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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 211. Fernsprecher 951 und 952 Sonnabend, 9. September 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.

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Sieg der Türken über die Griechen.

Der Stinnes-Verlrag.

Dre Beurteilung.

Nachdem die Abmachungen, die vor einigen Tagen der Großindustrielle Hugo S t i n n e s mit dem französischen Jndustrievertreter de Luder- s a c abgeschlossen hatte, bekannt geworden wa­ren, sind sie von der bürgerlichen Presse, von den Demokraten bis zur Rechten, mit Befriedi­gung begrüßt worden. Man nennt sie den Ausbau des Wiesbadener Abkommens, das im vorigen Jahre Mischen Rathen au und Loucheur getätigt wurde. Das Wiesbadener Abkommen wurde damals heftig angegriffen, namentlich aus dem prinzipiellen Gesichtspunkt heraus, daß die Erfüllungspolitik eine Erweiterung erfahren hatte. Von jenem Abkommen ist bis jetzt nur wenig Gebrauch gemacht worden. Im großen und ganzen standen die Abmachungen auf dem Papier. Wenn auch die grundlegende Aenderung in der internationalen Wirtschaftslage daran einen erheblichen Teil Schuld trägt, so ist doch auch die ganze Organisation des Hilfswerkes mit so viel bureaukratifchen Fesseln beschwert ge­wesen, das; sich einer Einlebung und Durchsetzung starke Widerstände entgegenstellten. Nun hat Hugo Stinnes mit französischen privaten Unter­nehmern, die sich ihrerseits wieder in große Wie- derausbau-Gesellschasten zusammengeschlossen ha­ben. den neuen Vertrag getätigt, der im Grunde auf den Wiesbadener und Berliner Abkommen aufbaut, sie aber in ihrer technischen Ausführung wesentlich freier stellt. Es werden nicht mehr Vereinbarungen Mischen den Regierungen ge­troffen, sondern zwischen den einzelnenJn- terc ff euren, zwischen Gläubigern und Schuldnern. Es handelt sich also um eine rein geschäftliche Transaktion, aufgebaut aus nüchter­nen, rechnerischen Grundlagen und losgelöst von politischen Erwägungen und Tendenzen.

Ohne auf die geschäftliche Seite näher ein- gohen zu wollen, muß man eine derartige pri­vate Vereinbarung, die das Wiederaufbau- Werk in Fluß bringt nur gutheißen. Die jetzi­gen Abmachungen werden und müssen dazu bei- tragen, DeutWand und Frankreich wieder wirt­schaftlich einander zu nähern. Die Rückwirkun­gen auf die Politik werden sich umso eher zeigen, je mehr die Ruinen auf dem französischen Kriegs­gebiet verschwinden und je mehr frisches Leben dort emporwächst. Selbstverständlich kann ein solcher Vertrag nicht ohne Fühlungnahme und ohne Billigung der beiderseits beteiligten regie­renden, politischen und parlamentarischen Fak­toren zustande gebracht werden. In Deutschland wird man trotz der Vorteile nicht geringe Kämpfe um diesen Vertrag erleben. Die Sozialdemokra­ten w e n d e n s i ch bereits imter dem Stichwort: »Politik und Geschäft" dagegen. Der »Vor­wärts" sagt, daß ob dieses Vertrageseine un­geheure Welle der Enttäuschung durch die Arbei­terschaft gehe", weil sie darin vor allem einen Sieg des Kapitalismus erblicken.

Demgegenüber verspricht sich die Reichsregie­rung viel Gutes von dem Vertrag. Der Führer der Deutschen VolkSpartei, Dr. Stresemann, äußerte sich wie folgt: »Ich febe die Bedeutung des Stinnes-Vertrages nicht nur in seiner Aus­wirkung auf die deutsche Wirtschaft, sondern vor allem in seiner außenpolitischen Aus­wirkung. Vom wirtschaftlichen Standpunft aus ist mit Recht darauf hingewiesen worden, daß bereits dieses Abkommen durch Anrechnung der sechsprozentigen Allgemeinunkosten und der Finanzierungskosten auf die Gutschriften, weiter in seiner Anerkennung der Minimalzölle für die Aufbaulieferungen und in der Herabsetzung der von Deutschlarw getätigten Ist-Mengen an Re- parationskohle eine wirtschaftliche Er­leichterung für uns bedeuten kann." Diese wirtschaftliche Bedeutm>g der Sache tritt aber zurück hinter dem Einfluß, den diese Abmachun­gen auf das europäische Gesamtverhältnis haben können. Es bedeutet eine sehr einseitige Auf­fassung, etwa in diesem Abkommen eine neue Richtlinie der Außenpolitik im Sinne einer kon­tinentalen Verständigung mit einer Spitze gegen England sehen zu wollen.

Der Vertrag im einzelnen wird ja noch der Kritik der Wirtschaftler und Politiker unterlie­gen. Wenn man sich am meisten daran stößt, daß die Vermittlungstäft^eit des Stinnes-Kon- zernS mit sechs Prozent vergütet werden soll, so muß man sich klar darüber sein, daß in die­sem Satz alle Handlungskosten eingeschlossen sein müssen. Die Vergütung erfolgt in der Weise, daß ein sechsprozentiger Aufschlag auf die in Deutschland von der Gesellschaft, die den Wie­deraufbau übernimmt, der Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbau in Essen, hergestellten Waren berechnet werden darf. Sehr bedeutsam ist aber die Zusicherung, die auch in wirtschaftlichen Ver­pflichtungen sich fühlbar machen wird, daß die für die Erzeugung des Wiederaufbau-Ma­terials notwendigen Kohlenmeng en, von den an Frankreich zu liefernden Revorationskotz- len i n A b z u g gebracht werden dürfen. Weiter ist cs nicht ohne wirtschaftliche Bedeutung, daß die nach Frankreich gelieferten Materialien mit

den Mindestzöllen belegt werden dürfen. Jeden­falls müssen alle diese Fragen nüchtern geschäfts­mäßig und ohne das Hereinzerren politischer oder gar parteipolitischer Anschauungen und Ten­denzen beurteilt werden. Dann dient man auch am besten den Interessen des deutschen Volkes und feinem Ringen um Befreiung von den Ket­ten, die es heute trägt. Kr.

Deutsches Volkstum.

Der Reichspräsident an der Nordgrenze.

(Eigene Drahtmeldung.)

Flensburg, 8. September.

Reichspräsident Ebert ist gestern in Flens­burg eingetrofsen und im Rathaus begrüßt wor­den. In seiner Erwiderung sagte der Reichs­präsident u. a. folgendes: Es find nicht die Güter des wirtschaftlichen Lebens allein, die durch Machlsprmh des Versailler Vertrages von der Nordmark losgetrennt sind, auch deutschem Volkstum und deutscher Kultur sind hier schwere Wunden geschlagen und drohende Gefahren entstanden. Deutsche Volksge­nossen sind wider ihren Willen und trotz aller Proteste von uns abgetrennt worden und auch jetzt noch wird in den deutsch verbliebenen Teilen Schleswigs immer wieder politische Be­unruhigung hineingetragen. Wir wollen es als unsere gemeinsame Aufgabe ansehen, mit den geistigen Waffen ein ziclbewutztcs, kulturelles Deutschtum zu pflegen und allen Versuchungen und Verlockungen entgegenzutreten. Die besten Grundlagen unserer Hoffnung auf wirtschaftkl- chen und geistigen Wiederaufbau sind die Mächte der Heimat, Treue und Vaterlandsliebe.

Am ö!e Garantie.

Die deutsch-belgischen Verhandlungen. (Privai-Tclegramm.)

Berlin, 8. September.

Die gestrigen Verhandlungen zwischen der belgischen Delegation und den Vertretern der deutschen Regierung, die vormittags 10 Uhr be­gonnen haben, dauerten bis kurz nach Mittag. Ter übrige Teil des TageS war verhandlungs­frei. Im Reichsfinanzministerium sand ledig­lich eine lange Beratung statt. In den Abend­stunden verbreitete sich in Berlin das Gerücht, daß die Verhandlungen abgebrochen seien, weil die Belgier die deutschen Vorschläge als nicht genügend bezeichnet hätten. An amtlicher Stelle wird diesem Gerücht mit aller Entschiedenheit cntgegengetreten und betont, daß die Ver­handlungen heute früh wieder aufge- nommen werde«. Ans Kreisen, die der belgischen Delegatton nahestehen, wird er­klärt, daß angesichts des beiderseitigen Der- ständigungswillenS eine Einigung wahrscheinlich ist. Reichsministrr Hermes hatte noch eine private Unterredung mit de« Belgiern.

GlinMse Meinung der Belgier.

Berlin» 8- September. (Privattelegramm.) Der belgische Delegierte Bemelmann gab dem Berliner Berichterstatter der Agence Havas eine Erklärung ab über den Verlauf des ersten Ta­ges der Verhandlungen zwischen den beiden bel- gische» Delegierten und der Reichsregierung, in der er u. a. sagte: Ich habe die Ueberzeugung, daß die deutsche Regierung uns ernsthafte und genügende Sicherheiten bieten kann, die uns davon entbinden werden, die Goldreser­ve der Reichsvank in Anspruch zu nehmen, ein Mittel, zu dem wir nur in der äußersten Not­wendigkeit unsere Zuflucht nehmen würden. Wenn man dennoch diese Reserve angreifen müßte, so würde es sich nur um einen äußerst geringen Betrag handeln. Ick bin daher Opttrnist und glaube, daß die Verhandlungen sehr rasch fortschreiten werden. Ich rechne damit, daß wir am Samstag wieder abreisen rönnen.

«

«In deutsches Konsortium?

Berlin, 8. September. (Privattelegramm.) Im Verlaufe der gestrigen Besprechungen im Reichsfinanzministerium soll von deutscher Seite der Vorschlag gemacht worden sein, ein K o n s o r t i u m zu bilden, das die Garantie für die Einlösung der Srhrtzscheine übernimmt.

Handel und Industrie.

Beteiligung an der Garantie - Aeöernahme.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 8. September.

Gestern nachmittag fand im Reichsfinanz- ministerinm unter dem Vorsitz des Reichs­finanzministers eine Besprechung

statt, an der hervorragende Vertreter der In­dustrie und des Handels teilnahmen, unter ihnen Hugo StinneS und Generaldirettor Siuno von der Hamburg-Amerika-Linie. Zur Beratung stand die Frage, ob und unter welchen Bedingungen ein Heranziehen der Industrie bei der Regelung der GarantiefraM möglich ist. Näheres über den Verlauf der Besprechungen ist nicht bekannt geworden. Rach Schluß der Sitzung begab sich Reichsminister Dr. Hermes sofort zum Reichskanzler. Vermutlich wird heute eine Kabinettssitzung stattfinden, in der Bericht erstattet wird über das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen mit den belgischen Vertretern.

Der Krieg in Kleinasien.

Ei» vollkommener türkischer Sieg.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 8. September.

Die letzten hier vorliegenden Nachrichten be­stätigen den vollkommenen Sieg der Tür­ken. Die militärische Lage W für die griechischen Truppen sozusagen ttagisch geworden. Man er­wartet hier in kurzer Zeit den Fall von Smyr- n a und zwar, wie die militärischen Sachverstän­digen erklären .ohne Kampf, da die griechische Armee nicht mehr in der Lage ist, nennenswerten Widerstand zu leisten. In einer Drahtmel­dung aus Konstantinopel wird die Gefangen- nahnre des griechischen Generals Trikupis bestä­tigt. Die Türken stehen nur noch vierzig Kilo­meter von Smyrna entfernt. Die in die Flucht geschlagenen Griechen stecken auf ihrem Rückzug alle Dörfer in Brand. Die griechischen Verluste find sehr groß. Sie betragen fett Be­ginn der militärischen Operationen nahezu 50000 Mann, einschließlich der 15 000 Gefangenen, die in die Hand der Türken gefallen find.

Bereitschaft der alliierten Truppen.

London, 8. September. (Eigene Draht- meldung) Nach Ansicht des englischen Ober- kommiffars in Konstantinopel ist die gegenwär­tige militärische Lage in Kleinasien die, daß sich bei den Türken Heine Anzeichen von Er­mattung bemerkbar machen, was infolge der Geländeschwierigkeiten und der Erschöpfung der Kampftruppen einmal zu erwarten ist. Ob aber die G r i e ck e n nun in die Lage kommen, eine wirksame Verteidigung aufzunehmen, muß erst abgewartet werden. Wenn nötig, werden die Alliierten den Abtranspott der Flüchtling in Smyrna übernehmen. Die alliierten Trup­pen werden in diesem Falle das betreffende Ge­biet besetzt halten. _______

Das Problem des Orients.

Die Einmischung der Alliierte«.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 8. September.

Der englische Oberkommiffar in Konstantino­pel hat, um jedeö weitere Wutvergictzen in Kleinasien zu vermeiden, gestern beschlossen, die Regierung von Angora auszufordern, den Ab­schluß eines Waffenstillstandes zu erwä­gen. Sollte man in Angora auf diesen Vorschlag eingehen so würde der Oberbefehlshaber der Alliierten mit seinen französischen und italieni- T--H Kollegen und mit den Vertretern des türki­schen und griechischen Heeres in Verbindung tre­ten. Für diesen Fall ist in Aussicht genommen, an der Grenze der neutralen Zone bei Jsmig zu- ammenznkommen. Der englische Oberkommiffar ist der Ansicht, daß im geeigneten Augenblick in der Frage des nahen Ostens sehr wohl eine be­friedigende Lösung gefunden werden könnte.

Schutz den Frrmven.

Rotterdam, 8. September. (Eigene Draht­meldung.) Das enslifdje Kabinett erörterte ge­stern in einer Sondersitzung die ernste Lage im i ahen Osten. Auf Ersuchen der holländischen Re­gierung hat England für den Notfall den Schutz der holländischen Staatsangehörigen in Smyrna übernommen und erklätt, die englische Regierung sei jederzeit bereit, auck den Flücht­lingen anderer Rattonen Schutz gewähren, unter dem diese zusamm'n mit den englischen Flüchtlingen nach Cyproos, möglicherweise aber auch nach Malta gebracht werden.

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Dertzandiungen in Sttiechenland.

Paris, 8. September. (Eigene Drahimel- düng.) Berichten aus Athen zufolge haben die dortigen Gesandten der Alliierten bei der griechischen Regierung einen Schritt unter­nommen, damit diese den Antrag auf Einbe­rufung der Ministerkonferenz über den nahen Osten annimmt. Voraussichtlich wird die gttechische Delegation von Gtmatts geführt.

Kasseler Steuern.

Vierfache Erhöhung des Waffergeldes. Neue Erhöhung der städt. Hundesteuer. Höhere Schlacht- und Biehhofgebühren.

Kaffel, 8. September.

Der Stadtverordneten -- Versammlung am Montag liegen drei Magistrats-Beschlüsse zur Genehmigung vor, deren erster namentlich an die Mieter, die jetzt die Wohnungsbauabgabe ent­richtet haben und zagend den Beschluß über dir Mieterhöhung auf Grund des Reichsmieten-Ge- setzes erwarten, ungeheuerliche Anforderungen stellt, indem das Wassergeld in gewaltiger Weise erhöht und dadurch eine weitere indirekte Mittsteigerung ertoirtt wird, an der allerdings der Hausbesitzer schuldlos ist, die auch ihn trifft. Die Folge dieses Beschlusses ist:

Ueber 1000 Mk. Miete 48 Prozent Waffergeld. Das Wasserwerk hat schon im ersten Vierteljahr ein Defizit von 994000 Mark gemacht und rech- ntt bis Ende März mit einem Fehlbetrag von über zehn Millionen Matt. Um das Manko aus­zugleichen, werden laut Magistratsbeschluß, dem die Stadtverordneten am Montag zustimmen sol­len, die Sätze für das Wassergeld um das Vierfache erhöht, so daß

Wohnungen mit einem Mietwert von 200 bis 400 Matt mit zwölf Prozent (seither drei Prozent), 401 bis 600 Matt mit zweiunddrttßig Prozent (seither acht Prozent), 601 bis 1000 Matt mit vierzig Prozent (seither zehn Prozent), über 1000 Matt mit achtuwdvierzig Prozent (seither 12 Prozent), Geschäftsräume

mit einem Mietwett bis 2000 Watt uttt vierund­zwanzig Prozent (seither sechs Prozent), über 2000 Matt mit zweiunddreißig Progent (seither acht Prozent) herangezogen werden. Durch diese Erhöhung des Wassergeldes wird ein Jahres­betrag von 9 800 000 Matt erzielt. Das Waffer- geld wird für die Zeit vom 1. Oktober 1S22 bis 31. März 1923 in dieser Höhe erhoben. Für daS noch zur Verfügung stehende Dettaufswafser im dritten und vierten Vierteljahr 1922 und zwar: rund 700000 Kubikmeter für Ueberwasser und gewerbliche Bettiebe und rund 400000 Matt für Großabnehmer sind Preise von 7 Matt und 6,50 Matt notwendig, falls der Fehlbetrag tron 12100000 Matt eingeholt Werden soll.

Dieser Vorschlag ist von der gewerblichen Kommission angenommen mit der Maßgabe, daß 1. Personen, denen die Wohnungsbanavgabe er- lassen ist und 2. Ernährern von Familien, dte ein Kalendervicrieljahr erwerbsunfähig waren, das Waffergeld auf rechtzeitigen Antrag erlassen werden soll. Der Veranlagung zum Wassergeld ist die Friedensmiete zuzüglich der von den städti­schen Körperschaften beschlossenen Zuschläge für die allgemeinen Unkosten zu Grunde zu legen, so daß voraussichtlich als demnächfiiger Mietwert die Friedensmiete zuzüg­lich 95 Prozent als Mietwert anzusehen ist. Die Zuschläge für Unterhaltung, sowie die Zu­schüsse für die großen Reparaturen und die Woh­nungsbauabgabe kommen dabei nicht in Betracht. (Bemettenswett ist die Angabe eines Miets­zuschlagssatzes von 95 Prozent. Die Schristltg.)

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Erhöhung der Schlachthofgebühren.

Mit großen Fehlbeträgen rechnet auch der Schlacht- und Viehhof, und deshalb werden sämtliche Gebühren im Schlacht- und Vieh­hof vom 1. September ab um sechzig Prozent erhöht. Die betreffende Vorlage macht dabei fol­gende Rechnung zum Beweife dafür, daß sich die Gebührensätze tn angemessenen Grenzen halten: Die Schlachtgebühr für ein Großvieh betrug im Durchschnitt 1914 7,65 Mark, jetzt 362 Matt, das ist das 47)4 fatc. Der Zentner KoUen kostete 1914 35 Pfg., jetzt 28 Matt, das ist das 83fache. Die BelastungdesFleisches durch die Schlachthofabgabe betrug in der Vorkriegszeit durchschnittlich 4 Pfg. für ein Kilo, das ist 2,2 Prozent des Wertes: jetzt 1,80 Matt, das ist 1,2 Prozent des Wertes. Die Stadtverordneten- verfammlung wird gebeten, den Magistrat grundfätzlich zu ermächtigen, die Gebühren den jeweiligen Verhältnissen entsprechend zu erhöhen.

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Jeder erste Hund 500 Mark Steuer.

Auch die Wauwaus müssen wieder daran glauben. In der betreffe rden Vorlage des Ma­gistrats heißt es: Die erhebliche Zunahme des Hundebaltens in Kassel hat unS mit Rücksicht auch auf die fortgeschrittene Geld­entwertung und den wesentlich gestiegenen Fi­nanzbedarf der Stadtverwaltung veranlaßt, zwecks Erhöhung der Hundesteuer folgenden sechsten Nachtrag zur HuNdesteuerordnnng zu be­schließen: Die jährliche Steuer wird für den ersten Hund aus 500 Matt, für den zweiten und jeden weiteren von ein und derselben Person gehaltenen Hund auf je 1000 Mark die gemäß Paragraph 5 zu entrichtende Steuer auf 50 Marl