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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 209.

Fernsprecher 951 und 952

Donnerstag, 7. September 1922. Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Maßnahmen zue Wirtschaftshilfe.

Feindliche Drüber.

Frankreich gegen England.

Die Zurückhaltung der beiden Ententemächte Frankreich und England aus den jetzigen Ver­handlungen um dte Wiedergutmachungs-Garan­tien ist verdächtig. Sie lassen Belgien allein mit Deutschland in Berlin verhandeln, und England erklärt sogar, daß es kein Interesse an den Ber­liner Beratungen habe. Was in der vorigen Woche in der Reparationskommission hinter den Kulissen vorging, ist noch nicht geklärt, jedenfalls hat aber vor allem Amerika einen sehr bestimm­ten Druck auf Poincars ausgeübt, und so ist ein Kompromiß zustande gekommen, das die Ent­scheidung vertagte. Auch die Entscheidung über das S ch i ck s a l der Entente. Aber man darf niemals außer Betracht lassen, daß die Frage d«r Reparationsleistungen gleichzeitig auch den Kampf um die Vorherrschaft Frankreichs oder Englands bedeutet. Lloyd George erscheint gegen Poinearö als Vertreter einer gewissen Ge­rechtigkeit. Andererseits war er aber durch Eng­lands RaubpolitikgegenüberDeutsch- land gebunden. Englands Sorge stnd die neuen Volksstaaten der Polen, Tschechen, Serbo- Kroaten, die Frankreichs Vortrupps bilden. Lloyd George sieht in ihnen Keime der Zwie­tracht. Schon in Versailles hatte er diese Be­fürchtungen ausgesprochen, und Clemcnceau bei der Beraubung Deutschlands zur Mäißgung er­mahnt. Man dürfe Deutschland nicht zum Krüp­pel machen und gleichzeitig von ibm Zahlungen verlangen. Diese Mahnungen waren gut, doch Clemenccau erwiderte nicht übel, Deutschland werde von England durch den Verlust der Kriegs- und Handelsflotte, der Kolonien, Kabel und Ueberseegefchäste weit härter getroffen, als durch seine Landverluste von feiten Frankreichs, und Lloyd George mußte zusehen, daß neben England auch Frankreich große Beute machte. Lloyd Georges Bemühungen, dem Deutschen Reich günstigere, gerechtere Friedensbedingungen zu schaffen, waren wie die Wilsonschen Ver­heißungen Truggold für die Einfältigen.

Lloyd George befürchtet nun einen neuen Krieg mit fürchterlichen Mordmaschinen auch ge­gen Frauen und Kinder. Die fürchterlichste Mordmaschine dieser Art war unter Lloyd Ge­orge die englische Hungerblockade wäh­rend des Krieges, da sie 763000 Menschen, meist Frauen und Kinder, tötete. Lord Lansdowne nannte sie Anfang März 1919 das »furchtbarste Verbrechen der Weltgeschichte-. Nach dem Urteil der englischen Volksvertretung war dieses Ver­brechen ein Verdienst und brachte dem eng­lischen Reich ohne Zweifel einengroßen V e r d i e n st". Die neuesten fürchterlichen Mord- mafchinen, von denen Lloyd George sprach, die Riesengeschütze, Gasbomben und Flugzeuge, werden nicht in Deutschland ge­baut, wo französische und englische Späher längst alle Waffensabriken zerstörten, sondern in Frankreich, von dem nächsten Nachbar und Verbündeten Englands, von den Pariser Mili- :airsten und Imperialisten, die seit Jahrhunder­ten nach der Vorherrschaft streben und von Lloyd George befähigt wurden, ihrem Ziel« näher zu kommen als je zuvor.

Nunmehr bedrohen sie England selbst, weil der Leiter der englischen Politik, Lloyd Ge­orge, bei den Friedensberatungen nicht das Augenmaß eines wirklichen Staatsmannes zeigte, wie eS Bismarck besaß, weil er anS eige­nem Antrieb oder um sich an der Macht zu er­halten, übermäßig viel Bent« vorwegnahm, Deutschlands Flotten, Kabel, Kolonien und Ueberseegelchäfte einsteckte und eS infolgedessen geschehen lassen mußte, daß auch die Pariser Machthaber ihre Beutegier rücksichtslos beftie- digten. Bis 1870 war Deutschland schwach, Frankreich stark und das Verhältnis zwischen England und Frankreich gespannt. Das gc. schwächte Frankreich suchte und fand Englands Freundschaft. Nachdem Frankreich ftn Weltkrieg mft Hilfe Italiens, Englands und der Vereinig­ten Staaten wieder emporkam, kühlte sich die Freundschaft mit England ab, und im Grunde genommen gilt gegenwärtig, was der englische Staatsmann Warauis von Londondorry am 5. Mai 1833 aus Paris schrieb:Die beiden Län­der lEnaland und Frankreichs find eifersüchtiger, gehässiger und verabscheuen einander mehr als ebedem. Palmerston und Talleyrand fürchten Tag für Tag, daß einer dem anderen einen Vor­sprung abgowinne /wie aeaenwärtig Lloyd Ge­orge und Poincaröj. Beide find arawöbnifch, itnd unter der Maske der Freundschaft schlum­mert derselbe tödliche Haß, wie er von jeher die Beziehungen der beiden Länder gekennzeich­net hat."

Frankreichs Rüstungen sind heute so umfassend, daß sie nach einer anderen Richtung hinzielen als nach dem wehrlosen Deutschland Wir haben genug Kampfflieger, um England in Stücke zu schlagen." So prahlte nach dem Lon­donerObserver" ein Franzose. England verstärkt auffällig seine Luststreitkräfte, und auf die Frage: Gegen wen? antwortete Lloyd

(Eigener Drahchericht.

Gebiete der Brotversorgung mutz die Umlage in ihrer gesetzlich festgelegten Höhe durchgesührt werden. Die Konferenz verschließt sich dabei nicht der Tatsache, daß bei der Fest­setzung der Preise für das Umlagegctreide der Geldentwertung und den jetzigen Produktions­kosten Rechnung getragen werden mutz. Bon den Strafandrohungen mutz unnachsichtlich Gebrauch gemacht werden gegen die, die andere ausfordern, sich der Ablieferung der Umlage zu widersetzen. Die Konferenz empfiehlt weiter eine Prüfung, ob durch eine allgemeine Herabsetzung des Ansmahlsatzcs für freies Getreide Erspar- niffe gemacht werden können. Die Ausgestaltung der Kinderspeisungen, der öffentlichen Speisungen und Abgabe von Lebensmitteln an besonders Bedürftige zu ermäßigten Preisen wird eingehend geprüft werden müssen.

Renten und Dersscherungsgrenze.

Berlin,«. September. (Privattelegramm.) Der Reichstagsausschutz für soziale Angelegen- heften beschäftigte sich mit einer Vorlage des ReichSarbeitsministerS, der der dringendsten Not der sozialen Rentner abhelfen soll. Tas Reich stellte danach eine Milliarde Mark zur Ver­fügung, die. an die Länder zur Verteilung kom­men. Die Höchstgrenze der Krankenver­sicherung, der Angestelltenversichc- run g und der Unfallversicherung wur­de auf 300 000 Mark festgesetzt. Die Vorlagen über die Erhöhung von Geldbeträgen in der Kranken, und Unfallversicherung wurden an­genommen. Damit sind dir drei Vorlagen er­ledigt und der Ausschuß vertagte sich.

Berlin, 6. September.

Der Vertreter derUnited Preß" in Washing­ton meldet: Tie Vereinigten Staaten haben den ersten Schritt unternommen, um in die wirt- chastlichen Angelegenheiten Europas einzugrei- en. Dieser Schritt soll darin bestehen, daß die amerikanische Regierung bereits Ver-

kratischen Parteien für Freitag vier große Volksversammlungen gegen die Teue­rung cinbcrufen worden. Die Polizeidirestion München verbot eine von den Kommunisten für gestern abend cinberufene Versammlung, in der gegen die Reattion und gegen die Teuerung protesttrrt werden sollte.

3iu<beutung der DodenschLtze?

Paris, 6. September. (Eigene Drahtmel- dung.) Die Reparationskommission hat zur Vor­bereitung des Reparationsplanes für 1923 eine Unterlommission eingesetzt, die aus vier Mitgliedern des Garantieausfchusses besteht ttnb nach vier Wochen Bericht erstatten soll, in­wieweit den französischen Anträgen zu entspre­chen ist. bei Fortdauer der deutschen Kredit­unfähigkeit statt Barzahlungen für 1923 die Ausbeutung von deutschen Bodenschät- z e n durch die Alliierten zuzusprechen.

Forderung der Gewerkschaften.

Berlin, 6. September. (Privattelegramm.) Die Gewerkschaften sind von ihrer gestrigen Un­terredung mit Reichskanzler Dr. Wirth über die Rrgirrungsmatznahmen zur Abwehr der Teuerung nicht zufrieden gestellt. Die all­gemeine Unzufriedenheit kam besonders in Aus­lassungen der Vertreter des Allgemeinen deut­schen Gewerkschaftsbundes und des Gewerk­schaftsringes zum Ausdruck. Heute nachmittag sindet eine Sondersitzung der Gewerkschaften statt. Voraussichtlich werden neue Forde­rungen an den Reichskanzler aufgestellt.

Amerikanische Beteiligung?

Schritte der »alutastarken Länder.

Kundgebung der Lkriye.

Hildesheim, 6. September. (Privat­telegramm.) Hier wurde von den evangeli­schen Klrchen eine Kundgebung gegen den Wucher verlesen. Darin wenden sich die Geistlichen der Stadt Hildesheim an ihre Ge­meinden mit der dringenden und herzlichen Bitte, derer zu gedenken, die anlässlich der uner­hörten Steigerung der Preise zum Darben und zum Hungern verurteilt seien. Obwohl der un­glückliche Friede von Versailles mit an unserem Niedergange schuld trage, fei aber doch eine Er­höhung der Preise durch kaltrechnende Habsucht willkürlich in vielen Fällen hcrbeigeführt wor. den. Schnöder Wuchergeist mache sich hier dir Notlage des Nächsten zunutze. Die evangelischen Ehristen der Stadt sollten sich daher von dem Mnmmonsgott freimachen und damit beitragen, daß die Hungrigen gespeist, die Sinkenden ge­stützt und die Verzweifelnden gerettet würden.

«Segen öle Teuerung.

München, 6. September. (Privattele­gramm.) In München sind von den sozialdemo-

, Fettgehalt bee städtischen Milch.

, Prüfung des Nährwertes.

i Man schreibt uns: Auf den Fettgehalt der , städtischen Verkaufsmilch wird von Verbraucher- , seite gewöhnlich nicht der genügende Wett ge­legt und die Milch nur danach begutachtet, ob

1 sie sauer ist. sich in süßem Zustande befindet und : gut kochen läßt. Diese Begutachtung ist für den Erzeuger und den Lieferanten sehr bequem und : wird gern entgegengenommen, obwohl von sach- , lichem Standpunkt aus betrachtet, ein großer Un- ! terschied besteht, ob die Milch mit zwei Prozent , oder drei Prozent Fettgehalt in der Stadt zum

Verkauf kommt. Außer der Bekömmlichkeit der

1 Milch spielt in der heuttgen Zeit der Gebalt an

1 Nährwerten bei jedem Lebensmittel eine große Rolle; nur fettreiche Mich, die einen we-

WirtschaWche Hilfe.

Vorschläge der Ettrährungsminister-Konferenz. (Telegraphische Meldung.)

Hamburg, 6. September.

Die Konferenz der Ernährungsminister er­klärt, datz alle Maßnahmen getroffen werden müssen, die auf eine sparsame und zweckmäßige Verwendung der vorhandenen Nahrungs­mittel im Jnlande Einfluß haben können und datz auch auf eine erträgliche Preisgestal­tung hingewirtt werden mutz. Sie spricht sich daher für ein Verbot der Herstellung von Starkbsier und im übrigen für dir Einschrän­kung der Bierherstellung auö. Sie hält es weiter für notwendig, datz die Verwendung von I n - l nit b 8 $ ir-if-er für Lrcköre und bei der Her­stellung von Branntwein, Schokolade und Sützig- kciten alsbald verboten wird. Sie hält cs weiter für notwendig, in dem demnächst begin- , nenden neuen Zuckerwirtschaftsjahre Maßnah­men dahin zu treffen, daß der inländische, Zucker in erster Linie der Bevölkerung zum Mundgebrauch zugefi'chrt wird. Auf dem

Handlungen mit großen europäischenBan- ken angeknüpst haben soll, um gemeinsame Schritte zur Stabilisierung der Wechselkurse zu unternehmen. Es fei möglich, datz aus diesen Besprechungen die Einberufung einer großen internationalen Konferenz hervorgehe. Die Ver­handlungen wurden auf Veranlassung des Prä­sidenten Harding vor einiger Zeit begonnen und zwar besonders mft den Banken &er Länder, de­ren Wechselkurs dem Dollar sehr nahe steht, also England, der skandinavischen Länder und Spanien. Die Regierung der Bereinig­ten Staaten hat den amettkanischen Finanziers noch keinen endgültigen Plan vorgelegt, aber in gut informierten Kreisen glaubt man, datz die Washingtoner Regierung nunmehr emfi« hafte Schritte unternehmen wird.

Keine Anhörung der Parteien.

Bcrli n, 6. September. (Privattelegramm.) TieDeutsche Tageszeitung" schreibt: Eine Be­ratung der F r a k t i o n s s ü h r e r des Reichs­tags, die noch vor Beginn der Verhandlungen mit den belgischen Delegierten erfolgen sollte, findet voraussichtlich n i ch t statt. Man hält diese Besprechung für überflüssig, da der Auswärtige Ausschutz am Freitag vertraulich informiert wer­den soll. Es ist ein Unding, datz der Reichstag zwar jede Ncinste Steuer genehmigen oder ab- lehnen soll, datz aber die weitgehendsten, über das Schicksal unseres Landes und Volkes entscheiden­den Beschlüsse diktatorisch gefasst werden.

Llnfere Ernährung.

Die Versorgung mit Lebensmittel«.

Man fleht der nächsten Zukunft mit begreif. Ucher Sorge entgegen, «der man darf nicht ängstlich sein. Wie aus den nachstehenden «Mitteilungen ersichtlich ift.find vonarntlicherSet- t, schon Fitrsorgematznahmen getrosten worden. Wir erleben dieser Tage, daß für die Preis- bildung auf dem Lebensmittelmarft infolge un« feier "Abhängigkeit von der Auslandszusuhr die einheimischen Ernteaussichten langst nicht die Rolle spielen, wie der Stand des Dollars und die Bewertung der Mart. Wir sind heute so weit, daß wir uns eine Lefrensmitteleinsuhr größeren Umfanges im Augenblick nicht mehr leisten können. Von einer Ernährunas« krisis kann aber darum doch nicht die Rede sein. Die Reichsgetreidestelle ist ncnh eigenen Angaben bis zum 31. Oktober mit den für die Belieferung der Brotkarten nötigen Vorräten eingedeckt und tätigt bereits wieder neue Bor« ratskäufe. Es zeigt sich auch, daß von der unge« wöhnlich guten Roggenernte des Vorjahres noch Vorräte vorhanden sind, sodaß der späte Beginn der neuen Roggenernte ertragen werden tonn. Es wird sich aber nicht umgehen lassen, unsere Brotversorgung wieder mehr auf den Roggen einzustellen, um dadurch einen Teil der teuren Weizeneinfuhr zu ersparen. Das wäre eine Notmaßnahme, aber eine Notmoß- nahme, zu der sich sogar das reiche Dänemark im Krieg entschließen mußte. In gewisser Be­ziehung wird auch die Kartoffelernte Er- satz schaffen müssen. Ganz ohne ausländische Zufuhr wird es natürlich nicht gehen. Ein Teil der notwendigsten

Einkäufe an Brotgetreide und Fleisch ist aber schon mit Hilfe eines holländisch-argen­tinischen Konsortiums gesichert, zum Teil sind sie bereits getätigt. Um Getreidezufuhren auS Polen zu ermöglichen, sind eben Wirtschastsver. handlungen in Warschau im Gange. Bedenk- lich bleibt jedoch der Ausfall an Fleisch und tierischen Produtten, vor allem der Rück­gang der Milcherzeugung. Voraussagen über die künftige Preisgestaltung auf dem Lebensmittelmarft sind frei der gegenwär­tigen Valutakatastrophe unmöglich. Allerdings darf man nicht vergessen, daß bei einigermaßen befriedigender Gesamternte das jetzt einsetzende erhöhte Angebot auf dem inländischen Markte, das durch die Geldbedürstigkeit der Landwirtschaft für die nächsten Monate wohl noch gesteigert werden dürfte, einen gewissen Druck ausüben wird: wenn nur nicht wieder der Unfug des Hamsterns im großen Publi­kum Platz greift, toefür leider schon Anzeichen vorliegen, und der dann der Spekulation Tor und Tür öffnet. Der Landwirtschaft selbst wür­den solcherart künstlich überhöhte Preise letzten Endes nicht einmal zugute kommen. Darum ist es zu begrüßen, daß die maßgefreiwen Stellen ernst machen wollen mit der Einschränkung des freilich höchst vorsichttg zu freutteilenden Luxusverbrauchs. Das ist eine Fordcrnng, die das ganze Volk in dieser Notzeit einheitlich stellt, der jeder verantwortungsbewußte Volks­wirt zustimmen muß. Hoffentlich bleibt dieses Vorgehen gegen den Luxus nicht nur beschräntt auf Stillegung einiger Likörfabriken und Ein­schränkung der Zuckerzuwetsungen an diese. Es muß grundsätzlich u. endgültig jede überflüssig«

Luxus- und Schundeinfuhr unterbunden werden. Es bleibt dann noch die gerade jetzt zum Herbst brennendste Aufgabe der Ver­kehrsregelung, der Zufuhr der Le­bensmittel zu den Derbrauchsgefrieten zu lösen. Wir wissen, daß daran die Lebensmit­telversorgung im letzten Herbst und Winter kaufte und darunter auch die diesjährige Ernte gelitten hat. Es ist zu hoffen, daß nach den im Re'chsvettehrsministettnm und Reichs ernäh - rungsn-iiroerium geführten Verhandlungen mit allen il- I'en Kreisen die Vettehrsnot dies­mal bi- h -nngsmittelzusuhr nicht zu sehr er«

sihwercn wird. Alles in allem, eine Ernäh- run.gskttsis oder gar Hungersnot, wie viel« Schwarzseher prophezeien, sind allem menschli­chen Ermessen nach nicht zu befürchten.

LLmDeMWandsZaMngm

Die erste Berliner Besprechung.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 6. September.

Die erste Besprechung der Rcichsregierung mit den belgischen Beauftragten ist auf heute mittag angesagt worden. Die gestrige Vorbesprechung der beteiligte» Ressottchefs im Finanzmini­sterium einigte sich über den Grundsatz, daß Deutschland über die den Mitgliedern des Garantieausschusfcs gemachten Zugeständ- nisse nicht hinausgchen könne In belgischen politischen Kreisen neigt man der Anschauung zu, daß die Garantien der von Deutschland a» Belgien zu gebenden Schatzwechsel in der Weise gelöst werden, daß England das erste Drit­tel garantiert, Deutschland durch die Unterschrift einer Bank, vornehmlich der Reichsbank, das zweite Drittel, und das letzte Drittel wäre durch eine Goldhinterlegung zu decken.

Georg«:Mr haben alle Umstände in Rechnung zu ziehen." Indessen wird es Lloyd George zu einem Bruch nicht kommen lassen. Mit dem Auf­wande seiner ganzen Schlauheit ist er bemüht, alsMann des Friedens" mäßigend auf die Pa­riser Machthaber einzuwitten, nicht etwa zugun­sten Deutschlands, sondern einzig und allein im Interesse des e ng li sche n Handels. Da er aber das Vertrauen der Pariser Machthaber verloren bat, ist zu bezweifeln, ob es ihm gelingen wird, seine Uefrerei'lung bei der Beutemachcrei von 1918 wieder gutzumachen und durch Druck aus Frankreich in Europa ein für England so vor- teikhastes Gleichgewichtsverhättnis wiederherzu­stellen, wie eS vor dem Weltktteg bestand. D.