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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 202.

Fernsprecher toi und 952

Mittwoch, 30. August 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Sie Maßnahmen gegen die Teuerung.

Verschleierte Zukunst.

Nach der Abreise der Entente-Boten.

Die Verhandlungen zwischen der Reichsre- gierung und den Vertretern der Reparations- tommiificn, auf die im Verlaufe der vorigen Woche die ganze Welt lauschte, haben ihren Ab­schluß gefunden und die beiden Vertreter der Reparationskonmtission sind nach Paris zurück- gekehrt, um in der Kommission Bericht zu er­statten. Wie sich die Dinge weiter entwickeln werden, daz vermag man Henle noch nicht zu überblicken. Würde auch dieser neue Versuch zu einer Einigung zu kommen, erfolglos sein, so würde die Schuld daran auch einmal die französische Regierung treffen, die hartnäckig auf ihrer Forderungnach produktiven Pfündern- besteht und die sich nur dazu verstehen will, als einzigstes Entgegenkommen eventuell unter Ge­währung eines gleichwertigen Ersatzes, also be­dingt, für ein kurzfristiges Moratorium ihre Zustimmung zu geben.

In diesem Vorgehen Frankreichs liegen die ganzen Schwierigkeiten der deutschen Reichsre- gicrung in dieser schweren Stunde. Deutschland bedarf unbedingt des Moratoriums für die Reparationszahlungen, es muß eine Atempause Haden, oder es eilt mit rasenden Schritten dem Abgrund zu, der sich jetzt schon gähnend auftut und der durch die wahnsinnige Entwertung der Mark gekennzeichnet wird. Um dieses Mora­torium zu erlangen, darf man deutscherseits kein Mittel unversucht lassen, Kompromiß- Wege einzuschlagen, die eine Lösiing dahin bringen, die für beide Seiten annehmbar ist. Abgesehen von den Grenzen, die in der Lei- sritrrgsfävigkeit der deutschem WrHL«ft »nd der deutschen Finanzkraft liegen, gibt es noch eine äußerte Grenze, über die hinaus die deutsche Reichsregierung unter keinen Umständen gehen darf. Sie ist in den Worten des Kanzlers ge­genüber den Vertretern der Gewerkschaften da­hin gekennzeichnet:die schwere Entscheidung der Reichsregierung mußte der Notwendigkeir Rechnung tragen, daß die Erfüllung da eine Grenze findet, wo das Brot für das deutsche Volk in Gefahr tarn mV Die gleichernsten und zugleich mahnenden Worte für d«s Heraufziehen eines politischen Gewitters in Deutschland und schwerer Unruhen hatte der Kanzler schon vor einigen Tagen den Vertretern der Auslandsprcffe gegenüber getan, als er auf die Rede Poincaräs beim Abbruch der letzten Londoner Besprechungen die deutsche Zah- lnngsunmöglichkeit mit dem Satz begründete: .Erst Brot, dann Reparationen!"

Poincars betonte immer, er wolle die Ver­nichtung des deutschen Volkes nicht und doch geht seine ganze Politik auf dieses Ziel hinaus. Durch Zerreißung des deutschen Reiches in kleine Einzelstaaten, wie vor 1870, glaubt er, Frankreich groß und sicher zu machen. Daher eine Politik, die auf Konflikte, wie die letzten zwischen Bayern und dem Reiche hinzielt und sie im geheimen nährt. Daher Unterstützung der rheinischen Separatisten und nicht zuletzt Her- ausbeschwörung politischer Unruhen in Deutsch­land selbst. Verschiedentlich schon hat Poincars die große Masse des deutschen Volkes gegen den deutschen Kapitalismus scharf zu machen ver­sucht und immer wieder zielt das Bestreben darauf hin, diesen Kapitalismus in irgend einer Weise zu treffen. Sei es nun durch Vorschläge betreffs Enteignung, Sanktionen usw. die aus seinen Reden und Maßnahmen herauSkliNgen, teils direkt ausgesprochen, teils nur angedeutet, sei es durch andere Maßnahmen Frankreichs, die Erbitterung in den - breiten Massen des deutschen Volkes und gerade in den unteren Schichten hervorzuntfen müssen. Poincars selbst ist rechtsgerichteter Mann und in seinem eigenen Lande würde er brutale Mittel und Wege wis­sen, um jede derartige Regung der großen Masse im Keime zu ersticken. Aber für Deutschland ist das etwas Anderes. Hier unterstützt er oder seine Regierung die Machenschaften der äußer- sten Linken ans dem Bestreben heraus, daß in­nerpolitische Unruhen die Einheit Deutschlands bedrohen und das deutsche Wilk weiter schwächen. So macht er der demokratischen deutschen Regierung, der deutschen Republik nur immer wieder Schwierigkeiten und so sucht er auch durch seine fetzigen unerfüllbaren Verlan- Rnachproduktiven Pfändern" auf diesem e weiter zu kommen.

Daß die Vernichtung Deutschlands den Ruin Frankreichs nach sich zieht, sieht Poincars nichts »bet will er nicht sehen, weil seine Richtung rein politisch und nicht volkswirtschaft­lich eingestellt ist. Er hat kein Einsehen dafür, daß jedes seiner Worte in seinen Brandreden den französischen Steuerzahlern so und so viel Franken kostet, wie ihm ein englisches Blatt mit Recht vorhäkt. Er siebt nicht, wie der Franken, wenn auch langsam, aber doch parallel mit der Mark sinkt. Em Zeichen dafür, daß man im übrigen Ausland sich der Gefahr des Mark- sturzes auch für Frankreich voll bewußt ist- Für Deutschland wäre es aber ein geringer Trost zu

wissen und zu sehen, daß Frankreich mit in die­sen Strudel des Untergangs hineingeriffen würde, und deshalb muß die deutsche Politik im Interesse des eigenen Landes zunächst einmal darauf bedacht fein, von Deutschland das Ver­hängnis unter allen Umständen abzuwehren. Zeit gewinnen, das war die einzige Mlöglichkeit, mit der die deutsche Politik bisher, und das muffen selbst ihre Gegner sagen, erfolgreich ge­arbeitet hat und Zeit gewinnen heißt es auch in diesem Augenblick wieder, in dem man bestrebt ist, das befugte Kompromiß zu finden. Sb eine solche Politik letzten Endes von steherem Erfolg begleitet ist. das heute zu sagen, ist schwer. Aber es ist immerhin leichter, den Standpunkt zu vertreten, mit Ehren unterzn- geheii, als die letzten Mittel nicht unversucht zu lassen, auch unter schweren Opfern, Deutschland vor dem Untergang zu bewahren. K*s.

Teuemngs -SchwierWetten.

Konferenz der Ministerpräsidenten.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 29. August.

Auf der gestrigen Konferenz der Ministrrprü stdenten der deutschen Länder gelangte außer der Frage der Teuerung auch die @efamttage des Reiches und der Stand der Reparations­verhandlungen zur Erörterung, lleber den In­halt ist zur endgültigen Entscheidung der Kon­ferenz strengste Bertraulichkeit beschlossen wor­den. Nur soviel läßt sich sagen, daß die Vertre­ter aller Länder, auch die süddeutschen, fick einig hinter dir. ReichAregierun« gestellt und ihre Maßnahmen gebilligt haben. Wie derLokalanzeiger" nach erfährt, wurden auch die Schwierigkeiten zur Sprache gebracht, die nach maßgebenden Kreisen allen zu harten Maßnahmen im Wege stehen. Cs wurde auch die Frage der Zwangswirtschaft ange­schnitten und gegen deren Wiedereinführung schwerste Bedenken geäußert, da sie auf erheb­lichen Widerstand stoße« und kaum zur Durch­führung gebracht werden könne. Die Ernäh- rungsminifter werden sich am Attttwoch in Hamburg treffen. Es ist übrigens anzunehmen, daß am Donnerstag die Führer der Regierun­gen auch über die Reparationsfrage genau un­terrichtet werden können.

2Dotznahmrn im September.

Berlin, 29. AuMst. (Privattelegramm.) In der gestrigen Konferenz der deutschen Minister- präfidenten ist unter anderem der Zeitpunkt der Einführung der Staatsmaßnahmen gegen die Teuerung Gegenstand längerer Aussprache gewesen. Allgemein wurde der 15 September befürwortet. Die Gtercide- umlage ist von allen auf der Konferenz ver- ttetenen Ländern aufrecht erhalten worden und zwar ohne jede Abänderung, da die Rot de« Volkes von allen Kreisen Opfer verlangt, auch von der Landwirtschaft. Die bayerische Regie­rung stimmte ebenfalls für die Aufrechterhaltung der Getteidenmlage. Gegen die Wiedereinfüh rung der Zwangswirtschaft wurden Bedenken gemacht. Die Beratungen werden fortgesetzt.

Die teuere Margarine.

Berlin, 29. August. (Privattelegramm.) Anläßlich der abermaligen Preiserhöhung im Margarinehandel um 100 Mark für daS Pfund, schreibt derVorwärts": Die Marga- rinepreise sind am Großhandel auf den fünf- hundertfachen Friedensstand angelangt. Der hiche Dollarstand rechtfertigt diese gewaltige Tenerimg keineswegs. Die Verteuerung der Margarine berührt umso eigenartiger, als die Margarine - Fabrikation fast durchweg unter maßgeblichem Einfluß holländischen Kapitals steht. Das Blatt erwartet, daß die Reichs- cegierung unverzüglich die Preise prüft und gegebenenfalls gegen den Wucher des Vlar- garine-Kapitals einschreitet.

Deutsche Zugeständnisse.

Die Frage ob die Sicherheiten genügen.

(Eigener Drahtbericht.)

lete Sicherheiten von Deutschland zu vcr. langen find. Die Beratungen werden am heu­tigen Dienstag fortgesetzt. Anträge der in der Reparationskonunission vertretenen Mächte find erst zu erwarten, nachdem die dcuttchen Ver­treter aut Mittwoch gehört worden find.

Das LEZungsprobLem.

Neue Festsetzung der Gesamtsumme«?

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 29. August.

Die Hauptdelegierten des Reparationskomi­tees und ihre Stellvertreter hielten gestern mit­tag Besprechungen ab über die Frage des Zah­lungsaufschubs.Jntransigeaitt" behaup­tet, daß im R o v e m b et in Brüssel eine neue große Konferenz stattfindet, die die Zah­lungen Deutschlands neu sestsetzcn wird. Diese Konferenz werde wahrscheinlich beschließen, daß die achtzig Milliarden Schuldverschreibungen der Klaffe C fallen gelassen werden und daß Deutsch­land nur eine Gesamtsumme von 40 bis 50 Milliarde« zu zahlen hat, wovon Frankreich mehr als die ihm bisher zngcstandenen zwet- nndfünfztg Prozent erhalten dürste. Dann wer- de man gegenüber Deutschland hart auftreten, um die Durchführung dieser Zahlungen zu er­reichen. In den Kreise«, die der Reparations- lommisston nahefieheu, wurde gestern die Lage sehr n»t im ifrisch, beurteilt. Man glaubt, daß der belgische Kompromißvorfchlag die Basis für eine Einigung bilden könne. Dieser Vorschlag soll bereits heute erörtert werde«.

tim 61t Kontrolle.

Paris, 29. August. (Eigene Drcchtmel- düng.) DerTemps" bestreitet die vomRew- york Herald" gebrachte Meldung, daß der eng­lische Delegierte Bradbnry auf Grund von Ver­einbarungen mit der Berliner Regierung gestern in-bet Reparatronskommiffion den Vorschlag ge­macht habe, die deutschen Finanzen «niet eine amerikanische Kontrolle z« stelle»-

*

Frankreichs Haktrms.

Paris, 29. August. (Eigene Trahttnel- düng.) Hasas berichtet: Bon den in ganz Frank­reich zusEmengetretenen Generalräten liegen Kundgebungen und Beschlüsse vor, die die Po- litik Boincarös gegen Deutschland ein­stimmig gebilligt haben.

Deutsche Vertreter tu Parts. Man will neue Vorschläge hören.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 29 August

Da die Reparationskommisston sich anschei­nend über ihre Stellungnahme rtt der Frage des deutschen Moratoriums noch nicht einig ist, hat sie ihre Entscheidung endgültig auf Mittwoch verschoben und der deutschen Regierung offiziell mitgeteilt, daß sie bereit sei, vor ihrem TckiedS- ivruch am Mittwoch deutsch eäRer'reter z« hören. Dazu wird anS nntunterrichteien Kreisen mitaeteilt, daß man der deutschen Ne­gierung nichtamtlich nahegelegt habe, als Ver­treter Deutschlands den ReichSfinanzmliiistcr Dr. Hermes und den SlaatSlekreiär a. D. Berg­mann nach Paris zu entsenden da diese beiden Herren auch die Verhandlungen in Berlin mit Dir John Bradbnrv und Mauelerr führten.

Schrvder und Bergmann.

Berlin, 29. August. (Privvielegramm.) In der Reichskanzlei fmtb gxstcrrt nochmals eine Chefbcsprechimg statt, in der das gefilmte Repa rntionsvroblem eingehend beritten wurde. Alb Vertreter der deutsche», Regierung wird Staatssekretär Schröder zu den Verhand­lungen mit der Reparationskommission nach Pa­ris reifen. Wie daneben mUge' .itt wird ist der Staatssekretär a. D. Bergmann in nickt- amtlicher Eigenschaft nach PrciS abgrreist

Amtliche Weisungen.

Berlin, 29. August. (Privattelegramm.) In der gestrigen Sitzung des Reichskabinetts wurden die W e i s« n g e n feftgdegt für die be­vollmächtigten deutschen Vertreter in der Sitzung der Reparationskommisston. Diese Instruktionen lauten dahin, daß es bei der Ablehnung

An der Lahn.

Ei» Marburgs» August-Mld.

Rack» einem lne-?wvck»lgen Aufenthalt in der hsssrskheu ®<1)tt.eKerftabt Marburg eeben mir folgenden Z«rieu0rl«s wieder, Marburg zeigte sich in diesem Sommer tote eine verwöhnte launische Frau, nicht immer von der besten Seite. Es regnete viel« Wochen hindurch. Man klagte zwar auch anderwärts über den nassen Sommer, aber Marburg hat nach statistischen Feststellungen den Vorzug, eine der regenreichsten Städte Deutschlands zu sein. Wenn zwischendurch mal einige sonnige Tage er­schienen, dann wirkte die schone ehemalige hej- stsche Residenz gleich umso prachtvoller. Sie ließ ibr landschaftliches Bild in allen Farben leuchten und zog den Mensche« un- widerstehlich in ihren Bann. Steht man oben auf dem Schloßberg, um den Blick über das Land schweifen zu lassen, so mag man eine Rich­tung wählen, welche man will, immer öffnet sich eine Aussicht auf gegenüber liegende Berge und in weite Täler hinein, wie sie in dieser Man­nigfaltigkeit wohl fetten zu genießen ist. Unten drangen sich die grauen Schieferdächer der Alt- ftafbt zusammen, die eine ruhmreiche Geschichte hat, dabei auch viel unter Kämpfen hat leiden müssen. Immer richtete sich in jenen unruhigen Zeiten die wackere Bürgerschaft wieder auf und baute von neuem. Als ehrenwerte Wahrzeichen treten die alten Gebäude, die Elisäbethlirche, Universität, Rathaus, einige Privaihäufer, dar­aus hervor. Nach Süden hin dehnt sich der mo- derne, mit breiten Straßen und Gärten ange­legte neue Stadtteil vornehm aus. Das fchöuste Gesamtbild der Stadt erhält man von dem an der Ostseite der Lahn emporsteigenden Berge mit dem Aussichtsturm auf der SpiegelSlust. Von da aus überblickt man die ganze Stadt, die sich malerisch an dem Abhang rings um den Schldßberg schmiegt und vom stolzen, Jahrhun- derte alten Schloß gekrönt wird. Unten an der Stadt schlängelt sich die Lahn in sanften Win­dungen dahin. Und über das alles hinaus schaut man weit ins zerklüftete Gebirge, ein einzig­artig schönes Panorama. Aus den Wäldern heraus schallt heiteres Vogelgezwitscher und fröhlicher Sang von Kindern und Wanderern. Alles atmet Frische und Gesundheit. Ich erin­nere mich daran, was meiner Wirttn schönes Töchterlein utir sagte, daß Marburg eine der ozonreichsten Städte Deutschlands sei. Also fange ich die würzige Waldlust mit besonderem Hochgefühl ein und steige wieder hinab von der Höhe, die Lunge voll Ozon, Herz und Sinn voll Zufriedenheit.

Die Lahn schleicht langsam dahin, als wollte sie sich die lange vermißte wärmende Sonne auf den glatten Rücken scheinen lassen. In den Rach- mittaasstunden regt es sich auch in und auf dem Wasser. In der Badeanstalt plLtfchern einige 'Badende lachend und kreifchend umher. An an­derer Stelle schwimmt ein Kahn mit jungen Bur- scheu, die in seichtes Fahrwasser geraten sind und unter Späßen versuchen, loszukommen. Auf der steinernen Brücke bleiben die Fußgänger stehen und schauen vergnügt dem Bemühen zu. Man bat anscheinend keine große Eile. So spiclr sich auch im Stadtinnern das Leben mit Ruhe und Gemütlichkeit ab. Selbst die elektrische Straßenbahn nimmt fick auf ihrer einzigen Linie gemächlick Zeit, so daß der Wagenführer and» zugleich Schaffner fein kann. In d;r bergigen Altstadt wird man schon von Natur aus zum Langsamgehen gezwungen. Diese steilen Gassen und Treppen (die nebenbei bemerkt abends in undurchdringliche Finsternis gehüllt find) lassen es nicht zu, daß man im Remttempo hinaus eilt. Mir tun die Menschen leid, die sich mit beladenen Handwagen da hinauf auälen müssen. Auch die Pferde vor den Lastwagen müssen ungewöhnlich viel Kraft aitftoenbcn. Das holprige Pflaster, das angesichts der heutigen teuren Schühpreife eine sehr empfindliche Beinahe ist. bat eben darin feine Berechtigung, daß man einen festen Halt unter den Füßen bat (Man stelle fick das Gehen und Fahren bei Glatteis vor?) Ick frage mich immer wieder, was in den früheren Jahrhun­derten die Marburaer wohl veranlaßt haben mag, de« Ort an die Bergwand zu bauen, too durch das steile Auf und Ab der Verkehr auf;er« ordentlich erschwert wird. Hatten sie damals auch genug Zeit zur Langsamkeit, so mußten sie doch unnütz viel Kraft verbrauchen. Aber das ist der Unterschied der Zeiten: Früher scheute man keine körperliche Mühe. Heute im Zeitalter der Zivili­sation triumphiert der Grundsatz: mit mögfidfl wenig Kraft möglichst hohe Leistung, da? heißt bequeme Verkehrswege und für den Transport die Maschine.

Marburg ist vom modernen nervösen Hasten infolge feiner Lage verschont geblieben. Das hat entschieden sehr viel fiir fick. Dadurch hat sich die alte Behaglichkeit erhalten. Es wirb vo- einem romantischen Zar^cr umflossen, wen« die studentischen Korps und Bn- schcuschasten ihre betriebsamen Feste veranstalten. Hat auch daS studentische Treiben wie überall seinen früheren

Paris, 29. AugM.

lungsaufschub von kurzer Dauer zu bewilligen,

HavaS meldet vom Montag abend: Die Repa- rationskonnillssion hat am Montag ihre Beratun­gen über die deutfchen Zugestäudnisfe fortgesetzt und besonders die Frage eingehend er­örtert, ob diese Zugeständnisse, wie sie die Mit­glieder der Reparationskommission aus Berlin überbracht haben, genügend sind, um einen Zah­

lungsaufschub von kurzer Dauer zu bewilligen, her produktiven Pfänder durch die deut oder ob vor Gewährung des Aufschubs wei-jsche Reichsrcgicning verbleibe« mutz.