■
J
Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
12. Jahrgang
Nummer 199
Sonnabend, 26. August 1922.
Fernsprecher 951 unb 952
Fernsprecher 951 und 952
Die äafieltr I! nieste» Nachrichte» erschein-» wSchenUich sechsmal tmb zwar ab («bä. Der Abon»ew«ntäpr«IS beträgt monatlich 87.— Mark bei tretet Zustellung ins Haus, in der BeichSftSstelle abgeholt 35.— Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 37.— Mark mouatltch einschl. Zustellung. Bestellungen werden jederzett entgegengenommen. Druckerei, «erlaa und Redaktion-. Lchlachthosftraste 28/80. Aut unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Wewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung de« Bezugsgeldes oder Dnfptüche wegen etwaiger nicht ordnüngSmästiger Lieferung auSgeschloffcn.
JnsertionSntetfer a) Einheimische Aufträge Die einspaltige Anzeigenzeile M. 6.—, die einspaltige Reklamezeile M. 14.—. b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltige AnzeigenzeUe M. 5.—, die einspaltige ReklamezeUe M. 14—, alles einschließlich Teuerungszuschlag und Anzeigensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen «Neigen, sowie für «ufnahme- daten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. — Druckerei: Schlacht, hofftratze 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nummer 951 und 952.
Zusammenbruch der Mark.
Witterung und Ernte.
Mitglieder der Reparationskommission, die heule mit dem Reichskanzler und Dr. Hermes bis %2 Uhr dauerten, noch fortgesetzt und zu einem gutenEnde geführt werden können. Auf jeden Fall ist die Situation immer noch sehr erlist und schwierig.
die Verhandlungen mit den Vertretern der Re- parationSkommisfion wieder aufgenomn-en wurden. Man ist in eine Prüfung der deutschen Verhältnisse eingetreten, wobei naturgemäß alle Ideen, die sich aufdringen, erörtert wurde«. Gestern vormittag besprachen sich Sir John Bradbury und Hem Mauclere mit dem Reichskanzler Dr. Wirth und dem Reichsfinanzminister Dr. H e r m e s auf Grund der am Mittwoch gepflogenen Verhandlungen. Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Boi: einer sosottigen Abreise der Delegierten ist nicht die Rede. Rach einer anderen Meldung ist gestern abend das Kabinett zu einer neuen Sitzung zusammengetreten, um den ganzen Fragenkomplex noch einmal zu beraten. Man gibt in Kreisen der Reichsregierung trotz allem die Hoff-
Dle Katastrophe der Mark.
London, 25. August. (Privattelegramm.) Der Zusammenbruch der Mark wird von der großen englischen Press« eingehend kommentiert. Manchester Guardian erklärt, daß dir Berliner Devisenhausse nicht nur eine Katastrophe für Deutschland sei, sondern auch der Weltwirtschaft verhäuguisooll werd«.
Aus dem toten Ipunft.
Paris, 25. August. (Privattelegramm.) Die Berichte der Berliner Korrespondenten der Pari- ser Presse waren gestern wieder in den düstersten Tönen gehalten. Man spricht allgemein davon, daß die Verhandlungen zwischen den Mitgliedern der Reparationskommission und der deutschen Regierung auf einem toten Punkte angelangt seien. Tie Schuld siege selbstverständlich (!) an der UnnaMiebigkeit des Kanzlers Dr. Wirth und des ReichSfinanzmiuisters Dr. Hermes, der schon in der Frage der Kohlen- imb Holzlieserungen unannehmbare Angebote gemacht hätte und in der Frage der Garantien Frankreich in keiner Weise Rechnung trage.
Was soll geschehen?
Ungünstige Ausfichte«. kEigene Drahtmeldung.)
Berlin, 25. August.
Die gegenwärtig im Reichscrnährungsmini- sterium stattfindenden Beratungen zur Siche- rung des notwendigen Brotgetreides haben ergeben, daß infolge der seit Ende Juli in ganz Deutschland herrschenden Regen- Periode die Ernteaussichtcn deratt ungünstig geworden sind, daß eine Durchführung des Getreideumlage . Verfahrens unmöglich erscheint. Neben einer Erhöhung der Nmlagepreise wird auch eine stärkere Inanspruchnahme von Auslands- getreide notwendig werden. Was diese bei einem Dollarstand von rund Zweitausend bedeutet, bedarf keiner näheren Erörterung. Ohne eine Brotpreiserhöhung wird es, wie gestern schon gemeldet, nicht abgehen. Wenn in dieser Beziehung auch noch keine Beschlüsse vorliegen, rechnet man doch bereits für das erste Drittel des neuen Erntejahres mit einer hundertpro. zentigenErhöhnngdes Preises füx Mae- kcnbrot. Im Laufe des heutigen Tages werden sich die Gewerkschaften sowie die sozialdemokratischen und unabhängigen Parteivorstände in einer gemeinsamen Sitzung mit der innen- und außenpolitischen Lage beschäftigen.
Berlin, 25. August. (Privattelegramm.) Die bereits gemeldete Besprechung des Reichskanzlers mit den von ihm empfangenen Vertretern der Gewerkschaften drehten sich um die Abwendung der drohenden Wirtschasts- kakastrophe. Die Gewerkschaften unterbreiteten dem Kanzler eine Reihe von Vorschlägen. Der Reichskanzler entwickelte in einer Darlegung der gegenwärtigen itnb voraufgegangenen Verhandlungen die allgemeine politische Lage und führte dabei aus, daß die Reichsregierung vor einer schweren Entscheidung steht. Wie diese auch ausfallen wird, so wird sie der Notwendigkeit Rechnung tragen Essen, daß die Erfüllunaspolitik da eine Grenze findet, wo die Brotversorgung für das Volk in Gefahr kommt. Die Gewerkschafts- vettreter stimmten den Ausführungen zu.
Paris, 25. August.
Die pessimistische Stimmung der hiesigen Kreise hinsichtlich der Berliner Verhandlungen ist durch das Bekanntwerden eines neuen deutschen Vorschlages, die staatlichen Gruben und Forsten der Kontrolle eines amerikanischen Kommissars zu unterstellen, ziemlich behoben; jedenfalls hält man die Gefahr eines Abbruches der Konferenz für beseitigt. Neber die Haltung Frankreichs dem neuen deutschen An- gebot gegenüber findet sich in der Presse keinerlei Andeutung; es wird lediglich erklärt, daß dir
<8in Xelkgrornm nach London.
Berlin, 25. August. (Privattelegramm.) Der Allgemeine Deutsche Gewerkschastsbuud hat an den Trade Union-Congreß in London folgendes Telegramm grttchtet: Dollarstand heule 1870. Deutsche Mark fast auf Null. Bedeutet wirtschaftlichen Zusammenbruch Deutschlands. Beginn des wirtschaftlichen Chaos. Folgen für all« Jndustrievölker unabsehbar. Für England erneute Steigerung der Arbeitslosigkeit. Sechzig Millionen deutsche Käufer verschwinden vom Weltmarft. Noch Rettung möglich, aber so f o r t einzuleiten. Hängt haupl- sächlich von euren Maßnahmen ab. Ein Telegramm ähnlichen Inhalts ging an den Internationalen Gewerkschaftshund in Amsterdam ab.
wird jedoch damit rechnen müssen, daß die Entente eine Hilfe ablehnt, wie sie für Oesterreich im Augenblick notwendig wär«. Jedenfalls haben führende Kreise der Alliietten erklärt, daß sie keinen Ausweg aus dem österreichischen Wirrsal sähen. Insonderheit könne der Völkerbund sich mit der Lösung finanzieller Schwierigkeiten nicht beschäftigten. Inzwischen wächst die ungeheuere Not, hauptsächlich in Wien, ins Ungemessene. Schon sind Unruhen zu verzeichnen, und man vermag noch nicht abzusehen, tote sich die Dinge in der Donaustadt weiter entwickeln werden. Selbstmorde aus Nahrungssorgen sind an der Tagesordnung. Die Entente aber, die Bringerin der „Shtltm", steht vor diesem Jammerbilde — mkit verschränkten Armen ... * * *
Sn zwölfter Stunde!
Die mitteleuropäische Frage.
Oesterreich kämpft um seine Existenz. Lange genug hat es auf die Hilfe der Entente gewartet, jetzt schreitet es zur Selbsthtlje. Es war von
Xlnter Kontrolle Amerikas
Bessere Stimmung in Paris?
(Privat-Telegramm.)
Delegierten der Reparationskommisflmi heute nuni) nicht auf, daß die Beratungen der beiden dem Kanzler ihre Antwort übergeben.
vornherein kaum damit zu rechnen, daß die Entente weitsichtig genug wäre, um das österreichische Problem ohne Rücksicht auf eigen« kletn- liche Interessen zu behandeln. Ehe sich innerhalb ihres Bereiches die Formalien einer ausreichenden Hilfsaktion erledigt hätten, hätte vermutlich Oesterreich bereits seinen letzten Atemzug getan. Die neue Vertagung der Kreditaktion konnte nicht ohne Rückwirkung auf die Gründung der neuen Notenbank bleiben. Die jetzt eingetretene Katastrophe hat daher sowohl finanziell« wie politisch« Bedeutung. In letzterer Beziehung suchen die verantwortlichen Staatsmänner in Wien dadurch wenigstens eine provisorische Lösung der Krise zu sinden, daß sie mit den Regierungen in Berlin, Rom und Prag in Verbindung treten. Vielleicht werden sich allmählich die Ententemächte inzwischen über die Frage einig werden, ob Oesterreich am Leben zu lassen sei oder sterben solle.
In Prag freilich hat Dr. Seipel nicht die erwünschte Antwort bekommen. Hier fehlt es vor allem an der nötigen Unbefangenheit zur Prüfung der Mission Seipels, die im Grunde genommen nichts anderes als die Auftollung der mitteleuropäischen Frage bedeutet. Die Tschecho- Slowakei ist in ihren Entschließungen bekanntlich überhaupt nicht mehr frei. Sie kann Ent- scheidungen internationaler Art ohne die Einflußnahme der ftanzösischen Machthaber nicht __treffe^, und so Van es nicht Wundernehmen, daß Herr B e n e s ch von einer aktiven Politik, wie sie setzt von dem verzweifelten Oesterreich in letzter Stunde versucht wird, nichts wissen will. Das einzige was die tschecho-slvtoakische Regierung dcm Bundeskanzler Seipel raten konnte, war, die Entscheidung des Anfang September zusam- meittretenden Völkerbundes abzutoatten. Dieser Erfolg der Seipelschen Mission in Prag ist wenig ermutigend und kann hinsichtlich aller weiteren Versuche, eine Sanierung der Lage in Oesterreich herbeizuführen, nur mit größtem Skeptizismus erfüllen. In Berlin freilich wird man das Aeußerste tun, um dem um fein Leben ringenden Bundesgenossen feine Lage nach Kräften zu erleichtern. Der Lahme foll dem Blinden helfen! Viel praktischen Erfolg wird nran da nicht zu erwarten haben. Jmmerbin haben d-.e Verhandlungen in Berlin gestattet, die mitteleuropäische Frage unter neuen Gesichtswinkeln zu betrachten unb die Ding« soweit zu ttären. baß Herr Seipel wissen muß, ob eine W«iterfahrt nach Rom Zweck hat oder nicht. Bei alledem ist nicht zu vergessen, daß es bei dem ganzen Schritte des österreichischen Bundeskanzlers sich um eine Verzweiflungs- t a t mehr als um eine Tat politischer Ueberzeu- gung handelt.
Wie aus Wiener politischen Kreisen verlautet, ist die neueste Attion der österreichischen Regie- inng aus gewissen Ideengängen hervorgegangen, für die der frühere Autzenminister Czernin verantwortlich zeichnet. Der Kernpuntt dieser Plane ist die Schaffung einer gewissen ita- (n < ’S ft e r r e i d) i f e n Zoll, und Wirtschafts-Einheit, deren Verwirklichung freilich ganz imb gar von der Stellung- nähme Italiens abhängig wäre. Damit sind aller zugleich auch die ganzen Gefahren gekennzeichnet. die das Problem in sich birgt. Wie heute die Dinge liegen, kann Oesterreich toesent- liche Ansprüche nicht machen, es ist itnb bleibt Objekt der Politik derjenigen Staaten, an die es Nch hilfesuchend wendet. Wie man die Ding« auch anfaffen möge, unb so gutgläubig auch Ita Iren sei, jebe berartige Attion müßte letzten Endes in einem, wenn auch nur provisorischen An- icyluß Oesterreichs au Italien bestehen. Daß ein solches Ende keine Stütz« in den breiten Massen der Bevölkerung hätte, wo die Erinnernngen an die Vergangenheit noch zu lebendig sind, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Andererseits scheint es niebt unmöglich, daß Italien diese Ge- legenbett, Oesterreich als vorgeschobenen Posten zwischen der Tschecho-Slotolckei und Jugofla- wien zu betrachten, nicht ungenützt vorübergehen lassen möchte. Der Faszismus in Italien würde ucherkich alle Blüten seiner phantastischcn Träume reifen sehen.
Hier liegt die groß« Gefahr. Gewiß kämpft Oesterreich sozusagen nm sein nacktes Leben Aber noch besitzt es seine Ehre, seinen Stokz. Auch diese Dinge wird es opfern müssen, wenn es in Zukunft feine Freiheit betoabren will. Aber das eben ist die Frage, oh ihm dies gelingen wird. Sind die Bedingungen eines fo engen Wirtschaften und polittsch-n Anschlusses nicht znminde- sten so, baß Oeste >-ichs Lebensfähigkeit garantiert ist, dann sollten bie österreichischen Staatsmänner ihre Finger davon lassen. Es muß bann versucht werden, neue Mittel zu er- !innen, um bie Entente zu bewegen, in zwölfter stunde zugunsten Wiens einzuschreiten. Man
Dor dem Wendepunkt.
Der Stand der Berliner Verhandlungen.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 25. August.
Von zuständiger Stelle werden nach wie vor alle Meldungen über deutsche Gegenvorschläge im Rahmen der Reparations Verhandlungen als unzutreffend bezeichnet. Ebenso ist es falsch, daß bie Verhandlungen bereits zum Abschluß gekommen seien. An den Mittwoch- Verhandlungen nahm der Reichsfinanzminister Dr. Hermes nicht teil. Gestern hat eine Kabinettssitzung «attgefunden, nach deren Abschluß
Dle drohende Katastrophe.
Forderungen an de« Wirtfchaftsmirrister.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 25. August.
Der Allgemeine Deutsche Gewerks chafts- bund hat dem ReichswirtschastSminister folgende Forderungen unterbreitet: BeMagnahme der Lebensmittel, Kleider und Schuhe, Rationierung derselben, Festsetzung eines ZwangkurseS der Mark, Festsetzung von Höchstpreisen, Ueberuahme des gesamten Aussuhrhandels durch die Reichsregierung, Devisen-Ein- und Verkauf nur durch das Reich, schärfste Ueberwachung der Preisbildung durch daS Reich, sofvttiges Verbot von Kuchen und Luxusvackwaren, sofortiges Verbot der Herstel- Utng von Likören, Konfitüren, Sckmkolade usw., Einschränkung der Biererzeugung, Verbot von Schaumwein-Fabrikation für den Luxusver- branch, Einfuhrverbot für Weine, Apfelsinen ufw. Die Gewerkschaften haben diese Forderun- gen schon zu Anfang der vergangenen Worbe dein ReiMwirtschastSminister vorgetragen, ohne das eine befriedigende Stellungnahme des Ministers zu diesen außerordenttich wirtschaftlichen Forderungen erfolgt war. Es bleibt abzuwartcu, wie sich der Reichskanzler zu der von den Gewerkschaften gesordetten Wiedereinführung der Zwangswirtschaft stellen wird.
Deutsche Erfinder.
Die Bedeutung des Segelftug-Rekordes.
Unsere Leser find davon unterrichtet, daft bei den Flngveranstaltnngen mit motorlosen Flug, »eugen tu der Rhö« Ausseheu erregende Leist, »ngen erreicht wurden, daft Flugrekorde aus. gestellt werde« konnten, an btt da» Ausland uicht annähernd heranreicht. A»S Fachkreisen wird un« Uder die Bedeutung der deutschen Segelfiug-Rekorde Nachstehende« geschrieben r Di« großartigen Leistungen, die von deutschen Fliegern ttu Segelfluge soeben in der Rhön erzielt worden sind, muffen die allergrößte Aufmerksamkeit alter Fachkreise auf sich lenken. Was man noch bis vor kurzem für phantastisch gehalten hatte, daß nämlich ein stundenlanger Flug un Segelflugzeug unb die Rückkehr zur Abfahrtistelle möglich sei, sieht jetzt als Tatsache vor uns. Fahrten im Segelflug« von mehr als zwei Stunden, wie sie der Rhön-Segelflugtoettbetoerb aufzuweisen hat, sind bisher in keinem anderen Lande erzielt worden und stellen einen Rekord bar, ber auf diesem Gebiete Deutfchland wieber an ber Spitze ber Nationen marschieren läßt. Das ist ja eben bie Zuversicht, die uns trotz allen wirtschaftlichen unb politischen Elends immer noch aufrecht erhalten kann, daß wir Deutschen über ein so beträchtliches Maß von Energie unb Ausdauer verfügen, daß wir an der Hoffnung, uns eines Tages zu neuer Blüte erheben zu können, nicht zu verzweifeln brauchen. Andererseits ist dies auch bet bewußte Groll unserer Feinde, die mit der Wiederaufrichtung Deutschlands als bestimmtem Faktor rechnen und durch barte Zwangsmaßnahmen diesen Zeitpunkt möglichst lange hinauszuschieben suchen.
Was die vraftische Bedeutung des Segelfluges betrifft, so läßt sich diese im augenblicklichen Ent- wicklungsstadium kaum ganz übersehen. Immerhin genügt bie Tatsache, daß es möglich ist, unter gewissen Umständen viele Kilometer wett $u fliegen, ohne einen Motor als Antriebs- Mittel verwenden zu müssen, um die großartigsten Aussichten für die Zukunft zu eröffnen. Gerade der Motor ist für das Flug» wesen ein in vieler Beziehung einschränkendes Moment. Nicht nur, daß bie Anschaffungskosten für einen leistungsfähigen Motor nahezu uner- schwinglich sind, so wird der 93«trieb auch durch bie beständige Steigerung des Bretmstoffes be- stänbig verteuert. Füllt ber Motor fort unb mit ihm auch bei Ballast des Betriebsstoffes, bann können die Flugzeuge außerdem erheblich leichter gebaut werden, wodurch nicht nur eine beträchtliche Verbilligung, sondern auch größere Ausnutzungsmöglichkeit geboten wird. Soll das Flugzeug überhaupt ein populäres Fahrzeug werden, bann ist dies nur auf diesem Weg« möglich. Selbstverständlich ist nicht daran zu denken, baß bas Segelflugzeug das Motorflugzeug eines Tages völlig ersetzen werde. Weite Landstrecken werden sich selbst unter günstigsten Wind- und Wetterverhältnissen niemals ohne Motor bewältigen lassen. Ein regelmäßiger, pünktlicher Betrieb wird auch in der Zukunft nur mit bete Apparaten des bisherigen Typs möglich fein. Aber als Sportapparat wird das Segelflugzeug sich bald allgemeiner Beliebtheit erfreuen. Wenn auch die persönlich« Befähigung deS Flugzeugführers beim Motorflugzeuge nicht unterschätzt werden darf, so liegt eS doch auf der Hand, daß es bei einem Apparat, der ganz auf den Willen und die Eignung des Führers eingestellt ist, wie das SeMlflttMug, an das sportliche Können des Führers noch ganz andere For- derungen gestellt werden müssen. In dieser Beziehung ist nur ein Vergleich mit dem Segelsport gestattet, obgleich dieser bei weitem nicht soviel Schwierigkeiten überwinden läßt, wie das motorlose Fliegen ton Luftmeer.
Im Auslande wird man nicht ohne Reid die deutschen Erfolg« auf dem Gebiete des Luft- sigelbootes betrachten, nicht zuletzt in Frankreich, wo in allernächster Zeit ebenfalls Konkurrenzen mH motorlosen Flugzeugen ftattfinben werden. Sicherlich wird man die allergrößten Anstrengungen machen, um hinter den Ergebnissen des Rhön-WettbswerbeS nicht zurückziMei- ben. Wie turnt sich erinnern wird, spielt die Größe und Stärke der Motoren der Flugzeuge bei den uns durch die Entente auferlegten Bedingungen eine nicht unerhebliche Rolle. Es sind uns in dieser Beziehung ganz bestimmte Höchstmaße auferlegt, die wir nicht überschreiten dürfen. Selbstverständlich ist, tote bereits oben erwähnt, einstweilen am einen Ersatz des Motorflugzeuges durch das Segelflugzeug nicht zu den. ken. Aber auch hier zeigt sich immerhin schon, daß die Entwicklung der Technik über die An- Mästungen unserer Feinde einfach hintoegfchrei- ten wird. Was sie uns beute gestatten ober verbieten, wird eines Tages in Anbetracht bei erreichten Fortschritte auf technischem Gebiete völlig gegen st anbslos fein, und Deutschland nitb wieder jene Stelle behaupten, bie eS vor dem Kriege im Rate der Völker eingenommen bat. Dasselbe gilt auf dem Gebiete der mtntäri» scken Bewaffnung, nicht minder wie auf dem der wirtschaftlichen Rüstung; überall gilt das Wort, daß »noch nicht aller Tage Abend ist". Der Rhön-