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Meier Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 210.

Fernsprecher 951 und 952

Freitag, 8. September 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Langsame Garantie-Verhandlungen

Wirtschaftliche Hilft.

Die amtlichen Maßnahme«.

Die deutschen Ernährungsminister haben jetzt in Ha-mLurg darüber beraten, wie man am besten der wirtschaftlichen Notlage entgegenarbeiten kann. Es ist die höchste Zeit, daß etwas ge­schieht. Die letzten aller Wahrscheinlichkeit noch nicht allerletzten WilWrsprimge der Wa­renpreise sind zwar erst unter dem Eindruck des völligen Zusammenbruchs der Markwahrung er­folgt, das Herannahen der Teuerungskata­strophe ist aber schon seit Monaten erkennbar gewesen, wenngleich ihr Umfang, wie er jetzt in Erscheinung getreten ist, sich nicht voraussehen ließ. Nach den Jndexberechnungen des Statisti- schon Reichsamts betrug die Preissteigerung im Großhandel schon im Juli 41,6 Prozent gegen­über dem Juni, und während des ganzen August nahm der Verteuerungsprozeß seinen Fortgang und zwar wieder mit über vierzig Prozent. Achnlich start war die Steigerung der Lebenshaltungskosten. Schon im Juli betrugen die Ernährungskosten Les 68fache der griedenszeit, die Kosten für Heizung und eleuchtung das öSfache, Nr Beklei- düng das 8vsache. Auch diese Zahlen sind im August ungeheuer schnell wettergestiegen. Die Relativzahlen verdeutlichen ungefähr den Sturmschritt der Teuerung, erst die alltäglichen Erftchrungen aus unserer nächsten Umgebung aber belehren uns, auf einem wie gefährlichen Gipfel wir mit unserer Lebenshaltung ange­langt sind. Die Preisfpränge der Lebensmittel lassen sich ttodj allenfalls wettmachen durch die RAGckhr zu vereinfachten ErnährungsverMt- niffen (wir haben son einmal einen Krchlrüben- winter durchlebt ft oder durch Nutzbarmachung von minderwertigen Ersatzmitteln, aber das ge­schähe nur auf Kosten der Volksgesundheit und muß verhütet werden. Bei anderen Bedarfs- artÄeln, wie beispielsweise bei allen Beklei- dungSgegenftänden und jeglichem Hausgerät, stehen unzählig« Mitbürger wie vor einer Mauer, die bei ihrem gegenwärttgen Einkorn- men für ste unübersteigbar ist.

Wer irgend kann, sucht die Einnahmen nm dem Auftrieb des Ausgcwenbedarfs ungefähr in Einklang zu bringen, muß aber hierbei die be­dauerliche Erfahrung machen, daß die errunge- nen Lohnsteigerungen von den vor- wärtSftrömenden Warenpreisen zumeist überholt find. Viel schlimmer ist es um die auf feste Bezüge angewiesenen Dolksklassen bestellt, die vielfach in eine verzweislungSvolle Notlage geraten. Im Hinblick auf die immer weiter um sich greifende bedenkliche Mißstimmung, die einen günstigen Boden für erbitterte Lohnkämpse und gewalttätige Ausschreitungen aller Art ab* gibt, müssen bie regierenden Staatsmänner zu positiven Maßnahmen gegen bie wirtschaft­liche Rottage schreiten. Die Unterlagen für ihr Vorgehen gab die Denkschrift der Gewerkschaf­ten. Dieses Aktionsprogramm stellt tat großen und ganzdn Forderungen auf, deren Verwirk­lichung schon fett längerer Zeit in Aussicht ge­nommen worden ist. Nicht alles ist zweckmäßig, was als gesetzgeberische Pläne von der Regie­rung angekündtgt wird, und manche notwendige Maßnahmen werden mit Stillschweigen über- gangen.

Die vorläufigen Richtlinien Werden bei ihrer praktischen Ausgestaltung den Bedürfnis­sen sich anpaffen lassen und fehlende Programm- puntte können hinzutreten. Die Sicherstellung der Kartoffelversorgung durch nach­drückliche Förderung der Vertragsabschlüsse zwi­schen Erzeugest und Verbrauchern ist ebenso zu billigen. Zu begrüßen ist ferner eine sachgemäße Verteilung von Zucker im nächsten Wirt­schaftsjahr, das Verbot der Verwendung von inländischem Zucker zur Herstellung von Trink- branntwein und die Einschränkung der Verarbei­tung von Jnlandszucker zu Süßigkeiten und Leckereien. Auf allgemeinen Beifall können auch verschärfte Bestunmungen über die Lurus- vergnügungsstätten und Schlemmerlo- kale rechnen, deren Vermehrung und Betriebs­methoden mit Recht den weitesten Streifen der soliden Bevölkerung rinn Aergernis dient. Vom Standpunkt der Volksernährung werden in bet Kundgebung der Reichsminister-Konferenz An­deutungen vetmißt bezüglich dez Viehhandels, der Fleischpreise, der Milchversorgung, der Mehlvetteilung und manches and-re. Hierzu wird man wohl Vorschlägen fettens der Mini- ster der Länder entgegensetzen dürfen.

Durch die hier berührten Puittte einer ver­besserten ErnährungSpolitik wird die allgemeine Wirtschaftslage von den Lasten nicht befreit, die ihr ein verde rbenschwangcres Gepräge aufdrük- ken. Die mit Trssbutpflichten übechürd-te Zahlungsbilanz läßt sich ohne bie bisher ver­geblich erhofften großen Zugeständnisse seitens der ReparanonAommission nur bann auf ein besseres Gleis versetzen wenn im auswärtigen Handel Deutschlands die Einfuhrzahlen von der Ausfuhr aitnähernb ausgeglichen werden. Die Eindämmung der Einfuhr von Lu-

Keine DertragsvollmaGten.

Berlin, 7. "September. (Eigener Draht- bettcht.f Die gestrige Besprechung mit den bel­gischen Delegierten Delacroix, Bemelmann und dem Bankier Philippsohn wurde am Nachmittag unterbrachen und auf heute vertagt. Anschließend an die kurze Aussprache fand eine Sitzung des ReichSkabinetts statt, in der beschlossen wurde, die Ententenote über bie Ablehnung des deut­schen Moratoriums in den nächsten Tagen aus­führlich zu beantworten. Der BrüsselerSmr. meldet: Die beiden Delegierten Delacroix und Bemelmann werden schon am Freitag, spätestens am Sonnabend nach Brüssel zurückkehren. Ter belgische Ministerrat hat den Delegierten keine Bertragsvollmachten mitgegeben, son- bertt sich selbst die Entscheidung für ein etwaiges Abkommen mit Berlin Vorbehalten.

Dir Türken feiern einen Sieg.

R o m, 7. Septomder. (Eigene Drahttneldung.) Die Ernen mng des Generals Tusmani zum Ge­neralstabschef wird bestätigt. Stambul feiert einen Sieg. Die Stadt ist reich beflaggt. Die Moscheen sind überfüllt.Times" meldet aus Konstantinopel: Auf eine Anftage der aHiierten Bettreter hat die Türkei Waffenstillstand s- Berhandlungen vor der Räumung Smyr­nas ab gelehnt. Tie aCiiericn Vertreter er­neuerten nunmehr ihren Einspruch gegen die Be­setzung von Smyrna durch das türkische Heer.

Hm die SrnStznmgs-Lage.

Berlin, 7. September. (Pttvattelegramm.) Fm Anschluß an die Besprechung des Ernäh­rungsministers mit den Führern der Landwirt­schaft wird am heutigen Donnerstag der Reichs- ausschust der deutschen Landwirtschaft über bie Ernährungslage verhandeln. Die Präsidenten und Borfitzenden der preußischen Landwitt- schastskammer find bereits in diesen Tagen in Berlin zusammengekvtmnen.

Der Krieg im Osten.

Die Griechen sammeln sich zum Widerstand.

(Eigene Drohtmeldung.)

Wien, 7. September.

Aus Athen wird gemeldtt: Die letzten Nach­richten, die aus Kleinofien eingetroffen find, deuten an, daß fich bie griechische Armee wieder tellweise von ihrer Demoralisation er­holt habe. Die Griechen hätten eine neue starr befestigte Linie eingenommen, die achtzig Meilen von Smyrna entfernt liege. Der Berichterstat­ter der LondonerMorningpost" meldet aus Athen: Der gttechiscke Heeresbericht vom Diens­tag gibt nur bie Räumung von Bruffa und Eskischehier zu. Die Durchbrechung der griechi­schen Front nördlich von Smyrna wird bestrit­ten. Die gttechische Armee konzentttere fich un­belästigt vom Fttnde, in einem Halbkreis, der noch hundett Kilometer östlich von Smyrna laust. Gegenmaßnahmen seien im Gange.

Das Wirtfchastö-Vcoblem.

Die Auffassung in Bayern.

(Privat-Telegramm.)

München, 7. August.

Bei der Kreisversammlung des Landschaft­lichen Vereins für Oberbayern hielt Regierungs- vrastdent Dr. von Kahr eine Rede, aus der fol­gende bemerkenswette Stellen hervorzuheben ind: Wir Detttschen find von dem Schicksal Oesterreichs nicht mehr wett entfernt. Es gebe stine Bedingungen, die uns ein besseres, wohl aber die noch ein fchrecklicheres Ende er- roarten ließen als Oesterreich. Unser Sterben werde ein viel schrecklicheres fein, als daS Oester­reichs. Der deuftche Koloß mit feinen Industrie- massen sterbe anders als das geruhsame Oester­reich. Seine Auflösung werde fich in anderen Formen als in einem Gang des deutschen Kanz­lers an fremde Türen vollziehen. Die Witt- schast dürst nickt unser Schicksal sein. Der Staat müsse bie Wirtschaft beherr­schen, er müsse ihre Entwickelung vorsckret-en. Es sei kein Naturgesetz, daß mit jedem Steigen des Dollars der Preis für alle unsere W a - ren steige. Wir müssen die Preist, den Wert unserer Mark stabilisieren. Seine höhe­ren Preise mehr, aber auch keine höheren Fabri­kationskosten mehr. Rur so ließe sich die Roien- presse zum Stillstand bringen. Dazu sei aber ein starker geschloffener Wille dez ganzen Volkes notwendig. Uns Helse fein Amerikaner, kein Engländer, fein Franzose, nur ausunsselbst heraus könne die Hilfe kommen. An unseren wittschaftlichen Führern fei es, dieser katastro­phalen Entwicklung ein Halt zuzurufen.

und den Süden von Cherbourg unter Feuer nehmen und überhaupt rings um bie Justin des vereinigten Königreiches einen Gürtel von 140 Kilometer Breite beherrschen können. Fran­zösische Geschütze würden andrerseits Harwich, London, Portsmouth, Southampton, Dorchster, Dartmouth, und die Küste von Cornwall be­schießen können. Die ganze englische Südküfte würde in der Reichweite der französischen Ge­schütze liegen. Frankreich und England würden also in der Lage fein, einander direkt oder flan­kierend anzugreifen. Solch ein Fall sei ja glücklicherweise höchst unwahrscheinlich, aber man müsse sich gegen das Unerwartete schützen.

Zahlungs-GamMien.

Keine Lösung der NeparationSsrage.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 7. September.

DieTägliche Rundschau" teilt mit, daß mit einer Dauer der Verhandlungen bis Freitag ober Sonnabend gerechnet wird. An den Ver- hanblungen werden auch Finanzminister Dr. Hermes und Staatssekretär Schröder, sowie der gestern von einer kurzen Reise nach London zu­rückgekehrte Staatssekretär a. D. Bergmann teil­nehmen. Bon besonders unterrichteter Seite spricht man sich folgendermaßen über die Lage ans: Die Entscheidung der Reparationskommis­sion bebetrtet keine Lösung der Fragen, die im Mittelpunkt des Ganzen stehen. Die Lösung kann nur durch bie große Konferenz erfol­gen, auf der bie Reparationsfrage in allen ihren Zusammenhängen behandelt wer­den wird. Mit ihrem Zustandekommen und zwar im November scheint man in den Kreisen, die der Gegenseite nahestchen, sicher zu rechnen.

Am die Räumung Kleinasiens.

R o m, 7. September. (Eigene Drahtmeldung.) In den Kreisen der römischen Konsulta bestätigt man, daß die englische Diplomatie mit der voll­ständigen Räumung Kleinasiens rechnet. Man befürchtet nun einen Gegendruck Griechenlands auf dem Festlande gegen Konstantinopel.

xus - Gegenständen, die in ungeheuren Men­gen nach Denttchland eindringen, ist ein erstre­benswertes Ziel schon deswegen, weil die D e - Visenbeschaffung dadurch erleichtett wird. Mt der angekündigten Erhöhung der Aussnhr- abgaben wird der Aufbesserung der Handels­bilanz aber nicht gedient. Im Kampf gegen die wirtschaftliche Notlage sind und bleiben die gro­ßen Kanonen die Verminderung der Repara- tionslasten, die Steigerung der P r o d u I- tion u. die Einschränkung des Verbrauchs.

SR bas Abrüstung?

Dta Artillerie für den nächsten Krieg.

(Eigene Drahttneldung.)

: Paris, 7. September.

Der Generalinspettor der französischen Artillerie hat erflätt, man könne mit Sicherheit annehmen, daß pst Schußweite der schweren Artillette tat nächsten Kriege hun- dettvierzig Kilometer betragen werde, vielleicht sogar zweibundett Kflometer. England würde mit so weittragender Artillerie von seiner Küste «ms Brügge, Lille, Arras, »ntatS, Havre

Europas Gesicht.

Wie Vanderttp die Rattonen betrachtet«

Der bekannte anterikanfiehsFinanzmannDander- . lip hat nach seiner Studienreise dnrch Enrepa ein ®u* erscheinen lassen, in dem er fich über Me europäischen Rationen tote folgt iintzert r Frankreich im Frieden ist sonderbar verschie- den von Frankreich im Kttege. Auf dem Schlacht­feld zeigte es einen unüberwindlichen Widerstand gegen alle Uebennacht, einen glänzenden Mut ge­genüber unvorhergesehenen Ereignissen, und es erwarb sich den lauten Beifall der ganzen Welt. Im Gegensatz zu diesem unbezwingbaren Kriegs- nmt zeigt esimFrieden einen Zustand zit­ternden Schreckens. Es scheint so von der Furcht v.or der Zukunft besessen zu fein, daß fein geistiges Tun jede Logik verloren hat. Das deutsche Volk ist das gehorsamste und am leichtesten zu führende von allen Europäern. Sie würden wieder kämpfen, sobald sie dazu aufge- fordett würden. Bei den heutigen Ameri­kanern kann man größere Antipathie gegen Deusschland als bei den Engländern finden. Ebenso ist es eine Tatsache, daß in ganz Frank­reich größere Feindschaft gegen England als gegen Deutschland besteht, wahrend in Eng- land wieder eine kritischere Haltung gegenüber Frankreich als gegenüber Deutschland zu beobach­ten ist. Das Krupp-Unternehmen in Deutsch­land ist vielleicht das vollendetste in der Welt, wenn man seine Umwandlung von einer Schmiede des Vulkan in eine Friedenswerkstatt betrachtet. Italien hat größeren Mut gezeigt, hat sich von weniger Illusionen täuschen taffen und substanziellere Erfolge gezeitigt, wenn man sich feiner Lage unmittelbar nach dem Kttege er­innert, als irgend eine der kontinentalen Kriegs­mächte. Ms ich Italien verließ, fühlte ich, daß es an Intensität zunehmen würde, bis es mit seinem Licht das Dunkel durchleuchttt, daS über dem europäischen Kontinent verbreitet ist. Oesterreich ist vollständig gedemütigt und be­sitzt weniger nationalistischen Stolz als irgenbein anderes Land in Europa. Fast jeder Amett- kaner, der den Balkan kennt, hat seiner Mei- nitng Ausdruck gegeben, daß bie Bulgaren das zukunftsreichste Volk aller Balkanvölker seien. Alles, was der Krieg gekostet hat, alles, was eine unkluge Friedenspolitik noch kostet, kann wieder gutgemacht werden, und darüber hinaus kann ein großer ökonomischer Nutzen geschaffen wer­den, wenn Osteuropa wieder in Ordnung kommt, wenn man ihm hilft und wenn es klug dahin gebracht wird, seine eigenen Angelegnhette» aus sich selbst heraus zu "regeln. »

Hm Oesterreichs Schicksal.

Hoffnung auf de« Völkerbund.

Z-' (Eigener Drahtbericht.)

Genf, 7. September.

Der erste Bestich des österreichischen Bundes­kanzlers Dr. Seipel galt dem Chef des schwei- terifd^en politischen Departements Bundesrat Motta. Es lag dem Kanzler daran, zum Aus­druck zu bringen, daß dieser Besuch als Fort­setzung der kürzlichen Besuche zu den führenden Staatsmännern der Nachbarländer sei. Bun­desrat Motta sagte dem Bundeskanzler seine Unterstützung bei allen Aktionen der öster­reichischen Delegation in Genf zu. Weitere Besuche galten dem Marchese Jmperiali und dem tschechoslowakischen Ministerpräsidenten Dr. Benesch, der auch in Genf eingetroffen ist. Die Besprechung knüpfte an die Aussprache an, die kürzlich zwischen den beiden Staatsmännern in Prag stattgefunden hat. Dr. Benesch, her schon an den früheren Beratungen des Völker­bundes teilgenommen hat, steht mit allen maß­gebenden Staatsmännern, die sich seinerzeit tu Genf versammelt haben, in enger FüUung und rrflärte, daß er aus den Unterredungen mit den führenden Persönlichkeiten einen starken Eindruck über das Interesse gewonnen habe, daß Oester- reich diesmal in Genf finden werde. Minist-r des Aeutzeren Grünberger nahm an allen diesen Beratungen teil. *

(Segen öle Schlemmerek.

Das Vorgehen der preußischen Regierung.

Bettin, 7. September.

Das preußische Ministerium des Innern ver­öffentlicht durch den amtlichen Preußischen' Pressedienst den Wottlaut feiner neuesten, der Bekämpfung des Schlemmerunwesens dienenden Verfügung. Der Sinn der neuen Maßnahme ist, den übermäßigen Verkehr, das heißt den Konsum in den GasMusern, Dielen, Bars usw., der über eine jeweils in den einzelnen Ort- schäften von den Behörden festzufetzende Höchst­grenze hinausgeht, durch eine gestaffelte Steuer zu erfassen und die aus dieser Steuer eingehen­den Gelder Fonds zuzuführen, die der Lebens- mittelversorgung der unbemittelten Be­völkerung zugute kommen sollen. In der an die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten ge­gebenen Verordnung heißt es:Der zunehmend« übermäßige Verkehr in Gast- und Schankstätten und in den Vergnügungslokalen der Großstädte, der bei der heutigen, sich immer schwieriger ge- , stattenden Ernährungslage des Volkes und in Anbetracht des in weiten Volksschichten herr«> schenken Notstandes berechtigtes Aergernis er­regt und xu einer nicht nur wirtschaftlichen, son­dern auch' volitiscken Gefahr zu werden droht, mutz nach Möglichkeit eingeschränkt werden. Mr empfehlen daher den Stödten, insbesondere denjenigen mit mehr als hunderttausend Ein- wohnern und den Dadeotten, Kurotten usw. die Einführung einer

inbireften Gemeindesteuer,

: durch die der übermäßige Vettehr in Gast- und ; Schankwittschasten oder an sonstigen Stätten, wo ' Speisen, Getränke oder sonstige Gegenstände des ' Verzehrs oder Genusses gegen Entgelt verab­reicht werden, einer scharfen Abgabe unterworfen

1 wird. Die Erträgnisse wären der Rower» ' ftrgung der minderbemittelten Bevöl­kerung dienstbar zu machen. Bei dieser Ge­legenheit bewerten wir, daß es sich unter den heu­tigen Verhältnissen empfiehlt, vergnügungs- steuett>flichtige Veranstaltungen in Dielen, BarS, Kabaretts, Konzert-Cafös und ähnlichen Stätten, die im wesentlichen der Gewinnerzielung aus : der Verabreichung von Speisen, Getränken oder sonstigen Gegenständen des Verzehrs oder Gc- ; r.usses dienen, in verschärftem Maße zur Ver- : gnügungssteuer heranzuziehen. Wo es tuoch nicht in ausreichendem Maße geschieht, wer-