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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Kummer 201

Fernsprecher 951 und 952

Dienstag, 29. August 1922,

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Lohnforderungen infolge der Wrkenkwerlvng.

Kein Luxusartikel!

Deutschlands Aschenbrödel.

In der Deutschen Bergwerkszeitung findet sich ein beherzigenswerter Artikel, der sich mit der Presse beschäftigt und sich vor Al­lem an diejenigen wendet, nach deren An­sicht die Zeitung ein Luxusgegenstand ist. I« den Ausführungen heißt es: Es ist eine mertwürdige Erscheinung, daß der Durchschnittsdeutsche zwar, trotz allem Geschrei über Wucher und nach der Polizei, sich noch alle- mal sehr rasch an die steigenden Preise aus den verschiedensten Warengebieten gewöhnt hat. Nur wenn seine Zeitung teurer wird, ist er ge-I neigt, die Geimrtlichkeit zu verlieren. Es hat sichj in den Köpfen so etwas wie eine Vorstellung j eingenistet, daß es eigentlich Wlicht der Zeitun­gen sei, umsonstoder doch zu einem phanta­stisch niedrigen Preise zur Verfügung zu stehen. Dies mag damit zusammcnhäugen, daß die Zeitungen von jeher halb verschenkt wurden. Das war vor dem Kriege der Fall uns ist es, trotz aller inzwischen erfolgten Erhöhun­gen des Bezugspreises, auchheutenoch. Das ist begreiflicherweise eine Gepflogenheit, die der Zeitungsleser schätzt, und an die er nur ungern rühren läßt. Nichts ist bekanntlich schwerer, als sich von einer lieben Gewohnheit zu trennen.

Eine Zeitlang ging es den Büchern ähnlich wie den Zeitungen. Auch den Buchverlegern siel es schwer, die Preise so heraufzusetzen, wie es nötig war, damit noch Bücher hcrausgebracht werden konnten. Aber mit den höheren Bücher- preisen beginnt das Publikum sich doch abzu­finden, während es sich bei der Zeitung immer noch sträubt, auch nur in geringem Maßstabx den Verhältnissen Rechnung zu tragen. Die Er­höhung des Bezugspreises wird leicht als eine Art Zumutung aufgefaßt Ein Reclambüchlein kostete vor dem Kriege 20 Pfg. Heute kostet es ganz wesentlich mehr; es ist so billig und so teuer wie irgend ein anderes Buch. Aber keiner fin­det etwas dabei und, wie hinzugefügt sei, mit Recht. Rur mutz der Zeitung die gleiche Ge­rechtigkeit widerfahren.

Leider wird die Auffassung. daß die Zeitung eigentlich ohne Entgelt Dienste zu leisten h<Ä>e, nicht nur vom großen Publikum, sondern von manchen Kreisen gehegt, von denen man eine bessere Einsicht erwarten sollte. Behörden und Interessenverbände, Gesellschaften und Einzel­personen machen nur zu häufig ben Versuch, die Zeitung für ihre Zwecke zu verwenden, wobei sie es für selbstverständlich, ja fast für eine Ehren­pflicht der Zeitung halten, daß sie ihre Arbeit ohne Bezahlung lei st et. Wie würden sich diese Leute wundern, wenn man von ihnen, im Rahmen ihrer Aufgaben, umgekehrt ein Gleiches forderte? Es würde ihnen jegliches Verständnis dafür fehlen. Gue der zahlreichen Funktionen der Presse ist cs, den Leserkreis über die Entwicklung des geistigen Le' bens zu informieren. Bisher >var es Brauchs daß die Verleger ihre Neuerscheinungen für die Besprechung kostenlos zur Verfügung stellten. Man bedenke, welche Gegenleistung eS bedeutet, wenn eint angesehene Zeitung Taufende von Menschen auf eine neue Schrift aufmerksam macht und sie dadaurch zum Kauf anregl. Wenn sonst jemand von seiner Ware der Oefsentlichkeit durch die Zeitung Kenntnis gibt, muß er inse- iteren und dafür eine Summe Geldes zahlen. Tas braucht der Verleger, dessen Buch befpro- cheu wird, nicht Trotzdem wird neuewings von einigen Verlegern der Versuch gemacht, den Zei' rungen ihre Bücher zur BespaÄung nicht mehr gratis zu liefern, sondern die Bezahlung eine? sogenannten Vorzugspreises dafür zu verlangen. Ein weiterer Beweis dafür, was man »er Pres­se alles zuzmnuien wagt.

Hier wie auch sonst fast überall, wo die oben gekennzeichnete Auffassung herrscht, betrachtet man die Zeitung als L u r u s. Es ist betrüb eich, daß selbst Regierung und Parteien sich zu Ge­setzen hergeben. die nur zu verstehen sind, wenn man die Zeitung für einen Lurus hält. Das gilt von der unsinnigen Inseratensteuer, die einer schwer um ihr Dasein ringenden Presse auferlegt wurde, einer Sondersteuer, einer Aus- nabmesleuer also, tote man bedenken möge! Es ailt auch von der sonderbaren Bestimmung des ersetzentwnrfes zur Linderung der Notlage der Presse, nach der die für die Inserate benutzt ien Zeiten einer Zeitung nicht die beabsichtigie Papierverbillignng cinbezogen toervcn sollen. Wie spät ist übrigens dieses ganze Gesetz einge- brackt worden, und wie lange dauert eS, bis eS angeivendet werden kann! Bis dahin geht einer Zeitung nach der anderen der Atem auS

Diese sonderbare Haltung der Regierung unv Parteien hängt ebenso wie die seelische Verfas­sung des Durchschnittsdeutschen seiner Zeitimg aegenüber damit zusammen, daß der Deutsche 'ssr das Wesen der Politik itnb für politische Notwendigkeiten kein Verständnis hat. Heute ebensowenig wie gestern und morgen! Wie er

für politische Propaganda im Auslände einfach kein Organ besitzt, so weiß er auch nicht die Be­deutung der Zeitung im politischen und wirt­schaftlichen Leben der Nation in ihrem vollen Umfange zu würdigen. Darum ist er nicht ein- mas bereit, der Zeitung das zu geben, was er auf jedem anderen Gebiet gern und ohne Beden­ken als selbstverständlich zu bewilligen bereit ist. von Opfern gar nicht zu reden. So ist cs fein Wunder, wenn die deutfchc Presse im intcrnatio aalen Zeitungskonzert nicht die Stimme hat, me ihr zukommt.- Auch ohne die schwierige Lage Deutschlands in der Gegenwart würde es kaum anders sein.

Zur politischen Befähigung muß der Deutsche erst noch erzogen werden, und dazu gehört, daß man ihm Sinn für die Unentbehrlichkeit einer starken und leistungsfähigen deutschen Presse beibringt. Dann wird er nicht mehr, wenn der Rot gehorchend die Bezugs- und Inseratenpreise hcraufgesetzt wer­den (und es geschieht nicht entfernt in einem Umfang, der der allgemeinen Teuerung ent­spricht» in seiner Rübe unangenehm gestört werden oder gar an Schmälerung seiner geM- gen Kost denken. Vielmehr wird er mehr denn sc seine Pflicht begreifen, seiner Zeitimg gera­de in schwieriger Zeit im eigensten In­teresse ebenso wie zum Gedeihen der Allge­meinheit treu zu bleiben.

Das ZahlMgÄpwblem.

Englischs und französische Auffassung.

(Eigener Drabtbericht.)

London, 28. August.

DieSnnday Times" veröffentlicht eine Er klätung, die der britische Vertreter Bradbnry bei feiner Rütftehr von Berlin in London gemacht hat. Es heißt darin, er sei davon überzeugt, daß Deutschland ernste Anstrengu ngen machen werde, u,n die Forderungen der fran­zösischen Regierung zu erfüllen. Er sei aber auch fest davon übczengt, daß die franzö- fische Regierung ebenfalls ihr möglichstes tun müsse, um Konzessionen zu machen. Dage­gen behauptet der französischeMatin"-Korre- spondent, die Delegierten hätten erklärt, Ber­lin sei eine Stadt bewunderswürdiger Tätig­keit und eS srhle niemandem an Geld. (?) Die Delegierten hätten ein Land gesehen, dessen Bürger reich seien (?). während der Staat unmittelbar vor dem Bankerott stehe.

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Angenommene Bedingungen?

Genf, 28. August. (Eigene Drahtmeldung.) DerTemps" beurteilt das Ergebnis der Ber ­liner Berhandlungen als relativ günstig für Frankreich. Die Zugeständniffe Deutsch­lands seien bisher offiziell nicht bekannt gege­ben, da zunächst die Reparationskommission zu entscheiden habe. Tatsächlich habe Deutschland aber zwei Drittel der Forderungen der Re- parationskommisston bedingungslos ange­nommen. (?) Wenn auch über die Pfän­der noch keine Verständigung erzielt sei, so hätten bic Deutschen durch ihr Memorandum den ungünstigen Eindruck auslöschen wollen.

*

Besprechungen beim Kanzler.

Berlin, W. August. (Privattelegramm.) Heute früh fand eine Chefbesprechung ber Reichsregierung unter bcm Vorsitz des Reichs­kanzlers statt, in der über bie hier eingegange­nen Mitteilungen ber Rcparationskommisflon beritten wird. Zugleich soll die Entsendung bet Delegierten unb bie ihnen miizugebenc Weisung zur Beschlußfassung stehen. Unter ben Delc gierten befindet sich, wie bestimmt verlautet, Staatssekretär a. D. Bergmann.

Amerika ata Schiedsrichter.

-Washington, 28. August. (Drachtmeldung.) Senator Cox hat bereits von England, Frank­reich unb Deutschland bi» Versicherung erhalten, daß biefe drei Staaten mit dem Eintritt Hoo­vers als Schiedsrichter in die Repara­tionskommission einverstanden sind.

Gegen öreLwangswittschaft.

Stellungnahme der VolkSParkri.

lPrivat-Telegramm.)

Berlin, 28. August.

Reichstagsabgeordneter Dr. Hugo Otto bat dem Reichskanzler Dr. Wirth unb Rcichswirt- schaftSmin'ster Schmidt folgendes Telegramm gesandt:Als Vorsitzender des wirtschaftspoliti­schen Ausschusses der Reichstagsfrattion der Deutschen Bolkspartei erhebe nochmals Ein­spruch gegen die von den Gewerkschaften geforderte Rückkehr zur Zwangstokrlschaft.

Sie würde die Produktionskräfte der deutschen Wirtschaft und ihre Zalftungsfähigkeit gegenüber dem Weltmarkt restlos erschüttern und zerriitien, größte Arbeitslosigkeit in ganz Deutschland Her­vorrufen. die Anpassung der Löhne an die Geld cntrvertung unmöglich machen, einen neuen Not­stand in der Warenverteilung Hervorrufen, wie im Kriege uns trotzdem keine Preiscntlastmtg für ben Sonfumenten bebrüten. Die Rückkehr zur Zwangswirtschaft würde ber erschlafften deutschen Wirtschaft den Todesstoß geben."

Wem Lohnforderungen.

Die Anträge der Berliner Gewerkschaften. lPrivat-Telegramm.)

Berlin, 28. August.

Die Großberliner Gewerkschaften sind mit allgemeinen Lohnforderungen ausgetreten. Die städtisthen Arbeiter verlangen bie Neuregelung der Lohne auf einen Satz von hundertfünf zig Mark pro Stunde. Die Betriebsräte der Straßenbahn werden am Mittwoch über die neuen Forderungen abstimmen lassen, wonach Stundcnlöhne von 125200 Mark beanspruch! werden. Die Erfüllung biefer Forderung würde bie Versechsfach ung aller städtischen T a - rife zur Folge haben müssen. Auch die Eisen- bahnwerkstätten-Arbeiter in Berlin und Span­dau haben gestern abend Stundenlohnforderun­gen von 130200 Mark ausgestellt.

Die Beomien-Organifationen.

Berlin, 28. August. (Privattelegramm.) Unter der Einwirkung der rapiden Markcntwer- iung haben die Beamien-Organisatio- nen beim Reichskanzler die beschleunigte Wie­deraufnahme von Verhandlungen nachgesucht, um die abermalige Anpassung der Löhne uns Gehälter an bie Teuerung herbeizuführen.

ÄM die fremde Aufsicht.

Kein« Kontrolle der Bergwerke unb Forsten? (Eigene D-ahimeldung.)

Paris, 28. August.

DerT^mpS" scheint nicht damit zu rechnen, oaß die französische Regierung mit der Garantie der deutschen staatlichen Gruben und For­sten durchbringen wirb uub schlägt von sich au? vor, baß die deutsche Reichsregierung bei der Bank von England oder einer anderen auslän­dischen Bank eine Goldreserve depo­niere. bie ben Wert ber für August bis No­vember fälligen deutschen Barzahlungen deckt, bis die Alliierten eine Lösung des Reparations­problems im Zusammenhänge mit dem alliierten Schuldenansgleich gefunden haben. Für Belgien würden von den Banken Kredite eröffnet wer­den, über bic eS nach Gutdünken verfügen könnte. Durch eine solche Maßnahme würbe Belgien sein PrioritötsreO als gedeckt erachten.

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voincars besteht auf Konirokle.

Paris, 28 August. (Eigene Drahtmeldung.) Zu dem deutschen Vorschlag, die Holz, und Kohlen- Lieferungen zu garantieren, schreibt berTemps: Die Auslegung der deut­schen Regierung, sowie gewisser Alliierter, baß durch eine anderweitige Garantieleistung für diese Lieferungen eine Kontrolle der Gruben unb Forsten von selbst hinfällig werbe, ist irrig. Mi­nisterpräsident Poinrars hat in seiner Bespre­chung mit dem französischen Delegierten Mau- cfere erklärt, baß die K o tro lleber Grube n unb Forsten weiterhin bie unerläßliche B e - diugungfür ein Moratorium bilden müsse

Die Bedrohung des Ruhrgebiets.

Paris, 28. August. (Eigene Drahtmeldung.) Die Reparationskommission wirb spätestens am Dienstag die Entscheidung über das Moratv- rimnsgesuch fallen. Es besteht kein Zweifel, daß mit dem französischen Berttcter der Repa- rationskommission auch ber italienische und belgische für die Ablehnung des Mora- t ar tu ms stimmen werden. In ftanzösischen Kreisen wird behauptet, daß der englische Delegierte Bradbury von feinem Besuch in Ber- lin und den Ergebnissen der Besprechungen Mit der deutschen Regierung so enttäuscht ist, daß auch er sich gegen die Gewährung des Morato­riums aussprechen wird. Sollte jcdoch die Rc- parationskommisfion wider Erwarten dem sran- zösischcn Anttog auf Ablehnung des Morato­riums nicht rustimmen, so würde bie französische Regierung sich ihre volle Handlungsfreiheit sichern. Man glaubt allgemein, daß die Besetzung des Ruhrgebictes unvermeidlich geworden ist.

Der Göhre-GGlüffel.

Zum zehnjährigen Bestand der Söhrebah«.

Wie bereit» berichtet, find jetzt zehn Jahre ver gangen seit der Inbetriebnahme ber SSHrebahn Att.-Gef-, Kleinbahn «ettenhausen-WeUerove

Das an Vodenschätzen und Wald reiche Ge­biet der Söhre lag, fast kann man sichs nicht mehr erinnern, vor einem Jahrzehnt noch weltabge­schieden. Lediglich Pferd, Wagen, und Schusters Rappen waren die Verkehrsmittel. Hunderte von Arbeitern aus den uralten Dörfern im Vorge- täitbe des Bergwaldes gingen zur Arbeit nach Kassel und hatten kaum Zeit zu kurzem Schlaf. Sie marschierten nur zur und von der Arbeit und arbeiteten. Wenige Wanderer schritten bergan. Auf Achsen besörderte die Söhreinvuftrie Kohle und Basalt nach Kassel zur Bahn.

Das ist anders geworben. Der Schlüssel, der die Söhre öffnete, war die Söhrebahn. Durchs Tal des Wahlebachs führt sie vom Forst über Ochsbauien, das alte Oggozeshufen, Voll­marsbausen 1019 bereits als Uolmareshusen genannt mit feiner aus ber Asche neu erstan­denen alten Ziegelei unb dem benachbaorten Crumbach, nach Wellerode (1350 Wynebollderode) am Fahrenbach und darüber hinaus zum Wal- desrand. wo die Drahtseilbahn endet von ben Watten-baÄer Braunkohlenwerken aus. Hoch über dem Bahnhof liegt heute schon ein neuer Stollen.

Jetzt fährt bis dorthin der Wanderer und ber Arbeiter kommt frisch unb ausgcruht nach Kassel ans Tagcswerk. Die Zahl der Wochenkar­ten beträgt augenblicklich rund siebenhundert. Selbst die Forstbehörde, die dem Bahnbau große Schwierigkeiten bereitete, empfindet heute deren Segen und rollt mit ihr das Holz abwärts. Ge­genwärtig befördert die Bahn täglich außer den Ziegelerzeugnissen von Vollmarshaufen ztoei- hundert bis zweihnndertfünfzig Tonnen Basal t- stein und hundertzwanzig bis hundertfünfzig Tonnen Braunkohle. Je ein Wagen enthält zehn Tonnen. Die Deutschen Werke, Faß- Manns. Elektron-Grietzheim und andere Betten­häuser Industrien sind angefchlossen und vier weitere Anschlüsse sind im Entstehen.

Hielten sich früher die Einnahmen aus dem Personen- und Güterverkehr die Wage, so über­steigen jetzt die Gütereinnahmen die ersteren aus ®nmb ber erhöhten, der Reichsbahn angepaßten Tarife. Wagen ber Söhrebahn durchrollen das ganze Reich. Schon diese Angaben genügen, die volkswirtschaftliche Bedeutung der jetzt zehnjäh­rigen Söhrebahn darzulegen. Biel ist noch von ihr zu erwarten!

Jubilaumsfahrt zur Söhre.

Es war genau wie vor zehn Jahren. Im ge­schmückten Wagen fuhren wir vom Söhre-Bohn- hof auf dem Forstfeld nach Wellerode-Wald. Nur der Forst hat ein anderes Aussehen bekommen. Damals noch freie? Feld, jetzt mit den Deutschen Werken bestanden. Unb an der Strecke selbst er­klingt das Lied der Arbeit. Aus den Feldern, durch die es bergan geht, stehen im Abendschein die Kornhügel. Ueber den Dörfern liegt Wochen- cndfrieden. Und nun der Wald. Rechter und linker Hand. Wir stehen auf dem Bahnsteig des Kopfbahnhofs. Ueber dem Wald geht in glühen­dem Gold die Sonne zur Ruhe. Ein Bild, das zur Andacht stimmt. Scharf treten die Silhouet­ten der Höhen des Kaufunger Waldes am blauen Horizont hervor. Die blasse Mondsichel löst das Tagesacstirn ab. Mählich ziehen btt' Sterne auf

Wellerode-Wald.

Hier oben, am Rande des schönen Söhre- waldes, den sie breitesten Kreisen erschlossen, ge» denkt die S ö h r e b a b n A. G., Kleinbahn Bet- tenhausen-Wellerode, Rückschau zu halten auf die zehn Jahre, die feit der ersten Fahrt zurück- liegen. In engerem Streife ists schon einmal ge- schehen. Jetzt sind alle geladen, die Freud und Leid der Bahn teilten, alle Beamten, Angestellten und Arbeiter bis zum kleinsten Stift. Manche Neuerungen fallen zunächst ins Auge. So­eben wurde die Werkstätte, das Maschinen-Loza- rett. von dem Lokomotivschuppen getrennt. So­weit möglich, werden alle Reparaturen selbst er« lcdigt. Ueber drei Maschinen versüat fetzt die Gesellschaft. Der Dahnkos ist in tadellofem Zu­stande. Dem Schönheitsgevanken ist hier weit- gebend Rechnung getragen worden. Seine Ter­rasse gibt einen prächtigen Ausblick frei. Hoch über dem D-abnbos aber, von Gärten umgeben, erhebt sich ein großes Beamten ha u? für fechs Familien ... ein Denkmal des sozialen Empfindens der Gesellschaft schon vor dem Kriege!

Rückblick aus bie Vergangenheit.

Wer es noch nicht wissen sollte, welche Bedeut hing dieser Kleinbahn innewohnt, der erfuhr ei ans den Ansprachen, die in dem mit Tannen- und Eichcngrün und Heide geschmückten Wartesaal an die festlich gestimmte Gesellschaft gehalten wur­den. Direktor FrenZcl, von bem alle feine Mit­arbeiter mit größter Hochachtung sprachen, hatte ein inneres Recht dazu, gutes Einvernehmen