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Meler Neueste NachMm

Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung )

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Nummer 193.Fernsprecher 951 und 952 Sonnabend, 19. August 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.

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Ernste Verschärfung in Bagern.

Mark-Katastrophe.

Folgen des neue« Sturzes.

Noch ehe die Rückwirkungen des letzten ge­waltigen Marksturzes auf die Preisbewegung und Preisentwicklung sich geltend machen konn­ten, wird die deuMe Wirtschaft von einer neuen Katastrophe überrascht. Der Sprung, den der Dollar vom 14. auf den 15. August machte, war der größte, der bisher erlebt worden ist. We­der einmal ist einer der allertraurigsten R e k o r d e aufgestellt worden. Die amtliche No­tierung des Dollarkurses an der Berliner Börse bezifferte sich anl 14. August noch auf 825, am] 15. August lautete die amtliche Notierung aus 1040 und atu gestrigen Donnerstag nachmittag aus 1060. Das bedeutet eine Spanne von über 235 in wenigen Tagen. Uebcr die Folgen dieses neuen Markstuxzcs müssen wir uns nun klar zu werden versuchen. Wir dürfen uns dabei nicht verhehlen, daß wir vielleicht vor der ernste­sten Lage stehen, die unsere Wirtschaft und auch unsere Politik seit den Tagen des Londoner Ultimatums zu meistern hatte.

Zunächst bedeutet dieser neue Marksturz, daß unser Reichshaushalt heute nichts weiter als ein Fetzen Papier ist, es ist schade um die Druckerschwärze, die daran verwandt wurde. Alle Dispositionen, die unter denkbar größten An­strengungen mit dem Ziele eines Ausglei.hs des Etats getroffen wurden, sind vollständig über den Hausen geworfen. Und was das fchlimmste ist: die Haushaltspläne der Betriebsverwaltung sind wieder einmal von Grund auf erschüttert. Durch geivaltige Preis- und Tariferhöhungen, die für die deutsche Wirtschaft wie für die Bevölkerung in allen ihren Schichten empfindliche und drük- kende Opfer darstellten, ist es doch zu Wege ge­bracht worden, daß eine Balanzierung zwischen Einnahmen und Ausgaben erzielt wurde. Heute aber stehen wir wieder vor klaffenden Lücken, und nienland weiß Rat, wie diese ausgefüllt werden sollen. Gewiß war vorgesehen, daß spä­testens mit dem 1. Oktober neue Tarife Platz gleisen müssen, nicht zuletzt auch für den Per­sonenverkehr bei den Eisenbahnen, dann aber auch bei der Postverwaltung. Aber »-ach der Entwicklung, die die Mark jetzt genom­men hat, ist es überhaupt unmöglich, zu sagen, wie die Tarife letzten Endes aussehen weiden. Während man bisher glaubte, daß man mit einem Portosatz für einen einfachen Brief mft vier Mark auskommcn könnte, bat es schon der Marksturz seit dem Rachenau-Morde gelehrt, daß mindestens die Hälfte mehr, also sechs Mark, gefordert werden müssen, wenn die neuen Fehl­beträge gedeckt werden sollen. Was aber nun an derartigen Tarifen zu erwarten sein wird, laßt sich überhaupt noch nicht beurteilen.

Die neue Markentwertwßg bedeutet in ihrer letzten Wirkung eine fortschreitende Verarmung unseres Volkes. Der Auf­lösungsprozeß schreitet unheimlich weiter. Die ehemaligen bodenständigen, soliden Schichten un­seres Volkes verfallen nachgerade einem'bejam­mernswerten Schicksal. Es wird sehr schwer, überhaupt noch die Mittel für die allerdürstigste Lebenshaltung aufzubringen. Die Preise für Brot und Fett sind die furchtbaren und jeden Tag in ihrer zermürbenden Eindringlichkeit in die Erscheinung tretenden Sturmsignale. Wenn sich die Entwertung der Mark auf dem jetzigen Stands hält oder wenn sie gar infolge der näch­sten politischen Entwicklung fortschreitet, dann ist es überhaupt nicht abzusehen, vor welche bit­ierschweren politischen und wirt- schaftlichen Ereignisse wir in allernäch­ster Zeit gestellt sein werden. Markentwertun­gen haben bisher die Tendenz gezeigt, sich erst allmählich auszuwirken. Dieser AuSgleichungs- prozeß hat sich aber neuerdings in immer stär­kerem Tempo vollzogen. Der Dollarstand wird 'mute vielfach als Preisregulator unmittelbar be- iiutzr. Man kann es erleben, daß irgend eine Ware von einer Stunde auf die andere eine Preissteigerung erfährt mit dem Hinweis auf die Preissteigerung des Dollars.

Hier haben sich ohnedies Zustände entwickelt denen die Regierung ihre ernsteste Aufmerksam­keit widmen müßte. Zudem haben Preissteige­rungen die Tendenz, sich oben zu halten, auch wenn der Dollar wieder abwärts gebt. Die Er­fahrungen, die in diesen Dingen in den letzten Monaten gemacht wurden, nötigen zu Maßnah­men und Vorkebrunacn, die man unter anderen Umständen wohl nicht erwogen hätte. So wird ernstlich die Frage wieder erhoben, db man über­haupt der freien Preisgestaltung, wie sie sich jetzt willkürlich nach dem Dvllarkurs orientiert, noch länger zusehen kann. Es ist sehr bezeichnend, daß gerade von denjenigen Kreisen, die immer gegen die Zwangswirtschaft ihre Stimmen er­hoben haben, heute die Riffe nach einer Wie­dereinführung der Zwangswirt­schaft, zum mindesten in bestimmten Dingen des täglichen Lebens, erhoben werden. Tatsäch­lich stehen wir vor einer Situation, die die lei­tenden Stellen zwingt, zu diesen Fragen rasch und entschlossen Stellung zu nehmen. Eine fürch­

terliche Feuerung müßte bei einem Stande des Dollar über tausend im Herbst und int Winter und mehr noch im nächsten Frühjahr zu erwar­ten sein. Denn dann würde es sich darum han­deln müssen, daß wir ftir unsere zu Ende gehen­den Vorräte Getreide und sonstige Lebensmittel zu den hohen Auslandskursen auflaufen. Die soziale Ruhe ist aber auch um deswillen gefähr­det, weil mit der neuen Markentwertung die jetzt schon so empfindliche Kreditnot sich ver­schärft. Sie zwingt zu VetriebSeinschränkungen, die Arbeitslosigkeit im Gefolge haben. Die Va- lutaentwertung andererseits nimmt dem Indu­striellen und Kaufmann jede Möglichkeit einer Kalkulation und Disposition. So sehen wir als Folgen des neuen Markstrrrzes uns einer Lage gegenüber, die, wenn cs nicht gelingt, durch ein- heiKiches Zusammenfassen aller Kräfte sie zu meistern, uns in tiefes Elend stürzen kann.

Deutschland und Frankreich, ein wirtschaftliches Abkommen?

(Eigene Drahtmeldung.)

Varis, 18. August.

Ein hiesiges Blatt beschäftigt sich heute früh mit den Nachrichten über angebliche Bespre- chungen,wischenStinncsundPoin- cars. die durch die Presse gingen und davon wissen wollen, daß ein wirtschaftliches Abkommen zwischen großen deutschen und großen französischen Wirffchastsvereinigungen bevorftehe oder beretts abgeschlossen sei. DaS Blatt behauptet, es sei in der Lage, versichern zu können, daß es wahr ist, daß derartige Privatverhandlungen stattgefun- de n haben. Die deutsche Regierung sei von dem starken Wunsch erfüllt, in direkte Verhandlun­gen mit der französischen Regierung zu treten. Mehrere auswSttige Regierungen, darunter ge­wisse Alliierte wären nach Ansicht des Pariser Blattes überaus glücklich, wenn die französische Regierung eine derartige Initiative ergreifen würde; sic seien bereit, eine solche mit allen Kräften zu unterstützen und sie wahr­scheinlich nachzuahmen. Diese Informationen, sagt das Batt, sind Mar nicht offiziell, aber trotzdem absolut richtig und in kurzer Zeit werden sie offiziell werden.

Morgan und die Bankier-Konferenz.

London, 18. August. (Privattelegramm.) Ein Vertreter der Times befragte Morgan über das Gerücht über eine Vertagung der Ban- kierkonfcrenz. Morgan erklärte: Ich kann nur sagen, daß ich vorläufig nicht nach Europa reise». Ob ich meinen Entschluß ändere, wenn eine offizielle Einladung mit ge­änderten Bedingungen an mich ergehen wird, kann ich nicht sagen. Meine Arbeitslast laßt Besprechungen, die von Anfang an zweck­los erscheinen, nicht zu.

Llm die 5ttparationeit Private Besprechungen in Paris.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 18. August.

Die Presse beschäftigt sich hettte früh eingehend mit den gestrigen Beratungen privater Art, die zwischen Mitgliedern der Rcparationskommiffion in der Frage des Moratoriums stattgcfun den haben. Danach hat eS sich bis gestern in erster Linie darum gehandelt, ob man noch ein­mal deutsche Delegierte anhören soll, bevor man sich entscheidet. Die offiziellen Stel­len in Paris sind einer Zulassung deutscher De­legierten völlig abgeneigt, doch scheint die Reparatjonskommiffion diese Aysiltz nicht zu teilen. Es geht aus dem heutigen offiziellen Bericht der ZeitungPetit Parasien" hervor, daß die Reparationskomission sich einig sei, Vo­der Entscheidung noch einmal deutsche Vertreter zu hören. Was demgegenüber die Haltung der ranzösischen Regierung zur Moratorsumsfrage anbelangt, so wird hier betont, daß sich die Auf­astung der französischen Regierung seit der Kon erenz von London nicht geändert hat und uch sie nach wie vor darauf besteht, Deutschland kein Moratorium ohne neue produttive Garantien in der Hand zu haben, zu erteilen.

Sin Hoffnusigsfchimmer?

Paris, 18. August. (Privattelegramm) Durch die Presse geht heute die Nachricht, daß die ge­strige Sitzung der Reparafionskommiflioitz im Prinzip beschlossen habe, nicht nur die deutschen Delegierten zu den Verhandlungen hinzuzuzie- hen. sondern daß sie die Absicht hat, eine neu­

erliche Untersuchung über die deut­sche Zahlungsfähigkeit in Berlin an­zustellen, tote sie es bereits gemacht hat. Unnö­tig ist m betonen, daß auch diese Absicht der Rc- parafionskommiflion in den Pariser Blättern äußerst abfällig beurteilt wird.

Verschärfung in Bagern.

Um das Berliner Protokoll.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 18. August.

Der bayerische Gesandte Dr. P r c g e r hat gestern yem Reichskanzler über die Lage in Bayern Bericht erstattet. Er hat dabei ber- vorgrhoben, daß das Kabinett Lerchenfeld ernsthaft und aufrichtig besttebt ist, das in Ber­lin vereinbarte Kompromiß zur Annahme zu bringen. In Berliner Regierungskreisen sieht man die Lage nicht ohne Ernst an. Es ist Kar, daß bei einer Ablehnung des Berliner Protokolls durch die bayerische Partei Ministerpräsident Lerchenfeld, der dieses Protokoll in Berlin unterzeichnet hat, nicht länger auf seinem Posten in Bayern verbleiben kann. Es würde also da­durch nicht nur die Lage im Reiche erheblich verschärft, sondern vor allem in Bayern selbst eine neue politische Krise geschaf­fen werden. Nach einer in Berlin eingegangenen Depesche aus München ist es in der gestrigen gemeinsamen Sitzung der Koalitionsparteien mit dem Ministerrat zu einer Reihe folgen­schwerer Beschlüsse gekommen. Es wur­den nicht nur die Berliner Vereinbarungen ver­worfen, sondern die Koalitionsparteien verweigern auch jede Einführung des Reichsschutzgesetzes in Bayern, so­fern diesem Gesetz nicht ausdrücklich sein gegen Rechts gerichteter Charakter genommen wird und sofern nicht die gesamte Justiz - und Poli­zei Hoheit im Sinne dieses Gesetzes für Bay­ern der bayerischen Regierung Lbettragen wird.

Die bayrischen VarteibeschMfle.

München, 18. August. (Eigene Drahtmeldung.) Der Landesausschuß der Bayerischem Volkspartei gibt parteiamtlich bekannt: »Der Landesausschuß der Bayerischen Volkspar- tei spricht bei voller Anerkennung der Bemühun­gen der baherischen Unterhändler sein Bedauern aus über das geringe Maß von Entgegenkommen für Bayern seitens der Reichsregierung in der Vereinbarung vom 11. August 1922, die zur Wahrung und Sicherung der baherischen Selbständigkeit und Hoheitsrechte nicht alles enthält, was vom Bayern verlangt werden muß. Der Landesausschuß bedauert, daß dieses Ziel nicht erreicht ist, und hofft, daß es gelingen wird, die noch bestehenden Beden­ken zu beseitigen. Der Landesausschuß hält es für selbstverständlich, daß die bayerische Notver­ordnung vom 4. August 1922 in Kraft bleibt und daß der Kampf für die baldige Aufhebung der Schutzgesetze wie für die Erhaltung und Erwei­terung der bayerischen Hoheitsrechte fortgeführt wird.- Demgegenüber lautet der Beschluß der Bayerischen Mittelpartei: »Der Lan- dcsausschuß der Bayerischen Mittelpartei (Deutschnationale Volkspariei tn Bayern) er­achtet die Berliner Vereinbarungen für durch­aus unannehmbar.

Frankreichs Naubgelüfte.

Was man beschlagnahmen will.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 18. August.

.Die französische Regieryng steht auf dem Standpunff, daß sie zur Ergreifung von Sank­tionen gezwungen sei, wenn das Moratorium ge- währt werde Als solche Sanktionen nennen die Blätter: Beschlagnahme der Zölle in dem von französischen Truppen besetzten Rheingebiet, fer­ner Beschlagnahme aller staatlichen Einnahmen im Rheinland Auch die Erträge der staatlichen Gruben und Wälder würden beschlagnahmt wer­den. Eine militärische Maßnahme würde nicht notwendig sein, da ja Frankreich die wirtschaft­lichen Ausgänge des Ruhrgebietes besetzt halte. Die Pariser Ausgabe derDaily Mail" berichtet feiner noch, daß Poincare beabsichtige, die staat­lichen Bergwerke im Ruhrgebiet zu beschlagnah­men. Poincarös Weisungen an den französischen Delegierten in der Reparationskonnniffion lauten nämlich dahin, nur gegen die vorher er­wähnten Pfänder einem Moratorium zuzustim mrn. Falls also die Reparationskommiflion ohne solche Bedingungen ein Moratorium be­schließe, werde Frankreich sich selbständig diese Pfänder verschaffen.

DerlangeDomenweg.

Don der Entente verlassen!

Uf»er die fur«6t6are Lag«, in b«t sich gegen witrttg Seflerreich befind« spricht »er Ad geordnete ®r. Han» Schürft i«t den nach stehende», eindrucksvollen Darlegungen Regierung und Vorlksvertretung versuch­ten in ihren letzten parlamentarischen Arbeiten den Grundstein zu einem Rettungswerk für die österreichische Staats- und Volkswirt- sthaft zu legen. In rastloser Arbeit wurde der Finanzplan erledigt und dadurch der vom Aus- laude immer geforderte Beweis des guten Ml- lens zur Selbsthilfe einwandfrei erbracht. Es iverden jetzt Opferansprüche an Vie österreichische Bevölkerung in der Form von direkten und in­direkten Abgaben gestellt, die bereits die äu­ßer st e Grenze des noch Erträglichen erreichen und in vielen Fällen die Gefahr des wirffchnstlichen Zusammenbruches des Steuer- objÄtes schaffen. Kein anderer Staat hat sich so schnell und durchgreifend zu solchen finanziellen Maßnahmen entschlossen wie Oesterreich. Die gegenüber Oesterreich bisher so böswillige aus­ländische Kritik hat daher gar keinen Anlaß mehr, Oesterreichs Ernst und Willen zur größt­möglichen Selbsthilfe zu bestreiten.

Wie anders steht es dagegen mit der Hilfs­bereitschaft des Auslandes! Schon im vorjähri­gen feierlichst verkündeten finanziellen Rettungs­programme des Völkerbundes wurde als we- senMche Voraussetzung zur Sanierung Oesterreichs die Durchführung folgender For­derungen verkündet: Reform der österreichischen Währung, Errichtung einer neuen österreichi­schen Notenbank, großer ausländischer Valuta­kredit, Schaffung einer Finanzkontrolle. Durch die letzten Arbeiten der österreichischen Gesetzge­bung wurden die beiden ersten Forderungen erfüllt. Außerdem hat die Mehrheit des Natio- nalrates den Plan der Regierung auf einschnei­dende Ersparungsmaßnahmen in der Staats­verwaltung und daher auch die Einsetzung eines mit großen Vollmachten ausgestatteten Erspa- rungskommiffars gebilligt. Durch die vorgenom­menen Neuerhöhungen und durch Ersparungen sollte der Fehlbetrag der Staatsgebarung mög­lichst beseitigt und dadurch einer Kontrolle der österreichischen Finanzwirtschaft durch das kredit- gsbende Ausland vorgebeugt werden, denn jeder auf Ansehen, Selbständigkeit und Freiheit be­dachte Staat muß eine solche finanzielle Kuratel unter allen Umständen zu verhindern trachten. Dazu kommt, daß das Ausland zu solchen Kon­trolleuren in den meisten Fällen nicht die erfah­rensten, sondern meist die jüngsten und lernbe­dürftigsten Personen bestellt. Die seinerzeitige Finanzkontrolle der Türkei und in der letzten Zeit auch die verschiedenen Kontrollkomnnssionen in Oesterreich haben dies mehr als deutlich ge­zeigt. Die österreichische Staats- und Wirtschafts, läge ist zu ernst und kritisch, auch ist die öster­reichische Bevölkerung viel zu intelligent, um ei» bloßes Studienobjekt und eine finanzpolitische Schulungsgelegenheit für künftige französische, englische oder italienische Staatsmänner zu bieten.

Während somit Oesterreich alles getan hat, was in seinen schwachen Kräften stand, hat das allmiichfige Ausland, soweit cs an der politischen Geburt des heuttgen Oesterreich und der erst da­durch geschaffenen trostlosen wirtschaftlichen und finanziellen Lage Schuld trägt, der Erfiillung des ganz in seiner Macht liegenden Sanierungs­programmpunktes, nämlich der Beschaffung ei- nes großen, für länger Zeit berechneten auslän­dischen Valutakredites, in keiner Weise Rechnung getragen. Abgesehen von den ersten kleineren Krediten, die seinerzeit nur für Kon- fumzwecke, also hauptsächlich zur Beschaffung von Lebensmitteln bestimmt waren, hat bis jetzt England einen Vorschuß von nur zwei Millionen Pfund auf den künftigen sogenannten großen Kredit flüssig gemacht, die aber nach den Weisungen des englischen Kontrolleurs für Stützung der österreichischen Krone bereits ausge- iraucht wurde. Frankreich und Italien haben eit Wochen gleiche Vorschüsse wiederholt feier­lichst zugesagt, sie aber bis heute nicht zur Auszahlung gebracht. Selbst der unter der Regierung Schober durch Vertrag zustande gekommene so vielgepriesene tschechoslowakische Kredit ist nur zum Teil der österreichischen Re­gierung ausgezahlt worden, sodaß der österrei- chische Finanzminister in den letzten Tagen aber­mals einen Besuch in Prag machen mutzte, um der tschechoslowakischen Regierung die Erfüllung ihres Kreditttbereinkommens in Erinnerung zu bringen.

Wenn man ans der Behandlung der Frage des großen Hilfskredites durch das Ausland Schlüsse auf die weitere Entwicklung der Dinge ziehen sollte, müßte man zu den niederschmet­terndsten Ansichten über den Hills- und Ret- iungswillen des Auslandes und über unsere Zu­kunft gelangen. Daß unsere Rettung durch eigene Kraft allein nicht möglich ist.