadt. Mit der An­nahme von Smyrna rechnet man aber nicht vor zwei Wochen, weil die Griechen unmittelbar vor Smyrna netten heftigen Widerstand leisten.

Verwirrung mGrlechenrand.

Mau vermutet die Abdankung des Königs.

(Eigener Drahtbericht)

Rotterdam, 9. September.

DieTimeS" melden aus Athen: Man spricht von einer bevorstehenden Auslandsreise des Königs und nennt deutsch« Badeorte, wohin der König mit seiner Familie übersiedeln wolle. Der König war vor drei Tagen aus Athen abge­reist, aber infolge der Ministerkrise am Don- nerstaa Mittag wieder nach Athen zurückgekehtt. Die Verhängung deS Belag er ungszu- st a n d e s scheint die Gerüchte von ernsten Un­ruhen in Griechenland zu bestätigen. Prinz Georg ist von der Front nach Athen zurück- berufen worden. Man fragt sich, ob dies deshalb erfolgt fei, weil König Konstantin die Absicht habe abzudanken und den Thron feinem Sohne zu überlassen. Jedenfalls besagen alle gestern abend in Paris eiugelaufenen Nachrich­ten, daß die polttische Sage in Athen äußerst verwirft ist.

Ser Krieg im Orient.

Aus einem Märchenland.

$ta<6 bett Heeresberichten an« Kleinasien be­finden sich die Türken gegen die Griemen ans dem Vormarsch. Lebe« da« »Land der von den »entschen «rbanten anatoliskhen Bahn-- wird uns von einem Kenner geschrieben, lieber uralten Kulturboden, ein Land, dessen Lust mit historischen Erinnerungen gesättigt ist, schiebt sich die türkische Schlachtreihe vorwäfts, den weichenden Griechen nach. Das siegreiche Heer ist sicher nur erfüllt von dem Be­wußtsein, den mit dem Recht des Eroberers vor Jahrhunderten gewonnenen und seitdem besesse­nen Boden, das Herz des Osmanenreiches, seine Vergangenheit und seine Zukunft, dem Erbfeind wieder abzunehmen. Uns aber tauchen bei der Nennung jener Ofte und Gegenden noch ältere Zeiten auf,' da das Land Mittelpunkt einer uns feit unseren Kindertagen nahegebrachten Geschichts- und Sagenwelt gewesen ist. Die türkischen ssiamen, welche die Wilajets tra­gen, in denen sich jetzt der Kampf absptelt sind uns kaum bekannt; eben gehört, entgleiten sie uns wieder, weil sich für uns keine Vorstellung mit ihnen verbindet, aber wir horchen auf, wenn die alten historischen Benennungen Mysren, Ly­dien, Phrygien an unser Ohr »ringen. Auf wel­chem Boden uralter Kämpfe hat sich das Tür- kenreich blutig befestigt, welche Herrschergestalten sind unter diesem Himmel aufgestanden und ge- ftür$t, welche Völker eingedrungen und empor- gesttegen. verjagt worden oder in anderen wie­der aufgegangen!

Mächtige Reiche, von deren Manz und Pracht Sage und Geschichte et zählen, hatten die Phrygier und Lydier hier er- richtet. Der Mythus kündet von dem Phry­gier k ö n i g Midas, der die Gabe empfan­gen hatte, daß alles, was er berührte, sich in Gold verwandle. Und als das Reich des fried­lichen, künstlerisch und religiös begabten Volkes der Phrygier von den Kommeriern zertrümmert worden war, ging die Macht von ihnen bald an die Lydier über. Wieder hat sich hier der Reich- tim eines Königs, der jetzt im helleren Lichte der Gechichte steht, tief ins Gedächtnis der Nach­lebenden eingeprägt. Wie die Schätze des Mi- das bei den Griechen sprichwörtlich geworden waren, so verbiitdet sich mit dem Namen des LydierkönigS Krösus ein bis auf unsere Tage feststehender Begriff. Mer auch die Lydier sanken von ihrer Höhe, und das kriegerisch ener­gische Volk, mit den Phrygiern verschmolzen, wurde durch die zielbewußte Politik des persi­schen Siegers so entnervt, daß der Lyder als Typus der Weichlichkeit ins Bewußtsein der spä­teren Zeiten übergegangen ist. Auf die persische Herrschaft folgte Alexanders des Gro­ßen Siegszug; nach feinem Tode zersplitterte 'ich die Macht, bis die Römer zuerst einen Teil, dann das ganze Land unterwarfen. Fast immer blühten seine Gegenden, in stolzen Städten ent- iriefelte sich Kunst und Wohlstand, und erst die islamischen Eindringlinge, die kurze Zeit auch von den Mongolen abgelöst waren, haben das Land tief in die Verwahrlosung hinabge- stürzt. Bis jetzt haben die T ü r k e n immer nur gezeigt, daß sie dies von der Natur liebevoll aus­gestattete Gebiet mit bewaffneter Faust zu ge­winnen verstanden, und leider sind die weft- politifchen Bedingungen, unter denen es ihnen letzt vergönnt ist, hier wieder ihre Herrschaft zu befestigen, nicht derart, daß man mit Zuversicht darauf bauen dürste, es werde hier endlich ein« mal in langen Friedensjahren Kulturarbeit ge­leistet werden können.

Ein Kulturwerk großen Stils haben in biefem Lande vor allem die Deut­schen geschaffen. Es ist die Anaiolifche Bahn, über die hinweg die türftschen Heer­säulen jetzt vorgedrungen sind. Die kleine An- sangsstrecke Haidar Pascha-Jsmid ist zwar 1870 von den Türken erbaut worden, ober dann in englische, schließlich in deutsche Hände übergegan. gen- Von Deutschen ist daraus in den Jahren 1889 bis 1892 die Sri ecke Isntid-EÄifchehit- Angora und 1892 bis 1896 EsftschebiEftmn- Karahissar-Konia erbaut worden. Von da Wust die Bagdadbahn weiter, jene Schaffung, an die sich für uns stolze und traurige Gedanken knüp­fen. Diese Hauptstationen sind jetzt geradr wie­der als Mittelpunkte des griechisch-türkischen Rin­gens viel genannt worden. Von dem Keinen Städtchen Jsmid sind die Türken längs der bithynischen Riviera vorgerückt, durch eine Ge­gend. die an landschaftlicher Pracht sich mit der Riviera di Ponente wohl ru messen vermag. In dem ganzen Gebiet, durch das jetzt der Kriea geht. wechselt reiche Schönheit, Wälder und FelS ich buchten, Blumenf cld er und üp. ptges Ackerland, mit öderem Steppen­gebiet. An «den Flanken des türkifchen Heeres sind Bruffa, die alte Wiege des osmanischen Reiches, und das kleine Uschak gefallen. Seiden­schals kommen von dort, Snchrnateppiche von biet. Meerschcmmgruben Tiegen bei Eskischehir, Monselder umgeben Aftnm Karahissar, die