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Nr. 191. 12. Jahrgang.

Raffelet Neueste Nachrichten

Donnerstag, 17. August 1922.

einem Blumenmeer. Und dann das berühmte

Neues aus Kaffe!.

Zuständia ist der StaatSgerichtshnf.

Zur Aburteilung ist nach weiterer Mitteilung der Oberstaatsanwalischast Kassel auf Grund ausdrücklicher Bestimmung des Schutzgesetzes der Staatsgerichtsdos zum Schutze der Republik in Leipzig zuständig.

Und nun etwas ganz Merkwürdiges. Wie cs heißt, haben die Täter der Demonstra­tion für Scheidemann beigewohnt! Sie baben mit vor dem Rathaus gestanden, als der Oberbürgermeister seine große Rede vor den Kbertauscnden hielt. Oehlschlaqer hatte den Re­volver in der Tasche. Er soll einen Augenblick daran gedacht haben, das zwischen Asch und Möklersruh mißglückte Werk hier zu vollenden...:

Verhält es sich tatsächlich so, dann muß die Kühnheit der Täter überraschen, die möglich nur bei vorheriger Verabredung nach der Jlucht wieder vereint in einem Dorfgasthof in der Räbe von Grifte übernachteten und nach Kas- sel zurückkehrten, wo alle Augen auf Verdächtige geschärft waren, wo ste die ganze Nabt gerade­zu in Alarmzustand vorfanden.

Eine ganze Anzahl Verhaftungen sind damals und in der Zwischenzeit in Kassel vorgenommen worden imd die richtigen Täter blieben ungese­hen. Die Volksmenge gewährte ihnen ein Unter­tauchen Vielleicht war es dies: Der Täter sieht nicht so charakteristisch elegant auS, wie er in den wenigen Sekunden, die er von den Zeugen gesehen wurde, diesen erschien!

Ein volles «Seflündnis.

Oberstaatsanwalt Dr. Noetzel teilt mit; Hustert und Oehlschlaqer haben vor dem Un- tersuchunasrichter ihrGeständnisinallen Stücken aufrecht erhalten. Oohlschlä- ger erklärt, er habe, als Oberbürgermeister Scheidemann schoß, seinerseits die Pistole auf Scheidemann gerichtet, indem er etwa fünft ebn Schritte hinter Scheidemann stand. Am schießen sei er durch den Stockhieb eines Mannes verhindert worden, der ihm und Luisiert, bewußt oder unbewußt, schön währcub des ganzen Weges hinderlich gewesen sei.

Als er diesen Mann von sich geschleudert barte, habe er Oeblschläger den Oberbür­germeister hinsinken sehen und ihn für tot ge­halten. Seltsamerweise hat sich eine Person, die in der von Oehlschläger geschilderten Art tätig gewesen wäre, bisher nickt gemeldet. Hustert hat noch am Tage seiner Einlieferung dem Ober­staatsanwalt die Stelle im Walde gezeigt, an der er das die Giftspritze enthaltende braune Blech­behältnis. bestehend aus Tose und Deckel, nach Art der GasmaSkenkavseln, weggeworfen hat. Die Nachforschungen im Walde waren bisher ergebnislos.

Nackdem die Tat als solche nunmebr voll­st ä n d i g aufgeklärt worden ist. handelt es sich noch darum, die Herkunft des Giftes und die

Verhungernde Ausländsdeutsche.

Die Stadtverordneten-Versanmrlung hat am Montag 6000 Mark für die hungernden Deut­schen in Rußland, besonders für Russisch-Kassel, bewilligt. Es wurde bedauert, daß der Stadt nicht mehr Mittel zur Verfügung stehen. Das Fehlende muß die Allgemeinheit ergänzen. So erläßt heute der in Kassel gebildete Arbeitsaus­schuß der Reichssamurlung .Brüder in Not" fVorsitzender Generalleutnant z. D. Fritsch, Geschäftsführer Parteisekretär Paul Kühne, Frie- drichstraße 19) folgenden

Aufruf:

Seit Monaten schon dringen die erfchütternd- ften Hilferufe der hungernden Ausländsdeut­schen an unser Herz. Unsagbares Elend klagt aus den zahllosen Briefen, die die Bitten der Leidenden in ihre alte Heimat senden. Grauen­hafte Bilder fürchterlichster Not reden eine er­schütternde Sprache. Seit einem Jahr leiden die Deutschen an der Wolga, am Schwarzen Meer, ebenso die im Kaukasus, in Wolhynien und in Sibirien unbeschreiblich große Not. Schon ist an der Wolga mehr als die Hälfte von 750000 deutschen Kolonisten zugrunde gegangen. Deutsch- inm der Heimat! Deine Stunde ist gekommen! Mit uns werden auch Sie das entsetzliche Leid der hungernden Rußlandsdeutsckien als einen Teil der gemeinsamen großen deutschen Not emp­finden und daher gern bereit sein, nach Möglich­keit zu Helsen. Blätter des Noten Kreuzes mit genauen Berichten über die Hungersnot in R'-rßland stehen zur Verfügung. Für das ae- iammelte Geld werden Nahrungsmittel, Klei­dungsstücke u a. im Inland beschafft und mit Hilfe unserer Rote Kreuz-Organisation auf das schnellste und sicherste durch Deutsche ins Hunger- gebict gebracht werden. Wir bitten Sie daher, unsere SammlungBrüder in Not" durch eine Spende gütigst unterstützen zu wollen!

Der Jüngling mit dem Scheckbuchs.

Siebzehnjähriger Betrüger und Schwindler.

Ein ftmger Mann von erst siebzehn Jahren erschien gestern in mehreren Hiesigen Geschäften rnb machte große Einkäufe. Er trat sehr sicher auf, war gewandt und außerdem ... er zahlte mit Schecks! Es fällt ja heute gar nicht mehr auf, daß Jünglinge, die noch die Eierschalen hin­ter den Obren haben könnten, selbständig Ge­schäfte treiben. Der Aufkäufer hier war aber auch Kavalier ittti, machte in verschiedenen Wirt- schastsbetrieben große Zechen ... auch da zahlte er mit Schecks aus einem Scheckbuch einer Bank zu Höxter, bei der er ein Guthaben, besitzt.

Es klappte alles, bis ein Vorsichtiger in Höx­ter anfragte, und da stellte sich dann heraus, daß alle Angaben des Jünglings auf Schwindel beruhten, daß er ein Betrüger ist und sich auf unrechtmäßige Weise in den Besitz des Scheck­buches gesetzt hat. Uebrigens hat er auch in Carlshafen in den letzten Tagen den glei­chen Trick ausgeführt.

Der Vorsichtige zog nun die Schutzpolizei zu Hilfe irnd diese nahm den jungen Herrn fest. Im Polizeigefängnis, wohin er gebracht wurde, war­tet er jetzt das Weitere ab.

Wie die Attentäter zu der Blausäure gekom­men sind, ist noch nicht ermittelt. Damals hieß es allgenrein, es sei unmöglich, dieses scharfe Gas in einem Gnmmiball zu halten. In der Tat wies ter rote Ball starke Blasen auf. Dies Rät­sel ist durch die Aussage der Häftlinge gelöst. Der Blcchkaften, der noch fohlt, auf dessen Aus- finben Belohnung steht, hat das Gas enthalten. Erst kurz vor der Tat wurde die Spritze gefüllt. Es mußte rasch gehandelt werden.

Die Beschreibung, die seinerzeit von dem Tä­ter gemacht wurde, stimmte. Es ist dies schon mitgetettt worden. Auch die Farbe und die Art des Anzugs. Der Svortanzug .Pfeffer und Salz- ist noch vorhanden. Damals hieß es, der Täter habe eine Hornbrille getragen . . . das ist nicht der Fall. Der Attentäter hat kei­nerlei Augenglas gehabt. Und der Stock mit der Geologenzwinge. . .?

Hier ist das Merkwürdige zu verzeichnen: Der Stock stammt von Kassel! Die Täter haben ihn irgendwo gerichtsseittg ist es be­kannt an sich genommen. Niemand von de­nen. bei denen sich dieser nicht alltägliche und ge­nügend geschilderte, im Bild sogar ausgestellte Stock befand, ist das Fehlen aufgefallen, nie- nrand von ihnen erinnerte sich des Interesses, das Fremde an dem Stock gezeigt hatten!

Als Waldarbeiter in den Hobenloheschen Wal­dungen bei Klein-Althammer haben sie fleißig gearbeitet. Noch nach der Verhafiuna erhielten sie ihren Lohn ausgezahlt, der willkommenes Zebroeld auf der Reise nach Kassel war Geld­not scheinen sie nicht gelitten zu Haven. Sie venugk-n bis znletzt über mehrer-, tmrfenb Mark-

Oeblschläger redete viel von Scheidemann Er renommierte statt und... selbst die Bäume'des .Waldes haben Obren, das Reden wurde bis an die Zentralstelle der Verfolgung Kassel weitergeleitet und d'e Spur war da, die sich als richtig erwies

Was nun? Diese Fraae ist noch ungelöst, bleibt manches auftuklären. So viel scheint daß. wenigsten? läßt ihr Anftteten daraus schließen, keine Reue vorhanden ist! Die Untersuchung nimmt ihren Gang!

Die Attentäter.

Allerlei Neues von Oehlschläger und Hustert.

In der Strafanstalt zu Wehlheiden sitzen die beiden Attentäter auf Oberbürgermeister Schei- demann. So, wie sie von Cosel nach Kassel gebracht worden sind. Wie harmlose Reisende fuhren die Attentäter und die Kriminalbeamten. Ein besonderes Abteil konnten sie nicht immer haben. So ha: mancher Reisende, nicht wissend, wem er gegenübersaß, die Fahrt mit ihnen zu­sammen gemacht Daß unter der Kleidung Stählernes vorborgen, verriet sich nicht.

Oehlschläger, der Acltere, Landwirtssohn, war Offizier. Er trug die Uniform der Küras­siere. Im Kriege wurden u. a. die beiden Eiser­nen Kreuze darauf geheftet. Der kühne Drauf­gänger. der sich tapfer geschlagen, wurde einmal vor versammeltem Truppenteil einer forschen Tat wegen gelobt.AlsDraufgänger gibt er sich noch jetzt. Sein Blick ist offen, die Sprache fest und schneidig. Er weiß Rede und Antwort zu stehen.

Hustert, der Junge, macht einen .jungenhaf­ten Eindruck. Sein helles Haar liegt fest ge­scheitelt. Er ist armer Leute Kind. Sein Vater war Arbeiter. Viel läßt sich über ihn nicht sa­gen. Er, der die Tat selbst ausgesührt, ist ein sonst noch unbeschriebenes Blatt.

neu aufzullären. Durch das Ergebnis dieser Ermittelungen wird indessen an der Tat des Hustert und Oehlschläger, die sich als gemein­schaftlich verübter Mordversuch darstellt, nichts geändert. Deshalb besteht die Möglichkeit, daß die Voruntersuchung gegen diese beiden Augesckuldigten in Kürze abgeschlos­sen und Anklage gegen sie erhoben wird.

Erlanger Bier ...!

Die Verhandlungen selbst galten der Neu­organisation des Kolonnenwesens auf Grund der schon veröffenttichten Richtlinien. Die mi­litärische Formation wird beseitigt. An ihre Stelle tritt ein weit ausgedehnter Hilfsdienst. War früher die Kaiserin Protektorin her Sani­tätskolonnen und das Rote Kreuz, so werden sie jetzt geschirmt durch den Reichsminister des In­nern und dem besonders dafür bestellten Staats- kommissar Winterfeld.

Größeres Interesse beanspruchte auch bie Beratung der eigenem Sicherung. To wurde der Satz der eigenen Sterbekaffe erhöht. Rege beansprucht wird das erste Erholungsheim für Sanitätskolonnen in Bad Wildstein bei Treseburg im Harz, das am 1. August eröffnet wurde. Jetzt sind bereits 500000 Mark gestiftet worden zur Errichtung eines zweiten Erho­lungsheims im Rheinland. DaS Ergebnis der Tagung war, daß dem Kolonnenwesen eine wei­tere gute Zukunft bevorsteht, in der es wie bis­her bandeln kann unter ber Losung: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!

Es sind über zweihundert junge Leute, alles! Teilnahme oder Mitwisserschaft dritter Perso-1 Blumen regneten herab. Die Sttaßen glichen Mitglieder der Jugendabteilung des Mürz­zuschlager Turnvereins.

LokalnachrMken vom Tage.

-r- Erst verhandeln, dann erst prozessieren! Ter Reichsverkehrsminister weist In einem Er­laß an die Reichsbahndirektionen auf die Not­wendigkeit einer Entlastung von Prozetztätigleit hin. Die Privatwirttchaft pflegt den Prozeß­weg er ft zu beschreiten, wenn alle anderen Mög- lichke!7en, zu einem ^befriedigenden Ausgleich zu kommen, erschöpft sind. In erster Linie muß stets im Verhandlungswege versucht werden, den Pro­zeß zu vermeiden. Die Reichsbahndirektionen sollen ferner von dem Anwalt unter allen Um­ständen eigene und sorgfältige Durcharbeitung des Prozeßstoffes vergangen, während bisher vielfach bie rechtliche und sachliche Bearbeitung durch die statt belasteten Reichsbahndirekttonen stattgefunden hat. Diese neuen Weisungen des Reichsverkehrsministers zielen auf Verringerung der Geschäfte bei den Reichsbahndireftionen und auf kaufmännische, nicht bürokratische Handha­bung der Geschäfte durch die Reichsbahn hin.

-- Silberfeier eines Geschäfts. Heute begeh: der in weitesten Kreisen bekannte Dachdeckermei- "ter Georg Lasch. Wilhelmshöher Allee HO, ein mnfund,zwanzigjähriges Geschäftsjubiläurn. Der Jubilar entstammt einer alten Kasseler Dachdeckerfamilie; er war zeitweilig Obermei­ster der hiesigen Dachdecker-Innung, beneidete eine Reihe von Ehrenämtern in hiesigen Ver­einen, ist Beisitzer in der Gesellen- und Meister- Prüfungskommission und beteiligt sich auch sonst in hervorragender Weise am öftentlichcn wie ge­werblichen Leben.

--- Pflasterungen in der Leipzigerstraße. We­gen Neuherstellung der Chauffierung wird die Leipziger st ratze zwischen der Ochshäuser- stratze und dem Forslfeldweg von Beute ab aus die Dauer von etir-a drei Wochen für den öffent­lichen Fuhrverkehr gesperrt.

-r- Mit Gummiknüppeln und Totschlägern... An der Ecke der Querallee und der Hohcnzol- lernstraße gab es gestern abend gegen 6 Uhr eine ioüfte Schlägerei. Drei junge Leute, die etwas angettunken waren, hatten den Streit beroor- gerufen. Dabei wurde mit Gummiknüppeln und sogenannten Totschlägern .gearbeitet-. Die Schutzpolizei machte dem wilden Auftritt ein Ende, nahm die Urheber fest nnd befördette fi.'- in das Polizeigesängnis.

Allerlei vom Tage. Das städtische B e e r d i g u n g s a m t ist heruntergekommen und zwar eine Trevpe tiefer im bisherigen Hause am Königsplatz. Der Verkehr mit diesem Amte ist dadurch etwas erleichtett; fürderhin teilt eS 'eine Räume mit der Kommunistischen Pattei! An einem großen Wett an der Holländi- chen Straße verhütete in der vorvergange- ten Nacht ein Wächter des Wach- und Schließ- lnstituts einen großen Brand. Durch die sich be­rührende Ekektritttäis- und Gasleitung war Kurzschluß entstanden. Der eleftrotechnisth vor- gcbildete Beamte isoliette die Stelle. Gestern abend stürzte am Wesertor ein Radfahrer und zog sich erhebliche Verletzungen zu.

i- Wie wird das Wetter? Tie Wetterdienst­telle Weilburg besagt für Donnerstag und Freitag: Wieder zunehmende Be­wölkung und erneut einsetzende verbreitete Re­ge n f ä l l e bei südlichen bis südwestlichen Winden. Gestern betrug in Kassel die höchste Tageswärme 16 Grad, die tiefste Nachtempera- ti>r 10 Grad. NiederscksagIhöhe 2 Millimeter; Baromettrftand heute 765,6.

4- Veranstaltungen am Donnerstag. Jngend- vorführung der MürzzuschlaaerJugend Stadthalle, 71/. Uhr. Varietee Neues The­ater: Neue Spezialitäten, TA Uhr. Win­zerstuben: Hans Siegfried undKarnevals­rausch-, 8 Uhr. Stadtpark-Garten: Kon­zert mit FilmschauDie Geliebte Roswolskhs-, 8 Uhr. Heute Mittwoch: Mürzzuschla- P! er Jugend, Stadlhalle, TA Uhr. The?-! ophischer Vortrag, Hugo Vollrath, Gast­hof Wimrncr, 8'A 116t, 1

Ostdeutsche Äugend.

Ein Posener Wandertheater gastiett in Kassel.

Mt Freude kann man immer wieder feststel­len. daß die deutsche Bevölkerung in der Ost­mark, vor allem die in dem an Polen abgetrete­nen Gebiet um Posen, trotz aller Bedrückungen und ber großen Abwanderung, ihre eigene, deut­sche Kultur in sich lebendig hält. Davon zeugt in erster Linie die Arbeit der Deuttchtmnsbünde, die neben ihrer Haupttätiakeit auf wirtschafts- und volksbildnerischem Gebiet mit einzigartiger Zä­higkeit auch die deutsch« künstlerische Kultur för­dern. Vor allem hat die Stadt Posen mit ihrem Theater hier Bedeutendes gdeiftet.

Dieses Posener Theater ist kein Erwerbsun- rernehmen, das die Konjunktur ausnützt, aber auch kein wohlmeinendes Laienmtternehmen, es ist vielmehr eine Wanderbühne, die mit Ernst und Ueberzeugung auf rein künstleri­scher Grundlage fußt. Deutsche Jugend aus der Ostmatt hat sich hier zu einer Gemeinschaft zu- ammengefunden, die die lebendige Verbindung mit dem Mutterland aufrecht erhalten will. Ne­ben diesem Eintreten für das Deutschtum schafft die Gemeinfchaft, die unter Führung von Ma- lonsky steht, durch die ihr innewohnende leben­dige Schwungkraft und durch ihr reines schau- spielerifches Erleben eine hohe künstlerische Wirkung. Etwa den in unserer Jugendbewegung bestehenden MhsterieNbühnen entsprechend, be­schränkt sich die Dpielgemeinde Maronsky nicht nur auf dieses Gebiet, sondern spielt neben die­sen klassischen Dramen auch solche modernen Charakters.

Die Spielgemeinde Maronsky zieht jetzt durch ganz Deutschland, um ein lebendiges Zeugnis des Ostdeutschtums zu geben. Von unserer hei­mischen Jugendburg, dem Ludwigstetn, kom­mend, ist ste durch den Werragau die Fulda auf­wärts nach Kassel gewandert und hat überall mit ihren Allffiihrungen einen so tiefen Eindruck hinterlassen, wie man ihn wohl selten gefunden hat. Heute Nachmittag und Abend nun und die beiden folgenden Tage weilt die Spielgemeinde als Gast der Kasseler Jugendbewegung hier und wird mit Unterstützung des städtischen Jugend- arntes im Realgymnasium in ber Wilhelmshö- 6er Allee ihre Kunst zeigen. Herzlich heißt bie Kasseler Jugend ihre Brüder aus der Ostmark willkommen und bittet auch die Einwohnerschaft ber Stabt, mit ihr nicht nur bie überall ge­rühmte Kunst zu genießen,' fonbern ber deutschen Jugend aus ber Ostmark zu zeigen, baß sie im deuttchen Vatettanb ihre ureigentliche Hei­mat ha».

Edel sei öer Mensch..

Die Tagung der Sanitätskolonnen.

Aus ganz Deutschland waren in den letzten Tagen Abordnungen der Sanitätskolon - ncn vom Roten Kreuz nach Erlangn gefahren zur ersten Tagung des im Vorjahre in Goslar gegründeten Reichsverbanbes der Sanitätst'olonnen vom Roten Kreuz. Diese Tagung trat an bie Stelle ber früher üblichen Führer- und Aerztetagungen. Von Kassel »us .aaren Abordnungen der beiden Rote Krem-Kolonnen erschienen. Einer der Teilneh­mer schildett uns wie folgt die dort empfange­nen Eindrücke:

Die Stadt Kassel kann sich, was das Kolon­nenwesen betrifft, ein Beispiel an der Stadt Erlangen nehmen. Dott ist die gesamte Bür­gerschaft, vom Bürgermeister bis zum kleinsten Mann, mit ber Sanitätskolcmne verwachsen. Es gibt sogar ein eigenes, großzügig eingerich­tetes Kolonenbaus. Mit brei Musikkapellen wur­de durch die Stadt marschiert. Die Gäste wur­den mit Blumen überschüttet. Ganze Körbe voll

Letzte Depeschen.

Der Stand des Dollars

Mittwoch mittag: | Dienstag abend:

1020:1040 | 1041

Deutschlands Schicksal.

Tic Reparations-Kommission tagt (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 16. August.

Deutschlands Schicksal hängt nunmehr nach dem Abruch der Londoner Konferenz von der RrparatiouSlommission ab, bie, wie verlautet, am heutigen Mitttvoch zn ihrer ersten Sitzung znfammcntreten soll. Sie John Bradbury, das englische Mitglied' dcr Kommission, ist be­reits hier eingetroffen, die Vertreter Italiens und Belgiens werden jeden Augenblick erwartet. Da bie Kommission nur noch aus vier Mitglic- dern besteht, befürchtet man, daß auch hier keine! Entscheidung erzielt werden könnte. Wenn Ita. licn sich auf Englands Seite stellt und Belgien zu Frankreich hält, ist das Stimmenverhältnis 2:2. Hier ist man der Ansicht, daß dann der Vor­sitzende, der Franzose Dubois, den Ausschlag zu geben habe. Dubois werde das Moratoriums­gesuch Deutschlands natürlich ablehncn. Der Frievensvertrag sieht einen solchen Fall aber nicht vor, und es heißt, daß sich besonders Brad, bury dem entgegenstcllen werde. Im übrige« steht durchaus noch nicht -fest, daß Belgien unbe­dingt mit Frankreich Zusammengehen wirb.

Das Ehaos in Guropa.

Eine Rettung aus dem Wirrwarr.

(Privctt-Telegramm.)

London, 16. August. , In den Kreisen ber französischen, italieni­schen und belgischen delegierten ist man darüber einig, daß, wenn Lloyd George seine Zu­stimmung dazu geben wollte, einen Teil der französischen, belgischen und italienischen Kriegs, schulden, wie es gewünscht wird, zu streichen, daß sie ihrerseits von der deutschen Schuld Ab> striche machen. So würde man zweifellos dahin gelangen, Europa ausdemjetzigcnWirr. wart $u retten!

Die Haltung Belgiens.

London, 16. August. (Eigene Trahtmekdung.) AuS Erflärnngen der belgischen Vertreter in London gegenüber einem Pariser Pressevertreter erhält man den Eindruck, daß die Belgier bei der kommende« Abstimmung in der Garan. tiekommission nicist auf der Seite Frank­reichs stehen werden. Beide brachten die Hoff­nung zum AnSdruck, daß das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Berliner Börse.

Berlin, 16. August. (Eigener Bericht.) Die Börse war heute früh etwas abgeschwächt, wurde aber bald wieder besser. Der Dollar stand zeitweise 1020:1040. Der Kurs ist wieder. Holter, Schwarcklmgen unterworfen.

Die vertriebenen Elsaß-Deutschen.

Berlin, 16. August. (Privattelegramm.) Die gestrige Kabinettssitzung hat sür bie aus dem Elsaß vettriebenen Deutschen eine weitere Unterstützungssumme von brei Mil­lionen M art bewilligt. Nach ben neueste« Pariser Meldungen werden von den Ausweisun- gen im Elsaß insgesamt zweitausend Deutsche betroffen.

Die Teuerungswelle.

Berlin, 16. August. (Privattelegramm.) Der Reichskanzler hat gestern eine Abordnung der Gewerkschaften empfangen. Gegenstand der Besprechungen waren Regierungsmatz- nahmen gegen die katastrophal fortschreitende Teuerung. Der Reichskanzler hat umfassende Maßnahmen des Reiches zugcsagt, über die eine zweite Besprechung mit den Gewerkschaften bal­digst ftottfinbet.

^Amerikanische Konsulate.

Berlin, 16. August. (Privattelegramm.) Der amerikanische Botschaft er hat der Reichsregierung die Wiedereröffnung von drei­zehn vor dem Kriege bestandenen Konsu- loten ber Vereinigten Staaten in Dentfchland für ben 1. Oktober angezeigt.

Ein Riebersochsentag.

Hannover, 16. August. (Privattelegramm.) Born 22. bis 25. September findet hier der fech. zehnte Riebersochsentag statt. Mit ihm ist eine Ausstellung norddeutscher Künstler im Kup» pclsaale des Provinzictt-Museums Verbünde!«. Votträge werden halten: Reichskunstwart Dr. R e d e l s l o h :Wert des Handwerks für die Heimat-Kultur", Generalsekretär Dr. Vogel: Die moderne Handwetterbewegung im Dienste der Heimat", Tr. Jacob Friesen über:Hand- wcttertechnik dcr Vorzeit" und HanS Kaiser: Ausstcrbende nnd ansgestorbcue Handfertig- kciten".

Streikende Landarbeiter.

Berlin. 16. August. (Privattelegramm.) Der wilde Streik der Londarbciter im Kreise Ober-Barnim hat sich auf fünfunddreitzig Güter ausgedehnt. Die RotstandSarbeiten wer­den bis auf zwei Güter verrichtet. Tcchnifche Nothilfe ist überall eingefctzt. Auch Schutzpolizei itz genügend bereitgcstellt. Man hofft, daß bet Streik wegen Mangels an Gelbmitteln in eini­gen Tagen zufammenbrechei, wirb. Der Streik auf einigen Gütern im Greife Delitzsck ist wegen eines Flurfchützen entstanden. Er ist fchon nach einigen Tagen zusammengebrochen. In einer anderen Gegend des- ireifeS bestehen noch Differenzen zwischen Gutsbesitzern und kommn- nistischcn Arbeitern, die aufs Land gekommen waren, um unter Erfüllung bestimmter Forde. Hingen Arbeit anzunchmcn. Vom Landratsamt sind Berhandlungen eingclcitet worben.

Weinhaus Wlnzershihen ä.