Einzelbild herunterladen
 

Nummer 206

Fernsprecher 951 und 953

Sonntag, 3. September 1922.

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

2>te Raffelet Vleuefien 9iad)ttd)ten erscheinen wöchentlich sechsmal uns zwar abends. Der AbonnementSpteis betragt monatlich 7». Mark bei freier Zustellung ins ftaaü in der Geschäftsstelle abgeholt 70. Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 75.- Mark monatlich einschl Zufttllung. Bestellungen werden lederzelt entgegengenommen. Trucker.:, «eyafl imb Stebattien . Schlachthofstrafje 28/30. Für unverlangt eingefandte Beiträge lann die Redaktion eine -Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgelder oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen-

JnfertionSpreife: ,) Einheimische Auftrage: Die einspaltige Anzeigen^ile M. 8., die einspaltige Reklame,eile M. 24.-. b) Auswärtige Auftrage: Die einspaltige Anzeigenzeile M. 8.-, die einspaltige Reklamc-eile M. 21. alles einschließlich Teuerungszuschlag und Anzeigenfteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Sag hundert Prozent Aufschlag, güt die Richtigtest aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Ausnahme, baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht- hosstraße 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nummer 95t und 952.

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Unter dem Druck der amtierten.

Die Atempause.

Undurchsichtige Lage am Geldmarkt.

In Paris ist zwar die Entscheidung über Deutschlands Zahiungspflichten getroffen wor­den, und doch weiß man nicht genau, was sie zu bedeuten Hai, ob gute oder schlechte Folgen dar­aus entstehen werden. Das Ergebnis ist, daß der englische Vorschlag, einen bedingungslosen Zahlungsaufschub zu gewähren, abgelehnt wurde, wogegen der belgische Vorschlag, daß Deutschland in Schatzscheinen von sechsmonati­ger Fälligkeit zahlen soll, Annahme sand. Zu beachten ist dabei, daß es sich nur um die Sep­temberrat? handelt, also die kommenden Raten ohnehin allmonatlich gezahlt werden mußten, wenn nicht jedesmal neu verhandelt werden soll. Auch um die Septemb errate muß weiter verbandelt werden, da Deutschland die belgischen Garantiesorderungen noch gar nicht kennt. Es ist damit nur eine kurzeAtem- pause", tote der bildhafte Ausdruck lautet, er­reicht worden. Rur eine Atempause für den ge­hetzten Sklaven, damit er wieder eine Strecke unter den Knutenhieben des Feindbundes wei- terkeuchen kann bis er schließlich doch zusam- menbncht und nicht mehr auffteht? Die Miier- ten wissen ebenso gut wie wir, daß eine kurze Atempause nicht genügt, um uns die Kraft zur Pflichterfüllung zu geben. Nur eine dauernde Verminderung der Last kann uns helfen. Aber erne völlige Erholung wollen die feindlichen Unterdrücker uns gar nicht gönnen. Namentlich die fanatischen Franzosen erstreben ganz offen- kundig die dauernde Niederhaltung Deursch- lands. Das iss bet der Furcht und dem bösen Gewissen dieser Ausbeuter zwar zu verstehen, aber in verachtungswürdiger Jämmerlichkeit stehen die alliierten und assoziierten Politiker daneben, die nicht den Mut finden, der Gerech- tlgieit die Bahn frei zu machen.

Jedenfalls hm die Entscheidung der Repa rationskommission für Deutschland noch keine Beruhigung gebracht. Ist auch der Dollar aus seiner nebelhaften Höhe wieder ein paar hundert Prozent herabgekommen, so ist das noch kein Be­weis für eine Besserung der Mark, solange er Milchen 1200 und 1800 steigt und stillt. Die vor- toochtge Nervosität an der Börse, als die Mark m Nichts zu zerfließen schien, wirkt jetzt noch am Effektenmarkt nach, wo allgemeine Lustlosig­keit herrscht. Überhaupt hat ein gewisses M i ß- trauen Platz gegriffen, da die G e l d k n a p p- h e 11 das gesamte Gcschastsleben zu zerrütten droht. Wenn die Teuerung sich weiter enttoik- relt urü> es rst! möglich, daß wir noch finan- ziell schlechteren Zeiten entgegengehen dann kann leicht die Gefahr eintreten, daß kapitalarme Unternehmungen, denenher Atem ausqeht" ?uf der Strecke bleiben. Die Kreditnot wir» rmmer großer, so daß selbst gutfundierte Werke in ihrem Geldvcrkehr schwer gehemmt werden Die Folge wird sein: Verringerung der Produk­tion und Beginn der Arbeitslosigkeit. Was bann emtreben wird, mag sich Jeder selbst ausdenken. Wtr wollen den Teufel nicht an die Wand ma- Ier über weil man an bedeutsamen Tatsachen mcht bltnd vorubergahen darf, richte man den Blick au, die Vorgänge in mitteldeutschen Berg, reineren, wo Kundgebungen gegen die Teuerung veranstaltet werden. In Berlin haben jugend­liche Arbeitslose unter der Fahne mit dem rus­sischen Sowjetstern Ausschreitungen und Plün­derungen versucht. Gewiß ist die Rot sehr °ruckend, aber darunter leiden auch andere Volkstetle und insbesondere wird nichts gebes- lert- wenn sich die Umzüge gegen ein falsches Ziel richten. Wenn man durch Umzüge Eindruck machen will, dann wend« man sich gegen die Wurzel des Uebels: die UnterdrückungS- politlk der Alliierten;

Es sollte mittlerweile dem einzelnen Deut­schen klar geworden sein, von wem die Teue­rung und Verelendung verursacht wird. Wenn wtr unsere besten Kohlen an Frankreich und Belgien kleferu müssen, und zwar in so gewal- ttgen Mengen, daß für uns nur ein schlechter Rest übrig bleibt, der Nr Industrie und Haus­brand nicht mehr genügt: wenn wir den Alli­ierten einen großen Teil unseres Biehbe- standes und der Futtermittel abliefern müssen, so daß nicht genug für unsere Ernäh­rung vorhanden ist; wenn wir deshalb N a b - rungsmittel und Kohlen und anstelle der uns geraubten Eisenerzgebiete die Roh­stoffe für teures Geldaus demAuSlan- de kaufen müssen; und wenn wir obendrein noch Barzahlungen in unerfüllbaren Summen zu leisten gezwungen werden dann muß unsere Valuta vernichtet werden Nur die- ser feindlichen AuSbeuterei ist eS zuzuschreiben, daß fetzt alle Lebensmittel und Bedarfsartikel so erschreckend int Preise steigen daß die große Menge der Bevölkerung mit ihrer geschwächten Kaufkraft nicht mehr folgen kann. Der Höhe­punkt der Preise ist noch nidH einmal erreicht vielmehr wird man die Wirkung noch stärker suhlen, wenn bte jetzt von den Fabriken auf

Grund der teuren Rohmaterialien festgesetzten Preise in den Kleinhandel übergehen. Die bis­herigen Preise beruhten auf der Umrechnung eines Dollarkurfes von 1000, also unter dem Kursstand der letzten Wochen, und auch di« künf­tige Preisentwicklung richtet sich nach dem Stei­gen oder Fallen des Dollars. In Börsenkreisen besteht die Meinung, daß jetzt infolge weiterer Moratoriums-Verhandlungen eine Beruhi­gung der Devisenkurse und damit eine Besse­rung der deutschen Werte eintreten wird. Wür­de sich diese Annahme verwirflichen, dann wäre wenigstens für die nächsten Wochen eine wirt­schaftliche Erleichterung in Aussicht.

K. F. D.

Das ZahlMgs-Vroblem. Deutsch-belgische Verhandlungen.

(Eigener Drahchericht.

Paris, 2. September.

Havas" meldet »och über die Sitzung des ReparationSinsschusses am Donnerstag, daß De. larroix, der Vertreter Belgiens, die belgische Zahlungseinstellung bekannt gegeben hat fürden Fall, daß Belgien auf die fällige deutsche Reparationsleistung verzichten müsse. Diese belgische Erklärung erzielte die Stimmenthaltung Italiens. Die von Deutsch­land bis Ende 1922 zu gebenden Schatzwechsel laßt Belgien bei einem internationalen Finanz­konsortium diskontieren. Die neuen Ver­handlungen zwischen Brüssel und Berlin werden am Mittwoch nächster Woche beginnen. Die belgischen Verhandlnngsführer reisen vor­aussichtlich am Dienötag von Brüssel nach Ber­lin, um dort zunächst einmal Borverhattdlungcn mit der deutschen Regierung aufzunehmen.

* * *

Die Gier nach dem Gold.

Paris, 2. September. (Eigene Drahtmel­dung.) Der Pariser Korrespondent desDaily Telegraph" behauptet, daß Kopenhagen und Bern als dir Städte ausersehen seien, in denen Deutschland wahrscheinlich die vierzehn Millio­nen Pfund Sterling in Gold, also 270 Millionen Goldmark der Reichsbank zu hinterlegen hat. Demselben Blatt zufolge gab der englische Delegierte in der Reparationskommissiott. Brad- bury, der Hoffnung Ausdruck, daß man einen Vergleich finden werde, um zu verhindern, daß der Goldreserve der Reichsbank eine der­artige bedeutende Summe entzogen werde.

Voincars lehnt vie Gewerkschaften ab.

Paris, 2. September. (Eigene Drahtmeldung.) Nach einer Vkeldung desTemps" hat Po i n - cars es abgelehnt, eine Vertretung des internationalen Gewerffchastsbun- des zu empfangen, die gegen die französische Stellungnahme in der deutschen Reparations- rage Vorstellungen machen wollte. Es handelt ich um den Antrag der deutschen Geiverffchaften bei der Amsterdamer Internationale. DerMa- tin" erblickt in dem Schritt, der von den Dent- chen vorgeschobenen sranzösifchen GetoerkschastS- vertreter eine Unverschämtheit.

Deutsche Stellungnahme.

Regierung und Parteiführer.

(Privat-T elegramm.)

Berlin, 2- September.

Erft im Laufe der vergangenen Sind# ist Staatssekretär Dr. Schröder in Berkin ein­getroffen. Aus diesem Grunde kann sich das Reichskabinett erst heute mit der durch die Entscheidung der Reparationskommission ge­schaffenen Lage befassen. Man erwartet, daß am heutigen Abend die Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und den Führern der politischen Parteien stattfin- den. Die Entscheidung, ob Reichstag und aus­wärtiger Ausschuß einzuberusen find, wird erst in den Besprechungen des Kanzlers mit den Führern der Reichstagfsraktionen Men, die heute ihren Anfang nehmen. Reichstagsprüfi. deut Löwe ift in Berlin einzetroffen.

Stein Solddepot im Auslände.

Berlin, 2- September. (Privattelegramm.) Es kann nach der Aufaffung politischer Kreise big jetzt gesagt werden, daß die deutsche Regie rung sich den in der Reparationsnote vorgetckfla- genen Verhandlungen mit Belgien

über die Einzelheiten und Sicherungen nicht ent­ziehen wird, eine Sicherung durch ein Gold­depot bei einer auswärtigen Bank kommt jedoch, auf keinen Fall in Frage.

Frankreich droht Wetter.

PoiucarsS mitttärifche Marschbereitschaft.

(Eigener Trahtbericht.)

Paris, 2. Sept.

Savas" zufolge hat der parlamentarische Knmmerausschnß seine nächste Sitzung auf den H. September festgesetzt, um zu dem Antrag des Kriegsministers Stellung »u nehmen, mit Rück­sicht auf die ernste politische Lage den zur Ent­lassung stehenden Jahrgang zwei Monate län­ger unter den Fahnen zu belassen. Echo de Paris schreibt, daß Frankreich seinen Sieg in der Reparationskommiffion nicht über­schätze. Pojnrare steht aus dem Standpunkt, daß die Garantiefrage auch mit der Ablehnung des Moratoriums noch nicht geklärt sei. Erst wenn die verlangten Garantien ohne jeden Vor­behalt von Deutschland gegeben werden, entfalle für Frankreich der Zwang zu ständiger mili­tärischer Bereitschaft.

Die Folgen der Teuerung.

Bolschewistische Ausschreitungen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 2. September.

Gestern abend ist es in der Bornholmer- und Tilsiter Straße in Berlin zu Teuer»»gs- k r a w a l l e n gekommen. Junge Burschen, die den Sowjetstern (!) trugen, begannen, die Wa­renvorräte in den Läden eigenmächtig mit billi­gen Preisen zu versehen und den Berkaus zu den so herabgesetzten Preisen zu erzwingen. Zucker wurde in großen Mengen zu 19 Mark das Pfund verkauft. Die Schutzpolizei griff ein und ver­trieb die Bttrschen. Die Läden schlossen aber schnell aus Furcht vor Plünderungen. Gegen 9 Uhr durchzogen die Straßen des Frankfurter Viertels größere Züge von jugendlichen Arbeitslosen, die Hochrufe auf Sowjet- rußl aud (!) ausbrachten und in mehreren Kaffees kostenlose Getränke-Abgabe erztvangen.

Forderungen im besetzten Gebiet.

Köln, 2. September. (Eigene Drahtmeldung.> Aus Veranlassung des Gesamwerbandes deitt- fcher Beamten und Staats-Angestellten-Gewerk- ichaftcn wurde gestern bei der Regierung in Köln, sowie bei der Reichsbahndirektion eine Vertretung der Bezirksbetriebsräte vorstellig mit dem Ersuchen, sofort in Berlin auf eine schnelle Abwicklung der Teuerungsaktion zu drängen und zwar auf telegraphischem Wege, andernfalls Störungen im Eiscnbahnver kehr des besetzten Gebietes zu befürchten seien. Es wird unter anderem gefordert, daß bis fpä- »estenS Montag ein Vorschuß in Höhe der neuen Zulagen zu zahlen ist.

(Sine Mahnung zur Nutze.

Magdeburg, 2. September. (Eigene Draht- mcldung.) Ter gestern tagende Provinzial- Siädtetag hat folgende Enffchlietzung angenom­men: Der Stadletag ersucht die Arbeiter, aus Anlaß der Knappheit an Zahlungsmitteln sich nicht zum Streik hinreissen zu lassen, sondern die Arbeit sortzusetren. Die Not wird innerhalb weniger Tage behoben sein, da die Staatsbehörden alles tun werden, um der In­dustrie Zahlungsmittel zur Verfügung zu stellen. Auch Abschlagszahlungen erscheinen jetzt in einem solchen Maße möglich, daß eine weitere Not der Arbeiter, Angestellten und Beamtenkreise ausgeschlossen erscheint.

Wer ist minderbemittelt?

Am bte Versorgung mit Markeubrot.

(Privat-Telegraussn.) z

Berlin, 2. September.

Im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist eine Verordnung ausgearbei tet worden, durch die die öffentliche B r o t v e r- sorgung auf die Minderbemittelten beschränkt werden soll. Als nicht versorgungS- berechtigt sollen die Personen gelten, deren Ein­kommen im Fahre 1921 für Alleinstehende 30 000 Mark, für den HauShMnngsvorstand 30000 Mark und für jede weirer-FPersou im Haushalt 10000 Mark überstiegen fiat. Wer nachweist, daß sein Einkommen lM23 das Dreifache be§ s«ben angegebenen Einkommens nicht über­steigt. bleibt verforgungsberechtigt. Nach der Verordnung wird den Kommunalbehürden freie Hand gelassen, in welcher Weife sie die- herüemittetten vom Bezug des Markenbrotes ausMießcn wollen. Zumeist düafie die Vor­legung der Einkommenfieuerquittung für ISA von den Betreffenden verlangt werden.

Ernte-Auöflchten.

Getreide mäßig, Kartoffeln und Rüden gut. «ngeftcht« der schlimmen Teuerung wiinsch« jedermann, der Städter sowohl tote der Dauer, »u wissen, was uns die nächsten Monate dringen werden, Auf dem Eeoiete der Lebensmittel gibt folgender Dericht verschieben« Anhaltspunkte« Der preußifche Landwirtschastsminister Wen. borff hat sich über die Getreideumlage dahin ge. äußert, daß der Durchführung große fachliche Hindernisse int Wege stünden. Hierzu gehöre» die ungleiche und teilweise sehr schlechte Ge- tieibeernte und der festgesetzte Umlagepreis, der 6900 Mark für die Tonne beträgt, während im freien Verkehr mindestens 1600 Mark für den Zentner bezahlt würden. Bei manchem Vcr. r-rucher wird diefe Auslassung vielleicht Besorg, nisse über die Lebensmittelversorgimg auslösen. Es mag daher an Hand der bisher ans allen Teilen des Reiches vorliegenden Meldun- gen kurz auf die Ernteaussichten eingegangen icin. Die andauernden Niederschläge haben die Erntearbeiten gegenüber normalen Jahren sehr ntcfftanb gebracht.

Die Getreideernte

ist noch nicht beendet. Doch läßt sich bereits Liber, sehen, daß der Regen dem Getreide beträchtlich geschadet hat und besonders die Maschinen­arbeit sehr erfchwcrt. Nur die Hackfrüchte, vor allem die Rüben, haben durch den Regen eine Förderung erfahren. Die Sommerung hat ihr Wachstum abgeschlossen und bei ihr ist nach allgemeiner Meinung mit einer sehr mäßigen Ernte zu rechnen, wie sich überhaupt seit Juli die Aussichten für Getreide verschlechtert Haden. <ym Vorjahre beurteilten von den Berichterstat­tern 33 Prozent den Hafer mitgut", 46 Pro­zentmittel", 21 Prozentschlecht", diesmal sind es 10, 51 und 46 Prozent. Bei Sommer- gerste lauten die Urteilegut* 10 Prozent, (1921 35 Prozent),mittel" 60 Prozent (48 Pro­zent),schlecht" 24 Prozent (17 Prozent). Das Stroh ist sehr kurz, dünn und schwach. Der Kör. nerertrag, besonders bei Weizen und Hafer, wird wesentlich hinter dem des Vorjahres zurück, stehen. Im Vergleich zu 1921 schätzen den Ernteertrag bei Roggen ebenso hoch 18 Pro­zent, geringer 76 Prozent; bei Gerste ebenso hoch 19 Prozent, geringer 72 Prozent; bei Wei- z e n ebenso hoch 7 Prozent, geringer 90 Prozent; bei Haser ebenso hoch 16 Prozent, geringer 80 Prozent der Berichterstatter. Nur vereinzelt wird der Körnerertrag höher geschätzt. Einen er­freulichen Ausgleich verspricht aber

die Hackfruchternte

zu bringen. Die Kartoffelernte wird wahrscheinlich sehr viel besser ausfallen als 1921. Damals urteiltengut" nur 13 Prozent,schlecht" dagegen 46 Prozent; diesmal sind eS 66 Prozent gegen nur 4 Prozent. Bei Ruben ist es ähn­lich:gut" 67 Prozent gegen 20 Prozent in 1921 undschlecht" nur 6 Prozent gegen 39 Prozent. Erfreulich gebessert hat sich auch der Stand der Futterpflanzen, der von 54 Prozentgut* beurteilt wird und nur von lo Prozentschlecht". Im Vorjahre waren die entsprechenden Schätzun- ;en 3 Prozent und 82 Prozent! Leider wird aber >er qualitativ und quantitativ künftige zweite Schnitt ter Wiesen den schlechten Ausfall deS ersten Schnittes nicht ansAeichen können, so daß die Futtermitteln»! zwar gemildert, aber nicht beseitigt wird. Nach diesen Angaben ist das Bild der Lebensmittelversorgung im beginnen­den Wirtschaftsjahr schon wesentlich klarer als vor Monatsfrist, wenn auch in großen Zügen kaum verändert. Die Ernte ist geringer als 1921, aber immerhin eine Mittelernte, die durch­aus noch keinen Anlaß zu Befürchtungen gibt. Dies umso weniger, als Reichsgetteidestelle und Handel noch über Vorräte der alten Ernte ver- ügen, und als bereits in größerem Umfange Käufe im freien Verkehr im Fnlande und im AuSkande getätigt sind. Zudem wird eine r e hch- »iche Kartoffel« und Rübenernte für die städtische BAoöSeruna gute Möglichkeiten zur Ergänzung der Broternahrung geben.

Der Brennstoff-Mangel.

Sorgen des Winters.

Der Holzhondelsausschuß des Reichs forst- mirtt'kiastsrates hat zur Brennstoffnot eine Er­klärung abgegeben, der wir das Folgerte ent« nehmen:Wenn der gefaulte Jahreseinschlag an Rutz- und Brennholz des ganzen deutschen Wal- des aller Besitzarten und Größen verfeuert würde, fo würde das erst drei Viertel der Heiz- werte schaffen, die wir jährlich an den Feind- bunt auf Reparationskonto abliefern müssen, und noch nicht so viel, als die Kohlenförderung von 2 bis 2't Monaten allein im RuHrbecke» beträgt. Der vorn ReichswirtjchastKministerimn irr 1919-20 als erforderlich erachtete, als Ans- nahmemaßregel für ein einzelnes Jahr erreich­bare und Wohl auch erreichte Mehreinschlag von fünf Millionen Festmeter Dcrbbrennholz in ganz WeutLblmch $at noch lange nicht ei« Prozent .