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Kasseler Neueste Nachrichte

_____________ Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 190.

Fernsprecher 951 und 952

Mittwoch, 16. August 1922

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang

Wie die Komödie endete.

Sie Ansicht der «Sachverständigen.

London, 15. August. (Eigene Drahtmeldung.) Offiziös wird mitgeteilt, daß die Sachverstän­digen zwar dem Beschluß, Deutschland habedie zwei MillionenPfund Ster­ling zuzahlen, zugestimmt hätten, daß sie akx>r betont haben, daß, falls ein Moratorium gewährt werde, nach englischer Auffassung die Ausgleichszahlungen zu stunden wären.

Paris, 15. August.

Hier verlautet, daß in London beschlossen worden ist, daß Deutschland die Ausglrichszah- liingen für August in Höhe von zwei Millionen noch bezahlen soll und daß dann dir einzelnen Regierungen versuchen sollen, mit der deutschen Regierung über die wetteren Zahlungen zu einer baldigen Verständigung zu gelangen.

zu übertragen, in das, wie England verlangt hat, demnächst auch Deutschland ausgenommen werden soll. In der deutschen Reichsbank, fuhr Boincarö fort, liegt eine Milliarde Mark, und man könnte 150 Millionen von Deutschland be­kommen. ohne dadurch die Entwertung der Mark weiter zu betreiben. Au» mit einem ganz kurzen Moratorium konnte ich mich nicht einverstanden erklären, weil uns dieser Vorschlag in Wirklichkeit keine Sicher­heiten geboten hätte. Wir haben uns also in sehr freundschaftlicher Weise getrennt. (!) Man bat mir gesagt, daß das Ergebnis der Londoner Konferenz einem Bruch der Entente glcich- komme. Darauf habe ich erwidert: Ich kann das nicht glauben und werde meinerseits alles daran sehen, dies zu verhindern, nur nicht die Inter­essen meines Landes anfgeben. Der Bruch zwischen Frankreich und England wäre allerdings ein großes Unglück, aber die französische Oeffentlickkeit könne sich mit fort­währenden neuen Konzessionen nicht einverstan­den erklären. Ich habe daher vorgezogcn, auf meinem Standpunkt zu beharren und nicht ein Protokoll zu unterzeichnen, das schließlich doch aus diesen Weg führen müßte.

Bergmanns Londonfahrt.

Berlin, 15. August. (Eigene Drahtmeldung.) Staatssekretär Bergmann ist nach London abgereist. Er will mit den englischen Bankier- krcisen in finanziellen Besprechungen Fühlung nehrrnn. In Londoner Finanzkrersen hat man die bestimmte Hoffnung, daß das Bankier-Ko­mitee Mtte September wieder zusammentreten wird und man geht daher wühl nicht fehl in der Annahme, daß Staatssekretär Bergmann den englischen Finanzlemen die Lage Deutschlands nochmals eingehend vor Augen führen soll.

Was wirb nun geschehen 4

Amsterdam, 15. August. (Privattelegramm.) Aus London wird gemeldet: Daily Chro-nicle erörtert heute die Folgen des Scheiterns der Konferenz und kommt zu dem Schluß, daß für einen solchen Fall durch -den Vertrag von Versailles vorgesorgt sei. Die­ser räumt der Reparattonskommission das Recht ein, ein Moratorium, wie es jetzt erwogen wur­de, durch Mehrheitsbeschluß zu gewähren.

Die Härtung Frankreichs.

Wie sich der Blutsauger rechtfertigt.

(Privat-Telegramm.)

London. 15. August.

Ministerpräsident Poincare hat gestern nackunittag, nähern sich eine Einigung mit England als unmöglich erwiesen hatte, der Presse seine Rechtfertigungs-Darstellung gegeben. Er betonte, daß Deutschandeine Politik verfolge, die es zur* systematischen Zahlungsunfähigkeit führe. (?) Er habe den Vorschlag Lloyd Georges, dem Völker­bünde eine Entscheidung über die neu von Deutschland zu verlangenden Garantien zu über­lassen, nicht annehnien können, da es unmöglich sei, diesen strittigen Punkt einem Schiedsgericht

Was wirb Frankreich tun?

Die nächsten Schritte in Paris.

(Privat-Telegramm.)

Paris. 15. August.

Man behauptet, daß auch die Einberufung der Kammer in Aussicht genommen sei, sowie daß Frankreich durch den im Friedensvertragc vorge- fehcnen Schritt seinen Rückttitt aus der R c p a - rationskommission anmeldeu wird. Was das Moratorium sür Deutschland anbelangt, so behaupteten die französischen Delegierten in London, daß Belgien und Frankreich zusammen gegen das Moratorium stimmen würden, so daß also Stimmengleichheit herrsche und dadurch das Moratorium abgelehnt sei. Allerdings wür­de mtt demselben Stimmenverhältnis auch die Feststellung der absichtlichen Verfehlung Deutsch­lands Abgelehnt werden müssen.

«eine Hilfe für Oesterreich.

Haag, 15. August. (Eigene Drahtmeldung.) In bar gestrigen Abendsitzung der Konferenz kam man zu dem Ergebnis, daß weitereAn- leihen an Oesterreich unmöglich seien.

Londoner Zusammenbruch.

Zum Schlußakt der Konferenz-Komödie. (Eigene Drahtmeldung.)

Haag, 15. August.

Zu dem Kommunique des englischen Funk­dienstes heißt: Die Konferenz der Alliierten hat ihr Ende erreicht. Po t n c a r ö erklärte, er müsse fl» an die Pariser Regierung wenden, um mit ihr zu beraten. Inzwischen wurde fest­gestellt, daß die Frage des Moratori- ums an die Reparatiouskommission znrückver- wiescu werden muß. Soweit jetzt schon Beschlüsse darüber gefaßt find, wird eine weitere Ver­sammlung der Delegierten gegen Ende des Jahres ftattsinden, um die Lage, wie fle fich dann darstellt, ins Auge zu fassen. Nach der letzten 5 Uhr nachmittags begonnenen Vollfitzuag der Konferenz kehrte Poincarö in fein Hotel zurück und erklärte franzöfischen Pressevertretern gegenüber, daß die französische Abordnung Dienstag vormittag äbreise. Am Mittwoch noch wird wahrschetttti» in Paris der Minister- rat zusammcutrrteu, um über die nunmehr not­wendig werdende« Maßnahmen zu beschließen. ES ist mit der Einberufung der Kam­mer zu rechnen, pie voraussichtlich beschließen wird, die französischen Vertreter aus der Repa- rattonskommisston znrückzuziehen. Vorher wird man in diesem Ausschuß mit Unterstützung der belgischen Stimmen gegen das von Deutschland erbetene Moratorium stimmen; damit würde dieser Antrag abgelehnt.

Die Gefährlichen «Uppen.

London, 15. August. (Eigene Drahtmeldung.) Reuter meldet: Die Londoner! Konferenz, die ge­stern beendet wurde, ist an der Reparationsfrage gescheitert. Die letzte Vollversammlung beschäf­tigte sich n-och mit der österreichischen Frage und zwar wurde über die Oesterreich zu bewilligen­den Kredite gesprochen.

den war, und die darin bestehen, daß die Erttäge' aus den staatlichen Bergwerken, wie aus den Staatsforsten tat besetzten Gebiet für Repa­rationszwecke in Anspruch genommen werden konnten. Run ist in zwölfter Stunde die Kon­ferenz zusammenarbrochen, da Frankreich sich weigette, die engüschen Vorschläge anzunehmen. Man geht nach einer Komödie ruhig nach Hause. Was nun werden wird, das steht in den Ster­ne» geschrieben. * * *

Vertagte Weltkrise.

3«m letzten Akt in London.

Es ist «mch in London gekommen, wie in Genua und zuvor in Cannes, in Spaa und der. gleichen: Man vertagt die wirkliche Entschei­dung, um Zeit zu gewinnen, läßt die Dinge ,n der Schwebe, geht auseinander, und das Ergebnis alles , dessen ist, daß letzten Endes doch wieder Deutschland die Kosten dieser »Einigkeit" zu tragen hat. Immer mehr zeigt es sich, daß die wenigen Männer, die sich heute als Beherrschet der Welt fühlen, dem Zuge der Entwicklung nicht mehr Herr werden können. Die Zügel gleiten ihnen allmählich aus der Hand. Die zwangs­läufige wirtschaftliche Entwicklung, die grund­legend für die polttische Gestaltung des Weltcn- schicksals ist, meldet sich mit ungeheuerlicher Wucht und täglich drängender an. Und so ver- sällt man immer und immer wieder auf den bequemen, gegenseitig $it nichts verpflichtenden, dabei aber die Dinge immer mehr ins Gleiten stoßenden Ausweg der Vertagung bei Krise Aber g e rade bie zwangsläufige Entwicklung aller Dinge tat Weltengeschehen wirb es verhin­dern, daß ein paar führende Persönlichkeiten, Sie zufällig durch den Gang der Weltpolttik zur Höhe gehoben worden sind, es aud» noch in der Hand haben, eine Weltenkrise zu vertagen oder aus eigener Machtvollkommenheit abzu­bestellen!

Die »Einigkeit" ist also gewahrt. An einen Bruch haben wir nie geglaubt. Es ist auch noch sehr die Frage, ob die deutschen Interessen, bie nun einmal, tote auch London raubet gezeigt hat, zum Spielball der Gegner geworden sind, eine bessere und erttäglichere Wahrung hätten erfah­ren tonnen, wenn die Entente zu Bruch gekom­men wäre, und Frankreich dann das Recht zu eigenem, gewalttätigem Vorgehen abgeleitet ha­ben würde, oder wenn diese französische Strö­mung gezügelt wird durch den Einfluß der an­deren Verbündeten, die doch immerhin ein ge­wisses Interesse daran haben, nicht etwa um Deutschlands, wohl äber um der Entwicklung ihrer eigenen Länder willen, Frankreich von Un­besonnenheiten abzuhalten. WaS man in London diesmal wieder gesehen hat, ist nicht nur vom deutschen Standpunkte aus ungemein schmerz­lich, ja niederschmetternd. Man hat wieder ein­mal eine regelrechte Spielerpattei sich entwickeln gesehen, bei der einmal die eine, dann die an­dere Seite mit den stärksten Ueberraschungs- und EinschKchterungs-Bluffs arbeitete, bis man schließlich, und alles auf Kosten Deutschlands und seiner wirtschaftlichen und politischen Stellung in der Welt, ziellos nach Hause ging. Es handelte sich um drei Ratenzahlungen von je sündig Millionen und zwei Raten von je sechzig Millionen Goldmark, zusammen also um die Stundung eines BettaaeS von rweihundettund- siebzig Millionen Gokdmark. Das machte bei dem derzeitigen Stande des Dollars ungefähr einen Bettag von sechzig Milliarden P a p ie r m a r k aus! Eine phantastische Summe, die bei der erbärmlichen Lage Deutschlands tat­sächlich in den Mond geschrieben ist! Aber um welchen Preis wäre dieser Aufschub für ein paar Monate für Deutschland zu haben gewesen? Wohl hatte P o i n c a r ö mit Widerstreben, jedoch lwas man ausdrücklich hinzufügen muß!) ledig­lich sür die jetzigen Londoner Verhandlungen die Forderung der Wiedererrichtung der Zollgrenze km besetzten Rheinland und um das Ruhrgebiet herum fällen gelassen. Aber alle andern Forderun­gen waren im Großen und Ganzen faft sämtlich, wenn auch mit einigen Abschwächungen und un­wesentlichen Aenderungen angenommen worden. Das gift zunächst für bie Gestaltung der deut­schen Reichsbank, die Poinearö immer noch nicht gefällt. Obwohl die deutsche Reichsregie­rung durch Gesetz vom 29. Mai 1922 die Reichs- bank autonom, also unabhängig von der ReichS- regtentng machte, forderte Poincarö neue Garan­tien. Lloyd George hat auch zugeftimmt, daß diese Autonomie der Reichsbank noch weiter gehe, als bisher vorgesehen war, so zwar, daß ein Statut festgelegt werde, daß in ähnlicher Weise das Verhältnis der deutschen Reichsbank zur Reiibsreqierunq regelt, wie das im Verhältnis der Dank von England zur englischen Regterung der Fall ist. Der eigentliche Zweck dieser Maß­nahmen ging offensichtlich darauf hinaus, durch de Organe der Entente-Finanzkontrolle das ganze Geschäftsgebaren der Reichsbank zu über« nur eben, und hier wiederum insbesondere dikta- tt-rifche Rufsiebt über den Notenumlauf, den reuen Danknotendruck und die Ausgabe neuer Schatzanweisangen auszuüben.

Weiter war beschlossen worden, daß der Ge­genwert der 26prozenttgen Ausfuhrabgabe ebenso wie ein bestimmter, in Goldmark abzuführender Bettag aus den Zolleinncchmen der Reparations- kommission |6r die Gesamtheit der Alliierten zur Verfügung gestellt werden solle. Fm Hinter- grunde stand da.bei die Drohung der Anwendung anderer Maßnahmen, über die sich die Londoner Konferenz übrigens «mch schon schlüssig gewor-

Llm bas Moratorium.

Die beide« Ringkämpfer.

(Privat-Telegramm.)

, Paris, 15. August.

Lloyd George verlangte in der gesttigen Vor­mittags-Sitzung der Konferenz ein so f o r t i g e S und bediugungslofes Moratorium von drei Monate«. Diesem Vorschlag folgte die formelle Erklärung Pojnrarös, daß er keinerlei Konzeffionen mache, wenn ihm nicht für eine Stundung in Deutfchland neue Garantien geboten werde«, nämlich die Kontrolle der taatlichen Bergwerke und Forsten. Frankreich war bei der endgültigen Beschlußfas- ung über Deutfchland gestern früh völlig (foltert Die Schlußformel der Konferenz läßt fich dahin zufammenfaffen, daß man Lber- eingekommeu ist, nicht einer Meinung zu fein. Die Sachverständigen- Komrniffion hat festgestellt und die Vnllkonferenz hat bcschlos- fen, daß die Zahlungen im Ausgleichsverfahren, Die am 15. August fällig waren, in den nächsten vier Wochen zu zahlen find, und daß dann ein­zelne Verträge mit Deutfchland über das « « s - gleichsverfahren abgefchloffen werden sol- le«. Es verlautet, daß England und Italien solche Verhandlungen mit Deutfchland begannen.

Die große Daumenschraube

Die AuSgleichszahluugeu.

lPrivat-Telegramm.)

Mai-Erinnerungen.

Maifeier, Rathaus und Stadtparlament.

Et" Antrag, Lohn- nnb ««hallSansfall infolge d«- Maifeier der ftäbtifdien «tarnten, A». gestellten uttb Arbeiter in Höhe von 375 000 Stad a»f bie etabttaffc en übernehmen, führte «u teilweise sehr geteilten Erörterungen in Oer gestrigen Stadtverordneten Berfamnünngt

Etwas Polittk mußte, der Traditton halber, auch gestern gespielt werden, als die Stadtver­ordneten sich erstmalig wieder nach den Ferien zusamensanden. Don Anlaß dazu gab die Rückerinnerung an die Maifeier 1922. Stadtv. Hauschildt (Soz.) war für Bewilligung, weil durch Mehrarbeit an bett nächsten Tagen der Ausfall von 375000 Mark wieder aufgebracht worden sei, dagegen gab Stadtv. Leineweber im Namen -er demo­kratischen Fraktton bie Erklärung ab, daß diese aus den früher dargclegten Gründen nicht zu« stimmen könne. Die Freie bürgerliche Vereini­gung legte durch Stadtv. Kreiß ebenfalls eine ablehnende Erklärung nieder und begründet diese damit, daß der damalige Beschluß des Magi- ittats, die städtischen Dienststellen am 1. Mai zu schließen, ungesetzlich war; er sei verfassuNgS- widrig und verstoße gegen die finanziellen In­teressen der Stadt. Hier kam der erste Zwischen­ruf von der linken Seite: Wie war es denn zu Kaisers Geburtstag? Stadtv. Kreiß stellte die Frage, wie man sich die Nachholung vorstelle und erinnerte dann daran, daß der Beamten- ausschuß sich gegen ein Ruhen der Arbeit am 1. Mai ausgesprochen hatte, schon deshalb, weil eine Feier des 1. Mai mit den Ansichten der Mehrheit nicht im Einklang stehe. Das, so sagte Kreiß, war eine glatte Absage, eine klatschende Ohrfeige! In der Tatsache, daß die Stadtver­ordnetenversammlung nicht vorher befragt wor­den ist, erblickte Redner einen Verstoß gegen die Städteordnung Die Linke antwortete mit Huhu-Tönen. Und als der deutzschnabionale Redner bemerkte, am Generalstreik gelegentlich ber Beisetzung Rathenaus feien sogar Gas- und Elektrizitätswerk stillgölegt worden, warf Stadt­verordneter Hauschildt ein: Sehr richtig!

Stadtverordneter Grzesinski stellte jetzt die Frage auf, oh die Stadtverordnetenver- sammlnng überhaupt in ber Lage sei, Stellung zu dem 1 Mai-Beschluß des Magistrats zu neh­men, weil der Magistrat genau so Verfahren sei wie 1919 und 1920, und Bürgermeister Brun­ner meinte, die Sache sei nicht so gefährlich, wie sie vom Stadtv. Kreiß dargestellt werde. Wenn dieser sich darauf berief, daß das Reichs- labinett nur eine vom Erholungsurlaub abzu- zichende Beurlaubung für den 1. Mai gestattet hat, so erwidere er, daß die Stadtverwaltung keine Reichsbehörde ist. Das Reichskabinett habe die Verordnung nur für feine Beamten erlassen. Aber, so rief Stadtv. Kreiß dazwi­chen, man richtet sich bixh sonst danach. ... Ter Bürgermeister fuhr fort: Man kann das mal tun, aber auch lassen! Wenn sonst ein Arbeiter mal einen notwendigen Gang hat zum Arzt, weil die Frau krank ist oder dergleichen, so wird der Lohn auch fortbezahlt. Die Arbeiter waren bereit, auf ihren Lohn für den 1. Mai zu verzichten, aber nicht die Beamten, und so wur­den aus Gerechtigkeitsgrimden keinen von bei­den die Bezüge gestrichen. Der Bürgermeister betonte auch seinerseits: Die Arbeit ist nachge­holt worden, sonst wären Störmttzen eingetreten und das ist nicht der Fall gewesen!

Stadtv. Hauschildt (Soz.) wandte sich gegen Kiei^ der an den Rathenau-Generalstreik erinnert hatte und an die Gefährdung der Kran­kenanstalten. Letztere seien rechtzeitig benoch- ridxtiat worden und erklärten, sie besäßen Reser­ven; wäre das nicht der Fall gewesen, so würde ür Reserven gesorgt worden fein. Der Stadt­verordnete Kreiß, dessen Anschauungen, die ber ber RatHenau-Mörder nahestehen, habe diese Debatte vom Zaun gebrochen und deshalb stelle er Hauschildt jetzt den Antrag, die Vorlage an den Magistrat zurückzugeben zur Prüfimg der Frage, ob die Stadtverordneten überhaupt befugt sind, diese Frage zu behandeln. Im Jahre 1919 hätte er die Kreiß'sche Kritik verstau, den, aber jetzt nicht, nachdem der Magistrat 1919 und 1920 schon genau so wie in diesem Jahre verfahren habe. Stadtv. Dr. von Wild (Dem.) widersprach einer Aeußerung des Magistrats, daß ber Stadt fein Schaden erwachsen fei. Wenn bie Stabt nicht geleistete Arbeit bezahle, o sei das ein Schaden Daraufhin erwiderte >er Bürgermeister, daß er gesagt hat, der Aus- all sei durch Mehrarbeit ausgeglichen worden.

Vorsteher GrzesinkSki schob nun den Antrag Hauschildt in die Debatte ein und cr- toefterte ihn insofern, alS nicht der Magistrat allein, sondern eine gemischte Kommis- ion die angeregte Prüfung vorzunehmen hat zugleich mit anderen Zufnindigkeitsfragen. Diese Kommission soll aus neun Mitgliedern bestehen. Damit erklärten sich die Demokraten und dann auch die Versammlung einverstanden. Vergeb-