Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 194.
12. Jahrgang
Sonntag, 20. August 1922.
Fernsprecher 951 nnd 952
Fernsprecher 951 und 952
Deutschlands finanzielle Katastrophe
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Eine auffällige Erscheinung.
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Besprechungen in Berlin.
im Anzug ist?
Man täusche sich nicht: Mr
Note vom 14. Juli mit geteilt: Hinsichtlich Barzahlungen, di« von Deutschland Grund der wirtschaftlichen Bestimmungen schuldet werden, beabsichtigen die alliierten
Berlin, 19. August. (Privattelegrarmn.) Es fällt auf, so schreibt heute der „Lokalanzeiger", mit welcher Geschlossenheit die französische Presse von Rechts bis Links auf einmal verständi- gungsbereit kst. Wie auf einen Wink hin. Gerade -aS muß stutzig machen. Nur die Danaer mutz man fürchten, wenn sie Geschenke bringen. Diese Erfahrung kann auch den Franzosen gegenüber zur Geltung kommen.
der auf ge- Re-
Marksiemd unL LwangSwirtschast.
Berlin, IS. August. (Eigene Drahtmrldung.) Der ReichSwirtschaftsminilter hat gestern die Besprechungen mit den Gewerkschaf- t e n fortgesetzt. Sie betrafen gestern Hauptsache lich die Wiedereinführung der Zwangswirtschaft. Me verlautet, ist dieser Plan vom Reichswirtschaftsminister als zurzeit undurchführbar zurückgewiesen worden, da er bei dem jetzigen Tiefstand der Mark keine Verbilligung der Lebensrnittel bringen würde.
der Bevölkerung siechen dahin. Die Verelendung nerccksekreiär Bergery und dem Finanz .^vernimmt rapide zu. Der Geist der Verzweiflung ständigen Frrkin begleitet werden, mit dem
Zweifellos würde ein Fortfahren auf diesem Wege, wie daS Vorgehen gegen die gemä- tzigtercn Sozialrevolutionäre zeigt, wieder inS rabiTakrc Fahrwasser führen und damit die neuerdings angeknüpften Beziehungen nicht nur zu den Westmüchten, sondern auch zu Deutschland ernstlich gefährden, was für das nach Kapital und Handelsverkehr hungernde (im wörtlichsten Sinne des Wortes l) Rutzland einen schweren Rückschlag bedeuten müßte. Das aber wäre zu besorgen, wenn Lenin nicht bald wie-
Srne WirtschaW-SMente
Proffefttmmen gtte Annäherung.
Unser Sterbelager.
Ein Appell an das Weltgewtssen.
... Es ist etwas Gewaltiges, am Ste
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Bietungen, die Zahlung der zwei Millionen Pfund, die am 15. August fällig waren, binnen vier Wochen von diesem Tage an zu fordern. Bon diesem Tage beabsichtigen sie das Abkommen vom 1<* Juli zu kündigen und Schritte zu tun, um e i n z e l n mit der deutschen Regierung Abmachungen über die Regelung aller Ähuldcn zu treffen, die ihnen auf Grund der wirtschaftlichen Bestimmungen geschuldet werden. Diese Abmachungen sollen der ReparationSkommisfion zur Einverständniserklärung unterbreitet werden.
Lohn BrcdSrrrg kommt nach Bersin.
Paris, 19. August. (Eigene Drahtmeldung.) Sir John Bradbury und ein französischer Vertreter der Reparationskommifsion haben in der gestrigen uichtosfizielten Sitzung der Repa-
ijortet Börse einen Kurs, der 1290 Papiermark entspricht. Um '/7 Uhr abendS hatte der Dollar einen Preisstand von 1300, also daS Drei hundertfache seines FriedenswerteS erreicht; das englische Pfund wurde mit sechstausend und der holländische Gulden mit sechshundert bezahlt. Man muß sich vergegenwärtigen, daß zurzeit der französischen Revolution die Assignaten während ihres niedrigsten Preisstandes den Wert von 1/3 Prozent ihres Friedensstandes hatten. So ist durch die Preise des gestrigen Abeuddevi- senverkehrS die Tatsache geschaffen, daß die deutsch« Baluta, verglichen mit den Assignaten der französischen Revolutionszeit, einen noch etwas niedrigeren Preisfwnd zu verzeichnen hat.
JnforttonSptetsk: a) etnholmtfche Aufträg«: Die etnfpaltige Anz-lgenzrlle M. 5.—, Die einspaltige Re:iam-,-il« SS. 14.—. b) AusivärUg« Ailstrüg«: Die etnfpaltige Anzeigen,eile SR. 5.—, die einspaltig« Rellamereile Pi. 14—, alles einfchliebktch Teuerimzszufchlag und Anzeigensteuer, stür Anzeigen mit befond-rs schwierigem Sa» hundert Brozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch siernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme, bäte» und Plätze kann eine Gewähr nicht Überno,nmen werden. — Druckerei: Schlacht, hosftratze rs/SV. Seschäftsstells: Kölnische Straße 4. Telephon Nummer 951 und 952.
TroMse LuftSnve.
Die vollständig« Entwertung der Mark, (Prtvat-Trlegramm.)
und des Aufruhrs muß sich notwendigerweise auch in den Schichten entlvickeln, die früher im Autoritätsgedanken und feiner Pflege die beste Stellung für das Staarsleben erblickten. Aber wie soll es nützlich sein, staatliche, ja auch jegliche andere Autorität hoch zu halten, wenn die Menschen hungern und frieren?
Ter Reichskanzler hat in seinem Appell an die Welt als Aufgabe der nächsten Politik in Deutschland die Sicherung der st a a t l i ch e n Ordnung bezeichnet. Und er hat Hinzuge fügt, daß an dieser Sicherung der staatlichen Ordnung eines Sechzig-Millionen-PokkeS die ganze West interessiert ist. So ist eS! Es ist fürwahr etwas Gewaltiges um das Sterben eines Volkes, und es ist das erschütterndste Erleben, am Sterbebett eines solchen Volkes zu stehen. Die Lage, in die sich Deutschland jetzt versetzt sieht, ist gar keine andere, als daß es ein Todesurteil vernommen zu haben glaubt. Aber ein Volk mit diesen ZebenSenergien, wie sie Deutschland besitzt, wird nicht widerstandslos sterben wollen. Der Kampf mnS Dasein gewinnt in der Entscheidung um das Schicksal eines ganzen Volkes bezwin- gende Kraft. —s.
Reichskanzler Dr. Wirth stattfinden. Wie der „Trmps" schreibt, beharrt die französische Regie- nmg auf ihrem Standpunkt, daß ein Moratorium Deutschland nur unter den Bedingungen gewährt werden dürfte, daß es höchstens bis Ende 1922 reichen dürfe und Deutschland die Produktiven Pfänder anbieten müsse, die Poincar4 in Lo-dnon zu erlangen suchte, nämlich die Domänenwaldungen und die Staatsbergweicke.
WMwort aus Loudon.
(Kitte Note der Alliierten. (Eigene Drahtmeldung.) Berlin. 19. August. Die britische Regietnng hat der deutschen
Botschaft in Lonvon am 17. August folgende gemeinsame Antwort der Alliierten auf die deutsche
Spionage gegen die Sowjetregierung nicht ein- stellen sollte (also eine Art Bewährungsfrist), bat der Kulturwelt ein Rätsel aufgegeben, mit dessen Lösung man sich so lange vergeblich ob« müht, als man dies Bluturteil mit der beding- ten Begnadigung nicht im Zusammenhang mit den Verhältnissen im Sowjetreiche überhaupt
Russische Zustände.
Was geht ie Nuß land vor?
Wühr««d de» lebten Zeit hat man Ade» 9tuy land wieder lebhaft debattiert. Einmal gestvah di«« wegen des Mo»r«aer «eifelmerde» uni dann wegen »er immer noch rüpelhaften Er e»anknng Senins. Von ein«.« Kenner der rnffifchen Btrhiiltnilse wir» MnS geschrieben Das Todesurteil des Moskauer Obersten Gerichtshofes über die Führer der Sozialrevolutionäre und noch mehr der Beschluß des Allrussischen Zentralvollzugsausschusses, daS Urteil erst anszuMren, falls die sozial- revolutionäre Partei ihre Gewalttaten und
und vor allem mit der geheimnisvollen Krankheit Wladimir Ilitsch Ulfa- n o w s, nämlich des Zaren Lenin betrachtet. Ueber diese Krankheit gehen die Meinungen weit auseinander, West man entweder auf die Mitteilungen der Sowjetregierung oder aber auf nicht mehr glaubwürdige Gerüchte angewiesen bleibt. Tatfache ist jedenfalls, daß auf den roten Zaren ein Attentat ausqeübt wurde (anscheinend ein Fall von Vergiftung, nach anderer Lesart ein Revolverattentat), besser Folgen in einer weitgehenden Zerrüttung des Nervensystems zu bestehen scheinen, sodaß Lenin, der übrigens immer fälschlich zum Juden gestempelt wird, während er dem russischen Kleinadel entstammt, jedenfalls nicht mehr die Rolle eineS Alleinherrschers ausübt, vielleicht überhauvt zur Zeit noch nicht an den Rcgie- rungsgesMsten beteiligt ist. Andererseits würde er vermutlich sckon aus politischer Klugheit ein so drakonisches, durchaus rechtswidriges Urteil verhindert haben, das sogar zu einem Protest der beiden sozialisttschen Internationalen geführt hat. Denn Lenin ist von seiner ursprünglich erzradikalen Gesinnung langsam. aber sicher zu einer gemäßigteren Politik abgeschwenkt, die sogar zu einer Spaltung der kommunistischen Partei Sowjetrußlands (die allerdings durch das Bemühen Lenins äußerlich wieder überbrückt wurde) führte und die von den Gegnern tm eigenen Lager als .U ebergang gum Kapitalismus" festgenagelt wurde.
Gerade dieser unverkennbare AbbröckelungS- prozeß in der eigenen Partei muß dem Sowjetregime die bisher als belanglos angesehene oder ausqegebene Opposttton Von rechts doch als gefährlicher erscheinen lassen. Zwar die Menschewisten, die etwa den deutschen Mebr- heitSsozialisten entsprechen, sind heute ganz bedeutungslos, und in Betracht kommen neben den Kommunisten lediglich die sogenannten Sozialrevolutionäre (mit irgend einer außerrussischen Partei kaum vergleichbar), die gerade neuerdings wieder eine atttoere Politik trieben und mit Unterstützung der zahlreichen, in der Verbannung lebenden Genossen besonders auf dem Lande eine eifrige Agitation entfalten. Durch das Moskauer Urteil glaubte man zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, nämlich erstens durch die Androhung der Ausführung des Todesurteils bei Fortsetzung der sozialrcvolittionären Propaganda gegen das Sotvjetregimc auf diese Partei abschreckend zu wirken, und zweitens bei den eigenen Parteigängern wie auch im Ausland den Eindruck Hervorzurusen, als ob das Sowjetregimr gesicherter als je sei Das war freilich ein Versuch mit untauglichen Mitteln: denn gerade die in diesem terroristischen Urteil zu Tage tretende Nervosität zeigt ja, daß die Dowjetgewalttgen, seitdem der persönliche Einfluß Lenins durch seine Krankheit nachgelassen hat, sich nicht mehr sicher fühlen. Aber auck der auswärtigen Politik Sowjetrutzlauds muß diese Erkenntnis ebenso wie das Urteil selbst schweren Schaden zufiigen, denn während die Sowjetdiplomaten bei d;a Staatsmännern und Bankiers Westeuropas antichambrieren, hat dies Urteil die unter der Herrschaft des Bolschewismus noch bestehende Kluft zwischen Europa und — Halbassen erneut bärget an.
rationskommisston den Auftrag erhalten, sich zur
Einhclung von Informationen über die deutsche ..... - - —
Finanzlage nai Berlin zu begeben und sind I der regierungsfähig würde. Wie sich die Dinge bereits unterwegs. Sie dürsten heute abendj im Sowjetreiche entwickeln würden, wenn der in Berlin eintreüen, freilich so oft fälschlich totgesagte Lenin end-
bebett eines Volkes zu stehen! Mit diesen er- schütternden Worten beschloß der Reichskanzler Dr. Wirth die Erklärungen, die er vor den Vertretern der ausländische» Presse gegeben hat. Diese Erklärungen stellen einen kräftigen Appell an das Weltgewissen dar. Man könnte ja nun nach allen Erfahrungen, die wir bislang gemacht traben, daran zweifeln, ob dieser Ausruf und diese Mahnung nicht dem gleichen Schicksal verfallen werden, wie m fast allen Fällen das bisher war. Und doch war es notwendig, in diesem Augenblick durch die Vertreter der Presse aller Stationen den Ländern und Völkern sagen zu lassen, welche Stimmung DrutschLand angesichts der Vorgänge der letzten Zeit beseelt. Es war arrtzerdem notwendig, die Londoner Anschuldigungen Poincarös gegen Deutschland zurückzuweisen. Bekanntlich hat Poincars Deutschland verantwortlich gemacht sirr die Entwertung der Mark, denn Deutschland habe bet Tschechoslowakei eine Anleihe von vier Milliarden angeboten und habe Banken in Dänemark, Rumänien und Holland gegründet, mit der Absicht, den Verkauf der Mark im Auslande zu erleichtern. Das eine wie das andere ist unwahr. Tas eine wie das andere ist aber auch ebenso naiv. Woher sollte Deutschland die Gelder nehmen, um einem anderen Lande eine Anleihe zu gewähren, und wie lächerlich wäre es. wenn Deutschland wirklich die Absicht des Verkaufs der Mark im Auslände hätte, diesen auch noch durch Einrichtung von Bankinstituten vor aller Welt öffentlich zu betreiben!
Der Weg der Markentwertung wird ganz charakteristisch gekennzeichnet durch die Etappen der sranzösischen Politik. Auch das hat der Reichskanzler kurz und bündig und ebenso treffend wie eindringlich dargetan. Er hat festgcstrllt, daß vor der ersten französischen Drohnote vom 26. Juli der Dollar noch auf 450 stand, daß er unmittelbar nach diefer Rote auf 800 gestiegen fei. Rach der zweiten Drohnote vom 5. August steigerte sich der Dollar auf 900 und nach dem ergebnislosen Abbruch der Londoner Konferenz ereichte er den bisherigen Höchststand von über 1100. Wäre London zu einem Ergebnis gekommen, so hätte man damit rechnen können. daß der Dollar auf 400—500 wieder herab- gegangen wäre. Daß die Markentwertung in den letzten Wochen ausschließlich durch Antreiben vom Ausland her erfolgt ist, wird überhaupt von niemanden, der die wirtschaftlichen Verhält, niste zu beobachten in der Lage ist, bestritten werben. Wenn aber das Ausland in ungeheuren Mengen die deutsche Mark, die in einer fast noch größeren Umlaufsumme als in Deutschland selber im Ausland sich befindet, zum Verkauf stellt und unter alle« Umständen zu verkaufen strebt, dann ist das doch ein Zeichen dafür, daß das internationale Vertrauen Deutschland gegenüber nicht mehr vorhanden ist.
Der Mangel dieses Vertrauens in die deutsche Wirtschaft und in die deutsche Kreditfähig- leit und ihre Wiederherstellung ist die Haupt- fache für die jetzige furchtbare Situation. Frankreich will es nickst einsehen, daß seine Wirtschaft durch diese Dinge erst recht in Mitleidenschaft gezogen wird. Denn ohne internationales Vertrauen ist eine internationale Anleihe gänzlich unmöglich und ohne eine solche Anleihe ist eS auch für Frankreich unmöglich, in den Besitz der von ibm gewünschten baren Summen zu gelangen. Die Folgen des Marksturzes hat der Reichskanzler in folgenden Stichworten zutreffend geschildert: „©eitere Verelendung breiter Volksschichten, Zerstörung des Vudgetgleicbqewachts, Absperrung der nötigsten Lebensmittel- und Rohstofszufuhren, Ausverkauf der Lagerbestände, Hungersnot. Verzweiflungsausbriiche der Massen, Unterhöhlung jeder Regierungsautorität und speziell für die deutsche Industrie Vernichtung des Betriebskapitals und Erlahmen der Produktion " Es gehört schon eine ganz eigenartig« Gemütsverfassung und politische und wirtschaftliche Tendenz dazu, um angesichts solcher Wirkungen die Behauptung aufzusteven, daß Deutschland absichtlich eine derartige Lage, wie sie durch diese Wirkungen geschildert wird, herbeiführe. Es sind vielmehr die bittersten Sorgen, die sich jetzt hinsichtlich der Sicherung des täglichen Brotes entgegenstellen. Eine unheilvolle Gärung hatte schon einoesetzt. ehe die Folgen des Abbruchs der Londoner Verhandlungen in einer neuen Markentwenunq zum Ausdruck fernen. ES gehört jetzt alle Geistesgegenwart und aller guter Wille, aber auch eine verständnisvolle Aufopferungsfähigkeit ohnegleichen dazu, um den Sturm zu beschwören, der
Berlin, 19 August. < Der Dollar erreichte gestern an der New-
...... ...... .. Berlin, 19. August. (Piivattelegramm.) Dm stehen in der Tat am Sterbebett des Montag soll die erste Begegnung der Herren deutschen Volkes. Die besten Schichten Bradbury und M au c le re, die vom Gc-
Wa« toerßen sie errriHm?
Paris, 19. August. (Eigene Drahtmeldung.i „Echo dc Paris" fragt sich heute morgen, was die beiden Mitglieder der Reparationskommis- sion in Berlin anSrichten werden. Die werden jedenfalls den wirklichen Zustand der deutschen Zahlungsunfähigkeit seststellen wollen.
Sle wollen nach Berlin.
Abgesandte bet Entente. (Privat-Telegramm.)
Paris, 19. August.
Es bestätigt sich, daß eine Abordnung der ReparationSkommisfion nach Berlin entsandt werden wird, um mit der deutschen Regierung in Verbindung zu treten. Bei dieser Gelegenheit soll die deutsch« Regierung das Moratoriumsgesuch im eigentlichen Sinne zurückziehen und durch praktische Vorschläge ersetzen, in denen mitgeteilt wird, welche Garantien Deutschland geben will, wenn ihm die Zahlungsaufschübe bewilligt würden. Es bleiben noch Einzelheiten in dieser Angelegenheit zu behandeln, was in einer besonderen Ntzung der Reparatiouskommission gefdjeben soll. Der Petit Paristen weiß zu melden, daß dir französische Regierung sich dem Plan der Absendung einer Kommission nach Berlin widersetze. Die von der RevarationSkommission über die Entsendung einer Delegation nach Berlin ausgegebene offizielle Nachricht besagt, baß diese Personen die Berliner Reise unternehmen zu dem Zwecke, von bet brutschen Regierung eine unbedingt nötige Information zu erhalten. Sie werden vonr stellvertretenden Generalsekretär der Reparationskommission und einem Finanzsachverständigen begleitet. Sie verlassen am Sonnabend mit dem Warschauer Expreßzug Paris. Es ist hervorzuheben, daß brr Entschluß zu ihrer Entsendung einstimmig gefaßt worben ist, baß also auch Frankreich den Berliner Besprechungen zugestimmt hat.
(Eigene Drahtmelbung.)
Paris, 19. August.
DaS „Echo be Paris" läßt sich aus Brüssel melden, daß die frmkzöfischc öffentliche Meinung auf gewisse Befürchtungen arrsmerksam gemacht werden müsse, die in offiziellen belgischen Krei- len durch die Nachrichten bervorgprusin worden feien, daß ein großes französisches Konsortium beabsichtige, eine direkt« Wirtschafts- entente mit her Stinncsgruppe abzuschließen. Man scheint nach Ansicht des reaktio- nören Blattes in Belgien überzeugt, daß eine derartige Politik auf die Dauer dem französischen Bolle und den französischen Interessen Glück bringe« werbe. Zu dieser Meldung wirb hier hinzugefügt, baß diefe Auslassung in der srgnzösifchen Presse vereinzelt dasteht und daß sie, besonders was die Ausnahme direkter Verhandlungen mit Deutschland durch die französische öffentliche Meinung anlangt, ein Einzelfa« ist. In derselbe« Dache äußert sich heute «mch die Zeitung „Petit Parifien". Frankreich, so ist die allgemine Ansicht, will keinesfalls ein totes Deutschland, will nicht seinen Untergang. Wenn Frankreich heute eine Annäherung sucht, so darf man in Deutschland den Grund nickst etwa im Scheitern der Londoner Konferenz suchen.